Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

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lindsey
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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Mi Mai 27, 2020 9:25 am

Guten Morgen aoi,

Joa geht okay. Ich bin zurzeit morgens immer total gerädert, schlafe aber auch nicht durch und habe sehr lebhafte Träume oder Alpträume. Wobei das wohl auch ein Zeichen des Unterbewusstseins für Verarbeitung ist. Also will ich mich nicht beklagen.

Wenn die anfängliche Erschöpfung des Morgens vorbei ist, habe ich aktuell etwas mehr Energie. Glaub vor nem guten Monat hatte ich das letzte Mal so viel Energie. Habe gestern Mal die Wohnung sauber gemacht und war 8km laufen. Gestern Abend hatte ich dann ein Tinder Date. War okay, aber passt nicht. Naja Geduld! Aber immerhin bekomme ich mich aktuell zu so etwas motiviert. Alles sehr dosiert und achtsam mit ganz viel Zeit für mich selbst.

Gestern Abend kam Mal wieder die nächste Runde - Tag 18 Emotionen raus lassen. Immer noch die Wut. Ja du hast Recht, ich bin gerade auf einem guten Weg! Danke! Ich will das Trauma aber nun endlich verarbeiten und nehme dafür einiges Kauf, auch wenn mich das teilweise schlaucht und echt mitnimmt. Aber lieber so, als ein weiteres Jahr sinnlos auf der Stelle drehen und kämpfen. Morgen werde ich 31 - wie die Zeit so rast!

Ich denke das ist der richtige Weg!

@erbse schön dass mein Geschreibsel motivierend wirkt 😉

LG lindsey

lindsey
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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Fr Mai 29, 2020 1:28 pm

Gestern war ein wunderschöner Tag! Ich habe den ganzen Tag mit meinen Eltern verbracht, trotz social distancing und Masken für Umarmungen. Es war so harmonisch wie selten. Hat gut getan! 😊❤️

Naja und heute schlägt die Realität wieder zu. Hatte Mal wieder meinen wöchentlichen Telefon Thera Termin, der seit dem Zusammenbruch stattfindet.
Ich habe großes Lob für meine Fortschritte bekommen. Wir haben auch besprochen, dass ich gerade ziemlich geballt dem gegenüber stehe, was ich an Emotionen in der Vergangenheit nicht zugelassen hatte. Es kommt aktuell ziemlich viel hoch, was wir in Hypnose schon Mal bearbeitet hatten. Ich hatte jedoch bei einigen Themen danach definitiv nicht alles raus gelassen und auch zwischen den Sitzungen teilweise gekifft.... 🙄 Naja... Selbst Schuld... Ist jetzt so. Er macht mir auch keine Vorwürfe oder so. Ich verstehe ja mittlerweile, was er meint und monatelang gepredigt hatte. Also muss ich da jetzt eben in geballterer Form durch.

Und Emotionen wirklich klar zu spüren und diese im Körper wahrzunehmen ist ein riesen Fortschritt. Manche brauchen halt länger als andere meint er. Ich bin wohl ein harter Brocken. Naja dessen bin ich mir ja bewusst... 🤪

Es ging wieder um das Thema Vergebung. Und ja gedanklich bin ich dem Thema definitiv deutlich näher gekommen in der letzten Woche. Trotzdem sieht ein innerer Anteil in mir das ganze komplett anders. Ich würde es Mal als Fortschritt bezeichnen, dass ich in nem Thera-Gespräch anfange zu weinen. Das wäre früher auch unmöglich gewesen. Also geht es wieder eine Woche länger - alles mit dem Hinblick endlich vollkommen loszulassen, um endlich frei zu werden. Es haben sich 2 Themen im Gespräch rauskristallisiert, die mir so auch erst jetzt richtig bewusst sind. Gespiegelt werden ist schon echt gut!

Thema 1: Tiefer Hass auf den Täter. Ich wünsche ihm den Tod! Aussage Thera - wer so voller Hass ist, wird irgendwann innerlich aufgefressen und kann definitiv nicht vergeben und loslassen. Dem stimme ich zu. Wieso hat der so oft Recht? 🙄

Thema 2: Schuldgefühle. Ja.... Das hatte sich in einem meiner emotionalen Ausbrüche der letzten Woche gezeigt. Ganz tief versteckt in mir drinnen, gebe ich mir selbst die Schuld. Vor allem aber die Schuld dafür, dass ich nicht mehr getan habe, dass man mir in der Situation des MB hilft. Ich hätte in mindestens einer Situation nur laut schreien müssen und man hätte mich gehört. Mir ist vollkommen klar, dass ich keine Schuld habe und dass ein traumatisiertes, vierjähriges Kind, gelähmt vor Angst ist, wenn es vom Täter aus dem Bett geraubt wird. Klar... Und trotzdem ist das Gefühl, ganz tief in mir drinnen, vorhanden.

Habe nun wieder Hausaufgaben bekommen. Nun also 2 Mindmaps zu den Themen erstellen & auch in einen Briefumschlag packen. Ziel ist es diese und den "Brief an den Täter" zu verbrennen und sich mit der Kraft der Symbole zu lösen. Ja stimme ich zu. Gehe ich voll mit. Will ich auch. Geht nur noch nicht....

Er meinte, dass ich jetzt nochmal eine Woche habe und dann muss endlich klar sein, wo und wann ich den Brief verbrenne, sonst fährt er mit mir irgendwo hin und wir machen das gemeinsam. Hmmm ja das hatte ich früher schon Mal geschrieben, dass ich das gut fände. Aber dabei ist mir trotzdem ganz anders geworden. Ich finde das ja eigentlich schon gut. Das bedeutet nur, dass ich dann nicht mehr weglaufen kann.....

Wovor habe ich nur solche Angst? Ich weiss es nicht.... Hat er mich heute auch gefragt.... Mir kann ja eigentlich nichts passieren. Im besten Fall werde ich dadurch tatsächlich deutlich freier. Er hat um die 30 ehemalige Trauma-Patienten, die teilweise sogar Folter und noch viel schlimmeren MB als ich erlebt haben. Seither sind sie befreit. Ich weiss innerlich, dass das auch wirklich der Weg ist und mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich dann frei bin. Ich will frei sein!!!!! Was hindert mich daran? Ich habe keinerlei Gewinn dadurch, es nicht zu sein.
Wovor habe ich nur solche Angst????....

lindsey
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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Sa Mai 30, 2020 9:46 pm

Gestern Nachmittag hatte ich die Mindmap zum Thema Schuld erstellt und einfach, ohne gross nachzudenken, die Punkte aufgeschrieben Mit überraschender Erkenntnis.

An erste Stelle habe ich geschrieben: "ich bin Schuld, dass xxx mich vergewaltigt hat". (Ich dachte immer, dass ich mir dafür nicht die Schuld gebe. Ein innerer Anteil hat das aber noch nicht vollkommen begriffen.)
Ich gebe mir auch die Schuld dafür, dass ich mich nicht noch mehr gewehrt habe und nicht noch aktiver um Hilfe gerufen hatte. Genau wie die Schuld, dass in der MB Erinnerung auch Gefühle sexueller Erregung vorkommen. Genauso trage ich die Schuld, dass ich als Kind so oft nicht den Erwartungen meiner Eltern an mich gerecht werden konnte.

Interessant das so zu lesen. Mein Verstand sieht es nämlich anders. Mir ist grosses Unrecht angetan worden und ich kann nichts dafür! Auch dieser Zettel ist nun erstmal verschlossen in einem Briefumschlag und mir ist nochmal viel klarer, dass ich für all die Dinge, für die ich Schuld empfinde, nicht verantwortlich bin. Visualisierung hilft. Der Akt des Verschließens und Ausser Sichtweise packen des Briefes ist tatsächlich wieder befreiend. Wieder etwas, was einfach erstmal sein darf, aber nicht mehr in mir drinnen sein muss.

Gestern Abend habe ich es dann noch mit dem Skill der Selbsthypnose und einer riesen Portion Mut geschafft, mich der Angst zu nähern! Puuuuhhhh heftig! Ich mag es nicht wenn ich das Gefühl habe zu ersticken, oder das Gefühl von Panikattacken sich anstaut. Aber wer mag das schon. Wieder einen großen Schritt weiter! Quittiert wurde der Schritt mit Alpträumen.

Heute hatte ich einen "freien Tag". Paintball mit meiner besten Freundin und Kraft tanken. Der Thera wollte auch, dass ich heute etwas Schönes mache und das war sowieso schon geplant. Wirklich schön! Kopf frei, tolles Wetter, nette Leute und Bewegung an der frischen Luft. Jetzt tut alles weh... Naja und ein paar blaue Flecken hat das Krieg spielen auch hinterlassen. :lol: Ausgelassenheit ist schön und gibt neue Kraft! Morgen darf ich dann die Hausaufgabe zum Thema "Hass" bearbeiten. Bin gespannt was die Büchse der Pandora noch so zu bieten hat!

Und noch was zum stolz sein - ich habe vorab bereits gesagt, dass ich kein Cannabis möchte. Und wir hatten auch nochmal ein sehr offenes Gespräch. Sie unterstützt mich und meinen Weg! 😊

lindsey
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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » So Mai 31, 2020 8:32 pm

Anstrengender Scheisstag!!!!

Ich habe mich dem Hass genähert. Keine Ahnung, ob mich das jetzt weiter gebracht hat.

Heute viel geweint und jede Menge Schmerz gespürt. Ja ich will das loslassen... Aber ich kann mich nicht davon lösen. Er hat mit dem MB die kleine Kinderseele ermordet und mich so tief und nachhaltig verletzt, dass ich mein Leben lang so sehr gelitten habe.

Auch wenn mein Thera sagt, ich muss mich von dem Gefühl lösen, denn sonst frisst es mich innerlich auf... ICH HASSE DIESES SCHWEIN AUS TIEFSTER SEELE!!!! 😠 Ich will dass er tot ist! Es ist so ungerecht, dass ich leide und er einfach frei ist, während ich mein Leben lang gezeichnet bin!!!!

Und der Scheiss hat dazu geführt, dass ich wieder in das Gefühl der Depersonalisation gerutscht bin. Ich dachte das läge hinter mir.... Konnte zum Glück Skills anwenden und bin jetzt wieder klar. Es nervt!!!! Ich bin frustriert und wütend! Alles zum Kotzen! Scheiss Emotionen! Scheiss Vergangenheit! Scheisse, dass mich dieser Kack einfach nicht loslässt! Ich will doch einfach nur normal sein!!!!!

Und es ist auch Scheisse, dass das hier alles in Kack Wellen kommt und man denkt es geht mal besser und bäääm dann knallt es einfach wieder richtig! So ne scheiss Lebenszeitverschwendung!!!! 😡

Gastacht

Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von Gastacht » So Mai 31, 2020 10:53 pm

hallo lindsey

finde das mit den Emotionen raus lassen super aber weisst du was mich irgendwie stutzig werden lässt... bitte seh das nicht als Angriff...

du hast jahrelang verdrängt gekifft etc.
nun löst sich das seit 3 Wochen und du hast extreme Emotionen was gut ist... und ich wünsche dir auch nicht dass das so extrem anhält und ich glaube das auch nicht...
jeder weg ist anders aber ich finde es irgendwie krass merkwürdig auch von deinem thera dir so druck zu machen von wegen dann und dann verbrennen und dann und dann lösen.. empfinde das wieder als emotionalen MB irgendwie.

du hast doch dein Tempo! und so was ist doch ein Prozess in Phasen und Wiederholungen etc.
sollst du jetzt in 4 oder 6 Wochen für immer mit allen Emotionen durch sein? zack verbrennen und das wars?
ich glaube nicht dass das in 4 oder 6 Wochen geht...

also das klingt durch sowohl von dir aus als auch vom thera... da ist soviel Ungeduld und Druck.
und ich glaube nicht dass das gut ist und dass die Seele so funktioniert...
es dauert so lang es dauert... und hab auch schon öfter was verbrannt etc. das war meiner Seele meist herzlich egal wenn das Thema noch nicht durch war...

liebe Grüße
gastacht

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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » So Mai 31, 2020 11:09 pm

Schon wieder ein Heulkrampf. Zum Kotzen einfach alles zum kotzen!!!!!!!!!!

Keine Ahnung gastacht. Ich weiss es auch nicht.

Ich will nicht mehr leiden müssen. Ich will einfach nicht mehr leiden müssen. Ich hasse das Leben!

Scheiss Kack kämpfen. Immer kämpfen müssen. Ich bin es so leid zu kämpfen!

lindsey
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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Mo Jun 01, 2020 10:34 am

Fast 11 Std geschlafen - natürlich mit Action und Alpträumen und wach werden. Aber ich bin wieder klarer als gestern.

Ätzende Kack Scheisse das ganze!!!!

@gastacht
Ja keine Ahnung was der Thera damit bezwecken möchte. Fakt ist aber, dass das Thema Wut und Hass nicht durch sind. Und da kann ich auch ein 10m hohes Lagerfeuer, oder nen Waldsbrand machen, was voll für die Katz wäre. Das sieht er aber auch genauso.

Es geht nicht 3 Wochen so sondern mittlerweile schon seit 5 Wochen. Glaub das war um den 23.04. als sich die Schleusen geöffnet haben. Der Emotionen-Tsunami.... 🙄 Zwischendurch immer Mal wieder ein paar Tage "Pause" an denen es in mir gearbeitet hatte. In Summe 21x Emotionale Explosion. Ich mag nicht mehr! Scheiss All-In gehen....

Glaube der Vorteil, der dadurch entsteht dass der Thera etwas Druck ausübt, ist dass ich halt jetzt weiter Versuche loszulassen was da ist. Trotzdem.... Mag langsam nicht mehr.... es ist anstrengend!!!!

Ja ich fühle mich heute etwas befreiter - aber seit ich den Mist zulasse habe ich einfach so viele Tage an denen ich gar nichts mehr hinbekomme, weil der Mist in mir drinnen, mir die ganze Kraft raubt.

Ich fühle mich demotiviert und frustriert und immer noch sooooo wütend!!!! Und ich weiss, dass da heute wieder was kommt.... Ich bin müde zu kämpfen!

Gastacht

Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von Gastacht » Mo Jun 01, 2020 11:49 am

hi

ja und genau das meine ich...
du bist fertig... das geht zu schnell....

stopp. einfach stopp.
achte auf dich.
nur auf dich und nicht auf das was der thera dir für komische Vorgaben macht...
5 wochen sind so extrem wenig. im ernst. und genauso 12 Wochen... das ist doch wenn es gut läuft ein pendeln... verdrängen Emotionen Pause Emotionen keinen Bock hinzuschauen verdrängen Emotionen... das geht normalerweise über mehrere Jahre... und wenn man es so macht ist es auch besser aushaltbar und regulierbar.

klar sollst du nicht wieder kiffen aber du darfst es auch 2 Wochen wieder verdrängen oder 2 Monate...wenn das hilft nicht zusammen zubrechen...
du musst eben nicht all in. ist das sein Ausdruck? was soll das bringen? das ist wie eine Dauer hard core emdr finde ich.

loslassen kannst du doch auch ohne Druck... in deinem Tempo. weil es für dich dran ist...
versteh echt nicht was das soll ausser Überforderung
er hat kein Recht da irgendwas vorzugeben.

und andererseits ist es gut dass du dich dem endlich stellst. aber eben in deinem Tempo.
du kannst es auch stoppen wenn da was kommen will.
gastacht

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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Mo Jun 01, 2020 12:19 pm

Kontrollverlust. Depersonalisation.

Zittern am ganzen Körper. Kann nicht mehr aufstehen. Weinen. So war das vor drei Wochen.

Es hört nie auf...

Ich war wirklich motiviert... Woher soll ich die Kraft nehmen wenn es alles für den Arsch ist?

Ich will tot sein...

lindsey
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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Mo Jun 01, 2020 1:38 pm

Grosses Riesen-Stopp!!!!!

Zum Depersonalisation mit Medis stoppen gibt es im Internet eher wenig positive Berichte. Aber innere Anspannung, zittern, emotionale Aufgewühltheit, Suizidgedanken - das kann man stoppen. Und das habe ich jetzt getan!!!
Es war mir zu viel. Ich will nicht wieder dahin, wo ich vor 3 Wochen war und den ganzen Tag abwesend auf dem Sofa vor mich hin vegetieren.

Lösung: 5mg Diazepam. Puuuuhhhh Ich kann durchatmen!!! Danke an meine Hausärztin, die mir das auf Privatrezept verschrieben hat!

Steh zwar noch leicht neben mir, aber bin jetzt zumindest relaxed. Das war mir jetzt zu viel! Genau dafür habe ich Notfall Medis Zuhause! Und der nächste Schritt wäre gewesen, mir selbst wieder weh zu tun. Nein das muss heute echt nicht sein!

@gastacht

3.5 Jahre Therapie. Ich hab langsam genug!!! Ich will nicht mehr! Ich will den Scheiss endlich abschließen! Ich will meine Ruhe und ein ganz normales Leben!!!! Ich will endlich Leben und nicht ständig dunkle Abgründe haben und Phasen in denen ich einfach gar nichts mehr hin bekomme. Es kostet so unendlich viel Zeit und Kraft! Ich will das nicht mehr!!!! Ich will frei sein!!!!

Intellektuell hab ich alles begriffen. Ich habe ein Repertoire an skills. In Eigenregie habe ich auch fast ein Psychologie Studium gemacht, so viel habe ich mir angelesen. Ich habe keine Lust mehr! Ja Emotionen so raus lassen ist noch nicht lange so. Klar. Es scheint notwendig zu sein. aber ich habe das Gefühl es nimmt einfach kein Ende und es kostet so unendlich viel Kraft!!! Ich will endlich, dass es ein Ende hat! Ich verstehe vollkommen was du meinst mit Pendeln. Ich will aber nicht mehr!!!! Alles so was zum kotzen die ganze Scheisse!!!!!

All-In ist mein Begriff, nicht vom Thera. Steht eigentlich bezeichnend für meine innere Entscheidung das zuzulassen, was in mir ist. Und seither kommt ja auch der Tsunami.

Ein Hoch aufs Diazepam!

Gastacht

Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von Gastacht » Mo Jun 01, 2020 2:48 pm

hi lindsey

ja deine Wut ist verständlich...es ist gemein und sch...
auch wenn es kacke ist und gemein klingt...3,5 Jahre sind nicht viel. erst recht wenn es da vorrangig um kiffen und verdrängen ging... das sage ich jetzt so lapidar. ich weiss nicht um was es ging... aber ja da wo du jetzt dran bist das ist ja zum ersten mal richtig hinsehen und beschäftigen mit dem MB. würdest du doch auch so sehen oder?
und da sind eben ein paar Wochen leider nichts...

glaub diese Wut bringt nicht viel. das verbraucht Energie obwohl du sie brauchst.
es ging eben nicht schneller. ich brauchte 5 Jahre thera um mich überhaupt erst zu erinnern und weitere 14 Jahre mit und ohne thera um mich "richtig" zu erinnern.
hätte in der Zeit so viel schaffen und machen können.
aber es ging eben nicht anders. man kann nix dran ändern.
kenn einige mit MB Erfahrung und meine Erfahrung ist immer dass die eben "Umwege" machen... es dauert
.eine freundin kämpft seit 11 jahren mit extremer Anorexie
jetzt erst kommt sie ans Trauma...

ich will damit nicht sagen stell dich nicht an sondern dir eben nur sagen dass es normal ist dass es viel Zeit braucht...und man leider es nicht beschleunigt wenn man darüber wütet...es ist eben so.
so hart das ist.
gastacht

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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Mo Jun 01, 2020 4:26 pm

Danke für dein Feedback.

Am MB arbeite ich jetzt seit 9 Monaten. Ja das ist vielleicht nicht viel. Dem geht aber ein Leben von Leiden voraus. Und seit 3.5 Jahren bearbeite ich Sucht, Depressionen, Glaubenssätze, Themen mit meiner Familie etc.

Die MB Wunde ist offen. Und die lässt sich nicht mehr verschließen und einfach wegdrücken. Wenn es bedeutet, dass einem "Hinsehen" noch 15 Jahre Therapie folgen, dann ist es das nicht mehr wert. Jeder Mensch ist anders. Sicher doch. Und niemand kann sagen wie lange es tatsächlich dauert. Und es kann sein, dass ich mit der "All-In" Einstellung vielleicht auch einige Themen viel schneller angegangen bin.

Wut und Hass wurden auf jeden Fall ausgegraben. Die waren nie präsent und richten sich jetzt gegen den Täter, aber auch die Wut darauf, dass es nicht einfach Mal gut sein kann! Und auch gegen mich selbst.

Wenn diese Phasen von Depersonalisation und diesen krassen Tiefs, die mich immer wieder mit voller Breitseite erwischen, nicht bald erheblich besser werden, dann mag ich nicht mehr. Ja damit Verstosse ich jetzt vielleicht gegen Foren Regeln - aber egal.

Genau das werde ich diese Woche auch in der Therapie kommunizieren. Ich erkenne keinerlei Wert in einem solchen Leben, auch wenn ich rückblickend jede Menge erreicht habe. Und das schreibe ich aus vollster Überzeugung trotz Diazepam, was Suizidgedanken bei mir ziemlich effektiv bekämpft.

Ein Leben, was auch in den nächsten Jahren aus jeder Menge kämpfen ums Überleben besteht, werde ich nicht mehr Leben! Bilanzsuizid.

Gastacht

Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von Gastacht » Mo Jun 01, 2020 5:05 pm

was heisst denn gut sein?
es wird ja nie weg sein...

du willst ein besseres Leben und das versteh ich. und hatte mir schon gedacht dass die 3,5 jahre kacke waren uch wenn es erst um Familie ging. da gab es ja auch viel hartes.

klar kannst du dich für Suizid entscheiden.
aber ich habe das Gefühl du bist da manchmal schwarz weiss und sehr extrem. all in zack und dann ist gut.
15 Jahre mit thera könenn gut und lebenswert sein. ob man thera macht oder nicht können doch kein Kriterium sein ob Die Zeit lebenswert ist oder nicht.
komplex trauma ist eben chronisch. lebenslänglich. dh nicht dass man immer leidet erst recht nicht so wie du gerade..
aber zu glauben es sei nach der besten Trauma thera dann irgendwie vorbei nein ich glaube das ist nicht realistisch.

es kann ja gut sein besser aber eben nicht perfekt oder alles weg. verstehst du was ich meine?
luise reddemann sagte mal es gebe Besserung. heilen täte für sie nur der liebe Gott.
man kann gut mit Leben...

diese Tiefs hast du seit 5 Wochen...
wieso sollte es nicht besser werden? vor allem kannst du es ja selbst beeinflussen... du bist dem nicht passiv ausgeliefert.
das bist du vielleicht nur wenn du zack zack es durch haben willst...du kannst stopp sagen. dich ablenken etc.
nur dass muss in der all in welt auch erlaubt sein...
wenn das nicht geht hat das aber weniger mit dem MB als mit Ungeduld und einem Irren hohen Anspruch an dich zu tun...
und einem Anspruch wann es eben wie gut sein soll. was immer das auch für dich heisst...
so etwas gibt es glaub in dieser Welt nicht. Planung. durchziehen. egal ob mit Trauma oder ohne..
gastacht

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Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von lindsey » Mo Jun 01, 2020 8:31 pm

Ich wünsche mir ein lebenswertes Leben ohne Suizidgedanken. Ohne Phasen des totalen Rückzugs und der totalen Kraftlosigkeit, weil nichts mehr geht. Ich wünsche mir in meinem Leben Kraft und Energie, um soziale Kontakte ausreichend zu pflegen. Ich wünsche mir eine stabile und gesunde Partnerschaft und langfristig Kinder. Diese Kinder sollen aber nicht mit einer Mama aufwachsen, die psychisch nicht stabil ist und immer wieder Phasen hat, in der sie von der Welt einfach verschwindet. Weil eben nichts mehr geht. Wenn Ich die Verantwortung für andere Menschen trage, dann ist das nicht möglich.
Ich habe Suizidgedanken so lange ich denken kann. Die dunkle Wolke schwebt schon immer über mir. Dank des Theras hatte ich in den letzten Jahren immer länger Phasen ohne. Und trotzdem kehren diese Gedanken zurück. Sie sind wieder da und umschließen mich.

2017 hatte ich den Antrieb - noch ein Jahr kämpfen und wenn sich nichts ändert, dann gebe ich auf. Ja es hat sich etwas verändert. Deswegen bin ich ja immer noch am Kämpfen und Stelle mich mit jeder Menge Mut den Dingen, die mich in die Knie zwingen möchten. Ich bin so oft wieder aufgestanden.

Und ich bin müde. Ich weiss nicht, ob es sich lohnt, für ein Leben zu kämpfen, das aus Schmerz und Leid besteht. Aus tief Fallen. Aus Einsamkeit und Schmerz.

Vielleicht ist es schwarz weiß wie ich die Welt sehe. Aber ist ein Leben ohne Suizidgedanken denn wirklich ein überhöhter Anspruch? Ist es wirklich zu viel verlangt wenn man sich wünscht, nicht alle paar Wochen in der Dunkelheit zu versinken? Ist es das wirklich?

Ja vielleicht sind meine Ansprüche an die Geschwindigkeit der Heilung überhöht. Vielleicht ist es aber auch einfach genau diese Seite von mir, die in der letzten Zeit einfach wieder laut wird. Die Seite, die verantwortlich dafür ist, dass ich schon wieder einen Abschiedsbrief geschrieben habe. Der zweite in diesem Jahr. Die Seite, die einfach nicht mehr den Mut und die Kraft hat, noch so viel länger zu kämpfen. Wofür stellt sich innerlich die Frage. Ja es gibt immer wieder Momente in meinem Leben, in denen ich mich ablenken kann. Und dann holt mich die Realität ein.

Was hat sich in der letzten Zeit verändert? Es fühlt sich okay an, wenn ich aufhöre zu kämpfen. Wenn ich mir eingestehe, dass ich den Kampf eben doch nicht gewinnen kann und niemals ein Leben mit Leichtigkeit führen kann. Und irgendwie fühlt es sich gut an. Mich erschreckt es nicht mehr und ich habe keine Angst mehr davor.

Gastacht

Re: Einen Raum, um mich selbst zu sortieren

Beitrag von Gastacht » Mo Jun 01, 2020 8:51 pm

mmh das verstehe ich und das ist nicht überhöht.
aber zwischen Suizid und ein Leben in Leichtigkeit gibt es ja noch graue Töne...das mein ich mit schwarz weiss. eben zb ein Leben ohne s Gedanken und kaum Rückzug aber eben auch mal trüben Tagen und Wochen...
ich denke so was ist möglich. und lebenswert. wenn man seinen Anspruch an seine Geschichte anpasst.
meine thera sagte als ich mich letztens zum kotzen fand... im Vergleich zu gesunden ohne MB ist ihr leben nicht so wie die es haben ja.. aber sie müssen sich eben mit denen mit MB vergleichen...so weh das tut. vielleicht hilft dir das auch.

und ja genau der Anspruch an die Geschwindigkeit die finde ich stark überhöht.
bin auch oft ungeduldig. aber du bist gerad mal seit einigen Wochen in dieser neuen Entwicklung. und die ist doch gut
jetzt aufzugeben nur weil es eben nicht 12 Wochen dauert sondern länger...das kann ich ehrlich gesagt nicht ganz verstehen. muss ich auch nicht.

nein für ein Leben aus leid zu kämpfen lohnt sich nicht. aber wer sagt denn dass es so bleibt??? du bist doch gerade auf dem besten Weg dass sich das ändert.

klingt jetzt fies aber würde mal überlegen vielleicht auch mit dem thera ob der s druck auch z.t. (!) daher rührt dass du diesen krassen Anspruch an dich hast.
wenn du ein bisschen sagen kannst es ist ok so ich bin auf dem weg es entwickelt sich gerad gutes und ich darf auch auf dem weg sein vielleicht würde das helfen. statt so Sätzen wie bald muss es rum sein und dann Leichtigkeit... ich überspitze jetzt aber mit diesem Konstrukt bleibt ja kaum Raum für Entwicklung. da würde ich auch an Suizid denken...
gastacht

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