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Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Mi Jun 17, 2009 1:13 am
von Meli-2006
Nach einigen Jahren OEG-Stress und kein Ende abzusehen, würde ich jedem Altfall (also, Opfer vor 1976 geworden) und das keine handfesten Beweise vorlegen kann, echt abraten, einen OEG-Antrag zu stellen. Die Behörden werden immer strikter und massiver in ihrer generellen Ablehn-Wollen-Haltung, dass man sich zumindest VOR Antragsstellung sehr gründlich beraten lassen sollte von einem Rechtsanwalt, bezüglich der Erfolgssaussichten. Es ist eigentlich den ganzen Stress nicht wert.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Do Jun 25, 2009 3:32 pm
von chrisberlin
Hallo,
ich bin auf der Suche nach einem guten Therapeuten in BERLIN, mit dem Schwerpunk sexueller Missbrauch. Ich suche für eine Freundin (über 30 Jahre alt), die über mehrere Jahre sexuell von einem Familienmitglied missbraucht wurde. Sie hat sich gerade erst entschlossen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, um so wichtiger ist es daher einen Therapeuten zu finden, der möglichst viele Erfahrungen in diesem Bereich mit sich bringt.
Vielen lieben Dank für eure Hilfe im voraus!
Chris
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Do Jun 25, 2009 5:11 pm
von Sascha
Hallo Chris,
ich habe deine Frage abgetrennt, du findest es hier:
http://www.wildwasser.de/forum/viewtopi ... =3&t=30195
Ganz liebe Grüße, pada
Sascha - Moderator
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Sa Jul 25, 2009 10:41 pm
von Gast
bin grad ziemlich verwirrt.
Ich war vor ein paar Tagen mit einer Freundin beim Weißen Ring. Die Frau hat zu ihr gesagt das man ein Antrag auf Entschädigung auch stellen kann, wenn man keine Anzeige macht.
Ich hab grad ein paar links durchgeschaut und bin auf das hier gestoßen.
Voraussetzung für eine Antragstellung ist, dass eine Strafanzeige gegen die TäterInnen gestellt wurde.
Was soll ich jetzt glauben? kennt sich da jemand aus?
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Sa Jul 25, 2009 11:09 pm
von Meli-2006
Das Opferentschädigungsgesetz im Wortlaut kannst du im Internet via einer Suchmaschine deines Vertrauens finden, ich glaub, die Site heißt irgendwie "Gesetze im Internet" oder so ähnlich. Wenn es in dem Gesetz nicht als Voraussetzung steht, dann ist diese Voraussetzung offiziell nicht nötig.
Meines Wissens nach hängt die Praxis davon ab, in welchem Bundesland die Taten verübt worden sind, das ist das für deinen Antrag zuständige Versorgungsamt - und die Bundesländer handhaben das unterschiedlich, manche bestehen auf der Anzeige, manche nicht... aber, da Opferentschädigungsanträge oft eh abgelehnt werden und man dann in einen längeren Clinch mit den Behörden muss (übrigens empfiehlt sich dafür eine Anwältin, aber eine, die sich wirklich mit dem OEG auskennt, der Weiße Ring kennt solche und kann auch einen Beratungskostenschein übernehmen für eine Erstberatung) ... ist es eigentlich egal, denke ich mal, ob dann noch Stress ist, weil keine Anzeige erstattet wurde, oder ob nur der normale "aber Sie sind doch gar nicht geschädigt/Sie waren doch schon vorgeschädigt (oder ähnlich dumme Begründungen um Anträge abzuschnettern)-Stress ist...
Lass dich beraten von einer Anwältin, wenn du schon beim Weißen Ring warst, kannst du dort doch einen Beratungskostenschein dafür beantragen - wenn du arm bist, kannst du auch einen Beratungskostenschein bei dem für dich zuständigen Amtsgericht bekommen...
LG
Meli
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Sa Jul 25, 2009 11:19 pm
von Gast
Danke, Meli, für deine schnelle Antwort!
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Fr Jul 31, 2009 6:30 pm
von Gast
es ist keine Anzeige nötig...
Aber hallo! Keine Anzeige erschwert ungemein den Beweis der Tat. Denn meist hat man ja auch keine Zeugen. Das könnte schon gut helfen. Aber auch da hab ich schon gehört, daß man den Zeugen einfach nicht glaubt. Hab sogar schon gehört, daß ein Täter die Tat vor Zeugen gestanden hat und man hat auch das nicht geglaubt mit der Begründung: Kein Täter gibt das zu. Man hat dann hinter hervorgehaltener Hand gemunkelt, da hat einer gesagt, er hat das gemacht um an das Geld zu kommen. Es ist kaum möglich dort zu bestehen, ich vermute mal, daß der Prozentsatz derjenigen, die es schaffen, mit den Jahren auch zurückgehen, weil es immer schwerer wird. Immer mehr Hürden werden vor den Opfern aufgebaut. Geldmangel halt. Da rotten sich die Behörden schon mal zusammen und denken sich kreativ Ablehnungsgründe aus.
Ich habs geschafft, ich weiß nicht wie. Es war wohl glaubhaft genug. Es waren aber trotzdem viele viele Jahre lang ein Kampf um angemessene MdE.
Und heute kämpft man wirklich um alles weitere. Um jeden Scheiß. Für jeden kostenlosen Arztbesuch muss man sich rechtfertigen. Es ist zermürbend.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Fr Jul 31, 2009 8:56 pm
von Meli-2006
Du hast Recht, es wird immer schwerer. Aber das liegt auch daran, dass die Opfer sich nicht zusammentun in irgendwelchen Lobbying-Organisationen... die meisten Opfer, die ich kenne, hatten keinerlei Interesse an Politik oder an Lobbyarbeit. Die wenigsten Opfer, die ich kenne, wissen irgendwas über die Verfasstheit der EU und deren Bedeutung auch für die nationale Gesetzgebung. Die meisten Opfer, die ich kenne, wissen nicht, dass die Pharmaindustrie massive Lobbyarbeit da betreibt - sondern schlucken brav die ihnen verordneten Medikamente, etc.
Ich bin manchmal sehr enttäuscht von den Opfern, weil sie sich überhaupt nicht für ihre Belange als Interessensverband einsetzen. Es gibt auf EU-Ebene eine Mailingliste und Organisation von Überlebenden der Psychiatrie, die sind SUPER organisiert, gehen zu Konferenzen, arbeiten an Papieren mit etc. - Missbrauchsopfer scheinen irgendwie überhaupt nicht als Gruppe zu existieren... die halten sich einfach aus allem raus, sagt der pessimistische Anteil in mir...
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Sa Aug 01, 2009 12:30 pm
von Gast
Die halten sich nicht raus. Die schaffen das einfach nicht AUCH noch.
So musst du das sehen. Ich persönlich schreibe das Ministerium an und lege denen dort meine Probleme MIT dem OEG dar und beschreibe auch meine Probleme im Leben. Ich bin da sehr deutlich, was mir dann auch keine Freunde macht. Aber zumindest tut sich was in meiner Sache dann.
Und es stimmt! Opfer sind IMMER Einzelkämpfer. Wer tritt mit seinem Opferstatus gerne an die Öffentlichkeit? Ich mache das nicht. Von mir weiß das keiner. Aber ich fange an, in Foren mitzumischen. Auch Presse, TV, eben Ministerium. Dort die Fakten auf den Tisch legen um Gehör zu finden.
Die Opfer sind eine winzig kleine Zahl in Deutschland, verschwindend gering. Dafür interessiert sich kaum einer. Das muss man dann schon selber machen, wenn man es noch kann.
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Sa Aug 01, 2009 12:49 pm
von Meli-2006
Ja, man muss es selbst machen, aber man muss es auch wollen! Ich habe sehr lange ehrenamtlich gearbeitet im Internet für Opfer... meine Erfahrung ist leider ziemlich negativ. Ich habe jede Menge - und das darf man fast nicht schreiben, weil Opfer doch eh schon so viel gelitten haben - aber, es stimmt trotzdem: ich habe oft erlebt, dass ihnen nur noch eins wichtig ist: ihr Opfersein zu kultivieren:-( - ich habe das wirklich erlebt!!! Ganz, ganz wenige engagieren sich irgendwie für eine Verbesserung der Situation der Opfer.
Ich merk, dass ich ziemlich desillusioniert bin...
Meli
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Mi Aug 05, 2009 1:55 pm
von Ariesa
Meli, es mag sein dass du einige solcher Opfer kennengelernt hast, aber nicht alle sind so.
Ich versuche schon einige Zeit, mir ein Leben ohne Opfer-Status aufzubauen und habe das auch fast geschafft. Trotzdem würde ich gern einen OEG-Antrag stellen, weil ich dann für med. Behandlungen abgesichert bin.
Denn eines scheinen viele immer vergessen zu wollen: wir MB-Opfer haben in der Regel Krankheiten, die uns unser Leben lang begleiten werden, ob wir das nun wollen oder nicht. PTBS bleibt PTBS. Und andere seelische Störungen genauso.
Manch eine(r) kommt in der Gesellschaft nicht mehr an und zieht sich also lieber zurück, kümmert sich um sich selbst.
Bei allem "wer will der kann auch"- das stimmt nicht immer.
LG Ariesa
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Mi Aug 05, 2009 2:13 pm
von Meli-2006
Da hast du vollkommen Recht natürlich... "Wer will der kann auch" - das ist ein ziemlich blöder Spruch! Menschenverachtend fast. Gerade bei PTSD ist das Krankheitsbild so vielschichtig, ich kann auch gut begreifen, wenn das viel Zeit des eigenen Lebens nimmt. Und tragischerweise hat der Missbrauch ja auch oft dazu geführt, dass Menschen ängstlich und schüchtern sind...
Dann würde ich mir aber wünschen, dass die, die nicht ängstlich und schüchtern sind, sich doppelt und dreifach engagieren politisch und gesellschaftlich, damit dieses schreckliche Verbrechen endlich als das anerkannt wird, was es ist.
Ich finde auch den OEG-Antrag deshalb wichtig, weil so die Opfer sichtbar werden und nicht im Privaten alleine sind. Allerdings ist das so kompliziert geworden für Altfälle, anerkannt zu werden - wenn keine Anzeige gestellt wurde und glaubhafte Zeugen nicht beizubringen sind - dass man sehr entmutigt werden könnte. Gerade deshalb wäre politisches und gesellschaftliches Engagement auch wichtig.
Ich wünsch dir viel Glück für deinen Antrag. Du hast sicher hier schon die Infoseiten zum OEG gelesen und viele nützliche Hinweise erhalten, das ist ein sehr nützlicher Thread.
Freundliche Grüße
Meli
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Mi Aug 05, 2009 2:33 pm
von Nordseeengel
Gast hat geschrieben:bin grad ziemlich verwirrt.
Ich war vor ein paar Tagen mit einer Freundin beim Weißen Ring. Die Frau hat zu ihr gesagt das man ein Antrag auf Entschädigung auch stellen kann, wenn man keine Anzeige macht.
Ich hab grad ein paar links durchgeschaut und bin auf das hier gestoßen.
Voraussetzung für eine Antragstellung ist, dass eine Strafanzeige gegen die TäterInnen gestellt wurde.
Was soll ich jetzt glauben? kennt sich da jemand aus?
Du kannst das auch ohne Strafanzeige machen, hab ich auch gemacht. Ich bin jetzt in letzter Instanz dem psychologischen Gutachten

Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Mi Aug 05, 2009 2:53 pm
von Meli-2006
Bist du in der letzten Instanz vor Gericht?
Und die fordern erst jetzt ein Gutachten an?
Ich bin schon vor dem Widerspruch zwei Mal begutachtet worden, einmal nach Aktenlage und einmal persönlich...
Re: OEG Diskussion/Ergänzungen/Erfahrungen
Verfasst: Mi Aug 05, 2009 3:09 pm
von Nordseeengel
Ich bin gar nicht vor gericht damit. Ich habe es so beantragt ohne Anwalt und bis jetzt ist auch alles okey. Ich hab jetzt gerade bescheid bekommen, dass ich jetzt noch zum psychologischen Gutachten soll und dass ich danach durch bin.