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Re: tabuthema suizid
Verfasst: So Aug 05, 2012 1:29 pm
von shadow unl.
Du darfst bei mir auch schreiben ohne alles gelesen zu haben. Ist wohl eh mehr ein Jammerthread.
so bin jetzt erst mal weg.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: So Aug 05, 2012 8:47 pm
von Auf dem Weg
Ich finde BLunas Unterscheidung sehr wichtig: es ist ein riesen Unterschied ob ich im Leben bleiben soll, damit wer auch immer nicht traurig ist - oder ob ich leben soll, weil mich jemand wertschätzt und bei sich behalten möchte.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: So Aug 05, 2012 9:43 pm
von Bluna1206
Danke, Auf dem Weg
Alle schreiben von Egoismus, jeder ist egoistisch auf eine Art und Weise. Dient ja auch zur Selbsterhaltung. Aber Selbstmord begeht man nicht extra um seine Familie oder Freunde zu strafen (also weiss nicht ob das manche auch deswegen machen?) aber die meisten begehen selbstmord weil sie nicht mehr so weiterleben können, weil sie so sehr leiden, dass sie keinen Lebensfunken mehr in sich haben. Und dann noch mit dem HAMMER "schlechtes Gewissen einreden" draufhauen... .. ... bei einem Menschen der eh schon am Boden ist.
Seid alle lieb gegrüsst
bluna
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 8:39 am
von Hörnchen unl
Ich glaube der Argument "Das ist egoistisch und denk an die, die dich lieben..." ist ein verzweifelter Versuch jemanden ans Leben zu binden.
Ich wollte sterben, nicht nur im Kurzschluß, nein ich habe fast ein Jahr lang akribisch geplant und mir das absolut gründlich überlegt. Wenn wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und dennoch ist das Wissen da, dass ich nicht leben will, dann finde ich das ok. Aber es muss wirklich alles ausgeschöpft sein, deswegen ging ich in die Klinik, als letzten Versuch.
Es gab jemanden in der Zeit mit dem ich wirklich reden konnte, auch darüber. Und wir redeten viel! Sie wusste das ich meine Entscheidung für mich treffen werde und egal wie schmerzhaft es für sie sein würde, wenn es mein Wille ist, würde sie mich gehen lassen. Sie wollte nicht das ich leide und hätte es akzeptiert. Natürlich hätte ich ihr nie gesagt wann und wie, denn dann hätte ich sie strafbar gemacht. Aber in unseren Gesprächen machte sie mir klar das es ok wäre, wenn ich nicht mehr leiden wolle, wenn ich denn alles versucht hätte mir helfen zu lassen. Davor ziehe ich bis heute meinen Hut, denn diese Art von Liebe und Verständnis finde ich bis heute so selbstlos und unverwüstlich mir gegenüber, dass mir immernoch Tränen kommen. Natürlich ging sie mit mir alle Möglichkeiten durch unter anderem auch die Klinik, aber sie sah mich auch leiden und wollte mir mit Ihrem Egoismus nicht das Leben zur Qual machen.
Immernoch denke ich das es für viele extrem schwer ist und furchtbar weh tut, jemanden wegen Suizid zu verlieren. Dennoch ist es kein Akt von Egoismus andere "allein zu lassen". Warum sollte ich leiden, damit andere nicht leiden? Nein, das hab ich lange genug getan. Wenn ich für mich keinen Weg mehr sehe, dann gehe ich. Allerdings habe ich auch inzwischen gelernt das es nicht so hoffnungslos bleibt, ich würde immerwieder den Weg in die Klinik wählen.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:03 am
von noch ein Gast
Würde wohl jedem so gehen, dass er mehr vom Leben erwartet, als dass er nur für andere Mittel zum Zweck ist!?
Aber wenn ich in diesem Forum lese, dann frag' ich mich manchmal schon, warum die Leute denn sterben wollen, wenn noch soviel im Leben da ist!? Andere wollen sterben, weil sie gerade das nicht haben. Das kann ich verstehen. Aber wenn noch soviel da ist, warum will man dann aussteigen?

Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:12 am
von Hedda
noch ein Gast hat geschrieben:Aber wenn noch soviel da ist, warum will man dann aussteigen?

...vielleicht, weil das nicht genug erscheint und alles nichts mehr zählt fürs Leben? Weil "man" müde ist? Weil so viel scherzvolles da ist, was "man2 nicht mehr aushalten mag?
Hedda
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:17 am
von noch ein Gast
gästefrau hat geschrieben:ist es also notwendig, ein ziel/eine vision vor augen zu haben???
das ist es mitunter auch, was mir angst macht. ich hab kein ziel......zumindest nicht bewusst....
habt ihr denn alle ein ziel? ist es das, warum man lebt? um sein ziel zu verwirklichen? und was, wenn man sein ziel nicht erreicht?
Ich hab' mal weiter vorne noch gelesen und fand die Antworten auf diese Frage sehr lustig.

Da meinten ja viele, man bräuchte kein Ziel haben....
Das hat mein Thera mal gesagt, ganz am Anfang:
"OHNE ZIELE GEHT GAR NICHTS!!!".
Na ja, das war eine Profimeinung.
Und weiter hat er gesagt:
"Sie wissen doch überhaupt nicht, wohin Sie wollen. Na so klappt das natürlich nicht!! So, wir überlegen uns jetzt mal Ziele, bevor wir irgendwas anderes machen, überlegen wir uns jetzt Ziele! Was wollen Sie noch anstellen in Ihrem Leben? Was wollen Sie machen? Mit wem wollen Sie es machen? Wollen Sie es alleine machen? Wann wollen Sie es machen? Wie wollen Sie werden? Was wollen Sie erreichen? Was wollen Sie noch sehen und noch erleben??"
Ich bin der festen Überzeugung, dass es ohne Ziele absolut nicht geht. Besonders, wenn's nicht gut läuft, ist die Orientierung zum Ziel hin, immer eine, die verhindern kann, dass man aus der Kurve fliegt, dass man aufgibt.
Ziele sind sehr wichtig, um sich immer wieder aufzubauen und seinen Kurs beizubehalten und sich abzugrenzen, Prioritäten zu setzen usw... Da kommt ganz viel als Rattenschwanz hinterher, was man braucht, um im Leben klarzukommen.
Also die Sache mit den Zielen sollte man vielleicht noch mal überdenken. Wichtig ist auch immer:Standortbestimmung machen! Wo steh' ich jetzt? Wo will ich hin?
Konkret bleiben, das hilft im Alltag, sich nicht in abstrakten Lebenssinnfragen rumschlängeln, sondern aktiv schauen, wo man konkret im Alltag was drehen und ansetzen kann.
Das wäre so mein Tipp für ein besseres Leben. Tipps für's Umbringen hab' ich keine, nur dafür, wie man davon wegkommt.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:23 am
von noch ein Gast
Hedda hat geschrieben:noch ein Gast hat geschrieben:Aber wenn noch soviel da ist, warum will man dann aussteigen?

...vielleicht, weil das nicht genug erscheint und alles nichts mehr zählt fürs Leben? Weil "man" müde ist? Weil so viel scherzvolles da ist, was "man2 nicht mehr aushalten mag?
Hedda
Danke für die Antwort. Sowas kenn' ich zwar auch, aber nicht so, wie ich es hier z.T. zu lesen bekomme.
Wichtig wäre aber dann:
- zu lernen, dass es doch genug sein kann und sogar sehr viel für's Leben zählt -> Einstellungsänderung
- wenn man müde vom Leben ist, braucht man Pause und nicht den Tod? Oder? Ich meine, man könnte erst mal die weniger einschneidende Alternative wählen?
- Wenn die Schmerzen zuviel sind, dann wäre wichtig, sie zu reduzieren oder ganz wegzukriegen. Evtl. Medikation und/oder Verhaltenstherapie, damit sich die alltägliche Lebensqualität steigern kann
Ich denke, wenn jemand noch arbeiten gehen kann und eine Partnerschaft schafft, sowas wie einen geregelten Tagesablauf hinkriegt, noch in Urlaub fährt, ist er noch regelrecht topfit im Vergleich zu vielen anderen. Aber sogar die, die das alles nicht mehr können, haben es schon oft geschafft, doch noch auf die Sonnenseite des Lebens zu hüpfen. Aber dafür muss man echt kämpfen. Und wenn man nicht den Willen dazu entwickelt, dann wird man auch nicht kämpfen können.
Ich kann's gut verstehen, wie's vielen geht. Trotzdem ist es schade, dass sie das, was sie noch zur Verfügung haben, so gering schätzen, statt es als Sprungbrett da raus zu nutzen. Tragisch ist das. Viele wären sehr froh, sie hätten so'ne Basis noch, von der aus sie durchstarten könnten.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:26 am
von Hörnchen unl
Man will aussteigen weil man nicht weinen kann, nicht lachen kann. Man sieht eine schöne Blume, will weinen und schreien weil man keine Freude darüber empfinden kann, nur um dann festzustellen das nichtmal mehr die Enttäuschung darüber zu spüren ist. Alles was man hat ist egal, nichts dringt mehr zu einem durch. Was soll man in der Welt wenn nichts da ist was einen berührt oder was bedeutet? Man ist einfach nur unendlich müde... einfach nur müde.
Was hält einen in der Welt wenn es keine Gefühle mehr gibt, ausser den endlosen Schmerz den man manchmal spürt. Ohne Gefühl gibt es keine Hoffnung, keine Träume, keine Ziele... da gibt es nichts mehr. Deswegen steigt man aus...
So aus meiner Sicht...
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:30 am
von Hedda
Ich verstehe gut, was du meinst, Gast.
Und ja, ich glaube auch, dass es beides gibt.
Das Kämpfen und das nicht-mehr-kämpfen-wollen.
Aber hier raus zu finden, zu sagen, es lohnt immer! (tut es das wirklich?) zu kämpfen für das Leben, dazu brauchts Stärke und Unterstützung von außen und ja, auch wie du schreibst, das Wollen.
Immer ein neues Sortieren und den Willen immer wieder neu, die eigenen Ressourcen zu sehen und zu aktivieren.
Hedda
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:31 am
von Hedda
... und wer legt letztlich fest, was lebenswert ist und was nicht?
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:35 am
von noch ein Gast
Hörnchen unl hat geschrieben:Man will aussteigen weil man nicht weinen kann, nicht lachen kann. Man sieht eine schöne Blume, will weinen und schreien weil man keine Freude darüber empfinden kann, nur um dann festzustellen das nichtmal mehr die Enttäuschung darüber zu spüren ist. Alles was man hat ist egal, nichts dringt mehr zu einem durch. Was soll man in der Welt wenn nichts da ist was einen berührt oder was bedeutet? Man ist einfach nur unendlich müde... einfach nur müde.
Was hält einen in der Welt wenn es keine Gefühle mehr gibt, ausser den endlosen Schmerz den man manchmal spürt. Ohne Gefühl gibt es keine Hoffnung, keine Träume, keine Ziele... da gibt es nichts mehr. Deswegen steigt man aus...
So aus meiner Sicht...
Kenn' ich auch. Aber wie schafft man das, dann noch zu arbeiten usw...
Ich stelle mal die provokante These auf, dass jemand, der noch Job und Freund stemmen kann, noch die Wohnung putzen kann usw.. nicht permanent in dieser Verfassung sein kann, sondern scheinbar nur zeitweise/phasenweise (???)...
Wenn für so ein Alltagskram wie Arbeiten usw.. noch Energie da ist, dann ist doch auch noch die Energie da, um was an dem, wie es ist, was zu verändern. So empfinde ich das, dass da noch Kraft da ist, sonst könnte man das nicht leisten. Andere müssen ja auch einfach kleinbei geben und müssen in AU und haben alle möglichen Nachteile dadurch.
Klar, was da beschrieben wird, ist eine Depression, Verzweiflung auch, evtl. auch Leere in der Dissoziation oder Betäubtsein. Aber jemand, der doch ganz und gar mit dem Leben fertig ist und total kaputt ist, der kann eigentlich nicht mehr am normalen Leben teilnehmen. Also muss doch da was noch sein, was die, die draußen rumrennen und noch zumindest den Anschein wahren, aber auch suizidal sind, von denen trennt, die in der Psychiatrie sitzen, suizidal sind und das aber nicht mehr können??
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:40 am
von noch ein Gast
Hedda hat geschrieben:
Aber hier raus zu finden, zu sagen, es lohnt immer! (tut es das wirklich?) zu kämpfen für das Leben, dazu brauchts Stärke und Unterstützung von außen und ja, auch wie du schreibst, das Wollen.
Nee, das glaub' ich nicht, dass es sich immer lohnt! Aber man weiß das vorher nicht und wenn man halt da raus will, dann ist es der einzige Weg, deshalb denke ich, sollte man den gehen und sich dagegen entscheiden, weil es die besseren Chancen ergibt für ein besseres Leben, wenn ich konsequent angehe, was zu ändern, statt rumeiere und mal links, mal rechts will. Das wird die größere Quälerei, wenn man es unterm Strich sieht, wenn man ambivalent hin und her gurkt.
Ich wundere mich ein bisschen, weil ich kenne und kannte Leute, denen es viel, viel schlechter geht, als ich bei manchen hier lese, aber die haben unglaublich für sich und für ihr Leben gekämpft. Die haben unglaublich viel ertragen und ausgehalten und haben sich da durch geprügelt, weil sie gesagt haben: "Wenn ich jetzt sterbe und aufgebe, dann war alles, was ich hatte, nur Kacke. Das kann's nicht gewesen sein! Das war zu wenig, was ich Gutes hatte!! DA MUSS NOCH WAS KOMMEN!!! Und ich werde es mir holen!!".
Manchmal ist das Leben so schlimm, dass man wieder anfängt zu kämpfen...
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:46 am
von Der Fährmann.
Der Tod lässt immer die leiden, die bleiben... Und die Lebenden haben das Recht auf Selbstbestimmung. Über ihr Leben. Ihr Leiden. Und auch über ihren Tod...
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Aug 06, 2012 11:48 am
von Hörnchen unl
Es ist ein wenig wie ein Roborter zu sein, man macht halt...
Gut damals war ich daheim, arbeitslos... aber ich ging zur Thera, arbeitete ehrenamtlich, machte alles was man machen soll um einer Depression zu umgehen.
Es lief, wie von Geisterhand... ich kam nach Hause, setzte mich aufs Sofa und blieb dort, bis was anderes anlag. Ohne Regung, ohne Antrieb. Ich räumte auf, machte den Haushalt wenn jemand zu Besuch kam, weil man das so macht...
Das hat nicht zu heissen das man alles hinbekommt. Ich konnte dann Rechnung nicht zahlen, oder hab es einfach nicht. Die Briefe lagen unbeachtet im Briefkasten, wenn der voll wurde landete alles im Müll, ungesehen. Weil das niemand aussen sah... Ich wusch meine Klamotten kaum, ging kaum mit dem Hund raus, tat nichts mehr, was ich nicht musste um "normal" zu erscheinen. Alles andere, wie gesagt, ging von allein... eher aus Resignation, als aus einer Kraft herraus.
Ich ging, wie beschrieben dann in die Klinik. 3 Wochen lang wusste niemand was ich da eigentlich will... Patienten hielten mich für eine Ärztin, wusste ja auch gut über alles Bescheid, erzählte ganze Bücher über Störungen und Medikamente... alles weil es immer so war. Weil ich aus Zwang weitergelaufen bin... und dennoch, war ich schon nahezu tot. Nach 3 Monaten schaffte es eine Therapeutin zu mir durch, Medikamente wirkten und ich begann mich wieder zu spüren. Aber all das vorher lief als Selbstläufer... autopilot... ohne das ich noch für irgendetwas Kraft gehabt hätte, lief nur noch das eingetrichterte Nicht-Auffall-Programm, ohne das ICH da irgendwas zu getan hätte.