Laraaas 120 Zeichen

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Laraaa

Laraaas 120 Zeichen

Beitrag von Laraaa » Sa Dez 21, 2019 12:23 am

Hallo liebe Foris,

mir geht da etwas durch den Kopf:

Meine Thera (bin lange bei ihr, großes Vertrauen) weiß unfassbar viel über meine Kindheit, den Mb, wie es den verschiedenen Anteilen damit geht und so weiter. Fast alle "alten" Themen habe ich schon mal angesprochen, einige sind bearbeitet, einige sind auf der "Warteliste" und so weiter.. Also das läuft und ich kann da auch sehr offen und ehrlich mit ihr sprechen. Mehr als mit jedem anderen.

Und dann gibt es auf der anderen Seite eine ganze Reihe von "aktuellen" Themen, die mich als Erwachsene betreffen, von denen meine Thera keinen Schimmer hat. Ich kann es ihr nicht sagen, unmöglich.. geht da zb um diverse Zwänge, Wutausbrüche und allerlei anderes. Das komische ist, dass ich darüber mit meinem Umfeld (Freund, enge Freundinnen) ziemlich gut reden kann. Da bin ich offen, sage was geht und was nicht geht und schäme mich relativ "wenig".. aber vor meiner Thera spiele ich immer die Starke, lasse 80 % der Symptome weg und erzähle ich fast nichts, von dem was mich einschränkt.

Manchmal frage ich mich, ob sie es ahnt, weil wir arbeiten so intensiv an den Innen-themen und das, obwohl ich ja "angeblich" (also ihr gegenüber sage ich das) kaum symptome habe. Das würde ich ja ohne den entsprechenden Leidensdruck gar nicht machen oder?

Kennt das jemand von euch? So eine strikte und komische Trennung der Problemfelder bzw. Verheimlichen von Symptomen? Fühle mich wie ein Alien damit und manchmal auch unehrlich ihr gegenüber..

Liebe Grüße
Laraaa

lindsey
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Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von lindsey » Sa Dez 21, 2019 10:56 am

Liebe Laraaa,

kannst du für dich ausmachen woran das liegen könnte?
Weshalb möchtest du für deine Thera als die starke wirken?

Ich kenne es nur anders herum. Kann mich bei Freunden nicht so richtig öffnen (obwohl das auch besser wird). Bei meinem Thera spiele ich mit offenen Karten. Ich hab keine Lust auf ewig Therapie und ich habe das Gefühl dass mir nur geholfen werden kann, wenn alles auf dem Tisch liegt. Hat auch schon dabei geholfen Dinge einfach gerade zu rücken, wo mir erst in der gemeinsamen Reflexion klar geworden ist, dass meine Gefühle/ Verhaltensweisen etwas "drüber" sind und ihr Ursache ganz wo anders haben.

Leicht fällt es mir absolut nicht die Karten auf den Tisch zu legen. Oft nehme ich dabei auch meine ganze Körpersprache wahr, die wirklich Bände spricht und ich hasse es total, wenn ich so gelesen werden kann. Aber nur dann kann man mir helfen.

Außerdem zahle ich den Spass privat und die 60 min Kosten 180€. Die 200 für ne Sitzung knackt man also relativ schnell. Steigert zumindest bei mir die Therapie Motivation nochmal erheblich 😂

Alles Gute!
lindsey

elefantenkind
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Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von elefantenkind » Sa Dez 21, 2019 10:41 pm

Liebe Laraa, was ich kenne: ich halte mein aktuelles Leben aus der Therapie raus, weil in der Therapie Zeit und Raum für Innen sein soll. Allerdings ist mein aktuelles Leben auch oft gut.

Und kann es sein, dass es sich bei dir genau da um Anteile handelt? Also Anteil A hat Symptome und Anteil B ist in der Therapie und hat natürlich wenig damit zu tun?
Vielleicht sogar als Selbstschutz?

gastacht

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von gastacht » Sa Dez 21, 2019 11:19 pm

@lindsey: ist etwas off topic aber darf ich fragen wieso du privat zahlst und dann noch doppelt so viel wie der kassensatz ist und wie dein thera das rechtfertigt? dann sollte er jaa uch doppelt so gut bzw schnell sein wie ein normaler thera. :lol:

lindsey
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Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von lindsey » So Dez 22, 2019 9:05 am

Liebe Gastacht,

Weil ich bis vor ein paar Wochen noch keine Berufsunfähigkeitsversicherung hatte und meine Krankenakte bisher sauber gewesen ist.

Ich würde nicht nur sagen dass er doppelt so schnell ist wie ein anderer Thera sondern signifikant schneller!

Bin jetzt seit 2 Jahren dort, aber die Abstände waren auch immer ziemlich groß. Also 8-12 Wochen keine Seltenheit. Die Zeit dazwischen war jetzt nicht immer toll... Aber ich war doch stabil genug, um die Dinge die bearbeitet worden sind, zu integrieren. Hatte auch immer Hausaufgaben, um weiter zu arbeiten.

Jetzt wo die Missbrauch Erinnerung noch so frisch ist, war es wohl das risikoreichste überhaupt, ne OP an den Eierstöcken durchzuführen mit triggernder Wunddrainage etc... Kein Wunder dass ich zusammen gebrochen bin. Selbst 20mg Diazepam hatten null Wirkung mehr. Faszinierend war jedoch, dass ich am Donnerstag als Häufchen Elend bei meinem Thera aufgetaucht bin. Und dann wieder komplett zusammengebrochen bin. Knapp 1,5 Std später bin ich stabil und sogar humorvoll dort raus marschiert. Harte Arbeit! Themen wurden integriert und nicht kaschiert. Ich bezweifle, dass es durch Ruhig stellen in der Psychiatrie diesen nachhaltigen Effekt gegeben hätte... Haarscharf daran vorbei gerutscht.....

Alleine nur das Durchbrechen von der Achterbahn von dieser Woche ist unbezahlbar!!!!!!!! Kam mir vor wie ein Psychothriller. Jetzt geht's mir echt gut!

Ohne diesen Thera und seine alternativen Methoden wäre ich nicht mehr hier. Wenn man Suizidgedanken innerhalb von einer Std. Für Wochen bzw. Monate auflösen kann, dann ist das Gold wert. Klar sind diese Gedanken zwischenzeitlich auch wieder gekommen. Das lag aber daran, dass das ursprüngliche Trauma zu dem Zeitpunkt noch nicht bearbeitet werden konnte, weil es noch nicht Zeit dafür gewesen ist.

Aktuell: ich bin einen Quantensprung entfernt von jeglichen Suizidgedanken oder einem neuen Zusammenbruch! Ich bin frei von Drogen oder Medikamenten.

Gastacht

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Gastacht » So Dez 22, 2019 9:39 am

Ach krass. Das klingt toll und freut mich.
Alle 8 bis 12 Wochen kann man das ja auch ganz gut zahlen also als Normalverdiener. Dachte du machst das 1 bis 2 mal die Woche. :roll:

lindsey
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Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von lindsey » So Dez 22, 2019 9:50 am

Nein das könnte ich mir nicht leisten und das ist auch nicht der Anspruch von meinem Thera. Er möchte einen lieber möglichst schnell wieder auf eigene Beine stellen und keine Abhängigkeit erzeugen.
Wenn ich bedenke wie viele Jahrzehnte ich in meinem Leben gelitten habe und mit welch geringer Anzahl an Stunden mir geholfen worden ist. Hab auch jede Menge neue Ressourcen mit auf den Weg bekommen.
Google Mal René Marx Düsseldorf - im übrigen stimmen die Jameda Bewertungen

Laraaa

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Laraaa » Di Dez 24, 2019 8:40 am

Danke lindsey und elefantenkind! Da war guter input dabei. Muss darüber nochmal in Ruhe nachdenken, werde dann nochmal was dazu schreiben.

Liebe Grüße
Laraaa

Gast482

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Gast482 » Mi Dez 25, 2019 8:49 am

Hallo Laraaa!

Ich kenne das auch so.
Bei mir ist es Selbstschutz.
Ich habe sechs Jahre Therapie gebraucht um wahrnehmen zu können dass mein Urvertrauen... welches Urvertrauen? Da konnte ich dann meiner Therapeutin sagen dass weitere Symptome da sind. Und dann musste das eine oder andere innere Kind erstmal bummelige drei Monate gucken ob meine Therapeutin wirklich nicht gefährlich ist. Und jetzt, weitere zwei Jahre weiter, brauche ich nach schwierigen Themen nur noch 2-3 Sitzungen um zu prüfen ob noch alles sicher ist. Und was bei mir auch ganz wichtig ist, ist, dass es von innen keinerlei Druck gibt. Ich muss mich also in Geduld üben :wink:

Vielleicht ist da was für dich dabei.
Liebe Grüße
Gast482

Gastacht

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Gastacht » Mi Dez 25, 2019 3:31 pm

@lindsey: hab gegoogelt und ja klingt gut aber de facto ist er Heilpraktiker dh du musst ihn selbst zahlen weil die Kasse ihn eh nicht bezahlt. Aber wenn es sich lohnt.
Ich hab hypnothera gemacht bei einer fie das oft bei komplexer ptbs machte. Wurde als nicht therapierfähig abgestempelt.
Würd ich da wohnen würd ich glatt mal hingehen...

lindsey
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Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von lindsey » Mi Dez 25, 2019 7:02 pm

Er ist echt top!
Hatte Mittwoch den neuen Tiefpunkt und Mittwoch bin ich haarscharf an ner Einweisung in die Psychiatrie vorbei gerutscht. Seit dem Termin am Donnerstag bin ich komplett stabil, hab sogar Weihnachten bei meiner Family überstanden. Ich bin aktuell wirklich beeindruckt und erstaunt! So nen Quantensprung und das komplett ohne Medis.
Entfernung ist nur Kopfsache! ;-) Glaube für so ne unbezahlbare Erleichterung würde ich um die Welt reisen! Gibt kein zu weit!

Laraaa

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Laraaa » Sa Jan 04, 2020 7:40 pm

Puh gerade ist vieles schwer.. Viel Druck im Außen und zu wenig Zeit fürs Innen.. habe mir heute mal wieder bewusst Zeit dafür genommen.

Ich glaube, Selbstschutz ist der größte Grund, warum es so schwer ist die Sachen offenzulegen. Total blöd, weil ich bei der Thera schon so viele Mauern runter gefahren habe, sie über so schambesetzte Themen Bescheid weiß. Und trotzdem kann ich das angebliche "Funktionieren" nicht aufgeben..
Und dann musste das eine oder andere innere Kind erstmal bummelige drei Monate gucken ob meine Therapeutin wirklich nicht gefährlich ist. Und jetzt, weitere zwei Jahre weiter, brauche ich nach schwierigen Themen nur noch 2-3 Sitzungen um zu prüfen ob noch alles sicher ist. Und was bei mir auch ganz wichtig ist, ist, dass es von innen keinerlei Druck gibt. Ich muss mich also in Geduld üben :wink:
Danke gast482, so kann ich das tatsächlich auch beschreiben :) vielleicht muss ich da auch etwas wohlwollender mit den verletzten Anteilen umgehen.. ich habe halt die gesamte Kindheit lang gelernt, dass ich funktionieren muss.. das "Probleme" nicht da sein dürfen, weil seitens der Bezugspersonen keine Zeit und keine Nerven dafür da waren.. Suiziddrohungen, wenn ich zu "anstrengend" wat.. vielleicht waren die nie so ernst gemeint, aber das kann man als Kind ja nicht einordnen und da bin ich mir auch heute nicht sicher.. werde mich bemühen, noch mehr Sicherheit in der Therapie zu schaffen, auch für die Kleinen!

Wobei das gerade das Thema ist.. die letzte Stunde lief blöd ab, habe es aber erst hinterher gemerkt.. Thera kann nichts dafür, objektiv nichts falsch gemacht. Aber hier ist ein riesiges Gefühl von unverstanden sein, es fühlt sich gerade sehr sehr unsicher an.. werde es nächste Stunde klären müssen, bis dahin noch etwas durchhalten. Bin es eigentlich Leid, gefühlt jede dritte Stunde die Beziehung zur Thera zu klären.. aber ja ich schätze dass ist halt genau mein Thema, Bindung..

Gerade ist mir alles zu viel, in außen und im Innen. Wenig Kraft.. aber es wird sich wieder beruhigen, das darf ich nicht vergessen.

Laraaa

Laraaa

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Laraaa » So Jan 12, 2020 11:44 pm

Eine anstrengende Woche ist geschafft, bin sogar zufrieden mit dem Ergebnis..

Diese Woche wieder Thera.. Habe irgendwie Angst, im Innen ist eine große Verunsicherung.. Weiß gerade nicht ob es zu klären ist. Fühle mich verletzt und in der Beziehung gehemmt, will aber auch ein bestimmtes Thema besprechen und nicht nur die Problematik der letzten Stunde. Oh man, das wird schwer.

Versuche den Alltag bis dahin zu meistern und nicht kaputt zu denken.

Laraaa

Laraaa

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Laraaa » Sa Jan 18, 2020 8:18 pm

Die Stunde bei der Thera war heftig.. Anders als erwartet, aber gut. Es ging ganz konkret um den Titel meines Threads, ich habe ihr erzählt, dass es einiges gibt, was bisher nicht zur Sprache kam. Sie war nicht überrascht, hat sich manchmal schon gedacht, dass da noch was im Verborgenen liegt. Wir werden nächste Stunde nochmal heraus arbeiten, wie der schützende Anteil mehr zulassen kann bzw. was davon wirklich wichtig ist.

Ich mag meine Thera, sie ist so ein Fels in der Brandung. Umso instabiler ich bin, umso gefestigter und hilfreicher wirkt sie auf mich. Trotzdem auch ambivalente Gefühle, Angst mich zu öffnen, Hoffnung angenommen zu werden..

Diese Ambivalenz ist aber eh so ein Thema. Begleitet mich bei quasi allen Themen, den wichtigen und unwichtigen.. hoffe das wird mal weniger.

Laraaa

Re: Symptome verschweigen trotz Vertrauen zur Therapeutin

Beitrag von Laraaa » Di Jan 28, 2020 11:12 pm

Die Fassade bröckelt glaube ich.. Bin nur noch nicht sicher, ob ich es aushalten kann. Habe mit der Thera nun viel besprochen, warum manche Symptome etc nicht da sein dürfen. Fühle mich dann einfach so ausgeliefert und kaputt, wenn es für sie erkennbar ist.. schwer zu überwinden.

Aber es auszublenden bringt auch nichts. Finde es gerade so blöd, ich hab das Gefühl, alle "ansprechbaren" Themen in den letzten Jahren mit ihr besprochen zu haben. Übrig sind eben die Dinge, von denen sie nicht wissen darf. Der harte Kern. Aber was mach ich nun in den Stunden, bis das ansprechen geht? Will keine Stunden "vergeuden", im Alltag komme ich soweit klar. Kann den schützenden Anteil aber auch nicht einfach übertölpeln und alles sagen. Thera-Pause will ich erst recht nicht, das bringt Unruhe, Unverständnis und Ängste bei anderen Anteilen mit sich. Werde wohl einfach Schritt für Schritt doch die Themen ansehen müssen und dazwischen mit Alltag etc wieder Stabilität in die Beziehung bringen.

Wenn das mal alles einfacher wäre, das fände ich toll.. einfach sagen was los ist, meinetwegen sogar Konfrontation machen und gut ist. Aber die Angst vor der Nähe und der Abhängigkeit von der Thera ist so riesig.

Laraaa

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