Innenleben vs. Realität

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
SophiawirdErwachsen
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Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » So Mär 08, 2020 10:12 pm

Hallo,

ich hab mich in letzter Zeit häufiger mit dem Problem Innenleben-Außenerleben beschäftigt, da das in uns immer zu Streit führt und steck da irgendwie fest.

Die Kleinen erzählen schon immer ihre Erlebnisse. Wir sind sicher, dass sie sich das nicht ausgedacht haben, also absichtlich lügen tun sie sicher nicht. Die Mutter der Kleinen ist bösartig, sadistisch und hat zumindest eine Affäre mit einem verrückten Mann. Der Vater ist in den Geschichten der Kinder nicht existent.

Die Erwachsene, die das Problem bei uns hat, hat Eltern, die ich real auch kenne. Sie kommt mit den Geschichten der Kinder nicht klar, weil sie aus deren Erzählungen immer Analogien in Bezug auf ihre Eltern bildet. Und das klappt einfach nicht.

Für mich haben die Eltern der Kinder wenig bzw. nichts mit den "realen" Eltern zu tun. Ich verstehe aber grundsätzlich den Gedankengang der Erwachsenen. Da wir alle in einem Körper sind müssten die "realen" Eltern auch irgendwie die Eltern der Kinder sein. Also das ist zumindest die Idee, denke ich.

Aber ich verstehe, dass sie daran verzweifelt. Die Eltern die ich real kenne, sind ganz anders als die aus den Geschichten. Die realen Eltern sind extrem konservativ, verkorkst, sex. verklemmt und immer darauf bedacht, was andere von ihnen denken. Die Mutter würde alles dafür tun um den Schein einer perfekten Familie aufrecht zu erhalten und der Vater ist eher passiv aber grundsätzlich gutmütig. Beide sind sozial engagiert und haben einen eher eingeschränkten Freundeskreis.

Ehrlich gesagt, sehe ich auch keine Übereinstimmung zwischen den Eltern der Kinder und den realen Eltern der Erwachsenen. Ich weiß auch gar nicht, ob es da überhaupt einen Zusammenhang gibt.

Für mich macht das kein großes Problem, aber die Erwachsene von uns zerbricht förmlich daran. Ich weiß nicht, wie ich ihr helfen soll. Die Idee einfach mal die Geschichten zu akzeptieren und sie ohne Bewertung stehen zu lassen, ist für sie nicht umsetzbar.

Habt ihr vl eine Idee dazu?

Liebe Grüße

T...

Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von T... » So Mär 08, 2020 11:36 pm

Hallo,

ich kann beides verstehen sowohl dass die Kleinen erzählen wollen als auch dass die Erwachsene damit große Probleme hat, das zu akzeptieren und es nicht zu ihrer jetzigen Realität zu passen scheint.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es besser wird, wenn die Erwachsene sich das neutral anhören soll. Schließlich war es nicht neutral für die Kleinen und es ist ja auch deswegen, weil es so schlimm war, für die Erwachsene so schwierig damit umzugehen und kaum zu fassen.
Meine Idee war, dass ihr vielleicht gemeinsam überlegen könnt, ob es Erlebnisse gibt, die die Erwachsene auch irgendwie mit dem Heute zusammenbringen und ertragen kann. Vielleicht würde das den Kleinen schon helfen, damit sie sehen, dass ihnen geglaubt wird und dass auch anerkannt wird, dass es schlimm war. Vielleicht ist es dann gar nicht so wichtig, dass sie alle Erlebnisse erzählen, weil da sicherlich vieles ganz schwierig für die Erwachsene ist und vielleicht können sie dann wenn sie sich gesehen fühlen, auch verstehen, dass nicht alles im Moment auszuhalten ist für die Erwachsene.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von EineVonUns50 » Mo Mär 09, 2020 2:04 pm

sehr schwieriges thema... letztlich braucht es wahrscheinlich schon von allen erwachsenen Seiten das kognitive Wissen, dass es sich um die gleichen Eltern handelt - als langfristiges Ziel. Das Verständnis, dass die Erwachsenen die Erlebnisse der Kinder nicht selbst miterlebt haben, aber diese trotzdem eben real waren für die Kinder. Für die ist das sonst schlimm, weil ihnen dann wieder nicht geglaubt wird und niemand für sie eintritt.

Andersherum kann es für das System sehr positiv pushend sein, wenn man sich entscheidet, den Aussagen der Kinder zu vertrauen, auch wenn diese nicht bewiesen werden können oder selbst so nicht erlebt wurden. vielleicht ist es auch hilfreich, sich klarzumachen, dass es um das Erleben der Kinder geht - und nicht um die Frage, ob die geschilderten situationen nun so 1zu1 tatsächlich stattgefunden haben. Oft vermischt sich da ja sehr viel. Nur die Gefühle und das was ausgelöst wurde, das ist sehr real und das gilt anzunehmen und eben mindestens soweit zu akzeptieren, dass das Eltern eben ausgelöst haben, ... dass die Eltern auch noch eine Seite haben, die die Erwachsene eben selbst nicht kennt, aber die aber trotzdem da war.

Wahrscheinlich ist auch für die verdrängende Erwachsene extremst existentiell, das nicht anzuerkennen, denn das war nun mal ihr Job und das hat ihr überhaupt ermöglicht erwachsen zu werden. Das braucht sehr behutsames Vorgehen, so dass da eine Annäherung / ein Kompromiss möglich ist, mit dem beide Seiten leben können. Es ist auch die Frage, inwieweit in der heutigen Situation es noch nötig ist, dass diese Erwachsene ihr Leugnen aufrecht erhält. Wenn es z.b. noch Elternkontakt gibt oder sie fürs Funktionieren im Job o.ä. zuständig ist, dann ist das natürlich noch schwerer eine Änderung zuzulassen.

Für mich haben die Eltern der Kinder wenig bzw. nichts mit den "realen" Eltern zu tun.
So wie du schreibst, hat dann aber nicht nur diese Erwachsene das Problem, sondern du auch ;-) Dir gelingt nur die Abspaltung besser :)

SophiawirdErwachsen
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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 4:38 pm

Danke für eure Ideen und Anregungen!

@EineVonUns50
Ja das stimmt wohl :lol: ..ich kanns mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, aber mich belastet das nicht. Es ist eher so, dass ich diesen Menschen die ich kenne, das einfach nicht zutraue. Die hätten dann ein vollkommen irres Doppelleben und könnten sich auch charakterlich unfassbar gut verstellen, bzw. wären total gespalten, das ist für mich auch eher unrealistisch.
Dass die Kinder nicht lügen und deren Geschichten stimmen glauben wir alle. Sogar die Erwachsene, das ist schon mal gut.
Anzuerkennen, dass die Eltern offenbar irgendetwas dazu beigetragen haben, dass die Situation jetzt so ist haben wir schon geübt. Die meisten können das mittlerweile akzeptieren, ich auch, aber die Erwachsene schwankt noch manchmal und denkt, sie sei alleine für ihre Gedanken verantwortlich und irgendwie pervers oder so. Das braucht es noch etwas Zeit, denke ich.
Ich denke, sie hat noch einen Grund alles zu leugnen. Ich weiß, dass sie Angst hat die gesamte Familie zu verlieren. Da alle irgendwie zusammenhängen. Zumindest im Moment ist es für uns nicht möglich Kontakt mit Einzelnen zu haben, auch wenn die nicht direkt ins Geschehen involviert waren. Wir haben erst vor wenigen Wochen den Kontakt abgebrochen und es fällt ihr noch schwer das auch durchzuhalten, weil sie sich Vorwürfe macht. Das dauert offenbar auch noch. Realistisch hat sie diese Familie ohnehin kaum gesehen, super unterstützend war sie auch nie, aber sie ist furchtbar loyal und denkt, sie hat nicht das Recht darauf keinen Kontakt zu haben und wäre deshalb ein furchtbarer Mensch.
Ich hoffe, das ändert sich bald mal, das empfinde ich nämlich als ziemlich kontraproduktiv, weil es alles immer wieder in Frage stellt.

@T...
das mit den gemeinsamen Erlebnissen ist eine gute Idee. Das können wir jedenfalls mal versuchen. Wir müssen halt beim kleinsten gemeinsamen Vielfachen anfangen, weil es quasi bei allen Erinnerungen mindestens zwei Versionen gibt.

Liebe Grüße

EineVonUns50
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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von EineVonUns50 » Mo Mär 09, 2020 4:51 pm

ich find das ja spannend, also weil das auch bei uns immer wieder thema ist mit dem "wahrhaben wollen".
Die hätten dann ein vollkommen irres Doppelleben und könnten sich auch charakterlich unfassbar gut verstellen, bzw. wären total gespalten, das ist für mich auch eher unrealistisch.
Dass die Kinder nicht lügen und deren Geschichten stimmen glauben wir alle.
aber findest du diese beiden Aussagen nicht total widersprüchlich? "Dass die Kinder nicht lügen, glauben alle" - Aber wenn es stimmen würde, "hätten die Eltern ein irres Doppelleben... das ist .. unrealistisch". Also schon den Konjunktiv ("hätten, würden") zu verwenden, zeigt doch, dass es eben nicht geglaubt wird.
Oder ist dann die theorie, dass den Kindern das zwar passiert ist, aber nicht mit den Eltern? Was ist denn für dich realistisch? Wie ist es denn dann passiert? Wer waren dann die täter?

also ich frage jetzt wirklich offen, weil ich das auch so fasznierend finde, bei euch das so zu lesen und ich glaube, dass es in diesem unseren Kopf ähnlich verquer abgeht..
Manchmal überlege ich auch, ob die eltern nicht auch dissoziativ gestört sind. Also so, dass es da auch in diesem Sinne "mehrere" Mütter und Väter gab bzw. das so empfunden wurde, weil die beiden das selbst so abgespalten haben.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 5:31 pm

Hallo EineVonUns50 mir ist bewusst,
dass es total widersprüchlich ist.. aber es ist tatsächlich unsere "Logik" *:).

Ich glaube, es ist für uns wie wenn es zwei verschiedene Welten wären, die irgendwie parallel ablaufen. Als wären die einen wie Geister, nicht real aber da.. und die anderen eben real, also physisch anwesend gewesen. Das einzige was gleich bleibt ist die Wohnung.
In der ersten Welt haben die Kinder eine schreckliche Mutter und furchtbare Erlebnisse. Die erzählen sie auch. Wir wissen, dass die Mutter verrückt war, deshalb glauben wir auch, was sie erzählen.

In Welt zwei lebte Die Erwachsene, die damals auch ein Kind war. Sie hat grundsätzlich ähnliche Situationen erlebt (beispielsweise sie steht mit ihrer Mutter in der Küche...) aber die Situation an sich gestaltet sich ganz anders und die Mutter sagt und tut andere Dinge. Die Mutter ist zwar auch nicht besonders nett, aber auch nicht total durchgeknallt.

Es gibt zum Beispiel eine Szene die läuft anfänglich in beiden Welten gleich ab, der Ausgang ist in beiden Welten, dass der Arm gebrochen ist. Nur der Tathergang ist in beiden Welten total unterschiedlich.
So ist das öfter.
In Welt zwei sind die Szenen meistens irgendwie "normal" und in Welt eins vollkommen verrückt.

Und dann gibt es eben die Szenen, die wir tatsächlich als sehr schlimm einstufen, das sind auch die Geschichten, die die Kinder uns immer erzählen. Die kommen in Welt2 überhaupt nicht vor. Geht auch gar nicht. In Welt 2 führt die Familie ein relativ langweiliges, stinknormales, bürgerliches Familienleben, würd ich mal behaupten. In Welt 1 kommen Personen vor, die in Welt 2 nicht existieren oder uns zumindest nicht bekannt sind und Orte, die wir auch nicht kennen. In Welt 1 hat die Mutter auch eine Affaire, die aber in Welt 2 undenkbar ist. Zum einen ist die Mutter in Welt 2 ziemlich verklemmt und sieht schon Scheidung als unmoralisch und inakzeptabel und Fremdgehen ist überhaupt außerhalb jeder Vorstellungskraft. In Welt 2 leben auch andere Familienmitglieder im Haus und es besteht viel Kontakt zur restlichen Familie. Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass keinem jemals etwas Komisches aufgefallen wäre. Diese unbekannten Menschen müssten in Welt zwei ja auch aus und ein spaziert sein, so wie eben in Welt 1.

"also so, dass es da auch in diesem Sinne "mehrere" Mütter und Väter gab bzw. das so empfunden wurde, weil die beiden das selbst so abgespalten haben." --> daran haben wir auch schon gedacht, ehrlich gesagt wäre das die einzig logische Erklärung für mich, die möglich wäre. Die Kinder haben oft davon gesprochen, dass sich die Mutter in eine Hexe verwandelt. Interessanterweise hab ich mal ein Buch gelesen "Borderlinemütter und ihre Kinder"... da konnte ich die Mutter wiederfinden, die die Kinder beschrieben haben. Dort wird sie als "Typ Hexe" bezeichnet. Das fand ich irgendwie interessant.

-->Das würde eventuell das Doppelleben möglich machen, auch die charakterliche Veränderung, die schon auffällig ist. Wir führen ja quasi auch ein Doppelleben, also zumindest eine von uns :roll:. Und es würde eine Amnesie erklären, die die realen Eltern diesbezüglich haben. Weiß zwar nicht, ob sie die haben aber denke schon, die leben gedanklich in vollkommen anderen Welten. Was sicher ist, dass es der Erwachsenen als Kind emotional/psychisch nicht gut ging. Aber in der Welt der Eltern, war alles immer super und in Ordnung :roll: .
Zuletzt geändert von SophiawirdErwachsen am Mo Mär 09, 2020 5:47 pm, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 5:44 pm

Kurzgefasst.
Die Kinder hatten Eltern, die furchtbar waren.
Die Erwachsene hat andere Eltern, die real sind und ok waren.

*;) ich denke, so ist die Zusammenfassung. Die Erwachsene versteht nur nicht, wieso diese Kinder in ihrem Kopf sind, bzw. warum sie mehrere ist (je nachdem wie sie gerade drauf ist wechselt das). Im ersten Fall denkt sie, sie hat sich die Kinder nur ausgedacht, die eben "wahre Geschichten" erzählen, die sie dann ja auch erfunden hat. In der zweiten Variante denkt sie einfach, sie hat mit diesen Kindern nichts zu tun, außer dass wir im selben Körper leben.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 5:45 pm

:lol: Logisch ist das wirklich nicht, aber für uns macht es Sinn

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 6:19 pm

Wir hatten dann auch schon ganz abgedrehte Erklärungen.
Dass die Kinder eventuell Geschichten aus einem vorigen Leben oder so erzählen. Wir glauben zwar eigentlich nicht an sowas, aber ausschließen können wir es auch nicht...
Oder dass es eigentlich die Geschichte der Eltern ist und wir das irgendwie übernommen haben. So traumavererbungsmäßig.. keine Ahnung


Wobei unsere Therapeutin diesbezüglich gemeint hat, dass das nicht möglich ist. Also, dass das keinem anderen passiert sein kann. Daher weiß ich das jetzt auch nicht.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von EineVonUns50 » Mo Mär 09, 2020 7:22 pm

ich denk mir manchmal, vielleicht ist eine einigung, ein konsens gar nicht möglich. vielleicht müssen wir einen Umgang damit finden, dass wir unterschiedliche Realitäten haben. vielleicht braucht es einfach diese Aufspaltung immer noch, um weiter (über)leben zu können. Dann müsste man sich halt mehr darauf konzentrieren, dass das akzeptiert wird gegenseitig innen drin und alle das Recht auf ihre Realität haben und man sich gegenseitig nicht behindert.

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 7:47 pm

Ja ich befürchte, es läuft irgendwie darauf hinaus.
Wir hatten mal eine Therapeutin die meinte "Wissen Sie, manchmal muss man Realitäten einfach nebeneinander stehen lassen", das wäre dann wohl das.
Aber es ist irgendwie belastend. Für die Erwachsene wäre es eigentlich eine Erleichterung, wenn sie wissen würde, was real passiert ist. Sogar wenn sich herausstellt, dass die Geschichten der Kinder auch real passiert sind. Zumindest wäre dann diese Unsicherheit und dieses ewige hin und her vorbei.
Dazu müsste sie sich aber irgendwie selbst erinnern

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 8:25 pm

Ich glaube, das Schwierige für mich persönlich, ist die Konsequenz, die sich aus den verschiedenen Meinungen ergibt. Ich finde es sehr anstrengend, die, die alles verleugnen und offenbar im lilalauneland aufgewachsen ständig davon zu überzeugen, dass es Sinn macht, sich von der Ursprungsfamilie fern zu halten. Wenn die Erwachsene überzeugt davon ist, dass sie verrückt ist und alles ganz ok war, wird sie früher oder später wieder Kontakt zu den Tätern aufnehmen und dann beginnt alles von Vorne.
Mir wäre es lieber, wir würden uns alle darauf einigen, dass die Geschichten der Kinder wahr und real sind. Dann hätte ich weniger Arbeit und es würde mal Klarheit herrschen.
Da ich mir das zwar wünsche, aber gedanklich auch nicht schaffe , wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit so sein, dass wir wieder Kontakt aufnehmen. Davor hab ich Angst. Ich will das auf keinen Fall, aber ich werde es nicht verhindern können, das weiß ich auch. Gegen die "Vernünftigen" komme ich nicht an.
Ich glaub ich muss das mit der Therapeutin besprechen. Ich brauche dazu irgendwie Hilfe.

~SteinHart~
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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Mär 09, 2020 8:49 pm

Aber jetzt mal ernsthaft, es gibt keine zwei Realitäten.
Der Arm kann nur auf eine Weise gebrochen worden sein, es können nicht beide Geschichten stimmen.
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

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Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Mo Mär 09, 2020 9:17 pm

Ja eben. Das ist das Problem.

T...

Re: Innenleben vs. Realität

Beitrag von T... » Mo Mär 09, 2020 9:55 pm

Ich sehe das mit der Realität ein bisschen anders. Denn wenn zur Realität nicht nur das gehört, was außen passiert, sondern auch das, was man von dem was passiert, wahrnimmt und was dadurch an Gefühlen, Gedanken etc. ausgelöst wird, dann denke ich gibt es eben nicht nur eine ("richtige" bzw. "wahre") Realität.
Die eigene Wahrnehmung eines Erlebnisses und die Gefühle die dadurch entstehen sind schließlich von den Vorerfahrungen abhängig und die Erfahrungen der Kleinen und der Erwachsenen sind wohl sehr verschieden, weil sie jeweils unterschiedliche (Teil-)Erlebnisse hatten.
Ganz allgemein glaube ich, dass man immer versucht sich einen Reim auf das zu machen, was man erlebt und sich das zu erklären. Dieser "Reim" ist aber am Ende nicht die eine wahre Realität, sondern beeinflusst von dem was man für Erfahrungen gemacht hat und vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen entsteht jeweils eine Realität.
Und die Erfahrungen von euch sind sehr unterschiedlich und ich glaube, die kann man dann eben auch nicht einfach unter einen Hut bringen. Aber ich denke, es ist wichtig anzuerkennen, dass eben beides stimmt vor dem jeweiligen Hintergrund und der jeweiligen (Teil-)Wahrnehmung.

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