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Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mi Mär 07, 2012 12:00 pm
von Emotio
nein, shadow, ganz im Gegenteil. Es geht dir vermutlich nicht zu gut, sondern du ziehst im Moment noch ale Register, die gegen eine Klinik sprechen, was ich weiss Gott verstehen kann.
Doch warum sagst Du, dass Du NIE in eine Klinik gehen würdest? Hast Du bereits schlechte Erfahrungen gemacht? Fürchtest Du Dich dort vor den Ärzten oder vor den Mitpatienten oder geht es nur darum, dass du öffentlich nicht zugeben kannst, dass es dir so schlecht geht, also dem Grunde nach, dass Du nur krank bist?
Ich habe diese Phasen alle hinter wir und ich wiederhole mich vermutloch, wenn ich sage, erst als ich akzeptierte, dass ich bin wie die anderen, als ich in die Gruppengespräche und auch sonst annehmen konnte, was dort geboten wurde, ging es mir besser. Ich hörte auf, mich zu vergleichen, sondern blieb so weit es ging, bei mir. Es gibt auch in Kliniken genügend Ecken, in denen man ausweichen kann. Es gibt auch unter den Krankenschwestern und Pflegern einzelne Menschen auf die man gern zu geht- und klar auch welche, um die man gern einen ganz großen Bogen macht.
Dass Du mich jetzt bitte nicht falsch vestehst, Klinik ist scheiße, aber sich so elend zu fühlen ,dass man lieber sterben möchte, damit es aufhört, das ist viel, viel schlimmer.
Emotio
P.S. Hast Du denn für Dich eine Alternative gefunden, wenn auflösen nicht geht und der Anruf beim Thera- den man dann ja meist ehe nicht sprechen kann - nicht geht? Wer verschreibt Dir Medikamente? Ich habe dafür einen Psychiater , dessen Sprechstundenhilfe mich reinschiebt, wenn ich ihn brauche.
zu wirrli,
ich denke, dass wir eigentlich nie sterben wollen, sondern einfach keinen Schalter finden, damit das Scheißgefühl endlich wieder aufhört. Ich gehe einmal davon aus, dass es sich bei uns immer um psychiatrische Kliniken handelt. Die anderen Kliniken sind doch so wie Hausärzte, sie haben von unseren "Schmerzen" keine Ahnung, meinen es sicher gut, sind aber in der Regel völlig überfordert. Wenn ich allein an das traurige Dackelgesicht meines Hausarztes, mit dem wir auch noch befreundet sind, denke, als ich das erste Mal wegen Depressionen zu ihm kam. Ich hatte keine Ahnung, er hatte keine Ahnung. Ich tat ihm Leid und er verschrieb mir fürs Überleben irgend welche "Hämmer". Ich suchte mir dann den Psychiater und er empfahl mir eine Terapeutin. Die Therapie ist beendet, der Psychiater ist mein Notruf und wenn es wieder so weit sein sollte, dass nichts mehr geht, schreibt der Hausarzt eine Einweisung in die Klinik.
Was die Klinik selbst betrifft, muss man Augen und Ohren aufmachen und rumhören. Ich fahre in die, die am weitesten weg ist. Das ist blöd für meine Frau, wenn sie mich dann besuchen kommt, aber die ALternativen klingen einfach für mich nicht so gut.
Emotio
dem immer wieder etwas dazu einfällt
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mi Mär 07, 2012 3:40 pm
von *wirrli
*wirrli hat geschrieben:wie gut ich das verstehen kann (wobei ich unterscheiden muss: gute Klinik kann wirklich sehr sehr hilfreich sein!!)
aber bei mir geht es um Psychiatrie.
Emotio hat geschrieben:Ich gehe einmal davon aus, dass es sich bei uns immer um psychiatrische Kliniken handelt. Die anderen Kliniken sind doch so wie Hausärzte,
Was ich meinte wr alternativ eine "gute" psychosomatische Klinik
aber da wirds akut schwierig!
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mi Mär 07, 2012 5:49 pm
von Emotio
ok, habe verstanden. Ich denke aber auch hier muss erst einmal die Diagnose eindeutig sein und auch bei psychosomatischen Erkrankungen wird man klären müssen, woher die Krankheit kommt und das Ganze ganzheitig betrachten müssen.
Ich bekam z.B. im Zusammenhang mit einer Entlassung 1982 einen Bandcheibenvorfall und musste in die Klinik. Klar wurde in erster Linie orthopädisch behandelt. Für mich war die Klinik deshalb sehr gut, weil man dort auch der Psyche Raum gab. Nach 7 Wochen wurde ich entlassen, ohne dass die ursprünglih beabichtigte Operation durchgeführt werden musste.
Was ich damit sagen will ist, dass Psychatrie, wenn sie gut ist, eher an die Wurzeln des Übels kommt, und die Psychosomatische Klinik dann anschließend besser helfen kann.
Emotio
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mi Mär 07, 2012 6:41 pm
von shadow unl.
@Emotio
Weshalb ich nicht in eine Klinik gehen möchte, hat mehrere Gründe.
Ich habe smb durch einen Arzt erlebt und daher gehe ich nur hin, wenn ich muss. Blöderweise gehört für mich mein momentaner Zustand nicht dazu. Ausserdem habe ich beruflich viel mit Psychiatrien zu tun und kann mir daher nicht vorstellen dahin zu gehen - schon weil man mich in mindesten zweien in meiner Gegend kennt.
Ich habe keinen Arzt und nehme keine Medikamente.
Ergo, mir gehts zu gut. Was will ich also?
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mi Mär 07, 2012 6:59 pm
von Wintersonne
*wirrli hat geschrieben:
aber bei mir geht es um Psychiatrie.
Ein no-go
besonders bei DIS!
Sagte mein Therapeut auch, dass er das für absolut kontraindiziert hält und nur in wirklich heftigen suizidalen Phasen in Erwägung ziehen würde, die ambulant nicht mehr zu händeln sind. Ansonsten ein no-go, auch hier.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mi Mär 07, 2012 8:51 pm
von Auf dem Weg
NUr zur ERgänzung - ich geh in keine Klinik, weil ich dann nicht mehr autonom entscheiden kann. Und Mehrbettzimmer ginge schon gar nicht .......
@shadow .......ich weiß es auch nicht, einfach weil der point of no return bei jedem Menschen anders aussieht. Aber ich denke, solange du noch bereit bist dich zumindest hier zu offenbaren und Möglichkeiten zu diskutieren, geht noch irgendwas.
Für mich kenne ich es so, dass in akut suizidalen Krisen in meinen GEdanken nur noch Raum war für den Tod - und meine Kinder.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mi Mär 07, 2012 11:03 pm
von Emotio
shadow
zu gut, wohl nicht, sonst wärst du wohl nicht hier. Aber alle Achtung, du scheinst Dich und Deine Schwierigkeiten ohne Arzt und Medikamente gut im Griff zu haben, kommst demnach in der Regel damit klar, ich finde das ist viel, sehr viel. Dann kann ich Dir nur noch die Daumen drücken und Dir wüschen, dass Deine Energie immer stark genug bleibt, dass das auch so bleibt.
Wintersonne,
vielleicht kann ich hier nicht mehr mitreden, denn ich schluckte während einer starken depressive Episode Schlaftabletten, eigentlich nur, damit es aufhört, richtig wach wurde ich dann allerdings erst wieder in der Intensivstation und kam in die Phsychatrie. Auch während des nächsten heftigen depressiven Schubs nach zwei Jahren drohte mir meine Therapeutin, mich einweisen zu lassen, wenn ich nicht bereit wäre, von mir aus zugehen. Und wieder zwei Jahre später, 2011 braucht ich nur noch einen leichten Stubs vom Hausarzt, damit ich freiwillig ging.
Solange die suizidalen Phasen beherrschbar bleiben, ich erinnere mich noch an das erste schlimme Mal, da schlief ich mehr oder weniger drei Wochen war krank geschrieben und hatte keine damals keine Ahnung, was mit mir los war. Es war halt kaum noch auszuhalten und der "kleine Tod " , der Schlaf half mir zu überleben.
Ich habe mich hier eingemischt, weil man sich der Gefahr bewusst sein muss ,dass die suizidalen Krisen sich verstärken können und man dann nicht mehr weiß, was richtig ist und was nicht.
auf dem Weg,
vielleicht kannst Du erzählen, was du tust, wenn in deinen Gedanken nur noch Raum ist für den Tod - und für deine Kinder, ist.. Was hilft Di r dann wieder rauszutreten, aus dieser gefährlichen Spirale.
Emotio
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Do Mär 08, 2012 7:37 pm
von Auf dem Weg
Klar kann ich das erzählen - wobei nur der erste Teil vielleicht für jemand anders hilfreich ist. Ich nähre dann nämlich bewusst meine Wut auf die Täter und versuche klar zu kriegen, dass ich ihnen diesen Triumph nicht gönne.
Was letztendlich hilft ist , mir die Bilder von Mutters Tod wieder aufzurufen. Sie starb ja durch Suizid, mit dem Auto frontal und unangeschnallt an einen Baum, Airbag gabs nicht.
Ich hatte die Ehre das Auto entsorgen zu lassen, die Geschwister zu benachrichtigen etc. Sie hat noch gelebt, bis wir dann die Maschinen abstellen ließen - aber sie war nicht mehr kenntlich. Und ich werde diese Bilder nie vergessen können.
..........und ich bin sicher, dass ich meinen Söhnen das nicht antun werde.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Fr Mär 09, 2012 5:37 pm
von Emotio
Auf dem Weg,
ich habe den Eindruck, Du kannst richtig wütend sein. Das lese ich aus Deinen Zeilen und ich glaube, das kann helfen und geht mir so völlig ab. Ich habe inzwischen ja auch gelesen, was Du beim Tread "und was sagt Mutter" geschrieben hast. Es ist schon sehr erstaunlich, wie unterschiedlich mit psychischen Verletzungen umgegangen wird.. Was wäre alles anders geworden, wäre meine Frau jemals in der Lage gewesen, den Vater für die Tat und die Mutter für ihren "Missbrauch" zu hassen und ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Und ich Idiot, als ich in diese Familie kam und sah, wie kühl Tochter und Eltern miteinander umgingen, brachte meine Frau dazu, sie später bei der Begrüßung und beim Verabschieden zu umarmen. Damals wusste ich noch nichts und sehnte mich nach einer "heilen" Familie.
Emotio
, wie kühl
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Fr Mär 09, 2012 9:03 pm
von Auf dem Weg
@emotio - das konntest du ja auch nicht ahnen, also mach es dir bitte nicht zum Vorwurf.
Und ich kann richtig böse werden, ja - aber das hab ich mühsam lernen müssen. Hass ist übrigens kontraproduktiv, weil man nur hassen kann, wen man liebt und weil Hass an den Täter bindet.
Meine Theras mussten mich über lange Zeit bös provozieren, bis ich überhaupt Zugang zu meiner Wut bekam. Die dann auch in der Thera auszuagieren im Ringkampf oder auch verbal, hat noch mal lange gedauert zu lernen.
Aggression - das Wort heißt ja übersetzt "vorwärts schreiten" - brauchen wir um in der Heilung weiter zu kommen, weil da ja ganz viel Energie drin steckt , das empfindest du schon richtig.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Mo Mär 19, 2012 7:11 pm
von gästefrau
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Do Mär 22, 2012 10:25 am
von Madleen2
Also weißt du

Eine Freundschaft besteht nicht nur, wenn man keine Probleme hat, das sind gut Wetter freundschaften, also keine Echten. Eine Freundschaft geht auch durch Höhen und Tiefen, du solltest ihnen wirklich die Möglichkeit geben, auf die Probleme zu reagieren.
lg
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Do Mär 22, 2012 11:29 am
von Madleen2
Wenn sich ein Mensch wegen der grausamen Sachlage umbringt- dann hat der TÄTER gewonnen und hat gesiegt. Man sollte sich schon überlegen, ob man das will, mir wäre es der Täter nicht wert, dass er gewinnt.
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Do Apr 19, 2012 3:21 pm
von Gast
Re: tabuthema suizid
Verfasst: Do Apr 19, 2012 5:34 pm
von gset
Madleen2 hat geschrieben:Wenn sich ein Mensch wegen der grausamen Sachlage umbringt- dann hat der TÄTER gewonnen und hat gesiegt. Man sollte sich schon überlegen, ob man das will, mir wäre es der Täter nicht wert, dass er gewinnt.
Dieser Gedanke brachte mich durch ein paar Jahre Teenagerzeit.
Inzwischen sehe ich diese und solche Aussagen als (für mich) problematisch. Nicht nur, aber vor allem, weil es ja dann heißen würde, dass denjenigen, die es "nicht geschafft" (was bedeutet das?) haben, "es der Täter wert war". Und das wäre schon ein starkes Stück zu behaupten. Im Prinzip kann m.E. so eine Haltung indirekt sogar das System mit aufrechterhalten - indem ich so tue, als habe mir all das ohnehin nichts anhaben können, oder, indem ich überhaupt so tue, als sei nichts gewesen. (Muss nicht sein, kann aber.)
Aber, wie gesagt. Als Jugendliche hat mir das auch stark mitgeholfen, zu überleben. Inzwischen kann ich mit dem Gedanken an einen Wettkampf nichts mehr anfangen.
Und ich denke, Vieles hat mit "wollen" leider nicht viel zu tun.