Zu viel Durcheinander *trigger*

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Maurice (w)

Zu viel Durcheinander *trigger*

Beitrag von Maurice (w) »

Nach vielen Jahren bin ich wieder hier gelandet
Vielleicht auch weil es mir gerade Sicherheit gibt, immernoch sehr viele vertraute Namen zu lesen

Gerade ist bei mir einfach wahnsinnig viel was zusammen kommt und ich weiß gar nicht recht wo ich anfangen soll
Gewiss auch viele ganz normale Alltagssorgen aber auch viele Themen die zwar alt aber grade doch neu sind
Seit letztem Jahr habe ich einen neuen Partner der liebevoller und fürsorglicher nicht sein könnte. Ich kann mit ihm über alles reden und er weiß von alle dem hier und doch will ich ihn nicht tiefer damit belasten

Vermutlich genau weil ich mit ihm so zur Ruhe komme und viele alte Lasten loslassen konnte brechen neue unbekannte Dinge auf
Seit ich ca. 8 Jahre alt bin habe ich wieder angefangen am Daumen zu nuckeln um zu schlafen um mich zu beruhigen wenn mir alles zu viel wird - warum, ich wusste es lange nicht
Seit Weihnachten habe ich ganz viele Träume, die ich nicht zuordnen konnte, erinnerungsfetzen an Situationen die ich schon lange hatte und kannte, die zu diesen Träumen passen
Ein missbrauch durch meinen Vater.
Seitdem weiß ich nicht wie ich mit ihm umgehen soll - dazu gesagt ich bin 40, also erwachsen.
Es gibt Tage, da verdränge ich das alles
Und Tage, da wiegen diese Gefühle die damit verbunden sind so schwer das ich kaum stehen kann.

Mit 12 wurde ich vergewaltigt und über ein Jahr missbraucht- mein Bezug zu Sexualität immer schwer und durch meine expartner immer darauf ausgelegt nicht zu genügen. Schlecht zu sein…als Frau nichts wert zu sein.

Ich bekam drei Kinder die ich über alles liebe - durch diverse Erkrankungen 2 davon auf künstlichem Wege.

Jetzt stehe ich mit meinem neuen Partner an dem Punkt das wir beide gerne noch ein Kind möchten, es aber nicht so recht klappen will.
Die Gefühle zu versagen wieder an vorderster Front. Eine gynäkologische Untersuchung steht an und ich habe so unglaubliche Angst.

All das baut den Druck, das Verlangen nach selbstverletzung tagtäglich mehr auf. 4 Jahre sind seit meinem letzten Rückfall her, davor 8 Jahre
Einfach nur weil es sich alles in meinem Körper, in meinem Kopf zu viel anfühlt.

Deswegen schreibe ich hier, ein Ventil um das alles irgendwo zu lassen. Bei Menschen die verstehen wie ich gerade fühle.

Jeden Tag meistere ich meinen Alltag, gehe Vollzeit arbeiten, manage meine drei Kinder, den Haushalt, das Leben. Doch grade ist einfach alles so schwer.
Die Nächte unruhig, träume, der Druck der steigt wenn der Körper zur Ruhe kommt.

Mein Partner weiß von alle dem, wenngleich wir auch einfach nicht die Zeit haben in Ruhe über all das zu reden - der Alltag ist voll. Und ich will ihn damit auch nicht immer und immer wieder belasten. Ich denke mir auch manchmal, irgendwann muss doch gut sein.
12 Jahre wirklich gute Therapie die hinter mir liegen. Vieles was ich gelernt habe und doch fehlt mir grade jemand zum reden.

Was den missbrauch durch meinen Vater angeht, ich kann einfach nicht damit umgehen
Ich habe regelmäßig Kontakt, kann und will ihn aber auch nicht damit konfrontieren.
Ich kann aber auch nicht damit umgehen. Die Bilder in meinem Kopf tun unendlich weh - es ist mir so bewusst, es erklärt so vieles, macht so vieles logisch.
Das Daumen nuckeln, das ich nicht mehr im dunkeln schlafen wollte, warum ich mit 9 nicht mehr über Nacht zu ihm wollte, warum ich nicht schlafen kann wenn ich einen „freien Rücken“ habe also Rücken zur Tür oder so und so vieles mehr
Eine neue Therapie anfangen - möglich aber wieder einebnen Therapieplatz suchen, wieder warten, wieder die Tage an denen gar nichts mehr geht
Ich weiß ja wie Therapie aussieht und wie anstrengend sie sein kann. Und ehrlich wirklich „geheilt“ hat vieles erst mein Partner durch seine feinfühlige Art und durch die Dinge die ich mit ihm erlebe.

Gerade fühle ich mich einfach so unendlich kraftlos und hilflos mir selbst gegenüber
Eli

Re: Zu viel Durcheinander *trigger*

Beitrag von Eli »

Liebe maurice

Willkommen zurück.
Ich finde du kannst sehr stolz auf dich sein was du alles kannst und erreicht hast! Die Kids, die lange Therapie etc.
Hoffe du kannst das spüren?!

Wenn ich dich richtig verstehe war der missbrauch durch deinen Vater dir bisher nicht klar und die Bilder sind neu für dich? Oder habe ich das falsch verstanden?

Mmh es scheint als würde eine zweite Ebene deiner Biografie hoch brechen weil du mit dem Partner nun Sicherheit hast und du dich angenommen fühlst und die Kids vielleicht langsam aus dem groben raus sind?
Oder vielleicht wird ein Kind auch sechs, sieben, acht oder neun etc? Das ist oft so dass ein missbraucht hoch kommt wenn das eigene Kind in das Alter kommt in dem es bei einem anfing…dann schlägt die Seele Alarm glaube ich.

Ich würde mir den Kinder Wunsch sehr gut überlegen. Meinst du das ist gut und sinnvoll? Du hast schon drei Kids und wirkst gerade auf mich sehr verletzlich und belastet was total nachvollziehbar ist.
Da würde ich schauen ob Kraft und Raum für ein Kind da ist. Schwangerschaft und Schreie können ja auch sehr triggern.

Wenn ich dich lese denke ich auch dass es gut wäre jemanden zum reden zu haben! Ob es Therapie sein muss musst du entscheiden. Vielleicht auch erstmal eine Beratungsstelle.
Und ich finde auch mit dem lieben Partner kannst du reden.
Es ist eben nicht alles irgendwann gut gerade wenn da ganz viel schlimmes gerade hoch kommt! Und vielleicht weißt du auch einiges noch nicht.

Zu deinem Vater würde ich versuchen so weit es geht den Kontakt zu reduzieren. Und vor allem deine Kids niemals mit ihm allein lassen und auch nicht allein mit Oma und Opa.

Ich sende dir ganz viel Kraft. Achte auf dich. Gönn dir Ruhe soweit es geht. Du hast gerade eine sehr harte Zeit und brauchst auch Ruhe für dich. Sonst kannst du ja auch keine gute Mama sein und die Kids werden auch unbewusst spüren das bei dir einiges los ist gerade.

Alles Liebe und ich lese dich hier weiter
Eli
Maurice
Beiträge: 4
Registriert: Di Mai 19, 2026 12:59 pm

Re: Zu viel Durcheinander *trigger*

Beitrag von Maurice »

Liebe Eli,

vielen lieben Dank für deine Worte. Ich hatte sie direkt gelesen aber noch nicht den Raum gehabt zu antworten.
Aber ich möchte dir sagen, es tat so unglaublich gut sie zu lesen. Gelesen worden zu sein - ich denke du verstehst was ich meine.

Der Kinderwunsch gerade ist das größte Gefühl in mir und der Gedanke daran der mir unheimliche Kraft gibt. Ein Wunsch, ein Traum den ich schon so lange habe. Ja ich habe drei Kinder aber es war anders - das würde hier den Rahmen sprengen.

Viele deiner Zeilen haben mir einen guten Anstoß zum nachdenken gegeben dafür vielen lieben Dank!
Ja du hast recht, alle meiner Kinder haben gerade ein Alter in dem sich mein Leben damals grundlegend verändert hat. Und ja das macht Angst, Angst die ich kaum beeinflussen kann. Deren Leben, das ich nicht in Watte packen kann. Generell haben das denke ich alle Eltern - aber doch nochmal mehr wenn es mit eigenen Erinnerungen und Ängsten verbunden ist.
Es hilft aber grade sehr mir das bewusst zu machen und eine bewusste Abgrenzung zu schaffen.
Gerade habe ich ein paar Tage um zur Ruhe zu kommen. Und ich merke von Tag zu Tag mehr wie schwer mir ruhe fällt.

Mir fällt es unsagbar schwer mir selbst diese Ruhe zu gönnen, mir das zu zugestehen einfach mal nichts zu tun. Thema Selbstwert
Deine ersten Zeilen ob ich sehe was ich da geschafft habe - nein ehrlich gesagt oft nicht. Ist es doch das mindeste um eine daseinsberechtigung zu haben.
Definitiv noch ein Thema an dem ich arbeiten will.

Diese Tage, Tage die ich mit meinem Partner habe und immer mehr das Gefühl das ich ihm diese Ruhe nicht mit Gesprächen über meine Schwere nehmen will.
Vielleicht auch ein falscher Ansatz aber die Angst ihn dadurch zu verlieren, ihm zu anstrengend zu werden viel zu groß.

Aber alles in allem ist es durch die Ruhe grade ein bisschen besser. Der innere Druck lässt sich leichter regulieren.

Das Schreiben hier hilft…vielleicht nutze ich die Ruhe zwischendurch auch mal um alles in meinem Kopf einfach mal hier zu lassen.

Das schöne hier, es muss nicht unbedingt verständlich sein, es darf chaotisch sein - ich darf sein.

Danke
Maurice
Beiträge: 4
Registriert: Di Mai 19, 2026 12:59 pm

Re: Zu viel Durcheinander *trigger*

Beitrag von Maurice »

Achtung - Trigger - ⚠️ - Details

Genug Ruhe in mir um die Puzzelteile zu sortieren, Ordnung in das Chaos der letzten Wochen zu bringen
Thema für Thema - Raum für mich, ein Platz wo es hin kann

Das präsenteste ist gerade der Missbrauch durch meinen Vater - diese Worte zu schreiben fällt schwer, tut weh aber es macht es auch greifbar was mir gerade sehr hilft
Die Erinnerungen waren so lange weg…warum sie jetzt wieder so sehr so nah so deutlich da sind, ich weiß es nicht ich weiß nur, das sie immer deutlicher, immer detaillierter, immer emotionaler werden.

Ich war 7 Jahre alt, jedes zweite Wochenende von Samstag früh bis Sonntag Abend bei meinem Vater
Er war schon betrunken wenn ich kam und blieb es bis ich wieder ging
Die meiste Zeit lag er schlafend auf der Couch - wenige Ausnahmen
Samstag Abend war er meistens unterwegs - kam betrunken wieder
Wenn er Heim kam, kam er direkt in mein Zimmer saß neben dem Bett und hat mich aufgeweckt, mir erzählt wie traurig er ist, wie schlimm sein Leben ist seit meine Mama ihn verlassen hat. Was ihm alles fehlt und er sie so sehr liebt. Die Freude die er hat, wenn ich bei ihm bin, das ich meiner Mama so ähnlich bin und er mich braucht. Es gab klare Regeln, ich musste nackt schlafen - das sei hygienischer, zimmertüren werden niemals abgesperrt.

Es hat mich überfordert, hat mich wütend auf meine Mama gemacht - habe ich in dem Alter die Gründe und das Ausmaß der Trennung absolut nicht verstanden.

Irgendwann drehte ich mich von ihm weg, tat so als würde ich schlafen als er heim kam.
Anfangs änderte sich nichts - er kam, erzählte und trauerte und ging. Bis zu dem einen Mal, ein Mal das ganz deutlich eine Erinnerung ist und doch nur fetzen
Er legte sich zu mir ins Bett, ich spürte ihn, ich roch das Bier, hörte ihn tief atmen.
Dann diese stechende Schmerz zwischen meinen Beinen.
Ich weinte, rutschte weg. Er hielt mich fest und wieder dieser Schmerz und ein Satz der sich eingebrannt hat
Der heute nichts mit fehlender Geduld zu tun hat sondern mit tiefer Verletzung „es dauert nicht lange mein Schatz“
Danach ging er, es fühlte sich fürchterlich an, falsch aber ich wollte meinen Vater in keinem Fall enttäuschen.

Wie oft es passiert ist weiß ich nicht, diese Erinnerung ist die einzige die derart deutlich ist, die ich fühlen kann.
Was ich weiß das es nicht das einzige Mal war - denn mit der Zeit fing ich an am Daumen zu lutschen um mich dabei zu entspannen, an meinem Kuscheltier zu schnüffeln um das Bier nicht mehr zu riechen - Strategien um es erträglicher zu machen.
Als ich 9 war bestand ich darauf nicht mehr bei meinem Vater zu übernachten.
Er war enttäuscht - und ich fing an mich für seine Enttäuschung zu bestrafen, mich schuldig zu fühlen. Der Anfang meiner selbstverletzung
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