Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

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Sayeda
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Sayeda » So Dez 16, 2018 12:57 pm

Hallo Aufatmende,

das bedeutet, du wertest es geringer, wenn deine Thera für dich sorgt? Sie mal die Arbeit übernimmt, an die Wut heran zu kommen und sie dir damit mal Arbeit abnimmt?

LG, sayeda
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Luisa Francia

Aufatmende
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Aufatmende » So Dez 16, 2018 7:25 pm

Wenn ich alles allein im Griff hätte, bräuchte ich ja keine Thera mehr. Sie nimmt grundsätzlich, was ich mitbringe. Und hat keine Schwierigkeiten, mir zu folgen. Sie sagt, es ist nur komplex, nicht chaotisch. So fühlt es sich nämlich für mich an. Wir waren erst bei meinem Sohn und früheren Verwicklungen. Dann bei meinem Mann. Und jetzt habe ich einfach nur Schiss.
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Sayeda
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Sayeda » So Dez 16, 2018 7:58 pm

Hallo Aufatmende,

das kann ich gut nachvollziehen. Mir ginge es nicht anders.
Wenn die Angst so groß ist, frage ich mich manchmal, was denn im schlimmsten Fall passieren könnte. Dadurch wird für mich manche Angst besser handhabbar.

LG, sayeda
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Aufatmende
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Aufatmende » So Dez 16, 2018 10:16 pm

Was könnte schlimmstenfalls passieren?
Dass ich in der Sitzung kein Wort heraus bringe. Dass das, was meine Therapeutin vorschlägt, auch nicht passt.
Dass es auch nicht besser wird, wenn ich kurz den Raum verlasse.
Dass die Wut nicht wieder aufhört.
Dass sie sich noch mehr als sowieso schon körperlich niederschlägt und ich kaum noch die Treppe hinunter komme, weil Knie und Hüfte die Erstarrung widerspiegeln.
Dass ich mich mit meinem Mann streite.
Dass ich meinen Enkel wegen Kleinigkeiten anmaule.
Dass ich die Wut mit Schokolade wieder zustopfe.
Dass ich bei meiner Therapeutin unkontrolliert etwas zerstöre.
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von lara64 » So Dez 16, 2018 10:31 pm

Hallo Aufatmende,

es liest sich nach viel Druck, da jetzt am Dienstag was "konstruktives" hinzubekommen, konstruktiv an die Wut und zugleich sind die Innenkinder auf Tauchstation gegangen..
also kann nur von meinen hier reden, aber auf Druck reagieren die mit "Gegendruck oder Trotzverhalten.." oder eben alterstypischen Reaktionen..

Was wäre, wenn du nicht an deine Wut herankommst, weil die Innenkinder so auf Tauchstation sind. Auf Tauchstation kann ja auch Schutz bedeuten..und geht es dann nicht erst einmal darum zu schauen, was die Innenkinder brauchen, um von der Tauchstation wieder aufzutauchen??

ja, die Zeit mit der Therapeutin mag kostbar und limitiert sein, und dennoch lässt sich doch nichts erzwingen, was nicht geht?
Und wenn du mal nix mitbringst, war so mein Gedanke??

Was macht die Thera dann?? Gibt es so etwas bei dir gar nicht??

Shalom - lara64

Aufatmende
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Aufatmende » So Dez 16, 2018 10:45 pm

Die Thera hat mich seit einem Jahr immer irgendwie zwischengequetscht und hat die wenigen Therapien als nicht genehmigungspflichtige Leistung abgerechnet. Von daher hat es eigentlich immer "gebrannt", wenn ich dort war.
Jetzt haben wir festgestellt, dass es so nicht geht und erfolgreich Kurzzeittherapie neu beantragt. Weil durch ihre Elternzeit auch die 2 Jahre Wartezeit um waren.
Wir dachten beide, ich komme ohne sie aus.....
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Sayeda » So Dez 16, 2018 11:31 pm

Aufatmende hat geschrieben:
So Dez 16, 2018 10:16 pm
Dass ich in der Sitzung kein Wort heraus bringe.
Dann ist das eben so und du schweigst. Was ist daran schlimm?
Dass das, was meine Therapeutin vorschlägt, auch nicht passt.
Dann ist das eben auch so. Was ist daran schlim?
Dass es auch nicht besser wird, wenn ich kurz den Raum verlasse.
dito
Dass die Wut nicht wieder aufhört.
Ist das realistisch? Du weißt, du bist mehr als deine Gefühle ;-).
Dass sie sich noch mehr als sowieso schon körperlich niederschlägt und ich kaum noch die Treppe hinunter komme, weil Knie und Hüfte die Erstarrung widerspiegeln
. Das wäre dann Angst.
Dass ich mich mit meinem Mann streite.
Das muss er dann aushalten (und du *seufz*)
Dass ich meinen Enkel wegen Kleinigkeiten anmaule.
Dann ist das eben so. Er wird das verkraften.
Dass ich die Wut mit Schokolade wieder zustopfe.
Dann brauchst du eben in dem Moment Schokolade.
Dass ich bei meiner Therapeutin unkontrolliert etwas zerstöre.
Du hast doch sicher eine Haftpflichtversicherung. Und falls nicht, dann hat deine Thera bestimmt eine. Notfalls bezahlst du ihr das, was zu kaputt ging (wobei ich bezweifle, dass du das tun würdest, ich kenne nämlich diese Angst auch und bis jetzt steht die Praxis meiner Thera noch.)

Auch ich glaube, dass du dir viel zu sehr Druck machst. Gefühle lassen sich nicht mit dem Kopf an- und ausschalten (das weißt du ja ;-) ).
Bei dir sind zwei Gefühle unterwegs. Einseits die Wut und gleichzeitig die Angst. Die Angst ist dein Schutz und erst wenn der Anteil, der diese Angst hat, sich sicher fühlen kann (und nicht unter Druck gesetzt wird), wirst du an deine Wut kommen.
Und nach meinem Gefühl könnte hinter dem Gefühl der Wut ganz viel Verletzung und Traurigkeit stecken, denn die Wut kann ebenfalls ein Schutz sein.
Hier hast du es also mit einem ganzen Bollwerk an Schutzmechanismen zu tun und mit Druck erreichst du dann gar nichts. Übrigens kenne ich diese "Ungeduld" von mir selbst. Und noch heute habe ich kein Rezept gefunden, wie das Gras schneller wächst und ich Themen schneller bearbeiten kann, wie das mein Inneres zulassen kann.
Wir dachten beide, ich komme ohne sie aus.....
Nun denn. Dann brauchst du sie eben länger als gedacht. Dann ist das eben so. Das nennt sich dann radikale Akzeptanz. Die kennst du ja auch ;-).

Und sei mal etwas nett zu und geduldig mit dir.

Herzlich
sayeda
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Aufatmende » Mo Dez 17, 2018 6:51 am

Im Vergleich zu früher bin ich außerordentlich nett und geduldig mit mir. Danke, dass du dir die Zitierarbeit gemacht hast. Natürlich hast du recht.
Das Problem ist nur die Katze, die sich in den Schwant beisst.
Ich bin körperlich gerade erst wieder richtig fit, aber sportlich noch gebremst unterwegs und weder weniger Bewegung noch mehr Gewicht kann ich mir erlauben. Da laufe ich humpelnden und knirschenden Schrittes auf ein neues Knie und eine neue Hüfte zu.
Es fühlt sich wie ein später Sieg meiner Eltern an, dass ich statt an meine Gefühle zu kommen nach wie vor ein Bollwerk mit Essen um mich herum errichte.
Aber offensichtlich geht es noch immer nicht anders.
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Sayeda » Mo Dez 17, 2018 8:16 pm

Hallo Aufatmende,

wenn wir mal bei dem Bild der Katze, die sich in den Schwanz beißt, bleiben wollen: Katzen machen das oft als "Übersprungshandlung", wenn sich etwas verändert hat und sie mit der Veränderung nicht klar kommen, sie im Stress sind etc. Wichtg ist dann, etwas Ruhe in die Sache zu bekommen. Sprich: Druck herausnehmen ;-).
Es fühlt sich wie ein später Sieg meiner Eltern an, dass ich statt an meine Gefühle zu kommen nach wie vor ein Bollwerk mit Essen um mich herum errichte.
Das Gefühl kann ich nachvollziehen. Jedoch ist es eine große Leistung deiner Psyche diesen Schutz gefunden zu haben. Es ist zu bezweifeln, dass du es ohne solch einem Schutz überlebt hättest. Und wie du schon sagst: derzeit brauchst du es noch. So lange, bis du es loslassen kannst. So lange du das nicht kannst hast du die Möglichkeit, deinem Knie und deiner Hüfte zu danken, dass sie es bis jetzt "getragen" haben und du sie dafür besonders pflegst. Falls es geht ... es gibt verschiedene Öle, die du als Unterstützung einreiben kannst. Ansonsten weißt du sicher, ob dir Kälte oder Wärme gut tun würde etc..

LG, sayeda
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Aufatmende » Di Dez 18, 2018 7:58 pm

Die Sitzung war echt heftig heute. Ich bin nach Hause gefahren und habe 90 Minuten lang tief und fest geschlafen, bis das Telefon klingelte. Auch den Rest des Tages habe ich herumgetrödelt. An Bewegung war nicht zu denken. Als hätte ich mir das „Danach“ der Wütenden - Traurigen würde heute wohl besser passen - übergezogen; ich war vollkommen zerschlagen.
Du hast mich gespürt, ja, mein ganzes Elend. Aber du bist weit darüber hinaus gegangen. Du hast Mama das gesagt, was ich ihr niemals hätte sagen können. Und du und Frau S. und x haben dafür gesorgt, dass Mama Eine bleiben musste und sich nicht abwenden konnte.
Ja, das Kraftfeld war eine gute Idee.
Es fühlt sich an, als hätte Mama mir das erste Mal in meinem Leben zugehört, als ich über meine Gefühle geredet habe, nicht über Leistung, nicht über andere Leute.
Es war praktisch unmöglich, ihr das alles zu sagen. Wie freiwillig in einen Abgrund treten. Aber ich bin nicht gefallen, weil du auf Frau S. Schoß gesessen hast und in Sicherheit warst und weil ich mich mit ihrer Hilfe zwischendurch immer wieder erden konnte.

(Die Kleinen) Wir haben auch zugehört. Das war Quatsch, deine Idee mit den Kopfhörern. Wir haben uns auch nicht gefürchtet. Weil du stark warst. Und ganz. Und Mama gezwungen hast, auch ganz zu bleiben. Das war das Wichtigste. Wir glauben, das bleibt auch, wenn du für uns mit ihr redest. Wir spüren, wie die Wut in dir wächst wie die Amaryllis auf der Fensterbank.
Sie beginnen, Schneebälle auf Mama zu werfen. Ruckzuck sind sie ins damalige Wohnzimmer gerutscht und werfen dort alles mit Schneebällen um, was sie treffen. Das ist trotzdem kein guter Ort. Da hole ich sie wieder weg.
Es hat mir einen enormen Anschub gegeben, zu realisieren, was sich seit September schon alles verändert hat, vor allem, dass die Innenkinder mich jedes Mal bestärkt haben, wenn ich mich zur Wehr gesetzt habe. Ihre Angst, meine Angst ist kontinuierlich gesunken.
Wie schon heute in der Sitzung laufen mir dauernd Schauer über den Rücken. Es ist, als ob mein Atem bis in mein Becken fließt und Massen von Spannung mitnimmt. Alles, was mir solchen Druck gemacht hat, sinkt ab und löst sich. Die Innenkinder fließen zusammen, obwohl sie unterschiedliche Alter haben und meine Mutter ist jetzt zwei, die jeweils vollständig sind und sich nur im Alter unterscheiden.

Danke, ihr Mitleser, vor allem sayeda.
Die "was könnte schlimmstenfalls passieren-Runde" hat mich viel weniger ängstlich gemacht. Und der Vorsatz, befreit und lebendig dorthin zu gehen und nur so weit zu gehen, wie ich selber und die Innenkinder mitkommen, hat mich weiter gebracht, als ich mir vorstellen konnte. Auch wenn ich heute viel mehr bei meiner Trauer um mein verlorenes Kind als bei meiner Wut gelandet bin.
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Imagica
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Imagica » Mi Dez 19, 2018 9:56 pm

Klingt super, Deine Erfolge in der Stunde! Und das, wo Du Dir so Gedanken gemacht hast, was Du da überhaupt machen könntest ;-)

Ich finde Deine Art toll, auch wenn ich das so nicht könnte, aber ich finds trotzdem jedesmal faszinierend. Vor allem auch das Tempo mit dem Du da jeweils durchrauschst.. Hut ab!

Liebe Grüße,
Imagica

Sayeda
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Sayeda » Do Dez 20, 2018 11:45 am

Hallo Aufatmende.

es freut mich, dass die "was könnte schlimmstenfalls Runde" hilfreich für dich war!

Und natürlich brauchtest du nach der Stunde ganz viel Schlaf. Das war Schwerstarbeit. Auch für deinen Körper.

Nach Therapiestunden lege ich mich immer für ne Stunde hin. Ohne ging das gar nicht.

Ich befürchte, diese Trauer um das verlorene Kind wird dich nie ganz verlassen. Zumindest fühle ich das bei mir so.

So weit ich weiß hast du heute nochmal einen Termin. Ich denke an dich!

sayeda
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Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Aufatmende » Fr Dez 21, 2018 4:28 pm

Ich dachte, das Schwerste an Therapie sei gewesen, Worte für das Unaussprechliche zu finden, die Spiegelscherben der traumatischen Erinnerungen zusammenzusetzen.
Im Laufe der Jahre gab es wenigstens ein inneres Konzept, wie es für mich am besten geht.
Aber die Sitzungen am Dienstag und gestern, diese riesengroße Diskrepanz zwischen meinem Kopf und meinen Gefühlen, die schiere Unmöglichkeit, meine Mutter überhaupt nur als eine Person und nicht als mehrere Teile wahrzunehmen, geschweige denn, ihr meine Gefühle mitzuteilen, waren keinen Deut leichter.
Gestern hat sich die Spannung in meiner Lendenwirbelsäule abgebildet. Es hat sich angefühlt, als könne ich keinen Fuß mehr vor den anderen setzen und ich bin erst eine Weile gelaufen, bis ich mich wieder getraut habe, Auto zu fahren.
Mama muss jetzt Eine bleiben, du hast sie zusammengezwungen. Ich habe mich vergewissert, dass sie nicht weg kann aus dem Kraftfeld. Sie ist an den Tisch gefesselt und sieht nicht mehr so bedrohlich groß aus.
Das Steine Aneinander Klopfen vom Publikum hallt in meinen Ohren, die Steine auf dem Tisch, die Steine, die du auf die Tasten des Flügels gehauen hast.
Ich habe ihren Holzlöffel zerbrochen. Vor ihren Augen, mit dem Gefühl dazu, dass sie mich niemals mehr schlagen wird, buchstäblich nicht und auch nicht mit Worten und Blicken.

Vielleicht brauche ich noch etwas Symbolisches und werde meinen aktuellen Holzlöffel zerbrechen.

Meine Therapeutin hat mir so viele Brücken gebaut:
mich gefragt, was die Wütende braucht und mir allen Richtungen offen gelassen.
mir vorgeschlagen, nicht selbst zu handeln, sondern anzusehen, was die Zuschauer wohl machen würden.
mir angeboten, im Konjunktiv zu handeln.
mir mal wieder die innere Erlaubnis ermöglicht, dass eben ALLES parallel da sein darf und sich nicht gegenseitig aufhebt, dass ich dennoch Mitgefühl für meine Mutter haben kann.
Sie hat am Ende so traurig ausgesehen und hatte gleichzeitig etwas Finsteres in Ihrem Blick, das sich nicht wie eine Übertragung angefühlt hat, sondern wie ein Aufblitzen Ihrer eigenen Wut, die Sie im Zaum gehalten hat.
Sie hat auf mich aufgepasst. Sie verlässt mich nicht. Sie kann meinen Schmerz aushalten und ich muss keine Rücksicht auf sie nehmen. Es hat sich sicher bei ihr angefühlt und warm und geborgen.
So weit zu gehen, mitten hinein in meinen größten Schmerz, nicht darin stehenzubleiben, dass ich mich nur noch leer und gefühllos und nicht existent gefühlt habe, war nur möglich, weil alles sein durfte und nichts sein musste. Ich wusste, ich könnte jederzeit ohne Erklärung aufstehen und aus dem Raum oder vor die Haustür gehen und es wäre in Ordnung gewesen.
Ich weiß nicht, wie oft ich jetzt schon innegehalten habe beim Schreiben, das Publikum in meinem Rücken gespürt habe. Meine rechte Hand auf meinem Herzen, mein Atem „bis in mein Becken fließend“. Als ob sich etwas in mir zusammensetzt, was in Teilen auf ewig außerhalb von mir selber war, obwohl es zu mir gehört. Meine Mutter ist noch weiter geschrumpft.
Ich weiß fast nichts mehr von dem, was ich eigentlich gesagt habe, nur, dass ich so nah, wie es nötig war, mit der Wütenden verbunden war und ausschließlich für sie geredet habe.
Triggert!














Du warst bei meinem puren Entsetzen, dass Mama und Papa mich gemeinsam fast tot geprügelt haben. Bei dem Entsetzen, dass ich Wehen bekam, dass ich überhaupt erst realisiert habe, dass ich schwanger bin, bei dem Blut auf dem Teppich und dem Geruch, bei den Schmerzen und dem Fieber, das ich hinterher hatte, bei der Einzelhaft, der größt möglichen denkbaren Verlassenheit. Bei der Drohung, niemandem, nicht einmal den Geschwistern, etwas zu erzählen, bei der es nun wirklich nicht mehr nötig war, zu betonen, dass es mich sonst das Leben kosten würde.
Jetzt hat es einen Anfang und ein Ende. Der Geschmack von Schnaps auf der Zunge. Jetzt bleibt der Boden unter deinen Füßen fest und das Zimmer hört wieder auf, sich zu drehen und die Faustschläge und Tritte in den Rumpf werden dich nicht mehr aus deiner Körperwahrnehmung rausreißen, wenn du deine Rippen ungewohnt und langsam bewegst. Du hast mich gestern gespürt, aber ich musste nichts selber tun. Ich wusste, dass du nur mein Echo spürst und dass es vorbei ist und sicher ist. Mir ist egal, was du Mama gesagt hast. Du bist mit allem, was du kannst und bist, für mich da gewesen. Und was noch wichtig ist und was nicht wütend genug war, wirst du eben nochmal sagen.















Trigger Ende
So extrem müde und zerschlagen ich heute bin, kann es sein, dass ich gestern zu nah an dich körperlich ran geraten bin und es deswegen so schwer war, Mama überhaupt etwas zu sagen?
Du warst mit mir verbunden und nur mit mir. Mit meinen Gefühlen, mit dem, was ich mir gewünscht habe, mit dem, was ich Mama gern gesagt hätte. Damit beschäftigt, es erstmal so sicher und so überschaubar zu machen, dass überhaupt ein Wort über deine Lippen ging.
Ja, es war gestern dauernd so, als ob jemand meinen Körper abstellt innerhalb von Sekundenbruchteilen und ich habe mich praktisch ununterbrochen wieder im Sessel und auf dem Fußboden und im Trinken und an dir auf Frau S. Schoß und an ihrer Stimme verankert.
Gestern war die Hälfte der Arbeit, nicht einfach wegzugehen.


Mir geht es gut, aber ich bin unglaublich erschöpft. Wenn hier jemand schreiben würde: "Hab's gelesen", selbst wenn es nicht der ganze Text war, wäre es hilfreich für die sechzehnjährige junge Frau in mir und für meine nächste Sitzung, die wahrscheinlich erst Ende Januar sein wird.
Eine Prozess eben, kein Vorgang zum Abhaken.
Rückfälle sind Vorfälle!

Löwenherz***unl

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Löwenherz***unl » Fr Dez 21, 2018 5:22 pm

Ich hab's gelesen. Und es ist mir nah.

Waldkatze
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Registriert: Mi Sep 26, 2012 9:54 pm

Re: Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

Beitrag von Waldkatze » Fr Dez 21, 2018 5:50 pm

Gelesen, bewegt und mitfühlend...
Ich bin, wer ich bin, und das alles bin ich. Punkt.

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