Verletzlichkeit - eine Stärke? Wie erlebt ihr das?

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Laura
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Verletzlichkeit - eine Stärke? Wie erlebt ihr das?

Beitrag von Laura » Mo Jul 26, 2021 9:42 am

Hallo alle zusammen,

ich möchte Mal das Thema Verletzlichkeit aufmachen und mich gerne dazu austauschen, wie ihr das so erlebt.

Der Thera sowie der Körperthera haben schon vor Ewigkeiten gesagt, dass Verletzlichkeit etwas Schönes sei und man das zulassen solle. Auch Google sagt, dass Verletzlichkeit eher eine Stärke ist und eigentlich eine Grundlage dafür, um das Leben wirklich in seiner ganzen Schönheit wahrzunehmen und Liebe zuzulassen. Das sind ja Mal krasse Aussagen.

Ich erlebe aktuell so deutlich, wie noch nie, dass Schutzmauern verschwunden sind. Ich bin so viel emotionaler und habe auch wenn ich was im Fernsehen sehe, oft Tränen in den Augen. Ein innerer Kritiker (der aber sehr leise geworden ist) sagt dann "jetzt reiss dich aber Mal zusammen, du willst doch keine Heulsusue sein".
Je weiter ich in der Verarbeitung bin, desto mehr nehme ich in unterschiedlichen Momenten diese Verletzlichkeit wahr. Mir macht das auch wirklich ein wenig Angst. Das ist so "unsicheres Terrain". Ganz neu und irgendwie auch total gefährlich. Aber gleichzeitig spüre ich mich plötzlich auch so viel mehr. Das ist total ungewohnt, weil das nochmal einen Sprung gemacht hat, in der letzten Zeit.
Verletzlichkeit ist vielleicht auch für Menschen mit MB Erfahrungen eine totale Herausforderung, weil man ja speziell als Kind eher schutzlos und verletzlich ist. Und plötzlich geschieht in diesem doch so reinen Zustand etwas so Grausames.

Wie erlebt ihr das? Könnt ihr das besser zulassen? Habt ihr auch das Gefühl, dass das präsenter wird, je weiter die Verarbeitung wird? Wie geht ihr mit der Angst um, dass euch jemand vielleicht wieder verletzt, wenn ihr tendenziell weniger Schutz habt?
Ich bin gespannt, was ihr so schreibt!

Alles Liebe
Laura

meredith

Re: Verletzlichkeit - eine Stärke? Wie erlebt ihr das?

Beitrag von meredith » Mi Aug 04, 2021 6:06 pm

Ich weiß nicht, verletzlich sein, das braucht man ja nicht jedem zu zeigen, das wäre ja auch Wahnsinn, sind ja genug gestörte Leute da draußen.

Aber den Leuten denen man vertraut, da macht es Sinn sich zu öffnen, oder?
Das ist schwer genug; für mich ist es aber eher eine Frage von Vertrauen und vertrauen können.

Wobei ich gelernt habe, dass Vertrauen nicht einfach so da ist, sondern dass ich die Menschen kennenlernen muss, um herauszufinden, ob sie für mich vertrauenswürdig sind. Und wenn sie das sind, kann ich mich auch weiter öffnen.

(Schwierig bis gar nicht geht es allerdings bei mir, wenn da noch andere Dinge mit reinspielen, Ängste, die noch nicht verarbeitet sind - dann ist es eigentlich unmöglich für mich herauszufinden, ob die Angst von der Person oder von mir selber kommt. Das ist manchmal schade, wenn ich dadurch anderen Menschen nicht nahe kommen kann, bei denen ich das gerne würde....)

Bugs
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Re: Verletzlichkeit - eine Stärke? Wie erlebt ihr das?

Beitrag von Bugs » So Aug 08, 2021 11:03 am

Zuerst habe ich Verletzlichkeit erlebt als Hilfe für andere.
Dadurch, dass ich weiß was verletzt, versuche ich diese keinem anderen zuzufügen.

Dann habe ich Verletzlichkeit als Ebene zum schaffen für Vertrauen kennengelernt.
Indem ich mich öffne und verletzlich mache, lernt mein Gegenüber mich kennen und kann mit mir auf eine neue, tiefere Ebene kommen.
Die Person, welcher ich mich öffne, kann dann Entscheiden, ob sie mich verletzen möchte.

Schließlich wurde mir Verletzlichkeit zum Verhängnis.
Vorherige seelische Wunden kombiniert mit einem erneuten Versuch eine tiefe Vertrauensbasis herzustellen scheiterten.
Die Personen, welcher ich vertraute, entscheiden sich dazu mich zu verletzen. Gewollt und/oder ungewollt.
Es ergab sich eine Abwärtsspirale von welcher ich mich bis heute (andauernd seit 8 Jahren) nicht mehr richtig erholt habe.
Es vielleicht auch nicht mehr werde.

Nun nutze ich meine erfahrenen Verletzungen wieder für den ersten Punkt. Mit einer persönlichen Grenze.
Diese persönliche Grenze dient dem persönlichen Schutz.
Dieser Schutz macht Punkt 2 schwerer erreichbar.

Dem Ganzen steht auch meine persönliche Agenda der Rache im Weg.
Aber das ist etwas anderes, persönliches.

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