Ein Dieb wie jeder andere auch.

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LionInACatsCoat
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Registriert: Do Mai 21, 2020 11:29 am

Ein Dieb wie jeder andere auch.

Beitrag von LionInACatsCoat » Do Mai 21, 2020 12:06 pm

Das ist ein relativ 'harmloser' Übergriff, den ich schildere, aber bitte, passt auf euch auf.


Wäre das eine erfundene Geschichte, für den Protagonisten bekäme ich großes Lob. Wenn er denn meine Konstruktion wäre. Ist er nicht. Ich diskutiere jetzt nicht über Ideen, wonach jede Wahrnehmung eine Konstruktion ist. Es reicht, dass andere mir nachsagen, das Problem gäbe es nur in meiner Wahrnehmung, diesen Mangel an Respekt muss ich nicht übernehmen.

Er hat eine Strategie umgesetzt, reif für's Lehrbuch, das es hoffentlich nirgendwo so gibt. Erst Bezugspersonen eingewickelt, an den 'richtigen' Stellen bei den 'richtigen' Leuten auf deren Empathie gesetzt - so eine Unterrichtseinheit, in der SchülerInnen individuell etwas nahe gebracht werden kann, ist ja auch ein Stück Lebensqualität für verkannte pädagogische Genies!-, meine Bezugspersonen von mir ferngehalten, weil sie mich geschützt hätten, und erst mal in der Dikussionsrunde getestet, wie weit er gehen kann. Wehrt sich jemand, wenn er seine Augen im Ausschnitt einer Schülerin liegen lässt? Steht jemand dagegen auf, wenn er schmutzige Witze auf Kosten einer Schülerin macht - die sich allein gelassen und beschämt gefühlt haben muss, als fast alle lachten? Bekommen es Klassensprecher mit, dass er so die Gruppe auseinandernimmt? Ist sich die Schülerin sicher genug, um ihrem Erleben zu vertrauen, dass hier gerade eine Grenze überschritten wurde, oder hat er sie richtig eingeschätzt? Hat er die Pädagogen der Einrichtung mit seinem Fachwissen zur Traumapädagogik beeindruckt, und haben sie seine Coverstory gefressen, bei Ausdruck von Leid und Kummer seiner Schülerinnen brechen angetriggerte Kindheitstraumata durch?

Wenn er sich nun also sich in der Gruppe eingerichtet hat, scheint das wohl eine Nische zu sein, in der er sich holt, was er braucht, ob sie es ihm geben wollen oder nicht. Also arrangiert er ein Setting - kernpädagogische Kompetenz, ohne jeden Zweifel -, in dem er so langsam, differenziert und feinfühlig wird, dass niemand hinterher mehr sagen kann, wo die Grenzüberschreitung anfing, aber jede Betroffene sich sagen lassen muss, sie hätte sich doch jederzeit wehren können. Ob sie's denn nicht getan hat, weil's vielleicht ein seltsames Gefühl von "Heraustreten" gegeben habe? Das sei ihr doch bestimmt schon in anderen Situationen mal passiert?

Was ist denn schon dabei, deinen breitbeinigen Dozenten mit offenem Hosenstall an dich heranrutschen zu sehen, wenn du in einer Ecke zwischen Tisch und Mitschülern sitzt? Bist denn nicht eigentlich du verantwortlich, wenn du deinen Dozenten beobachtest, wie er ohne jeden Abstand, Oberschenkel an Oberschenkel, bei deiner Mitschülerin zwei Plätze weiter eine besondere pädagogische Nähe aufbaut? Sind deine Fluchtreflexe nicht krank? Ist deine Abwehr, deine Angst nicht nur dein ganz persönliches Problem, wenn er auf dem Stuhl zwischen Tisch und Mitschülern so auf dich zurollt, dass du gar nicht aufstehen und gehen könntest?

Es geht nicht darum, ob mich jemand anfasst. Es geht um das Gemeint-Sein, das Gezielt-ausgesucht-werden, das Kino in im Kopf und das Schreien im Herz, wenn es für jemand andern nicht nah genug sein kann. Empathie kann furchtbares, gefährliches Zeug sein.