Fragen zur Therapie (trigger?) LANG

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bumblebee
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Fragen zur Therapie (trigger?) LANG

Beitrag von bumblebee » Mi Mai 08, 2019 11:42 am

Hallo zusammen,

ich habe oben einfach mal eine Triggerwarnung mit hingeschrieben, ich weiß nicht so genau wann das angebracht ist und wann nicht, aber ich lass es jetzt einfach mal so.

Es ist so, dass ich mir im November letzten Jahres therapeutische Hilfe gesucht habe. Ich wurde jahrelang sexuell missbraucht und leide heute unter Depressionen und lt. Hausärztin PTBS. Bis März hatte ich monatliche Sitzungen, mittlerweile wöchentlich.
Offiziell befinde ich mich momentan in der Akuttherapie.
Wir reden über das, was mich beschäftigt. Über meine Vergangenheit, meine Familie usw.
Ich habe meiner Meinung nach starke Probleme damit, zwischenmenschliche Beziehungen und vor allem Partnerschaften aufrecht zu erhalten - heute meinte mein Therapeut dann, ich hätte doch sehr wohl die Fähigkeit, Beziehungen zu führen, als wir über ein paar langjährige Freundinnen sprachen.
Ich glaube, dass ich über Jahre gelernt habe, mein Inneres zu verschließen, meine Gefühle nicht an die Oberfläche dringen zu lassen und mein wahres Ich geheim zu halten. Ich kann Gefühle schlecht bis gar nicht zulassen und bin generell eher ein distanzierter und introvertierter Mensch.
Schon in meiner ersten Sitzung sagte mein Therapeut, als ich ihm von meinen Problemen berichtete, dass ich gar nicht so auf ihn wirke und ich ihm als sehr höfliche, freundliche und offene Person entgegentrete. Versteht mich nicht falsch - ich fühle mich zu jeder Zeit ernst genommen mit meinen Gedanken und Problemen, aber ich rede mir ein, dass er nicht verstehen kann, wie ich bin, weil ich so verschlossen bin und gelernt habe, viel für mich zu behalten. Ich gebe mir Mühe und erzähle, wenn wir in den Redefluss kommen und er stellt passende Fragen, um an das zu kommen, was er wissen möchte. Ich habe an sich auch Null Probleme damit, ihm zu erzählen, es ist eher so, dass ich viele Informationen für irrelevant oder uninteressant halte und mir einrede, dass meine Probleme gar nicht so groß sind und er sich denken muss, warum ich seine Zeit verschwende - auch wenn er mir das Gefühl zu keinem Zeitpunkt gegeben hat, es ist einfach in meinem Kopf.
Ich denke generell nur das schlechteste von meinen Mitmenschen, meine inneren Glaubenssätze sind geprägt von "Keiner mag/braucht mich", "Ich bin nichts wert" usw.
Mir geht es so lange schon schlecht... In der Gesprächstherapie reden wir ganz viel, ist ja klar... Wenn wir über irgendwas reden, über Gedanken, Verhalten etc. erklärt er mir meist, wo die Ursache liegen kann und warum ich manchmal bin wie ich eben bin. Die letzten beiden Male waren aber auch irgendwie mehr "Plauderei" über aktuelles, womit ich mich beschäftige, was aber nicht wirklich tiefgreifend geht. Im Prinzip also, was bei mir so abgeht, salopp gesagt.
Ist es normal, dass es auch solche Sitzungen gibt? Ich weiß, ich kann keine Gemütssprünge von heute auf morgen erwarten und eigentlich haben wir gerade erst angefangen. Aber oft weiß ich auch gar nicht so recht, was ich sagen soll. Es ist keine angespannte, eher angenehme Atmosphäre... Jedoch rede ich mir dann immer ein, dass er sich sicher denken muss, was ich nun dort will, wenn ich eh nichts sage. Ich hoffe ihr versteht was ich meine.
Ich tue ihm damit glaube ich total Unrecht, denn an sich passt die Stimmung zwischen uns total gut. Es sind dann aber so Situationen wie heute, an denen ich danach immer an mir selbst zweifle und mich frage, wie ich das alles machen und schaffen soll, wenn ich mir doch immer wieder einrede, dass mich eh niemand versteht und alles so tief verbuddelt ist, dass an meine tiefen Ershütterungen vielleicht niemals jemand dran kommen wird...
Ich bin einfach etwas verzweifelt und wollte mir das mal von der Seele schreiben.
Sorry für die Länge :shock:
LG

Nicht angemeldet
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Re: Fragen zur Therapie (trigger?) LANG

Beitrag von Nicht angemeldet » Mi Mai 08, 2019 6:32 pm

bumblebee hat geschrieben:
Mi Mai 08, 2019 11:42 am
Schon in meiner ersten Sitzung sagte mein Therapeut, als ich ihm von meinen Problemen berichtete, dass ich gar nicht so auf ihn wirke und ich ihm als sehr höfliche, freundliche und offene Person entgegentrete. Versteht mich nicht falsch - ich fühle mich zu jeder Zeit ernst genommen mit meinen Gedanken und Problemen, aber ich rede mir ein, dass er nicht verstehen kann, wie ich bin, weil ich so verschlossen bin und gelernt habe, viel für mich zu behalten.
Hallo Bumblebee,

das kann ich richtig gut nachvollziehen. Meine Therapeutin war sehr erstaunt, als ich ihr sagte, dass ich innerlich total nervös und aufgeregt sei. Sie meinte, ich würde doch total entspannt da sitzen, einen ruhigen, freundlichen Eindruck machen. Andere Patienten würde im Sessel hin- und herrutschen usw.

Ich denke, dass es bei mir auch so ist, dass ich irgendwie eine Maske aufhab, wo andere nicht sehen können, wie es wirklich in mir aussieht. Ich bin da auch eher der ruhige, verschlossene Typ.

So Plauder-Stunden hab ich auch schon mal. Jedenfalls kommt mir das so vor. Einfach, weil dann die Stimmung zwischen uns passt und das Gespräch irgendwie von alleine läuft.

Aber ich habe auch das Gefühl, dass sie einfach nicht weiß, was in mir vorgeht. Ich werde ihr zu nächsten Stunde was schriftliches mitbringen. Hab da ein paar Situationen/Gefühle von mir aufgeschrieben. Einfach auch einiges, was mir peinlich ist, anzusprechen. Wie zb, dass ich das Gefühl habe abstossend/kalt auf andere zu wirken.

Ich habe auch diese Zweifel, wie das jetzt in der Therapie besser werden soll, wenn ich ihr gar nicht richtig mitteile, wie es in mir aussieht bzw wenn sie mich anders wahrnimmt.

Das ist irgendwie eine Situation, wo ich auch noch nicht weiß, wie ich das ändern kann.

LG
Nicht angemeldet

SophiawirdErwachsen
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Re: Fragen zur Therapie (trigger?) LANG

Beitrag von SophiawirdErwachsen » So Mai 12, 2019 11:30 pm

Hallo bumblebee,

ich kenne deinen Therapeuten nicht und kann deshalb natürlich auch nur raten bzw. mich sehr irren, aber ich schreib trotzdem einmal was mir dazu eingefallen ist *:):

Also zum einen musst du dem Therapeuten nichts "bieten" wenn du das meinst. Du musst weder spannend sein, noch ein "geeignetes" Thema haben noch irgendeinen Plan, was du in der Stunde besprechen oder bearbeiten willst. Es wäre auch vollkommen ok einfach mal eine Stunde gar nicht zu reden, beispielsweise wenn es gar nicht geht ... er ist Therapeut, kein Journalist und wird nicht erwarten, dass du "interessante" Infos für ihn bringst :wink:

Als du das geschrieben hast, dass er meinte du wirkst auf ihn anders ist mir meine alte Therapeutin eingefallen. Die hat auch manchmal solche Dinge gesagt, um mich von meinem negativen Selbstbild etwas wegzubringen *:)... Sie hat mir das manchmal erklärt, deshalb weiß ich das. Sie wollte mir immer wieder mitteilen, dass ich gar nicht so verkorkst und verrückt wirke/wäre, wie ich mich fühle, ich hab das am Anfang missinterpretiert und war oft sauer, weil ich dachte, sie nimmt mich nicht ernst. Vielleicht hat dein Therapeut ähnliche Absichten und möchte dir positives Feedback geben.

Es ist vollkommen normal "Plauderstunden" zu haben. Besonders, wenn deine Geschichte sehr anstrengend ist, sind solche Stunden zwischendurch manchmal sogar notwendig, damit nachher wieder "tiefer" gearbeitet werden kann. Und auch wenn solche Stunden manchmal wirken als hätte man Zeit "verschwendet" können sie hilfreich sein und führen einen zu Themen, die man vorher vielleicht nicht bedacht hätte. Oder die man selbst als nicht so wichtig erachtet hätte.

Wenn du dich traust, könntest du aber deine Gedanken auch ruhig mal aussprechen und ihm sagen, was in deinem Kopf passiert und welche Ängste bzw. Vorurteile du hast. Vielleicht wäre das hilfreich für dich und er könnte eventuell besser darauf eingehen.

Jedenfalls wünsche ich dir alles Gute für deine Aufarbeitung!
Liebe Grüße

Gast

Re: Fragen zur Therapie (trigger?) LANG

Beitrag von Gast » Mi Mai 15, 2019 3:18 pm

Es geht ja gar nicht in der Therapie darum den Therapeuten alles mitzuteilen, das wollen die wenigsten und es kommt eher drauf an was du an Veränderungen mit Selbsthilfe und Ideen anbietest .

Darum geht es. Und viele Psychologen sind selber sehr oberflächlich. Ich kenne so einige aus privaten Bereich.

Viele Therapeuten denken zu erst an sich , dann an den Patienten. So mache ich es auch .

Du musst nicht dein Innerstes ausschütten. Das bringt es nichts. Lerne dein Verhalten zu ändern. Wichtig ist was draußen im echten Leben passiert

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