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Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 12:40 pm
von Gast Rubber
@ Melli
Du musst etwas falsch verstanden haben.
Niemand hat hier geschrieben, das er eine Rente lebenslänglich vom Staat erwerben möchte !
Über dies möchte ich auch betonen, das der Staat, zumindest in meinem Fall, Jahrzehnte weggeschaut hat / man überliess mich den Tätern (ich möchte aus persönlichen Gründen nicht eindeutiger werden).
Sogar das zustehende Jugendamt hat die Pein nicht sehen wollen. Bedenke, es sind teilweise studierte Fachspezies. Ich finde schon und das ist kein Anspruchsdenken, das der Staat heute in Rechenschaft gezogen werden muss.
Ich bin nicht nur psychisch am Haus gefesselt, auch körperlich. Ich bin allumfassend schwer erkrankt. Dies sind die katastrophalen Folgen einer verlorenen gegangenen Kindheit, die von schwerster Brutalität geprägt ist.
Die Ausnahme bin ich sicherlich nicht.
Hier muss man ganz bestimmt nicht auf andere Länder schielen, es sei denn man ist selbst nicht hart vom Schicksal betroffen.
Ich möchte keinen Krieg führen, ich stecke mit mir selbst mitten drin.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 12:58 pm
von Meli-2006
toll, diese Unterstellungen sobald man auch nur einen Hauch von Kritik an der Anspruchshaltung hat: anscheinend bin ich deiner Meinung nach "nicht hart vom Schicksal getroffen" - Danke schön! Ich frage mich allmählich ernsthaft, ob ich hier echt noch weiter versuchen soll, Leuten mit Tipps zum OEG zu helfen:-(
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 1:08 pm
von Gast Rubber
@ Meli
Es solte nicht falsch ankommen, doch fängst du bewusst die Dinge gezielt - negativ - ab.
Du bist hier angefangen Missmut zu treiben, ich wollte helfen zur Orientierung.
Hmmm ist mir wohl nicht gelungen.
lg
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 1:32 pm
von Meli-2006
Nee, leider nicht. Mich erschüttert echt diese Haltung von wegen als ob es selbstverständlich zu sein hat, dass es eine Entschädigung gibt. Es ist eben nicht selbstverständlich und es ist doch bewundernswert, dass es so ein Gesetz überhaupt gibt, finde ich. Wie es gehandhabt wird natürlich nicht, aber dass es überhaupt so ein Gesetz gibt, dafür empfinde ich schon großen Respekt.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 3:42 pm
von Gast Rubber
@Meli
Hmmmm das sagt doch niemand.
Wie es gehandhabt wird natürlich nicht,
Ja stimmt.
aber dass es überhaupt so ein Gesetz gibt, dafür empfinde ich schon großen Respekt.
Ja.
lg
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 5:48 pm
von spange
Hallo Meli-2006!
Irgendwie kann ich dich verstehen. Ich habe auch zuerst (mein Verfahren läuft "erst 2 Jahre) gewütet - ich will entschädigt werden, der Staat hatte ja schließlich jahrelang versagt. Ich merke aber, dass die Wut auf den Staat, auf Gesetze mir nicht weiterhilft. Ent-Schädigen, den Schaden von mir nehmen, das kann kein anderer. Das kann nur ich selbst tun mit Hilfe anderer, indem sie mir zuhören, indem es kein Tabu bleibt. Das Geld würde sicher etwas lindern. Ich glaube, es geht einfach darum, dass uns jemand hört, der Staat hört, was tut. Die Gesetze sind sicher nicht einfach so entstanden - sondern weil sich auch früher schon Leute (Opfer) dafür eingesetzt haben, dafür gekämpft haben. Und warum sollen wir das nicht auch tun. Warum soll es in 30Jahren nicht noch bessere Gesetze geben, noch mehr hingeschaut werden?
LG Spange
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 5:50 pm
von Mikki
Hallo zusammen,ich muss sagen ich bin traurig das manchen Dinge einfach falsch aufgefasst werden,wir sind eigentlich,also so geht es mir,hier um uns auszutauschen. Ich bin sehr dankbar das es dieses forum gibt,denn hab von einigen lieben Menschen viel kraft dadurch geschenkt bekommen und Hilfe.
Jeder hier hat ein schweres Schicksal, drum lasst uns doch weiterhin gemeinsam den Weg gehen.
l.g Mikki
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 5:59 pm
von Meli-2006
Spange, der Punkt gefällt mir:-)
Mikki, du weißt hoffentlich sehr genau, dass du nie gemeint warst bei meinen Äußerungen, das dürftest du eigentlich handfest wissen.
Mir gefiel einfach nicht, wohin dieser Thread abdriftete und ich finde schön, dass nun so viele sich zu Wort gemeldet haben.
LG
Meli
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 7:26 pm
von ingebommel
Hallo es geht mir auch nicht ums Geld, sondern darum, wie mit Menschen umgegangen wird. Das macht mich einfach wütend. Nein nach 1976 bin ich nicht mehr ve*** worden, denn ich bin mittlerweile 58 Jahre alt. Als es passierte, war ich 9 Jahre alt. Seit 17 Jahren mache ich alles damit es mir besser geht, aber es funktioniert nicht. Ich konnte erst mit 30 Jahren darüber sprechen. Klar ich habe viel geschafft in meinem Leben, bin 30 Jahre verheiratet (glücklich auch ohne Sex, wahrscheinlich glauben mir das die wenigsten von euch), habe zwei Kinder und wohne seit 4 Monaten in der Nähe der Nordseeküste). Aber die Seele und das Gehirn vergisst doch so etwas nicht.
Das Gesetz gibt es.
Ich habe nicht gewusst, dass man 50 % der Schädigung haben muss, wenn man vor 1976 ver*******t wurde. Mein Anwalt hat mir das nicht gesagt. Und das Ld. Niedersachsen hat es am Anfang der Zahlung nicht gemerkt. Ich habe einen Grad von 30.
Es sollte eigentlich nicht so rüber kommen, dass ich es nur des Geldes wegen mache. Ganz bestimmt nicht. Es geht ums Prinzip. Ich bin kein Mensch zweiter Klasse.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 8:18 pm
von spange
Ich muss mal ne ganz andere Frage einwerfen, das ist mir jetzt so euren Antworten aufgefallen.
Das LVA hat meine Ablehnung begründet, dass bei Taten vor 1990 man eine Schädigung von 50% haben muss. Jetzt lese ich, vor 1976. Ist das von Land zu Land verschieden? Bei mir Sachsen-Anhalt. Dann noch....vor 1976? Das heißt, 1976 gilt schon das andere Gesetz? Bei mir war es schon davor, aber 1976 auch.
Hat da vielleicht jemand eine Idee?
LG spange
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 8:25 pm
von ks
Meli-2006 hat geschrieben:Hi, ks,
wenn du einen Antrag auf OEG stellst, werden die sicher die alten Akten heranziehen, soweit noch vorhanden. Da das letzte Gutachten schon 10 Jahre her ist und sich gerade auf dem Gebiet der Aussagepsychologie bezüglich der Anforderungen an diese seit dem BGH-Urteil von 1999 einiges getan hat, könnte ich mir vorstellen, dass das Amt eventuell eine erneute Begutachtung in Auftrag gibt. Da in deinem Fall jedoch der Täter benannt und verurteilt wurde, müsste das eigentlich genügen.
Du solltest, falls du noch keinen hast, dir unbedingt einen Anwalt nehmen für deinen OEG-Fall. Anwälte (s.o.) bekommen viel schneller Akteneinsicht und können dich beraten bezüglich des weiteren Vorgehens. Der Weiße Ring vergibt auf Anfrage Beratungsscheine für Anwälte (falls du arm bist) und sie kennen auch meist die Anwälte vor Ort, die sich wenigstens auf dem Papier angeblich "gut" mit OEG auskennen.
LG
Meli
Hallo Meli,
danke für deine Antwort. Ich bin nun recht kurzfristig in Reha gefahren und komm nur sporadisch zum reinschauen.
Das Gutachten wurde Anfang 2002 gemacht. Ich habe mich wegen meinen Akten bisher soweit erkundigen können, dass bei der Staatsanwaltschaft diese 30 Jahre aufgehoben werden müssen. Irgendwie wohn ich einer Gegend, wo sich keiner auskennt.

Wir haben nichteinmal selbsternannte Opferanwälte in der Nähe.
Aber ich werde deinem Tip folgen und beim Weißen Ring nachfragen. Dazu kam ich jetzt gar nicht mehr. Hier ging alles so hopp la hopp. Die nächste Stelle wäre etwa 40km weiter. Aber die Auskunft können sie mir doch sicherlich auch so geben oder?
Theoretisch ist mein Fall klar, aber wie ich schon mitbekommen habe ist das auch nicht sicher. Naja mein Psychotherapeut ist wohl der einzigste Erfahrene was OEG angeht. Er hatte wohl erst 3 Patienten damit und er wurde zum begutachten ausgesucht. Ich hoffe so, dass ich nicht wieder ein Glaubwürdigkeitsgutachten machen muss. Das war damals extrem anstrengend. Aber das Gericht hatte im Urteil mich für voll glaubwürdig "ernannt". Ich hoffe das wird anerkannt.
Nun wird in wenigen Wochen ein weiterer Bericht für die Akte folgen. Die Reha ist hauptsächlich deswegen und so wie es aussieht geradewegs in die Erwerbsminderungsrente.
Übrigens find ichs super wie du hier anderen zur Seite stehst und deine Erfahrungen weitergibst.
LG ks
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 9:02 pm
von ingebommel
Also mir hat man gesagt, dass Ver*****en von 1949 bis 1976 nicht berücksichtigt werden. Es gibt aber eine Härtefallregelung, man muss einen Grad der Schädigung von 50% haben. Das stellen Gutachter fest(bei mir waren es zwei Gutachterinnen). Wie gesagt, ich wusste nicht, dass ich mit 30% nicht anerkannt werde, sonst hätte ich sofort weiter gemacht. Ich denke dieses Gesetz ist überall gleich.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 9:19 pm
von Gast Rubber
@ Ingebommel
Es sollte eigentlich nicht so rüber kommen, dass ich es nur des Geldes wegen mache. Ganz bestimmt nicht. Es geht ums Prinzip. Ich bin kein Mensch zweiter Klasse.
Und wenn -
Auch die kleine finanzielle Hilfe vom Staat kann nicht gegen den Schaden, den wir alle genommen haben, entgegenwirken, aber es ist wenigstens ein Zeichen der Anerkennung.
Kein Opfer hört auf zu klagen, indem es "nur" anerkannt wurde. Verständlich.
lg
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: So Jan 15, 2012 10:35 pm
von Meli-2006
Ich mach mal ne Sammelantwort:
1. ingebommel - ich weiß nicht, was ich dazu schreiben soll, ehrlich gesagt, hab schon viel nachgedacht. Es ist ungerecht, dass die Taten erst ab 1976 zählen, aber wie sollte es denn anders gehen, wenn es vorher das Gesetz nicht gab. Ich wünsch dir sehr, dass es dir doch gelingt, irgendwie da einen Weg zu finden... da ich selbst einen OEG-Antrag laufen habe, und nicht weiß, ob der jemals durchkommen wird oder nicht, bereite ich mich innerlich schon seit einiger Zeit darauf vor, dass es sein kann, dass das nicht klappt. Ich habe für mich festgestellt, dass ich erstaunlicherweise darüber nicht bitter werde, zumindest momentan noch nicht. Es gibt so viel, was ich weiter für Opfer oder besser "Betroffene" tun kann, mein Leben wird immer Sinn machen - so oder so...
2. spange - bei dir gilt, glaub ich, dass die Taten vor in Krafttreten der "Vereinigung" nicht zählen, kann das sein? Gab es ein Opferentschädigungsgesetz in der DDR? Ich weiß das nicht, mutmaße eben nur, dass es deshalb das Jahr 1990 ist als Stichtag. Waren deine Taten denn alle in der DDR?
3. ks - wenn du kannst, frag in der Reha, ob du den Abschlussbericht VORHER lesen darfst. Die können dir mündlich alles Mögliche versprechen - es zählt nur, was schwarz auf weiß da steht. In dem Fall ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste:-)
4. GastRubber, ich würde das Geld nicht als Anerkennung des Leides sehen. Mir ging es mit meinem Antrag vor allen Dingen darum, den Behörden und Instanzen zu verdeutlichen, dass Schädigungen durch sexuellen Missbrauch kein "Privat"-problem sind, sondern die gesamte Gemeinschaft belasten. So hoffe ich, dass deutlich wird, dass dieses Verbrechen mehr gesühnt werden muss in den Urteilen gegen die Täter... natürlich würde das Geld helfen, weil - wie ich mal gelesen habe - ist Geld ein "Ichverstärker", klar - weil man dann mehr Möglichkeiten hat, sich auszudrücken und zu gestalten. Ich bin sehr arm, ehrlich gesagt, hab ich mich dermaßen daran gewöhnt, dass ich bei vielen Dingen immer wieder denk "das brauch ich nicht"... nicht schön, weil es irgendwie auch was Resignatives hat.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Mo Jan 16, 2012 8:42 am
von Gast Rubber
@ Meli
GastRubber, ich würde das Geld nicht als Anerkennung des Leides sehen.
Aber mitunter als Anerkennung zählen.
Weisst du, früher waren wir den Tätern Tag für Tag ausgeliefert, wir wurden lebenslänglich ruiniert, bestraft und heute haben wir das Recht mit unserer Kraft, mit den Therapeuten, das Gesetz für uns in Anspruch zu nehmen. Wir müssen uns keinefalls schämen, wir wollen nur unser Recht, das was uns zusteht, nicht mehr und nicht weniger. Das ist doch völlig legitim.
Das schönste Gefühl bleibt aber, das man uns GLAUBEN schenkt.
Ich wünsche allen hier Kraft und Zuversicht.
lg