Guten Tag...
schleiche mich wieder hier rein.
Gestern Abend eine sehr gute Unterhaltung geführt. Mich von diesem "Ich darf nichts über mich rauslassen" wieder distanziert.
Gehe ich offener mit mir um? Hab ich nun mehr Verständnis für mich selbst? Wahre ich meine Grenzen?
Nein, nichts dergleichen mache ich. Auch, wenn ich so nach Aussen wirke, ja, ich habe Verständnis, gehe offen auf Menschen zu.
Aber ich speiße auch einfach ab. Bis hierhin darfst du mir folgen, ab hier kann ich dir nichts mehr sagen. Klingt nach einer klaren Grenze.
Bis hier hin und nicht weiter. So geht das auf der Seelenebene. Nur herrscht dort eh nur ein Kampf für sich. Das Verlangen nach Schweigen,
Verleugnen, Still sein, Gefügig sein steht dem Redewilligem, Vertrauensaufbauendem gegenüber.
Angst mich zu verlieren. Angst Vertrauen zu können, und dann fallen gelassen zu werden, in dem Moment, wo ich rede.
Ich hab das überall, hier im Forum, hier unter meinen Freunden, in der Therapie/Beratung. Diese Angst,
dass man mir nicht glaubt und wenn man mir glaubt, dass man sich zurückzieht und mir sagt: "mit dir will ich nichts mehr zu tun haben".
Ich glaube, es ist der Ekel, der Scham und seine Worte. Ich bin mir eigentlich sicher, dass sich das in meinem alten Muster
wiederfindet: Wenn ich es ausspreche, was er mir antut, dann werden sich alle von mir abwenden. Ich bin das Übel, ich bin das Böse, ich bin die Schuldige"
Mit der heutigen Sicht und meinem Wissen weiß ich, dass das eine sehr gute Taktik ist um ein Opfer, ein Kind, was Erwachsenen vertraut und glaubt
zum Schweigen bringt.
Diese Unterhaltung gestern hat mir gezeigt, dass ich reden darf. Einfach reden. Ich ein Anrecht auf Sprache habe... meine Gedanken, meine Meinungen waren gefragt. Ich darf mich äußern, ohne nur schlucken und fressen müssen, was man mir zum Essen hinlegt.
Dann kam eine Nacht, die nicht leicht war, seit langem hatte ich wieder Ausschnitte meines Albtraumes wieder. Alles neu, alles neuer Platz nur
das Ende ist immer dasselbe. Und alles sehr real. Und alles so unvorhergesehen. Und immer dieses gleiche Ende.
Wie lange ich diesen Traum nicht mehr hatte? bestimmt seit einem Jahr nicht mehr. Ich werde aber auch nicht schlau daraus, was er mir sagen will.
Aufgewacht und auf die Uhr geschaut, nicht mal eine Stunde geschlafen... Der Rest der Nacht war ein rechts- nach links-gewälze und die Hoffnung auf den Morgen.
Der Kurs heute war sehr positiv, und ich staune über die Wahrnehmung andere Menschen über mich. Ich scheine eine sehr starke und selbstbewusste Persönlichkeit abzugeben. Etwas, was ich nicht akzeptieren kann. Etwas, was ich nie so stehen lassen kann. Ich weiß, dass ich unheimlich stark und unheimlich
selbstbewusst auf Menschen wirken kann, aber das kann ich nur solange, ich diese Menschen nicht kenne. Ich spiele vor wildfremden Menschen eine Rolle,
die beim näheren Betrachten als Fassade auch erkannt werden kann. Meine Trainerin hat es gesagt, ich bin jemand, die sich zurückzieht, in eine Beobachtungsrolle schlüpft und von dort aus agiert, sehr konstruktiv eingreift. Dennoch erscheine ich für die Teilnehmer als starke Frau, die unheimlich lieb ist
und sehr spaßig, die aber auch sehr böse schauen kann
Niemals würde ich erklären, dass ich genau so eine Maske trage. Dass ich mich an etwas so verbissen festklammern kann. Man kann mich noch so anpöpeln.
Man kann mich noch so aus der Bahn werfen, wenn ich meine Maske aufgesetzt habe, erscheint es für Menschen unerklärbar, wie ich diese halten kann.
Ich weiß genau, was ich dort im Kurs für eine Rolle spielen muss, dass man nicht einfach loslacht. Dass man ernst und spaßig zwar bei der Sache bleibt,
aber dennoch, wenn es darauf ankommt so ist, wie es "gelehrt wird". Ich bin ein wandelndes Chameleon.
Ich kupfere Handlungen ab, ich schaue mir an, wie es zu funktionieren hat und spiele einfach nur nach.
Auch weiß ich, dass ich totale Selbstkontrolle oftmals besitze.
Und oftmals fällt es mir schwer, diese loszulassen.
Den wer würde schon gerne Kontrolle abgeben?
Und ja, ich weiß, dass diese Kontrolle unendlich Kraft kostet. Aber irgendwie ist sie ein Mittel
um vielem aus dem Weg zu gehen.
Ich hab überlebt, weil ich so stark erschienen bin. Ich hab gekämpft um Anerkennung um Perfektionismus.
Langsam lass ich manches fallen. Hier sieht es öfters aus, als wäre hier ein totales Chaos in der Wohnung.
Und es darf sein. Mein Leben ist ein Chaos. Ich kann nicht übertragen von Wohnung sauber machen
und mich von Schuld rein waschen.
Ich kann nicht rein waschen, was es nie gab.
Der Kurs war heute echt sehr wichtig. Auch, weil ich erklärt habe, was ich nicht kann. Nämlich einer Phantasiegeschichte folgen, wenn ich die Augen zu habe.
Wir haben mental trainiert. Für alle war das ein leichtes Spiel. Für mich auch, ich hab die Augen zugemacht und ich war weg.
Nur nicht bei der Geschichte. Sie war mir wohl zu arg, zu angsteinflößend, ich war draussen irgendwo auf der Wiese, hab unter den Bäumen rumgerannt.
Hab das später meiner Trainerin erklärt, sie meinte, dass das eine tolle Gabe wäre. Wenn sie wüsste.
Es mag vielleicht auch positiv sein, aber es kann doch nicht angehen, dass man flüchtet. Den Raum verlässt...
und sich einfach ausliefert. Genausogut hätte ich den Raum auch körperlich verlassen können.
Aber meine Seele will den Körper nicht mit einbeziehen...
Weiß zwar nicht, warum ich hier so einen ellenlangen Text schreibe... aber so steht das hier... es kommt aus dem Tiefen Innerem von mir.
Even
PS: Ich war auf dem Weihnachtsmarkt. Zum Ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Schokoladenapfel gegessen...