ich habe gelesen, dass das hier ein sterbendes Forum sein soll und es laut der Umfrage nicht mehr gebraucht wird. Ich kann sagen, dass ich froh war so schnell ein Forum zu finden, in dem etwas steht, was mich gehalten hat. Wenn sich niemand mit mir austauschen mag, dann ist das für mich schade, denn eigtl. weiß ich nicht so richtig wohin mit mir und meinen Gefühlen, vornehmlich Angst. Ich werde vermutlich etwas wirr schreiben und in mehreren Teilen, denn obwohl ich mir immer erst ein Konzept mache und bisschen plane/überlege, um mein Anliegen/Ziele etc zu formulieren....ich bin hier mit diesem Thema schwer überfordert und komme damit an meine Belastungsgrenzen und weiß nicht so richtig wohin schauen. Genau deshalb muss es jetzt raus. Ich hoffe, dass ihr mir zu meinem Erlebten eure Erfahrungen und Gedanken einbringen könnt, denn tatsächlich bin ich ganz oft verzweifelt und erschöpft. Ich fange mal vorne an....chronologisch.
Schon als kleines Kind hatte ich Angst - im Dunkeln, zu spät ins Bett zu gehen, schlechte Noten zu schreiben, vor großen Männern, davor etwas falsch zu machen und vor allem Angst vor meinem Vater. Ich bin in Angst vor meinem Vater quasi aufgewachsen - zum Glück war er beruflich bedingt nicht oft da. Aber wenn, dann hörte ich am Drehen des Schlüssels in der Haustür ob er mich gleich bedrohlich anschreien würde, oder nicht. Geschlagen hat er mich selten. Meine Mutter war oft anwesend und gleichzeitig abwesend. Sie war manchmal warm, aber auch ganz oft hat sie mich alleine gelassen, mich vergessen und mir es auch vorgeworfen, wenn sie wegen mir "eine Extra-Wurst" drehen musste. Bsp: Mit 10 Jahren musste ich 15km in die Stadt mit einmal umsteigen mit dem Bus fahren, um zur Schule zu kommen. Ich hatte Angst, dass ich das nicht schaffe und meine Mutter fuhr mit mir mit dem Bus in den Sommerferien 1 oder 2 Mal die Strecke ab. Das hielt sie mir im Nachgang vor. Ich schämte mich - wusste es damals nicht. Ich war auch oft bei den Großeltern. Den einen Opa mochte ich, den anderen nicht. Mit meinen beiden Geschwistern hatte ich oft Streit und wir waren und wurden nicht eng miteinander. Schon als kleines Mädchen hatte ich oft Alpträume und wollte ein Junge sein. Meine Mutter fing an zu trinken, meine Eltern trennten sich. Ich wollte vermitteln, stand oft im Kreuzfeuer - mein "Zuhause" (was aus heutiger Sicht keines war) wurde zur Kampfarena - und ich mitten drin. Kurz davor (ab ca. 11 Jahren) bis nach meiner Schule mit 19 Jahren wuchs die Angst zuhause, ich weinte viel (nachts ab 22 Uhr, wenn ich zur Ruhe kam), kam bis 15 nicht in die Pubertät, war auch sehr dünn, kleidete mich mit langen Sachen burschikos und blieb öfter mal ungewaschen, fühlte mich allein, hatte ganz schlimme Suizidgedanken und trotzdem den eisernen Willen meinen Abschluss zu machen, um dann in einer anderen Stadt studieren zu können. Nur weg. Und ich wusste damals schon, ich brauche eine Therapie. Meine Eltern waren mit sich beschäftigt. Sie waren keine Hilfe - sie bekamen nicht mal mit wie es mir ging, selbst wenn ich es versuchte zu sagen. Wenn ich an meine Kindheit denke, dann erinnere ich mich erstmal daran....
Es folgten verschiedene Therapien (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, systematische Aufstellungen über 4 Jahre). Mit den system. Aufstellungen lernte ich auf meine Körperreaktionen zu hören und ihnen Gefühle zuzuschreiben. Für mich war es Magie für jemanden zu stehen und stellvertretend etwas zu empfinden/empfinden zu dürfen und das auszudrücken - da konnte ich das. Für mich? Eher Fehlanzeige!
In dem Zuge sprach mich eine andere Teilnehmerin auf meine Mutter an und empfahl mir eine Website über Narzissmus, genau genommen für Töchter narzisstischer Mütter. Dadurch kam ich mit dem Thema Narzissmus in Berührung und es erschreckte mich, das von 25 dort aufgeführten Eigenschaften einer narzisstischen Mutter (mit mehreren, zahlreichen Beispielen und Erklärungen) mind. 17 auf meine zutrafen. Also, Zeit meines Lebens hatte ich meine Mutter im Fokus, mein Vater war halt mein nicht zuhörender, übergriffiger Vater - wir - meine Geschwister und ich - kennen ihn ja.
Nach einer Trennung vor 3 Jahren begann ich erneut eine Therapie und wir sprachen auch über meine Kindheit und was ich da erlebt hatte. Immer mal wieder und irgendwann in einer Sitzung kommen wir auf das Thema sex. Gewalt. Meine Therapeutin sprach mit mir insbesondere über das Verhalten meines Vaters als ich noch ganz klein war und auch bis vor 4 Jahren noch. Wir blieben bei den Beobachtungen - soviel weiß ich noch - mehr kann ich jedoch nicht mehr sagen. Ich habe in dem Detailgrad keine Erinnerung mehr an die Gespräche mit ihr und auf die Erinnerungen. Ich kann die meisten Erinnerungen jetzt gerade wieder nicht abrufen. Mir fällt es JETZT extrem schwer darüber zu schreiben und zu sprechen, wenn ich Gefühle dabei zulasse, denn auch jetzt zieht sich mein Gesicht zusammen und die Tränen fließen. Mein Vater - der seit 25 Jahren eine Freundin hat(te) - nannte mich "Geliebte, Liebste" und schrieb mir oft so unangemessene "Love-Bombing-Nachrichten". Ersteres hörte vor einigen Jahren erst auf, nachdem ich ihm androhte den Kontakt abzubrechen, wenn er meinen Bitten das zu unterlassen nicht folgen würde. Meine Therapeutin erzählte mir von einem Fond, über den man über alternative Therapiekonzepte sich mit seinen sex. missbräuchlichen Erfahrungen auseinander setzen könne und ich sah darin zunächst erst einmal eine Chance Geld für Dinge zu bekommen, die ich gerne machen wollte. Ich merke hier an meiner Reaktion bzgl. des Fonds schon wieder dieses Versachlichen, nicht wirklich Hinfühlen wollen und Funktionieren und Ausweichen. Ein paar Monate vergingen und dann füllte ich im Frühjahr diesen Bogen aus - und wollte danach Sport machen gehen. Das Formular hatte 17 Seiten und die hatten es in sich. Für meine Verhältnisse brauchte ich lange - da wurden erstmal so prinzipielle Symptome abgefragt. Die meisten hatte ich ja schon seit meiner Kindheit und waren für mich normal. Dann konnte man seine Erfahrungen schildern zu sex. Gewalt. Ich fing bei meinem Vater an und mein Perfektionismus ließ mich dann weitere Erfahrungen aufführen. Durch die Hilfestellungen konnte ich mir ja ein Bild davon machen wonach gefragt wurde, außerdem gab es sex. grenzverletzendes Verhalten ja bis vor wenigen Jahren auch noch mit meinem Vater. Und dann saß ich da, schaute auf dieses Formular und auf einmal machte vieles wie ich mich fühlte, verhielt, kleidete, welche Probleme ich heute noch habe Sinn.Und dann hatte ich eine für mich heftige Panikattacke.
Da ich alleine lebe, war auch niemand da. Mit meiner Therapeutin habe ich das einigermaßen in den Griff bekommen. Seit diesem Frühjahr - aber auch schon seit letztem Okt. in 2024 als mir klar wurde aus was für einer Familie ich komme - geht es mir zunehmend schlechter. Ich habe nur wage Erinnerungen - manchmal kurz ganz klare, die ich jetzt aber nicht mehr weiß - auch mehr Albträume, Schlafprobleme, Ängste, Angespanntheit und im Dauerstress. Es ist lange her, dass ich mich mal richtig wohl und glücklich gefühlt habe - sicher, bin ich das? Nein. Über einen längeren Zeitraum gab es das noch nicht, nur jetzt nehme ich das das erste Mal so richtig wahr. Übrigens habe ich dann mal das Verhalten meiner Mutter in meiner Kindheit mit dem Fokus auf sex. Gewalt angeschaut - sie hat mich oft beschämt, vorgeführt auch vor anderen, meinen Körper kommentiert.
Wenn ich Albträume habe und von dem Haus träume, in dem ich aufwuchs, dann ist es noch so eingerichtet wie es vor 1994 war. Ich sehe die grünen Fließen im Bad, die Polstermöbel im Wohnzimmer, ich kann da langlaufen - meist habe ich Angst oder/und werde verfolgt. Ich träume meist vom Bad und ich bin noch klein, weil der Ausschnitt, den ich sehe unter dem Waschbecken ist. Ich spüre dann schmatzende Münder auf meinem Gesicht, die ich nicht mag. Bis vor wenigen Jahren träumte ich von mir auch oft als einen Jungen. Als Kind wollte ich einer sein, weil die stark sind und Papa meinem Bruder auch mehr Aufmerksamkeit schenkte. Irgendwie war ich für ihn oft unsichtbar, es sei denn er war blöd zu mir, Manchmal frage ich mich, ob ich mir das alles einbilde, was ich erlebt habe, ob das tatsächlich mit sex. Gewalt zu tun haben könnte. Und dann sagt mir meine Therapeutin und jemand von der Opferhilfe "Doch, diese Verhaltensweisen sind dem sex. Spektrum zuzuordnen." Und ich bin erleichtert, denn auch tief in mir drin spüre ich - ja, das hat es. Ich darf so fühlen. Diese Zweifel sind das Schlimmste, ich bin so zerrissen. Ich bräuchte einfach mal jemanden, in dessen Arme ich mich werfen und ganz lange weinen und darf und gehalten werde. Wann werde ich aus dem Schatten meiner selbst treten und endlich zu mir stehen können? Wie geht das überhaupt, wenn ich sensibel und weich bin? Gerade strauchele ich durchs Leben und mir geht die Kraft aus. Objektiv betrachtet mache ich regelmäßig Sport, gehe arbeiten, habe Hobbys und an dem neuen Wohnort fehlen noch Menschen. Und ich lenke mich mit überdimensioniert hohem Medienkonsum ab und schalte mich regelmäßig mehrere Tage depressiv ab. Da geht das Sozialleben weiter flöten, denn mir fehlt oft die Kraft dafür. Seit diesen Erkenntnissen fühle ich mich einsam. Die Einsamkeit nagt an mir und wühlt sich in die Nähe meines Herzens und will es erobern. Ich bin dann nächstes Jahr zum Glück stationär in einer Klinik, wo diese ganzen Themen endlich mal aufbrechen dürfen - ich hoffe, ich lasse das zu und schaffe es den Deckel zu öffnen und werde nicht zur gewollten "Vorzeigepatientin". Die Erkenntnis über mein Leben ist so niederschmetternd. Ich habe es bis jetzt nicht geschafft mal eine erfüllende und schöne Beziehung zu führen, in der ICH mich sicher und geborgen gefühlt habe. Ich bin allein, ohne je das Gefühl des Angekommen-Seins in einer Familie gehabt zu haben. Nicht unbedingt weil es da nie jemand gab, sondern mehr, weil ich diese Nähe gar nicht ausgehalten habe; ständig Hab-Acht-Stellung, Angst etwas falsch zu machen bei gleichzeitigem starken Auftreten und zusätzlich Angst, den anderen wieder zu verlieren. Das ist Stress pur. Da bleibe ich nicht gerne. Der andere auch nicht.
Mein ganzes Leben ist iwie wie ein Indizienprozess....gerade fällt mir wieder ein, dass ich Sex richtig schlimm am Anfang fand. In meinen Zwanzigern habe ich ausnahmslos nach dem Sex lange geweint, genoss es selten - trotzdem war es wichtig und ich wollte es. Meine Romantischen Beziehungen wussten oft nicht wieso und warum. Ich leider auch nicht. Dann in den Dreißigern habe ich mich sexuell ausgelebt, um zu wissen was ich mag und was nicht. Da war auch viel gewaltsamerer Sex dabei - was ich nicht so sah, an Reaktionen von anderen merkte und ich mochte damals, mein Körper nicht. Ich bin schon so oft mit einer Taschenlampe in die tiefsten Winkel meiner selbst gerannt und habe verschiedene Themen ausgeleuchtet, bearbeitet auf verschiedenen Ebenen, geheilt und jetzt muss ich mit diesem Thema nochmal loslaufen und überall hin leuchten. Wieso habe ich diesen sex. Missbrauch durch meine Eltern nicht erkannt? Wäre mein Leben anders verlaufen, hätte ich es früher erkannt? Ich möchte meinem Leugnen in der Vergangenheit aus Selbstschutz dankbar sein, aber mir fällt es schwer. Denn auch jetzt noch zerbreche ich fast an den Ereignissen des letzten und diesen Jahres. Ich bin mit Leugnen, Scham und unerträglichen Selbstzweifeln in Berührung gekommen. "Die Scham muss die Seiten wechseln." Und wann tut sie das?
Ich habe übrigens im Freundes- bzw. näheren Bekanntenkreis von meinen Erfahrungen versucht zu berichten. Von einem bloßen "Aha.", ungläubigen "Waaaas? Was war denn da genau? Bist du sicher? Kann ich mir bei dem gar nicht vorstellen!", aber auch echte Anteilnahme war alles dabei. Ich wollt's halt auch wissen. Nachdem ich das Formular ausgefüllt und eine Panikattacke hatte, habe ich immer wieder eine Panikattacke bekommen, wenn ich davon sprach. Konnte erstmal 8 Tage nicht arbeiten. Wie praktisch dann in Therapie zu sein
Falls es jemand bis hierhin geschafft hat....Danke. Erstmal gelesen zu werden ist schön für mich und ich hoffe, es ist nicht zu kryptisch und zusammenhanglos. Ich bin auch an Euren Gedanken zu meiner Geschichte interessiert und falls es Empfehlungen, Tipps, kritische, wohlwollende Fragen oder sonstige Bemerkungen gibt, seid ihr eingeladen mir hier zu schreiben.