Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mo Mai 17, 2021 9:42 pm

Das siebte und letzte Kapitel hier für mich im Forum. Mal schauen, wie lange es dauert.

Aber es hilft mir, mich auszudrücken. Schreiben ist auch Therapie. Oft habe ich erst durch das Aufschreiben meiner Gedanken wirklich verstanden, was los ist. Oder ich habe meine Gefühle voller Verzweiflung in die Welt hinaus geschrien und hier in wirklich dunklen Momenten Verständnis, Mut und Bestärkung bekommen.

Seit meinem ersten Eintrag im Oktober 2019 sind es über 300 Seiten geworden. Ein stattliches Gesamtwerk. Eine Zusammenfassung von Leid, Schmerz, Qualen, Wut, Hass, Verzweiflung, Angst, Trauer und Suche nach der Freiheit, dem Sinn, der Hoffnung. Dem Leben.

2017 habe ich mir die Deadline gesetzt, dass ich in meinem Leben etwas verändern muss, oder es ist das letzte Jahr des Leidens. Ende 2019 kommt die Erinnerung an den Missbrauch zurück. Und plötzlich ist 2021 schon wieder fast zur Hälfte vorbei. Fast 1.5 Jahre "Sabbatical", oder Traumatherapie. Je nachdem wie man es sieht.

Ich habe mich verändert! Grundlegend! Ich bin froh, dass ich nicht mehr der Mensch von damals bin. Ich bin froh, dass ich weiss, dass ich als Kind missbraucht worden bin. Es gibt mir Klarheit und ich verstehe mich dadurch auch besser. Und ich bin dankbar, dass ich auf diesem Weg viel Unterstützung und Verständnis erfahren habe. Gute Therapeuten mit viel Geduld und der Fähigkeit mit trotz meiner "Renitenz" im richtigen Moment einen Schubser zu verpassen, der ankommt.

Ich habe für grosses Leid bei Mama und Papa gesorgt, weil ich das Unsägliche ausgesprochen habe. Aber es ist mein Leben. Es ist passiert. Sie müssen lernen damit zu leben. Es tut mir leid, dass ich diesen Schmerz über sie gebracht habe und ich sehe sehr deutlich, wie beide seither signifikant gealtert sind. Das ist sehr traurig und zeigt die Vergänglichkeit des Lebens. Es hat uns aber enger zusammengeschweißt. Aus dem Schmerz ist auch etwas Neues gewachsen und mir ist bewusst, dass mir meine Familie sehr wichtig ist. Ich möchte gerne so viel Zeit mit ihnen verbringen, wie nur irgendwie möglich ist. Zeit ist wertvoll!

Was ist mir in meinem Leben wichtig?

- Zeit mit meiner Familie. Zeit mit Mama und Papa. Das Gefühl von Geborgenheit. Eine Annäherung an meinen Bruder. Ich arbeite wirklich daran, auch zu ihm eine Beziehung aufzubauen

- Ich sein. Ich möchte mich für keinen Menschen auf dieser Welt mehr verstellen müssen! Ich will keine Fassade mehr leben. Ich will ich sein!

- Neue Freunde. Ich habe trotz Pandemie neue Freundinnen gefunden. Neue Beziehungen aufbauen und mich zeigen, wer ich bin. Nähe zulassen. Beziehungen üben. Beziehungen erhalten und Pflegen. Sozial sein, das Rückzugsbedürfnis nicht immer siegen lassen. Das ist wirklich nicht einfach für mich und immer noch eine große Herausforderung.

- Alte Freunde. Ich habe eine Inventur gemacht und alle Menschen aus meinem Leben entfernt, die im Hier und Jetzt keine Bedeutung haben, oder mir nicht gut tun. Das was bleibt, sind Menschen denen ich vertraue und die mir am Herzen liegen. Ein schmerzvoller Weg, der wichtig war!

- Arbeit. Eine Arbeit, die mich ausfüllt, die Sinn ergibt, die mir Zeit im Leben lässt und angemessen bezahlt ist. Ich hoffe sehr, dass ich eine Einladung zum persönlichen Gespräch bekomme. Ich habe wirklich Lust auf die Stelle.

- Lernen. Ich lerne gerne. In der Schule wurde man dafür ausgegrenzt, aber ich liebe es wirklich Neues zu lernen! Meine Indonesich Kenntnisse sind bereits so weit, dass ich kleine Aufsätze schreiben kann! Das macht mich schon ein wenig stolz. Die Kultur besser verstehen. Ich hoffe auch, dass es mit dem Bildungsgutschein klappt und ich endlich Mal ne Fortbildung machen darf.

- Sport & Gesundheit. Ich bin dankbar für das Kickbox-Training trotz Pandemie. Die Bewegung tut meinem Körper und auch meiner Seele gut. Ein paar Kilo leichter und ich werde wieder deutlich fitter und sportlicher aussehen! Das Team gibt mir ein Gefühl von Zusammenhalt, Zugehörigkeit und Stabilität. Wieder ein regelmäßiges Training und gute Fitness wären echt toll. (Und dann vielleicht doch noch einmal in den Ring steigen)

- Partnerschaft. Ich bin so lange Single, langsam ist es unangenehm das zu sagen. Aber heute verstehe ich, weshalb mir Bindung so schwer fällt und weshalb ich immer so grosse Angst vor Körperlicher Nähe hatte. Die grosse Liebe finden. Geliebt werden. Stabilität. Zusammenziehen. Kinder bekommen. Ich wünsche mir das sehr. Es ist mein größter Wunsch und das Kapitel, an dem ich bisher noch am Wenigsten voran gekommen bin.

- Zuhause. Meine Wohnung ist meine Grüne Oase. Die Oase der Ruhe und des Friedens. Ein Ort der Sicherheit und des Rückzugs. Meine Festung. Dieses Jahr werde ich meine Wohnung noch verlieren. Vielleicht ist das ein Zeichen. Ein Aufbruch. Es beginnt ein neues Kapitel. Ein neues Zuhause, an dem ich vielleicht auch mit jemand anderem gemeinsam glücklich werden kann.

- Ruhe und Auszeit. Wichtig war mir das schon immer. Bewusst dazu gestanden bin ich nie. Ich brauche Auszeiten auch alleine, um meine Akkus wieder aufzuladen. Um mich noch besser spüren zu lernen. Zeit in der Natur mit mir selbst. Meinen Körper wahrnehmen. Meine Grenzen respektieren und es auch achten, wenn es mir zu viel wird. So agieren, dass ich nicht über meine Verhältnisse lebe. Das ist mir sehr wichtig.

Die Werte sind schon Mal klar.

Jetzt geht es darum, das Leben achtsam zu leben und zu gestalten.

Keine Drogen mehr nehmen. Meine Grenzen respektieren. Es dankbar annehmen und es zulassen, wenn sich alte Gefühle zeigen wollen. Den Schmerz loslassen, wenn er hochkommt und ihn nicht anstauen, bis die Kopfschmerzen mich ausbremsen.

Viele Herausforderungen.

Noch viel zu tun. Aber ich bin schon weit gekommen!

Das alte Zitat von Thoreau ist wieder präsent:

"Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, daß ich gar nicht gelebt hatte."

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Di Mai 18, 2021 5:57 pm

Der Tag hat echt produktiv angefangen und ich habe heute Morgen einiges an Fachwissen aufgefrischt. Und dann ging's bergab.

Ich wollte mittags kurz raus in den Wald und dann fleissig weiter machen. War wohl nix! 2 Stunden im Wald gewesen, ne ganze Weile an meinem sicheren Hochsitz. Und bitterlich geweint. Einfach so. Ich weiss gar nicht, woher das plötzlich kommt. Mir ging es eigentlich wieder besser. Dann war mir echt schwindelig, hab mich fast übergeben müssen, halbwegs gesammelt und wieder heim.
Kurz mit der Frau vom Amt telefoniert. Bildungsgutschein angelehnt.

Und dann wieder gemerkt, dass die nächste Runde Tränen und hemmungsloses Weinen aus mir herausbrechen. Ich kann es nicht richtig fassen. Es ist einfach der ganze Schmerz vom MB, die Grausamkeit, die Sprachlosigkeit, die Einsamkeit. Die Wut darüber, was mir genommen worden ist.

Beim letzten Thera Termin hatte ich Mal wieder gefragt, wie lange der Mist denn nun noch so weiter gehen soll. Er meinte, dass es so lange dauert, bis ich es endlich Mal zugelassen habe, was sich im Unterbewusstsein gelöst hat. Bis ich Mal endlich richtig geweint habe. Das heute war heftig! Ich nehme es, wie es kommt und bin dankbar dafür, dass es sich löst. Aber ein Spaziergang ist das nicht!

Der Thera hat mir auch mit auf den Weg gegeben, dass ich mir selbst sagen soll "ich bin in Sicherheit". Das habe ich getan. Und das ist definitiv mit dafür verantwortlich, dass es plötzlich so aus mir herausbricht. Es ist wirklich seltsam. Mir selbst zu sagen, dass ich in Sicherheit bin, löst innerlich richtig viel aus. Ich habe den Eindruck, dass die verletzten Anteile, die das bisher nicht verstanden haben, so langsam begreifen, dass es vorbei ist. Das ich in Sicherheit bin und das jetzt losgelassen werden darf. Ist wie eine Flut, die da los bricht...

Ich habe schon sooooo viel geweint in den letzten Monaten - bzw mittlerweile Jahren. Früher konnte ich nie weinen. Und es erstaunt mich immer wieder, wie viele Emotionen da schlummern. Wenn das so rausbricht wie heute.... Gesund kann es ja nicht sein, wenn man so viel Schmerz in sich trägt!

Naja....

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mi Mai 19, 2021 9:52 am

Gestern Abend nochmal heftig geweint. Die Zewa Rolle ist leer. Heute Nacht 2x das T-Shirt gewechselt, weil Tränen meinem Körper wohl nicht gereicht haben.

Das war ne Achterbahn Fahrt. Aber jetzt fühle ich mich ein wenig aufgeräumter. Ich hab da echt was grosses losgelassen!

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mo Mai 24, 2021 11:48 am

Von Donnerstag bis gestern war ich ziemlich spontan bei der Family. Das hat gut getan.
Aber ich kann mir da so schwer den Raum nehmen, um das zu fühlen, was da eben noch ist.
Gestern Abend war ich dann zurück in Köln und ziemlich erschlagen. Hab dann versucht die 30min Übung zu machen. So bin ich 30min wartend da gesessen und es ist zum ersten Mal so gar nix passiert.

Heute früh die Übung nochmal gemacht. Ein paar kleine Abreaktionen. Da war glaube ich das Gefühl "Angst". Im Hintergrund schwelt es. Ich spüre es in meinem Bauch. Irgendwas ist aktuell nicht im grünen Bereich...

Heute früh war aber immerhin produktiv. Hab schon ein paar fachliche Themen wiederholt, ein Gespräch mit meinem alten Chef geführt und die Liste fürs Amt fertig gemacht, damit das Gespräch morgen gut läuft.

Irgendwie fühle ich mich innerlich total unsicher und aufgewühlt. Ich glaube es kommt auch daher, dass es wirklich Unbehagen in mir auslöst bald wieder zu arbeiten. Aber die Zeit rast einfach so unglaublich! Es sind mittlerweile 1.5 Jahre vergangen, seit ich den Job verlassen habe. Wo ist die Zeit hin? Sooo viel Zeit ist aufs Fühlen von Emotionen drauf gegangen. Tage sind in dissoziativen Zuständen verschwommen. Keine Energie m keine Kraft. So viel Schmerz und Leid. So viel Erschöpfung. Das ist Vergangenheit. Ich will die Zukunft gestalten. Nur was passiert, wenn ich es nicht schaffe?

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mo Mai 24, 2021 8:29 pm

Ich war bei meiner Freundin. War ein schöner Nachmittag und irgendwann kamen die Kopfschmerzen wieder....

****Trigger****

Die Kopfschmerzen stehen für die Schmerzen, die ich damals erlitten habe und einfach vergessen worden sind. Das ist mir jetzt langsam wirklich klar...

Als ich Zuhause war, habe ich in die Schmerzen hinein gefühlt und plötzlich musste ich weinen. Aber kein normales Weinen. Das war ein Schmerz-Weinen. Voller Verzweiflung und Schmerz... Erschreckend das zu hören... Hab ich damals so geweint, als ich MB worden bin? Oder war ich dabei still und das ist der eingefrorene Moment? Weint man als Kind beim MB voller Verzweiflung? 🤔 Hmmmm... Kann mich nicht erinnern... ich weiss, dass ich irgendwann ausgestiegen bin und mir das von aussen angesehen habe. Aber das Mädchen, das da lag war abwesend und teilnahmslos. Eigentlich fast tot... Oder ist die Erinnerung unvollständig bzw. Falsch? Was ist richtig, was ist falsch? Was ist wirklich passiert?
Aber wenn ich so geweint habe, dann würde das die Tat ja noch abscheulicher machen. Wie kann man sich an einem kleinen Kind vergehen, das so voller Verzweiflung und Schmerz weint? Kaum zu glauben....

Ich hab immer noch Kopfschmerzen...

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Di Mai 25, 2021 7:59 am

Gestern Abend im Bett ging das Weinen nochmal in die nächste Runde.

Puuuhhh und jetzt fühle ich mich echt komisch. Irgendwie jede Menge Energie im Freiflug durch den Körper. Ein bisschen wie "Schmetterlinge" im Bauch. Aber nicht nur im Bauch. Kann das nicht richtig beschreiben. Der Druck ist weniger und ich glaube auch eine Grundspannung, die ich so vorher gar nicht wahrgenommen habe. Ein klein bisschen freier. Aber da ist auch das Gefühl, dass ich vielleicht nochmal weinen muss...

Ich bin stolz auf mich und sehr dankbar, dass ich auf einmal so tiefe, verschüttete Emotionen, zulassen kann. Das ist nicht selbstverständlich!

Jetzt Mal in den Tag starten, einkaufen und das Gespräch mit der Frau vom Amt. Dann geh ich glaube ich in den Wald. Heute fühle ich mich echt nicht nach Produktivität oder so. Mehr nach Rückzug, Sicherheit und mir selbst etwas Gutes tun.

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Di Mai 25, 2021 2:44 pm

Ich bin meiner Intuition gefolgt und war wieder im Wald. Ich habe richtig schlimm geweint. Eine gute halbe Stunde konnte ich das null kontrollieren.
Die Gefühle, die sich zeigen, sind wirklich überwältigend. Irgendwie macht es Sinn, dass sich das im vergangenen Jahr nicht so gezeigt hatte. Ich glaube das hätte ich niemals ausgehalten. Ich weiss ja, wie schlimm es auch so im letzten Jahr gewesen ist....

Ich habe so heftig geweint und mich dann irgendwann selbst sagen hören "ich will tot sein". Ja das habe ich mir wohl früher gewünscht. Nicht mehr da sein, um das nicht ertragen zu müssen. Einfach weg sein. Ich war kurz davor den Thera anzurufen, weil ich das Gefühl hatte, es nicht mehr auszuhalten. Aber was soll das bringen? Der ist im Gespräch mit anderen Klienten... Und der Assistenz ins Ohr zu heulen, kann ich nicht. Irgendwie muss ich mir selbst helfen! Also habe ich das ganze ausgehalten und versucht loszulassen was geht. Irgendwann ging es dann wieder besser. Und trotzdem fühle ich mich jetzt echt fertig! Ich mach heute nichts mehr. Kein Bewerbungskram etc. Ich will meine Ruhe haben und mich jetzt verkriechen. Vielleicht einen Film schauen. Kochen habe ich auch sein lassen und mich mit Sushi belohnt. Lange kein Delivery mehr gehabt, um Geld zu sparen. Aber das habe ich mir heute verdient. Das war echt hart!

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mi Mai 26, 2021 6:09 pm

Ach ja... Mal was Neues. Vorhin hat die Brustwirbelsäule so unendlich weh getan. Konnte kaum atmen. Und natürlich auch wieder Kopfschmerzen. Also nochmal in den Wald - und siehe da, ganz offensichtlich psychosomatisch. Mal wieder Rotz und Wasser geheult und plötzlich tut der Rücken nicht mehr weh.
Das ist so furchtbar langwierig! Auch wenn es ziemlich offensichtlich ist, dass sich da einiges an Schmerz löst. Ich bin ja auch echt dankbar dafür... Nur ein Spaziergang ist das Mal wieder nicht!!! Hab dem Körperthera geschrieben... Mal gespannt wann ich ne Antwort bekomme. Aber da bekomme ich oft ne Sprachnachricht und das tut mir gut!
Irgendwie fühlt es sich an, als wäre eine Mauer eingestürzt. Und plötzlich kann ich das Leid und den Schmerz wirklich spüren. Als Teil von mir....

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Do Mai 27, 2021 9:02 pm

Ich bin unproduktiv. Und das ist vollkommen okay. Der Job über Connections wird wohl nix. Aber ich sehe es positiv, weil mir das den Antrieb gegeben hatte, mein Fachwissen wieder aufzufrischen. Vielleicht ist es ja auch Schicksal, dass das jetzt nicht klappt und hat irgendeinen Sinn.
Wenn ich ehrlich bin, hätte mir das auch echt Angst gemacht, jetzt bald wieder zurück in die normale Arbeitswelt katapultiert. Gerade aktuell, wo es wieder so extrem intensiv ist!

Traumaverarbeitung braucht Zeit!

Es geht ja nicht nur darum, das Trauma zu verarbeiten, sondern auch die Verhaltensweisen zu verändern, die da mit dran hängen. Und das sind unter anderem die Getriebenheit und Rastlosigkeit und damit mangelnde Gelassenheit, die mit dran hängen. Ich hab mich die letzten Tage echt gestresst. Die ganze Zeit in der Luft hängen. Unsicherheit etc.
Jetzt übe ich mich aktiv in Gelassenheit. Wenn sich die Job-Suche noch eine Weile hin zieht und ich eben nicht zum 01.07. in Lohn und Brot bin, dann ist das eben so. Und das ist dann okay! Gestern habe ich einen Urlaub mit meiner Mum gebucht. Am 12. gehts für 10 Tage ans Meer nach Griechenland. Tief durchatmen. Bewerbungsgespräche kann ich auch von dort aus führen, sollte es dazu kommen. Aktive Gelassenheit! Besser, als mich verrückt zu machen!

Heute war ich auch wieder im Wald, weil ich mich nicht konzentrieren kann. Dann ist das jetzt einfach so! Immerhin war ich 1.5 Std an der frischen Luft, trotz Regen! Eigentlich würde ich gerne die Kraft haben, laufen zu gehen und Kickbox Training.... Aber das klappt gerade einfach nicht. Durchhänger was das betrifft. Und es ist okay, dass es gerade so ist!

Morgen habe ich Geburtstag und das Wochenende verbringe ich bei meiner besten Freundin. Das tut mir gut!

Darum geht es doch im Leben? Dinge machen, die einem gut tun! Warum also unnötig unter Druck setzen!

Ich bemühe mich ja zurzeit real um einen Job. Jetzt dauert es einfach so lange, wie es dauert! Niemandem ist geholfen, wenn ich jetzt am Rad drehe und ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitze.

Zum ersten Mal seit mehreren Tagen habe ich heute nicht Rotz und Wasser geheult! Ich war im Wald und ja auch im Hochsitz gab es ein paar kleine Abreaktionen. Auch bei der 30min Übung. Die waren etwas heftiger, die Abwehrreaktion vom MB: den Täter wegtreten, Hände vors Gesicht. Aber kein Heulkrampf. Immerhin!!!

Vielleicht geht es jetzt ja wieder ein bisschen weiter voran. Und jetzt ist der Rucksack leerer als vor ein paar Tagen (bzw. Wochen).

Der Körperthera hat mir mit einer langen Sprachnachricht geantwortet und er findet es grossartig, dass ich auf einmal in der Lage bin so tief zu gehen und das loszulassen, was hinter der eingestürzten Mauer liegt. Ich soll es als Geschenk betrachten und selbstverständlich, oder gar üblich, sei das nicht. Wobei es dadurch natürlich nicht weniger schlimm ist. Aber ich bin in Sicherheit und soll mir das selbst sagen. Als hätten die beiden Theras sich abgesprochen. Dann wird wohl was wahres dran sein.

Na gut, dann nehme ich das jetzt einfach Mal so an, wie es ist!

... Klingt irgendwie anders!

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mo Mai 31, 2021 4:03 pm

Das Wochenende bei meiner besten Freundin war super schön und entspannt! Es hat gut getan, sich auch einfach Mal wieder umarmen zu können, ohne vor einem bescheuerten Virus Angst zu haben!

Gestern Abend habe ich gemerkt, wie platt ich eigentlich bin. Mir war vorher schon klar, dass das alles anstrengend ist, aber die Keule kam, nachdem das Auto vorm Haus geparkt war.

Heute fühle ich mich auch ziemlich erledigt. Eigentlich wollte ich produktiv werden, aber ich fühle mich nicht danach. Ich möchte gerne einfach nur ausruhen. Das gestehe ich mir jetzt auch zu. Die nächste Zeit wird ziemlich anstrengend werden. Ständig unterwegs bei Bruder, Familie, Urlaub mit Mama etc. Ein ziemlich sozialer Monat und dabei irgendwie noch Bewerbung schaukeln. So ein wenig ist es auch ein "Trockenlauf", um Mal wieder mehr Menschen um mich herum auszuhalten. In der letzten Zeit hatte ich sehr viel Raum für mich selbst. Jetzt geht es auch ein wenig darum, mir diesen Raum zu nehmen, auch wenn ich unterwegs und nicht in meiner Höhle bin!

Ich konnte heute auch wieder Emotionen zulassen. Das geht nicht auf Knopfdruck, aber wenn ich mich drauf einlasse, dann klappt es. Ich empfinde das als sehr sehr anstrengend! Hab geweint und die Verzweiflung vom gewürgt werden ist hoch gekommen. Ich war mir dabei aber sehr bewusst, dass das in der Vergangenheit war und nicht im Hier und Jetzt stattfindet. In der Dimension auch neu. Sonst hat mich so etwas mehr überwältigt. Ich habe mich selbst umarmt und war meiner selbst sehr bewusst. Irgendwie hat es gut getan zu spüren, dass ich da bin. Oft war mir in der Vergangenheit mein eigener Körper fremd, oder ich habe ihn einfach nicht wahrgenommen. Vielleicht heilt da gerade etwas sehr zentrales und wächst wieder zusammen.

Naja jetzt fühle ich mich erschöpft. Erstmal noch etwas ausruhen und in 2 Stunden dann zum Grillen zu einer Freundin. Puuuuhhhh kostet ein wenig Überwindung, aber ich glaube mir tut das gut. Einfach ein wenig leben und Dinge machen, die gesunde Menschen eben auch machen.

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mi Jun 09, 2021 10:11 am

Ich schlage mich im Leben ganz gut, auch wenn es weiterhin der Zustand "Stillstand" zu sein scheint. Gestern hatte ich das erste Telefoninterview, aber die Stelle will ich nicht. Mit Vollgas zurück ins Hamsterrad muss einfach nicht sein!

Ich versuche aktiv daran zu arbeiten, meine "Kapazität" zu erweitern. Das lange Wochenende habe ich meiem Bruder beim Renovieren geholfen. 4 Tage von Morgens bis Abends und dann noch sozial sein. Das strengt mich ziemlich an. Gestern Abend habe ich mich dann noch spontan mit einem Tinder Date getroffen - von 18-21:30. Eigentlich ist das schon die Zeit, um mich zu verkriechen. Heute habe ich zum Glück meine Ruhe - also mal Bewerbungen weiter machen... zäh und später noch in den Wald, um mir etwas Gutes zu tun! Morgen Abend treffe ich mich dann noch mit einer Freundin und es geht in den Biergarten. Freitag kommt Mama und dann fliegen wir für 10 Tage nach Korfu. Ich finde, dass ich das aktuell echt gut mache. Schritt für Schritt Menschen um mich herum haben, nachdem ich soooo viel im Rückzug gelebt habe. Vielleicht ist das ganze auch ein Prozess. Ich muss ja nicht den Kopfsprung in einen neuen Job machen und dann die totale Reizüberflutung haben, weil ich so viele Kontakte nicht mehr gewöhnt bin.

Gleichzeitig ist da auch noch was vom Trauma... Der Thera meinte, es wäre im Unterbewusstsein alles gelöst, aber Schritt für Schritt müssen die Gefühle eben noch rausgelassen werden. hmmm ja.... die 30min Nichtstun Übung habe ich bei meinem Bruder schleifen lassen, gestern auch... dafür habe ich heute Morgen schon einen Klos im Hals wahrgenommen. Ich wusste, dass was hochkommt. Das ist interessant, denn früher habe ich es nicht so deutlich wahrgenommen. Musste dann gut 20 min weinen. Vor 2 Tagen war das im Wald auch wieder so... der Schmerz ist einfach rausgebrochen. Im Prinzip ist das ja wirklich gut, denn besser raus als rein. Es erstaunt mich immer wieder, wie massiv der Schmerz ist, der dann hochkommt. Das erklärt auch, weshalb ich in meinem Leben immer wieder schwere depressive Episoden hatte.... wenn DAS die ganze Zeit in mir drinnen war, dann ist es vollkommen logisch.

Vor genau einem Jahr ging es mir richtig richtig schlecht! Ständig dissoziative Episoden. Immer und immer wieder Depersonalisation. Über Tage wie betäubt und weggetreten. Die Zeit rast unglaublich. Ein Jahr ist das schon her... Wenn ich dahin zurück denke, dann geht es mir jetzt deutlich besser! Sooo viele Stunden harte Arbeit... und immer noch nicht am Ende!

Ich habe so viel zum Positiven verändert... und trotzdem, irgendwie fühle ich da so einen Abgrund. Schwer in Worte zu fassen, was los ist. Klar einerseits frage ich mich "wie lange noch?"... ist ja wirklich nix Neues diese Frage. Aber wie viel Schmerz kann denn da noch sein? So oft geweint, so viele Abreaktionen, so lange so kraftlos und erschöpft. Ich gehe gut mit mir selbst um und bekomme dadurch sicherlich Kraft zurück. Aber irgendwie steht da dieser kaum zu greifende Abgrund. Ich frage mich wirklich, was mir denn nur passiert ist... Ja ich habe die Erinnerungen teilweise zurück bekommen. Fragmente, Szenen, Gefühle, Körperempfindungen, Worte.... und alles ist wieder verblasst und im Hintergrund. Das ist auch gut so, aber es fühlt sich an, als wäre das nur ein Traum, oder ein Film gewesen. Als wäre das gar nicht mir passiert. Es ist so schwer, diesen unglaublichen Schmerz wahrzunehmen, wenn man sich kaum an die Ursache erinnern kann. So viele Jahre Amnesie. Das ist verwirrend! Ich empfinde es wirklich schwierig, damit einen Umgang zu finden...

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Do Jun 10, 2021 4:15 pm

Der Antrag vom Fond ist zum Teil genehmigt!!!! Yeaaaahhh!!!! Leider nur der kleinere Teil mit "Körperthera" (Massage). Die Haupttherapie wurde erstmal nicht genehmigt, weil der Thera wohl die Unterlagen nicht vollständig geschickt hatte... Das ärgert mich ein wenig. Der einzige Teil, den ich nicht kontrollieren konnte, weil die das direkt an den Fond schicken wollten.... 🙄 War so klar! Naja hab die Assistenz kontaktiert. Die Hellste ist sie nicht...

Ich wünsche mir von Herzen, dass ich das bald vom Tisch habe!!! Dieser furchtbare Antrag hat mich so viel Kraft gekostet!!!! Als ich den Brief vorhin geöffnet habe, musste ich erstmal voll zittern. Ich will es einfach nur fertig haben und das investierte Geld zurück bekommen!

Und trotzdem, auch wenn es juristisch nichts zählt, so tut es irgendwie gut zu lesen, dass man ganz offensichtlich berechtigt ist vom Fond Sexueller MB Unterstützung zu beziehen. Irgendwie fühlt es sich nun offiziell anerkannt an, dass mir das passiert ist!

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Fr Jun 25, 2021 8:16 am

Der Urlaub war schön. Und jetzt geht es mir schlecht.

Irgendwie verstehe ich nicht, dass ich nicht einfach ganz normal sein kann!!! Ich hab doch schon genug gelitten. Mir ist unsagliches Leid zugefügt worden, ich habe so viel aufgearbeitet und bin durch Täler voller Schmerz gegangen. Ich habe so viel geweint und die Themen bearbeitet. Nun ein paar Tage im Urlaub und wenig Zeit für mich - und es fällt mir massiv auf die Füsse!!!

Eigentlich wollte ich gestern auch noch zu meiner Freundin nach München... Bin nach 30min auf der Autobahn umgedreht. Ich habe gestern viel geweint. Das Schlimme daran ist, dass ich nicht Mal wirklich sagen kann, weshalb ich geweint habe. Es kommt einfach immer wieder Schmerz von damals in Wellen hoch. Gestern Abend habe ich dann Rotz und Wasser geheult. Immerhin ist dadurch der Druck etwas weniger geworden. Richtig gut geht es mir heute aber auch nicht. Ich habe Kopfschmerzen.

Ich frage mich, wie ich jemals leben soll, wenn das Trauma mit einem Stock hinter mir her läuft und immer wieder auf mich einschlägt. Ich will einfach nur normal sein!

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Fr Jun 25, 2021 7:34 pm

Wird das Leben jemals gut werden?

Meine Gefühle gehören nicht in diese Realität. Die sind eindeutig aus der Vergangenheit und hängen an mir wie ein Klotz. Und das Schlimme ist, dass es sich so anfühlt, als wäre das jemand anderem passiert. Die Bilder, die Mal da waren, sind wieder weg. Die Erinnerung ist verblasst. Ich fühle den MB nicht als Teil meiner eigenen Geschichte, obwohl ich so hart an den Themen gearbeitet habe. Das ist die Diskrepanz zu meinen Emotionen, weil sie so keinen Sinn mehr machen. Irgendwie total verwirrend und zermürbend!

Schwer zu fassen!

Laura
Beiträge: 532
Registriert: Sa Jul 25, 2020 9:06 am

Re: Das Leben gestalten. Freiheit finden. Leben.

Beitrag von Laura » Mi Jun 30, 2021 7:47 pm

Die Erinnerungen an den Missbrauch sind weg.

Vielleicht ist das ja gut?

Aber warum ist da dieser gigantische Abgrund hinter mir? Nur ich kann ihn nicht sehen. Er ist dunkel und abstrakter denn je.

Ich erinnere mich an die Gespräche mit den Therapeuten. Ich erinnere mich daran, was ich vom Missbrauch erzählt habe. Ich weiss, wie schlecht es mir so lange Zeit ging. Kann man sich das alles wirklich einbilden???
Würde man mich heute fragen, ob ich missbraucht worden bin, so würde ich es nicht sicher beantworten können. Vielleicht ist das ja alles gar nicht passiert?

Schreibe ich das wirklich???

Es kann doch nicht sein, dass plötzlich alles weg ist? Nach Monaten Therapie. Plötzlich sind die Erinnerungen einfach weg. Aber der Körper zeigt in der letzten Zeit immer wieder Reaktionen und Emotionen. Ich weine immer wieder bitterlich und über Stunden. Immer wieder Abreaktionen. Ja die Tage werden besser. Aber die Abgründe mit den Emotionen kommen immer wieder. Ich glaube, dass das Trauma nicht vollständig integriert ist. Oder würde das dann passieren?

Ich bin mit der Gesamtsituation überfordert. Und ich befinde mich jetzt mitten im Bewerbungsprozess... Morgen habe ich ein Interview für einen Job, den ich unbedingt machen möchte. Mit Zeiterfassung. Ich habe solche Angst, dass ich es nicht schaffe und dass der Abgrund hinter mir schädlich ist.

Versteht mich jemand? Ich komme mir so verloren vor...

Antworten