Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

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Igraine
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Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Do Okt 31, 2019 7:25 pm

So....
Da bin ich wieder. Meine Anfänge hab ich hier vor ungefähr 10 Jahren genommen würde ich schätzen.
Damals war ich noch ziemlich jung und stolperte von einer Krise in die nächste.
Das Forum hier war die erste Anlaufstelle, die ich auf der langen Suche nach Hilfe und Verstehen, was los ist, gefunden habe. Und es hat mir oft sehr geholfen. Hier hab ich meine Geschichte zum ersten Mal aufgeschrieben, hier waren Menschen mit lieben Worten, als es mir schlecht ging, im Wohnzimmer hab ich mir oft die Nächte um die Ohren geschlagen....
Hier hab ich auch sehr liebe Menschen kennengelernt, die mich ein ganzes Stück meines Weges, über das Forum hinaus, begleitet haben.

Irgendwann hatte ich dann die Krisen überwunden und zurück ins reale Leben gefunden.
HIer war ich nur noch selten, zwischendurch glaube ich sogar mal 1-2 Jahre gar nicht und ansonsten hab ich ab und zu mal reingeschaut, einige Dinge gelesen und bin wieder für lange Zeit verschwunden. Es fühlte sich nicht mehr passend an.

Und auch jetzt weiß ich noch nicht, ob das hier passend ist.
Aber ich bin seit einigen Wochen wieder fast täglich hier und lese quer, manchmal hab ich als Gast auf etwas geantwortet, was mich angesprochen hat.
Es zieht mich hier her. Aber gleichzeitig stelle ich dann immer wieder fest, dass ich nicht weiß, ob ich hier den Austausch finden kann, den ich eigentlich suche....

Ich stehe mit beiden Beinen im Leben. Bin in den Endzügen meines Studiums, arbeite schon lange Zeit nebenher in verschiedensten Bereichen meines Faches, habe Freunde, habe Hobbies, bin aktiv.
Seit Anfang des Jahres habe ich eine Therapeutin gefunden, die so verdammt gut ist, dass ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl habe, dass ich das Trauma mit ihr aufarbeiten kann.
ich bin über diese Anfangsthemen hinaus, über die Flashbacks, über den Kontrollverlust, über die akuten suizidalen Phasen, über die pure Verzweiflung.

Und trotzdem ist nicht alles gut. Die Themen haben sich verschoben. Ich funktioniere. Meine Leben läuft. Von außen würde niemand denken, dass ich Missbrauch erlebt habe und eben nicht "gesund" bin.
Aber genau das Funktionieren treibt mich manchmal in den Wahnsinn. Ich bin gut in allem, was ich tue. Menschen können sich auf mich verlassen, ich werde gemocht..... aber meistens habe ich das Gefühl das bin ich eigentlich gar nicht.
Ich bin damals irgendwo sitzen geblieben und mein Leben ist einfach ohne mich weitergegangen. Fühlt sich an wie ein Schauspiel. Die Rolle der kompetenten, jungen Frau beherrsche ich in Perfektion. Man könnte mir nen Oscar dafür verleihen ;-)

Diese Rolle macht mich einsam. es ist mir oft nicht möglich, zu äußern, dass eben nicht immer alles gut ist.
Dass ich mich manchmal schlecht fühle und es gar keinen ersichtlichen Grund dafür gibt. Dass alles was ich tue, enorm anstrengend ist. Dass ich oft von meinen Gefühlen abgespalten bin und mich unlebendig fühle...

In der Therapie habe ich verstanden, dass es einen heilen Kern in mir gibt, der sich nie von dem Missbrauch hat berühren lassen. Der immer wusste, dass das was passiert, nicht richtig ist und sich nie hergegeben hat. Dieser heile Kern ist es, der diese fast normale Entwicklung möglich gemacht hat. Der dafür gesorgt hat, dass ich funktioniere.
Diese Erkenntnis hat mir geholfen diese beiden Teile ein bisschen näher zusammen zu bringen.
Aber gleichzeitig sind da trotzdem manchmal Zweifel. "Wenn man sowas erlebt hat, dann kann man sich nicht so entwickeln. Ich bilde mir das vielleicht auch einfach alles nur ein"

Mein Verhältnis zu meiner Familie ist schwierig, wohl wie bei so vielen....
Der einzige Weg zur Veränderung wird sein, das Gespräch mit ihnen zu suchen.
ich weiß, dass meine Mutter mich liebt und dass sie nur das beste für mich will. Dass sie überfordert war, nicht wusste, was sie tun soll und es auch heute noch nicht weiß.
Dass sie punktuell geholfen hat, wenn es nicht um emotionale Dinge ging.... und meine eine Schwester genauso.
Mich treibt das manchmal fast in den Wahnsinn. Ich wäre gerne sauer, weil sie mir aus bösem Willen nicht geholfen haben, mich oft alleine gelassen haben.... Aber so ist es nicht. Das haben sie nicht getan. Sie wollten, sie konnten nicht. Und ihr Verhalten hat dann zu meinem Rückzug geführt und dazu, dass ich Signale gesendet habe, die sagten "lasst mich ja alle in Ruhe" und sie haben sich daran gehalten.... wie kann ich da sauer auf sie sein, wenn sie doch das getan haben ,was ich (scheinbar) wollte....
Meine Therapeutin hat letztens einen schlauen Satz dazu gesagt....
Das Drama ist, dass der MB eben auch die Familien kaputt macht und die Mitglieder dann damit beschäfitgt sind, sich die Schuld gegenseitig zuzuschieben, dabei hat niemand die Schuld dafür außer der Täter.

Aber ich bin noch nicht so weit. Ich kann mich noch nicht dahinsetzen und darum bitten über all die ganzen Jahre zu sprechen. Ich will mich nicht erkären und rechtfertigen. ich will, dass sie mir glauben, ohne dass ich ihnen Details erzählen muss.
Und ich hab einfach Angst, dass sie so reagieren, dass die einzig logische Konsequenz danach ist, den Kontakt abzubrechen....
Ich weiß nicht.... alles könnte passieren. Schwieriges Thema.

Hm. Ja.... das sind einige Ausschnitte der immer wieder oben aufliegenden Themen....
Dies hier soll nun ein Ort sein, um mich zu sortieren.
Kritische Fragen, Gedankenanstöße oder Beiträge von Menschen, die auch nicht mehr ganz am Anfang stehen, sind hier gerne gesehen.

Vielleicht bringt mich das hier weiter.
Mal schauen, was so kommt.

Igraine

SophiawirdErwachsen
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von SophiawirdErwachsen » Do Okt 31, 2019 11:10 pm

Hallo Igraine,

während ich dich gelesen hab, dache ich einfach, dass du sehr viel Liebe in dir hast, deshalb bist du so "heil". Natürlich ist es möglich, das ist keine Einbildung. Bezüglich deiner Gefühle kann ich mir vorstellen, dass sie noch in deinem Körper stecken. Ich weiß nicht, ob du ein sehr rationaler Mensch bist, aber wenn du bisher sehr leistungsorientiert warst könnte es sein, dass deine Gefühle einfach noch etwas zu kurz gekommen sind und auch bemerkt werden wollen. Der abgetrennte Zustand , der sich so anfühlt als wärst du eine Schauspielerin, erinnert mich daran.

Eine Therapeutin hat mir mal erklärt, dass Traumen quasi (lebenslange) Wunden sind, die spiralförmig immer wieder bearbeitet werden wollen, aber auf einer anderen (jeweils höheren) Ebene. Das heißt nicht, dass sie immer bluten und weh tun. Aber es heißt, dass sie etwas abheilen.. und sich dann ein neuer Aspekt zeigt, der andere Gefühle und Gedanken auslöst und auch gesehen werden will. Und wenn dieser Aspekt dann bearbeitet ist und eine Zeit lang vielleicht sogar Frieden herrscht kommt ein neues Detail dazu, eine neue Feinheit, die doch nochmal angesehen werden möchte.
Sie meinte auch bei ihr wäre das so und sie ist schon 30 Jahre Therapeutin (und ich glaube ihr das einfach mal, sie war wirklich gut in ihrem Fach).
Ich würde dein Wiederherkommen einfach so interpretieren, dass du jetzt bereit bist auf einer höheren Ebene dein Trauma neu zu bearbeiten.

Dein Verstand sagt, dass deine Familie keine Schuld trifft, dass sie doch nicht anders reagieren konnten und so weiter. Das mag auf rationaler Ebene vielleicht sogar stimmen (vielleicht auch nicht), aber was ist mit deinem Gefühl? Ich denke, dass jetzt mal dein Gefühl das Recht hätte gehört zu werden.
Wenn ich für dein Gefühl sprechen würde, dann würde ich denke ich so etwas sagen wie:
"ich scheiß darauf, ob sie das konnten oder nicht. Was soll der Mist. Natürlich konnten sie. Ich war das Kind und sie waren die Erwachsenen. Sie waren dafür verantwortlich mich zu schützen. Sie haben total versagt. Sie hätten mich nicht in Ruhe lassen dürfen. Sie hätten mich öfter fragen müssen, hätten aushalten müssen, dass ich sie wegschicke, weil es ihre Aufgabe ist hartnäckig zu sein und dem nachzugehen, wenn sie merken, dass es mir schlecht geht. Und das haben sie merken müssen, sie hätten mich trösten müssen. Ich hasse sie dafür, dass sie mich im Stich gelassen haben. Ich war total allein und sie haben mich kein bisschen getröstet ..."

So in etwas würde es sich für mich anfühlen. Dem Gefühl ist es egal, ob es objektiv vernünftig oder fair ist oder nicht. Es existiert einfach und möchte ernst genommen werden. Mitgefühl mit deinen Familienmitgliedern kannst du später immer noch haben.

Das mit der Konfrontation verstehe ich, das musst du ja jetzt auch gar nicht tun. Wenn du irgendwann das Bedürfnis danach hast, kannst du es machen oder auch sein lassen. Jetzt ist vielleicht einfach mal etwas anderes dran.

Alles Liebe und viel Kraft
Sophia

Igraine
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Fr Nov 01, 2019 2:21 pm

Liebe Sophia,

vielen Dank für deine Antwort, ich habe mich sehr darüber gefreut!

Dein Gedanke mit der vielen Liebe in mir ist glaube ich gar nicht so verkehrt. Ich bin ein sehr empathischer Mensch mit viel (Mit)Gefühl für andere und immer bemüht, für alle das beste zu tun.
Aber diese Liebe ist natürlich auch nicht einfach vom Himmel gefallen. Bei mir gab es schon sehr früh zwei Parallelwelten.
Ich hatte eigentlich eine sehr schöne Kindheit. Ich war ein Wunschkind meiner Mutter, da gab es viel Liebe. Dann gab es meine Patentante mit ihren Zwillingen, die wenig älter sind als ich, mit denen ich aufgewachsen bin. Wir hatten immer wunderbare Zeiten, haben uns oft gesehen, waren zusammen im Urlaub.... meine Patentante und ihr Mann sind für mich der Inbegriff von Liebe, die beiden tragen einen sehr großen Teil dazu bei, dass ich Resilienzen entwickelt habe.

Neben dieser heilen Welt gab es dann eben die Welt mit meinem Opa. Die alles andere als heil war.
Die schmerzhaft und bedrohlich war, aber gleichzeitig trotzdem eine Welt, in die ich immer wieder gehen wollte, weil es dort auch meine Oma gab, die ich über alles geliebt habe.

Ich bin ein Anpassungskünstler, ich habe alles dafür getan, dass man mir ja nichts anmerkt. Es gab wenige Punkte, an denen man es hätte bemerken können. Auch aus heutiger Sicht bleibt diese Bewertung, wobei sie sich dahin verschiebt, dass ich festgestellt habe, dass es wenige gab, aber es gab eben welche.

Diese Paralleltwelten haben sich eben durchgezogen bis heute. Es gibt das Leben in dem alles ok ist, in dem ich mich gesund entwickeln konnte aufgrund dieser guten Kindheit und dann gibt es die Horrorszenarien, die einen Teil eben doch sehr kaputt gemacht haben.

Und ja, du hast auch mit dem zweiten Punkt recht. Ich bin sehr rational. Gefühle empfinde ich überwiegend als "gefährlich" und oft denke ich, wenn ich dieses Gefühl jetzt zulasse, dann wird der Schmerz nie wieder aufhören.... Es fühlt sich unendlich an. Ich weiß, dass es das nicht ist, aber an dieser Stelle kann sich der rationaldenken Teil leider nicht durchsetzen.
Aber ich habe zum Glück meine wirklich gute Therapeutin, die mich da begleitet und bei der Weinen oft schon möglich war.

Die Erklärung deiner Therapeutin finde ich gut und klingt auch plausibel.
Was mich daran stört ist, dass die Erkenntnis, dass der Missbrauch einen lebenslang begleiten wird, auch dadurch leider nicht entkräftet wird.
Das ist son Punkt, der macht mich oft sehr unzufrieden. Ich würde mir wünschen, dass es irgendwann einfach mal wirklich gut ist, wenn man sich intensiv damit auseinandergesetzt hat, was ich ja aktuell tue.
Mir ist klar (und das merke ich ja auch), dass es leichter wird und weniger Raum einnimmt und so und das ist auch gut.
Aber ich finde es einfach unfair, dass es immer wieder kommt und sich auf den unterschiedlichsten Ebenen (manchmal auch, wenn man gar nicht damit rechnet) bemerkbar macht.
Ich wäre gerne frei davon zu gegebener Zeit und zwar ganz.

Andererseits bin ich grade z.B. auch in der Überlegung mich für einen Platz im Betroffenenrat zu bewerben und diesem Thema nochmal auf ganz anderer, aktiverer Ebene einen Platz in meinem Leben zu geben.
Eine Anhörung bei der unabhängigen Kommission hatte ich vor einigen Wochen schon.

Hmmh. Bzgl. meiner Familie.
Ich sehe es so wie du, dass das Gefühl da ist und es dem auch egal ist, ob berechtigt oder nicht....
Aber was ich mich da halt immer frage ist, was es mir bringt, diesem Gefühl nachzugehen.... Denn es ändert ja nichts daran, dass die Situation schwierig ist und eigentlich niemand was dafür kann....

Vielen Dank dir nochmal!

LG
Igraine

Igraine
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » So Nov 03, 2019 6:27 pm

ich habe grade mal wieder einen "Marathonlauf" vor mir. Mein Terminkalender hat sich gefüllt und gefüllt und gemerkt, hab ich das wie immer viel zu spät. Ich weiß wirklich nicht, das passiert mir ständig. Irgendwann kommt der Punkt, wo ich da reingucke und mich frage, wann all diese Termine wieder passiert sind. Wenn ich es dann bemerke gibt es meistens schon keinen Weg zurück mehr und einzelnd betrachtet sind das auch alles Dinge, die ich gerne tun möchte, aber in Summe dann eben doch einfach viel. Sehr viel.

(evtl. trigger)

Vor ein paar Wochen trag mich aus dem Nichts der Schlag beim Zähneputzen.
Plötzlich eine heftige Körperreaktion in Form von Übelkeit und aufsteigender Angst. Dann ein Bild dazu.
Es hat mich ziemlich aus dem Konzept gebracht. Das was da kam, war neu...
Ich hab es mit in die Therapie genommen, konnte allerdings bisher noch wenig sagen. Es auszusprechen, eigentlich es nur zu denken ist schlimm.
Meine Therapeutin hat auf der Körperebene mit mir dazu gearbeitet. Wie fühlt sich das an, wo ist es am unangenehmsten und wo ist es am wenigsten spürbar oder fühlt sich sogar ganz gut an. Dann eine Dynamik zwischen 3 Punkten entwickelt und tatsächlich ist Zähneputzen so nun möglich.
Sobald die Übelkeit oder dieses komische Gefühl kommt spring ich mit der Aufmerksamkeit in meine Zehenspitzen und zurück und dann beruhigt es sich und macht das Zähneputzen möglich.

Irgendwie fand ich den Zustand nicht optimal, aber soweit aushaltbar und ich hab es erstmal nicht weiter in der Therapie thematisiert.
Nun hab ich mir letzte Woche eine neue Zahnbürste gekauft und bumm.... Selbes Spiel von vorne, diesmal noch massiver.
Und nach wie vor ist da das Gefühl es nicht aussprechen zu können.

Nach meiner letzten Stunde war erst alles ok. Also mich überkommt nach der Therapie häufig eine unsägliche Müdigkeit, aber das ken nich schon.
Ich bin regulär arbeiten gewesen danach, musste auch ein schwieriges Gespräch führen.... mich emotional öffnen für die Beratung, was gar nicht so einfach war, weil ich die Gefühle nach der Stunde mühsam abgespalten hatte... Aber es ging.

Abends zuhause wurd es dann unangenehmer. Eine Unruhe kam und wurde immer doller. Schlafen klappte nicht, obwohl da ja vorher noch diese extreme Müdigkeit war... Ich war lange wach, hatte einen unruhigen Schlaf, wirre Träume.
Am nächsten Tag hatte ich frei, war früh wach, obwohl noch lange nicht ausgeschlafen, aber bin auch nicht richtig wach geworden. Den ganzen Tag befand ich mich im "Nebel", immer mal wieder kurzer Schwindel. Die Stunden zogen so dahin, gemacht habe ich den ganzen Tag gar nichts....

Am Abend bekam ich dann Kopfschmerzen. Ich dachte okay, wenn ich jetzt bald schlafe, dann muss ich keine Tablette nehmen, Schlaf wird helfen...
Ich bin auch irgendwann eingeschlafen, aber dann ca. 2h später wieder aufgewacht und zwar dann mit extremen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit.
Es hat eine Stunde gedauert bis Schmerzmittel dann etwas wirkten und sich alles wieder beruhigt hat. Der Schwindel blieb, auch im Liegen.
Irgendwann bin ich wieder eingeschlafen.
Morgens hab ich es zur Arbeit geschafft, es ging besser.
Aber alles ist anstrengend.

Mein Körper fühlt sich sehr schwer an seit dem. Zwischendurch kommt immer mal ein Anflug von Schwindel und Kopfschmerzen, aber es vergeht auch wieder.

Da ich die nächsten 2 Wochen beruflich unterwegs bin und auch nicht zuhause schlafe, habe ich meiner Therapeutin eine E-mail geschrieben und gefragt, ob sie nen Rat hat.
Ich möchte mich durch die kommenden Termine nicht nur so durchschleppen. Ich möchte wach sein, dabei sein mit Energie.

Meine Thera ist unter anderem Körpertherapeutin. Nun hat sie mir geschrieben, dass ich mal darauf achten soll, ob es bei diesen körperlichen Attacken eine Bewegung gibt, die der Körper machen möchte und die dann ausführen und nur bei der Bewegung bleiben. Finde ich ganz spannend. Bisher hab ich da noch nichts wahrgenommen, aber ich schau mal, ob da etwas kommt.

Darüber hinaus schrieb sie mir dann, dass ich mir auch vorstellen könnte mich mit dem Trotz und der Wut zu verbinden und sie bitten mir mit meiner Kraft zu helfen und es so zu gestalten, dass es eben nicht nur ein Funktionieren wird die nächsten Tage/Wochen, sondern aus mir heraus gut wird.

Im ersten Moment dachte ich so.... ähm ja.... welcher Trotz und welche Wut denn?
Trotz und Wut sind Gefühle, die ich generell nicht empfinde. Wütend und trotzig sein ist verboten....
Aber irgendwie wird sie wohl recht haben, auch wenn ich diesen Gefühlen keinen Raum gebe, so werden sie schon auch irgendwo in mir sein.
Ich bin grade noch hin und hergerissen, ob ich mich auf die Suche machen will oder vl lieber nicht.
Mal schauen.

Was mich irritiert ist diese massive Reaktion des Körpers. Das hab ich so bisher selten erlebt.
Irgendwie anstrengend, weil so unkontrolliert und lähmend.
Und es ist so, als ob mein Körper mich zwingen will, genauer hinzuschauen. Ich schaff es in der Regel nämlich gut, mich auch wieder abzugrenzen. Nicht in die Vergangenheit abzurutschen, sondern im Hier und Jetzt zu bleiben. Auch beim Zähneputzen schaff ich es nicht vollkommen abzudriften, sondern hier zu bleiben und es danach auch abzuhaken.
Umso mehr hat es mich irritiert... Ich bin nicht aktiv damit beschäftigt. Grübel nicht den ganzen Tag. Fühl mich nicht den ganzen Tag schlecht.

Aber manchmal glaube ich, ist es eben wirklich genau das dann.... ein "Hallo!!!!!! Schau hin!"
Aber bei einem bin ich mir sicher, ich will nicht ohne meine Therapeutin hinschauen, aber da gibts wohl Anteile, die das so nicht akzeptieren mögen.

Naja. Schauen wir mal, wie es weitergeht.

Igraine
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Mo Nov 18, 2019 6:05 pm

So, die 2 Wochen sind um und waren ganz gut.
Heute wieder in den normalen Arbeitsalltag eingetaucht.
Heute morgen Therapie.

Heute war wieder so eine Stunde, wo wir zwar ein Thema hatten, ich hinterher aber mit nem Gefühl von "Stunde verschenkt" rausgegangen bin.
Meine Therapeutin ist super, sie schafft Dinge, die vor ihr niemand geschafft hat und ich weiß auch, dass es gut ist, wenn es Stunden gibt, in denen nicht immer die ganz harten Sachen besprochen werden.
Aber mein Gefühl sagt mir öfter mal was anderes. Ich denk oft, die Stunden sind begrenzt und ich sollte jede einzelne dafür nutzen die Vergangenheit aufzuarbeiten. Mir ist bewusst, dass auch die Themen im hier und jetzt ihren Platz brauchen und ja auch n Zusammenhang haben oft..... Aber trotzdem.... Ich kann das nur schwer annehmen.

Vl ist das son Ding von höher, schneller, weiter....
Möglichst schnell dadurch, damit es dann irgendwann vorbei ist.
Dabei weiß ich ja nicht mal, ob es irgendwann vorbei sein kann.... wohl nicht. Es wird immer da sein, es verändert sich.... aber geht doch nie ganz.

Manchmal nehm ich mir bewusst vor in eins meiner Felder der Traumalandkarte einzusteigen. Das machen wir dann auch.
Diese Stunden fühlen sich für mich wirklich besser an. Sie fühlen sich so nach Fortschritt an.

Hm, naja.
Das wollte ich einfach mal dalassen.

Igraine
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Do Nov 21, 2019 12:32 pm

Es gbit Tage, an denen schaffe ich es einfach nicht aufzustehen, obwohl ich wirklich viel zu tun hätte.
Heute ist mal wieder so ein Tag.
ich müsste Wäsche wasschen, Abwaschen, aufräumen, Haushalt machen, Bachelorarbeit schreiben....
Und stattdessen bleibe ich einfach liegen, gucke fernsehen und lass die Zeit verstreifen...

Es ist als würden so zwei Kräfte Tauziehen und sich hin und herzerren. Ich bin kurz mal motiviert aufzustehen und was zu tun, aber im nächsten Moment überwiegt dann wieder das "nein, bleib liegen. Heute einfach mal nichts tun"
Und so geht es die ganze Zeit.

Irgendwie finde ich sind beide Teile berechtigt und ich weiß immer nicht, was ich tun soll.
Kompromiss wäre vl die Lösung, aber beide Seiten sind eigtl. nicht kompromissbereit, sie wollen 100%.

Meine Thera hat mal gesagt, dass ich mich scheinbar nicht für mich selbst motiveren kann, etwas zu tun, sondern nur für andere.
Selbstwert blabla....
Sie hat so verdammt recht, das nervt :-D

Naja. Die Uhr tickt, die Bachelorarbeit muss bald abgegeben werden. Ich hab ein bisschen weniger als die Hälfte.... Der Druck steigt, bald wird dieser mich antreiben. Darauf kann ich mich wohl verlassen. Ich habe immer so lange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe.
Unter Druck arbeite ich am besten. Da bin ich plötzlich sehr leistungsstark und kann ganz Nächte konzentriert durcharbeiten.

Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich für die BA ne andere Arbeitsweise an den Tag legen könnte, aber leider nicht...
Ich bin so froh, wenn diese Scheiße einfach endlich fertig ist.
Eine große Last weniger auf den Schultern.

Und danach?
Tja... wenn ich das nur wüsste. Grade reizt mich gar kein Stellenangebot.
ich hab keine Lust mich auf was neues einzustellen. Bin nicht offen für Neues im Moment.

Aber vielleicht öffnet sich dann zu gegebener Zeit einfach die Tür, wie schon so oft in meinem Leben.

elefantenkind
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von elefantenkind » Do Nov 21, 2019 1:42 pm

Liebe Igraine, ich will nur mal Hallo sagen.

Was du in deinem ersten Post geschrieben hast, trifft zum Teil auch auf mich zu. Ich habe eine Familie, einen tollen Beruf, ich habe Hobbies und Freunde. Funktionieren ist mein zweiter Vorname.
Aber auf der anderen Seite wird dadurch das Trauma aus meiner Kindheit unsichtbar und ich fühle mich manchmal in meinem eigenen Leben fremd. Es fällt mir schwer die zwei Leben in mir miteinander in Verbindung zu bringen.

Bei meinem letzten Geburtstag habe ich gemerkt, dass meine Wünsche für die kommenden Jahre sich darauf beziehen, sichtbarer zu werden. Ich möchte gerne mit meiner Verletzlichkeit und meinem inneren Ich sichtbarer werden. Auch mehr anecken. Ganz schön schwer.

Ich wünsche dir, dass du einen konstruktiven Umgang mit deinem Liegenbleiben findest. Du kannst ja auch nicht jeden Tag funktionieren. Du brauchst auch mal Zeit, in der du nichts produktives tust. Oder beser gesagt, ich brauche das und kenne es von mir.

Liebe Grüße
Elefantenmädchen (mein nick ist elefantenkind, aber irgendwie bin ich da ein kleines Stück herausgewachsen :))

Igraine
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Do Nov 21, 2019 2:55 pm

Liebes Elefantenmädchen (Ich mag den Namen, ich war diese Jahr in Südafrika und hatte da ne tolle Begegnung mit Elefanten :) ),
wie schön, dass du hier bei mir bist!

Fremd im eigenen Leben, das hast du schön beschrieben.
So fühl ich mich auch manchmal. Als würde irgendwer anders dieses Leben führen.
ich wunder mich oft über die Dinge, die "ich" alle kann....

Sichtbar werden ist ein schöner Wunsch finde ich.
Ich glaub das Bedürfnis hatte ich auch vor einiger Zeit, ich habs nie so formuliet, aber hab angefangen, es sichtbarer zu machen.
Der erste große Schritt war glaube ich, dass ich es neuen Freunden gegenüber erwähne.
Als ich mein Studium begonnen habe, hab ich ja viele neue Menschen kennengelernt, mit einigen wenigen habe ich ne enge Freundschaft entwickelt. Da habe ich irgendwann entschieden, dass ich es nicht mehr verschweige, sondern es ihnen sage. Mich sichtbar mache. Und es war eine der besten Entscheidungen. Manche Dinge konnten sie so viel besser verstehen und schlechte Tage haben sie manchmal einfach gesehen, ohne dass ich etwas sagen musste.
Irgendwie war das viel wert.
Diese positive Erfahrung hat dazu geführt, dass ich es dann auch noch mit 2,3 anderen Menschen, die ich danach noch kennengelernt habe und mit denen ich gut befreundet bin so gehandhabt habe.
Erstaunlicherweise dann auch immer offensiver, im Sinne von einer relativ direkten Ansage, dass das eben ein Teil von mir ist und sie überlegen können, ob sie mich so mögen oder nicht und dass wenn nicht, ich natürlich traurig wäre, aber es auch ok ist, weil ich mich nicht verbiegen möchte.
Bisher sind alle geblieben ;-)

Ja.... ich kann nicht jeden Tag funktionieren. Glaub das ist echt ein Prozess, dass zu akzeptieren.
Nun hab ich grade erfahren, dass ich morgen auch nicht zur Arbeit muss, jetzt kann ich den Tag heute entspannter sehen.
Und hoffe einfach mal, dass ich dann morgen den Hintern hochbekomme.

viele Grüße
igraine

Ein Gast

Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Ein Gast » Do Nov 21, 2019 8:58 pm

Hallo Igraine,

ich lese hin und wieder in diesem Forum.

Du wirst auch dieses Studium schaffen.

LG
Pusteblume :wink:

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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Do Nov 21, 2019 9:40 pm

Hey Pusteblume,

wie nett, dass du bei mir vorbeischaust und mir ein bisschen Mut machst. Hab dich hier tatsächlich an der ein oder anderen Stelle schon mal gelesen im Forum :)

Manchmal echt verrückt. Ich hab schon so viel in meinem Leben geschafft und sone Bachelorarbeit treibt mich nachhaltig in den Wahnsinn.... Naja...
Aber du hast sicher Recht, ich werde das schaffen!

LG
Igraine

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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Mo Nov 25, 2019 12:04 am

Gestern waren meine besten Freundinnen mit ihren Kleinkindern bei mir.
Es war ein wunderschöner Tag. Wir drei sind zusammen aufgewachsen und leider wohnen wir heute alle in einer anderen Stadt, sodass wir uns nicht so oft sehen können, wie wir gerne würden.
Umso schöner sind dann die Moment, wo wir wirklich alle drei zusammen sind und ich nicht nur mit der einen oder anderen.
Eins der Kinder ist mein Patenkind. Die fragte mich am Abend dann, als klar war, dass sie jetzt bald gehen werden, ob ich nicht bitte mit zu ihr nach Hause kommen kann. Hach.... da muss ich immer fast weinen. Ich liebe diese Kinder sehr.

Für den Abend hatte ich noch ne Konzertkarte für eine Band, die ich sehr mag.
Tage vorher dachte ich eigentlich schon, dass ich keine Lust mehr habe zu diesem Konzert zu gehen.
Andererseits sag ich mir dann aber auch, dass es blöd wäre die Karte verfallen zu lassen und ich da ja Geld für ausgegeben habe und es bestimmt auch ganz nett wird und ich es vl hinterher bereue nicht da gewesen zu sein etc. pp....

Naja. ich hab meinen Besuch dann zum Bahnhof gebracht und bin von dort aus weiter gefahren zum Konzert.
Schon in der Bahn fühlte ich mich merkwürdig. Irgendwie abwesend.
In dem Club angekommen suchte ich mir oben nen Sitzplatz. (Weise Entscheidung, weil unten Pogo getanzt wurde)
Das Konzert zog so an mir vorbei. Die Musik war gut, aber irgendwie war ich einfach nicht richtig da.
Ganz oft hatte ich den Impuls einfach zu gehen, aber irgendwie konnte ich nicht. Wieder solche Gedanken wie oben schon erwähnt.... und dann eben noch, jetzt bist du schon mal da, es ist unhöflich nicht alles anzuschauen, was sollen die Leute denken.
Wobei ich mir sicher bin, dass außer den Türstehern niemand gemerkt hätte, dass ich gehe und es den Türstehern auch egal gewesen wäre und sie mich sofort wieder vergessen hätten.
Aber trotzdem. Ich blieb sitzen. Erst ganz am Ende, vor den Zugaben gelang es mir zu gehen.
Draußen erwartete mich eine volle Partymeile mit angetrunkenen Menschen und teilweise wirklich schrägen Typen.
Naja.... ich hab mich da so durchgeschlängelt und bin irgendwie zur Bahn gekommen und dann auch nach Hause.

Zuhause war ich dann noch ein bisschen wach und hab so dies und das gemacht, aber ich habe vor Mitternacht geschlafen und dann mehr oder weniger durch bis um 10 Uhr, das kommt sonst fast nie vor. Weder das vor Mitternacht schlafen, noch das Durchschlafen.
Heute morgen ging es mir besser, jetzt am Abend ist glaube ich wieder alles ok. Eine andere Freundin war noch zu Besuch, hat für mich gekocht, während ich endlich mal wieder angefangen habe etwas für die Bachelorarbeit zu tun. Das war ganz gut.

Grundsätzlich waren die letzten Tage aber irgendwie komisch. Ich hatte von Donnerstag an frei und hab fast nichts getan, dabei will ich die Arbeit in 3 Wochen abgeben...
Aber es ging einfach nicht.

Hm, ja. Ich weiß nicht ,was das gestern war. Egal wie lange ich darüber nachdenke... ich kann es nicht mal richtig beschreiben.
Aber vl war es einfach ne leichte Disso, ausgelöst durch was auch immer....
Unangenehm war es auf jeden Fall.
ich hoffe es wird nun besser.

Morgen hab ich Therapie, das ist gut, weil ich deswegen schon mal früh aufstehe und aus dem Haus bin. Ich hoffe, dass ich danach maximal ne Stunde schlafe oder so und dann konzentriert schreibe.
Arbeiten muss ich nämlich glücklicherweise auch morgen noch nicht wieder.

We will see

Igraine
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Mo Nov 25, 2019 11:51 am

Ok, wow....

Einsamkeit ist das Thema.
Heute sind viele viele Tränen geflossen in der Therapie.
Das Thema ist mir sehr unangenehm, weil ich mich dafür schäme, einsam zu sein. Einsam sind Menschen, die keine Freunde haben.... (so meine innee Stimme)

Ich habe aber Freunde. Gar nicht mal wenig.... viele liebe Menschen in meinem Leben.
Nur leider schaffe ich es nicht "meine dunkle Seite" auch mit in die Freundschaft zu nehmen.
Bin ich mit meinen Freunden zusammen ist es immer nur die halbe Wahrheit von mir.
Ein Teil, dem es gut geht, der die Zeit genießen kann, der sich freut, der da ist....
Der andere Teil bleibt außen vor. Der sich Unterstützung wünscht, einfach ab und zu mal n kleines Zeichen, ein ich denk an dich....

ich habe immer Angst zu viel zu sein.
Wenn ich von einer Freundin weiß, dass es ihr nicht gut geht, dann würde ich mich regelmäßig melden, Hilfe anbieten, etc.
Das ist mein Maßstab und das erwarte bzw. wünsche ich mir auch für mich. Die Angst, dass meine Freunde das aber nicht tun ist groß und deshalb probier ich es lieber nicht.
Denn dann können sie mich nicht enttäuschen. Wenn sie nicht wissen, wie es mir geht, dann kann ich auch nicht erwarten, dass sie mehr da sind, als sonst...

Wenn ich mich öffne und sie würden sich nicht melden, dann wäre ich verletzt und würde mich wieder zurückziehen.
Ich möchte aber die Menschen nicht verlieren. Sie sind toll. Sie sind mir wichtig.
Und das Problem ist, dass ich nicht ausstrahle Hilfe zu brauchen....
Alle denken immer, dass ich gut klarkomme....
Tu ich ja auch.... die anderen Momente, die sieht halt keiner.

Tja.... da sind sie wieder die Parallelwelten. Ich weiß nicht, wie ich sie zusammenbringen soll.
Es fühlt sich nicht machbar an.

Gast123

Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Gast123 » Mo Nov 25, 2019 3:15 pm

Igraine hat geschrieben:
Mo Nov 25, 2019 11:51 am
Ok, wow....

Einsamkeit ist das Thema.
Heute sind viele viele Tränen geflossen in der Therapie.
Das Thema ist mir sehr unangenehm, weil ich mich dafür schäme, einsam zu sein. Einsam sind Menschen, die keine Freunde haben.... (so meine innee Stimme)

Ich habe aber Freunde. Gar nicht mal wenig.... viele liebe Menschen in meinem Leben.
Nur leider schaffe ich es nicht "meine dunkle Seite" auch mit in die Freundschaft zu nehmen.
Bin ich mit meinen Freunden zusammen ist es immer nur die halbe Wahrheit von mir.
Ein Teil, dem es gut geht, der die Zeit genießen kann, der sich freut, der da ist....
Der andere Teil bleibt außen vor. Der sich Unterstützung wünscht, einfach ab und zu mal n kleines Zeichen, ein ich denk an dich....

ich habe immer Angst zu viel zu sein.
Wenn ich von einer Freundin weiß, dass es ihr nicht gut geht, dann würde ich mich regelmäßig melden, Hilfe anbieten, etc.
Das ist mein Maßstab und das erwarte bzw. wünsche ich mir auch für mich. Die Angst, dass meine Freunde das aber nicht tun ist groß und deshalb probier ich es lieber nicht.
Denn dann können sie mich nicht enttäuschen. Wenn sie nicht wissen, wie es mir geht, dann kann ich auch nicht erwarten, dass sie mehr da sind, als sonst...

Wenn ich mich öffne und sie würden sich nicht melden, dann wäre ich verletzt und würde mich wieder zurückziehen.
Ich möchte aber die Menschen nicht verlieren. Sie sind toll. Sie sind mir wichtig.
Und das Problem ist, dass ich nicht ausstrahle Hilfe zu brauchen....
Alle denken immer, dass ich gut klarkomme....
Tu ich ja auch.... die anderen Momente, die sieht halt keiner.

Tja.... da sind sie wieder die Parallelwelten. Ich weiß nicht, wie ich sie zusammenbringen soll.
Es fühlt sich nicht machbar an.
Genauso fühle ich auch. Aus diesem Grund mache ich alles mit mir aus und behalte alles für mich. Aus der Angst enttäuscht zu werden...

elefantenkind
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von elefantenkind » Mo Nov 25, 2019 8:07 pm

Liebe Igraine, das hast du echt sehr treffend beschrieben.

Ich hab den Schritt schon öfters gemacht, mich über diese Grenze zu pushen und was zu erzählen. Das Problem ist aber, dass das angestrengt ist und nicht natürlich und dann auch schwierig für die anderen...

Und ich habe gute und enttäuschende Erfahrungen gemacht, wie das Leben eben so ist. (Eine ganz liebe Freundin habe ich dadurch gefunden.)

Und zu dem einsam sein: es kann sein, dass du dich einsam fühlst, obwohl du es nicht bist. Alte gefühlsmuster oder eben das Gefühl des Anteils in dir, der sich nicht zeigen darf und deswegen sich zu recht einsam fühlst. Aber du bist gerade dabei, es zu verändern. Erst wahrnehmen, dann hier aussprechen...und irgendwann verändert das auch was im real Life

Alles Liebe
Elefantenmädchen

Igraine
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Re: Ein Platz für mich zum Denken, Reflektieren und einfach Sein

Beitrag von Igraine » Mo Nov 25, 2019 11:44 pm

Hallo!
So viel geweint wie heute habe ich lange nicht mehr...
Danke Gast123 und Elefantenmädchen für eure Antworten.

Irgendwie ist es beruhigend zu lesen, dass es nicht nur mir so geht, wobei ich jedem von uns wünsche, dass er diese Einsamkeit nicht ertragen muss.

@Gast123 Ich versteh das, aber finde es so unendlich traurig, dass man so immer weiter alleine damit bleibt.
Meine Angst ist aber auch größer als alles andere...

@Elefantenmädchen
Ja, ich hab auch schon manchmal was erzählt.
Positiv liefen eigtl. immer die, ich nenn sie jetzt mal ganuz blöd, "Erstgespräche", also die Momente, wo ich Menschen erzählt habe, dass ich MB erlebt habe... Da hat noch nie jemand doof reagiert.

Aber wenn ich dann mal vorsichtig versucht habe was zu sagen, wenns grad nicht so gut läuft, dann hab ich oft gemerkt, dass die einfach überfordert sind und nicht wissen, was sie sagen sollen.
Versteh ich auch, aber das ist genau das, was ich nicht brauchen kann und eben wieder dazu führt, dass ich es lieber mit mir alleine ausmache.
Ich will die ja nicht am Ende noch mit auffangen müssen.

Ich glaub halt, in Gesellschaft sein allein reicht einfach nicht aus, wenn man dort eben nicht so sein kann, wie man (auch) ist.
So bleibt halt ein Teil immer ohne Kontakt und deswegen fühlt es sich nie richtig gut an.

Aber ja, vl ist diese Auseinandersetzung damit jetzt ein wichtiger Schritt zur Veränderung.

Viele liebe Grüße
Igraine

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