Tagebuch - Therapie von Mind-Control

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Summer
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Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Summer » Sa Mär 28, 2020 9:49 pm


Ich werde keine Details beschreiben, und Trigger vermeiden, aber natürlich Dinge andeuten oder ansprechen, und je nach Thema kann selbst was Harmloses für jemanden heftig sein! Deswegen will ich darum bitten, dass ihr beim Lesen auf euch aufpasst.

Zur Sache:
Ich habe letztes Jahr entdeckt, dass ich Überlebende eines Kultprogrammes bin, und wenn ich 'sie' erwähhne, meine ich eben diese Täter. Ich führe ein Tagebuch über das, was ich an und in meinem System arbeite, und als ich heute meinen Eintrag geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass es vielleicht anderen auch helfen könnte. Also, zu lesen, wie man mit der Zeit immer mehr über sich und sein eigenes System entdeckt, wie Anteile sich verhalten und wie man mit ihnen kommuniziert. Natürlich gibt es dazu gute Fachbücher, und wenn ich erwähne "ich hab was gelesen" dann meine ich das Buch "Werde wer du wirklich bist" von Allison Miller. Aber wenn man das aufschlägt, muss man auf Trigger gefasst sein, und es ist eher informativ als praktisch anleitend.
Ich nutze sogenannte "Energiearbeit", also anstatt Anteile über Erinnerungen zu suchen, suche ich sie über die Traumatische Energie, die in meinem Körper festsitzt und die sich lösen kann, ohne dass man was erinnern muss (siehe dazu Autor Peter Levine).

Nun ja, natürlich ist es jetzt mitten aus der Mitte gegriffen und ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich jemand lesen möchte. ich poste einfach mal was und warte auf Reaktionen...

------------- Eintrag 28.03. ---------------------

Nachmittags ging es wieder ins System. Ich habe mit einigen Ritualanteile kommuniziert, einen entdeckt, konnte aber noch nicht in Sicherheit gebracht werden. Das Signifikante geschah dann aber, als ich damit fertig war. Ich wollte zur Beruhigung eine bestimmte Geste auf meinem Kopf machen. Mir ist schon öfters aufgefallen, dass ich das mache in dieser Situation, und da ich mal gelesen hatte, dass es auch eine Art Befehl oder Programmierung sein könnte, dachte ich, was passiert, wenn ich es nicht mache? Also hab ich mich zurückgehalten, und uoh, das hat sie in Aufruhr versetzt. Sie wollten es unbedingt tun, und zwar, um zu verschwinden. Sie haben mich angebettelt, das zu machen, denn sonst würde etwas sehr Schlimmes passieren. Sonst würde ich mich an Dinge erinnern, die gefährlich sind, die nicht da sein dürften. Ich habe gesagt, egal, ich will alle Teile von mir haben. Und sie meinten, nein, diese nicht, warum denn, das macht keinen Sinn, lass es einfach.

Ich musste meinen Arm festhalten, damit er die Geste nicht macht. Die Geste bestand daraus, am Haaransatz in der Mitte mehrere Finger nacheinander abzusetzen, in Richtung Hinterkopf. Ich weiß nicht, mir kam es so vor, als wäre das der Code dafür, entweder in die andere Hirnhälfte zu wechseln oder die Hälften zu trennen. Denn als ich es nicht gemacht habe, und die Energie sich gelöst hat, hat sich eindeutig etwas im Kopf verbunden. Das hab ich gespürt, und ich hab es auch daran gemerkt, dass ich mit beiden Augen gleich viel Farbe wahrgenommen habe. Das tue ich nämlich nie, es ist immer eines da, wo alles kühler und farbloser wirkt. Oft überprüfe ich, so welches Auge nimmt denn heute mehr Farbe wahr? Und immer ist war es bisher eben ein Unterschied.

Es kamen dann ein paar Erinnerungsfetzen hoch, die ich noch nicht kannte (und die keine Ausmaße hatten), aber tatsächlich kamen Anteile hervor, die Lebensfreude in sich trugen und noch Hoffnung hatten! Natürlich wollten sie, dass ich die nie finde! OMG. Das Gefühl kannte ich nicht, ich hab mich im Spiegel gesehen, also sie haben es und gesagt oh wir sind erwachsen!, und haben mein Spiegelbild angestrahlt, freudig eben! Nur kurz, denn dann kamen andere raus und wollten sie abhalten. Aber da ich wieder die Geste nicht gemacht habe, konnten sie sie nicht ganz vertreiben. Nun ist das noch nicht ausgetragen, vor allem später wenn ich schlafen gehe, kann es sein, das ich die Kontrolle verliere und sie es schaffen, die Geste zu machen. Aber das ist okay, denn ich weiß jetzt, wie wichtig es ist, die nicht zu machen, es ist nun in meinem Bewusstsein gespeichert.

Etwas ist mir auch aufgefallen. Als sich traumatische Energie gelöst hat, konnte eben Lebensenergie fließen, und zwar in die andere Richtung. Da ist mir aufgefallen, dass an dieser Stelle wo die Geste zu machen ist, ein Hauptmeridian ist - Zufall oder wussten sie es? Da sie den Fluss der Energie auch rückwärts gesteuert haben. Also, ich denke, diese Leute haben eine lange, okkulte Tradition, das kann kein Zufall gewesen sein. Die wissen eben Dinge, und sie nutzen sie gegen ihre Opfer.
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Wildi
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Wildi » Sa Mär 28, 2020 10:01 pm

Hallo Summer,

ich bin nicht betroffen, finde die Schilderung aber unglaublich interessant. Ich werde bestimmt weiter mitlesen.

ich mache Somatic Experiencing als Traumatherapie, und da konnte ich auch schon erleben, wie sich im Körper etwas neu gestaltet bzw. die Verbindungen neu geschaltet werden.

Herzlich
Wildi

gastacht

Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von gastacht » So Mär 29, 2020 10:35 am

hallo summer,
schön dass du zurück bist.
ich finds wahnsinn wie du das allein machst und weiter kommst. wirklich toll. ich würde mich das allein niemals trauen.
das liest sich wirklich faszinierend
liebe grüße
gastacht.

SophiawirdErwachsen
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 30, 2020 8:09 pm

Hallo Summer,

echt toll wie du das hinbekommst. Ich les dich gerne weiter...

Alles Liebe
Sophia

Summer
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Summer » Mo Mär 30, 2020 9:05 pm

Hallo ihr! Danke für die Rückmeldungen. :D

@Wildi, ich glaube er nennt es sogar Somatic Experiencing. Genau kann ich es aber nicht sagen, denn ich hab nur ein Buch gelesen, eins seiner ersten, und danach seine Arbeit nicht mehr weiter verfolgt.
@gastacht, ich hab gar keine andere Möglichkeit. Einmal weil ich noch keine dieser Art von Therapie hier gefunden habe, aber vor allem, weil ich viele Anteile habe, die es verhindern, mit jemanden über die grundlegenden Dinge zu reden, um die es geht und die angesprochen werden müssen, um zu heilen! Es gibt verschiedene Dinge, die passieren, wenn ich das versuche, Panikattacken, Stimmverlust, und wenn ich nicht aufgebe Suizidgedanken. So bleibt mir nichts anders übrig, als es alleine anzugehen! Und ich glaube, jeder Mensch hat eine Selbsheilungsfähigkeit... Was nur fehlt, sind Ermutigungen und Beispiele, was zu tun ist. :wink:
@SophiaWirdErwachsen: Danke und jetzt geht es weiter. Auch wenn ich noch überlege, ob es nicht sinnvoller wäre, eher Einträge vom Anfang hier zu posten, da ich jetzt schon weit bin und gerade die anfänglichen besonderen Schwierigkeiten bei der Arbeit mit so einem inneren System überwunden habe. Dazu müsste ich aber erst mal selber lesen, was ich letztes Jahr verzapft habe und gucken, ob ich es veröffentlichen möchte :mrgreen:

-------------------- Eintrag vom 29.03.------------------------
Heute ging es weiter mit der Hirnhälften-Sache. Weiß auch nicht genau, was da eigentlich vorgeht, aber auf jeden Fall etwas Gutes. Heute Nacht zum Beispiel gab es mehrmals die Situation, dass mein Körper ins System gehen wollte, aber es ging nicht, und stattdessen hat sich alles an meinem Kopf, oben drauf, zusammen gezogen. Ich glaube, das war der Beginn des Prozesses (also um ins MC zu gehen), aber weil es nicht geklappt hat, bin ich davon aufgewacht, bzw hab ich es gemerkt, wie verkrampft alles ist. Diese Stelle und Geste waren echt ne wichtige Sache!

Tagsüber ging es auch weiter, und zwar ganz von alleine, ohne dass ich es beginnen musste. Die Verbindung der beiden Hirnhälften gibt mir ein Gefühl des ‘ganz seins’, irgendwie, es gibt mir Ressourcen und das Gefühl, alles verarbeiten zu können. Von daher, immer wenn was aufkam, was eine Sache war, was mich triggern könnte, dann wurde da nichts Bestimmtes aufgewühlt, sondern der Kampf der Hirnhälften ging los. Mein Kopf bzw die Muskeln dort aber auch im Nacken haben sich angespannt und gezittert, und teilweise auch der ganze Körper… ich habe Augenbewegungen gemacht, von rechts nach links und umgekehrt, das kennt man ja als Verarbeitunsgtechnik.

Ich weiß nicht, alles schwer zu beschreiben, da es anders ist als sonst. Ich glaube, es gab da echt so eine Trennung und auch so, dass die beiden Seiten sich gegenseitig als Feinde wahrgenommen haben, die sich bekämpfen müssen, bzw die sie angreift und wogegen sie sich wehren müssen. Wo das jetzt weg fällt, kämpft mein Körper nicht mehr gegen sich selbst. Allgemein ist es auch ein Gefühl des ‘stabiler seins...
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Summer
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Summer » Mo Mär 30, 2020 9:34 pm

Hallo ihr, ich denke ich will doch was über den Anfang des Ganzes schreiben. Also nicht über den Therapie-Anfang, denn der war vor vielen, vielen Jahren. Aber von dem Anfang, an dem ich angefangen habe, mich sicher zu fühlen, und das hat dann dazu beigetragen, dass ich mich an alles erinnert habe, was überhaupt war. In den Einträgen da unten, da hatte ich noch keine Erinnerung, nur Ahnungen von Anteilen, die aus Gefühlen bestanden.
Ich habe Triggerworte zensiert, aber im Tagebuch alles ausgeschrieben, weil ich dort keinen Bock mehr hatte, zu schweigen oder ein andere Wort zu benutzen um etwas zu verharmlosen. Es so zu bezeichnen, wie es war, das war ein wichtiger innerer Schritt.



----------30.06.2019--------------

So, ganz allgemein und für den neusten erwachten Anteil in mir will ich es hier aufschreiben: Sie kommen nicht mehr. Das ist Fakt. Ich habe mein Leben beobachtet in den letzten Jahren. Die bösen Männer [Anmerkung: ich wusste nicht, wer das war oder ob es welche gab, bin auf die Angst von Anteilen eingegangen] kommen nicht mehr zu mir. Aus und vorbei, ein für alle Mal. Ich bin in Sicherheit. Das klingt unrealistisch, aber das ist so. Tatsache!!!
Es gab keinen Grund mehr für Dissoziation und Abspaltung, seit ich in der neuen Stadt lebe. Aber auch davor in meiner Wohnung in der alten Stadt nicht. Und selbst davor schon längere Zeit nicht mehr, als ich noch in der Horrorwohnung lebte. Durch Erinnerung hatte ich zwar das Gefühl, in all der Zeit, aber in Bxxx war alles neu und hier kann ich ganz sicher sein. Sie sind nicht mehr gekommen. Ich bin frei, zumindest äußerlich, aber glaub mir, ich arbeite auch an innerer Befreiung. Dies hier ist ein großer Schritt, es anzuerkennen, es offiziell zu verkünden. Sie sind weg. Für immer. Ich habe gewonnen. Auch wenn es sich (noch) nicht so anfühlt. ES IST SO.
Ich hab das mal sacken lassen und mir kam ein Gedanke auf, und zwar: Ich wurde schon seit Jahren nicht mehr *vg*. Ich hatte Angst, diesen Satz auf Wahrheit zu überprüfen, denn ein Teil von mir hat das nicht geglaubt, fand das doch sehr unrealistisch. Aber ich hab es überprüft, und es ist keine Lüge, die ich mir erzähle, um überleben zu können, um irgendwie mit dem Leben klar kommen zu können. Es stimmt. ES STIMMT!!!!!!!! Oh mein Got!!! Krass!

-------------02.07.2019--------------

Irgendwie hat meine neu erkannte Sicherheit mich in eine Krise gestürtzt, wobei - das ist normal, denn wenn man sich entspannen kann und in Sicherheit ist, kommen unterdrückte Gefühle hoch. Das und ich hab ja Kontakt zu dem Anteil aufgenommen, ihn nicht mehr von mir abgespalten, und all seine Gefühle sind jetzt eben in mir aktiv. Es ist nun an mir, das zu heilen und zu Gott zu bringen.

--------------04.07.2019---------------

Gestern war spektakulär. Nicht im aufregend-guten Sinne, denn die meiste Zeit ging es mir schlecht, aber im großen, lebensveränderndem Sinne. Die Tatsache, dass ich sicher bin, ist noch mal tiefer eingesackt. Und zwar wurde ich erst getriggert. Ich habe eine Rötung im Schritt entdeckt, und es hat wehgetan, und hab es im ersten Moment für einen Schnitt gehalten. Rasierschnitt? - nein, denn das hab ich vor einigen Tagen zuletzt getan, und es war neu da. Und BAMM Panik. Wenn ich es nicht war - gab es etwas, das passiert ist? War jemand hier? Wurde mir etwas angetan, dass ich vergessen habe? IST ES WIEDER PASSIERT???, schrie mein inneres Kind.
Aber dann hab ich tief eingeatmet und mit diesem Anteil Kontakt aufgenommen. Ich hab es alles überprüfen lassen. Trotz keiner Erinnerung an fehlende Stunden wusste ich ja immer, dass etwas passiert ist. War es diesmal so, ganz tief in mir drinnen, ohne irgendwas zu beschönigen? Und bin ich an einem anderen Ort aufgewacht, als an dem, wo ich zuletzt war, ohne zu wissen, wie ich dahin gekommen bin? Das letztere war eindeutig nicht so. Gut, es hätte ja immer noch jemand in meine Wohnung gekommen sein können. Aber auch das hätte ich gewusst. War jemals jemand Gefährliches in dieser Wohnung, in der ich jetzt wohne? Das Bett, das ich jetzt habe, wurde ich da schon mal drin vg? Diese wichtigen Fragen habe ich mir gestellt.
In dem Bett ist nichts passiert. Niemand war in der Wohnung. Überhaupt ist nichts passiert. Wirklich, nicht als Eintrichterung meinerseits, nicht mit Vergessen.
Wirklich nicht.
Man kann es nicht beschreiben, was das bedeutet. Es sind keine Steine, die von mir abfallen, sondern mehrere Berge, mehrere Mount Everests. Ich bin sicher. So etwas habe ich noch nie gefühlt. Und sofort wurde ich traurig, und all die Momente, die ich bisher eingefroren in der Zeit in mir trug, kamen auf, und lösten sich. Viele, viele innere Knoten. Ich lag da und habe geweint, aber ich konnte meinen ganzen Körper spüren, ich musste nicht meine untere Hälfte verdrängen, ich konnte alles fühlen und es war gut, es war sicher.
Das war gestern so, und geht heute noch vor. Ich bin noch nicht wieder auf dem Damm, aber wenn das hier verarbeitet ist, dann wird das so was von ein riesiger Schritt sein.

Wildi
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Wildi » Mo Mär 30, 2020 10:07 pm

Wow. Was für eine Inspiration.
Tausend Dank dafür!

Summer
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Summer » Do Apr 02, 2020 2:06 pm

Hallo Wildi, das freut mich. Ich habe beschlossen, jetzt erst mal nur alte Sachen zu posten, denn aktuelle Sachen sind noch so frisch und beim Schreiben hab ich dann auch immer im Hinterkopf, dass das jemand lesen wird, und denke kann ich das so schreiben etc... :?

-------------07.07.19----------

In meiner Krise war ich in der Horrorwohnung früher, und ich war schon kein Kind mehr, schon eine Jugendliche, 12 oder so. Dinge haben sich geändert, neue Schule, mein Körper änderte sich auch langsam, aber was änderte sich nicht? Die Nächte. Und das hat mich ein Stückchen weiterhin absterben und dumpf werden lassen. Ich konnte nichts mehr fühlen, es war mir egal, was mit mir geschah, denn anders hätte ich es nicht ausgehalten. Diesen Anteil hab ich besucht, alleine und gefühlslos und trotzdem voller Schmerz in der Dunkelheit.
In dieser Situation blieb ich lange. Weil ich einfach meine Gefühle nicht zulassen wollte. Stunden später war ich ganz leicht wieder dort, als wäre keine Zeit vergangen.

------------13.07.19-------------

Anstrengende Woche, ohne Vergleiche. Hoffentich wird es nächste Woche besser.

------------18.07.---------------

In den letzten Tagen war es oberanstrengend, schlimm und ich war sehr tief drin im Horror. Aber wie das so ist, ist es eine Gelegenheit zum Heilen. Auf dem Weg zum Arzt und zurück hab ich die Affirmation ‘Ich verdiene Liebe’ durch meinen Körper gehen lassen, mich entspannt und es angenommen. Natürlich auch Gegenstimmen angehört, aber es irgendwie geschafft, dass die Annahme davon dominant blieb.

------------21.07.-------------

Wow, heute hat sich echt viel Traumaenergie gelöst, weil ich nämlich mich immer noch geliebt fühlen konnte. Es hat einiges getriggert, losgelöst und hochgebracht. Auch neue Erinnerungen, die mein Leben noch mal logischer machen, irgendwie. Bzw mein Gefühlsleben und meine psychischen Probleme. Ich bin noch nicht so weit, hier darüber zu schreiben, aber ich kann schon sagen, dass es da etwas gibt. Etwas hat sich geklärt. Neue Fragen sind auch aufgekommen, so ist es ja oft. Aber grauenhafte Albträume meiner Kindheit… nun… sie sind nicht mehr so mächtig, denn sie sind jetzt angeschlossen an das Ganze, und im Zusammenhang mit meinem erwachsenen Selbst sehe ich es eben anders… Meine innere Gefangenschaft konnte sich ein Stückchen weit lösen.

-----------25.07. *!!!Enthält Trigger!!!*----

Die ganze Zeit dachte ich, alle meine Probleme wären da, weil mein Vater sich an mir vergriffen hat. Wie sich herausstellt, war er aber nur ein Täter von vielen, und meine ganze Paranoia gegenüber Sekten, unfreiwilliger Drogeneneinnahme und Dämonen ist gerechtfertig! Nicht nur wahr, sondern vor allem erklärbar! Es ist nicht wirklich was Übersinnliches hinter mir her, das wurde mir nur weis gemacht, suggeriert und eingeredet und so hat es sich in meinen täglichen Albträumen ausgedrückt.

Wenn ich es erkenne als das, was es war, dann sehe ich auch, dass es keine unsichtbaren bösen Mächte gibt, die gegen mich sind. Das alles war nur mein Glaube daran, der mir antrainiert wurde! Und natürlich das Klima, in dem ich aufgewachsen bin. Missbrauch und so zu erinnern ist nicht schön, aber damit kommen auch andere Details in Erinnerung, die mein Leben Stück für Stück erklären und endlich mal ein logisches Bild ergeben!

Dieses mich begleitende Gefühl, dass ich keine Zukunft habe, weil ich bald sterben werde, ist erst seit einiger Zeit weg, erst seit ein paar Jahren gehe ich wirklich davon aus, in so und so vielen Jahren noch zu leben, und es war nicht weil ich ‘depressiv’ war. Es war, weil mein Leben dauernd bedroht und in Gefahr gebracht wurde. Mir wurde beigebracht, mich tot zu stellen, ich wurde gewürgt, mein Kopf ins Kissen gedrückt, ins Wasser gedrückt, wurde aufgehängt, begraben, habe den Tod von Tieren erlebt, und was weiß ich noch für Situationen, wo ich dachte, ich werde sterben. Und ich bin nicht verrückt. Oh Mann oh wow ich dachte Erinnerungen an rituellen Missbrauch würden mich erst recht durchdrehen lassen, vielleicht sogar wieder mein Leben in Gefahr bringen, aber das Gegenteil ist der Fall! Ich bin erleichtert. Zum ersten Mal kapiere ich, dass ich total normal bin, und DIE sind Schuld an meinem Leid. Die Erinnerung tut weh, weil es wehgetan hat, aber sie beschwört das alles nicht wieder aktiv herbei. Ich bin trotzdem in Sicherheit. Ich. Bin. In. Sicherheit!!!!!!
Meine Albträume machen Sinn! Ich bin nicht verrückt!!!!!! HOLY SHIT!!!!!!! EIN WUNDER!!!!!
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SophiawirdErwachsen
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Do Apr 02, 2020 10:06 pm

Wie machst du das? *:)
Ich scheitere schon daran mich in Selbstliebe im Innen zu üben, weil ich sofort aus dem System geworfen werde mit dieser Idee...

Summer
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Summer » Fr Apr 03, 2020 2:32 pm

Hm, das stimmt, da gibt es auch wieder ne Vorgeschichte zu... Also wirklich angefangen hat alles eigentlich schon 2011. Da hatte ich eine ganz konventionelle Therapie, durch die ich gelernt habe, mich selber wichtig zu nehmen. Das hat natürlich gedauert, auch Jahre danach noch, mit all den Widerständen, die aufkamen, weil das ja gar nicht erlaubt war. Also ich würde sagen, egal wie lange es gedauert hat, am Wichtigsten war die Tatsache, dass ich Distanz zu allen Tätern und auch der Stadt hatte, in der es passiert ist. Das alleine ist eine Megasache, vor der man steht, und je nach Tätergruppe sehr schwierig, wenn die einen noch aktuell angebunden habe. Alison Miller gibt dazu aber Ratschläge, und andere haben es wohl geschafft. Dazu kann ich persönlich aber nichts sagen, denn meine haben aufgehört, ihre Opfer ab Pubertät zu benutzen und sie danach mehr oder weniger sich selbst überlassen, zumindest für einige Zeit, bis es Rückkehrbefehle gab für Fortpflanzung und so. (Wobei es aber auch sein kann, dass ich 'entsorgt' wurde, es besteht starker Verdacht.)

Jedenfalls, in der Zeit war ich zwar nicht in der unmittelbaren Nähe von Täter, hatte aber noch Kontakt und war abhängig von meiner Mutter (die als einzige in meiner Familie keine aktiv-physische Täterin war) und konnte nicht auf eigenen Beinen stehen. Ich bin erst mit 27 ausgezogen, und zwar nach der Sache mit 1. Einzeltherapie, 2. Gruppentherapie, 3. 'heimlicher' Heilung eines vorgeburtlichen Traumas (meines Wissens nach natürlich geschehen) und - eine Sache, die selber glaub ich noch mal einen ellenlangen Post bräuchte - 4. eigenständiger Rückkehr zur Linkshändigkeit, die mir natürlich ausgetrieben worden war, und deren Unterdrückung auch unabhängig vom Mind Control System erheblichen Schaden in meinem Nervensystem und neurologischen System hinterlassen hat, und die auch viele Jahre psychologische Prozesse ausgelöst hat. Um es in zeitlichen Zusammenhang zu setzen, war es so:

1. Entdeckung von vorgeburtlichem Trauma durch Zufall (Buch) mit 21 Jahren, 2006. Hat anfangs was geheilt, aber dann war ich doch wieder auf der Stelle tretend
2. Entdeckung, dass ich eigentlich linkshändig bin mit 23, 2008. DAS hat einen Knoten gelöst, damit erst konnte ich das vorgeburtliche Trauma wirklich heilen, wenn auch erst 2012 und mir mein erstes kleines Stückchen Selbstwert und Eigenbestimmung erkämpfen
3. Therapie und Gruppentherapie (von der gleichen Thera angeboten, von alleine hätte ich nie nach Gruppentherapie gesucht), 2011-2013, während der ich die ersten Erinnerungen an 'normalen' MB bekam. Selbst das hätte ich mir nicht geglaubt, aber meine Schwester hat es mir bestätigt, und deswegen hab ich es nicht wieder verdrängt
4. vor allem mit Hilfe der Therapiegruppe geschafft, von Zuhause auszuziehen, Mitte 2013, und allen Täterkontakt abzubrechen (eher zufällig, weil ich eben den Kontakt zu Vater abgebrochen habe und der noch vollkommen eingebunden war in seine Familie und von denen gedeckt wurde, was zu diesem Zeitpunkt der einzige Grund war, überhaupt von allen wegzugehen), woraufhin 2014 ein Nervenzusammenbruch folgte mit meinen üblichen Suizidtendenzen, die noch täglich da waren, woraufhin ich im stationären Aufenthalt auf Medikamente eingestellt wurde, mit denen ich zum ersten Mal nachts überhaupt schlafen konnte
5. und mit diesem Sprungbrett 2015 endgültig die 'Täterstadt' verlassen

Das Thema 'Hilfe annehmen', sei es durch Therapie, Klinik, oder Betreuer vom ambulanten Wohnen war auch sehr wichtig und sehr schwierig, viele Jahre hab ich es nicht geschafft, mich nicht dessen wert gefühlt oder hatte Angst, dass die mir was antun würden, es ging nur mit sehr kleinen Schritten.

Also ja, seit 2006 gab es den ersten therapeutischen Ansatz oder Lichtblick, und es hat dann noch 13 Jahre gedauert bis zu diesen Einträgen, die ich gepostet habe...

Ich hoffe das erklärt es ein bisschen. Wenn nicht, ruhig noch mal nachfragen. Manchmal frag ich mich auch selber noch, wie ich das überhaupt geschafft habe, es erscheint wie ein Wunder... :shock: :P Ich bin nur echt froh, dass ich eher zufällig entkommen bin. :D

Summer
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Summer » Do Apr 09, 2020 10:51 am

Tja, so, ich bin gerade ein bisschen überfordert mit der Frage, was (und ob es überhaupt) hilft, aus meinem Tagebuch zu posten, wenn es einzelne Einträge ohne Kontext ist? War das alles eine Schnapsidee?

Mira

Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Mira » Do Apr 09, 2020 10:20 pm

Hallo Summer :)
Es ist natürlich deine Entscheidung, was du erzählen willst, aber ich persönlich finde deine Erzählungen und Einträge wirklich bereichernd!
Ich finde es sehr beeindruckend, wie du dich wahrnehmen und dich dir öffnen kannst.
Lg, Mira

meredith

Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von meredith » Fr Apr 10, 2020 9:29 am

Liebe Summer,
vielen Dank für deine Texte!
Ich habe sie gestern zum ersten Mal gelesen, und fand nichts störendes an einem fehlendem Kontext, wie du geschrieben hast.
Für mich ist es bereichernd von anderen zu lesen, die vorwärtskommen in ihrer Heilung, weil mir das Hoffnung für mich selber gibt.
Und was den anderen dabei hilft vorwärtszukommen, Methoden, Einstellungen und andere Dinge, das ist auch immer sehr interessant, da ist immer auch etwas dabei, was ich für mich selber ausprobieren und vielleicht wieder einen Schritt weiterkommen kann.
deshalb ist es so gut, diese Erfahrungen von anderen zu lesen - also danke fürs Teilen!

Summer
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Summer » Fr Apr 10, 2020 7:21 pm

Hallo! Danke für die Rückmeldung, ihr beiden!
meredith hat geschrieben:
Fr Apr 10, 2020 9:29 am
Für mich ist es bereichernd von anderen zu lesen, die vorwärtskommen in ihrer Heilung, weil mir das Hoffnung für mich selber gibt.
Und was den anderen dabei hilft vorwärtszukommen, Methoden, Einstellungen und andere Dinge, das ist auch immer sehr interessant, da ist immer auch etwas dabei, was ich für mich selber ausprobieren und vielleicht wieder einen Schritt weiterkommen kann.
Das war so die Idee dahinter, ich dachte nämlich, wenn ich vor einigen Jahren mein jeztiges Tagebuch lesen könnte, obwohl ich noch längst nicht geheilt bin, dann würde mich das trotzdem doch ermutigen, weiter zu machen, weil ich sehen kann, dass es eben vorangeht, egal wie langsam und mit welchen kleinen Schritten und vielen Rückschritten.

Im Moment muss ich mich erst mal ein bisschen neu ordnen, denn mir ist klar geworden dass das, was ich vor 12 Jahren als 'vorgeburtliches Trauma' einegstuft habe, gar nicht vorgeburtlich gewesen sein muss. Aufgrund fehlender Erinnerung an die Wahrheit meiner Familie und allen Umständen, hatte ich da nur gefühlsmäßige Erinnerungen an etwas Schlimmes, Muskelgedächtnis wird das genannt, und ich hab es vorgeburtlich eingeordnet, weil keine Bilder dazu da waren und es mir so schien, als wär ich absolut alleine dabei gewesen. Aber gerade kommen so ein, zwei Bilder dazu... und es scheint als wäre ich da doch schon ein paar Jahre alt gewesen... aber es ist so profund und war mit hypnotischen Befehlen sehr tief versteckt... nun, ich bin erst mal verwirrt und muss gucken, was ich damit mache.

Aber danke noch mal! Ich werde demnächst wieder etwas posten. :)

Wildi
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Re: Tagebuch - Therapie von Mind-Control

Beitrag von Wildi » Mo Apr 13, 2020 12:43 pm

Ich lese dich auch und bin nach wie vor beeindruckt. Ich würde mich freuen, mehr zu hören.

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