Geschichte veröffentlichen

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
lykka
Beiträge: 3
Registriert: Sa Mai 02, 2020 3:34 pm

Geschichte veröffentlichen

Beitrag von lykka » Sa Mai 02, 2020 3:37 pm

Hallo zusammen
Hat jemand von euch auch den Reporter auf srf.ch gesehen in dem 4 Frauen ihre Geschichte erzählen? Ich finde es unglaublich mutig und gut, die eigene Geschichte zu veröffentlichen. Wie denkt ihr darüber?
Ich habe mir überlegt, ob ich das auch machen soll. Aber irgendwie kann ich es mir nicht vorstellen. Trotzdem habe ich mal angefangen, meine Geschichte (per Sprachmemo) aufzuzeichnen. Den Effekt, wenn ich meiner eigenen Geschichte zuhöre, finde ich unglaublich. Wenn ich meine Geschichte erzähle, relativiere ich die Tragik und das hervorgerufenen Trauma innerlich bei jedem Satz aufs neue. Wenn ich die Geschichte höre, habe ich viel mehr Mitgefühl mit mir selber und ich finde die Geschichte wirklich schlimm. Dies mal zuzugeben tut einerseits sehr weh, andererseits ist es auch heilsam...
Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Oder hat es hier sogar Frauen, die selber bloggen oder ihre Geschichte sonswie "veröffentlicht" haben?
Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen!
Herzlich
lykka

SophiawirdErwachsen
Beiträge: 559
Registriert: Mo Jul 17, 2017 12:05 am

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Sa Mai 02, 2020 6:37 pm

Hallo lykka,

ich kenne die Reportage nicht und weiß auch nichts über deine Geschichte. Hast du denn deine Erlebnisse in einer Therapie etc. schon mal artikuliert bzw. hast du jemanden, der dich generell begleiten könnte/kann, falls dich etwas zu stark mitnimmt?
Ich weiß auch nicht wie stabil du bist, grundsätzlich ist Retraumatisierung eigentlich eher kontraproduktiv, es kommt aber eben draufan, wie du dich dabei fühlst und welche Intention du verfolgst...

Ja, ich finde solche Menschen auch sehr mutig, aber gleichzeitig denk ich mir ehrlich gesagt immer, was arbeiten diese Menschen? Also jetzt nicht böse gemeint, überhaupt nicht. Aber ich überleg dann immer, ob es für mich ok wäre, wenn meine ArbeitskollegInnen beispielsweise so intime Details über mein Leben wissen würden (vor allem hätte es in meinem Arbeitsbereich sicher negative Konsequenzen für mich, da bin ich sicher) ...oder generell fremde Menschen oder zukünftige Arbeitgeber, die zuerst vom mb erfahren und dann erst mich kennenlernen... Also das ist halt immer so mein Gedankenkonstrukt, das sich da zu bewegen beginnt...
Was ich mir vorstellen kann, was ich vl auch tun würde, wenn ich meine Geschichte öffentlich erzählen wollen würde, wäre, es anonym zu machen. Also entweder so, dass ich als Person nicht zu erkennen bin oder in geschriebener Form.
Da wäre die Intention, das Thema öffentlich anzusprechen und mir zu ermöglichen mich auszudrücken, erfüllt und trotzdem gibt es nicht die direkte Verbindung zu meiner Person.

Wenn es für dich einen therapeutischen Effekt hat die Dinge auszusprechen und du dann liebevoller mit dir selbst umgehen kannst, wäre es ja vl wirklich eine Idee, deine Geschichte vorerst mal auf Band zu sprechen oder einer einzigen, nahestehenden Person zu erzählen (wobei die das auch aushalten muss) und zu sehen, wie es dir damit geht. Auch später. Ich kenne das Gefühl unbedingt etwas erzählen zu müssen, was sich in dem Moment richtig anfühlt.. aber danach kommt die Scham und dann hab ich es schon manchmal bereut. Das gilt es zu vermeiden. Und auch, dass es dich nicht zu sehr triggert oder destabilisiert, aber das musst du selber spüren, was für dich passt und was nicht.

Alles Gute
V.
Sophia

lykka
Beiträge: 3
Registriert: Sa Mai 02, 2020 3:34 pm

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von lykka » Sa Mai 02, 2020 7:47 pm

Hey und danke für deine Antwort.
Ich studiere auf dem 2. Bildungsweg Soziale Arbeit und möchte mich in Zukunft (wie auch schon in der Vergangenheit) auch beruflich für Frauen und ihre Rechte einsetzen.
Wenn ich meine Geschichte öffentlich machen würde, dann nicht anonymisiert weil es mir eben genau darum geht, offen zu sein, zu mir und meiner Geschichte zu stehen und so anderen auch Mut zu machen. Ausserdem fände ich das eine wichtige Vorbildfunktion für junge Menschen, damit sie vielleicht nicht die gleichen Fehler machen wie ich. Ich möchte der Welt zeigen, dass Frau sich nicht schämen muss und dass es nie eine Mitschuld gibt. Für meine jugendlichen Söhne und alle anderen in ihrem Alter hoffe ich, dass sie sowohl über ihre Geschichten sprechen auch als lernen zuzuhören, Fragen zu stellen und die Betroffenen nicht mehr auszugrenzen. Wenn ich öffentlich für mich und mein Schicksal einstehe, hoffe ich, dass mir das die Kraft gibt, mit meiner Geschichte erstens offener und ohne Scham umzugehen und zweitens dass es mir gelingt, mich (möglicherweise auch in einem kleinen Rahmen) politisch und/oder beruflich für dieses Thema zu engagieren.
Wenn ich diese Zeilen schreibe, spühre ich die Kraft, die in mir wohnt. Aber ich habe natürlich auch angst. Angst vor dem shit-storm, der leider regelmässig über diesen mutigen Frauen ausbricht. Und natürlich auch Angst, was mit meinem Privatleben passiert, wenn "es" plötzlich alle wissen. Ich habe drei Jungs im Teenageralter und an sie muss und will ich natürlich auch denken.
Der Weg zu diesem oben beschriebenen Ziel ist wohl noch lang. Meine Geschicht habe ich meinen engsten Menschen zum anhören gegeben und habe schon da gemerkt, wie mich das ganze nervös macht und wie sensibel ich auf die entstandenen Gespräche reagiere. Das zeigt mir, dass ich momentan wahrscheinlich noch nicht am Punkt bin wo eine Veröffentlichung ansteht. Gleichzeitig tut es mir auch sehr gut, vermehrt darüber zu sprechen und mich nicht mehr zu verstecken.
Therapien habe ich mehrere gemacht oder versucht. V.a. eine Therapeutin hat mir sehr weitergeholfen. Auf sie kann ich jederzeit zurückgreifen.

Wie oft sprichtst du denn über deine Gechichte und traust du dir und deinem Gegenüber auch zu, über Details zu sprechen oder bleibst du lieber an der Oberfläche?

Ich freu mich auf einen Austausch mit dir/euch hier in diesem Forum. Das ist auch ein Schritt auf meinem Weg, mich nicht mehr zu schämen!
Danke

lykka
Beiträge: 3
Registriert: Sa Mai 02, 2020 3:34 pm

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von lykka » So Mai 03, 2020 9:04 pm

Hallo zusammen
Ich sehe, dass viele meine Worte lesen und ich würde mich wirklich sehr über ein feedback/ einen Austausch freuen. Woran liegt es, dass nicht mehr von euch antworten? Das ist sicher nicht vorwurfsvoll gemeint! Ich bin neu im Forum und hab noch keine Ahnung wie das hier läuft.
Liegt es vielleicht daran, dass ich nicht mehr von mir und meiner Geschichte erzähle? Oder hat mein Schreibstil etwas abschreckendes?
Bitte gebt mir doch Antwort, damit ich mich anpassen kann und so ein Austausch stattfinden kann.
Das wäre mir wirklich wichtig.
Danke

Gastacht

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von Gastacht » So Mai 03, 2020 9:29 pm

hallo
gerade sind hier nicht viele User aktiv.
du bekommst eher normal viele Antworten erst recht weil du neu bist.
hier gibt es gerade nur 1 oder 2 Antworten pro Tag. da ist das also viel.

mich interessiert das Thema ehrlich gesagt nicht.
kann man machen muss man aber nicht.
es gibt mittlerweile ja zig Opfer berichte und ich finde das auch immer etwas komisch. klar du willst gutes aber es gibt ja viele Berichte und wenn dich jemand erkennt kann das grosse Nachteile bringen und die eigene Geschichte ist letztlich ja auch nicht so besonders. leider. also ja für einen selbst klar aber nicht für die Masse. ein anderes Opfer lernt jetzt dadurch dass es meine Geschichte kennt nix finde ich. es ist gut wenn andere sich dann nicht allein fühlen aber ich finde eben das Internet ist voll mit Berichten und Filmen. da braucht es nicht noch eine neue. aber kann man ja anders sehen.

du könntest sie beim unabhängig beauftragten gegen Missbrauch einreichen. das wäre ein anonymer Anfang falls du das Bedürfnis hast zu erzählen.

gastacht
ps vielleicht wollen deine zukünftigen Klienten das auch gar nicht wissen weil es sie befangen macht? schon mal darüber nachgedacht? du kannst es im einzel Kontakt andeuten wenn du reflektiert hast ob es passt. das fände ich im Zweifel hilfreicher und professioneller!

SophiawirdErwachsen
Beiträge: 559
Registriert: Mo Jul 17, 2017 12:05 am

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mai 04, 2020 2:35 am

lykka hat geschrieben:
Sa Mai 02, 2020 7:47 pm

Wie oft sprichtst du denn über deine Gechichte und traust du dir und deinem Gegenüber auch zu, über Details zu sprechen oder bleibst du lieber an der Oberfläche?

Ich freu mich auf einen Austausch mit dir/euch hier in diesem Forum. Das ist auch ein Schritt auf meinem Weg, mich nicht mehr zu schämen!
Danke
Hallo lykka,

ich verstehe deine Intention und grundsätzlich würd ich mir auch wünschen, dass das Thema einfach in der Gesellschaft akzeptiert ist und Menschen normal darauf reagieren.
Aber es ist nun mal nicht "normal" und meines Erachtens muss man da nicht nur achtsam mit sich, sondern auch mit anderen sein. Viele Menschen haben keine Ahnung von sm und können sich manche Dinge nicht mal vorstellen. Ich erzähle nie Details von dem, was mir passiert ist (außer hier oder bei meiner Therapeutin) weil es anderen Menschen, die keine mb Erfahrung haben, einfach nicht zuzumuten ist. Ich hätte das Gefühl ebenfalls Täter zu sein, wenn ich sie mit meinen Erlebnissen "überfalle". Die meisten Menschen halten das einfach nicht gut aus und es ist nicht mein Wunsch andere Menschen zu traumatisieren. Auch wenn mich die Sensibilität ehrlich gesagt manchmal nervt, aber das ist eben die Erfahrung die ich so gemacht hab.

Ich denke, dass es wichtig ist ganz klar für dich zu haben, mit welcher Intention du an das Thema herangehst. Willst du Menschen aufklären? Dann wäre es wichtig ein gute Maß zu finden und darauf zu achten, dass Menschen nicht überfordert sind mit deiner Geschichte.
Oder geht es darum Wut auszudrücken und dich zu befreien? Dann wäre es eventuell besser alles mal aufzuschreiben oder es in einer Therapie rauszulassen, aber es nicht sofort an die Öffentlichkeit zu bringen. Also das ist jetzt meine persönliche Meinung, natürlich sehen andere Menschen das anders, das ist auch in Ordnung.

Bezüglich deiner Jungs, ich denke, dass du als Mutter eine gewisse Verantwortung ihnen gegenüber hast, was ihre psychische Integrität anbelangt. Ehrlich gesagt würde ich definitiv keine Detail des Missbrauches an meiner Mutter wissen wollen. Das würde mich als Teenager total überfordern. Auch die meisten Erwachsenen wären noch geschockt... aber denen ist das eher zuzumuten. Wissen sie überhaupt davon?
Vor allem können sie damit nichts anfangen. Sie hören das, sie sind schockiert und was dann? Sie werden wohl kaum mit dir darüber reden (also kann ich mir eher nicht vorstellen *:) ) ... mit Freunden wohl auch eher nicht... also irgendwie stell ich mir das schwierig vor.

Ich hab nicht die ultimative Wahrheit und kann nur für mich selbst sprechen. Aber ich persönlich denke, dass es wichtig ist sich auszudrücken, aber dass es auch der richtige Ort zur richtigen Zeit sein sollte. Wenn du es öffentlich machen willst würde ich auf jeden Fall keine Details erzählen... zumindest nicht so lange deine Kinder nicht erwachsen sind. Für mich stellt sich auch die Frage, inwieweit Details überhaupt notwendig sind?

Vielleicht wäre es für dich eine Möglichkeit zuerst eine Arbeitsstelle zu finden und dann dort direkt über deine Geschichte zu berichten. Ich denke da mal an ein Frauenhaus oder eine Beratungsstelle für MB-Opfer. Das wäre dann ein Ort, an dem es irgendwie angebracht ist darüber zu sprechen. Das ist auch kein total öffentlicher Rahmen sondern einer in dem es Sinn macht darüber zu reden. Dort hättest du auch das Klientel, das du eigentlich stärken möchtest.

Also zusammengefasst wäre es für mich wichtig mal herauszufinden, was meine tatsächliche Intention ist. Geht es mir nur um andere Betroffene? Geht es mir um Fremde, die das Thema nicht kennen? Geht es mir darum Wut abzulassen oder mich von etwas zu befreien? Und wenn das für mich klar wäre, würde ich überlegen in welchem Rahmen ich das machen könnte ohne meine Söhne zu gefährden.
Also, vl gehen deine Kids auch total gut damit um, ich spreche jetzt nur aus meiner Vorstellung... Ich würde mir auch überlegen, ob es möglich wäre, es zuerst mal aufzuschreiben oder wem anderen zu berichten und erst dann an die Öffentlichkeit zu gehen...

ja das wäre so das, was mir dazu einfällt...

Liebe Grüße
V.

SophiawirdErwachsen
Beiträge: 559
Registriert: Mo Jul 17, 2017 12:05 am

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mai 04, 2020 2:40 am

ich bin manchmal sehr impulsiv und kann darin Vorhaben grundsätzlich schon verstehen.. ich würde auch gerne öfter alles mögliche in die Welt hinaus schreien... aber ich denk mir dann manchmal.. die Zeit kommt, ich hab es schon so lange in mir ..... da kommt es auf ein paar Monate oder Jahre mehr oder weniger auch nicht mehr an.

aoi
Beiträge: 379
Registriert: Sa Dez 01, 2018 2:42 pm

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von aoi » Mo Mai 04, 2020 8:42 pm

Hallo Lykka,

ich denke, ich habe dir Reportage gesehen, von der du sprichst.
Ich habe mir überlegt, ob ich das auch machen soll. Aber irgendwie kann ich es mir nicht vorstellen.
- Welcher Teil kann es sich vorstellen und was ist sein Ziel?
- Welcher Teil kann es sich nicht vorstellen und warum?

Ich habe deine Nachrichten hier gelesen und weiß auch nicht genau, worum es dir geht.
Möchtest du dir stärker glauben, was passiert ist? Dann könntest du die Geschichte aufnehmen und sie dir selbst anhören. Manchen hilft schreiben, anderen das Hören. Mir persönlich hilft das Hören mehr, aber ich schreibe es dennoch auf, damit ich meinen Weg schneller nachvollziehen kann.

Geht es dir um das Öffnen gegenüber deinen Freunden und Mitmenschen? Dann kannst du ihnen die Sprachmemo geben oder einfach mit ihnen darüber sprechen. Ich persönlich unterscheide zwischen meinen Freunden. Manche wissen die kleinsten Details. Ihnen gebe ich auch manchmal Geschriebenes von einem Flashback oder so und frage sie, ob ich Sinne vergessen habe zu erwähnen. Falls ich dazu etwas weiß, schreibe ich es dazu. Anderen erzähle ich weniger Details oder nur die Eckdaten, weil es sie überfordern würde und ich ihre Grenzen somit übertreten könnte. Aber letztendlich habe ich keinen Freund, der es nicht weiß. Wie deine Freunde damit umgehen, wirst du selbst am besten wissen und das würde ich individuell abschätzen.

Wenn du es beruflich integrieren möchtest, fänd ich es sinnvoller, wenn du vorher deine Ziele benennst und wie du diese erreichen kannst. Da wären eventuell Dinge, die in der Erziehung wichtig sind, um nicht in eine solche Lage zu gelangen und wie danach damit umgegangen werden kann, sinnvoller als deinen persönlichen Bericht. Diesen könntest du ja nach deiner Veranstaltung immer noch mit ausgeben.

Anonym oder nicht: Ich würde drauf achten, wie du dies mit deinen Söhnen besprechen könntest und ich würde sie nach ihrer ehrlichen Meinung fragen. Dafür müsstest du ihnen aber vorher das Erlebte erzählt haben (in welchen Umfang auch immer). Und ihre Wünsche definitiv mit einfließen lassen. Auch würde ich vorher abklären, ob es negative Auswirkungen auf eine Anstellung im Beruf hat.

Aber generell: Warum solltest du deine Geschichte auch anonymisiert erzählen? Insofern kein Täterkontakt mehr besteht, sehe ich dazu keinen Grund. Es wurde dir angetan, der andere ist in Verantwortung. Warum solltest du es also nicht erzählen?

Mit einem shit-storm müsstest du allerdings zurechtkommen. Dieser wird meiner Meinung nach nicht ausbleiben. Da solltest du vielleicht noch mal in dich reinhorchen, welche Angst dahintersteht.
Das zeigt mir, dass ich momentan wahrscheinlich noch nicht am Punkt bin wo eine Veröffentlichung ansteht. Gleichzeitig tut es mir auch sehr gut, vermehrt darüber zu sprechen und mich nicht mehr zu verstecken.
Wenn du das so siehst, denke ich ehrlich gesagt nicht, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Denn es könnte dich doch noch triggern und gerade, wenn man andere versucht zwanghaft zu überzeugen, kann es sehr emotional und ineffektiv werden. Aber das muss dich nicht davon abhalten Sprachmemos aufzuzeichnen und dein Erlebnisse zu dokumentieren. Veröffentlichen kannst du sie immer noch.

GLG Aoi

Gastacht

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von Gastacht » Mo Mai 04, 2020 9:20 pm

muss dir mal wieder sprechen aoi. wieso ist der andere denn da in der Verantwortung? stop sagen oder was? und wer traut sich das bei so einem Thema? der hat dann Pech oder was?

wenn ich in einem pädagogisch therapeutischen Rahmen arbeite mit Klienten kann ich nicht meine Geschichte einfach so erzählen. ich hab da eine Verantwortung und zum größten Teil gehört private Erfahrung nicht in dem Rahmen.
kann theras die privaten Kram mit mir bereden nicht ab. das ist in hohem Maße unprofessionell. man kann was andeuten wenn es passt und nach sorgfältiger Reflexion. mehr nicht.

bei Freunden seh ich es im übrigen ähnlich. die sind weniger abhängig von mir und es gibt keine Hierarchie aber auch da muss sich nicht jede ungefiltert Trauma Details anhören. das kann instabile Menschen sehr belasten und das ist ok und ihr gutes Recht. dafür gibt es theras. wenn es jemand wissen will und es ok für mich ist kann ich einzelnes erzählen aber erst dann.
ja das ist ungerecht aber das ist meine Meinung. ich will auch nicht einfach Trauma Details erzählt bekommen.
gastacht

silan
Beiträge: 33
Registriert: Do Jul 18, 2019 9:17 am

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von silan » Di Mai 05, 2020 8:41 am

Hallo Lykka,
ich habe jetzt nicht alle Antworten gelesen, eigentlich nur die ersten, bis du schriebst, dass du im sozialen Bereich arbeiten willst. Vielleicht schreibe ich ja schon was, was hier schon steht. Aber ist mir wichtig auf diesen sozialen Bereich einzugehen.
Ich kann dir da nur abraten. Das hat verschiedene Gründe,
Erstens wirst du schnell als vorbelastet und dadurch inkompetent abgetan, als eine die ihre eigene Geschichte abarbeiten will auf kosten derer, die Hilfe suchen. Ich will nicht sagen, dass es so ist, aber so wird häufig gedacht.
Zweitens machst du dich verletzlich gegenüber Menschen, die oft auch in den Täterbereich gehören, denn wenn jemand Hilfe benötigt, gibt es oft auch auslösende Personen, die dir dann ebenfalls nah kommen können (Eltern, Partner, Lehrer, Freunde der Hilfesuchenden etc.pp) Für diese Personen machst du dich angreifbar und es könnte passieren, dass du dann nicht mehr in der Lage bist, dem hilfesuchenden beizustehen, weil du mit dir selbst beschäftigt bist.
Drittens kann (nicht muss) deine eigene Geschichte auch etwas antriggern bei den Hilfesuchenden, die zu dir kommen, so dass diese ungewollt von dir retraumatisiert werden und so schlechter als es sein muss mit ihrer eigenen Sache zurechtkommen.
Und viertens, du musst dich selber auch vor deiner Geschichte schützen. Du erzwingst mit solch einer Veröffentlichung eine Ausenandersetzung, zu der du vielleicht noch gar nicht wirklich bereit bist. Nicht ohne Grund läuft es heutzutage in der Traumatherapie so, dass man sich Traumainhalte nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur in einem sehr begrenzten Rahmen ansieht. Du läufst in Gefaht dich abzuschießen, wenn du nicht stabil genug bist, damit umzugehen.

Du kannst auch anders zeigen, dass die bei dir hilfesuchenden nicht aleine mit ihrer Geschichte sind. Im sozialen Bereich zu arbeiten bedeutet nicht, zum Schweigen verdammt zu sein. Doch du solltest bei jedem Klienten genauestens abwägen, was und wie viel davon du preis geben solltest. Traumainhalte gehören allerdings nicht dazu.

Vielleicht kannst du ja was damit anfangen?

Liebe Grüße

aoi
Beiträge: 379
Registriert: Sa Dez 01, 2018 2:42 pm

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von aoi » Di Mai 05, 2020 5:22 pm

@Gastacht,

meinst du den Abschnitt???
aoi hat geschrieben:
Mo Mai 04, 2020 8:42 pm
Aber generell: Warum solltest du deine Geschichte auch anonymisiert erzählen? Insofern kein Täterkontakt mehr besteht, sehe ich dazu keinen Grund. Es wurde dir angetan, der andere ist in Verantwortung. Warum solltest du es also nicht erzählen?
Mit "der andere" ist hier der Täter gemeint, der sich dazu entscheidet, Personen zu vergewaltigen oder sonstigen MB mit zu integrieren und ja, der ist in Verantwortung für seine Tat. sicherlich ist nicht das Opfer in Verantwortung. Mehr meinte ich da mit Verantwortung nicht :wink:

Vielleicht könnte man noch hinzufügen: Es wurde dir angetan. Dem Opfer trifft keine Verantwortung. Der Täter ist in Verantwortung. Und auch wenn (damals) ein Schweigeverbot bestand, es liegt in der Verantwortung des anderen. Und daher darfst du gerne reden 8)

Gastacht

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von Gastacht » So Mai 10, 2020 9:44 am

boa lykka. erst sich beschweren dass keine Antwort kommt und nun nicht mehr schreiben. so was liebe ich. wirklich. :roll:

Wildi
Beiträge: 256
Registriert: Fr Feb 09, 2018 4:32 pm

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von Wildi » So Mai 10, 2020 11:02 am

Mich persönlich interessieren solche Berichte von Betroffenen nicht. Ich hab mit meiner eigenen Geschichte genug zu tun und brauche nicht noch Details von anderen, die mich dann belasten.

Im Gegenzug frage ich auch immer vorher, ob jemand belastbar ist und sich etwas von mir anhören kann und mag.

Wichtiger finde ich die jeweiligen Perspektiven, die daraus erwachsen: Was sind konstruktive Strategien für den Umgang mit dem Erlebten? Welche politische, sozialen Änderungen müssen eintreten, um bestimmte täterbegünstigende Umgebungen zu vermeiden? etc.

Eine Betroffene als Therapeutin würde ich als Betroffene persönlich nicht akzeptieren.

Das sind meine Gedanken zum Thema.

Gastacht

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von Gastacht » So Mai 10, 2020 7:25 pm

haha du bist ja lustig wildi.
ca 10 Prozent aller theras haben schwere Traumata. evtl hast du also eine solche thera ohne es zu wissen.
finde deine Aussage merkwürdig. oder meinst du du akzeptierst nicht wenn sie drüber redet. das kann ich verstehen.
gastacht

Wildi
Beiträge: 256
Registriert: Fr Feb 09, 2018 4:32 pm

Re: Geschichte veröffentlichen

Beitrag von Wildi » So Mai 10, 2020 9:06 pm

Bitte rede nicht so mit mir, Gastacht. Ich bin nicht "lustig".
Du kannst meine Aussage merkwürdig finden, wie du sagst, aber ich bitte dich trotzdem, auf deinen Umgangston mir gegenüber zu achten.

Antworten