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Re: tabuthema suizid

Verfasst: Mi Sep 07, 2016 11:07 am
von peshewa
vielleicht ... wenn man einfach nicht ... w i r k l i c h ... existiert ... löst man sich irgendwann einfach auf ?

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Mi Sep 07, 2016 6:46 pm
von starofhope
ach, peshewa, ich glaube, das funktioniert nicht. ich warte schon so lange (wir reden von jahrzehnten) darauf, aber keine anzeichen von auflösen....

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 11:05 am
von Gastmädchen unl.
chaoskopf unl. hat geschrieben:Wirklich, gastmädchen? Glaubst du das echt? Niemand sollte sich kümmern? Damit man in ruhe ohne schlechtem gewissen gehen kann? Oder warum?
Oh Chaoskopf, da hast Du mich falsch verstanden. Ich meinte, Psychiatrie, auch wenn manche nicht gut darauf zu sprechen sind, wo sich aber tatsächlich jemand kümmert, ist besser, als wenn man damit ganz alleine ist und sich gar keiner kümmert.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 12:18 pm
von Gast -
Ich meinte, Psychiatrie, auch wenn manche nicht gut darauf zu sprechen sind, wo sich aber tatsächlich jemand kümmert, ist besser, als wenn man damit ganz alleine ist und sich gar keiner kümmert.
das ist auch meine Erfahrung, Gastmädchen. Das Folgende ist mir zu deinen Worten und meiner Geschichte mit Psychiatrie eingefallen, ich grenze es mal ein Stück ab, weil es nicht jetzt an dich direkt gerichtet ist, sondern ich will mir eigenes von der Seele schreiben.
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Ich schreibe noch mal was zu meiner suizidalen Zeit und Psychiatrie zu dem Zeitpunkt. Ich hoffe es ist okay, wenn es ein bisschen länger wird und auch das ich im Zusammenhang mit meiner Suizidalität so viel auch von der Psychiatrie berichte.

für mich war Psychiatrie auch alles andere als ein Zuckerschlecken, es ist kein therapeutisches arbeiten in der Regel - aber ich denke, das ist ja auch nicht das Ansinnen von Psychiatrie, sondern meiner Meinung nach das Auffangen da, wo sonst alle Netze reißen.
Ein elementares versorgt sein bieten + den Schutz vor sich selbst, wenn man sich drauf einlassen kann.

Ich war zwei Jahre am Stück in der Psychiatrie, war dauersuizidal und jenseits von darüber reden hilft, mir sind ständig Versuche entglitten ohne das ich den Weg gehen konnte ganz zu gehen, weil etwas dann doch noch auch in diesen Tiefen am Leben hielt in mir - da hat die Psychiatrie mich vor mir selbst geschützt, wo ich es nicht mehr konnte.

Natürlich war da auch viel nicht Gutes, aber alleine dieses: da war jemand, der mein Leben mehr wertschätzte als ich, dem es irgendwie - aus welchen Gründen auch immer wichtig war, dass ich mich nicht umbringe - das war eine unglaubliche, nie zuvor gekannte Erfahrung.
Auch als ich im freien Fall war - alleine die Möglichkeit eines durch Grenzen geschützten Gartens (und der war in "meiner" Psychiatrie echt schön). Den Halt dadurch spüren.

Das ist das, was mir oft einfällt, wenn ich an meine nun schon Jahre zurückliegende Psychiatriezeit denke und wo ich mich oft frage, warum ich damals überhaupt nicht in der Lage war Psychiatrie abzulehnen - da hätte es keinen Weg gegeben - und ganz loslassen und sterben - da war doch zu viel Lebensfunke.
Bei mir ist da, obwohl Psychiatrie absolut kein Paradies ist, grundlegend dieses: sie haben mein Leben gerettet. Das wiegt stärker, als alles Negative.

Daran musste ich gerade denken, als ich las: manchmal ist Psychiatrie besser.

Als ich in dieser HardCore PsychiatrieZeit war, da habe ich nie gedacht, dass sich mein Leben, wenn diese grundlegende Entscheidung fürs Leben gefallen ist und sich einen Weg ins Leben suchen, egal wie schwer - mal so verändern würde.

Ich war nach diesen 2 Jahren Dauerpsychiatrie (in der ich so jenseits war, auch viele starke Medikamente brauchte, weil es sonst einfach gar nicht mehr ging) - 2 Jahre später nur noch einmal 2 Tage in einer Krise dort, habe die Grenzen von dort gespürt, dieses Gefühl in mir darüber wieder aktivieren können und seitdem nie wieder. Es gab irgendwann noch mal Anrufe ab und an - ob sie im Notfall da wären - das hatte dann gereicht, um mich für den Moment aus dem freien Fall abzufangen.

Mein Therapeut hat dann mal in einer Phase, als ich wieder an die Psychiatrie dachte gesagt: okay, nee, dieses Mal denkt er würde ich Schaden nehmen - ich denke, der Grat ist eng - bei dieser grundexistentiellen Sache: ja. Wenn es auch anders geht: nein.

Ich habe mich oft gefragt, wieso ich so anders bin, als das, was man in den Foren viel liest: nee, bloß nicht Psychiatrie - und warum für mich dieses: sie gaben meinem Leben einen Wert, am tiefsten Punkt, da wo es den Rahmen jeder Therapie sprengte - ich weiß es nicht. Ich kann es mittlerweile gut lassen, dass es bei anderen halt anders ist - sehe aber auch viel, dass bei Vielen das Reden ja noch funktioniert, das hier im Forum drüber schreiben: da war ich damals wirklich jenseits, da war nichts mehr in der Richtung möglich, nur völliges Entgleiten und irgendwann ist halt Schluss mit lustig, wenn man Suizidversuch nach Suizidversuch hinlegt, es nicht mehr steuern kann. Es zum Selbstläufer wird, man ständig in der Notaufnahme landet, wo die Leute natürlich nicht sehr begeistert sind.

Bei manchen hier meine ich zu sehen, dass es so an der Schwelle ist - und dann gibt es doch immer noch was, was "rettet", was weiterhilft. Da war bei mir damals nichts. Ich war so völlig der Welt ent-rückt. So eingesperrt in mir selbst.
Ich konnte auch keine Erwartungen an die Psychiatrie haben. Die haben gesagt: ich wäre die Patientin, die am Stillsten ist, die fast unsichtbar ist, nichts fordert, scheinbar nichts braucht, usw.
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass man von jemand was erwarten können kann.
Klar - ich hatte auch Probleme mit Mehrbettzimmer - also habe ich stillschweigend Medikamente geschluckt, weil ich es sonst nicht ertragen habe.
Ich erkläre es mir heute so, dass ich irgendwie in meinem ganzen inneren System geschafft habe das möglich zu machen, mit vielen Verletzungen auch - weil der Fokus auf dem nackten Überlebenskampf bestand die zwei Jahre und alles dahinter, alle Ängste usw. verblassten.

Ja, das ist so meine Geschichte mit Suizidalität.

Damals das hat so eine Basis in mir dann gelegt, dass ich heute immer weiß, wenn ein Anflug von - boa, das Leben ist nicht mehr aushaltbar kommt - nee - letztendlich überwiegt deine Lebenskraft - die ist ein Fitzelchen stärker.
Nur ein kleines bisschen, aber das habe ich gespürt, als ich nach den Versuchen zum Abschluss meiner 2jährigen Psychiatriezeit wusste - mit Psychiatrie geht es auch nicht weiter -
da bin ich zu einem Hochhaus gefahren. 30. Stock - und habe da gestanden und mir gesagt - du startest keinen einzigen Versuch mehr. Du kannst dich jetzt entscheiden. Spring oder suche den Weg ins Leben.
Da war dann halt klar: wenn ich springe, dann gibt es nicht die Chance wie bei meinen Tabletten-Schluckversuchen das das eh nicht klappt. Ich denke damals war unbewusst klar, dass das nicht die richtigen Tabletten sind, um zu gehen.
Und siehe da: ich konnte nicht springen. NIcht mit dem finalen Wissen, das war's dann.

Seitdem ist das Thema in mir klar. Weiß nicht, ob nochmal was anderes kommt.
Aber bisher trägt diese Entschedidung sehr solide durch die Krisen.

Diese "doch am Leben wollen bleiben Kraft" ist sehr stark, sehr stark. Ich weiß nicht, ob nur bei mir oder ob bei allen Menschen, wahrscheinlich würden sich welche nicht wirklich umbringen, wenn es so wäre.
Aber in mir ist diese Kraft ein kleines Stück stärker, als alles Destruktive. Dafür bin ich dankbar.

Allerdings hatte ich auch das Glück, im zweiten Anlauf dann zu dieser Zeit auf 2 engagierte Ärzte zu treffen und auf eine Station schlussendlich zu kommen, auf der sehr nettes Pflegepersonal war, sehr unverkrampft alles.

Ja, es gab auch machtbesessene, schräge Pfleger, Ärzte, usw. und doch habe ich dort wo ich war auch Menschlichkeit gespürt. Einen Arzt, der 5 Wochen für mich in der Geschlossenen da war. Wo sich rausstellte, er kommt selbst mit den Zuständen dort nicht klar, der ist dann -nachdem ich da schon wieder weg war, einfach abgehauen. Klar, wenn das jeder machen würde, es braucht auch die, die den Laden aufrecht halten, aber da war eben diese Menschlichkeit.

Eine andere Ärztin, auch sehr menschlich.

Ich habe mal jemand gesagt: mein Leben war so eine Hölle, dass die Psychiatrie mit dem Minimum an Zuwendung, was es da auch manchmal gab - mir vorkam wie ein Ort, an dem ich menschlicher behandelt wurde, als sonst irgendwo.
Spricht vielleicht Bände darüber, wie es vorher war - ist ja alles eine Frage der Perspektive. Vielleicht war es aber auch das ich so weit unten war, dass ich mich ein Stück berühren lassen konnte auch, da wo ich stand, was im realen Leben ja nicht ging - weil damit bin ich dort aus allem rausgefallen, war allem und jedem zu viel.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 8:35 pm
von lirms
Stunde für Stunde neu.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 8:43 pm
von starofhope
@gast: danke für deinen bericht.
@lirms: ich hoffe mit für dich oder auch an deiner stelle für dich.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 8:49 pm
von lirms
Danke, star.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 9:52 pm
von lirms
bilder aus dem kopf werfen.
nicht hierüber nachdenken.
nicht daran denken.
gedanken wegdrücken.


denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten. denk nicht an einen rosa elefanten.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 9:53 pm
von starofhope
au, lirms, den trick kenne ich leider. dann denkst du ja gerade an rosa elefanten....weil das Unterbewusstsein eben das wort NICHT kennt.....denk lieber an die psychoaktiven pilze.....

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 9:56 pm
von lirms
Notfalldrogen für die krassen Tiefs, das wäre mal eine Idee gewesen.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 9:57 pm
von starofhope
manchmal decken das auch bedarfsmedis ab....hast du welche?

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 9:58 pm
von lirms
Nein, gar nichts.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 9:59 pm
von starofhope
mmhh...dann geht vlt. fernsehen als Ersatzdroge?

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 10:00 pm
von lirms
Vlt. ist das Forum sowas wie meine Ersatzdroge :roll: :oops:

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Sep 08, 2016 10:04 pm
von starofhope
:mrgreen: das klingt ja mal gut :mrgreen:
na jedenfalls hattest du dann heute schon eine dosis stardust von mir.... hoffe, die wirkt gut?!