Innenleben vs. Realität

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EineVonUns50
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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von EineVonUns50 » Mo Mär 09, 2020 11:27 pm

Ich denke auch, es ist ganz wichtig, dass Ihr zusammen mit der Thera Übereinkünfte trefft, die dann auch gelten und von allen respektiert werden müssen, wie z.b. keinen Kontakt und gegebenenfalls auch gleich überlegen, was unternommen werden kann, das zu gewährleisten oder was gemacht wird, wenn es dann doch passiert.
Das ist ja etwas ganz wesentliches. Bevor aber Absprachen getroffen werden können, muss zumindest das Viele-Sein irgendwie Akzeptanz finden. Man kann nur mit denen Übereinkünfte treffen, wo Kontakt möglich ist. Wenn noch kein Kontakt möglich ist, muss man erstmal gucken wie man den hinkriegt... So klingt es ein bißchen, als würdet Ihr versuchen, das Pferd von hinten aufzuzäumen...

was ich damit auch sagen will - unsere Erfahrung: Bevor man einen Konsens über das Vergangene finden kann und das womöglich für einzelne bedeutet, dass ihre komplette Sichtweise und Selbsterleben existentiell bedrohlich in Frage gestellt wird, muss man doch erstmal einen Konsens über die Gegenwart finden: Kontakt herstellen, Sicherheit (äussere und emotionale) herstellen, derweil Übereinkünfte und Absprachen treffen, die für das Miteinander absolut not-wendig sind usw.

SophiawirdErwachsen
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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Di Mär 10, 2020 7:55 am

Ja, da haben wir wohl noch einiges zu tun.
Stimmt, wir müssen mal alle davon überzeugen, dass wir mehrere sind. Mich wundert generell immer, wie man das nicht glauben kann, wir schreiben hier, wir schreiben Tagebuch, wir sind in Therapie .....naja, bisher denkt die eine noch, sie hat Psychosen oder so etwas.
Habt ihr vl eine Idee, was wir konkret noch machen könnten, um ihr einfach klar zu machen, dass wir tatsächlich mehrere sind und sie nicht einfach nur manchmal "in komischen Zuständen" ist? Sie glaubt, sie könnte das alles abstellen, wenn sie nur wollte. Eigentlich müsste sie wissen, dass das nicht geht, sie hat es ja schon mal versucht, aber sie ist davon trotzdem noch überzeugt.

Ich glaube, ich versuch mal einen Brief zu verfassen, den ich ihr hinlege. Vl bringt das irgendetwas. Wenn nicht, denkt sie leider nur, sie schreibt sich selbst verrückte Dinge und zweifelt wahrscheinlich noch mehr an ihrem Verstand :roll:

meredith

Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von meredith » Di Mär 10, 2020 8:47 am

Puh, klingt nach ganz schön viel Arbeit bei euch den Überblick zu behalten....

ich wollte eigentlich gestern noch von den zwei Seiten meiner Mutter schreiben, das hat mich dann aber selber zu sehr getriggert.
daher nur so viel, meiner Erfahrung nach können Eltern durchaus zwei Seiten haben.
Und es kann sehr schwer sein, das zu glauben bzw. so wahrzunehmen.
ich konnte das erst glauben, als im Erwachsenenalter andere Erwachsene bei solchen Situationen dabei waren und meine Wahrnehmung bestätigt haben. es ist auch so irrational und verrückt, so eine zweite "böse" Seite, ich glaube so etwas kann ein Kind nicht verstehen.

gibt es denn auch Gründe im heute, die dafür sprechen, den Kontakt zur Familie bzw. den Tätern abzubrechen?
etwas, das auch Anteile überzeugt, die die Gründe in der Vergangenheit nicht akzeptieren können?

EineVonUns50
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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von EineVonUns50 » Di Mär 10, 2020 11:27 am

Zu den Psychose-Theorien oder sonstigen Erklärungen i.S.v. "in meinem Kopft stimmt halt was nicht, alles nur Einbildung, womöglich krankhaft": da helfen / halfen bei uns tatsächlich nur Experten-Meinungen von Aussen. Alle Psychiater und Ärzte, mit denen wir zu tun hatten im Laufe der Zeit, wurden befragt, teils auch mehrfach. Das hat lang gedauert, bis diese Theorien zumindest als "sehr unwahrscheinlich" abgelegt wurden. Evtl. könnte auch gerade dieser Anteil mal eine Diagnose bzw. diese für DIS erstellte Fragebögen durcharbeiten mit der Thera.

Es ist ja auch logisch irgendwie, dass es die Meinung von Aussen braucht, denn es gehört ja zu dieser Theorie dazu, dass das alles krankhaft im Kopf verankert ist, entsprechend hat es wenig Überzeugungskraft, wenn der kranke Kopf dann sagt, ich bin aber nicht psychotisch, sondern das ist eine DIS. Das gehört ja dann quasi zur Psychose dazu...

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Di Mär 10, 2020 2:55 pm

Da hast du recht. Ich denke, sie weiß im Grunde, dass es so ist, aber sie will es eben nicht. Sie ist die Möglichkeiten Schizophrenie, Psychose, sogar Alzheimer, schon einige Male mit der Therapeutin und auch einer Ärztin durchgegangen. Ich glaube, sie braucht es einfach noch öfter und vl noch mehr Input von anderen Fach-Menschen. Das mit den DIS Fragebögen werde ich unserer Therapeutin vorschlagen. Sie hat zwar auch schon einige Male versucht mit ihr über die Diagnose zu sprechen bzw. ihr einfach zu "zeigen", dass sie eben nicht immer alles "unter Kontrolle" hat, aber sie glaubt es bisher einfach nicht. Steter Tropfen höhlt in diesem Fall hoffentlich mal den Stein :wink: ...


Es gibt eigentlich sehr viele Gründe, die dafür sprechen. Die sollten wir mit unserer Therapeutin auch nochmal penibel durchgehen. Die Arme muss sich alles doppelt und dreifach anhören :lol: , aber ist eben so.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von EineVonUns50 » Di Mär 10, 2020 8:57 pm

Hat sie und die anderen für das das schwierig ist, denn auch die Möglichkeit mit der thera zu reden auf eine Weise, dass sie da auch mit ihren Ängsten Platz hat und sie das anschauen kann, was sie daran ängstigen würde, wenn das stimmen würde? und/oder die mit ihr zusammen versucht Kompromisse zu finden, so dass eben solche Sachen wie Kontaktsperre aufrecht erhalten bleiben können?
Ich weiß von uns, wie wichtig es ist, dass auch bei Anteilen, die scheinbar blockieren, weil sie manches nicht sehen wollen, wichtig ist, dass die jemanden an der Seite haben, der sie versteht und auf ihrer Seite ist und nicht nur Druck macht, sie müsse sich verändern. also das berühmte: "da abholen wo jemand steht". Das sein-dürfen muss ja für alle gelten, also auch für verdrängende anteile. dann ist eben halt wichtig, Verhaltensweisen, Umgangsweisen zu finden, die aber andere nicht in Gefahr bringen oder nicht schädigen. Wir erleben das so, dass Änderung und Annäherung nur möglich ist, wenn diejenigen das Gefühl haben, verstanden zu werden. dann ist es auch eher möglich, dass die sich auf Absprachen mit der thera einlassen.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mi Mär 11, 2020 11:08 pm

Grundsätzlich hätte sie das. Ich kann nicht wirklich beeinflussen, ob ich in der Therapie da bin oder nicht. Manchmal, wenn ich es mir am Weg dorthin schon vornehme, aber nicht mal dann. Ob sie dann vorkommt, weiß ich aber auch nicht. Aber theoretisch hätte sie den Raum. Ich glaub es war einfach noch zu wenig Zeit und sie ist dann auch eher passiv und geht eher nicht in Diskussion mit der Therapeutin. Das wäre aber denk ich mal eventuell sinnvoll. Die Therapeutin versucht sie nicht aktiv umzustimmen bzw. ihr die Augen zu öffnen, was ich mir zwar manchmal wünschen würde, aber wahrscheinlich würde das wirklich nur Gegendruck erzeugen, der kontraproduktiv wäre.

Ich werde es mir jedenfalls mal merken und mich gegebenenfalls zurückhalten...

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Sa Mär 21, 2020 11:26 pm

Kurzes update...
Unsere Thera hat mit der gesprochen, die alles für eine Psychose hält. Sie hat ihr auch die Diagnose mitgeteilt. Das hat mich überrascht, aber fand es gut. Naja, die eine hat alles abgestritten und meinte natürlich, dass sie alles erfunden hätte und das nicht stimmen würde, aber seitdem ist sie wesentlich ruhiger. Ich glaube, sie denkt zumindest darüber mal nach, dass eventuell doch nicht alles erfunden ist...

liebe Grüße
Sophia

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