aus dem Versteck

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Meereskind
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aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Ich...
und da fängt es an schwierig zu werden. Es fällt mir so schwer über mich selbst zu sprechen oder zu schreiben. Sobald es "ernst" wird,verschlägt es mir die Sprache. Ich denke schon ein Weilchen darüber nach hier einen eigenen Thread zu öffnen und so oft ist dann da die Stimme in meinem Kopf die mir sagt,dass das auf GAR KEINEN Fall geht. Bei dem Gedanken mich hier oder anderswo mitzuteilen steigt Panik auf.
Das hier ist also ein Versuch mich dieser Angst zu stellen und damit den Teil von mir zu stärken, der weiß das keine Gefahr mehr droht.
Mich zu trauen mir Raum zu nehmen ob virtuell oder im "echten" Leben, in dem ich meine Gedanken und Gefühle mit anderen teile,löst bei mir den Impuls aus mich zu verstecken...daher auch der Name des Threads.

Die Ambivalenz zwischen dem Bedürfnis gesehen und getröstet zu werden und dem Bedürfnis unsichtbar zu bleiben,ist manchmal nur schwer auszuhalten.

Und bevor ich noch lange nachdenken kann ob das hier eine gute Idee ist,sende ich es schnell weg bevor ich auf die Idee komme es zu löschen.
A.Rhiannon
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von A.Rhiannon »

Hallo Meereskind,

ich habe deine Worte gelesen.

Schön, dass du dich überwunden und getraut hast zu schreiben und dass du dir erlaubt hast einen Platz hier zu haben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch.

Alles Liebe,
A.Rhiannon
"Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit. Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein."

aus: Letztendlich sind wir dem Universum egal
Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Liebe A.Rhiannon, vielen Dank für deine Worte!

Oft erwische ich mich bei dem Gedanken, dass ich mich einfach lächerlich anstelle...so schlimm ist es doch gar nicht,nun stelle dich nicht so an.
Was natürlich absurd ist,würde mir das jemand anderes erzählen,würde ich auch nicht so über die andere Person denken, sondern Mitgefühl empfinden.

Und dann liege ich im Bett und um mich herum beginnt ein normaler Tag. Ich höre die Kinder,mein Mann steht auf und beginnt ein Gespräch mit mir. Ich kann dem Gespräch nur bedingt folgen.
In mir herrscht Verwirrung.

Triggerwarnung

Es fühlt sich an als wären über all an meinem Körper Hände. Hände die ich da nicht haben will...Ich bin apathisch und würde sie gleichzeitig so gerne wegschlagen.
Und währenddessen spricht mein Mann weiter mit mir und ich liege da,weiß nicht so genau wo ich eigentlich gerade mehr bin. Gefangen in der Erinnerung oder beteiligt an dem Gespräch.
Ich denke,dann so etwas wie,dass er immer sagt,ich solle ihn mehr mit einbeziehen. Aber wie soll ich das machen,wenn ich zum einen kaum drüber sprechen kann und es dann doch auf jemanden der so etwas nicht erlebt hat,völlig wahnsinnig klingen muss? Naja da ist es wieder das Dilemma.
Ich liege also da und versuche die Erinnerung abzustreifen.
Das funktioniert mal mehr mal weniger gut.
Es hat irgendwie funktioniert. In dem Moment war es nur ein irgendwie ungesundes wegschieben/wegdrücken. Vielleicht ist es gut das der Alltag mich so fordert...aber so fehlt mir manchmal die Zeit mich intensiver mit dem was hochkommt auseinander zusetzen.
Aber wenn ich so darüber nachdenken,ist es vielleicht auch besser so. Hin und wieder ist es jedoch so,dass es mich fast zerreißt einerseits eine ansprechbare Mutter,Freundin,Ehefrau etc. zu sein und andererseits das Kind in mir schreien zu hören,das unbedingt endlich gehört werden will.

Es tut gut,dass hier aufzuschreiben und zu teilen. Wenn ich lese was ich geschrieben hab,kann ich mich selbst irgendwie ernster nehmen.
Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Ich habe gerade ein langes Telefonat mit einer guten Freundin beendet. Und werde dabei häufig,eigentlich immer, mit meinen inneren Barrikaden konfrontiert. Auf der einen Seite ist da diese Person von der ich weiß, dass ich ihr vertrauen kann und die auch für mich da sein möchte ...und auf der anderen Seite ist da der Gedanke,dass es völlig irrsinnig ist jemandem soweit zu vertrauen,dass ich auf die Idee kommen könnte zu erzählen was mich quält,zu erzählen wie sehr das an mir zerrt. Ich weiß nicht ob vielleicht die wirklich tiefsitzende Angst vor dem Weinen/Verletzlichkeit zeigen der Ursprung ist.
Mh,ich hab das Gefühl ich müsste das sortierter aufschreiben,das krieg ich aber gerade nicht hin...sonst lösche ich es.
Und trotzdem weiß ein Teil in mir das mir definitiv keine Gefahr droht,wenn ich in ihrem Beisein weinen müsste
Ach,wie oft ich das schon von einer Seite zur anderen gewendet habe.
Und immer lande ich bei dem Gedanken, das ein großer Anteil auch darin liegt,dass ich Angst davor habe was das Weinen/Loslassen mit mir macht. Es ist vielleicht die Angst vor dem Kontrollverlust.

Und um mal gegen meine recht laute innere kritische Stimme anzugehen:Klar bin ich nicht so deutlich ihr gegenüber wie ich eigentlich gerne wäre. Aber es gibt immer wieder Mini-Schritte in Richtung: mich zeigen, aus dem Versteck raus.
Aufatmende
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Aufatmende »

Vielleicht wäre ein Schritt, ihr im Konjunktiv davon zu erzählen? Ich würde dir gerne mehr von mir mitteilen, aber das klingt so verrückt, ich kann es nicht einordnen, ich weiß nicht, ob ich es dir zumuten kann.... So in der Art.
Und überleg mal, ob Telefon oder Auge in Auge besser ist.
Bei mir war es so, dass meine eigenen Kinder dazu geführt haben, dass ich mein inneres, schwerst verletztes inneres Kind nach und nach gefunden habe.

Hände auf deinem Körper: kannst du sie abstreifen, wegstoßen, körperlich spüren, dass da heute nur noch deine Hände sind und Hände, die du magst? Evtl. Auch dort hin spüren beim Duschen, Eincremen...
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Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Danke für deine Gedanken.
Bzgl. des Mitteilen gegenüber Freundinnen oder meinem Mann bewege ich mich recht wellenartig. Ich bewege mich da immer in einer Ambivalenz zwischen dem Bedürfnis gesehen zu werden und einer tiefsitzenden Angst vor dem Reden.
...was für die Menschen die mich kennen wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen ist,weil ich ansonsten auch wie ein Wasserfall reden kann :) .

Ich übe mich gerade darin mich wohlwollender zu betrachten. Und mein Gehirn versucht zu verstehen was ich in der Therapie lerne. Das es nicht (mehr) gefährlich ist mich mitzuteilen. Weiterhin schwierig ist die Schlucht die sich öffnet,wenn reden bedeutet mich mit den dazu gehörigen Gefühlen auseinander zu setzen.

In kleinen Schritten trete ich hin und wieder aus meinem Versteck und teste die Belastbarkeit meiner Umgebung...und bisher scheint alles sehr stabil
Wow,das so aufgeschrieben zu sehen...mh,ich kann das wertschätzen,aber ich merke,dass ich es nicht hundertprozentig glauben kann. Es ist so als ob ich immer den Notschalter in der Hand hätte.
Mh,eigentlich wollte ich zu meiner Feststellung nur schreiben,dass ich glücklich darüber bin,dass es gerade so ist.
Es bleibt wahrscheinlich immer eine Mischung aus dem Bewusstsein von aktueller Sicherheit und dem Notfallschalter in meiner Hand...vielleicht kann ich ihn irgendwann in meine Jackentasche stecken.

Zum Thema Kinder

Ich habe begonnen mich an dem Thema abzuarbeiten bevor meine Kinder auf die Welt gekommen sind. Dann habe ich versucht es zu verdrängen oder mich davon zu überzeugen,dass ich einfach verrückt bin und mir das nur ausgedacht habe. Als meine Kinder auf die Welt kamen,habe ich mir vorgenommen mich frühestens wieder in Therapie zu begeben,wenn sie aus dem gröbsten raus sind. Im Rückblick ist dieser Plan natürlich einfach nur ein Wunsch gewesen.
Mein Wunsch ihnen nicht zu schaden...Ich will auf kein Fall eine Mutter sein,die ein emotiales Wrack ist. Ich weiß,dass ich nicht wie meine eigene Mutter bin und das meine Kinder unter anderen Voraussetzungen aufwachsen. Und doch bewerte ich mich recht streng im Umgang mit ihnen,weil ich Ihnen das nicht antun will.
Mir ist völlig klar das niemand perfekt ist und ich kann auch wahrnehmen das es anders ist,als in meiner Kindheit...ganz anders.
Aber ich kann mir noch nicht verzeihen,dass ich es manchmal so schrecklich schwer finde eine liebevolle Mutter zu sein und nicht gleichzeitig zu zerbrechen wegen dem alten Mist der mir manchmal alle Kraft raubt.

Ich könnte noch viel zum Thema Kinder schreiben das hole ich ein anderes Mal nach.

Und nochmal für mich selbst zur Erinnerung:
Jeder Schritt nach vorne ist ein guter Schritt egal wie klein er ist.
Ich bin ein guter Mensch.
Ich lebe.
Ich bin dankbar für die Menschen die ich gerade um mich herum habe.
Aufatmende
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Aufatmende »

Du würdest deinen Kindern viel mehr Ballast mitgeben, wenn du dich nicht mit dir auseinander setzt. Stichwort: transgenerationale Traumatisierung

Die Schuld, deinen Kindern wegen deiner Vergangenheit nicht gerecht zu werden, kannst du nur immer wieder dem Täter zurück geben!
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Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Danke für deine Worte.

Seit meinem letzten Eintrag habe ich versucht dem Bedürfnis nachzukommen mich meinen nächsten Menschen mitzuteilen. Das was zurück kam war immer ein wohlwollendes Interesse an mir. Den inneren Kampf (gesehen werden wollen vs. unsichtbar sein wollen) mit mir selbst konnte ich in diesen Gesprächen aushalten und empfand es als sehr ermüdend. Ich kann es wertschätzen, dass sie da sind und doch können sie das Loch nicht auffüllen. Ich weiß noch nicht genau,was alles in dem Loch steckt bzw. eben fehlt. Dem muss ich mich wohl selbst zu wenden.
In den Gesprächen ist mir bewusst geworden,wie sehr ich mich danach sehne traurig sein zu können und gehalten zu werden. Nur fällt mir das sehr schwer. Es ist wie eine innere Barriere... jetzt gerade kann ich mir selbst wohlwollend gegenüber sitzen und sagen: es ist o.k.,du darfst traurig sein,du darfst das!

In meiner Arbeit und auch als Freundin kann ich sehr mitfühlend und wertschätzend sein. Mit mir selbst gehe  ich meistens recht kritisch und streng um.
Wenn ich mich nur so sehen könnte,wie es meine Freunde tun.
Vielleicht werde ich den Ort hier auch dafür nutzen. Um mich damit auseinandersetzen welche negativen Sichtweisen ich auf mich selbst habe und wie ich es schaffe,dass Schritt für Schritt zu verändern.

Mh, ich werde versuchen mir in der nächsten Woche immer wieder bewusst zu erlauben traurig sein zu dürfen. Mal sehen ob ich mit dem Gefühl der Verletzlichkeit das da mitschwingt umgehen kann
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Aufatmende »

Mir hat ein imaginativer Trauerraum geholfen, in den ich hinein und wieder heraus gehen kann. Das hat die Trauer weniger uferlos gemacht und ich habe ihn mit der Zeit gestaltet.
Du könntest auch das Loch fragen, womit es gefüllt werden möchte.
Bei den negativen Sichtweisen habe ich lange, lange versucht, wenigstens verbal das Gegenteil zu formulieren, auch wenn sich das total falsch oder unrealistisch angefühlt hat. Mit der Zeit sind die negativen Gedanken über mich selber weniger geworden
Es liest sich, als ob du auf einem richtig guten Weg bist.
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Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Aufatmende hat geschrieben: Di Dez 05, 2023 11:12 pm Mir hat ein imaginativer Trauerraum geholfen, in den ich hinein und wieder heraus gehen kann. Das hat die Trauer weniger uferlos gemacht und ich habe ihn mit der Zeit gestaltet.
Ein Trauerraum ist vielleicht machbar für mich. Ich sehe mich direkt an einem Ort stehen mit dem ich zwar noch nicht viel anfangen kann,den ich aber mit allem füllen kann,was mir sinnvoll erscheint. Das macht es für mich vielleicht leichter mich dem traurig sein zu nähern.
Danke für den Hinweis.
Aufatmende hat geschrieben: Di Dez 05, 2023 11:12 pm Du könntest auch das Loch fragen, womit es gefüllt werden möchte.
Das Loch will mit Wärme,ganz viel Herzenswärme gefüllt werden. Eben mit dem was gefehlt hat:Mitgefühl,Akzeptanz, wahrgenommen werden,das Gefühl beschützt zu werden,Trost
Ich werde wirklich ungern als bedürftig wahrgenommen,lege viel Wert auf meine Selbständigkeit,aber dieses Loch in mir will genau das sein-bedürftig.

Das mit der Erlaubnis traurig sein zu dürfen hat bisher nicht so richtig funktioniert. Es bleibt ein Gedanke und wandert noch nicht ins Gefühl. Aber ich werde das mit dem Trauerraum ausprobieren.
Bao

Re: aus dem Versteck

Beitrag von Bao »

Hallo Meereskind,

ich kann deine Ambivalenz zwischen reden und schweigen sehr gut nachfühlen. Ich glaube, die Angst und das Sprechverbot gehören der Kleinen Meereskind und du gehst so toll damit um, geduldig und langsam dich hier zu öffnen.

Mich hat auch das hier angesprochen:
Meereskind hat geschrieben: Fr Nov 17, 2023 11:56 pm Mein Wunsch ihnen nicht zu schaden...Ich will auf kein Fall eine Mutter sein,die ein emotiales Wrack ist. Ich weiß,dass ich nicht wie meine eigene Mutter bin und das meine Kinder unter anderen Voraussetzungen aufwachsen. Und doch bewerte ich mich recht streng im Umgang mit ihnen,weil ich Ihnen das nicht antun will.

Natürlich willst du deine Kinder schützen und ich wette, du machst das großartig. Ich kenne diesen Spagat zwischen innerlich am Boden sein und nach außen lächeln, damit die Kinder bloß nicht auch so aufwachsen wie man selbst und so lese ich dich, kann das sein? Sei nicht so hart zu dir und gegen dich selbst. Ich glaube nicht, dass Gefahr besteht, dass du dich verhältst wie deine Mutter früher. Du bist sehr reflektiert und siehst hin. Allein deshalb wirst du dich schon ganz anders verhalten.

Kinder haben sehr feine Antennen für die Gefühle der Mama. Und wenn sie auch mal sehen, dass du dich icht gut fühlst und du ihnen gleichzeitig das Gefühl gibst, auch diese Gefühle sind ein Teil des Lebens und die Mama später wieder ganz für sie da, dann schadest du ihnen nicht, sondern zeigst ihnen das Gefühle okay sind und du gut für dich sorgst. Und das hast du verdient, gut für dich zu sorgen.

Im Flugzeug wird gesagt, wir sollen uns erst selbst versorgen, damit wir uns anschließend viel besser um andere kümmern können. Ich finde, das ist ein guter Rat und eigentlich überall im Leben anwendbar.

Pass auf dich auf.
Bao
Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Danke Bao,für deine Gedanken. Es ist gut immer wieder zu hören,dass es anderen auch so geht oder so ging.

Seit Tagen habe ich das Gefühl etwas zu Papier bringen zu müssen,was ich aber ganz gut wegschieben konnte.
Jetzt bin ich aber zum Familienbesuch bei meinen Eltern und will einerseits nicht das System bestätigen in dem auch ich völlig oberflächlich bleibe - Bloß nicht über Gefühle reden,was soll das überhaupt sein? - Und andererseits ... ähm,was wollte ich schreiben. Sobald es ernst wird schaltet mein Hirn in den Flugmodus.

Eigentlich wollte ich nur kurz schreiben, das ich bei meinen Eltern bin und eigentlich mich vorher damit auseinandersetzen wollte,wie offen und ehrlich ich mit ihnen umgehen will und kann. Und das habe ich wie gesagt gekonnt vor mir her geschoben. Mich mit dem Gedanken zu beschäftigen ob ich mich traue meiner Mutter zu sagen womit ich mich gerade (mal wieder) rum quäle...puh.
Sie wird denken,dass ich nicht ganz richtig ticke. Definitiv meine Angst: sie glaubt mir nicht,sie ist nur bei sich.
Mh,da wäre wieder der Balanceakt zwischen mir selbst zugestehen/eingestehen wie es mir geht und das dann eventuell auch nach außen zu kommunizieren.
Bao
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Bao »

Vielleicht Meereskind, ist das auch gar nicht so planbar, was gerade möglich ist.
Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Besuch bei den Eltern und den Balaceakt.
Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Danke dir Bao, schade, dass die Sachen nicht so planbar sind. Ich hätte es gern gut durchgeplant... dabei bin ich selbst recht schlecht organisiert :)


Was ich ihr gerne sagen würde:
Warum fragst du mich nicht wie es mir geht? Also so wirklich! Ich weiß zwar auch nicht ob ich darauf richtig antworten könnte,aber ich würde mich zumindest wahrgenommen fühlen.
Ich möchte dir jetzt erzählen,wie es mir geht.
Ich bin seit 2 Jahren wieder in Therapie und es geht wieder um das selbe Thema. Mir geht es jetzt gerade ganz gut.ich denke das liegt zum einen daran,dass ich die Therapie gut für mich nutzen konnte und mich durch einiges durchgekämpft habe und zum anderen wohl auch daran, dass ich weiterhin gut abspalten kann. Aber es bleibt ein Drahtseilakt und ein ständiger Kampf um das im Hier und Jetzt bleiben. Ich weiß nicht ob du dir das vorstellen kannst.

...oh man es fällt mir sogar im Gedankenspiel schwer das zu Ende zu bringen.

Ich bin gerade wieder in einer Phase starker Zweifel. Zweifel an mir. So im Sinne von: ich stelle mich auch wirklich sehr an. So schlimm ist das alles nicht und überhaupt was ist da überhaupt? Als ob ich richtige Beweise hätte. Das beruht doch alles nur auf meiner Einbildungskraft. usw.
Und das alles ist wie ein Schlag in mein Gesicht. Und wenn ich so denke, kann ich beim besten Willen nicht mit meiner Mutter darüber reden. Ich erhoffe mir von ihr Verständnis und das sie mir glaubt, aber wie soll das gehen wenn ich mir nicht mal selbst glaube.

Ich war schon weiter und so schlimm das war, war es auch gut,weil ich diesen inneren Kampf nicht mehr führen musste.
Wenn ich mich an den sicheren Ort der kleinen Meereskind begebe und meine Zweifel mit mir kommen, dann sehe ich sie dort sitzen und schäme mich meiner Zweifel. Ich kann ihr dann nicht gegenübertreten und bleibe mit etwas Abstand stehen. Wie kann ich ihren Schmerz und ihre Verzweiflung leugnen?

Ich weiß, dass das auch eine Bewältigungsstrategie ist. Es ist leichter auszuhalten, dass ich an mir selbst zweifel als mir einzugestehen, was die Ursache für alle seltsamen Verhaltensweisen früher und heute ihren Ursprung in diesem unaussprechlichen Mist haben.
Und an diesem Punkt war ich schon öfter... und dann kommt der Moment in dem ich mir sage, dass ich doch nur will das sie mir glauben. das sie mich sehen.
Glaube ich mir also selbst nicht, aus angst das sie es nicht tun werden?


Trigger

Ich habe nach meiner ersten Therapie versucht, das Thema von mir wegzuschieben, was nicht funktioniert hat. Dann habe ich irgendwann das Internet bemüht und irgendwas gegoogelt wie "verdrängter sexueller Missbrauch". Eine der ersten angezeigten Seiten war von False Memory. ...mh, danach waren die Zweifel gesäht und ich habe mich noch unwohler gefühlt als vorher. Ich habe mich falsch gefühlt und habe mir selbst nicht geglaubt.

Und vorneweg, würde mir jemand anderes meine Geschichte erzählen,würde ich NICHT daran zweifeln.
Ich zweifel nur an MIR selbst.
Ich bin alles mehrmals gedanklich durchgegangen und finde keine groben Schnitzer; es kam alles aus mir selbst heraus... ach was soll das alles, je länger ich darüber schreibe um so mehr spüre ich, dass es doch eher um den Schutzaspekt dieser Behauptung geht. Und ob wahr oder nicht, es tut mir nicht gut, dass ich so an mir selbst zweifel...aber ich kann es (noch) nicht lassen.
Die Argumentation von False Memory macht mich regelmäßig sehr wütend und trotzdem bin ich ihnen irgendwie auf den Leim gegangen.

Trigger Ende

Es bleibt für mich die Frage, wie ich gegenüber meiner Mutter authentischer werden kann ohne zu viel zu erzählen? Ich könnte es natürlich lassen. Ich merke aber, dass es für mich immer anstrengender wird in den Kontakt zu gehen und das Thema aussen vorzulassen.

Über meine Zweifel zu schreiben fällt mir extrem schwer. So als würde ich mir selbst die Berechtigung dafür entziehen, dass es mir schlecht gehen darf. Mh,so habe ich das noch nie gesehen. Es darf mir tatsächlich nicht schlecht gehen. Damals nicht, weil ich das Gefühl hatte meine Mutter ist auf mich angewiesen und kann sich nicht auch noch um meine Probleme kümmern. Und heute bricht für mich die Welt zusammen, wenn ich das Gefühl habe jemandem zur Last zu fallen.
Meereskind
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Re: aus dem Versteck

Beitrag von Meereskind »

Als ich den Beitrag eben geschrieben habe, saß ich mit dem Rücken zum Fenster. In mir kroch die Angst hoch, dass jemand mitlesen könnte (das ist nicht möglich ausser es schleicht jemand durch unseren Garten). Ich habe versucht über dieses Gefühl hinweg zugehen. Die Unruhe war aber so groß, dass ich während des Schreibens den Platz wechseln musste. Es gibt einige Situationen in denen ich so empfinden. Dann möchte ich mich am liebsten zurück in mein Versteck verkriechen und dem eventuellen Angriff entgegenblicken. Ich will dann einfach unsichtbar sein. Nicht gesehen werden. Wenn ich das so schreibe und automatisch in das Gefühl hineinspüre, wird mir schlecht. Da ist so viel Angst und Verzweiflung. Es erinnert an den Gedanken eines Kindes das denkt, wenn es sich die Augen zuhält und nichts sieht,dass es dann auch nicht gesehen wird. Wenn ich unsichtbar bin,werde ich nicht gesehen.
die letzten Tage war ich nicht sehr nah an meinen Gefühlen dran, schwierig das mit den Gefühlen. jetzt gerade macht mich das traurig. Ich schaffe es nicht all zu lange in dem Gefühl zu bleiben. das geht irgendwie (noch) nicht.
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