OP. Angst. *trigger

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GrüblerinII
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OP. Angst. *trigger

Beitrag von GrüblerinII » Do Jun 04, 2020 8:09 am

Ich muss mir meine Angst von der Seele schreiben, mir steht ein medizinischer Eingriff bevor, den ich seit fast 10 Jahren vor mir her schiebe.
Ich hab fürchterliche Panik davor, ein g*n*kologischer Eingriff, unter Vollnarkose und es wird die erste Vollnarkose meines Lebens.
Es geht mir nicht gut damit.
So lange schiebe ich das schon vor mir her, in der Hoffnung, dass es von selbst wieder gut wird. Oder dass es wenigstens nicht schlimmer wird.
Jetzt ist es schlimmer geworden und ich musste meinem Arzt versprechen, das noch in diesem Sommer anzugehen.
Morgen werde ich im KH vorsprechen und einen Termin zur OP bekommen. Und ich denke seit Tagen an nichts anderes.
Ich habe lange braucht um meinem Gyn zu vertrauen und hadere trotzdem bei jeder Routine Untersuchung, bis ich endlich hingehe.
Und jetzt soll ich in ein KH. Wo tausend Leute rumschwirren. Wieder eine Untersuchung. ICh weiß nicht, wer dort ist. Wie das Zimmer aussieht. Ich war noch nie dort. Und die schmeißen mich ins kalte Wasser.
Ich hab Schmerzen, und noch dazu hab ich Angst. Es muss gemacht werden aber ich will nicht will nicht will nicht!!!! Kann bitte jemand anders für mich da hin gehen???! :(
Dabei ist es morgen doch nur die Voruntersuchung. Das wirklich grausliche kommt dann erst später. Ich hab so Panik... waah!
Ich bin hier die starke, meine Tochter soll sich nicht sorgen. Mein Mann ist sowieso ein Hasenfuß mit Krankenhäusern.
Eine Freundin wird mich hinbringen und nach Hause bringen. Eine halbe Stunde Fahrt. Es ist mir unangenehm aber ich glaube sie macht es gerne. Sie weiß nur ansatzweise, wie sehr ich Angst habe. ich will nicht!!!!!

Es hilft alles nichts. Ich werde da morgen hin müssen. Und ich fühle mich jetzt schon neu traumatisiert.

Wenigstens darf ich hier jammern. :oops:

lindsey
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Re: OP. Angst. *trigger

Beitrag von lindsey » Do Jun 04, 2020 8:24 am

Liebe Grüblerin,

Ich kann dich extrem gut verstehen!!! Hatte im Dezember ne OP am Eierstock und die MB Erinnerung war damals noch ziemlich frisch. Und letztens beim Frauenarzt hatte ich auch echt Panik...

Aber du machst alles richtig - du gehst da nicht alleine hin und hast Unterstützung von deiner Freundin!

Zur OP - du hast auch nochmal ein Gespräch mit einem Narkosearzt. Sag unbedingt wie sensibel das Thema ist und wie sehr du Angst hast. Man wird dir bestimmt ne LMAA Pille (Midazolam) geben. Dann ist alles echt egal und nicht mehr dramatisch! 😉 Ganz relaxed fühlst du dich dann!
Ich hatte nach der OP ziemlich Schmerzen im Aufwachraum... Man wird dich da erst wieder raus lassen, wenn du keine Schmerzen mehr hast. (Oder sagst du hättest keine mehr 😉) Und die haben dort "das gute Zeug". Bist ja eh im Krankenhaus und der Spass ist bezahlt. Also warum solltest du leiden. Nur als kleiner Tipp, alles was man dir da verpasst macht den Tag deutlich angenehmer und der Tag geht fliegend vorbei! 😉

Schön ist es nicht, diese Illusion will ich dir nicht verkaufen. Aber man kann es lindern und dann ist es nicht mehr so schlimm!!!!

Alles Gute
Lindsey

GrüblerinII
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Re: OP. Angst. *trigger

Beitrag von GrüblerinII » Do Jun 04, 2020 8:40 am

Hallo Lindsey,
danke für deine Antwort! Das hört sich gar nicht so schlimm an wie du das beschreibst.
Ich hab total Angst vor dem Kontrollverlust durch die Narkose. Ich hatte noch nie eine Vollnarkose und weiß nicht wie sich das anfühlt.
Ich weiß noch, bei der Geburt meiner Tochter, das einzige Mal Krankenhaus in meinem Leben bisher. Da hat die Ärztin mich ausgeschimpft, weil ich mich psychisch so gegen die Geburt gewehrt habe, weil ich nicht Kontrolle abgeben konnte und nicht gehen lassen konnte und nicht zugelassen habe, dass mein Körper sich öffnet.
Erst wie sie mir irgendwelche Drogen gegeben haben, wurde ich irgendwie high und dann ist alles ganz schnell gegangen.
Ich habe mich ziemlich schuldig gefühlt deswegen, und die Ärztin war vielleicht nicht gerade die sensibelste.
Wie wird das dann mit der Vollnarkose? Wenn ich das nicht zulasse? Kann da irgendwas passieren???
Der Gedanke, dass ich meinen Körper quasi "abgebe" und die Kontrolle völlig einem Team von Wildfremden überlasse, die dann ausgerechnet an einer Körperstelle rumtun, wo ich echt niemanden haben will! aaaaah!

Vor den Schmerzen hab ich gar nicht so Angst, die hab ich jetzt ja auch und es geht schon irgendwie. Am meisten beunruhigt mich diese Hilflosigkeit.
Wie lange ist man nach einer Narkose noch benebelt? Hat man sich da im Griff gleich nach dem aufwachen?

lindsey
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Re: OP. Angst. *trigger

Beitrag von lindsey » Do Jun 04, 2020 9:00 am

Also vor der Narkose würde ich jetzt Mal keine Angst haben! Dir kann da nichts passieren!
Du wirst in deinem Bett runter Richtung Narkose Vorbereitungsraum geschoben. Wenn du die Tablette hattest, dann bist du da eh schon super relaxed und es ist halb so wild! 😉
Dort wird man dir nen Zugang legen und normalerweise bekommst du die Narkose auch über den Zugang. Narkosegas gibt es auch, aber die 2x wo ich Vollnarkose hatte, war es über den Zugang.

Ich habe mich kürzlich mit ner Freundin unterhalten, die mega Panik vor spritzen hatte und sich vorher nicht hatte benebeln lassen. Die Panikattacke war beim Aufwachen noch nicht abreagiert. Ist natürlich ziemlich Scheisse so was. Wobei das in ihrem Fall auch schon echt ne ganze Weile her ist, und die Ärzte totale Vollidioten waren. Von daher nochmal der Hinweis lass dir die Beruhigungsmittel geben!

Die Ärzte wollen, dass du ganz entspannt und Happy einschläfst, denn dann wachst du auch entspannt wieder auf und es gibt für alle Beteiligten weniger Stress. Macht ja Sinn. Also ich habe beim ersten Mal gefühlt, wie es in meinem Arm und dann im Kopf wohlig warm wurde, dann war ich weg. Konzentriere dich aber nicht mit Fokus auf die Empfindungen und Wirkung im Körper! Bei der OP im Dezember, hatte die Ärztin ein positives Thema für mich gefunden und sie hatte mir Fragen zum Tauchen gestellt, welche Tiere ich am besten finde etc. Bin dann einfach beim Erzählen mit diesen Bildern weggedriftet und es war sehr angenehm. Also lange Rede kurzer Sinn - bei der Einnahme von Drogen jeglicher Art müssen Set und Setting stimmen. 😉 Dann ist es deutlich entspannter!

Im Aufwachraum kommt es ganz auf dich selbst an. Damals mit 16 bei der Mandel-Op hatte meine Zimmernachbarin gesagt "wenn du aufwachst, sag du hättest Schmerzen, auch wenn es nicht stimmt". Das hatte ich getan und muss sagen, der Tag war echt sehr sehr sehr entspannt und ging schnell vorbei. Du hast auch noch am nächsten Tag genug Schmerzen! Und das was du da bekommen wirst, ist halt nicht sonderlich gut! Also warum unnötig leiden!
Bei der OP im Dezember hatte ich tatsächlich Schmerzen und war von 12 bis 17 Uhr im Aufwachraum. Aber ich war halt bis zum Rand vollgedröhnt mit Morphium und co. Da ist es besser, wenn man überwacht wird. Ich mag auch keinen Kontrollverlust, aber der ist dir bei solchen Drogen auch ziemlich egal! 😉 Und die Pfleger im Aufwachraum sind die einzigen, die sich tatsächlich um dich kümmern werden. Danach hätte ich auch im Zimmer sterben können und es wäre bis zum Schichtwechsel nicht aufgefallen!

Meine Zimmernachbarin war schon ne halbe Std. Nach der OP wieder komplett fit. Ich würde aber sagen, dass ich definitiv den besseren Tag von uns beiden hatte. 😉 Es obliegt also dir! Und jeder Mensch ist anders. Wenn dein Wunsch ist, schnell wieder "fit" zu sein und dann im Zimmer den Tag tot zu schlagen, so ist das definitiv nicht unwahrscheinlich. Richtig "high" bist du nach ner Vollnarkose nicht mehr. Vielleicht ein bissl müde, aber klar!

Mucki
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Re: OP. Angst. *trigger

Beitrag von Mucki » Do Jun 04, 2020 2:39 pm

Liebe Grüblerin, ich könnte dir von meinen leider vielfältigen Narkose- und OPerfahrungen schreiben, aber dann weißt du weiterhin nicht, wie du deine Angst kleiner werden lassen kannst. Zunächst hat glaube ich fast jeder Angst, der vorher nie eine Vollnarkose hatte, so dass es für den Narkosearzt nichts Neues sein wird. Nach meiner Erfahrung sind die meisten Narkoseärzte auch offen dafür, wenn man seine Ängste äußert. Bei meiner letzten OP habe ich der Ärztin gesagt, dass es sein kann, dass ich evtl. ein wenig andere Reaktionen zeige, als sie bei mir vermutet und dass das an der Tatsache liegt, dass ich an einer komplexen Traumafolgestörung leide. Das hat sie dann notiert, es war aber alles, wie bei den Narkosen davor, ganz normal und ohne Komplikationen. Insgesamt sind die Narkoseärzte wirklich eine der fittesten Gruppe unter den Ärzten, da sie oft eine Ausbildung zum Notarzt haben, so dass du fachlich schon mal in sehr versierten Händen sein wirst. Wenn es dir schwer fällt von der Angst zu erzählen, könntest du es mit wenigen Stichworten auf einen Zettel schreiben, den du dann abgibst.
Schön wäre halt, wenn du dich nicht in die Angst hineinsteigerst. Aber nochmal ganz deutlich: Es ist völlig legitim, dass du Angst hast. Dafür musst du dich weder schämen, noch entschuldigen.
Ich hoffe du hast Möglichkeiten deinen Stresslevel etwas zu reduzieren.

Mucki

luz
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Re: OP. Angst. *trigger

Beitrag von luz » Do Jun 04, 2020 5:45 pm

Ich kann Deine Ängste gut nachvollziehen, da ist ein großer Kontrollverlust, den Du eingehen musst. Ich stand bisher auf beiden Seiten, einmal bin ich einige Male operiert worden, bis auf eine verliefen sie gut und das Team dort in der Klinik war super.

Dann stand ich auch auf der Seite im OP zu arbeiten, bei der Anästhesie kann ich Dir nur sagen, dass es inzwischen eine ganz sichere Narkose gibt (klar kann immer etwas schief laufen, aber das kann auch passieren, wenn Du über eine Straße gehst). Wichtig, ist, dem Anästhesisten alle Probleme erzählen, nichts verschweigen (Medis, Rauchen etc). Dich an die Ratschläge halten. Die Ärzte sind heute viel empathischer, als ich es vor ca 30 Jahren ertragen musste. Kann Deine Gyn Dir zb eine Mitteilung geben, dass bei Dir eine PTBS vorliegt? Kannst Du Dir die Klinik anschauen, in ein Zimmer schauen - auch virtuell, das gibt schon mal viel Sicherheit.

Gute Besserung,
Luz
never know better than the natives (Kofi Annan)

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