Ich blicke auf das letzte Jahr zurück, auf ein Jahr voller Chaos, voller "aufgeben" wollen, weiter kämpfen, fallen, gehalten werden.
Es gab die Jahre ohne Bilder, die Jahre ohne Erinnerungen, die Jahre, in denen ich nicht wusste, was mit mir los ist, nur wusste
dass ich anders bin, anders, wie all die anderen Menschen da draussen. Und es hat mir Angst gemacht! Wie oft habe ich Menschen nachgeahmt,
Sprachen nachgesprochen, um so zu sein, wie andere, aber ich weiß nicht, ob ich es je geschafft habe. Auf der Suche, "normal" zu sein,
nicht aufzufallen, habe ich ein Leben gelebt, was wohl keines ist, und ich frage mich, ob ich jemals ein "ICH" weiterleben gelassen hab.
In der Schule ein Mädchen, dass nie Streß gemacht hat, in der Grundschule wurde mir ja alles ausgepürgelt, als ich in der Grundschule von
jetzt auf nachher meine Hausaufgaben nicht mehr machte, gab es erst Ermahnungen, dann den Brief nach Hause, und auf den Breif folgte nichts Gutes.
Erziehungsmaßnahmen, Erziehungsmaßnahmen laut meinen Eltern. Nachdem man mir oft genug eingeredet hatte, dass ich "faul" und "dumm" sei, es eh niemals zu etwas bringen würde, habe ich dann doch bewiesen, dass ich immerhin doch fähig bin, die Grundschule so zu meistern,
dass ich auf die Realschule wechseln konnte. "Nur durch Glück" laut meiner Mutter. Und ich bin ehrlich, an den Noten hätte es nie gelegen!!! Aber tolle Erziehungsmaßnahme meiner Eltern

"halte dein Kind in Angst"... Ich hatte immer Angst, Angst hier und da! Wenn andere einen 4er schrieben, dann war das für die normal, wenn ich einen 4er geschrieben hätte dann wartete daheim schon eine Strafe auf mich! Arbeiten wurden zur Panik!!! Even schaffte es dann leider doch in Englisch nicht die gewünschten Noten nach Hause zu bringen, noch heute weiß ich, wie mein Zimmer danach aussah und dass alles vor dem anwesenendem Besuch. Meine Mutter die rumschrie, aller rumwarf, umstieß... muss ein tolles Gefühl gewesen sein, die eigene Tochter so zu demütigen

Von meinem Vater ganz zu schweigen, vor ihm hab ich mein Leben lang Angst... mit ihm rede ich kein Wort, der Vorfall, der damals passierte,
als der Brief hier ins Haus geflatter war, steckt mir immernoch tief im Gedächtnis.
Ich habe massenhaft Angst vor Männern. Egal, wie freundlich sie auch scheinen wollen... Mein Vater kann nämlich auch der wunderbare Vater sein, der sich ganz toll über seine Töchter freut, der stolz auf sie ist. Ich werde nicht vergessen können, wie wir immer Klavier vorspielen sollten, wenn Besuch da war. Dass
man richtig schön angeben kann, vor dem Besuch! Mein Vater ist unendlich beliebt bei den Menschen im Umfeld. Super beliebter Mann, auch in der Kirche, auf der Arbeit, gern gesehener Mann. Die Ruhe pur, kämpft für das Recht anderer.
Nur daheim, ein anderer Mensch, so wie er, so sind wir alle geworden. Mehrere Menschen sind wir geworden. Eine Familie, die ein anderes Leben nach Aussen hin lebt, wie sie es nicht im Inneren ist.
Und warum fragen mich Menschen, warum ich so bin, wie ich bin? Weil ich aufgewachsen bin, dort wo es normal war, wo Mann das Oberhaupt der Familie ist.
Wo Angst und Gewalt herrscht, wo Kinder als Druckmittel, als Zeugen eingesetzt werden. "Was hab ich gesagt? Nein,dass hab ich nicht gesagt, Even hab ich das gesagt?" Mit einbezogen worden, aus Angst oft geantwortet, ich wusste nicht, was schlimmer war, meinem Vater zu widersprechen und ihn dann ausrasten zu sehen, oder meiner Mutter in den Rücken zu fallen...
Dieses Zerreissen, immer auf der Hut sein, Angst vor allem.
Meine Mutter, die vor meinen Freundinnen Sachen zu mir gesagt hab, wo ich mir gewünscht hätte, dass es niemand erfährt. Aber dass hat sie genossen, Macht, super, konnte sie ihren Spaß dabei haben ihre Tochter mal öffentlich bloß zu stellen!!!
Aber es ist meine Mama, mein Papa, meine Eltern, meine Mama, die mich nach den Schlägen in den Arm genommen hat, meine Mama, die mit
mir abends gebetet hat. Meine Mama, die es verdammt schwer hatte, ein nicht sehr tolles Elternhaus, ein Haus, wo sie sich das Zimmer mit ihren Brüdern teilen musste, ein Haus, wo sie als Frau nicht gezählt hat. Eine Frau, die nie Lob bekommen hat, eine Frau, die die Welt anders erleben musste... eine Frau, die froh war, als sie einen Mann kennen lernte, der sie liebt. Ein Mann, der aus einer Alkoholikerfamilie stammt, der nur Schläge kannte, Schläge als Erziehungsmittel, der von daheim vor die Tür gesetzt wurde, weil er meine Mutter heiraten wollte...
Und obwohl sie sich Beide geschworen haben, dass sie nie so werden wie ihre Eltern, sind sie vielleicht genauso geworden. All der Hass all das
nie erreichte im Leben, all das... Ich kenne viele aus der Familie nicht, meine Großeltern und viele Tanten erst auf der Beerdigung kennen gelernt. Viele Menschen die es geben würde, aber die für mich Fremde sind. Diesen Monat kam ein Cousin auf die Welt, die Nachricht kam über meine Oma, von meiner Tante oder Onkel nie ein Anruf. Es wundert mich nichts mehr, eine komplette Familie schon zerstört. Zerstört, weil Enkel auf die Welt kamen, weil Enkelinnen nichts wert sind! Frauen haben keinen Status, wertlos. Und diese "Wertlosigkeit" ist sehr sichtbar in unserer Familie.
Wertlosigkeit, die bis hier her durchgereicht wurde. DIe immer spürbar ist, wenn es Geschenke gibt, dann nur für die männlichen Enkel, die Mädels haben halt "Pech"...
eine Familie, die keine sein kann, ein Leben, dass nie hätte so sein sollen. Wert? Bekam ich dort, wo mir mein Täter andauernd auflauerte. Geschenke? von ihm.
Abhängig? von ihm. Beliebt? Bei ihm...
ich hab den Preis bezahlt... einen bitteren Preis...
Even