Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

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Wenona
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Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Wenona » Fr Jan 31, 2020 10:42 pm

Hallo!

Ich hatte in den letzten Jahren die Diagnose Depression, hatte daher ein AD verschrieben bekommen (Venlafaxin 150 mg). Außerdem ein Neuroleptikum (Seroquel 50 mg), bei Bedarf vor dem Schlafengehen.

Inzwischen kam mir von mehreren Seiten zu ohren, dass die Diagnose PTBS manchmal trotz vieljähriger psychiatrischer Behandlungen erst sehr spät gestellt werden kann. Habe die Vermutung, dass es bei mir so sein könnte, zumal ich selber noch nie den Verdacht ausgesprochen bzw. einige Verhaltensmuster sehr gut "für mich behalten" hatte.
Ich habe vor, meine Psychiaterin beim nächsten Termin darauf anzusprechen, will aber vorher noch hier eine Frage stellen:

Weiß jemand hier, ob die Diagnose einen Unterschied macht bei der medikamentösen Behandlung? Bekommt man andere Medis bzw. eine andere Dosis? Gibt es vllt jmd unter euch, der ursprünglich auch die Diagnose Depression bekam und bei dem dann die medikamentöse Behandlung aufgrund der Diagnose PTBS verändert wurde?

Ich frage deshalb, weil mich intressiert, ob dann die Behandlung gezielter oder effektiver werden kann bzw. ob es mir sonst etwas bringen würde, die Diagnose PTBS zu haben (natürlich nur, wenn ich es WIRKLICH hätte, versteht sich...)
Ich wünsche mir natürlich NICHT, es zu haben, aber Depression scheint mir manchmal so ein Überbegriff zu sein für "etwas, das man nicht einorden kann", zumal ich mich nicht als der Typ sehe, der "schnell aufgibt und alles negativ sieht etc." (was wahrscheinlich auch Vorurteile bzw. Klischees zum Thema Depression sind)

Ich nehme die Medis nur schon sehr lange und mache zusätzlich viele Jahre Therapie, glaube auch, dass die aktuelle Thera sehr gut für mich ist, trotzdem "schleppt" sich das alles so.... Ich will nicht die Hoffnung verlieren, dass ich dieses .... Zeug nicht bis ans Lebensende schlucken muss.... und noch vieles andere ......

Weiß hier jmd etwas darüber, vllt und/oder aus eigener Erfahrung bzw. gibt es hier jmd der auch erst nach sehr vielen Jahren die Diagnose PTBS bekommen hat?

Liebe Grüsse, Wenona

Gastacht

Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Gastacht » Sa Feb 01, 2020 9:26 am

Ja die ptbs zeigt sich oft erst Jahre danach. Das ist oft sl.
Meine Freundin ist gerade so ein Fall.
Sie nimmt nun einen stimmungsstabilisator statt venlafaxin.
Was übrigens nicht gerade toll in der Dosis ist. Kann in die hypomanie umschlagen wenn es dir zwischendurch mal besser geht
Oft sind psychs unfähig. Würde evtl mal den psych wechseln und mich neu einstellen lassen bzw gucken was ohne das venla passiert. Das kann eine ptbs Symptomatik auch mal unterdrücken meinte meine psych mal.

Naja wenn du eine ptbs hast kann man dich wirklich gezielter theramässig behandeln. Glaub oft medis immer einen Unterschied machen weiss ich nicht.
Aber eine Traumatherapie mit evtl Konfrontation, Ego State etc kann ja die Ursache der Depression lösen...
Gastacht

Sayeda
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Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Sayeda » Sa Feb 01, 2020 3:59 pm

Hallo Wenona,

Venlafaxin ist ein Kombipräperat. Es soll bei Depressionen und Angststörungen helfen. Die Kombination mit Seroquel kann durchaus als Klassiker bei der PTBS-Verschreibung gesehen werden. Ich selbst nahm auch eine zeitlang Venlafaxin und es war für mich eine hilfreiche Unterstützung, um mit der Angststörung umgehen zu lernen (die sich übrigens im Laufe der Therapie sehr verbesert hat). Und seroquel kenne ich auch.

Zu deiner eigentlichen Frage: Es gibt da durchaus einen Unterschied von einer klassischen Depression und einer durch eine PTBS aus gelösten Depression beispielsweise. Beim ersten ist es eine psychsche Erkrankung. im zweiten Fall kann die Depression durchaus "nur" auch ein Symptom sein. Deshalb sollte die Diagnose schon differenzierter angegangen werden.

LG, sayeda
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Luisa Francia

Wenona
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Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Wenona » Sa Feb 01, 2020 7:10 pm

Hallo, Gastacht und sayeda!

Danke vorerst für eure Antworten, werde es mir erst einmal durch den Kopf gehen lassen.
Ich halte die psych nicht für so unfähig, denn wie gesagt - Ich konnte gewisse Symptome sehr lange unterdrücken/überspielen.
Darum werde ich sie nächstes mal ganz gezielt darauf ansprechen - sollte dabei nichts konstruktives für mich herauskommen, kann ich noch immer über einen Wechsel nachdenken.
Zurzeit mache ich keine Traumatherapie, sondern systemische Familientherapie - damit und mit der Thera selbst geht es mir schon längere Zeit sehr gut. Wenn ich PTBS habe, dann eher die komplexe Form, die soll es aber noch gar nicht als Diagnose geben. Ich lebe in Ö, ist das in Deutschland anders?

vllt TRIGGER?
Der körperliche MB hat ja außerhalb der Familie stattgefunden, diese wusste es nicht... In der Familie selbst wurde der MB auf einer anderen Ebene "fortgesetzt", was immer wieder zu Re-Traumatisierungen geführt hat. Wenn ich PTBS habe, dann erst DAvon, aber das ist meine eigene Spekulation...
sollte hier nicht mehr dazu schreiben, wenn, dann anderer Thread... Spoiler setzen geht hier nicht, oder?

LG, Wenona

Sayeda
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Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Sayeda » Sa Feb 01, 2020 10:53 pm

Hallo Wenona,

tatsächlich wird es erst 2022 im neuen ICD 11 KPTBS geben. Das ist in Deutschland also gleich.

Nachdem was du verschrieben bekommen hast denke ich auch, dass du dort durchaus gut aufgehoben sein könntest. Und wenn du derzeit mit der systemischen Familientherapie gut klar kommst und du es für dich hilfreich wahrnimmst, dann wüsste ich nicht, warum du wechseln solltest.

Letztendlich ist es doch wichtig, dass es dir hilft. Egal, welche Diagnose dahinter steckt.

LG, sayeda
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Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Wenona » So Feb 02, 2020 6:21 pm

Danke, sayeda - Liebe Grüsse!

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LunaSue
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Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von LunaSue » Mo Feb 03, 2020 11:26 am

Hallo Wenona,

Ich möchte Sayedas Aussage bekräftigen.

Wenn du mit der Medikation gut eingestellt bist,
dann ist sie für dich richtig und gut.
Dabei kommt es weniger auf die Diagnose, als viel mehr auf
die Symptome an, gegen den die Medis wirken sollen.
Es gibt so vieleÜberschneidungen... Menschen mit Depressionen leiden statistisch betrachtet häufig ebenfalls unter Ängsten.
Menschen mit Angststörungen unter Depressiven Episoden.

Tatsächlich wechselte bei mir die Hauptdiagnose im Verlauf
drei Mal. Das bedeutete nur, dass das der aktuelle Grund für
speziellere Maßnahmen war. Alles Andere war zu dem Zeitpunkt Nebendiagnose.
Die damalige Medikation blieb davon völlig unberührt.

Viele Grüße
Luna
Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt.
Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte,
der dem Leben zu antworten - das Leben zu ver-antworten hat.

Viktor Frankl

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Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Wenona » Mo Feb 03, 2020 5:18 pm

Danke auch dir, liebe Luna!

Medi

Re: Medikationen bei Depression oder PTBS/ Unterschiede?

Beitrag von Medi » Fr Feb 07, 2020 7:58 am

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Kaum in der Klinik eingestellt, wird ambulant alles wieder geändert.

Die beste Entscheidung? Den Mist aus dem Körper raus lassen. Dafür das eigene Umfeld prüfen und gut für sich selbst sorgen.

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