Therapiestunde mit dem Thema Abschied.
Es sind nun genau drei Jahre vergangen. Drei Jahre voller Misstrauen, Vertrauen, Wut auf sie, Vertrauen, Selbstverrat von anderen an sie.
Vor drei Jahren war ich teilweise gar nicht anders, wenn ich mich beschreiben sollte, ich wüsste nicht, wie ich mich beschreiben sollte. Unstabiler,
das fällt mir gerade ein.
Ich habe seit einem Jahr und bald zwei Monaten eine Beziehung. Die mal schlechter, mal noch schlechter, jedoch seit ein paar Wochen, Monate besser läuft. Vieles ist passiert, vieles was eine Beziehung auseinander hätte bringen können. Und auch heute erfüllt mich das Ganze voller Misstrauen und Wut, wenn ich zurückdenke.
Aber ok, eine Chance wurde gegeben...jetzt liegt es an ihm, diese auszunutzen, auszubauen. Was er auch seitdem wirklich macht.
Drei Jahre, vor drei Jahren war ich noch in der Schule, davor hatte ich ja meine Ausbildung gemacht. Ja, Schule, es sollte auf das Abitur zu gehen. Super Sache, dann der Unfall mit meiner Mutter, erneut ein sexueller Übergriff einen Tag später. Das hat uns dann vollends aus der Bahn geschmissen. Ein neuer Anteil entstand. Und dieser nahm sich fest vor, Hilfe zu suchen. Über eine Schulsozialpädagogin sind wir dann bei ihr gelandet...bei meiner Beraterin. Ja... und sie hat drei Jahre alles mitgemacht, wirklich alles.
Ich bin ihr so dankbar, dass sie das alles ausgehalten, mitgemacht hat. Immerwieder vermittelt, neue Denkanstöße, Erklärungen für mich hatte. Und ja, ich werde sie vermissen. Sehr sogar. Aber nun gut, wir reden ja auch seit dem vorletztem Mal darüber, dass ich diese Therapie bei ihr beenden werde. Und ich habe geschwankt,
von der Angst, von dem Alleingelassen fühlen, bis jetzt auf etwas neues blicken. Sie hat gesagt, sie wird auch weiterhin da sein, wenn irgendetwas ist. Wenn ich dort vor Ort eine Unterkunft gefunden habe, die mich wohlbehütet aufnimmt. Die Beratungsstelle wird es weiterhin geben. Auch das hat mich beruhigt.
Ja, ich kann jetzt nach Vorne blicken. Bis zum 29.02. verbringe ich noch meine Arbeit im Kiga, dann werde ich zwei Wochen später mein Studium anfangen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Es bedeutet wieder einmal Abschied nehmen für mich. Es wird in beiden Fällen ein Abschied mit Tränen werden. Ich habe mich sowohl in der Therapie als auch im Kindergarten so wohl gefühlt, so geborgen. Ich bin froh, dass mir das Leben in beiden Fällen die Chance gegeben hat, die Erfahrungen dort zu machen.
Ich werde auch innerhalb des Hauses umziehen. Es steht also auch Tapetenwechsel an. Andere Farben, andere Zimmer, andere Aufteilung. Auch hier wird es einen neuen Schritt geben.
Even im Umbruch.
Aus dem Buch des Lebens kannst du keine Seiten rausreissen, aber du kannst ein neues Kapitel aufschlagen.
Und das werde ich versuchen zu tun. Und ich bleibe auch in dem Bewusstsein, was an den Anfängen des Buches steht. Das möchte und kann ich nicht vergessen. Es gehört zu mir.
Die Nächte machen es mir nur schwierig... immer wieder erlebe ich den sexuellen Missbrauch. Aber ich suche da meinen Weg hindurch...

aber ich werde es schaffen...
Evenstar