Kurz vor dem Ziel

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Maya
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Kurz vor dem Ziel

Beitrag von Maya » So Jun 23, 2019 9:38 am

Hallo!
Ich versuche es jetzt doch noch mal hier mit einer für euch sicher ziemlich banalen Frage. Damit möchte ich auch wirklich nicht anmaßend sein gegenüber euch anderen. Mir ist bewusst das ihr hier wirklich um jeden Tag und manchmal jede Stunde überleben kämpfen müsst.

Ich habe auch schon eine Weile gekämpft und mir geht es mittlerweile richtig gut. Alles was ich erreichen wollte geht. Es gibt keinen Familienkontakt mehr, einfach weil alle tot sind. Ich habe eine neue Arbeit, wo mich extrem fordert und mir richtig Spaß macht. Ich komme mit meinem Mann aus und kann auch meistens ohne Zwischenfälle ihm näher kommen.
Ich höre eigentlich keine Stimmen, nur manchmal wenn ich Stress habe. Wie Streit oder so. Aber nichts so aufdringliches. Ich habe ein durchgängiges zeitempfinden und erinnere mich an alles was am Tag und die Tage davor passiert.
Ich bin total normal würde ich sagen.

Aber jetzt, seit einiger Zeit habe ich beim ausschlafen immer wieder den selben Albtraum. Ich träume immer so nach 4 h schlaf und habe viele Jahre lange schlafen vermieden. Aber genug gesunder Schlaf gehört zum normalen Leben. Und ich arbeite wirklich sehr viel, Vollzeit, drei Kinder, momentan lerne ich zuhause jede freie Minute und das kommt schon meist auf drei Stunden täglich, Hausarbeit... aber ich sorge auch für mich und Ruhephasen. Ich habe gelernt meine Ressourcen zu nutzen.
Also ich brauche diesen schlaf und ich habe in letzter Zeit immer Albträume und immer das selbe Szenario.

Ich besitze ein altes Haus, in dem ich aber nicht wohne. Ich versuche immer alles damit niemand eine Verbindung zwischen mir und dem Haus herstellt.
In diesem Haus liegt im Keller die Leiche meiner Mutter. Ich habe sie glauben ich versehentlich umgebracht. Und niemand fragt danach. Ihr Tod ließ sich einfach vertuschen. Soweit die Kulisse. Das Haus, die Leiche das ist immer gleich in jedem Traum. Und jeder Traum handelt von der Angst das alles raus kommt. Das alle entdecken das das Haus mir gehört. Das es meine Mutter ist. Das ich schuldig bin. Die Träume sind total stressig und im Traum habe ich immer Angst und fühle mich so fürchterlich schuldig aber weiß keinen Ausweg.

Ich habe das auch erst gar nicht mit früher in Verbindung gebracht. Die Idee das dieses träumen von meiner Vergangenheit kommt kam mir erst gestern.
Und ich hatte gehofft, mit jemandem darüber reden zu können. Es ist natürlich wirklich nichts lebensbedrohliches. Kein Notfall und kein richtiges Problem.

Ich glaube es gibt noch was das damit zusammen hängt. So wie es mir jetzt geht, kann ich nur sehr schwer überhaupt sehen was früher als Kind war. Ich bin wirklich in allem unsicher und kann mir einfach nicht vorstellen das mir sowas passiert ist. Es ist also nicht komplett weg aus meiner Erinnerung, so ein paar Eckpunkte weiß ich, aber das erscheint mir so absurd, Abwegig, nicht möglich. Und ich überlege ob ich mich tatsächlich einfach nicht getäuscht und verrannt habe. Aber eigentlich ist das im Tag kein Thema.
Wenn ich jetzt davon schreibe, dann regt sich schon was in mir. Und auch der Drang mir weh zu tun zur Strafe. Aber ich kann das im Griff halten. Ich weiß nur nicht was mit mir ist.
Und es tut mir leid das ich überhaupt geschrieben habe und so viel und was. Ich weiß ich sollte nicht hier sein. Und ich weiß ich soll mich nicht entschuldigen, aber sonst bekomme ich von innen zu viel Druck.

Jetzt gerät alles bisschen aus den Fugen. Tut mir leid.

Glitza

Re: Kurz vor dem Ziel

Beitrag von Glitza » So Jun 23, 2019 3:20 pm

In der Traumdeutung gilt ein Haus oft als Symbol für einen selber.
gibt es ein altes ich das du nicht mehr als DU siehst?
falls ja scheint es was zu brauchen.
Und was auch noch in den Traum steckt ist: deine Unschuld.
Wie würden Menschen reagieren wenn jmd aus versehen seine Mutter getötet hat ?
(Geht es dabei tatsächlich um deine Mutter? Oder ist die tote Mutter im Keller auch nur ein Symbol für etwas in dir?)
Mit Sicherheit bekäme so jemand Trost und Mitgefühl.
Es würde auch niemand erwarten dass so jemand selber und allein die Leiche aus dem Keller holt.
Das wäre unzumutbar.

Mein Gefühl zu deinem Traum ist: hab keine Angst mehr!du bist kurz vorm Ziel!

Aus dem Bauch heraus grüßt
Glitza

Aufatmende
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Re: Kurz vor dem Ziel

Beitrag von Aufatmende » So Jun 23, 2019 4:44 pm

Du darfst hier sein. Das ist kein Rückschritt. Sondern du holst dir Hilfe von Menschen, die wissen, wovon du redest. Wo du nicht alles von vorne erklären musst. So sehe ich das für mich. Mir geht es auch gut. Im Prinzip....

Könnte das Haus deine Vergangenheit mit sexualisierter Gewalt sein?
Hast du vielleicht die Beziehung zum Täter geklärt, aber nicht zu deiner Mutter?
Dann läge die Leiche deiner Mutter im Keller deiner Psyche.
Und du vertuscht/ verleugnest deine Lebensgeschichte, was sich nicht alle in dir gefallen lassen.
Könnte davon etwas passen?
Rückfälle sind Vorfälle!

Maya
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Re: Kurz vor dem Ziel

Beitrag von Maya » So Jun 23, 2019 6:12 pm

Ja, ich glaube schon das kommt im groben hin. Es ist nicht so das ich aktiv verleugne das es wohl irgendwelche schlimmen Dinge gegeben hat. Es ist eher so, das es mir sehr gut geht und ich wirklich viel und fest verankert hier im jetzt in diesem Leben bin. Und das was ich früher war ist sehr sehr weit weg, so weit das ich mir das gar nicht mehr vorstellen kann. Soweit das ich echt nicht sicher bin ob das wirklich sein kann. Schwer zu erklären, es fühlt sich nicht real an das es vor mir eine Vergangenheit gab. Und die verschiedenen Leben sind so weit und stark voneinander getrennt. Da fängt man doch automatisch an zu zweifeln.
So wie ich jetzt lebe, gefällt es mir. Ich könnte nicht glücklicher sein.
Nach diesen Träumen fühle ich immer noch was davon. Und ich hab auch versucht die anderen zu fragen was sie wollen. Was sie brauchen. Aber ich weiß absolut nicht wie ich das praktisch umsetzten soll. Denn deren Welt, deren leben ist einfach nicht mein Leben. Die Vergangenheit ist vorbei, aber das verstehen die nicht. Es sind nur solche kurzen Momente wo es da überhaupt Kontakt gibt. Ansonsten spüre ich gar nichts von den anderen. Vielleicht ist das auch Einbildung. Das kann ich nicht hundertprozentig sagen. Wenn ich jetzt aber so darüber schreibe, wühlt das wieder und das jedes mal so eine Unruhe in mir auf. Besser kann ich es nicht beschreiben. Etwas möchte raus, mir was sagen, und ich spüre da echt viel Emotion. Aber ich kann nicht sagen was. Und ich komm nicht daran. Und ich habe Angst davor. Angst überrollt zu werden. Angst die Kontrolle zu verlieren. Angst vor dem Gefühl weil das sehe ich, es ist schwarz und dunkel.
Ich habe ja schon an mir gearbeitet. Hab versucht zu verstehen das es da ein System gibt wie meine Psyche funktioniert. Das ich ein anp bin und ich weiß in der Theorie schon das ich deswegen natürlich nicht viel weiß von früher. Ich weiß, das ich so glücklich sein kann, weil andere teile die Erinnerung und die Gefühle tragen. Aber ich will das auch gar nicht sehen und fühlen. Und ich glaube die versuchen mir das zu zeigen. Oder irgendwem anderes zu zeigen.

Die Bilder aus dem Traum darf man nicht so wortwörtlich nehmen. Meine Mutter muss nicht nur für meine Mutter stehen. Zb.

Ich verleugne meine Lebensgeschichte gar nicht wirklich. Aber ich habe einfach eine andere.

Was soll ich tun wenn ich etwas sehe oder fühle, das sich für mich ganz anders anfühlt? Ich weiß das es da einen Teil gibt, der das dann über bestrafen wieder reguliert.

chaoskopf unl.

Re: Kurz vor dem Ziel

Beitrag von chaoskopf unl. » So Jun 23, 2019 10:21 pm

ich mag jetzt nichts analysieren, nur einen tip geben, weil es belastet dich ja....
also nur ganz kurz: mir hat meine thera gesagt, dass man albträume positiv fertig träumen sollte, dann können sie verschwinden. wenn du also davon aufwachst dann denk dir den traum positiv zu ende. im traum ist alles möglich. mutter kann wieder lebendig werden oder es gibt zauberei oder sie bleibt tot und ihre leiche wird rausgeschafft und sie findet so ruhe, oder was auch immer...je nachdem, was für dich das beste ende ist....denk es dir zu ende. ausschließlich positiv.
vielleicht ist das einen versuch wert.

vielleicht muss es nicht analysiert und hinterfragt werden. denn vielleicht weißt du ja tief in dir bereits, was dir der traum sagen will.....
nur so gedanken von mir......kannst auch verwerfen wenn es nicht passt

was ich aber unbedingt noch stehen lassen mag: NATÜRLICH DARFST DU HIER SEIN!!!! genau so wie jede(r) andere auch

alles gute dir

Maya
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Re: Kurz vor dem Ziel

Beitrag von Maya » So Jun 23, 2019 11:27 pm

Vielen Dank, chaoskopf!
Ich kenne diese Methode, weil ich das tatsächlich bei manchen Träumen im Schlaf noch selbst machen kann. Schon immer. Ich bekomme aber nur selten mit was ich träume. Jetzt habe ich es mitbekommen. Und wenn er wieder kommen sollte, vielleicht versuche ich es mal.
Vielleicht wäre es aber auch besser, mir jetzt schon ein gutes Ende auszudenken. Denn ich habe selbst wach keine gute Lösung für das Leichen Problem. Ich habe überlegt wie ich die Leiche verschwinden lassen kann ohne das man sie finden kann. Allerdings ist das größere Problem mein Gewissen. Mit dem Wissen zu leben so viel dreck im Keller zu haben. Vielleicht ein Schlüssel Satz.
Vielleicht meine innere Auseinandersetzung mit schuld.
Obwohl ich nicht sicher bin wofür ich mich schuldig fühlen sollte. Manchmal denke ich, das ich hätte besser zu meinen Eltern sein müssen. Aber so furchtbar war ich dann auch wieder nicht.
Aber schuld und Strafe und das Gefühl Strafe zu verdienen scheint schon in vielem eine große Rolle zu spielen.

Vielleicht hat es ja auch schon gereicht mal über diese Träume zu reden. Und vielleicht kommen sie gar nicht wieder.
Morgen fängt die Arbeitswoche wieder an und ich werde den Kopf mit anderem voll haben.

Liebe Grüße und vielen Dank euch beiden!

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