Stehenbleiben?

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Aufatmende
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Stehenbleiben?

Beitrag von Aufatmende » Fr Jun 21, 2019 11:14 pm

Meine Schwester, die ich selten sehe, ist zu Besuch. Parallel dazu kann ich kaum noch laufen, weil ich mein Knie nicht beugen kann. Rad Fahren geht aber. Hat jemand eine Idee, was mein Körper mir damit sagen will?
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Imagica
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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Imagica » Fr Jun 21, 2019 11:25 pm

Erster spontaner Gedanke: Schnell weg! Radfahren geht viel schneller als zu Fuß gehen. Wenn man sich anstrengt und vielleicht noch einen Berg runter fährt, kann man extrem hohe Geschwindigkeiten erreichen.
Vielleicht ganz blöd, aber ich wollts doch mal hierlassen.

EineVonUns50
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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von EineVonUns50 » Sa Jun 22, 2019 12:01 am

wir kennen das auch bei Überforderung, also wenn es psychisch so rund geht, dass jedes Vorwärtsgehen eine totale anstrengung ist und interpretieren das immer mit: zurück schrauben, Rückzug, sich Zeit lassen, inne halten. Nicht noch mehr oben drauf setzen, zuviel von der anstrengung...

und in deinem Fall: in kombination mit dem Fluchtgedanken von Imagica vielleicht: Die Schwester nach Hause schicken. Es ist genug?!

Aufatmende
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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Aufatmende » Sa Jun 22, 2019 4:54 pm

Weg wovon, ist die Frage....
Ich hatte schon um Vorfeld eine Feier gecancelt, jetzt zwangsläufig auch noch ein Sportevent. Aber ich habe gerade keinen Zutritt zu meinem sicheren inneren Ort. Ganz schlechtes Zeichen.

Ich stehe auf der Leitung/ auf dem Schlauch.
Ich stehe jemandem auf den Füßen.
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EineVonUns50
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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von EineVonUns50 » Sa Jun 22, 2019 5:06 pm

und was ist mit der Schwester? du hast den Bezug ja selbst hergestellt. Ist die immer noch da oder hat der Besuch vielleicht etwas ausgelöst, was nun im Verborgenen Wirkung zeigt?

Aufatmende
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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Aufatmende » Sa Jun 22, 2019 5:12 pm

Schieße am Bein haben. DAS ist das richtige Stichwort.
Die Heile tanzt am sicheren inneren Ort.
Aber da sind andere Innenkinder, die stinksauer sind. Weil ich nicht nach innen gefragt habe, wer da gerade keinen Schritt vorwärts kommt.
Ich wollte an der Seite meiner Schwester stehen, die gerade in einer Umbruchsituation ist. Und nichts von mir erzählen, was sie triggert. Das ist gelungen.
Aber das Knie, abgesehen von starker Arthrose, erzählt einen Körpertrigger.
Ich traue mich nicht, mich dem zu nähern. Ich habe mich noch nicht annähernd von dem letzten Kraftakt erholt. Erfahrungsgemäß wird das Knie aber erst besser, wenn der Trigger aufgelöst ist.
Was tue ich nun?
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Wildi
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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Wildi » Sa Jun 22, 2019 6:07 pm

Mir fällt dazu meine Hand ein.

Ich hatte sie mir gebrochen und sie musste operiert werden. Die OP konnte aber aus organisatorischen Gründen erst nach einiger Zeit erfolgen, weshalb ich mit einer vorläufigen Schiene herumgelaufen bin. Die Hand konnte so zwar nicht heilen, aber sie war gut versorgt.

Vielleicht könntest du so etwas für dein Knie tun? Oder für den Trigger? Also signalisieren, dass die "OP" erfolgen wird, aber zu einem späteren Zeitpunkt? Dass Knie/Trigger aber trotzdem gewürdigt und behelfsmäßig gut versorgt werden?

Gast

Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Gast » Sa Jun 22, 2019 9:38 pm

wer da gerade keinen Schritt vorwärts kommt.
Das liest sich für mich nach "Druck" an. In der Art: "Jetzt geh schon vorwärts." Noch ein spontaner Gedanke: Kindern wird das oft auch von den ungeduldigen Eltern/ Erwachsenen gesagt.

Welche Scheiße hast du denn am Bein? Kannst du das ausformulieren?
Was tue ich nun?
Was würdest du einer Freundin sagen, die dich um Rat fragt?

LG

Gast

Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Gast » Sa Jun 22, 2019 9:46 pm

Und noch etwas fällt mir gerade ein:
Ich bin aktiv im Tierschutz und gehe mit Tierheimhunden gassi. Heute hatte ich einen sehr ängstlichen Hund. Wir kennen uns schon, aber heute war nicht viel zu machen, da er besonders ängstlich war. Immer wieder blieb er einfach stehen, kniff die Rute ein, verweigerte sich. Er hatte Angst. Aus welchen Gründen auch immer. Für jeden gemachten Schritt habe ich ihn gelobt, habe immer wieder einfach gewartet, gab ihm Zeit. Irgendwann sind wir dann wieder zurück, weil ich spürte, es ist nicht sein Tag. Es geht heute nicht darum, dass er mutig nach vorwärts geht, sondern wieder zurück darf. Vielleicht ist es morgen besser. Mal schauen.

Vielleicht kannst du damit etwas anfangen?

VG

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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Aufatmende » So Jun 23, 2019 9:12 am

Vielleicht ist es keine Scheiße, sondern einfach nur Traurigkeit darüber, wie fern wir uns emotional stehen (und sie sich selber). Traurigkeit über unsere verlorene Kindheit, die nicht wieder gut zu machen ist.
Ich würde der Freundin sagen, sie soll sich ausruhen, Voltaren draufschmieren und vorsichtig in Bewegung bleiben.
Das werde ich jetzt machen und Schwimmen gehen.
Rückfälle sind Vorfälle!

Waldkatze unl.

Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Waldkatze unl. » So Jun 23, 2019 4:19 pm

Mein Gefühl sagt: sie lässt dich nicht vorwärts gehen, weil sie noch zu sehr im alten hängt und dich zurückhält. Flucht (Rad fahren) wäre aber möglich.
Das ist aber mein Gefühl und muss für dich nicht stimmen.
Lg Waldkatze

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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Aufatmende » So Jun 23, 2019 6:09 pm

Ich glaube, das Knie hat auch etwas mit meinem Mann zu tun. Ich habe ein Buch gerade zu Ende gelesen, das für ihn und unsere Kinder sehr wichtig sein könnte und ich weiß, dass ich mich noch mindestens 2 Monate gedulden muss, bis er geistige Kapazität hat, es zu lesen.
Das bedeutet für mich auch schmerzliches Stehen bleiben, wo ich gerne weiter gehen würde.
Rückfälle sind Vorfälle!

lara64unl

Re: Stehenbleiben?

Beitrag von lara64unl » So Jun 23, 2019 11:06 pm

hallo aufatmende,

mhhh, ich finde ja, es ist irgendwie echt viel bei dir immer so in Bewegung- im Innen. Du mit deinen Innenkindern und wie du das oft alleine und ohne Thera machst.
Und da hinein dann die Schwester, die wie in Bremsklotzt wirkt, ein Mann der bisher ja euch manches verhindert hat, was dir eigentlich wichtig wäre (deine Geschichte und deine Kids..) und so gibt es da gerade zweimal Bremsklotz und eine die schneller weiter will..da täte mir auch mein Knie, oder halt der Rücken oder whatever weh..

Knie versorgen und dann schauen, ob du das Thema um das es da in beiden Fällen ja auch geht (Transgenerationale Traumatisierung) ein wenig zurück zu stellen und zu hoffen, dass du nach dem Sommer dafür Kraft und Zeit hast.

Shalom - lara64

Aufatmende
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Re: Stehenbleiben?

Beitrag von Aufatmende » Mo Jun 24, 2019 6:27 am

Danke für euer Mitdenken und Fühlen. Inzwischen ist es wieder besser. Es hat schon geholfen, das Knie nicht zu ignorieren, sondern zu würdigen und die Innenkinder sind zufrieden damit, dass ich mit ihnen geredet habe.
Da ist (wie immer) noch Schuldgefühl: "Ich bin schuld, dass er meine Schwester auch noch genommen hat."
Das kann ich auch nur zur Kenntnis nehmen, aber nicht auflösen.
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