Innen-Kommunikation/Absprachen

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mal ohne

Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von mal ohne » Mo Okt 15, 2018 9:50 pm

hallo,

das sind jetzt fragen an die, die mehr als einen durchaus autonom agierenden
teil haben. und ich meine damit nicht innenkinder, die mal spielen wollen oder ein
eis essen.

wie funktioniert gute innen-kommunikation? oder überhaupt mal kommunikation?

hier herrscht streit, endlose diskussionen, teile hassen sich, bei triggern wird gern mal die
kontrolle übernommen - und ich hab keine ahnung, was in der zeit passiert.
kann man das vermeiden? oder zumindest als zwischenlösung hinterher eine zusammenfassung
bekommen?

und was, wenn man versucht, absprachen zu treffen, die dann erst angenommen werden, dann tauchen
die teile, um die es geht, aber ab? wie geht man damit um?

konkret es darum, dass ein teil eingefordert hatte, dass was altes angeschaut wird und in den letzten stunden
massiv alle anderen themen blockiert hat, weil es ja versprochen war, dass wir das anschauen.
das sollte dann heute stattfinden. ein satz des thera reichte um erst innendiskussionen auszulösen,
zwischen mehreren teilen und mir, dann abtauchen und dann nix mehr. der thera wollte dann mit mir das
alte anschauen, aber das ist dann auch blöd. oder nicht??? ist jedenfalls ausgefallen.

gruß mal ohne

SophiawirdErwachsen
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Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Okt 15, 2018 11:28 pm

Hallo mal ohne,
vielleicht hilft es dir, wenn ich das kenne und du nicht allein damit bist und dass ich weiß, dass es in den Griff zu bekommen ist. Leider hab ich auch keine konkrete Lösung, da Systeme sehr komplex sind. Generell hilft jeglichen Stress in deinem Leben zu reduzieren, da eine stressige Lebenssituation die Situation verschlimmert. Wenn du die Kontrolle hast, könntest du versuchen Ordnung zu schaffen, indem du sagst, dass du die Verantwortung für euch hast, weil fremde Leute ja auch DICH sehen und daher zu für Ordnung sorgst. Jeder darf zu Wort kommen, allerdings unter deinen Bedingungen zu festgelegten Zeiten (zum Beispiel Therapie). Da ist es dann auch wichtig, dass du dich an deine Abmachungen hälst. Wahrscheinlich haben einige Teile das Bedürfnis dir Dinge mitzuteilen, über für sich wichtige Angelegenheiten zu sprechen. Da wird es wichtig sein, dem Raum zu geben und das ernst zu nehmen und zuzuhören. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wie genau das bei mir dann besser geworden ist, ich weiß aber noch, dass sich die Teile früher ständig gestritten haben und mir auch nicht gesagt haben, was wer gemacht hat. Ich hab mir dann eine Auszeit genommen, weil nichts mehr ging, das hat denke ich schon sehr geholfen, in Kombination mit Therapie. +
Mach dir jedenfalls keinen Druck, es ist normal, dass sich die Teile nicht an deine Regeln halten wollen oder dir vl gar nicht zuhören oder das System vollkommen übernehmen. Es dauert einfach, aber wenn du dran bleibst, wirst du das durchstehen...

Tut mir leid, dass ich keine konkreten Tipps geben kann,
ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!

SophiawirdErwachsen
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Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Okt 15, 2018 11:30 pm

Wenn die Teile abtauchen, ist es ihnen wahrscheinlich zu viel. Lass sie, sie werden wieder kommen, wenn es dafür Zeit ist, keine Sorge. Es ist wichtig, dass du weißt, dass du ein einziger Mensch bist und die Teile nur Abspaltungen in dir sind. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.
Ich glaub ich hab zu Beginn versucht mit einem Teil Kontakt aufzunehmen und den über andere auszufragen. Der hatte zum Glück Kontakt zu einem Teil, das heißt ich konnte den zweiten Teil schon besser einschätzen. Als ich dann mal mit dem zweiten Teil ins Gespräch gekommen bin, hat mir der schon mehr vertraut, weil er wusste dass sein Freund auch mit mir gesprochen hat. Und so weiter... Manche Teile hab ich erst in speziellen Momenten kennengelernt und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen erst nach und nach verstanden, wie ein Puzzle...Es kann auch sein, dass Teile gar nicht sprechen können weil sie zu jung sind oder andere Ursachen dagegensprechen. Dann könntest du dich einfach nur neben den Teil setzen (gedanklich) und eine angenehme Atmosphäre erzeugen, ihn umarmen, ihn zeichnen/malen lassen etc. (was für den Teil passt). Bei mir sind Teile aufgetaucht, die aber dann wieder verschwunden sind und auch nicht mehr kamen. Die "Hauptteile" waren immer da und sind es heute auch noch, nur halt eben meist friedlich in mir und ausschließlich ich hab das Kommando. Es ist ein bisschen so, als würdest du real auf traumatisierte Kinder/menschen stoßen, die dich nicht kennen. Manche sind sehr gesprächig, andere schimpfen vl und wieder andere wollen mit dir sicher nichts zu tun haben. Es dauert bis sie sich auf dich einlassen und du verstehst, welche Aufgabe wer hat. Manche wehren sich oder wollen auch bestimmen, da muss man sich dann richtig durchsetzen...

Egal, wie es sich real anfühlt. Solange du dir dessen bewusst bist, dass du ein einziger Mensch bist, hast du jedenfalls die Möglichkeit auf das System einzuwirken...
Alles Liebe und viel Kraft!

EineVonUns50
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Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von EineVonUns50 » Di Okt 16, 2018 6:55 pm

Hallo,
Das abtauchen hört sich für uns auch nach SChutz an. Womöglich hat der eine Satz des Theras getriggert und welche in den Rückzug getrieben?
"Störungen haben Vorrang" ist so ein Grundsatz in der Gruppenarbeit, was wir auch auf uns versuchen zu übertragen. Es wär also in dem Fall nicht die Frage: wie sorgt man dafür, dass ABmachungen eingehalten werden, sondern die Frage ist: was ist passiert, so dass es nicht mehr möglich war? Was hätte es stattdessen gebraucht oder was braucht es, damit das Thema angeguckt werden kann? themen angucken wollen ist ja eigentlich eh nichts für "Abmachungen", also da kann man ja nur für den Raum sorgen und gucken, was die brauchen, die das gern anschauen wollen, aber das muss ja freiwillig passieren und das geht nur, wenn die sich sicher fühlen.

zur Kommunikation: Über Kommunkationsbücher u.ä. wurde im Forum ja schon oft berichtet, also über Techniken, die es leichter machen miteinander in Kontakt zu kommen. Hast du schon mal bissl rumgeguckt?

Bei uns wurde die Kommunikation im Laufe von Jahren langsam besser (viiiieele "Tafelrunde"-Gespräche), ganz wichtig war dabei dass mit der Zeit wirklich bei vielen innen ankam und verstanden wurde :

alles darf da sein (an Gedanken, Gefühlen)
alle sind wichtig

und auch (was wir über uns gelernt haben):
jede/jeder hat einen existentiellen Grund, warum sie/er so tickt und denkt und fühlt, wie es ist. Das verdient Anerkennung und braucht Verständnis.

Hinter noch so destruktivem Denken/Fühlen oder Verhalten steht ursprünglich der Überlebensinstinkt: es war lebensnotwendig, sich diese Überlebensstrategie anzueignen, um sich oder andere zu schützen. Das war wichtig zu sehen, dass gerade die, die "blockieren", täterloyal oder täteridentifiziert sind usw., die sind, die am stärksten traumatisiert sind. Umso mehr die "aufdrehen", umso größer ist die Angst. Deshalb auch: Die Angst muss zuerst versorgt werden.

Diese Erfahrungen haben hier viel verändert im Umgang miteinander.
Das sind für uns die Basics für ein Miteinander und weniger Kriege innen. Und wenn es möglich ist, innen miteinander zu reden, können die, die miteinander reden, auch leichter Absprachen miteinander treffen und das macht es auch leichter, dass diese eingehalten werden und sich da auch mehrere dafür verantwortlich fühlen.

Das mit einer Hauptverantwortlichen oder einer Bestimmerin o.ä. funktioniert bei uns nicht und wird auch nicht angestrebt. Es soll aber auch eher dominant aufgebaute, hierarchische Systeme geben oder "basisdemokratische mit Delegationsprinzip".. Weiß nicht, da sind vermutlich viele Lösungen möglich, Ihr müsst zusammen gucken, was für euch passt und was ihr braucht. Aber dazu müsst ihr eben auch erstmal euch kennen lernen und lernen mit einander zu reden, ohne dass es permanent Streit gibt.

mal ohne

Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von mal ohne » Di Okt 16, 2018 8:56 pm

vielen dank für die antworten und anregungen.
themen angucken wollen ist ja eigentlich eh nichts für "Abmachungen", also da kann man ja nur für den Raum sorgen und gucken, was die brauchen, die das gern anschauen wollen, aber das muss ja freiwillig passieren und das geht nur, wenn die sich sicher fühlen.
ich versuche mal das zu erklären. mir ist es - wie auch immer - in einer triggersituation mal gelungen, den
teil, der da massiv wurde, zurückzudrängen. da gab es die absprache, dass wir uns das anschauen, aber eben
nicht in dem moment. seitdem ist ein bisschen zeit vergangen und in einer der letzten therastunden, als es um die
triggersituation gehen sollte, forderte der teil die einlösung der absprache. das sollte dann also gestern passieren,
wurde aber verweigert, weil der thera fragte, ob noch andere in der situation damals beteiligt waren. nur fand der
teil, dass die da gar nichts zu melden haben. und war dann weg. der andere teil ebenfalls...und aktiv blieb nur noch
einer, der mit dem ganzen gar nichts zu tun haben wollte. und ich mit der frage, ob ich mir das ganze jetzt ohne den
teil anschaue? was ich mit dem anderen involvierten teil mache, der an der stelle nach aussage des anschauen-wollen-
teils da sowieso nichts zu suchen hat und immer die klappe halten soll?

und über allem: bei allem verständnis für überlebensinstinkt-ich kann doch nicht jemandem die kontrolle überlassen, der
nur im ausnahmezustand lebt. das würde der aber gern. innen kontrolliert er extrem
viel, hat da eine recht gut funktionierende diktatur aufgebaut, die er gern auf mich erweitern würde. wenn es gut läuft, kriegen wir absprachen hin, was erzählt werden darf. wenn es schlecht läuft, übernimmt er und
der thera erzählt mir hinterher, was da so war. noch nicht wirklich gut. der deal "nicht jetzt, aber bei der thera darfst du"
war ne premiere.
Es ist wichtig, dass du weißt, dass du ein einziger Mensch bist und die Teile nur Abspaltungen in dir sind.
anfühlen tut sich das deutlich anders.

evu50unl

Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von evu50unl » Di Okt 16, 2018 9:24 pm

mal ohne hat geschrieben:
Di Okt 16, 2018 8:56 pm
vielen dank für die antworten und anregungen.
themen angucken wollen ist ja eigentlich eh nichts für "Abmachungen", also da kann man ja nur für den Raum sorgen und gucken, was die brauchen, die das gern anschauen wollen, aber das muss ja freiwillig passieren und das geht nur, wenn die sich sicher fühlen.
ich versuche mal das zu erklären. mir ist es - wie auch immer - in einer triggersituation mal gelungen, den
teil, der da massiv wurde, zurückzudrängen. da gab es die absprache, dass wir uns das anschauen, aber eben
nicht in dem moment. seitdem ist ein bisschen zeit vergangen und in einer der letzten therastunden, als es um die
triggersituation gehen sollte, forderte der teil die einlösung der absprache. das sollte dann also gestern passieren,
wurde aber verweigert, weil der thera fragte, ob noch andere in der situation damals beteiligt waren. nur fand der
teil, dass die da gar nichts zu melden haben. und war dann weg. der andere teil ebenfalls...und aktiv blieb nur noch
einer, der mit dem ganzen gar nichts zu tun haben wollte. und ich mit der frage, ob ich mir das ganze jetzt ohne den
teil anschaue? was ich mit dem anderen involvierten teil mache, der an der stelle nach aussage des anschauen-wollen-
teils da sowieso nichts zu suchen hat und immer die klappe halten soll?
okay. dann stell dir die situation doch einfach mal mit Menschen im Aussen vor. Da ist einer, der will was besprechen, weil es ihn triggert. Dann wird darauf aber nicht eingegangen vom Thera, sondern der guckt rum und sagt quasi: gibts hier denn noch andere, die auch was dazu zu sagen haben? aber der erste kam noch gar nicht dazu, was zu sagen udn wurd also gleich mal übergangen. und der will nicht, dass da andere mitreden, warum auch immer. Das ist doch verständlich, dass das genau so abgelaufen ist. Weil eben auf diesen einen Teil nicht eingegangen wurde,s ondern der gleich übergangen wurde.
also so wirkt es auf uns. Wenn da welche von innen vorkommen und es wagen sich zu zeigen, dann ist da ne große Empfindlichkeit und ein noch größeres sich-selbst-schützen-Bedürfnis und darauf muss erstmal eingegangen werden. Also nochmal die Frage: was braucht dieser Teil, damit der das besprechen kann? Und wenn das heißt: nur dieser Teil alleine, ohne dich oder jemand anders, dann wäre es gut, wenn das so möglich gemacht werden würde.

Ich denk immer noch, dass das keine Frage von absprachen ist in diesem Fall, sondern von Verständnis, Wahrnehmen, miteinander sprechen, zuhören... gemeinsam!!! Lösungen suchen


und über allem: bei allem verständnis für überlebensinstinkt-ich kann doch nicht jemandem die kontrolle überlassen, der
nur im ausnahmezustand lebt.
wenn ich das richtig verstanden haben, passiert das ja zumindest im Triggerzustand wohl schon, ob du das nun zulassen willst oder nicht. Und wenn dieser Teil das ganze System dominiert, dann ist es doch umso wichtiger, mit dem zu arbeiten und mit dem ins Gespräch zu gehen. Der muss "zulassen", du kannst ihn nicht zwingen. Wenn du das ändern könntest, hättest du es ja schon längst getan.

also wieder: miteinander reden!!!!! schauen, was der braucht, damit er ein bißchen Luft lassen kann für andere oder den Raum für sich nutzen kann. sich erklären, ihn versuchen zu verstehen.. So wie du das auch im Aussen machen müsstest, wenn du gezwungen wärst mit jemanden auszukommen. Und wenn du dir klar machst, dass dieser Teil sehr große Angst hat vermutlich und sich schützen will, ist es vielleicht etwas leichter, auf ihn zuzugehen. Das meinte ich mit Verständnis haben.

Psychoedukation hilft übrigens auch: Es ist wichtig zu verstehen, was im Gehirn abläuft, wenn man getriggert ist. Dann ist der Ausnahmezustand real. Dann gilt es, diesem getriggerten Teil zu helfen zu verstehen, dass es heute anders ist. Aber der muss das begreifen, da hilft es nicht, wenn du das begreifst oder weißt. Also bei uns ist das so. Kommt vermutlich schon drauf an, ob das jetzt eher so Ego-States-Anteile sind oder tatsächlich eigenständige Leute. Im letzteren Fall muss da wohl jeder selbst die Erfahrung machen.

der deal "nicht jetzt, aber bei der thera darfst du"
war ne premiere.
ja und jetzt gilt es zu gucken, was schief gelaufen ist, damit es beim nächsten Mal besser klappt.

Das ist ein langer Weg und weniger eine Frage von Entscheidungen, sondern mehr von Entwicklung.

mal ohne

Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von mal ohne » Do Okt 18, 2018 1:44 pm

Da ist einer, der will was besprechen, weil es ihn triggert. Dann wird darauf aber nicht eingegangen vom Thera, sondern der guckt rum und sagt quasi: gibts hier denn noch andere, die auch was dazu zu sagen haben? aber der erste kam noch gar nicht dazu, was zu sagen udn wurd also gleich mal übergangen. und der will nicht, dass da andere mitreden, warum auch immer. Das ist doch verständlich, dass das genau so abgelaufen ist. Weil eben auf diesen einen Teil nicht eingegangen wurde,s ondern der gleich übergangen wurde.
ich versteh den punkt. wenn ich es im außen lasse, dann ist da einer, der will, dass was
altes angesehen wird. an der alten geschichte war aber nicht nur der eine beteiligt sondern
noch ein weiterer, der auch teil der geschichte und in den augen des einen auch noch schuld
an der geschichte ist. und da versteh ich die idee des thera dann durchaus. hat halt nur nicht
funktioniert. aber demjenigen nachgeben, der sagt, dass mit dem anderen beteiligten nie jemand
reden darf und der auch nie reden darf, weil er an allem schuld ist, ist jetzt auch kein ansatz der funktionieren
kann. und ja, er fühlt sich übergangen, aber hauptsächlich, weil überhaupt jemand den anderen ansprach.
was braucht dieser Teil, damit der das besprechen kann? Und wenn das heißt: nur dieser Teil alleine, ohne dich oder jemand anders, dann wäre es gut, wenn das so möglich gemacht werden würde.
der will allein. aber mit mir. ich soll sehen, was passiert ist und was der andere verbockt hat und mich dann auf
seine seite stellen und den anderen verdammen. der thera soll das auch.

und es sind mehr als ego states. aber nicht ganz eigenständige leute. die buchstaben an der stelle: DSNNS, DESNOS.

aber im moment wird es erst mal keinen neuen versuch geben, dem raum zu geben. der teil, der es wollte, ist nach wie vor
abgetaucht.

EineVonUns50
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Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von EineVonUns50 » Do Okt 18, 2018 2:56 pm

mal ohne hat geschrieben:
Do Okt 18, 2018 1:44 pm


ich versteh den punkt. wenn ich es im außen lasse, dann ist da einer, der will, dass was
altes angesehen wird. an der alten geschichte war aber nicht nur der eine beteiligt sondern
noch ein weiterer, der auch teil der geschichte und in den augen des einen auch noch schuld
an der geschichte ist. und da versteh ich die idee des thera dann durchaus. hat halt nur nicht
funktioniert. aber demjenigen nachgeben, der sagt, dass mit dem anderen beteiligten nie jemand
reden darf und der auch nie reden darf, weil er an allem schuld ist, ist jetzt auch kein ansatz der funktionieren
kann. und ja, er fühlt sich übergangen, aber hauptsächlich, weil überhaupt jemand den anderen ansprach.
wir kennen sowas auch...

Es geht nicht um "Nachgeben", es geht um Erkennen was JETZT ist und zu schauen, was es JETZT braucht, um überhaupt ins GEspräch zu kommen und das ist sehr wohl ein Ansatz! Es geht doch nicht darum, dass nie jemand anders reden darf oder sich äussern darf, sondern dass dieser eine Teil erstmal braucht um ins GEspräch zu kommen, dass sonst niemand dabei ausser dir dabei ist. Und es ist okay, wenn er erwartet, dass ihr ihn unterstützt, das heißt nicht, dass ihr auch die Schuldzuweisungen übernehmt. Sondern nur, dass es doch verständlich ist, dass er das gern hätte so hätte! Wenn ihr diese Schuldzuweisungen nicht übernehmen wollt, ist es die Verantwortung des Thera und deiner auch, es ihm so zu erklären, dass er es versteht. Andere Wege der Unterstützung suchen, Zwischenlösungen finden, mit denen alle leben können! Auf ihn eingehen! Das ist der Ansatz.
Dein Ansatz ist grad der der Macht/Dominanz und da gibts nur drei scheinbare Lösungen: entweder holst du sie dir oder er holt sie sich oder ihr reibt euch gegeneinander ständig auf. ABer damit veränderst du rein gar nichts! Deshalb ein oder zwei oder drei Schritte zurück gehen und es anders versuchen - wäre unser vorschlag.

Es geht darum, in kleinen Schritte eine Annäherung zu schaffen und wenn du dich gegen ihn positionierst, so nach dem Motto "so funktionierts ja auch nicht! das darf nicht sein!" wird das nichts ändern! Da entfernt ihr euch noch mehr voneinander. Der sieht das jetzt im Moment so, dass der andere Teil Schuld hat. Okay. Dann darf der das so sehen. Das heißt nicht, dass jetzt alle ihm Recht geben müssen, aber eben auch nicht gleich das ausreden wollen. Verständnis!! erstmal ins GEspräch kommen und dann fragen, warum er denn denkt, dass der andere schuld ist und dann langsam vielleicht bei diesem Teil verständnis schaffen, dass auch dieser vermeintlich schuldige Anteil nicht anders reagieren konnte. Aber zuerst mal seine Version anhören!!!! und gucken, was es braucht und dann schauen, ob er sich vielleicht mal die Version des anderen anhören will. Aber das passiert nicht alles in 10 Minuten! und vorallem funktioniert es nur, solang er im Boot mit dabei ist und miteinbezogen wird.

Du hast gefragt, wie man innen in Kommunikation kommt und da ist der erste Schritt eines langen Prozesses: ersteinmal eine Kommunikationsbereitschaft aufbauen und dazu gehört, den anderen da abzuholen wo er steht und bei den reflektieren und orientierten Anteilen (zu denen ich dich jetzt mal dazu zähle) das Bewußtsein zu schaffen, dass jeder Anteil aus seiner Perspektive einen guten Grund hat genau so zu reagieren wie er eben reagiert.
Hinzustehen und anzuprangern oder verbieten zu wollen oder abzuwerten oder gleich den Anspruch zu haben "du muss dich ändern", wird auf dauer nicht funktionieren und bringt keine positive Änderung.

Wenn Ihr innen drin ein Miteinander haben wollt und die ständigen Kriege beenden oder reduzieren wollt, müsst ihr lernen anders miteinander umzugehen und da seh ich dich in der größeren Verantwortung, weil du immerhin fähig bist, dich hier zu artikulieren und das Problem als solches zu erkennen. Da sind sicher andere Anteile nicht dazu in der Lage.

Vielleicht wäre ja auch mal die Frage interessant, darüber nachzudenken, was dich denn hindert, ihm zuhören zu wollen oder Verständnis zu entwickeln: warum bist du so wütend auf diesen Anteil? Welche GEfühle löst er bei dir aus? und vielleicht auch: An was/wen erinnert er dich? (nur mal so als Anregung, braucht jetzt hier keine antwort, das gehört ja vermutlich eher in die Therapie)

mal ohne

Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von mal ohne » Do Okt 25, 2018 12:00 am

Zwischenlösungen finden, mit denen alle leben können! Auf ihn eingehen! Das ist der Ansatz.
Dein Ansatz ist grad der der Macht/Dominanz
Zwischenlösungen??? Es gibt hier nicht viel Spielraum. Es gibt hier jemanden, der Kompromisse als
Schwäche sieht und der auf volle Kontrolle besteht. Zumindest jetzt sind da Kompromisse beinahe
ausgeschlossen. Der letzte Deal: "Nicht jetzt, aber später war der erste "Sieg", den ich da
erringen konnte. Und da hat er, glaub ich, mehr auf die Dominanz reagiert.
ich finde bossen auch keine gute Führung. Es gibt aber gefühlt grad nichts anderes.

Gehe ich auf ihn ein - will er 100 Prozent Zustimmung. Ganz oder gar nicht. Weniger ist nichts.
Ist gegen ihn, ist Gefahr. Verstehen kann ich, was da passiert. Aber nicht auflösen. Also muss ich
die Macht gegen ihn erkämpfen, um ihm zu beweisen, dass ich sie nicht missbrauche, dass ihm nichts
passiert, dass ich nicht der Feind bin. Also ihn in die positive Erfahrung zwingen, weil er sie nicht freiwillig
ausprobieren wird.

Brauch ich diese Kämpfe - Nein.
Hätte ich das gern anders? - Ja.
Hätte ich gern friedliche Koexistenz? - Ja.

Aber am liebsten hätte ich das alles gar nicht. Weil es anstrengend ist, wenn da jemand so dicht hinter der
Oberfläche ist, der permanent in Schach gehalten werden muss, weil er auf der Arbeit und an einigen Orten
wirklich unpassend ist. Und ja, es gibt grad Lücken. Und sehr viel von dem ganzen Kram - Schlafstörungen,
Schmerzen, Überaufmerksam...

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Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von EineVonUns50 » Do Okt 25, 2018 12:41 am

ich wage zu bezweifeln, dass man einem traumatisierten Menschen oder Anteil eine positive Erfahrung aufzwingen kann. Hier (bei uns) würde das retraumatisieren bzw. auch wenn nur innen, ähnliche Reaktionen hervorrufen. Zwang geht gar nicht hier, völlig egal welche motivation dahinter steht.

Aber wenn du glaubst, dass das der einzige Weg ist, dann geh den. Vielleicht klappts ja bei dir und euch anders. Tipps wie man jemanden innen zu irgendwas zwingen kann oder wie man sich die Macht zurück holt, können wir dir nicht geben. Dann sind wir wohl hier raus. Aber vielleicht gibts hier ja jemand anders, der mit diesem Weg hilfreiches erreicht hat und schreibt hier noch.

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Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von Aufatmende » Do Okt 25, 2018 10:11 am

Druck erzeugt Gegendruck. Immer. Auch mit echten Kindern. Auch zwischen Chef und Angestellten. Ich habe hier sehr interessiert mitgelesen, aber nicht geschrieben, weil die Erwachsene immer " vorne " bleibt.
Meine Therapeutin sagt, auch der Versuch, mit Anteilen etwas zu tun, verändert. Selbst wenn es nicht funktioniert.
Kannst du den Anteil fragen, wozu er die alleinige Macht braucht.
@EVU Ich finde, du erklärst hier echt brilliant und sehr hilfreich!
Rückfälle sind Vorfälle!

mal ohne

Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von mal ohne » Mo Mai 20, 2019 11:18 pm

ich glaub,ich hab verstanden,warum der teil das macht bzw. gemacht hat.

zum einen: wirklich hass auf einen anderen teil, weil er dem die schuld gibt.
okay,das ist jetzt stark vereinfacht,aber so ungefähr
zum anderen: will er ihn trotzdem schützen. bis heute. vor dem,was damals
passiert ist. so wie er es damals auch getan hat.

er war immer vorn,wenn die sachen passiert sind.

und ich kann und muss heute einiges anders bewerten, als noch vor wochen.
oder vielleicht wusste ich es auch die ganze zeit und wollte es nur nicht so
nennen.

****************


trainiert.
verkauft.

der mann, den ich p*p* nennen musste, hat mich nicht nur m*ssbr*cht. er war auch
mein zuhälter. ich hatte nur nichts davon

Aufatmende
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Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von Aufatmende » Di Mai 21, 2019 7:32 am

Das tut mir sehr leid für dich. Aber auch das kann heilen oder sich zumindest entscheidend verbessern.
Kannst du dich bei dem Teil bedanken, dass er auf dich aufgepasst und dich beschützt hat?
Ihm in einem nächsten Schritt vermitteln, dass das heute nicht mehr nötig ist?
Bitte füge doch deinem letzten Posting eine Triggerwarnung hinzu.
Rückfälle sind Vorfälle!

gästin

Re: Innen-Kommunikation/Absprachen

Beitrag von gästin » Mo Mai 27, 2019 8:54 am

wir kennen das sehr genau...
bei uns war es vor vielen, vielen jahren ganz genau so. mittlerweile haben wir eine relativ gute kommunikation, doch es gibt auch immer wieder leute, die "querschießen" oder auch einfach wieder "neu" dazukommen.
Was hat bei uns geholfen?
Das allerallererste war, das wir eine thera hatten, die - obwohl die problematik DIS oder damals noch MPS hier in deutschland noch weitgehend unbekannt war - uns klar gemacht hat, dass wir alle gleichwertig sind.
wir haben wörter wie "anteile" aus unserem vokabular gestrichen. jede/r ist so wie er/sie ist richtig und ganz in diesem körper. zwar teilen wir uns den, doch jede/r von uns hat einen wirklich triftigen grund um in diesem körper zu sein. und dementsprechend auch das absolute recht, diesen körper zu nutzen, therapie zu machen, eigene vorstellungen und ansprüche zu haben etc.pp.
natürlich geht das nicht ohne klar definierte regeln. denn es ist immer noch nur ein körper, den wir uns teilen müssen, den es zu pflegen und zu respektieren gilt. denn jeder bei uns hat auch das recht in einem intakten körper zu leben und die pflicht dafür zu sorgen, dass es diesem körper gut geht.
wir haben dafür eine art eigenes "grundgesetz" geschrieben. jeder hatte und hat auch noch heute das recht, vorschläge zu machen und wir schauen dann gemeinsam, ob das gut ist oder eher schädlich, ähnlich einer demokratie.
wir arbeiten seit 1992 daran, und noch heute kommen leute dazu, die wieder neue anregungen bringen oder uns dazu bringen alte "gesetze" zu überdenken. jeder wird bei uns ernst genommen, egal ob baby oder alte frau, jugendlicher oder auch jemand, der sich mit den tätern identifiziert. aber wir erwarten auch, dass jeder daran arbeitet, dass es uns heute gut geht, der körper heil bleibt und gesund und auch unser soziales umfeld bestand hat.
das ist sehr viel arbeit gewesen und ist es auch heute noch, aber dieses ernst nehmen eines jeden von uns mit seiner eigenen geschichte war glauben wir das allerallerwichtigste bei uns.
und wir leben heute ein leben, von dem wir behaupten dass es nie besser war. wir fühlen uns so gut es eben geht sicher, geschützt, wichtig, wertvoll, besonders, liebenswert, unschuldig, sauber, richtig... mehr will uns grad nicht einfallen. es lohnt sich diesen weg zu gehen, auch wenn wir auch heute noch großen einschränkungen unterliegen - es ging uns nie besser. und wir konnen das positive darin sehen, weitgehend alle.

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