Hallo liebe Fee,
und erstmal vielen Dank für Deine Antwort! Es ist ermutigend zu hören, dass Du das alles geschafft hast und es Dir nun viel besser geht. Wie lange hat es denn ungefähr gedauert, bis es Dir wirklich bemerkbar besser ging? Oder lässt sich das nicht so sagen?
Ich stehe ja genau am Anfang und es scheint wie ein rießengroßer Berg...
Wir machen EMDR nur 14-tätig, also eine normale Vorbereitungs-bzw. Nachbereitungsstunde, dann eine Doppelstunde EMDR. Die nächsten Wochen werden auch unterbrochen sein, ich habe diese Woche eine reguläre Stunde und die Woche darauf möchte meine Therapeutun kein EMDR machen, weil sie direkt im Anschluss im Urlaub ist, also werden wir nochmal Stabilisierung machen. Mitte März wird wohl wieder eine Stunde anstehen, dann bin ich Anfang April im Urlaub... erleichternd irgendwie, wenn ich ehrlich bin. Aber danach wird es in dem 14-tägigen Rhythmus weitergehen.
Nachmittagstermine hat meine Therapeutin aktuell nicht frei- sie hat auch schon geschaut und auch versucht, mit jemandem zu tauschen, aber das hat nicht geklappt. Sobald nachmittags ein fester Termin frei ist, werde ich den wohl bekommen- aber sie meinte schon, dass das momentan nicht absehbar ist. Freitagnachmittag wäre natürlich super- aber ich denke mal ,das geht allen so und ich bin eben nicht die einzige Patientin. Ich muss sehen, wie ich mich mit den Gegebenheiten, wie sie eben sind, arrangieren kann und werde das auch mit ihr nochmal besprechen.
Stabilsierungstechniken machen wir im Anschluss dort noch gemeinsam, sie hat mich letzes mal direkt zu meinem sicheren inneren Ort geführt usw. So Sachen hat die echt gut drauf... auch diese Orientierungs- und Achtsamkeitsgeschichten, die laufen da ganz automatisch mit. Damit komme ich dann klar, direkt nach der Sitzung ist es ja auch erstmal ok gewesen soweit... ich war einfach nur müde und ausgelaugt... und dann traurig. Aber es sind eben diese neuen Erinnerungen, die mich so richtig umgehauen haben, und die kamen erst 2-3 Tage später. Und die schwirren eben noch herum, die konnten wir gar nicht alle in der letzten Stunde bearbeiten- ich flüchte mich dauernd zu meinem sicheren inneren Ort, aber das hilft auch immer nur für Momente. Da ich die Woche nochmal krank geschrieben bin, geht das- daheim versuche ich dauernd, mich da hin zu beamen... und kann auch andere Skills anwenden, was in der Arbeitswelt ja eben nicht immer so funktionert (zumal ich bei der Arbeit häufig getriggert werde).
Mit meinen Freundschaften hast Du schon recht... an sich denke ich auch, dass ich es versuchen muss. Bis jetzt hab ich eben nie mehr raus bekommen als "mir geht es nicht so gut". Ich konnte noch nicht mal sagen, dass es mir schlecht geht. Und Du hast vollkommen recht, das "taff tun" kommt definitiv daher, dass ich früher auf mich alleine gestellt war und zusehen musste, wie ich klar komme. Wenn man sich das als Kind schon aneignet und die Haltung verinnerlicht, muss man diese dysfunktionalen Verhaltensweisen und Annahmen erst mal wieder verlernen... und neues lernen. Ich merke eben grade, wie schwierig und nervenaufreibend es ist. Wenn ich mich umsehe, habe ich den Eindruck, dass die meisten Menschen das gut können- um Hilfe bitten, sich trösten lassen, einfach authentisch sein, das ist es vielleicht. Ich war nie authentisch, wäre es aber sehr gern. Um diese Zeit, in der EMDR ansteht schaffen zu können, werde ich irgendwann damit anfangen müssen, glaube ich.
Hattest Du denn Menschen, die wussten, was los ist? Falls ja, wie hast Du das gemacht? War es schwierig, sich anzuvertrauen? Und wie haben die Leute reagiert? Wenn ich zuviel frage, sag es... oder antworte einfach nicht darauf
Hast Du bei der Arbeit manchmal trotzdem Schwierigkeiten gehabt? Und hast Du dort irgendwas begründet? Ich habe immer das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, wenn ich nicht so super drauf bin... oder frage mich jetzt schon ,was ich den Kolleginnen erzähle, wenn sie fragen, was ich denn hatte, als ich krank war (ich bin sonst nämlich nie krank, letztes Jahr wenns hochkommt vielleicht insgesamt 5 Tage, an denen ich wegen Migräne daheim geblieben bin).
Meine Schlafstörungen... das ist tatsächlich das einzige, bei dem sich Resignation breit macht. Ich hab schon so ziemlich alles durch, was geht. An Entspannungsübungen, Stabilisierungstechniken, Einschlafritualen, Entspannungs-CD`s, Hörbücher... Das, was ich mache, ist abends immer das gleiche Hörbuch hören, das ich mir immer wieder anhören kann und das mich beruhigt. Aber Schlafen kann ich davon auch nicht wirklich. Ich war schon in der Schlafambulanz, die hatten auch ganz viele Tipps... die ich alle kenne und ausprobiert habe. Genau das wollte meine Therapeutin auch erst- zunächst die Schlafproblematik ein wenig in den Griff bekommen, um EMDR machen zu können. Irgendwann sagte sie, dass das alles so stark traumabedingt ist, dass sie den Eindruck hat, dass ich da so nicht rauskomme und wir beginnen sollten. Naja, wir versuchen jetzt mal mit der Medikation irgendwas hinzubekommen, sie wollte sich mit meiner Psychiaterin in Verbindung setzen und die werden besprechen, was in meinem Fall wirksam sein könnte. Denn auch die meisten Medis nutzen nichts... oder teilweise erst in so hohen Dosierungen, dass ich die unter der Woche auf gar keinen Fall einnehmen kann, weils nen schlimmen Hangover gibt und ich dann nicht leistungsfähig bin. Aber fürs Wochenende könnte zumindest mal was gutes gefunden werden. Ich werde sehen, ob die beiden sich da was haben einfallen lassen.
Bei der Selbsthilfegruppe ist es so, dass einmal jährlich eine neue gegründet wird. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird dieses Jahr im Sommer/Spätsommer eine geplant. Ich habe aber diesbezüglich ein Gespräch in zwei Wochen, die führen mit allen Interessierten Einzelgespräche, dann werde ich mehr erfahren. Ich finde das Konzept an sich gut, ich würde mir wohl auch schwer damit tun, wenn ständig neue Frauen raus und rein kämen. Ich muss mich eben in Geduld üben- und mir eingestehen, dass ich lange, lange Zeit nichts getan habe und nur verdrängen wollte und eben nicht alles auf einmal geht.
Diese Traurigkeit verging bei Dir irgendwann, sagst Du? Obwohl Du noch im dem Prozess warst?
Darf ich fragen ,wie lange ungefähr die Therapie bei Dir her ist?
Ich finde es wirklich ermutigend von Dir zu hören, dass der Weg sich für Dich so gelohnt hat, Du keine Flashbacks mehr hast... Danke für Deine Offenheit!
Liebe Grüße
Ivi