Idole und Helden

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Bao
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Bao »

Finde es gar nicht off-topic Eli. Hier gibt es ganz ähnliche Gedanken schon von Kindheit an. Und ein Projekt im Herzen, dass irgendwann hoffentlich Umsetzung findet. Und das passt so gut hier in den Thread. Da geht es auch um Obdachlosigkeit.

Ich glaub, in mir arbeitet oft diese Differenz zwischen dem Wunsch danach etwas zu bewirken und umzusetzen. Und dem Festhängen und der Kraftlosigkeit durch das eigene Leid. Und eigentlich glaub ich gar nicht, dass es wirklich eine Differenz ist. Weil wenn ich mir Menschen, Vorbilder ansehe, dann sind das immer auch Menschen mit eigener schmerzhafter Geschichte. Glaub sogar, dass das fast eine Grundvoraussetzung ist um den Wunsch überhaupt zu haben, etwas zu bewirken. Selbst Leid erlebt zu haben oder dieses Leid bei anderen nahestehenden gesehen und mitgefühlt zu haben.

Und eigentlich frage ich mich vielleicht, was ist es, was diese Menschen also anders gemacht haben auf ihrem Weg, dass sie irgendwann eigenen Schmerz in Kraft gewandelt haben. Das ein tiefer Wunsch. Aufzustehen MIT allem. Nicht mehr dagegen zu kämpfen. Sondern genau daraus auch Kraft zu ziehen und was Gutes zu bewirken. Klingt vielleicht romantisiert. Das aber sicher nicht so gemeint.

Ist schön, wie sich dieser Thread hier durch euch entwickelt. Danke dafür. Glaube, ich verstehe gerade langsam, worum es in meiner eigenen Suche nach Vorbildern eigentlich wirklich geht.
eli

Re: Idole und Helden

Beitrag von eli »

ja das ist DIE Frage für uns.
wie können menschen NICHT an den traumata zerbrechen, verbittern, sondern aufstehen und handeln.. und andere retten.
heisst es sie haben mehr kraft, die traumata waren weniger zersetzend, sie hatten noch einen guten menschen...?
wr fragen uns oft was den unterschied macht...

alles gute
eli
Bao
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Bao »

Ja, das ist DIE Frage.
Vielleicht sind sie erst zerbrochen, diese Menschen. Vielleicht waren sie nicht stärker oder ihre Bedingungen besser. Vielleicht ist es genau das. Zerbrochen sein zu müssen um sich neu zusammen zu setzen. Weil da tief im Innern etwas ist, das sich nicht zerbrechen lässt um all das andere herum.

Ich denke dabei immer an Löwenzahn. Manchmal auf der Straße, auf dem Asphalt, mitten in starkem Beton, der undurchdringbar scheint, wächst ein Löwenzahn. Gelb und leuchtend der Sonne entgegen. Mitten in der Unmöglichkeit. Vielleicht sind diese Menschen so ein Löwenzahn. Nicht stärker als der Beton. Unter den schlechtesten Bedingungen, die die Natur ihm schenken konnte. Und doch ist er da. Fast trotzig. Vielleicht ist es Trotz. Nicht statt?
eli

Re: Idole und Helden

Beitrag von eli »

hallo

für alle die es interessiert.
in der ard mediathek gibt es 25min im nachtcafe Jenny rasche und die ausgrenzung der roma familien. hat mich total gerührt.

mmh ja, ich weiss nicht... vielleicht auch unterschiedlich.

eli
Bao
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Bao »

Danke fürs Teilen Eli.
Vor gut zwanzig Jahren habe ich mich sehr intensiv auseinandergesetzt mit den Lebensumständen der Kinder in Rumänien damals. Ich stand in Kontakt zu einer Organisation die ein Waisenhaus auf die Beine gestellt hatten, um die Kinder aus der Kanalisation zu holen, wo sie damals lebten. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Oder besser, ich konnte mir das vorher nicht vorstellen. Damals lief bei mir im Außen viel sehr organisiert und so hatte ich die Möglichkeit etwas beizutragen. Das war ein Herzensprojekt für ein paar Jahre, bis alles bei mir selbst zusammen gebrochen ist. Und nun wird mir gerade bewusst, dass das fast zwanzig Jahre her ist. Und es seitdem in mir schlummert. Und manchmal ruft. Und ich gleichzeitig sehe, ich bin noch immer so überfordert mit meinem eigenen Leben, das objektiv gesehen aber tatsächlich so unendlich viel besser ist, als das Leben dieser Kinder dort damals. Und ich wünsche mir, dass ich meine Themen annehmen und aufarbeiten kann und wieder Kraft und Ressourcen für Projekte dieser Art habe. Und manchmal gab es kurze Einsätze bei anderen Projekten. Und dafür brennt dann mein Herz auch. Aber gleichzeitig sehe ich, ich muss erstmal die Verantwortung fürs eigene Leben wirklich übernehmen können.

Ich finde es schön, auch wenn es schmerzt gleichzeitig, dass wir hier darüber schreiben können. Denn so kommt es als Sehnsucht zurück in den Fokus.
Die.Wolfsfrauen.
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Die.Wolfsfrauen. »

In der ZDF-Mediathek gibt es momentan die Verfilmung von Ronja Räubertochter :)
Wir finden den Film toll, es gibt aber evtl. auch einige Trigger drin... jedenfalls müssen wir bei einigen Szenen trotz Kinderfilm aufpassen... :oops: :roll:
Die.Wolfsfrauen.
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Die.Wolfsfrauen. »

Geht es nicht auch immer um "die Unrechtsfrage"? :oops: :oops: :oops:

Also darum, dem irgendetwas entgegenzustzen... sei es "im kleinen" Ronja, die über den Graben der Matthisburg springt, weil es einfach nicht o.k. ist, jemanden durch Gefangennahme zu erpressen....
Oder um die "großen Themen"... wie die der z.B. sog. Roma... die nirgendwo irgendweche Rechte bekommen, weil sie angeblich staatenlos sind...
Oh je.. uns wird wirklich schon wieder körperlich übel bei all diesen Gedanken darüber, wie beschissen Menschen zu anderen Lebewesen sind... bzw. sein können :oops: :oops: :oops: :oops: :roll:
Sorry, falls offtopic... :oops: :oops: :oops: :oops:
Bao
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Bao »

Ja Wolfsfrauen, das ist wohl wahr. Das findet sich im Kleinen und Großen und überall nimmt das Böse da Oberhand, wo Menschen aufhören sich aufzulehnen. Ich habe das früher oft bei Facebook erlebt und das hat mich echt schlimm getriggert. Dass solche Hetzbeiträge oft ohne Ende Antworten Gleichgesinnter bekommen und alle anderen halten sich zurück - "weil es ja eh keinen Sinn hat mit denen zu diskutieren". Und nein, hat es oft nicht. Aber was gegensetzen kann man dennoch. Denn sonst ist die Botschaft für andere die das sehen "es ist okay und alle sind dieser Meinung. Das finde ich total gefährlich auch für Menschen, die in Findungsphasen sind. und natürlich kann niemand zu allem immer Stellung beziehen. Aber ich glaub ab und zu können wir das.

Und ich glaube, der Anteil der "beschissenen Menschen" ist viel geringer als es den Anschein hat. Das macht ihre Taten nicht besser, aber es gibt Hoffnung, je mehr sich aufgelehnt wird dadurch.

Gar nicht offtopic also :D ganz im Gegenteil. Danke fürs daran erinnern.
Windspiel
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Windspiel »

Also bei Idolen und vorbildern sind uns gleich mehrere Sachen eingefallen.
Als kind schon immer: Prinzessin Fantaghiro. Kennt wahrscheinlich keiner :lol: ist eine Filmserien aus den 90ern über eine Prinzessin die unbedingt kämpfen will und sich gegen alle traditionen und bräuche (Frauen müssen dumm, schweigsam und gehorsam sein) auflehnt und kämpfen lernt. Und damit dann das Königreich rettet und das Duell mit dem Feind beendet in dem sie sich verliebt bla bla :lol: Aber dieses kämpfen, sich auflehnen und trotzdem bleibt sie in den weiteren Fortsetzungen weich und liebevoll...das hat uns schon als Kind sehr beeindruckt.

Pipi langstrumpf fanden wir cool aber irgendwie unvorstellbar so zu sein. auch dieses immer wieder freundlich zu allen die ihr böses wollen wie diese Diebe... das haben wir nie verstanden. Wir waren schon immer eher schüchtern und haben in jedem Menschen der uns begegnet ist nur die potenzielle Gefahr gesehen. Wir konnten uns auch nie vorstellen so stark zu sein. Oder selbst wenn wären wir durch die konditionierungen ja trotzdem immer schwächer gewesen.

Vorbilder, also reale menschen. Ja da gab/gibt es jemand. Die Eltern bzw die ganze kleine Familie einer Kindergarten/Schulfreundin. Also ein sehr reales Vorbild. Wir sind eher so typisch "vorstadt" aufgewachsen, "heile" Familie, Haus, Garten, Urlaub usw. Und hinter der fassade halt die Gewalt. Und die waren so anders. Sie hatten nur eine kleine Wohnung, waren auch äußerlich nicht so angepasst, wenig geld, kein teurer urlaub, keine teure Kleidung. Aber.. viel am lachen, viel glücklich, (echt) freundlich und warm. Da war es normal das wenn es essen gab man einfach mitgegessen hat, das man auch als Besuch genauso herzlich und liebvoll behandelt wurde. Sowas kannten wir von zuhause nicht. Und es war bei weitem nicht so dass die keine Schicksalsschläge hatten. Aber es war einfach so anders. Glaub das erste mal richtig bewusst war uns das als wir in der Grundschule mit einer 3 im Diktat uns nicht nach hause getraut haben, die Tochter dieser Familie mit einer 4 neben uns stand und das überhaupt nicht verstanden hat. Sie hatte keine Angst. Wieso auch? :cry:
Tja und sie waren/sind unser Vorbild. Und tatsächlich war auch genau diese Mutter der Grund warum wir damals aus unserer Familie raus konnten. Weil wir sie mit 16 zumindest zum Teil ins vertrauen gezogen haben und sie dann gehandelt hat. Für uns ganz große Menschen.
Wenn du schreist, weil du weißt was es heißt, wenn die Hoffnung nicht mehr als ein leeres Wort ist,
Wenn du gehst und du flehst, dass dich jemand erreicht, weil du immer noch ganz allein bist,

*ASP- Schwarzer Schmetterling*
Charly
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Charly »

Also Kind habe ich mir immer gewünscht wie der Hulk zu sein.
Was reale Menschen angeht, da ziehe ich meinen Hut vor jedem "Selfmade" Menschen der dann auch noch empathisch geblieben ist!
Leben?
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Re: Idole und Helden

Beitrag von Leben? »

Handwerklich begabte Menschen, die aus nichts viel erschaffen können.

Als Kind wünschte ich mir so musisches Mal Mio zu sein. Wie bei Mio mein Mio. Mein damaliges Zuhause verlassen und ein besseres Leben voller neuer Abenteuer erleben.
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