Hi...
Ich weiß garnicht wie ich den Beitrag hier am besten Anfange...
Ich will hier garnicht meine Geschichte erzählen sondern viel mehr über meine Symptome sprechen die ich heute fast jeden Tag erlebe. Vielleicht findet sich ja jemand dem es ähnlich geht. Ich spreche in meinem Privatleben so gut wie garnicht darüber und beginne bald vermutlich eine EMDR Therapie... allerdings hab ich Angst, dass ich das "mich öffnen" verlernt habe, also... wo wenn nicht hier schätze ich.
Meine Vergewaltigung (oder besser Missbräuchliche "Beziehung") ist nun bald 10 Jahre her. Ich bin jetzt 25 Jahre und mir geht es jetzt gut. Also ich meine damit ich habe ein tolles Leben. Ich habe eine tolle Beziehung, mein Traum Studium, eine super süße Katze... es könnte nicht besser sein. Aber mich lässt das ganze einfach nicht los. Ich habe vor 5 Jahren eine 2 Jährige Verhaltenstherapie gemacht zur Stabilisation und die hat mir wirklich sehr geholfen. Dennoch wurde es die letzten Jahre stetig wieder schlechter mit den Flashbacks, Albträumen und Dissoziationen... und jetzt bin ich hier... und schreibe darüber. Jedesmal wenn ich darüber nachdenke ist mein Erster Gedanke "Komm mal klar, dass sind 10 Jahre irgendwann musst du das auch mal los lassen"... ich weiß genau, dass die Neurologie und Psychologie dahinter anders aussieht. Dennoch habe ich diese Gedanken. Ich schäme mich dafür, dass mich das bis heute nicht loslässt. Genau wie meine Albträume. Ich habe viele Albträume die das Geschehene in einer verdrehen Weise oder sogar positiven Weise wiederholen und das verschlimmert meine Scham sehr. Ich hab schon recherchiert und herausgefunden, dass das ein Schutzmechanismus vom Gehirn ist um sich nachträgliche Kontrolle über die Situation zurückzuholen, aber dennoch spreche ich mit keinem darüber. Aus Angst es würde mit Tätersympathie verwechselt werden.
Oder auch nach 10 Jahren immer noch Triggerwörter zu haben die mich sofort gefrieren lassen. Scham. Wenn mir das jemand anders schreiben würde, würde ich sagen "Keiner braucht sich dafür zu Schämen. Verletzlichkeit zeigt stärke!". Aber man ist sich selbst die schärfste Kritikerin nehme ich an.
Und zur EMDR Therapie... ich glaube ich mache mir am meisten Sorgen, dass ich keinen Zugang zu meinen Gefühlen finde. Ich kann gut über meine Erfahrungen reden, weil es sich nicht anfühlt als wären sie mir passiert. Es ist als würde ich etwas erzählen, dass ich in einem schlimmen Film gesehen habe. "Ich habe Mitleid für die Protagonistin, aber das ist alles nicht soo schlimm, weil das ja nicht echt ist..."
Sollte dann doch mal irgendwas getriggert werden das Emotionen auslöst Dissoziiere ich direkt oder bekomme so einen Zitter Dissoziationsschub. Keine Ahnung wie man das nennt. Hauptsache ich fühle nichts. Naja so ganz stimmt das nicht, ich fühle mich leer, einsam und müde... aber nicht das was mich weiterbringt. Kennt das noch jemand? Was ist wenn ich EMDR mache und es garnichts bringt weil ich nichts an mich ranlasse. Ich mache das wirklich nicht mit Absicht. Ich will heilen. Ich will endlich alles hinter mir lassen. Ich weiß nur nicht wie ich das am besten mache. Wie kann ich diesen Zugang zu meinen Gefühlen finden in der Therapie? Aber andererseits will ich das wirklich?... Was wenn ich das nicht aushalte und dann mein Leben in die Brüche geht... (bisschen Dramatisch, aber Drama ist die beste Freundin von meinem Overthinker Gehirn). Ich bin wirklich verzweifelt... und ich habe so viele Fragen die mich jede Nacht aufs neue wach halten:
Ist es wirklich "normal" nach 10 Jahren noch so stark auf so ein Ereignis zu reagieren? Spiele ich das ganze nur vor? Kann ich überhaupt Gesund werden? War ich überhaupt jemals krank? Wurde ich überhaupt Vergewaltigt? Möchte ich das unbewusst einfach nicht loslassen? Möchte ich das bewusst einfach nicht loslassen? Ist das meine Schuld gewesen? Suche ich nur Aufmerksamkeit? War es wirklich so schlimm wie ich es im Kopf habe, oder verdreht mein Kopf meine Erinnerungen? Was wäre gewesen wenn ich direkt mit meinem heutigen Wissen hätte handeln können? Werden mich Leute verurteilen wenn ich darüber spreche? Denken andere Menschen ich suche Aufmerksamkeit wenn ich mich öffne?
Ich fühle mich gerade einfach so einsam und gefangen in meinem Kopf. Und da ich mit keinem Menschen außer meinen Therapeuten (aktuell bin ich aber noch nicht wieder in Therapie) darüber spreche, hab ich noch nie jemanden getroffen der diese Gedanken wirklich kennt.
Ich würde mich extrem über andere Erfahrungen freuen...
Ganz viel Liebe an jeden der das hier liest. Fühlt euch ganz doll umarmt.
xx Kara xx