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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Aug 20, 2025 5:26 pm
von A.Rhiannon
Liebe Eli, liebe Elefantenmädchen,
vielen Dank erneut für eure lieben und mitfühlenden Worte und für das Teilen eurer Erfahrungen mit ähnlichen Gefühlen und Situationen.
Danke Eli fürs Sehen, Verstehen und Mitfühlen. Das fühlt sich auf mehreren Ebenen irgendwie tröstlich an...
Ja, die Therapeutin wird vermisst. Ich hoffe auch, dass es mit der Zeit weniger wird, sich verändert. Vielleicht wenn dem Vermissen immer mal wieder Raum gegeben wird.
Ich habe auch überlegt, ob die Kleinen vielleicht auch eine Art Brief oder Bild gestalten können. Etwas, was nicht abgeschickt wird, was aber beim Loslassen hilft. Irgendwie so.
Danke Elefantenmädchen fürs Teilen der Selbstfürsorge. Ja, Meditation empfinde ich manchmal auch als sehr hilfreich. Für die Gedanken, für die Ruhe und für den Körper. Dem Körper Sicherheit zu geben finde ich wie gesagt auch immer noch oder immer wieder sehr wichtig.
Unter der Woche sind die Gefühle nahezu abgespalten. Da fühle ich nur manchmal ein dumpfes Gefühl der Traurigkeit oder irgendetwas ganz Tiefes. Ich habe nahezu keinen Zugang und wundere mich dann. Bis es mir rational wieder einfällt und ich mich auf rein rationaler Ebene erinnere, dass da etwas war und dass es sich schlimm angefühlt hat. Wahrscheinlich ist das eine Art Schutz, um den Alltag zu bewältigen.
Dann, wenn ich zur Ruhe komme und mir am Wochenende mal bewusst Zeit nehme und ins Gefühl rein gehe, dann kann ich diesen schlimmen Schmerz und die Trauer, den Verlust, zulassen. Das ist dann wie gesagt auch irgendwie befreiend für den Moment.
Vielleicht ist das ja ein Teil des Weges. Vielleicht ist das ja ein Bestandteil von Balance.
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Sa Aug 23, 2025 8:46 am
von A.Rhiannon
Mir ist aufgefallen, dass diese Gefühle sich aber permanent auf meinen Alltag auswirken. Natürlich. Unbewusst trage ich sie immer mit mir herum. Es beeinflusst mein Fühlen und mein Handeln permanent. Es ist unglaublich anstrengend. Dadurch, dass ich diesen kindlichen Wunsch, diese so unglaublich starke Sehnsucht danach gesehen und lieb gehabt zu werden, in mir trage... dadurch fällt es mir so unglaublich schwer bei mir und meinen Bedürfnissen zu bleiben und Grenzen zu setzen. Daher mache ich mich immer noch immer wieder selbst so klein. Obwohl es insgesamt schon über die Jahre so viel besser geworden ist, begleitet es mich doch noch bei jedem Schritt. Das ist mir diese Woche so sehr bewusst geworden.
Insgesamt fällt mir auf, dass bei mir viele Gefühle dadurch ausgelöst werden, dass ich noch zu wenig bei mir selbst bin und noch zu sehr von anderen als guter Mensch wahrgenommen werden möchte. Meist definiere ich mich dann über meine Leistungen oder ich bin zu sehr bei den Bedürfnissen anderer und zu wenig bei meinen eigenen. Dadurch gehe ich dann insgesamt über meine Grenzen.
Selbst wenn ich es schaffe eine Grenze zu setzen bin ich dabei zu wenig bei mir. Durch die Grenzsetzung wird so viel Unsicherheit und Selbstverurteilung ausgelöst. Sobald nach der Grenzsetzung jemand meine Grenze infrage stellt, ruhe ich nicht in mir und kann sie nicht ruhig nochmal setzen. Sondern es löst meine eigene Unsicherheit und Selbstverurteilung aus, sodass ich meine Grenze bzw. mich selbst als Mensch noch mehr hinterfrage und nicht zu mir und meinen Bedürfnissen und meinen Grenzen stehen kann. Entweder gebe ich dann nach, was Wut auf mich selbst und den Wunsch von meinem Gegenüber lieb gehabt zu werden auslöst. Oder ich gebe unter wütenden Protest nach. Wut auf mich selbst und Wut auf mein Gegenüber und gehe trotzdem über meine Grenze anstatt diese souverän erneut zu vertreten. Die Wut auf andere kann ich mir dabei eigentlich nicht erlauben und sie ist mir sehr unangenehm. Das löst zum einen noch mehr Wut auf mich selbst aus und zum anderen hat es zur Folge, dass ich mich noch kleiner mache und dann noch viel mehr bei den Bedürfnissen anderer bin und nicht bei meinen eigenen.
Diese Woche war dadurch unendlich anstrengend. So sehr, dass es gestern dann Gefühle von Aufgeben ausgelöst hat...
Vielleicht ist es ja trotzdem ein Fortschritt das inzwischen so wahrnehmen und reflektieren zu können. Vielleicht hilft es langfristig auch trotzdem weiterhin Zeiten einzubauen, um die Gefühle dazu auch zuzulassen. Ja, wer weiß...
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: So Aug 24, 2025 8:01 pm
von elefantenkind
Ich kenne das so gut, was du schreibst.
Manchmal kommt es mir vor, als hätten alle (viele) als Kind diese Fremdsprache gelernt (ich kenne noch nicht mal den Namen dieser Sprache). Und ich versuche als Erwachsene mühsam Wortschatz und Grammatik zu lernen. Lese ein Buch über Selbstliebe, besuche einen Workshop zum Thema Wut, übe in der Therapie meinen Körper in Konflikten noch zu spüren… überlege mir zuhause, wo meine Grenzen liegen und vergesse es dann auf Arbeit wieder…
Ich würde dir sehr wünschen, dass du in deinen Bemühungen nicht wütend auf dich selbst wirst. Bei den Bedürnissen anderer zu sein, das haben wir ja quasi mit der Muttermilch aufgesogen (ich bin nicht gestillt worden, das wäre meiner Mutter zu mühsam gewesen). Ich habe von Geburt an gelernt, die Bedürfnisse anderer über meine eigenen zu stellen. Selbst wenn ich es auf einer praktischen Ebene noch hinbekomme, auf emotionaler Ebene ist es noch viel schwerer.
Sei nicht böse auf dich selbst, wenn es so schwer für dich ist. Es ist schon viel, dass du es wahrnehmen und erkennen kannst. Verurteile dich nicht für deine Geschichte, dein Gepäck, deine Art zu sein. Du hast dir nichts davon ausgesucht.
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mo Aug 25, 2025 6:31 pm
von A.Rhiannon
Liebe Elefantenmädchen,
ganz lieben Dank für deine mitfühlenden Worte!
Manchmal kommt es mir vor, als hätten alle (viele) als Kind diese Fremdsprache gelernt (ich kenne noch nicht mal den Namen dieser Sprache). Und ich versuche als Erwachsene mühsam Wortschatz und Grammatik zu lernen. Lese ein Buch über Selbstliebe, besuche einen Workshop zum Thema Wut, übe in der Therapie meinen Körper in Konflikten noch zu spüren… überlege mir zuhause, wo meine Grenzen liegen und vergesse es dann auf Arbeit wieder…
Darin erkenne ich mich sehr wieder. Auf der einen Seite sehr traurig, dass du das auch so erfahren hast und auch so empfindest. Auf der anderen Seite irgendwie tröstlich damit nicht allein zu sein.
Ich habe von Geburt an gelernt, die Bedürfnisse anderer über meine eigenen zu stellen. Selbst wenn ich es auf einer praktischen Ebene noch hinbekomme, auf emotionaler Ebene ist es noch viel schwerer.
Dem stimme ich auch zu. Und gestillt wurde ich übrigens auch nicht. Kann schon sein, dass das bereits einiges mit der Bindung macht, obwohl es wahrscheinlich nicht allein darauf ankommt, sondern auf noch so vieles mehr.
Da ist so viel falsch gelaufen in der Bindungserfahrung...
Kein Wunder, dass ich mich auf so vielen Ebenen nicht angenommen fühle.
Danke dir für die lieben Wünsche. Ich versuche es. Ich übe es. Es gibt da gute und schlechte Phasen denke ich. Insgesamt ist es ein langer Weg, ein unglaublich anstrengender Prozess, was man von außen gar nicht so sehen kann... Aber es geht vorwärts in kleinen Schritten... Nach und nach.
Dir auch alles Liebe! <3
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Apr 15, 2026 8:07 pm
von herzkrank
ja, ich glaube, es ist ein langer anstrengender weg. aber ich merke, über die jahre ging es immer mal in einem seminar oder so 10 schritte vor und im alltag wieder 9.5 zurück. aber aus den übrigen halben wird mit der zeit doch eine gewisse entwicklung. morgen gehe ich zb. zu einem seminar zum thema grenzen setzen. und zu selbstliebe will ich mir auch noch was suchen. bisher habe ich da auch wenig ahnung, wie das aussehen soll. vielleicht am ehsten fake it until you make it. dass ich manchmal frage, was würde ich jetzt für besuch tun. und wenn ich umfangreich kochen würde, mache ich mir immerhin ein bisschen was zu essen. damit mein inneres lernen kann hoffentlich, dass es auch wert ist
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Do Jul 23, 2026 1:57 pm
von A.Rhiannon
Danke herzkrank für deine Worte und Sichtweise dazu!
Ich habe mich nachdem ich jetzt quasi 1 Jahr lang mehr oder weniger auf verschiedenen Ebenen nur noch funktioniert habe und mich immer wieder völlig am Ende gefühlt habe, heute nochmal mit Erinnerungen und Gefühlen aus meiner frühen Kindheit auseinandergesetzt. Das war irgendwie notwendig, da mich derzeit wieder starke Verlassensängste begleiten und mich diese noch mehr in das Funktionieren über alle meine Grenzen hinweg hineintreiben.
Trigger
Ich bin wieder allein im Keller und habe Angst. Ich weiß nicht wie ich mich und meine Mutter beschützen kann. Dann habe ich Angst vor xxx. Ich habe Angst um meine Mutter. Gleichzeitig bin ich so unendlich traurig darüber, dass meine Mutter so wütend auf mich war. Ich habe das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben, nicht gut genug gewesen zu sein, weil ich es nicht geschafft habe sie zu beschützen. Ich habe das Gefühl, dass es meine Schuld war, dass xxx mir weh getan hat und dass er meiner Mutter weh getan hat. Ich habe das Gefühl, dass es meine Schuld war, dass er mich und meine Mutter tö*en möchte, weil ich nicht brav genug war und weil meine Mutter auch so sauer auf mich war und sie Schmerzen und Angst hatte wegen mir und geweint hatte, dass ich deshalb als Strafe allein in den Keller muss. Ich fühle mich so als hätte ich keine Liebe, keine Zuneigung, keine Fürsorge, keinen Schutz und Trost und Sicherheit verdient, als sei alles meine Schuld. Als müsste ich es irgendwie schaffen, dass es anders wird, aber gleichzeitig fühle ich mich so überfordert und alleine mit allem und weiß einfach nicht wie ich es schaffen kann mich und meine Mutter zu retten und es zu schaffen dass ich es verdient hätte wieder lieb gehabt zu werden. Ich habe das Gefühl, dass ich mich noch mehr anstrengen und noch mehr alles richtig machen müsste, noch mehr gehorchen und das tun, was alle von mir wollen, damit ich vielleicht ein bisschen wieder gutmachen kann und lieb gehabt werde. Gleichzeitig fühle ich mich davon so überfordert und habe das Gefühl, dass ich das alles nicht kann, alles nicht schaffe und lieber vielleicht von alleine t*t wäre, weil ich es nicht verdient hätte zu leben und weil ich es auch einfach nicht schaffen kann, dass es besser wird und dass ich das aber auch nicht nochmal fühlen möchte, dass ich dann lieber t*t wäre.
Trigger Ende
Meine liebe Kleine,
es war nie deine Schuld. Es war nie deine Verantwortung. Es tut mir so sehr leid, dass du das erleben musstest und dass du nicht beschützt wurdest und auch danach so alleine damit gelassen wurdest. Deine Mutter als Erwachsene hätte sich Hilfe bei anderen Erwachsenen holen können. Sie hätte xxx verlassen können, um dich zu beschützen. Dass sie es nicht konnte, sagt nichts über deinen Wert aus. Du bist ganz liebevoll und richtig genauso wie du bist. Du als Kind hattest keine Wahl. Das tut mir sehr leid.
Inzwischen ist viel Zeit vergangen und wir sind erwachsen. Du kannst dich nun ganz an einem sicheren Ort ausruhen und darfst ganz Kind sein. Die Erwachsenen von uns kümmern sich um Erwachsenen-Sachen. Du bist sicher. Du wirst geliebt. Danke für deine Stärke und für alles, was du so lange tragen musstest. Du bist nicht mehr alleine. Heute darfst du Sachen machen, die dir gut tun. Du darfst Nein sagen und schauen, was sich gut anfühlt und was nicht. Du darfst ganz so sein wie du bist. Du musst nicht alles machen, was andere von dir verlangen. Du darfst selbst überlegen, ob und was du davon wirklich machen möchtest, weil du es möchtest. Du darfst vor allem auch ganz ausruhen und zur Ruhe kommen. Du bist in Sicherheit. Du wirst geliebt genauso wie du bist.
Ich hoffe, dass das mit der Zeit auch im Gefühl und im Erleben ankommt…
A.Rhinannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: So Aug 02, 2026 5:51 pm
von A.Rhiannon
Und nochmal mit leicht anderen Worten:
Meine liebe Kleine,
es war nicht deine Schuld. Du hättest die Mutter nicht beschützen können mit mehr Anstrengung oder indem du noch braver gewesen wärst. Du warst und bist genau so gut genug wie du bist. Jedes Kind sollte von den Eltern lieb gehabt und getröstet und beschützt werden – einfach so, ohne dafür etwas tun zu müssen. Du hättest nichts anders machen können. Es tut mir leid, dass du nicht gesehen und nicht getröstet und nicht beschützt wurdest und all das Schlimme erleben musstest und damit so alleine gelassen wurdest. Es war nie deine Schuld. Du hättest nichts ändern können und nichts anders machen können. Es hätte nichts geändert. Auch wenn sich das ganz schlimm und haltlos anfühlt – heute bist du nicht mehr alleine damit. Du musst das nicht mehr alleine tragen. Heute sind wir erwachsen. Wir sind in Sicherheit. Du darfst dich heute ausruhen und ganz zur Ruhe kommen. Du bist wertvoll. Ruhe und Erholung sind ganz wichtig. Die Erwachsenen von uns kümmern sich um Erwachsenen-Dinge und beschützen dich heute, sodass deine und unsere Grenzen gewahrt werden und du ausruhen kannst. Ausruhen ist heute sicher und wichtig. Du bist gut und wertvoll wie du bist. Ich hab dich lieb und du bist mir wichtig. Danke für alles, was du bisher allein für uns getragen hast.
Hoffe wie gesagt, dass es immer mehr auch im Erleben ankommt. Vielleicht hilft dazu als nächstes die Umsetzung zu üben, also Ausruhen und Grenzen setzen üben und nach Innen geben, dass das heute so in Ordnung und sicher ist. Das ist eine große Herausforderung und dennoch wahrscheinlich ein wichtiger und notwendiger Schritt. Damit gespürt und erlebt werden kann, dass ich als Erwachsene heute die Sicherheit und den Schutz und den Halt und das Gesehen-werden geben kann, was damals nicht durch die erwachsenen Bezugspersonen gegeben werden konnte.
Vielleicht geht es in kleinen Schritten...
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Aug 05, 2026 2:21 pm
von Evenstar
Liebe Kleine,
die Große hat so recht. Es war nie deine Aufgabe noch braver und netter zu sein. Deine Aufgabe war es, ein Kind zu sein, ohne Sorgen und Nöten, ein Kind, dass spielen kann, ohne Hintergedanken, was dabei passieren könnte. Ein Kind, dass sich auflehnt, wenn es nicht das Lieblingsessen gibt, ein Kind, was sich trauen darf, zu sagen, was es nicht möchte ohne eine Strafe dabei fürchten zu müssen.
Die Erwachsenen sind schuld, du bist nicht schuld. Du bist und warst ein Kind. Kinder dürfen Kinder sein und Erwachsenen haben die Verantwortung!
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Aug 05, 2026 4:13 pm
von A.Rhiannon
Liebe Even,
danke für die lieben und herzlichen Worte. Sie kamen bei der Kleinen an.
Das tat besonders gut, weil gerade das Ungesehen-Sein, diese absolute Einsamkeit damals am schlimmsten waren.
Schwierig ist es für mich im Heute, da sich immer mal wieder so eine Stimme "einmogelt", die sagt, dass bei all den Dingen, die ich erlebt habe und inzwischen wieder erinnere und gefühlt habe, diese Situationen und Gefühle doch nicht so schlimm gewesen sein konnten.
Aber doch! Das waren sie...
Es war schlimm.
Evtl. Trigger
Ich war noch so sehr klein, im Kindergartenalter. Ich erinnere mich, dass meine Mutter es gesehen hatte und anstatt mich zu beschützen hatte ich plötzlich das Gefühl ich hätte erstens mich selbst schützen müssen, zweitens meine Mutter beschützen müssen und drittens das unerträgliche Gefühl ihren Schutz nicht wert zu sein, sondern schlimmer noch, sogar dafür bestraft werden zu müssen.
Das Gefühl von der Person, von der meine ganze Welt abhing (Fürsorge, Sicherheit, Liebe, Vertrauen) so behandelt worden zu sein, das zerbrach meine kleine große Welt.
Das Gefühl auf den Trost und den Schutz und das Verständnis meiner Mutter zu warten nach all dem körperlichen und seelischen Schmerz, der mir zugefügt wurde... Wo sie es doch gesehen hatte... Auf die Umarmung zu warten und darauf in ihrem Arm, auf ihrem Schoß hemmungslos weinen und sich verkriechen zu können, sich in Liebe, Fürsorge und Sicherheit fallen lassen zu können, Trost zu erfahren. Dieser Wunsch war so unsagbar groß.
Aber sie kam nicht zu mir, um mich zu trösten oder um irgendwie für mich da zu sein. Sie ließ mich allein obwohl sie es gesehen hatte. Und ich war wirklich der festen Überzeugung, dass sie mir helfen und dem ein Ende setzen wird. So sehr habe ich es als kleines Kind bereits als falsch empfunden was mir angetan wurde. Doch dann wurde es verdreht.
Dann kamen die Drohungen und Beschuldigungen durch ihn. Dann kam anstatt Schutz, Trost und Verständnis durch meine Mutter die Bestrafung durch sie. Nicht, dass sie mich "nur" damit allein gelassen hätte (und danach immer und immer wieder), nein, sie hat mich dafür auch noch bestraft (immer und immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise). Zusätzlich dazu hat sie mir immer wieder das Gefühl gegeben von Grund auf falsch und alles andere als auch nur annähernd liebenswert zu sein. Und ja auch selbst schuld zu sein.
Wenn ich das so schreibe macht das inzwischen etwas mit mir.
Lange Zeit habe ich dazu gar nichts gefühlt. Dann war da ganz viel Wut.
Was jetzt immer wieder darüber da ist, ist eine tiefe Traurigkeit. Ich fühle die absolute Hilflosigkeit und Verzweiflung der Kleinen darüber. Ja, über was eigentlich, den "Verlust" der Mutter? Einer Mutter wie sie hätte sein sollen?
Auf jeden Fall darüber, dass diese innerste wichtigste Sehnsucht nach der Mutter nicht erfüllt wurde und daraus resultierten so viele Selbstzweifel.
Wenn meine Mutter hingesehen hätte und damit meine ich, wenn sie mich und meinen Schmerz gesehen hätte und mir dabei das Gefühl gegeben hätte mich und meinen Schmerz zu sehen. Wenn sie mich getröstet hätte und zumindest versucht hätte mich zu beschützen, dann hätte doch vieles anders und mir vieles, was danach alles noch kam, erspart bleiben können. Das denke ich zumindest. Ich denke es hätte einen Unterschied gemacht.
Aber so war es nicht. Ihr Verhalten zog sich weiterhin so durch...
Irgendwann war ich das so gewohnt. Egal was ich erlebte.
Aber in diesem jungen Alter zerbrach es meine ganze Welt.
Ich darf es nun langsam fühlen. Die Seele lässt ja bekanntlich nur das zu, was sie bereit zu halten ist. Vielleicht bin ich im Heute bereit diesen Schmerz langsam selbst zu halten und zu heilen, insofern das möglich ist. Vielleicht ist allein das Zulassen des Schmerzes ein Heilungsschritt.
Dabei möchte ich noch mehr fähig sein es nicht abzuwerten oder klein zu reden. Denn das war es nicht.
Der Schmerz damals war lebensbedrohlich groß. Es zerbrach meine ganze kleine große Welt. Es nahm mir jegliche Hoffnung und jegliches Vertrauen.
A.Rhiannon