Ich bin neu hier.

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Hoffnung
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Ich bin neu hier.

Beitrag von Hoffnung » Mi Dez 04, 2019 10:08 pm

Hallo,
Ich bin neu hier und weiß auch noch nicht so recht, ob ich das wirklich schreiben, geschweige denn abschicken sollte.
Aber irgendwie macht mich dieses ewige Schweigen so krank. Jeden Tag so tun zu müssen, als ob alles gut wäre, nie zeigen zu können, wie zerbrochen man eigentlich ist und man manchmal einfach am liebsten nur noch schreien würde.
Ich bin seit Wochen auf der Suche nach einer Therapeutin und habe mittlerweile schon fast die Hoffnung verloren. Ich war bei mehr Erstgesprächen, als ich auf Anhieb zählen kann und bekomme immer nur gesagt, dass ich mal zu jemand gehen soll, der sich mit Trauma auskennt. Das ist ja gut und schön, nur leider sind diese Menschen quasi nicht vorhanden. Und wenn ich dann aus einem Erstgespräch rausgehe und alles in mir sagt, dass ich diesen Menschen nicht mehr wiedersehen will, bekomme ich mittlerweile einfach Angst. Weil ich gestern bei einer der letzten Traumatherapeutinnen in dieser Stadt war. Alle Therapeuten scheinen überfordert. Schlagen mir irgendwelche Übungen vor und hören mir gar nicht zu, wenn ich ihnen sagen will, dass das eben irgendwann nichts mehr bringt. Und sie erzählen mir, dass ich doch unbedingt eine tiefenpsychologische Behandlung machen soll, ohne dass es sie interessiert, dass ich diese Therapeutenliste schon seit Wochen durch habe und schon anfange die Leute immer und immer wieder anzurufen, weil ich nicht weiß, was ich sonst machen soll. Es macht mich so krank zu sehen wie diese Menschen eine Berufsausbildung gemacht haben und dann vor einem so unglaublich essentiellen Ursprung für psychische Probleme davonrennen. Und ich renne durch die Gegend und wünsche mir nur noch, dass diese Odysee vorbei ist. Ich vermisse meine alte Therapeutin. Wir haben uns erst vor 2,5 Monaten direkt vor meinem Umzug verabschiedet, aber es fühlt sich an wie ein ganze anderes Leben. Und all diese Therapeuten mit denen ich jetzt rede. Meinen zu wissen wer ich bin, was ich fühle, was mir hilft und was ich tun sollte. Wieso nimmt sich nicht mal jemand Zeit eine Minute innezuhalten und mir mal zuzuhören? Ich habe immer das Gefühl, dass ich jemanden brauche, der meinem Inneren Kind zuhört. Und jmd mit dem mein Inneres Kind auch reden will. Und das ist einfach echt wählerisch. Ich habe immer Angst, dass etwas falsch mit mir ist, wenn ich wieder aus einem Erstgespräch rausgehe und nur versuche zu verdrängen, dass es bald nicht mehr Therapeuten gibt, aber dass ich zu dieser nicht hinwill.
Und bei den Menschen, die mir nahe stehen kann ich mich nicht öffnen. Sie verstehen nicht, was in einem passiert. Sie sehen die Folgen, die Schmerzen, aber sie werden nie verstehen, warum. Und ich kann es ihnen auch nicht sagen und kann mit niemandem darüber reden. Das macht mich so krank. Ich bin vor 2 Wochen 20 Jahre alt geworden und es war ein komisches Gefühl. Irgendwie schön. Aber ab dem Moment, wo ich mein Abi hatte ist eigentlich meine ganze - meistens - heile Welt zerbrochen. Erinnerungen sind hochgekommen, mir ging es einfach nur lange sehr schlecht und die letzten beiden Jahre fühlen sich an, wie ein ganzes Leben. So lange, und ich weiß gar nicht mehr, wie es sich angefühlt hat ich zu sein, bevor ich zusammengebrochen bin, bevor ich angefangen habe über das ganze Grauen zu reden.
Ich habe solche Angst vor der Zukunft. Ich kann einfach nur dabei zuschauen, wie ich immer zerbrochener werde, immer erschöpfter. Mein Inneres Kind schreit und schlägt um sich und lässt nicht mal zu, dass ich mich im selben Raum aufhalte. Ein anderes inneres Kind lässt sich immerhin von mir trösten. Es tut so weh mir selbst beim Leiden zuzusehen. Und ich kann mir noch so viel Mühe geben. Mir Liebe geben. Für mich da sein, und Zeit für mich und für mein Vertrauen in mich selbst verbringen. Irgendwann bin ich erschöpft. So wie jetzt. Ich bin so müde. Seit Montag geht es mir besser. Ich dachte es zerreißt mich und da hab ich auf einmal den Kontakt zu meinen Ressourcen wiedergefunden. Konnte die Liebe annehmen, die mir meine Familie und meine Freunde entgegenbringen. Konnte wieder Kraft im Singen finden. Ich selbst zu sein gibt mir jetzt wieder halbwegs die Kraft, dass ich es wieder ein wenig aushalten kann. Mit viel Mut. Aber ich habe auch oft das Gefühl, dass es mir so schlecht nicht gehen darf. Dass es am Ende doch gar nicht so schlimm war. Und "nur" ein paar Monate. Dass andere viel schlimmer dran sind. Aber sobald ich nach innen schaue sehe ich, dass da kein "nur" ist. Sondern ganz viel Schmerz. Trauer. Und der Wunsch, dass ich nicht mehr so leiden muss.
Irgendwie habe ich jetzt einen ewigen Roman geschrieben und weiß gar nicht, ob das überhaupt jemand lesen will. Aber ich hab nichts zu verlieren, deshalb freue ich mich, falls jemand eine Idee hat. Einen Rat. Oder vielleicht einfach ein paar ermunternde Worte....
Ich wünsche allen viel Kraft,
Mira

gastacht

Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von gastacht » Mi Dez 04, 2019 10:43 pm

hallo liebe mira
gut dass du her gefunden hast. willkommen hier.

ich habe auch mit ca 20 nach dem abi erste erinnerungen bekommen und es war grässlich und eine schreckliche zeit. und auch ich fand den abschied von meiner jugendthera total schlimm. aber die erinnerungen sind in dir und nicht verloren.
deshalb mal meine gedanken dazu:
kann es sein dass du gerad null offen für eine neue thera bist und die deshalb alle so blöd findest? ja es gibt viel schlechte theras aber auch einige gute und wenn du sie alle so ablehnst und immer irgendwas findest was nicht passt (denn vermutlcih suchst du deine alte thera und die gibt es eben nicht mehr) dann ist das ein zeichen dass es gerad nicht dran ist.
hast du das letzte thera ende denn betrauert? du könntest für den übergang auch erstmal zu einer beratung oder eine therapie pause? da kann sich dann nochmal was setzen und es kann auch gut sein zu spüren dass bzw. wie man allein einiges schafft.
also wenn du das kannst und schaffst.

wieso hast du das gefühl erschöpfter zu werden? was hast du denn in der thera gelernt, was nimmst du mit? dass du in so einer umbruchphase angst hast ist auch ein wenig normal wenn ich das mal sagen darf ohne deine angst klein zu reden. es ist schwer sich zu entscheiden was evtl beruflich kommt und umzuziehen etc. das ist für jeden schwer und für uns schon auch nochmal oft extra schwer.
aber es ist auch kein grund zu denken alles sei verloren, deine fortschritte aus der letzten therapie alle umsonst und es kämen nicht auch wieder andere zeiten. oder?
alles gute dir
gastacht

gastacht

Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von gastacht » Mi Dez 04, 2019 10:48 pm

ach und noch etwas: wieso kannst du denn mit anderen nicht reden?
das kannst du doch nur sagen wenn du es mal ausprobiert hast. oder?
und mit der thera konntest du ja auch reden.
was befürchtest du denn?
ich hab es einigen engen freundinnen per brief geschrieben und alle haben sehr lieb und verständnisvoll reagiert. die waren auch nicht anders als andere junge erwachsene.
ich denke dass du denkst das ginge nicht hat was mit scham zu tun, mit falschen schuldgefühlen oder dass die täter dir sagten du dürftest nichts sagen. das ist aber alles mist und zählt objektiv in der gegenwart nichts mehr. klar ist dein GEFÜHL anders aber das ändert sich ja leider auch erst wenn du neue erfahrungen machst und das gegenteil erfährst, sprich es mal versuchst...
also ich kann dich nur ermutigen es mal zu versuchen. die die dann doof reagieren kannst du als freund dann eben auch vergessen
gastacht

Hoffnung
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Hoffnung » Mi Dez 04, 2019 11:34 pm

Hallo Gastacht,
Danke für deine liebe Antwort!
Hmmm. Einige Gedanken. Also,auf die Idee, dass ich mich nur auf niemanden einlassen will ist mir auch schon gekommen. Es gibt dann allerdings durchaus ein paar Theras, wo ich grundsätzlich das Gefühl hatte, dass ich da gerne bleiben würde. Vor allem bei einer war das sehr stark und wenn sie mir einen Platz anbieten würde, würde ich den auch ohne zu zögern nehmen. Tut sie aber nicht.....
Und bei vielen anderen ist es einfach so, dass mir ein Vortrag gehalten wird, wieso sie nicht die richtige Therapeutin ist, und dass ich mir jemand anderes suchen soll.
Ich rede durchaus mit Freunden. Meine engen Freunde wissen alle Bescheid und unterstützen mich auch, machen mir Mut wenn ich nicht weiter weiß. Ich merke nur auch oft, dass ich alles in mir da nicht so rauslassen kann, weil sie das dann teilweise ein wenig überfordert. Die haben das halt alle nie erlebt.
Und ich suche mir tatsächlich auch viel Hilfe. Ich war auch schon mehrmals in einer Beratungsstelle und das hat mir auch sehr geholfen. Es gibt nur einen Teil von mir, der mit niemandem redet, der niemandem traut und der die Hilfe aber eigentlich mehr bräuchte, als jeder andere. Und der Teil ist so unglaublich verzweifelt und leidet irgendwie so sehr und ich will mir helfen, aber weiß nicht so recht wie. Manchmal bin ich innerlich so laut, es ist vor allem das, was mich so erschöpft...
Aus meiner letzten Therapie habe ich viel mitgenommen und es hat mir geholfen mit nicht (mehr) zu verlieren, sondern bei mir zu bleiben. Ich glaube ich musste noch nie mit so vielem alleine klarkommen wie jetzt gerade. Das überrollt mich so ständig und ich habe einfach immer wieder Angst, dass ich das nicht schaffe. So diese ganzen Erinnerungen alleine zu bearbeiten, und das wäre gerade wichtig. Die Bilder ermüden mich. Die Angst. Ich glaube, für mich fühlt es sich einfach nicht so an, als würde etwas anderes kommen. Weil ich das noch nicht kenne, mir die Erfahrungen fehlen und da würde ich mir oft wünschen ein wenig älter zu sein. Dann wüsste ich vielleicht, dass es irgendwann auch aufwärts geht - im Moment geht es mir nämlich vo n Woche zu Woche schlechter. Ich versuche immer daran zu denken, dass sich die Dinge nicht wiederholen müssen und es auch einfach besser werden könnte. Ich versuche jeden Tag meine kraft zu bündeln für mich da zu sein. Gelingt mir mehr oder weniger. Es macht mich traurig, dass ich das irgendwie nicht hinkriege. Ich weiß nicht, was ich für mich tun kann. Wie ich die Dinge besser machen kann. Ich verurteile mich schon ziemlich selbst dafür. Aber das hilft auch nichts, deshalb versuche ich meine Hilflosigkeit anzunehmen, und die Tatsache, dass ich nicht mehr leisten kann, als ich kann.
Ich denke immer: Egal was passiert, ich werde immer singen, lieben und geliebt werden.
In diesem Sinne bis dann,
Mira

Windspiel
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Windspiel » Do Dez 05, 2019 9:06 am

Hallo Mira,
Mir ging's ähnlich wie dir, meine ersten Erinnerungen kamen auch nach dem Abi, heute bin ich 25.
Thera suche ist schwierig, ich weiß. Ich bin damals den Weg über Klinik und Tagesklinik gegangen, Parallel dazu war ich bei einer Beratungsstelle und die haben mir theras genannt die sich auskennen. Und über die Tagesklinik und meine Therapeutin dort konnte ich dann auch ambulant bei einer Thera einsteigen.
Ich find auch dass Tagesklinik wenn's grade nicht mehr geht eine gute Option ist (kann aber auch Wartezeit bis zu 12 Wochen haben). Wär das vllt ne Option?

Dass theras schnell absagen wenn's um (Komplexe) Traumafolgestörungen geht hab ich auch oft mitbekommen bei ner Freundin die gesucht hat. Ja das ist sch... Und traurig und macht hilflos und wütend. Auf der anderen Seite, vllt ist es auch gut und richtig. Stell dir vor, jemand sagt zu, kann aber damit wirklich nicht umgehen, kennt sich nicht aus. Entweder alles mögliche läuft Schief und es kommt noch ein Bindungstrauma drauf oder er/sie setzt dich dann nach zwei Jahren wenn's dann wirklich ernst wird vor die Tür weil überfordert. Da wär ja auch keinen geholfen. Daher lieber gleich weiter suchen. Auch wenn's hart ist.

Hast du Mal nach Beratungsstellen gesucht? Hab auch die Erfahrung gemacht dass da oft sehr gute Leute sitzen. Wildwasser oder Frauennotruf etc. Ich war jetzt insgesamt bei vier Beratungsstellen, bei einer waren sie eher weniger professionell, bei allen anderen waren/sind wirklich gute Leute. Da findet man zumindest Platz zum überbrücken und sie können auch manchmal noch Therapeuten empfehlen. Manche bieten auch langfristig Beratung an. Falls du nix findest oder auch begleitend. (Hab Grade gesehen, du warst schonmal, vllt wär das ja wieder ne Option)


Bei der thera bei der du gern bleiben würdest... Ruhig hartnäckig bleiben, fragen ob du alle 8 Wochen Mal anfragen kannst. Vllt ist irgendwann ein Platz frei.

Ich hatte gestern ein Gespräch mit meiner Therapeutin die leider sehr alt ist und nciht mehr ewig da sein wird. Und ich muss dann auch schauen wie es weitergeht. Sie meinte es ist mittlerweile normal, dass es nichtmal mehr Wartelisten gibt, sie macht das auch schon lang nicht mehr. Im Bezug auf mich hatte sie mir zwei Kollegen genannt bei denen sie glaubt sie würden zu mir passen und ich würde da weiterkommen.

Das Gefühl es wird von Woche zu Woche schlimmer, es kommt immer mehr was über einem zusammenschlägt hab ich auch. Bei mir ging es ab Juni/Juli bis November genau so. Es wurde immer und immer mehr. Ich weiß nicht ob/was du arbeitest oder studierst oder so, aber vlt hilft auch da ne Auszeit? Klinik vllt sogar? Oder wenn's geht und machbar ist Urlaub? Wohin wo du gern bist. Mir hilft das Meer sehr viel (wobei das doch grade eher kalt ist) oder auch Wintersport/Skifahren. Einfach Mal raus aus allem. Oder einfach Mal krank schreiben lassen und sich in Ruhe kümmern. Ich bin Grade vier Wochen krank geschrieben. Und langsam wird es besser, oder ist zumindest etwas weniger schlimm. Meine Beraterin hat auch Mal gesagt, weil ich immer wieder gesagt hab ich mach dies und versuchen jenes damit es.mir besser geht... Vielleicht geht es Grade nciht darum dass es dir besser geht sondern Mal darum zu sehen und zu aktzeptieren dass es schlimm ist. Schlimm war. Dass es auch schlimm sein darf ohne dass ich direkt losrenne und alles an stabilisierung und was mir sonst noch einfällt mache damit es aufhört. Vielleicht muss es einfach Mal schlimm sein.

Kannst du den Teil, der mit niemand redet aber die Hilfe so dringend braucht Mal fragen was er möchte? Was er/sie braucht? Sich wünschen würde? Vielleicht lässt sich ja irgendwas davon umsetzen. Vielleicht muss er auch nicht "im außen" reden sondern kann die erzählen was er braucht? Vielleicht auch was ihn so sehr in Not bringt (falls du das aushalten kannst, ich kann das nicht immer).

Ich bin nicht viel älter als Du, aber ich weiß, es kommen auch andere Zeiten. Ich hab auch Phasen, Monate bisher, manchmal fast ein Jahr, da ging es relativ gut, da konnte ich viel positives sehen. Klar, das Thema und die ganze Vergangenheit ist nie weit weg. Aber das Leben ist schön und es gibt so viel schönes. Ich mag dir da wirklich mut machen. Ich weiß in so Zeiten wie Grade muss ich gar nicht damit anfangen so Sachen zu sagen wie du hast Freunde die da sind etc. Weil es das leid nciht weniger macht. Aber es wird auch wieder anders :)

Sorry ist lang und bisschen wirr, steh noch bisschen neben mir. Wenn was davon nicht passt, lass es liegen ;)

Viele Grüße
Wenn du schreist, weil du weißt was es heißt, wenn die Hoffnung nicht mehr als ein leeres Wort ist,
Wenn du gehst und du flehst, dass dich jemand erreicht, weil du immer noch ganz allein bist,

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Hoffnung
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Hoffnung » Do Dez 05, 2019 12:36 pm

Hallo Windspiel,
Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich musste erstmal ein bisschen weinen und bin gerade sehr dankbar dafür.
Ich habe momentan nicht mehr so die Kraft dafür viel zu fühlen, zu tun und mich zu kümmern. Nach einer Klinik zu schauen, zu Erstgesprächen gehen. Irgendwann verschwimmt alles und man will sich nicht mehr jeden Tag dafür abarbeiten Hilfe zu bekommen. Sich immer wieder aufs Neue Hoffnung machen.
Mich nach Innen zu fragen habe ich immer oft gemacht, also zu fragen ob ich mit mir reden will, aber ich hab im Moment nicht die Kraft dafür. Ich hatte seit Ewigkeiten nicht mehr so viele Flashbacks, und diese ständigen Bilder geben mir das Gefühl so weit wie möglich rennen zu wollen, einfach nur ganz weit weg von mir selbst und meinem Leben. Und gleichzeitig geht das natürlich nicht. Ich bin nunmal ich. Und dieser Kampf gegen mich selbst macht mich auch echt krank. Dieses ankämpfen gegen mich. Das ist einfach keine Lösung. Aber ich habe es immer so gemacht und weiß irgendwie nicht, was eine Alternative sein könnte.
Der Gedanke, dass es jetzt einfach schlimm ist tut gut. Ich muss so viel verstecken, jeden Tag weglächeln, die Panik runterkämpfen und mich festhalten, dass ich überhaupt den Tag überlebe und nicht unter Menschen untergehe.
Danke fürs Mutmachen. Ich hatte - sogar im letzten Jahr - einige sehr schöne Zeiten (jeweils sehr kurz, aber besser als nichts) und ich hatte im letzten Monat oft das Gefühl, dass das wie so ein schöner Traum war. Seit ein paar Tagen gelingt es mir jetzt immer besser diese Erinnerungen als einen Teil von mir wahrnehmen zu können. Ich sage mir immer, dass es auch wieder besser wird. Nur gerade ist es eben...
Ich habe gerade angefangen zu studieren und kriege das alles gar nicht hin. Keine Kraft. Sobald ich zuhause bin will ich einfach schlafen. Auch Versagensangst. Ich habe gerade keine Kraft dafür. Verurteile mich auch iwie dafür. Ich will einfach nichts müssen. Schlafen können. Fühlen können. Es tut so weh. Ich versuche jetzt zu akzeptieren, dass es genauso schlimm war und ist wie es war/ist. Mal schauen ob das klappt.
Wirklich danke für die Ermutigung. Jetzt fühle ich mich nicht mehr so allein.
Mira

Windspiel
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Windspiel » Do Dez 05, 2019 1:45 pm

Hey,
Ich versteh dich so gut.
Ich weiß nicht wie du finanziell aufgestellt bist, aber kannst du nicht ein Semester aussetzen? Damit der Druck raus ist?

Und ja gegen sich kämpfen hilft nicht. Hab das auch lang gemacht. Nur andersrum. Hab immer gekämpft dass das ja alles gar nicht wahr sein kann. Und mach ich auch heute noch immer wieder.
Dann kämpf nicht. Was tut dir gut Grade? Zuhause sein? Vllt ein schöner Film und ne Wärmflasche? Oder ein Buch? Hast du Tiere/magst du Tiere? Mir hilft mein Hund oft.

Ich hab nach meinem abi eigentlich ein FSJ angefangen gehabt. Konnte es aber nicht beenden weil mich das alles so eingeholt hat. Hab dann die Zeit eher genutzt um mich zu stabilisieren für die Ausbildung. Und klar, ich hab auch mit mir gehadert, hatte viele Versagensängste. Weil ich das FSJ nicht geschafft hatte. Ich hatte Angst wegen der Ausbildung. Hab auch jetzt immer wieder Angst irgendwann meine Arbeit nicht mehr so zu schaffen. Das ist wohl ein Stück normal.
Wenn du kannst, vielleicht kannst du ja ein halbes Jahr Pause machen. Den außen Druck wegnehmen. Vielleicht kannst du in der Pause auch nach und nach dich um Therapie etc zu kümmern und danach nochmal in gestärkt in das Studium einzusteigen. Mir hat das halbe Jahr welches ich zwischen Abbruch des FSJ und dem Beginn der Ausbildung wirklich geholfen und gut getan.

Die letzten Wochen ging es mir auch so, dass ich nach der Arbeit nur noch schlafen wollte. Jetzt, nach knapp vier Wochen "pause" (mit wöchentlich Therapie plus Beratung) wird es langsam besser.

Ich setz mich hier gern ein bisschen zu dir wenn du magst.

Liebe Grüße
Wenn du schreist, weil du weißt was es heißt, wenn die Hoffnung nicht mehr als ein leeres Wort ist,
Wenn du gehst und du flehst, dass dich jemand erreicht, weil du immer noch ganz allein bist,

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Hoffnung
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Hoffnung » Do Dez 05, 2019 5:59 pm

Hallo Windspiel,
Ich finde deinen Namen übrigens sehr schön.

Ich habe tatsächlich relativ das gleiche gemacht. Ein fsj begonnen, dass ich abbrechen musste und dann hatte ich ein halbes Jahr einfach frei und Therapie.
Jetzt bin ich im ersten Semester und hab schon alles runtergeschraubt, ich gehe zu allen Veranstaltungen, aber mehr auch nicht und mehr schaffe ich auch gar nicht. Es würde mir aber schwer fallen, das jetzt auch zu lassen. Es fällt mir schon schwer, mir zu gestatten in meiner Freizeit einfach nichts zu tun. Aber ich lerne dazu, habe ein wenig mit Achtsamkeit angefangen und erlebe so, dass es auch ungefährlich sein kann sich zu fühlen. Das tut mir gut. Und ich lese gerne.
Vorhin habe ich meine Mitbewohnerin vollgeheult und sie hat mir dann gesagt, dass ich hier bin. Das war ziemlich krass. Auf einmal habe ich für eine kurze Zeit sehr frei gefühlt. Hier. Die Beklemmung ist wiedergekommen, aber weniger schlimm als davor. Sie hat gesagt ich soll mich mehr um mich kümmern. Das werde ich jetzt noch mal mehr versuchen. Lesen, Baden, Essen :)
Morgen habe ich ein Beratungsgespräch und eine 2te Sitzung bei einer Thera, die meint, für die Stabilität. Da werde ich über meine Angst vor dem Studium (Versagen etc) und vor allem in der Beratung darüber reden, wie es psychisch weitergeht. Mir haben mehrere theras eine reha vorgeschlagen und auch, dass ich bei meiner alten thera weitermachen soll und dann wechseln wenn was freiwird. Die ist halt KiJu thera, das müsste ich wenn gleich machen. Naja. Ich rede da morgen mit jemandem drüber und ich hoffe, das mir das hilft meinen weiteren Weg zu finden. So viele Menschen glauben an mich, das macht mir immer Mut. Eigentlich bin ich ein sehr fröhlicher Mensch. Gerade fehlt mir die Kraft dazu. Ich versuche mich möglichst wenig dafür zu verurteilen.
Ich bin dir wirklich dankbar für deine Worte.
"Ich setz mich hier gern ein bisschen zu dir wenn du magst."
Das ist wirklich lieb. Ich habe gerade keine Worte. Und würde gerne irgendwas zurückgeben. Danke.
Ich esse jetzt :)

Windspiel
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Windspiel » Sa Dez 07, 2019 4:04 pm

Hallo Mira :)
Auch ein schöner Name, heißt doch Wunder oder?

Hab Grade an dich gedacht und wollten fragen wie es dir heute geht?

Wenn es hilft, dass dir die Freundin gesagt hast dass du hier bist, dann ist vllt Grade wirklich wichtig immer wieder zu verorten und dir klar zu machen es ist 2019 und es ist vorbei. Vllt kannst du dir irgendwas machen oder kaufen, was dir sagt es ist heute ist. Am besten in einer Größe in der es in die Tasche passt und du es überall hin mitnehmen kannst.

Und ich find die Idee bei der kiju Thera weiterzumachen bis du was anderes gefunden hast sehr gut 😊

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Windspiel
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Hoffnung » Mo Dez 09, 2019 3:56 pm

Hallo,
Psychisch gehts mir echt besser. Ich hatte am Freitag ein Beratungsgespräch, wo ich die ganze Stunde geheult habe, und es hat mir sehr gut getan. Das hat mir dann auch nochmal gezeigt, dass ich eigentlich schon ganz viel mache und darauf stolz sein kann.
Ich bin dafür jetzt krank und liege seit ein paar Tagen im Bett. Aber das geht auch vorbei.
Was die KiJu angeht, hätte ich evtl mal erwähnen sollen, dass mein Studienort 4 Zugstunden von meiner Heimat entfernt liegt - und ein dementsprechender Aufwand wäre das. In 2 Wochen ist schon Weihnachten, das warte ich mal ab und dann kann ich immer noch schauen. In der Zwischenzeit sorge ich gut für mich...
Und das mit dem Wunder kann sein. :)
Ich hoffe dir gehts gut!
Liebe Grüße,
Mira

jetztgast

Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von jetztgast » Di Dez 10, 2019 11:04 pm

Hallo,

mir sind zwei Dinge aufgefallen.
Zum einen sind Freunde keine TherapeutInnen sondern für mich vollkommen verschiedene Personengruppen. Es ist schön, wenn man FreundInnen hat mit denen man gut reden kann, aber die ersetzen generell keine TherapeutInnenen und sollten meiner Meinung nach, umgekehrt auch nicht als TherapeutInnenen "miss"braucht werden.

Zum anderen ist erwiesenermaßen die klassische Psychoanalyse die Therapieform die am ineffizientesten ist... also gibt es gar keinen Grund warum du ausgerechnet diese machen solltest. Du hörst dich schon relativ Therapieferfahren an und scheinst mit dem "inneren Kind" gut arbeiten zu können. Vielleicht passt einfach eine "kreativere", handlungsorientierte Therapieform besser zu dir und deinen Bedürfnissen. Ich denke auch dass "nur reden" bei mb auf Dauer schwierig wird, weil es einfach nicht ausreicht. Also hat sich für mich eben so angefühlt.
Wenn ein Therapeut/eine Therapeutin von sich aus sagt er oder sie ist nicht geeignet, dann such dir jemand anderen! Es ist wichtig, dass du jemand findest, der zu dir passt und mit dem Thema auch umgehen kann. Du hattest schon mal jemanden, bei dem es gut war und du wirst wieder eine Therapie finden, die für dich passt! Faule Kompromisse machen bei so intimen Dingen wie Therapie keinen Sinn, das bringt dich nicht weiter, du wirst dich wahrscheinlich nicht wirklich öffnen können.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg!

Gastacht

Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Gastacht » Mi Dez 11, 2019 8:04 am

@jetztgast:
Es gibt super Gründe für Analyse. Denn Analytiker machen ja nicht nur klassische Analyse. Das ist Quatsch. Macht heute kaum noch jemand.
Wenn die ne Traumatherapie und zb emdr ausbildung haben und das haben einige ist das das beste was du machen kannst weil du 300h hast. Sprich du musst lange nicht wieder warten etc.

Also bitte merken: viele Analytiker machen moderne thera Verfahren und haben dafür 300h Zeit! Noch dazu kennen sie sich meist am besten mit Übertragungen und bindungstrauna aus sprich sie sind Kritikfähig und fangen nicht an zu agieren sprich sauer auf Patienten zu werden etc.

Gastacht

Hoffnung
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Hoffnung » Mi Dez 11, 2019 12:53 pm

Hallo allerseits,
Ich versuche das jetzt mal mit dem zitieren:
jetztgast hat geschrieben:
Di Dez 10, 2019 11:04 pm

Zum einen sind Freunde keine TherapeutInnen sondern für mich vollkommen verschiedene Personengruppen. Es ist schön, wenn man FreundInnen hat mit denen man gut reden kann, aber die ersetzen generell keine TherapeutInnenen und sollten meiner Meinung nach, umgekehrt auch nicht als TherapeutInnenen "miss"braucht werden.

Natürlich sind das 2 Personengruppen. Und ich würde auch nie meine Freunde als Therapeuten missbrauchen. Ich würde ihnen nie erzählen z. B. was passiert ist oder so. Wir erzählen uns halt gegenseitig wie es uns geht und so. Daran finde ich jetzt nichts falsch. Und ja, ich brauche gerade immer mal wieder Unterstützung, weil ich eben noch keinen Thera gefunden habe, aber ich finde, das ist keine Schande.
Ansonsten habe ich gar nicht gesagt, dass ich eine Psychoanalyse machen will. Ich will tiefenpsychologisch fundiert arbeiten, wenn das möglich ist. Ich glaube aber btw auch, dass die Therapie auch nur ein Baustein zum Gesundwerden ist. Aber ein echt wichtiger.
Für mich ist es so, dass ich gemerkt habe, dass ich sehr stark flüchte, vor allem was in mir ist und das mir so gar nicht guttut. In der letzten Therapie hatte ich gelernt, mich mehr zuzulassen, aber dadurch, dass ich jetzt keine Sicherheit mehr habe fällt mir das wirklich schwer. Und so renne ich nur immer weiter vor mir selbst weg und so kann das nicht weitergehen und jetzt dachte ich, dass ich dringend meiner alten Thera schreiben sollte, aber ich habe auch Angst davor, weil ich mir dann wirklich eingestehe wie schlecht es mir eigentlich geht. Vielleicht muss ich nur über meinen Schatten springen. Und mal anfangen mir mehr zuzuhören. Auch wenns wehtut. Verdammt wehtut. Aber ich glaube, dass das der Weg ist. Ach verdammt. Kennt ihr diese Angst im Bauch, wenn man nur noch Angst hat, davor zu Leben, zu spüren, man selbst zu sein? Mir gehts echt nicht gut. Und das wird wieder besser, aber langsam weiß ich nicht mehr, was ich tun soll. Mir ist schlecht. Ich weiß irgendwie nicht was ich tun soll. Die verletzten Teile wollen Aufmerksamkeit von mir. Was ein Durcheinander. Meine Beraterin hat mir total Mut gemacht am Freitag. Es tut mir gut, wenn Menschen mir zeigen, was ich alles tue und schaffe und mir sagen, dass ich stolz auf mich sein kann. Leben lähmt mich. Das hatte ich zuletzt vor einem Jahr. Das ist nicht gut. Aber könnte auch daran liegen dass ich Hunger habe und ich war auch seit Samstag nicht mehr draussen, einfach weil ich krank war/bin. Heute gehts mir viel besser. Nur Mut. Ich schaffe das schon. Hat irgendjemand ne Idee, was ich machen könnte?
Mit ein wenig Hoffnung,
Mira

Hoffnung
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Hoffnung » Do Dez 12, 2019 3:31 pm

So. Mir gehts scheiße. Aber ich hab jetzt einen Termin bei meiner alten Thera nächste Woche. Ich weiß einfach nicht wie die Dinge weitergehen sollen, wo sich in mir alles ziemlich kaputt anfühlt. Wie ich mir helfen kann. Wie ich der kleinen, traurige und verletzten Mira in mir drin geben kann was sie braucht. Ich selbst bin mittlerweile so erschöpft, dass ich immer depressiver werde. Oft fällt es mir gerade schwer eine Perspektive für mein Leben zu sehen. Ich bin ja auch noch so jung. Aber ich versuche mir wirklich wirklich Mut zu machen. Dass es immer einen Weg weiter geben wird. Das telefonieren mit meiner thera hat gutgetan. Sich checkt nicht immer gleich was los ist, aber sie hört mir immer zu und lässt mich sein, wie ich bin. Das ist so erleichternd. Sie hat gemeint es wäre evtl ein wenig kompliziert, aber ich kann natürlich immer zu ihr zur Therapie kommen.
Das macht mir Mut. So jetzt hat mich gerade meine tolle Mitbewohnerin gefragt ob ich mit zum Baumarkt will. Es wird mir gut tun rauszugehen. Und ich gehe noch auf den Weihnachtsmarkt. Und in ein Sinfoniekonzert. Ich lass nicht zu, dass es mich kaputt macht, was dieses Arschloch mir angetan hat. Auch wenn ich seit heute morgen nicht mehr aufhören kann zu weinen. So.
Danke für diesen Raum hier.
Bis bald :)
Mira

Windspiel
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Re: Ich bin neu hier.

Beitrag von Windspiel » Do Dez 12, 2019 6:14 pm

Hallo Mira,
Weihnachtsmarkt und Baumarkt klingt toll. Vielleicht findest du ja da auch was was der kleinen Mira gut tun würde. Ich kenn das Gefühl so kaputt zu sein und nichts mehr zu schaffen. Auch wenn ich noch so jung bin. Was die Perspektive für dein Leben angeht, ich glaube als geht vielen Menschen in dem Alter so. Egal ob mit oder ohne Trauma. Wenn eine langfristige Perspektive Grade nicht dran ist dann ist das so.

Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben an denen du nichts ändern kannst. Der eine ist gestern und der andere ist morgen (Dalai Lama)

Dann lebe im heute. Besonders wenn die Zukunft mehr Angst macht als Hoffnung bringt. Ich hab mich lange an eine schöne Zukunft geklammert (Pferde, Beziehung, glücklich sein usw) aber manchmal ist auch die Gegenwart dran und man muss sich um das kümmern was Grade ist.

Toll dass du bei der alten Thera einen Termin hast. Das ist ein Anfang :) hat sie vielleicht sogar Empfehlungen von theras da wo du jetzt wohnst? Erfahrungsgemäß können theras auch ab und an helfen Wartezeiten zu beschleunigen ;) frag sie doch Mal.

Liebe Grüße
Windspiel
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