Krisenintervention / Stabilisierung

Hier findet Ihr fachliche und inhaltliche Informationen zum Thema sexueller Missbrauch, wie z.B. Literaturhinweise, Adressen und mehr.
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Krisenintervention / Stabilisierung

Beitrag von Moderatorenteam » Di Jul 28, 2009 1:35 pm

Hallo,

während und beim Reflektieren der letzten "Notfälle" ist uns aufgefallen, dass sich manche von euch sehr hilflos fühlen, wenn UserInnen in Krisensituationen stecken, hier dringend Hilfe suchen, die Situation zu eskalieren droht oder aber ihr das Gefühl habt, in einem Thread "stimmt etwas nicht".

Deshalb ein paar Tipps von uns an euch:

- Belastet euch selbst nur so weit, wie es EUCH noch gut geht .
- Versucht euch abzugrenzen, wenn ihr merkt, wenn es euch nicht mehr gut tut. Möglichst einen Moment vorher, denn vermutlich gibt es da einen Punkt, denn der überschritten ist, könnt ihr nur schwer raus.
- Es erschwert uns die Arbeit, wenn wir Mods. plötzlich Krisenintervention an verschiedenen "Bränden" machen müssen.

Wenn ihr merkt, dass jemand solch einen Punkt überschritten hat, dann versucht dieseN UserIn per PN oder auch im Thread darauf hinzuweisen, wenn ihr euch dazu fähig fühlt.

Wenn jemand in einer tiefen Krise hier schreibt, dann meldet diesen Beitrag. (nutzt den Button)
Schickt bitte eine PN an besten an die einzelnen Mods. Ma., LunaSue, Sascha mit dem link zum Thread und dem Namen des/der Users/In.
(Der Admin und auch das Wildwasserteam sind seltener da als wir, deshalb bringt eine PN dorthin am wenigsten.)

Dann haben wir eine Notfallliste hier im Forum. Dort stehen auch nochmals Adressen, an die sich Menschen in Krisen wenden können. Es ist oft hilfreich, den UserInnen das in ihren "Hilferuf"-Thread zu kopieren und sie darauf hinzuweisen. Ihr habt das schon oft richtig gut gemacht!

- Eure Meldungen werden vertraulich behandelt
- Meldungen von Beiträge mit suizidalen Plänen/ Gedanken sind kein Anschwärtzen, sondern angebrachte Vorsicht und Umsicht
- traut eurer Wahrnehmung, wenn ihr ein schlechtes Gefühl habt
- Ihr braucht keine Hemmungen zu haben. Lieber einmal zuviel melden als einmal zuwenig!

Dann noch eine ganz wichtige Bitte:
Wenn wir schreiben, dass wir dran sind, dann vertraut uns da. Im Hintergrund läuft dann oft einiges und wir haben dann sehr wenig Kapazität frei, um PNs zu beantworten, Informationen zu geben und anderes mehr.
Wir werden aus Datenschutzgründen auch gar keine Infos an euch weitergeben.
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Die eigene Krisensituation -> wie sich verhalten?

Beitrag von Moderatorenteam » Mi Jul 29, 2009 11:36 am

Umgang mit sich und anderen

Seit einigen Tagen kam es zu mehreren Vorfällen sozusagen im Hintergrund des Forums, die uns Moderatoren mehr als nur auf Trab hielten.
Ca. 100 PNs gingen zwischen einzelnen User/Userinnen und uns Moderatoren hin und her.
Und es ging immer darum, dass eine Userin uns in höchster Not anschrieb, weil ein/e andere UserIn in eine Krisensituation geriet
und das nicht mehr alleine tragbar war.

Wir haben sicherlich für Notsituationen Verständnis.
Wir selber waren schon persönlich in Situationen die alles andere als gut waren, wusste nicht wohin mit unserem Schmerz und unseren Sorgen.
Diese dann mit jemand zu teilen ist sicherlich ein gangbarer Weg.

Nur was will ich erreichen, wenn ich das mit jemanden z.B. über den Weg von PNs teile, was mich bedrückt?
Ich will Hilfe!Hilfe ist für uns Zuspruch, Zuhören.
Nur ist es schon immer so gewesen, dass die Lösung bei einem selber liegt. Andere können nicht für uns entscheiden und haben nicht immer eine Lösung parat und haben auch ihre ganz eigenen Probleme, die man/Frau dann scheinbar ganz vergisst.
Aber auch in einer Notsituation muss ich die Grenzen und die Rechte eines anderen Menschen respektieren, und ihn nicht mit (An) Drohungen unter Druck setzen.
Eine spätere Entschuldigung macht diesen Druck und die Ängste nicht mehr wett, die bei demjenigen entstehen können,
wo ich "ablade".
Der Satz „Du bist es schuld, wenn …“ ist schnell ausgesprochen und verletzt zu tiefst.

Wir Moderatoren haben diese Reaktionen gespürt und konnten sie sicherlich sehr gut nachempfinden.
So ein leichtfertig ausgesprochener Satz löst bei einem Gegenüber sehr viel Negatives aus.
Das muss mir bewusst sein, wenn ich das tue.

Wenn ihr also in eine Krise geratet, so bedenkt trotzdem,
dass ihr es in diesem Forum mit Betroffenen zu tun habt,
die vielleicht durch eure beispielsweise suizidalen oder selbstverletzenden Pläne, Handlungen oder Gedanken
über die Maßen belastet werden.

Geht mit euch selber und eurem Gegenüber achtsam um und wendet euch an Stellen, die professionelle Hilfe bieten können!


Es ist immer besser, sich selber adäquate Hilfe zu holen,als sie "aufgedrängt" zu bekommen.

Unten findet iht nochmal die wichtigsten Notfall-Adressen!

Liebe Grüße
eure Moderatoren
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Re: Die eigene Krisensituation -> wie sich verhalten?

Beitrag von Moderatorenteam » Mi Jul 29, 2009 11:39 am

Telefonnummern/Adressen

Polizei

110

Feuerwehr/Rettungsdienst

112

Telefonseelsorge


http://www.telefonseelsorge.de

0800-1110111 und 0800-1110222 (gebührenfrei)

Bundesweite Telefonnotrufnummer des Frauennotrufes in Kiel:

0700-999 11 444

Die Online-Präsenz des Sorgentelefons für Kinder und Jugendliche.
http://www.nummer-gegen-kummer.de/

Internet-Notruf:

http://www.internet-notruf.de/

Überregional nach Postleitzahlen geordnet,wenn jemand dringend Hilfe in seiner Nähe sucht!!


Hinweis: es ist sinnvoll sich die Telefonnummer der für euer Einzugsgebiet zuständigen Akut-Psychiatrie heraus zu suchen!

Ebenfalls gut zu wissen: die Telefonnummer des sozial-psychiatrischen Dienstes eurer Heimatgemeinde (über die Gemeindeverwaltung/ Rathahaus zu erfragen.
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Stabilisierung/ Stabil bleiben

Beitrag von Moderatorenteam » Do Mai 06, 2010 10:43 am

Was mir half:
a) ein Netzwerk, welches mich ständig ins Hier und Jetzt holte. Ich hatte mit verschiedenen Menschen Telefontermine vereinbart, an denen sie jeden Tag anriefen und mit mir belangloses sprachen, mich fragten wie das Wetter ist, was ich gegessen habe und mich am Ende fragten, was ich nun Stabilisierendes für mich tue. Vieles wusste ich später nicht mehr und auch heute weiß ich noch vieles nicht, was in der zeit geschah. Es waren Freundinnen, mein Partner und meine Therapeutin, die mich anriefen. Irgendwann konnte ich es drehen und rief selbst an, konnte also selbst aktiv sein. Wenn ich mich zu der vereinbarten Uhrzeit nicht meldete, bekam ich einen "Nachfrage-Anruf". Irgendwann konnte ich mich langsam davon lösen und heute telefoniere ich nur noch einmal am Tag mit meinem Partner.

b) ich hatte einen strickten "Stabilisierungsalltag" und arbeitete regelmäßig meinen Notfallkoffer ab!!! Verteilte das bewusst auf den Tag. mein Notfallkoffer ist "altersgerecht" aufgeteilt und jeden Tag bekam jede Altersgruppe erst mal mindestens zweimal am Tag, spätere einmal am Tag die Möglichkeit sich mit dem Notfallkoffer zu beschäftigen. Tu das bitte auch. Alleine die Beschäftigung mit dem Thema hat meist eine stabilisierende Wirkung.

c) Ich hatte einen Wecker, der zu Anfang alle halbe Stunde klingelte. Das war für mich das Zeichen, dass ich kontrollieren musste, ob die Erwachsene anwesend ist und ich machte Erdungsübungen. Ziel war immer: Feststellen, wo die Erwachsene ist und diese zu stabilisieren.

d) für Wutanfälle habe ich einen Boxsack, für die Trauer eine warme Decke und eine kleine Wärmflasche, etc.

e) ich schrieb ganz viel, jedoch immer nur fünf Minuten, machte dann Pause, ansonsten wäre ich gnadenlos dissoziiert.

f) Kochen, Backen, Gartenarbeit hat alles sehr stabilisierende Wirkung. Aus dem Grund koche ich nich heute regelmäßig mit meinem Partner, backe, wenn es die Kraft und Zeit zulässt. Ich setze Pflanzen und samen, pflege diese. Dazu brauchst du weder Balkon noch Garten. Das kannst du auch in und für die Wohnung machen.

g) Irgendwann konnte ich mich dann auch wieder mit einer Freundin zu einem regelmäßigen Lauftreff verabreden, zu dem ich kommen musste!

h) Selbstdisziplin ist ganz wichtig! Und wenn du merkst du kannst etwas nicht alleine, dann such nach Möglichkeit durch wen du wie unterstützt werden kannst. Und tricks dich dabei icht aus.

i) es war und ist eine straighte Zeit. Wenn es nicht um meinen Abschluss gegangen wäre, ich wäre schon lange in der Klinik. Es bedeutet massive Selbstdisziplin und kostet unheimlich viel Kraft, da ich noch immer sehr viele Wechsel habe.
Freaggle, wenn du enkst diese Selbstdisziplin nicht zu haben, dann hol dir gleich Hilfe in Form eines Klinikaufenthaltes. Denn du bist aus dem was ich hier mitbekommen habe (und das war sicher nur ein kleiner Teil) massiv instabil.

Es war noch viel mehr, was ich tat. Alles möglichst im Hier und Jetzt.

Das Internet und das Forum, die sind aus meiner Sicht viel zu virtuell, um sich damit zu stabilisieren.


LG, L.
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Re: Krisenintervention / Stabilisierung

Beitrag von Moderatorenteam » So Jan 08, 2012 7:15 pm

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