Innerer druck

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Ibaf
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Innerer druck

Beitrag von Ibaf » Di Mär 17, 2020 5:05 am

Ich sitz die ganze Nacht wach, muss morgen eigentlich wieder arbeiten aber mir gehen dauernd Sachen durch den Kopf die schon lange zurück liegen.

Da kommen immer wieder Gedanken die ich als Kind gehabt hatte, als ich missbraucht worden bin die ich aber nie ausgesprochen habe.

Ich schenke diesen Gedanken selten gehör, dafür ist es viel wenn ich es dann mal tue. Ich habe das Gefühl keine Ruhe damit zu finden, wenn das in mir steckt, weiß aber auch nicht mit wem ich reden soll. Die meisten Menschen können es nicht nachvollziehen und die, die es können sind keine große Hilfe.

Es ist anstrengend mit sowas Rum zu laufen, ich kann kaum abschalten und mich kaum konzentrieren, was macht ihr in solchen Momenten? Ich komm irgendwie nicht vom Fleck

Silberfee
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Re: Innerer druck

Beitrag von Silberfee » Di Mär 17, 2020 6:00 pm

Hallo Ibaf,
Also, bei mir hilft: bewegen ( auch wenn es erstmal schwierig ist, damit anzufangen) oder Hörbuch hören, darüber schlafe ich dann abends meistens ein.
Vielleicht würde es dir helfen, alles was dir im Kopf rumgeht, aufzuschreiben. Manchen Menschen hilft es, um die Dinge aus dem Kopf zu bekommen.
Allerdings denke ich schon, dass es gut wäre, mit jemandem darüber zu sprechen. Mit einer Therapeutin oder in einer Beratungsstelle ( wobei es da vermutlich gerade schwierig ist, wegen Corona...)
Oder du schreibst deine Gedanken erstmal hier auf, hier haben ja alle in irgendeiner Art und Weise Erfahrung mit dem Thema.

Viele Grüße
Silberfee

SophiawirdErwachsen
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Re: Innerer druck

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Di Mär 17, 2020 11:07 pm

Hallo Ibaf,

das wollte ich auch vorschlagen. Vl traust du dich hier zu schreiben, was dir durch den Kopf geht. Das kann manchmal echt erleichternd sein.
Wenn Schreiben nicht geht haben wir auch schon versucht es aufzuzeichnen. Sieht zwar ***** aus, hat aber auch ab und an seinen Zweck erfüllt :wink:

Was uns manchmal hilft ist unsere Füße zu massieren, möglichst fest... bzw. ich weiß nicht, wie die Szenen aussehen. Falls Kinder, Teenager etc. vorkommen ihnen/ihr versprechen, dass sie morgen um *** Uhr mit dir reden und dir alles zeigen dürfen/darf, aber heute nicht, weil du schlafen musst. Falls es ein junges Kind ist könntest du ihm auch noch erklären, dass es wichtig ist, dass du jetzt schläfst, weil du sonst deinen Job nicht machen kannst und dann kein Geld bekommst)... Also, wenn du dir das alles bildlich vorstellst und einfach so tust, als würdest du mit dem Kind in der Szene sprechen könnte das zur Beruhigung beitragen.

Alles Liebe
Sophia

Ibaf
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Re: Innerer druck

Beitrag von Ibaf » Mi Mär 18, 2020 12:05 am

Danke für die Rückmeldung und die lieben Worte.
Sport mache ich so oft es geht, und ich merke auch, dass es mir gut tut, habe mir sogar endlich mal wieder ein neues Studio gesucht, das ist nur momentan echt ein bisschen schwierig wegen corona.

Tagebuch schreibe ich auch hin und wieder, ich schreibe auch manchmal Texte aus den Sachen die mir durch den Kopf gehen. Aber da werde ich meistens nie konkret. Was mir dabei fehlt ist irgendwie das Gefühl gehört zu werden.

Ich habe jahrelang über den Missbrauch in meiner Familie geschwiegen und seit jeher das Gefühl alleine damit zu sein. Das reden in meiner Familie hat auch nicht wirklich viel gebracht, gefühlt hat es das eher noch schlimmer gemacht. Die ganze Situation macht mich schon jahrelang fertig und ich bekomm kaum noch ein Auge zu.

Dazu kommt, dass ich ganz oft das Gefühle habe meinen Peiniger in mir wiederzusehen. Es war mein Großvater (ich bin auch ein Mann). Wenn ich dann an mir runter sehe oder bestimmte Bedürfnisse verspüre wird mir schlecht und ich ekel mich vor mir selbst, weil ich das Gefühle habe wie er zu sein. So will ich nicht sein. Manchmal reicht der Gedanke seine DNA in mir zu haben.

Er leugnet es und macht es damit noch schwieriger. Ich komme mir in meiner eigenen Familie wie ein Ausgestoßener oder wie ein Hund vor. Weihnachten wird bei meiner Familie gefeiert und ich darf nicht kommen, während er da sitzt und einen auf Friede freude Eierkuchen macht, während es meine Mutter zerreißt. (Es war ihr Vater).

Ich weiß nie wohin mit diesem emotionalen Druck der dabei entsteht. Ich versuche dann immer mir irgendwo Hilfe zu suchen. Ich war schon in Köln, bei Zartbitter, das ist eine Beratungsstelle, ich hab auch 2 mehrjährige Therapien hinter mir, aber manche Sachen heilen gefühlt nicht so einfach.

Ich hoffe ich heule euch nicht die Ohren voll und ihr seid genervt davon.
Ich bin sehr dankbar diesen Ort hier entdeckt zu haben, weil ich jetzt schon merke wie gut es sich anfühlt mit Menschen zu reden, die auch ihre Vergangenheit haben.

Silberfee
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Re: Innerer druck

Beitrag von Silberfee » Do Mär 19, 2020 8:18 pm

Huhu,
nein, ich glaube, so schnell ist hier niemand genervt :D

Ja, es kann sehr hilfreich hier sein. Man bekommt oft gute Tipps, andere Sichtweisen, Trost ...

Ich finde es schlimm, was dir passiert ist und wie dein Großvater dich behandelt. So wie ich es verstanden habe, glaubt dir deine Mutter aber, oder?
Warum geht sie an Weihnachten zu ihrem Vater, wenn sie es weiß? Musst du natürlich nicht beantworten.

Du schreibst, du hattest schon mehrere Jahre Therapie und manche Sachen heilen nicht so einfach.
Das finde ich auch. Mir fällt auf, dass gerade diese "Beziehungsdinge" nicht/schwer heilen, weil soviel Vertrauen kaputt gegangen ist oder nie da war oder Beziehungen absichtlich zerstört wurden.
Leider habe ich auch keinen Geheimtipp wie es schnell besser werden könnte.
Viele Grüße

SophiawirdErwachsen
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Re: Innerer druck

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Fr Mär 20, 2020 4:24 pm

Hallo Ibaf,

schön, dass es dir gut tut zu schreiben. Mich nervst du nicht, ich kann gut nachvollziehen, dass die Situation für dich furchtbar ist (ich glaube auch nicht dass es hier so einfach ist jemanden zu nerven).
Eigenartig, dass deine Mutter noch zu diesen Familienfeiern geht, ist sie wirtschaftlich oder emotional abhängig von ihrem Vater?
Grundsätzlich kenne ich die Verstrickung ja leider sehr gut.. meine Herkunftsfamilie ist ein Haufen voller Geheimnisse, Verwirrungen und Misstrauen.
Nein, ich hab leider auch bemerkt, dass Heilung viel länger braucht, als ich jemals dachte *:)..
Deine Mutter ist allerdings ein eigenständiger, erwachsener Mensch. Es hört sich für mich an, als würde sie dir leid tun. Sie ist ein erwachsner Mensch und du bist ihr Kind. Sie entscheidet sich jedes mal aufs Neue dort Weihnachten zu feiern, im Bewusstsein, dass sie dich damit ausgrenzt. Das ist für mich schon schwer nachvollziehbar. Obwohl sie dir ja offenbar glaubt, sonst würde sie sich ja nicht schlecht fühlen. Ich will jetzt nicht damit sagen, dass deine Mutter böse ist, aber sie ist jedenfalls auch nicht bemitleidenswert in dieser Hinsicht.
Ich verstehe, dass du dich von deiner Familie ausgestoßen fühlst, aber die Frage ist, ob du überhaupt mit solchen Menschen auf lange Sicht zu tun haben willst? Es tut dir sicher nicht gut, dich mit Menschen zu umgeben, die dir sagen, dass du lügst.
Inwieweit bist du denn mit deiner Familie noch verbunden? Hast du noch Kontakt zu einzelnen Personen?

Liebe Grüße
Sophia

Ibaf
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Re: Innerer druck

Beitrag von Ibaf » Sa Mär 21, 2020 12:10 am

Danke für die Zeit, die ihr euch nehmt, das tut meinem Herz so gut.

Zuerst mal zu meiner Mutter, die wirklich ein schwieriges Thema ist. Ich glaube Sie wurde selbst von ihrem Vater missbraucht. Ich sehe ganz viele Anzeichen dafür und auch ihr merkwürdiger Umgang mit der ganzen Sache wäre geklärt. Sie ist wahrscheinlich sehr stark emotional abhängig von ihrem Vater, kann sich aber nicht gegen ihn durchsetzen. Ihr wisst wie ein Peiniger auf jemandem wirkt...

ich habe jahrelangen Kampfsport, gebraucht, 3 Jahre im Gefängnis verbracht und Dutzende weitere Dummheiten gemacht um ein Ego aufzubauen, mit welchem ich ihm irgendwie innerlich gegenübertreten kann, mir selbst sagen ich bin viel stärker und jetzt hat er Angst vor mir, obwohl das totaler Blödsinn ist und einen auch nur bis zu einem bestimmten Punkt weiter bringt.

Ich stelle mich dem, meine Mutter aber nicht und da sie das alles verdrängt, passt es ihr gar nicht wenn ich sie mit der Realität konfrontiere. Sie glaubt mir, weil sie weiß dass es wahr ist, möchte es aber nicht wahrhaben und da sie das mit mir verbindet grenzt sich mich aus.

Ich kann ihr nicht böse sein, aber ich kann auch nicht nicht verletzt sein, auf der anderen Seite möchte sie aber wissen, wie ich das verarbeite wahrscheinlich aus eigenem Interesse.

Warum sie solche Familienfeiern mit ihm verbringt weiß ich nicht, er leugnet es und alle tun so als würden sie ihm glauben, meine Schwester glaubt ihm eh nicht, meine Oma hats sogar mitbekommen, meine Mutter spürt es wtf...

Ich komme mir echt vor wie der böse in der ganzen Geschichte nur weil ich meinen Mund aufgemacht habe.

Sophia du hast schon recht damit, dass sie alle eigenständige Menschen sind. Ich sollte mehr davon loslassen und mich auf mich selbst konzentrieren, diese ungelösten Konflikte machen mich fertig und sind im Endeffekt nicht mal wirklich meine. Alles was ich tun konnte habe ich getan.

Ich habe noch Kontakt zu allen außer zu den besagten Großeltern. Die anderen können ja auch nichts dafür.

Und ja silberfee ich verstehe genau was du meinst. Ich erlebe dauernd abbrüche in meinen sozialkontakten, wenn etwas hoch kommt. Nach den flashbacks ist mein gesamtes Vertrauen weg und es ist wie als wären alle Verbindungen zu meinem Umfeld wie abgeschnitten und ich muss die neu Aufbauen. Das ist so anstrengend.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende. Danke für euer offenes Ohr und bleibt bitte gesund ♡

SophiawirdErwachsen
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Re: Innerer druck

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Sa Mär 21, 2020 7:58 pm

Hallo Ibaf,

ja, es ist wirklich anstrengend und du hast schon sehr viel geschafft, da kannst du schon mal stolz auf dich sein!
Ich weiß nicht, ob mich mein Gefühl täuscht, aber beim Lesen hatte ich ein paar Gedanken, die vl noch hilfreich sein könnten.

Wenn du an dem Bedürfnis festhältst, dass alle erkennen, was für ein Arschloch dein Großvater ist... wenn du möchtest, dass sie sich endlich alle zur Wehr setzen... wenn du möchtest, dass er zugibt, was er gemacht hat... wirst du (befürchte ich) ziemlich sicher scheitern.
Du kannst die Meinung von anderen nicht ändern, egal welche Anstrengungen du unternimmst, sie haben ihre Gründe, warum sie das tun was sie tun. Und dass Täter für gewöhnlich nicht geläutert ihre Schuld eingestehen und um Verzeihung bitten ist leider auch die Realität.
Ich schreibe das deshalb, weil ich das Gefühl habe, dass es in dir brodelt ... und das könnte am Ende vl böse für dich ausgehen.

Die einzige sinnvolle Möglichkeit die ich sehe, ist ihn offiziell anzuzeigen. Hast du das schon mal versucht? Es ist zwar ein sehr anstrengender Weg, aber es wäre vl eine Möglichkeit es endlich mal offen zu legen. Ob er verurteilt wird ist eine andere Frage. Du musst natürlich damit rechnen, dass er es abstreiten wird und eventuell deine Verwandten auch nicht hilfreich sein werden. Und dass er möglicherweise freigesprochen wird, einfach weil man es nicht mehr nachweisen kann (außer es gibt faktische Beweise, die man vor Gericht einbringen könnte). Aber wenn du stark genug bist, könnte das einen Versuch wert sein. Zumindest hängt ihm der Ruf dann mal nach... egal was dabei rauskommt. Dazu könntest du dich aber sicher in einer Beratungsstelle informieren, die sich damit auch auskennen.

Da du dich gegen den mb und diese Familienstruktur auflehnst bist du offensichtlich ganz und gar nicht so wie dein Großvater. Ja du bist ein Mann, na und. Das wars dann auch schon wieder... das sind 50% der Bevölkerung ... und ich wette, es gibt da draußen sehr viele Menschen, die deinem Großvater ähnlicher sind als du. Und sexuelle Gefühle hat jeder Mensch. Manche benützen sie nur um anderen zu schaden. Das ist furchtbar, aber deshalb musst du dich nicht noch zusätzlich schädigen, indem du dich abwertest, wenn du so etwas spürst. Das hat er ja schon genug gemacht finde ich. Du solltest dich selbst nicht genauso behandeln, wie er dich.
Für mich war es mal sehr tröstlich rauszufinden, dass DNA mutiert und jeder Mensch auch ein bisschen nur "er selbst" ist. Du musst es nicht so sehen, dass du die DNA von deinem Großvater hast. Du hast einfach ähnliche DNA weil ihr aus derselben Familie stammt. Das hat nicht unbedingt mit ihm als Person zu tun sondern einfach mit Vererbungslehre allgemein.

Alles Liebe
Sophia

Goldbursche

Re: Innerer druck

Beitrag von Goldbursche » Sa Mär 21, 2020 8:52 pm

Hallo Ibaf,

ich bin auch ein Mann. Ich wurde mit 10 Jahren von einem Arzt in einem Zeitraum von ungefähr 1 bis 2 Wochen in einem Krankenhaus sexuell missbraucht, gefoltert, vergewaltigt und damit bedroht das er mich töten würde wenn ich etwas sage. Falls du möchtest kannst du mir gerne schreiben. Ich habe auch das Problem das ich mit Niemandem so wirklich darüber reden kann. Allerdings ist mein Missbrauch auch nicht unbedingt der "Alltägliche" wie ich nun weiß, daher ist es für die Meisten hier wohl auch etwas "strange". Und ich gehe auch nicht damit hausieren.

Schreib mir einfach wenn dir danach ist. Ich höre zu!

LG Harald

Gastacht

Re: Innerer druck

Beitrag von Gastacht » So Mär 22, 2020 8:50 am

@goldbursche: hör auf deinen mb hier zu vergleichen im sinne von " es war so schlimm, besonders etc, dass mich andere seltsam finden ergo nicht gut verstehen" oder zu antizipieren was andere denken.
hier findet niemand deinen MB Strange. es gibt hier genug die ähnliches erlebt haben und das über Jahre und Jahrzehnte! dazu Stichwort organisierte und /oder rituelle Gewalt. vielleicht googelst du das mal.
ich bin seit über 10 Jahren hier und hab hier ne Menge User gelesen.
ja das ist jetzt fies aber deine art zu glauben du bist hier das totale Opfer und keiner versteht dich das nervt extrem. das hat weder mit deinem MB zu tun noch mit deinem mann sein. es gibt einfach nur Kritik wegen deiner art. das ist alles.

SophiawirdErwachsen
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Re: Innerer druck

Beitrag von SophiawirdErwachsen » So Mär 22, 2020 12:27 pm

Goldbursche hat geschrieben:
Sa Mär 21, 2020 8:52 pm
Hallo Ibaf,

Falls du möchtest kannst du mir gerne schreiben. Ich habe auch das Problem das ich mit Niemandem so wirklich darüber reden kann. Allerdings ist mein Missbrauch auch nicht unbedingt der "Alltägliche" wie ich nun weiß, daher ist es für die Meisten hier wohl auch etwas "strange".
Schreib mir einfach wenn dir danach ist. Ich höre zu!

LG Harald

@goldbursche: ich hab deine anderen Beiträge auch gelesen, weil ich mir aufgrund deines Verhaltens nicht sicher war, ob du vl Täter bist (sorry, klingt hart, ist aber so... weil du dich einfach immer exponierst und so tust als wärst du anders als wir alle anderen und du der einzige bist der Männer versteht?)...

Das einzige, was bei dir offenbar anders ist ist dein Geschlechtsteil. Keine Ahnung warum das für dich ein Problem ist, für mich ist es das nicht... für alle anderen die ich soweit gelesen habe, die dir geantwortet haben, auch nicht.

Tut mir leid, wenn du mit Frauen Probleme gehabt hast (das tut es mir wirklich, ich hasse es generell, wenn Menschen mb nicht ernst nehmen), das heißt aber nicht, dass alle Frauen böse oder dumm sind, keine Ahnung von mb haben und Männer hassen oder nicht ernst nehmen. Es gibt tausende Männer die vg, wurden... du bist da nichts Besonderes, tut mir leid für dich, es klingt manchmal so als würdest du dir das wünschen?.

Vl kannst du jetzt einfach mal aufhören, so zu tun als wärst du anders als wir hier und beginnen dich einfach hier einzufinden und uns alle als gleichwertig betrachten. Das wäre irgendwie angenehm, zumindest für mich. Dann könnten wir konstruktiv miteinander schreiben und ich müsste nicht ständig lesen, dass ich keine Ahnung hab, weil ich eine Frau bin oder dich angeblich gar nicht hier haben will, weil ich eine Frau bin.

Also, vl können wir alle einfach von vorne beginnen, ich denke, dass dieses Forum nämlich eine gute Möglichkeit für alle Menschen bieten kann und das Geschlecht dabei keine Rolle spielen sollte. Vl ist es auch eine Chance zu erkennen, dass es vielen gleich oder ähnlich geht, egal was genau sie erlebt haben, mit wem und wie. Und die Wertung von mb ist sowieso subjektiv. Missbrauch ist generell nicht "alltäglich" (hoffe ich zumindest mal), egal was passiert ist... und für alle Opfer schlimm.

Sch. + S.

Goldbursche

Re: Innerer druck

Beitrag von Goldbursche » So Mär 22, 2020 2:55 pm

@Sophia du hast sicher mit vielem was du schreibst recht. Ich bin derzeit einfach unzufrieden und weiß selber
nicht was ich will. Wohin ich will und überhaupt. Ich kann es nicht rational erklären :-(

Ich bin froh, das du in dem ersten Absatz den du schriebst nicht zu einem anderen Schluß gekommen bist,
denn das hätte dann sicherlich zu Konsequenzen geführt über die ich gar nicht nachdenken will. Als ich den
ersten Satz gelesen hatte hab ich erst gedacht mein Herz setzt aus. Das Jemand sowas auch nur denkt versetzt
mich echt in Panik und ich verstehe nicht wie man darauf kommen kann :? Aus einem Opfer den Täter konstruieren
das hat schon was. Es ist wohl besser wenn ich hier nicht weiter mitmache.

Goldbursche

Re: Innerer druck

Beitrag von Goldbursche » So Mär 22, 2020 4:18 pm

Habe leider nichts gefunden. Daher meine Bitte an die Betreiber: Könntet ihr bitte meinen Account löschen. Danke.
Bei solch netten Kommentaren wie dem vorherigen sehe ich leider keine andere Möglichkeit um mich zu schützen.
Wer weiß was dem Nächsten sonst noch einfällt.

SophiawirdErwachsen
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Re: Innerer druck

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mi Mär 25, 2020 2:54 pm

Goldbursche hat geschrieben:
So Mär 22, 2020 2:55 pm
@Sophia du hast sicher mit vielem was du schreibst recht. Ich bin derzeit einfach unzufrieden und weiß selber
nicht was ich will. Wohin ich will und überhaupt. Ich kann es nicht rational erklären :-(

Ich bin froh, das du in dem ersten Absatz den du schriebst nicht zu einem anderen Schluß gekommen bist,
denn das hätte dann sicherlich zu Konsequenzen geführt über die ich gar nicht nachdenken will. Als ich den
ersten Satz gelesen hatte hab ich erst gedacht mein Herz setzt aus. Das Jemand sowas auch nur denkt versetzt
mich echt in Panik und ich verstehe nicht wie man darauf kommen kann :? Aus einem Opfer den Täter konstruieren
das hat schon was. Es ist wohl besser wenn ich hier nicht weiter mitmache.
Hallo Goldbursche,
es tut mir leid, dass du das nur so sehen kannst.
Ich wünsche dir, dass du vl eine Möglichkeit findest dich trotzdem auszudrücken, vl kannst du dich ja auch doch noch an dieses Forum gewöhnen.

Ich bin deshalb darauf gekommen, weil manche Gefühlsregungen/Einträge für mich nicht nachvollziehbar sind/waren. Wenn ich aus meiner Perspektive keine Ursache für einen Stimmungswandel bei SchreiberInnen erkennen kann, denke ich normalerweise mal, dass die Ursache in der Person selbst liegen muss. Soweit ist das ja auch normal und nicht ungewöhnlich.
Dann fand ich es aber irritierend, wie du über den mb den du erlebt hast geschrieben hast, da dachte ich aber dann, dass es eben einfach verschiedene Arten gibt mit dem Erlebten umzugehen.
Dann hast du geschrieben, dass es wohl nicht der Alltägliche wäre. Das hat mich dann stutzig gemacht, weil ich hier schon sehr viel gelesen habe und das was du beschreibst für mich nicht ungewöhnlich klingt. Dann hat mich irritiert, dass du schreibst, dass du hier wahrscheinlich nicht reinpasst und dich wohl auch keiner verstehen kann weil du ja ein Mann bist (so in etwa)... das hat für mich ein bisschen nach "sich selbst inszenieren" geklungen, da hab ich mir dann aber gedacht, dass das eventuell auch an deiner Erziehung liegen könnte, weil viele Männer generell denken, dass mb nur Frauen betrifft und Männer kaum oder selten. Und das ja immer noch ein größeres Tabu zu sein scheint als bei Frauen. Aber dann hat mir der Satz Angst gemacht, dass er dir privat schreiben soll, weil du ihn quasi verstehen kann, weil du ja ein Mann bist.. während wir das wohl eher nicht können (das war der Inhalt, der bei mir angekommen ist). Und das könnte sehr gefährlich werden, wenn du ein Täter wärst. Du hättest Ibaf ja auch "aushorchen" wollen können oder alles mögliche mit ihm schreiben können. Da er neu im Forum ist, hätte er auch nicht so viele andere Ansichten von außen gehabt, wie das vl bei Menschen der Fall ist, die schon lange hier sind.
Ich hab selbst nicht daran gedacht, dass es auch "schlechte" Menschen gibt, die hier schreiben oder mitlesen, als ich das erste Mal tierhergekommen bin, damals war ich sehr froh, dass mich rasch wer drauf hingewiesen hat, weil ich dann auch selbst ein sehr eigenartiges Erlebnis im Privatchat hatte.

Und da ich gerne eine Besserwisserin bin, musste ich mich da leider, zu deiner Bestürzung, kurz mal einmischen.

Danach hab ich deine anderen Beiträge gelesen und gedacht, dass du dich wohl einfach sehr leicht angegriffen fühlst und es dir schwer fällt dich angenommen zu fühlen. Das ist schade, weil du dann die guten Dinge nicht bemerkst, die Menschen für und über dich schreiben.

Alles Gute
S.

Ibaf(ausgeloggt)

Re: Innerer druck

Beitrag von Ibaf(ausgeloggt) » Do Mär 26, 2020 8:38 pm

Hallo, entschuldigt die späte Antwort ich hab eine verdammt volle Woche, muss trotz corona 6 Tage arbeiten.

Also als erstes Bedanke ich mich für die ausführlichen Antworten.

Ja ich wünsche mir das schon irgendwie, dass er es zugibt. Das ist ein ganz tiefes inneres Bedürfnis und jetzt wo du es sagst klingt es logisch mich damit abzufinden, obwohl das nicht so einfach ist. Ich versuche dran zu arbeiten.

Was mich eigentlich auch zu einem anderen Punkt, lustiger Zufall, dass das gerade angesprochen worden ist. Ich habe mich selbst schon in einer täterrolle befunden. Ich war zu dem Zeitpunkt 12-13 und wusste selbst nicht was mich lenkt. Ich hab mich selbst lange dafür fertig gemacht und es nie verstanden.

Dann bin ich halt in den Knast mit 15 und hatte lange genug Zeit mich damit auseinander zu setzen.

Eins der drei Jahre habe ich auf einer Sozialtherapeutischen Abteilung verbracht. Das ist die Abteilung, die im Erwachsenenvollzug für die Leute mit Sicherungsverwahrung oder lebenslänglich ist. Meistens für Sexualstraftäter oder Intensivtäter. Im jugendvollzug ist das nur so eine halbe Sache, da es maximal bis 21 im jugenvollzug geht und eine Pädophile Störung nicht vor 23 diagnostiziert werden kann.

Pädophile gibt es in dem Sinne dort also nicht. Ich muss auch dazu sagen ich saß selbst wegen eines Überfalls, da ich in dem Alter stark drogenabhängig war.
Ich habe mich selbst trotzdem freiwillig für diese Therapie entschieden und habe dort auch viele Erkenntnisse erlangt die mir sehr weitergeholfen haben.

So zb hab ich auch verstanden, wie solche Täter und Opfer rollen entstehen und was in den meisten Fällen damit zum Ausdruck gebracht werden soll. So habe ich zumindest gelernt, was ich selbst zum Ausdruck bringen wollte.

Ich hatte irgendwann beschlossen nicht mehr damit leben zu wollen, aber anstatt mich wie sonst immer umbringen zu wollen, wollte ich das einfach aufarbeiten und hinter mir lassen. Dazu gehört absolute Ehrlichkeit halt mit dazu.


Als erstes habe ich also das alles mit meiner Schwester offen in meiner Familie gemacht. Ich habe es allen erzählt, mich bei ihr entschuldigt, wir hatten viele viele Gespräche. Ich weiß wie sehr ich das bereut habe und wie die Schuld Gefühle mich aufgefressen haben. Deswegen glaube ich tief innendrin zu wissen was mein Großvater fühlt und hoffe vielleicht deswegen, dass er irgendwann von alleine auf mich zu kommt und diese Abhängigkeit auflöst, aber das wird er wahrscheinlich nie tun.

Mittlerweile habe ich auch ein ziemlich gutes Verhältnis zu meiner Schwester und ich bin froh, dass ich das aus der Welt schaffen konnte.

Nachdem das alles geklärt war, wurde mir bewusst, was ich mit dem allem ausdrücken wollte.

Ich muss zu dem allen sagen, dass ich generell auch dachte, dass ein MB auch eher nur Frauen passiert.
Dass ich zweitens auch der Meinung war, dass mein MB (finde diese Ausdrucksweise gut) ein außergewöhnlich schlimmer Fall ist.
Im Nachhinein weiß ich das nicht, das müssen andere beurteilen, weil für einen selbst ist das immer schlimm.
Ich dachte zwar auch erst, da spielen viele Faktoren rein, alter (von Täter und opfer), wie (brutal)der Täter vorgegangen ist, wie oft/lange, wie man zu dem täter steht... und das tut es bestimmt auch aus psychologischer Sicht, aber persönlich tut es das nicht.
Ich bin zwar der Meinung bei weitem nicht so brutal vorgegangen zu sein, wie mein Großvater (es beschränkte sich aufs benutzen der Hände und des Mund und Gereibe aneinander, ich habe sie nie penetriert) und dass sie älter war als ich, trotzdem macht das KEINEN Unterschied. MB ist für die Person an der er ausgeübt wird immer schlimm!


Genau so schlimm wie es für mich war. Die ersten Erinnerungen habe ich ab 3 oder 4 und es geht bis zur Einschulung, da war ich 7, dann war ich wohl aus seinem beuteschema oder whatever, ziemlich froh auf jeden Fall xd

(Kurze Anmerkung meinerseits - ich habe das ganze Thema im Einzelgespräch in Beratungsstellen und Therapiegesprächen schon mehrfach besprochen. Worauf ich abziele ist das gerade ein bisschen offener zu machen und diese Gedanken und Erlebnisse auch gerne zur Diskussion zu stellen, deswegen schreibe ich lieber so im Forum als privat, aber lieben Dank für das Angebot Harald 😊)


Was er damals alles so mit mir gemacht hat war auch nicht schön um nicht zu sagen es war schrecklich. Emotional spielt sich das alles in mir ab wie ich mir waterboarding vorstelle. Man weiß in erster Linie nicht was ab geht und hat immer wieder das Gefühl zu sterben.

Er hat mich in der Dusche regelmäßig vergewaltigt, ohne irgendwelche Hemmungen oder Mitgefühl. Ich möchte bei dem Gedanken schreien und ihn schlagen und was weiß ich, konnte mich in dem Moment aber nicht zur Wehr setzen. Ich hab mich so schwach gefühlt.

Einmal, da war vorher die Polizei im Kindergarten, wir haben alle in der Turnhalle gesessen und Die haben uns ein wenig aufgeklärt, wann man die Polizei ruft usw.
Da bin ich prompt auf die Idee gekommen ihm zu sagen, dass ich die Polizei anrufen werde, da ich jetzt weiß wie das geht und da wurde er sauer hat mich echt ziemlich hart auf den Linken Nacken geschlagen während er meinen Arm hielt, die Schulter kann ich mein Leben lang nicht mehr richtig benutzen.

Ich hab geheult und geschrien und dann kam meine Großmutter. Ich dachte sie hat das nie mitbekommen, aber da wurde das dann auch klar.

Sie kam an die Badezimmertür und hat geklopft und gesagt er solle jetzt endlich damit aufhören, bevor die Nachbarn etwas mitbekommen oder ich wirklich noch die Bullen rufe, was sie dann allen erzählen soll und dass Sie die Wohnung alleine nicht halten könne.
Seine Antwort war "wenn der nicht gleich seine Schnauze hält brech ich dem hinterher das Genick und sage seiner Mutter, der ist beim duschen ausgerutscht.

Im Nachhinein weiß ich, dass das der Moment war in dem ich komplett Dissoziativ geworden bin. So ist zumindest das Fachwort. Für mich selbst hat es sich seit dem so angefühlt als hätte es überhaupt nichts mit mir zu tun, was mit meinem Körper passiert.

Das ist so eine der Sachen die ganz krass hängen geblieben ist und es gibt noch 3 andere.

Einmal habe ich Nein gesagt und mich gewehrt, da hat er mich in den Keller gezerrt, gesagt, er zeigt mit was passiert wenn man nein zu ihm sagt.

Dann hat er meinen linkes Schienbein in den Schraubstock gespannt und dann halt weiter.

Dabei ist irgendwas passiert, ich weiß nicht was das war, kanns nicht anders beschreiben aber habe Farben gesehen.
Das Erlebnis im Badezimmer war wie durch einen Schleier und so komisch kalt distanziert und alles in einem hellen blau gefärbt.
Das Erlebnis im Keller sind wie riesige Explosionen, nur ganz weit rausgezoomt und in allen Farben. Dass es raus gezoomt ist sage ich, weil es mir so vorkommt obwohl es nicht sonderlich groß war, waren diese Explosionen unglaublich langsam und schwerfällig. Ungefähr so schwer, wie das alles in dem Alter zu begreifen.


Dann gab es noch eine Situation die fand ich richtig ekelhaft, da hat er neben mir geschlafen, da habe ich einmal bewusst seine nähe wahrgenommen, sonst nicht, bzw die Nähe die ich wahrgenommen habe spielt sich an der Stelle ab, dieses Gefühl angefasst zu werden, seinen atem zu riechen und zu spüren. Da hat er mein Gesicht genommen und wollte dass ich ihm in die Augen schaue.

Und das letzte ist die Uhr. Das hat nichts direkt mit ihm zu tun, aber damit verbinde ich das alles, weil ich die nächte immer wach gelegen habe und das ticken von dieser Uhr gehört habe. Die hat halt nicht wirklich gestickt sondern sehr laut gesirrt oder fast schon geknirscht. Dieses Geräusch habe ich unaufhörlich im Hinterkopf, wenn ich versuche das alles zu verdrängen und es wird immer stärker und lauter und treibt mich in den Wahnsinn wenn ich nicht darüber rede, weil es einfach immer weiter läuft.

Äußern tut sich das dann in ganz vielen Ängsten zwängen und vor allem in Druck. Ganz viel innerer Druck und Spannung die sich aufbaut.

Deswegen auch dieser Name für den thread. Danke für das offene Ohr, ich hoffe das ist nicht zu viel

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