tabuthema suizid

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noch ein Gast

Re: tabuthema suizid

Beitrag von noch ein Gast »

Hörnchen unl hat geschrieben:Es ist ein wenig wie ein Roborter zu sein, man macht halt...
....

Aber all das vorher lief als Selbstläufer... autopilot... ohne das ich noch für irgendetwas Kraft gehabt hätte, lief nur noch das eingetrichterte Nicht-Auffall-Programm, ohne das ICH da irgendwas zu getan hätte.
Aber genau das meine ich: In diesem Roboter-Dasein geht's einem noch relativ gut. Das, was danach noch an Stadien kommt, ist ja noch viel übler. Nichts spüren ist ja immer noch besser, als wenn einen die grausamsten Schmerzen überrennen und die Angst einen komplett auffressen tut, wenn nix mehr klappt, was nach außen nötig ist und von überall nur noch Druck gemacht wird mit Zwangseinweisungen, Zwangsernährung, "Zwangsbelebung".... :( Besonders schlimm ist, wenn man alles verliert, alle Lebensentwürfe sterben, alle Träume platzen, nix mehr in Erfüllung geht, alle abhauen und man allein mit dem Trümmerhaufen zurückbleibt und dasteht und weiß: "Das war ich nicht, aber ich soll den Dreck wegmachen und alles schön wieder herrichten."

Ich bin mir teilweise vorgekommen wie das Mädchen in dem Märchen, das sie eingesperrt haben über Nacht, das Stroh zu Gold spinnen sollte und ich stand da und habe gesagt:"Das geht doch nicht! Stroh kann man nicht zu Gold spinnen! Und selbst wenn: ich weiß nicht, wie das geht!!".

Aber ich hab's gelernt. :D
Hörnchen unl

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Hörnchen unl »

Ja, ich weiß was du meinst. Für mich war dieses nichts-fühlen die Hölle! Ich hätte so gern alles hingeworfen, Schmerz erlitten, nur um irgendwas fühlen zu können. Das ging Monate so... meine Träume und Pläne sind zu diesem Zeitpunkt auch zerplatzt, vielleicht war es das was mich so abgeschossen hat das ich nichts mehr spürte. Darüber kam auch der Zugang zu mir wieder. In dem Moment wo ich wieder leide, Schmerzen habe, Angst... in dem Moment wünsche ich mir nichts mehr als wieder einen Moment nichts zu fühlen. Aber wenn es soweit ist und du kommst an absolut keine Regung mehr, das ist Folter. Das ist nicht menschlich, das ist nicht Mensch sein! Für ein paar Tage, zu ausruhen, ja, dafür ist es ideal. Aber nicht wenn man glaubt es würde sich niemals wieder eine Emotion in einem rühren.

Auch heute sitze ich auf Arbeit, habe eigentlich keine Karft dazu. Ich sitze hier und mache nichts... weil mein Hirn sich verhält wie ein schwarzes Loch, alles wird aufgesogen und nichts davon wird je wieder gesehen. Mein Freund schreibt mir, ich schreibe zurück was erwartet wird und insgeheim wünsche ich mir nichts mehr als ruhen zu dürfen.

Ja, es bietet eine gewisse Art Durchhaltevermögen, dieses Abgeschaltet sein, aber lebenswert ist das nicht. Es gibt Menschen die geben auf weil sie keine Hoffnung haben dem Schmerz jemals zu entkommen, es gibt Menschen die geben auf weil sie etwas aus der Bahn wirft, es gibt Menschen die geben auf weil sie ihre Träume verloren glauben und es gibt Menschen die geben auf weil sie vom Leben nichts mehr haben, weil sie es nicht mehr spüren können.
Es gibt soviele Gründe, aufzugeben und es gibt soviele Menschen die in Ihrem Hamsterrad weiterrennen bis zum Tod, nur das sie rennen, heisst nicht das es ihnen besser geht, als denen die im Eck liegen und nicht mehr können. Ihnen gehts nur anders schlecht.
noch ein Gast

Re: tabuthema suizid

Beitrag von noch ein Gast »

Hörnchen unl hat geschrieben:Aber wenn es soweit ist und du kommst an absolut keine Regung mehr, das ist Folter.
Das glaub' ich Dir, aber ich kann Dir sagen, dass das Gegenteil davon nicht weniger Folter ist.

Das Gefühl, dass man dabei hat, ist eine Mischung aus sich fühlen wie eine defekte Maschine (weil man nichts mehr machen kann und da wirst Du von außen so fertig gemacht und kriegst so Druck und soviel Verachtung ab) und wie bei lebendigem Leib mit Benzin übergossen werden und abgefackelt werden.

Da kannst aber dann nix mehr retten, da hast Du nur zu tun, das zu überstehen, da haste keinen Freund, keine Arbeit, kein gar nix mehr. Zudem hast Du kein Geld, aber Rechnungen kommen trotzdem... Man soll alles machen und es geht nicht. Da verzweifelt man erst....
Hörnchen unl

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Hörnchen unl »

Mehr oder weniger ist dabei sowieso nichts...

Sobald jemand daran denkt sich das Leben zu nehmen ist ein Punkt erreicht an dem nur noch Leid ist. Egal wie sich das äussert oder "anfühlt".

Ich habe oft jene bewundert die schlimme Dinge durchmachen, leiden, aber dabei nicht daran denken sich das Leben zu nehmen. Bis mir dann irgendwann auffiel, das diese einfach nur einen anderen Umgang damit haben. Denen gehts auch nicht besser, oder anderen schlechter.

Aber zum Thema zurück, warum man sich den umbringen will, wenn man doch noch ein "Leben" hat. Eben weil man das nicht mehr spüren kann.
noch ein Gast

Re: tabuthema suizid

Beitrag von noch ein Gast »

Ist vielleicht auch persönliche Geschmackssache? Mir ist nichts fühlen lieber als Schmerzen und Angst, die nicht aufhören.

Ich kenn' beides und das nicht fühlen hab' ich halt nur ganz wenig mal erlebt und im Vergleich zum Anderen war das eine Riesenentlastung.
Hörnchen unl

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Hörnchen unl »

noch ein Gast hat geschrieben:Ist vielleicht auch persönliche Geschmackssache? Mir ist nichts fühlen lieber als Schmerzen und Angst, die nicht aufhören.

Ich kenn' beides und das nicht fühlen hab' ich halt nur ganz wenig mal erlebt und im Vergleich zum Anderen war das eine Riesenentlastung.
Es ist so ein schönes menschliches Phänomen, immer das, an was man nicht leidet erscheint einem erstrebenswerter *g*

Wie gesagt, kurz ist es eine riesen Hilfe und entlastet, aber über Monate(ca 12) hinweg erscheint das nicht mehr so.
Schmerz und Angst kenne ich nun wieder nur Phasenweise, Schubweise. Glaube nicht das ich mir das länger wünschen würde, so sehr ich es auch begrüße wenn ich etwas fühle(hab heute noch oft schwierigkeiten damit).
noch ein Gast

Re: tabuthema suizid

Beitrag von noch ein Gast »

Ich hab' schon öfter erlebt, dass Menschen an ihre Gefühle kommen wollten. Ich kann nur davor warnen, das zu verklärt zu sehen.

Ich hab' zehn Jahre nur mit Angst und Schmerzen gelebt. Es gibt nicht wenige Therapeuten, die gesagt haben, sie halten es mit mir nicht mehr aus, weil sie das nicht mehr aushalten, wie's mir geht. Einer ist selber fast arbeitsunfähig geworden, weil ihn das, was bei mir war, so fertig gemacht hat. Aber die haben nur zugesehen, wie's mir ging und auch nur aus der Entfernung, ausschnittsweise.

Meine Mutter hat am Ende gesagt: "Wenn Du 'ne Überdosis nimmst und ich finde Dich, dann lasse ich Dich liegen und lass' gönn' Dir Deine Ruhe.". Das war aus lauter Verzweiflung. Keiner wusste mehr weiter.

Oft ist es so, dass man, wenn man an seine Gefühle zu sehr kommt, nicht mehr nur ein bisschen sterben will, sondern richtig und nicht nur phasenweise, sondern dauernd.

Dieser betäubte Anteil in einem wurde zum Schutz vor den Gefühlen geschaffen, die so mörderisch sind. Wenn dieser Schutz weg ist, wird's nicht besser, sondern schlimmer. Ohne gute Therapie, die Dich dann wieder schützt, bist du nicht überlebensfähig, wenn das alles hochkommt.
noch ein Gast

Re: tabuthema suizid

Beitrag von noch ein Gast »

@ Hörnchen:

Pass' auf, was Du Dir wünschst, es könnte wahr werden.

Weißt Du, wenn die Gefühle wie ein Tsunami losbrechen, dann wird's sch... peinlich und blamabel, im schlimmsten Fall endet es in der geschlossenen und/oder vorm Strafrichter/Vormundschaftsrichter und in der Betreuung. Ich kenne aus anderen Foren Leute, die den Offenbahrungseid leisten mussten, Betreuer bekommen haben usw... Alles nur, wegen Gefühlen, die so mies sind, dass die dann auch keiner mehr will und braucht. Wie's Deinem Selbstwertgefühl dann geht, wenn Du sozial und finanziell so rausgekegelt wirst, kannst Dir ausrechnen.

Ist kein Spaß.
Hörnchen unl

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Hörnchen unl »

Och, hab ich auch nie behauptet... echt nich...
Am liebsten hätt ich gar nix davon :roll:
noch ein Gast

Re: tabuthema suizid

Beitrag von noch ein Gast »

Hörnchen unl hat geschrieben:Och, hab ich auch nie behauptet... echt nich...
Am liebsten hätt ich gar nix davon :roll:
:wink:

Ach nee, Du, da wäre ich jetzt aber alleine nich drauf gekommen.... :lol: You're a funny guy!!!

Aber wir wissen es ja alle: Schlimmer geht immer!!! :mrgreen:
Bluna1206

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Bluna1206 »

Da bin ich auch anderer Meinung.
Es gibt Leute, die es schaffen in die Arbeit zu gehen. Sie velieren sich in ihrer Arbeit. Arbeiten viel ... viel zu viel. Müssen aber in der Arbeit nicht nachdenken. Und suchen nach einem Sinn. LEBT man nur um zu arbeiten? Lebe ich nur um anderen zu helfen und mich dabei zu vergessen? Wenn ich daheim bin bin ich traurig. Schaffe es nicht mich mit Freunden zu treffen, ich schaffe es nicht zu kochen, nicht zu putzen, nicht zu telefonieren. Ich will einfach alleine sein und meine Ruhe haben. Habe einfach keine Kraft mehr. Aber andererseits gibt mir die Arbeit eben noch ein Fünkchen... ohne meine Arbeit wäre ich schon tot wahrscheinlich. Aber wie lange kann man das aufrechterhalten? Das ist die Fassade, die noch da ist.

lg bluna
noch ein Gast

Re: tabuthema suizid

Beitrag von noch ein Gast »

@ Bluna:

Kenn' ich. Aber ich glaube, das ist nur ein Stadium der ganzen "Suizidal-Seinerei". Danach kommt das nächste und dann das übernächste... Immer, wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, wird's noch schlimmer. Wie tief der Abstieg dann wirklich am Ende ist, bevor es knallt, das ahnt man dort oft noch nicht, wenn man auf'm Weg runter ist. :roll:

Darf ich Dich fragen, ob Du's schon mal versucht hast? Ich erwarte keine Antwort, aber interessieren würde es mich. Vielleicht magst ja antworten, aber bitte nur, wenn das für Dich dann echt in Ordnung geht.
cold

Re: tabuthema suizid

Beitrag von cold »

hallo bluna

was du schreibst, könnte mehr oder weniger von mir stammen.
ich möchte nicht sagen, dass ich ohne die arbeit schon tot wäre, aber sie gibt mir sehr viel. sie läßt mich jeden morgen aufstehen und das durchaus auch mit einem guten gefühl. also ich muss mich nicht zwingen oder so. neben der arbeit lasse ich auch so ziemlich alles schleifen. wenn es da nicht immer mal wieder jemanden gebe, der mich rausholt auf zb nen kaffe oder nen wein, dann würde sich mein soziales leben wohl mehr oder weniger auf die arbeit beschränken.
aber das ist derzeit auch völlig ok für mich.
während der arbeit kann ich gut abschalten, was mich betrifft und der rest brauch ich für mich. mancheiner mag das vllt egoistisch nennen.
aber es ist nun mal wie es ist.
es gibt halt solche und solche zeiten und auch die werden sich wieder ändern.
Bluna1206

Re: tabuthema suizid

Beitrag von Bluna1206 »

Hallo cold,
ja für mich ist das irgendwie nicht ok :-( also wie gesagt ich mag meine Arbeit. Aber nur für die Arbeit leben und das tue ich einfach seit langer Zeit... .. ist irgendwie auch nicht das wahre. Manchmal kann mich da keine rausholen und ich sage alles ab, was ich ausgemacht habe. Also meistens eigentlich im Moment...

Hallo noch ein Gast,

ja, ich habe es einmal halbherzig versucht und das zweite mal war ernst gemeint, hat aber "nur" einen einwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus nach sich gezogen, weil es glücklicherweise niemand als Selbstmordversuch erkannt hat.
Ich weiss, dass es gerade noch eine relativ gute Phase ist, da ich weiss wie es ganz unten aussieht. Leider gehts immer mehr bergab und ich weiss nicht, ob ich überhaupt noch mal so tief sinken kann.. das würde ich nicht mehr aushalten glaube ich...

lg bluna
cold

Re: tabuthema suizid

Beitrag von cold »

@ bluna
auf dauer ist es sicher nicht das wahre, da geb ich dir recht.
ausgleich ist wichtig und wenn es ihn überhaupt nicht gibt, muss man schauen... möglicherweise die notbremse ziehen. eine auszeit.
das klingt einfach, ich weiß. und ganz ehrlich könnte ich mir im moment nicht vorstellen, im fall des falles die auch selber zu ziehen.
vllt liegt genau da auch der knackpunkt, weil man es sich selbst ja eingestehen müsste... :?
aber ich denke auch (und ich sehe es auch immer wieder), irgendwann fordert der körper seinen und die seele ihren tribut.
ich muss mich auch immer wieder dazu zwingen ausserhalb der arbeit rauszugehen und nicht abzusagen. es ist schwer und erfordert oft einen inneren kampf. aber meist lohnt es sich doch.
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