Nachbeelterung

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Libellchen

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Libellchen » Do Mai 02, 2019 9:55 pm

Gastacht, da hast du mich aber deutlichst falsch verstanden. Ich bin selbst in Therapie. Aber ich weiß, dass sie Grenzen setzen muss. Denn wenn sie alles an sich herankommen lässt, wie soll sie den dann damit klarkommen. Ich weiß, dass sie nicht meine Mama ist und ich halte nichts davon, dass sie mir das Eltern sein Vorspielt. Klar hat sie Mitgefühl, aber mit nach Hause nimmt sie das nicht. Wenn sie die Praxis verlässt, wird sie abschalten.

Molly : wie wäre es, wenn du deine thera mal fragst, ob sie dich adoptiert? Wo deine thera deine Mama ist und du sie so lieb hast.

Glitza

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Glitza » Do Mai 02, 2019 10:09 pm

Bei mir hat die nachbeelterung funktioniert!
Meine thera hat ganz sicher manches von mir mit nach Hause genommen. In Krisen hat sie ihr Handy neben dem Bett liegen gehabt meinetwegen.
Am Ende hat sie die Abhängigkeit aufgelöst ohne zu verletzen. Bzw ich erlebte eine Art Pubertät ihr gegenüber und sie freute sich darüber und dann bin ich ihrer Therapie entwachsen.
Es war weder scheinsegen noch Fake.
Ich bin dadurch groß geworden.
10 Jahre hat es gedauert und es war jedes Jahr wert !
Jetzt kann ich mich melden bei bedarf .
Habe aber keinen.
Vermisse sie nicht.

Das mitleiden von echten Müttern ist zu verstrickt um Trauma zu bearbeiten.
Eine authentische, ehrliche , beharrliche thera braucht es dafür die ihr Herz weit auf hat.

Sowas wünsche ich jeder und jedem der es braucht,
Aber sage nicht dass es das ist was jede braucht.

Einige der Beiträge hier widerlege ich durch meine Existenz und das ist gut so.

Libellchen

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Libellchen » Do Mai 02, 2019 10:20 pm

Glitza, deine therapeutin, hat ihr Handy für den Notfall neben ihrem kopfkisssen gehabt. Wenn ein Notfall gewesen wäre.... Und du hättest sie angerufen. Hättest du dann zu ihr nach Hause dürfen und bei ihr übernachten? Sie hätte dich dann in den Arm genommen? Den so würde eine Mutter mit ihrem Kind umgehen. Oder hätte sie dich bei einer extremen Krise in die Psychiatrie gegeben? Wäre sie in der Nacht, wenn du dich meldest zu dir gefahren? Und hätte die Nacht bei dir verbracht? Was hätte sie wohl getan? Oder wäre sie bei ihrem Mann geblieben und ihren Kindern?

wayward affinity
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Re: Nachbeelterung

Beitrag von wayward affinity » Do Mai 02, 2019 10:43 pm

Man kann sich eben auch aufrichtig um einen dreibeinigen Hund kümmern, ihn lieben und mit ihm leiden.

(Ganz abgesehen davon, dass Hunde, ähnlich wie Menschen, Produkt von genetischer Domestizierung sind. Also eine zusätzliche Auslieferung an die konstruierte Menschenwelt)

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Unverblümt
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Re: Nachbeelterung

Beitrag von Unverblümt » Do Mai 02, 2019 10:59 pm

Eine therapeutishe Beziehung ist und bleibt eine reine Arbeitsbeziehung. Sicher sind wir der Therapeutin sympatisch und sie ist uns sympatisch, aber wir fragen die Thera auch was sie mit belastenden Traumainhalten macht welche in der Kofrontation ausgesprochen werden. Sie hat dafür ihre eigenen Techniken um diese Inhalte eben nicht mit nach Hause zu nehmen, dass ist unssehr wichtg, denn wenn die Thera nicht abschaltet wird sie krank werden.
Wenn unsere Thera mit uns geheult hätte , dann wåren wir gegangen und håtten die Therapie beendet, dass geht fūr uns nicht.
Sicher können wir die Thera kontaktieren im Notfall, aber wie Libellchen schrieb entweder wird sie uns einweisen oder max. auf Möglichkeiten der Selbststabilisierung hinweisen und das war es dann auch schon.

Trotzdem war es gut wie es war bei uns um eben selbst zu lernen wie wir uns selbst trösten und bemuttern können und wir haben in ihr nie eine Ersatzmutter gesehen, denn das war und wird sie nie sein, dessen muss und sollte man sich bewusst sein. Die Thera hat uns nicht lieb, wir sind ihr sympatisch und das wars dann auch.
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~SteinHart~
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Re: Nachbeelterung

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Mai 02, 2019 11:40 pm

So kenne ich das von Dr.K aber auch. Also dass ich in Krisenzeiten auch Nachts hätte anrufen dürfen. Hatte dafür die Handynummer etc. Das war/ist allerdings relativ normal bei DBT. Da wurde dann aber tatsächlich am Telefon besprochen was ICH jetzt tun kann und gegebenen Falls wurde dann eben zur Not der RTW gerufen. Heim kommen sollte eine Thera nun wirklich nicht.
Eine Mutterübertragung gab es sicherlich auch, aber eben nie eine Abhängigkeit und ich denke DAS ist wichtig und wohl auch tatsächlich in erster Linie Aufgabe der Thera, im Auge zu behalten, dass es im Rahmen bleibt. Zu körperlich sollte Therapie (meiner Meinung nach) auch nicht sein, also Umarmungen zum Beispiel.

Nachbeeltern ist doch aber vom Konzept her auch tatsächlich etwas anderes als in den Arm nehmen und "Vater-Mutter-Kind-Spiel" (?) es geht doch eher um Bindungserfahrungen und das kennen lernen neuer, anderer Reaktionen(?)


Was mir nicht ganz klar ist, Gastacht (du misst das aber nicht beantworten) wie das bei dir damals ablief und warum da so eine Abhängigkeit entstanden ist und noch heute spürbar ist.


SH
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Glitza

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Glitza » Fr Mai 03, 2019 7:57 am

Nicht jede Mutter hat immer die praktische Möglichkeit nachts zu ihrer erwachsen Tochter zu fahren in einer Krise.
Und wenn ich einen dreibeinigen Hund liebe dann liebe ich mit dem gleichen Herzen wie ich meine Tochter liebe.
Und es ist das gleiche Herz mit dem ich Zuneigung und Fürsorge für meinen Patienten empfinde.
Es gibt nicht verschiedene Formen von liebe.
Es gibt nur DIE liebe - und es gibt andere Gefühle, die etwas anderes sind.
Wenn sie dafür bezahlt wird mit liebevoller bindungserfahrung zu behandeln schafft sie es entweder den Menschen an ihrer herzensenergie teilhaben zu lassen oder nicht .
Wenn nicht kann dieser Ansatz nicht funktionieren.

Dass die verletzte Seele neidvolle Gefühle hat weil die Tochter der Therapeutin ein größeres maß dieser liebe abbekommt und deshalb das was sie selber bekommt abwerten muss ist ganz natürlich und darf so sein.

Für mich geht es nicht um all die Details ob sie nun kommen würde oder den rtw ruft...für mich geht es um die Liebe, die der Schlüssel zur Genesung war.

Letztlich Irrelevant dass die Therapeutin dafür Geld möchte.

Tsag

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Tsag » Fr Mai 03, 2019 8:57 am

Für das, das ihr Telefon an ihrem Bett liegt, das rechnet sie ab mit der krankenkasse. Sie macht das nicht umsonst, das wirs wie Bereitschaftsdienst abgerechnet.

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Re: Nachbeelterung

Beitrag von ~SteinHart~ » Fr Mai 03, 2019 10:00 am

Nein Tsag, nicht immer ist das so ;) Wenn man zu Beispiel über eine PIA seine Therapie macht, wie ich damals ist das anders. Die bekamen einfach einen festen Satz von der KK. Ich hätte Dr.K auch anrufen können, wenn sie gerade nicht ihre offizielle Bereitschaft hat. Auch bei anderen hier ist es mitunter anders. Manche können/dürfen im Urlaub anrufen, mailen etc.

Ich weiß hier wollen nun einige als Gäste ein wenig Ärger machen... deswegen stänkere ich mal ein wenig zurück ;)

Glitza hat das, finde ich ganz treffend ausgedrückt. Es gibt Menschen die machen ihren Job gern, auch Theras. Manchmal entsteht eine engere Beziehung. Das ist meiner Meinung nach aber kein Muss für eine erfolgreiche Therapie. Der Patient ist ja auch nicht grundsätzlich bereit für so etwas (siehe einige Antworten hier) und nicht zwischen jeder Thera-Patient-Kombination passt es einfach so.

Ich bin gerade sehr froh, dass ich positive Bindung zulassen kann und nicht direkt alles wegrationalisiere, ohne aber den Boden unter den Füßen zu verlieren. Das wünsche ich anderen auch.

SH
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wayward affinity
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Re: Nachbeelterung

Beitrag von wayward affinity » Fr Mai 03, 2019 12:38 pm

Die Leute glauben, was ihnen erträglich scheint, nicht was realistisch ist.

Therapeutische Verhältnisse sind Doublebinds. Und zwar solche, die auch von den Therapeuten selbst nicht durchschaut werden.

''Ich behandel dich gut, aber erstmal; akzeptiere deine konstruierte genetische Beschaffenheit, akzeptiere, dass du unentgeltlich dh gewaltsam gezwungen wirst, dich an die Gesetze zu halten.''

Ein Hundeleben, sprichwörtlich.

In dem Kontext ist so eine Therapie nur das geringere Übel. Der bequemere Platz auf dem sinkenden Schiff.

Mucki
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Re: Nachbeelterung

Beitrag von Mucki » Fr Mai 03, 2019 1:01 pm

Wie bei so vielen Dingen, gilt auch hier: was dem einen hilft, kann dem anderen schaden. Innerhalb meiner Therapie gab es auch Aspekte der Nachbeelterung, das hat gut getan und nicht zu starker Abhängigkeit geführt. Es war in einer bestimmten Phase einfach das Richtige und hat, wie schon andere schrieben, sicher nicht die Eltern ersetzt, aber doch bestimmte Bereiche befriedigt, mein Bindungstrauma kleiner gemacht. Das erfordert natürlich eine therapeutische Kompetenz, dass es auch dazu führen kann, dass die Patientin im hilflosen Kind-Ich verharrt, um eben diese Form der Zuwendung zu bekommen oder eine ungesunde Abhängigkeit entwickelt. Bei mir ist nichts davon eingetreten und dank der Therapie ist es mir inzwischen möglich ein fast normales Leben zu führen. Körperkontakt habe ich bekommen, wenn ich darum gebeten habe und auch das war eine wertvolle Erfahrung und erforderte meinen Mut.
Meiner Ansicht nach gibt es hierbei eben nicht schwarz oder weiß, da jeder von uns anders ist.

Mucki

Traurigkeit

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Traurigkeit » Fr Mai 03, 2019 2:11 pm

Ich arbeite in einem ambulanten pflegedienst. Dort ist es so, man steigt aus dem auto aus und geht zur Patientin ins Haus. Befor ich in das Haus gehe, lege ich und meine Kollegen eine Rolle auf. Wirken fröhlich, sind liebevoll, Mitgefühl.. Wenn wir aus dem Haus rausgehen, sind wir froh, dass wir den Patienten abhaken können. Wir freuen uns, dass der feierabend näher kommt. Wenn eine Patientin im Krankenhaus ist, freuen wir uns, weil wir dann mehr Zeit haben. Manchmal denke ich mir, hoffentlich, denkt meine Therapeutin nicht sich so. Das sie sich freut, wenn ich krank bin. Das sie sich freut, wenn ich aus der Praxis gehe, weil dann ich abgehakt bin und ihr Feierabend näher kommt.

Gast xyz

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Gast xyz » Fr Mai 03, 2019 2:20 pm

Da wird halt der Unterschied zwischen Beruf und BERUFUNG sehr deutlich.
Empfindest Du Deinen Beruf als Berufung?

Traurigkeit

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Traurigkeit » Fr Mai 03, 2019 2:51 pm

Nein, als normalen Job. Und ich bin nicht ich. Sondern ich schauspielere vor den Patienten, bin sehr freundlich. Dann gehe ich zum Auto und denke mir, so erledigt.

Gastacht

Re: Nachbeelterung

Beitrag von Gastacht » Fr Mai 03, 2019 2:58 pm

Also wayward für dich ist bindung unerträglich. So viel seh ich.
Aber du kannst doch nicht für "die leute" sprechen... Wer ist denn das? Und du weisst wie die ticken und was die ertragen. Weil du hast den peil. Schon klar.
Und ohne Gesetze willst du Leben? Da kenn ich einige passende Länder für dich...
Meine Güte.

Ja ich denk es darf eben nicht zu nah sein. Zu viel. Immer nur kurz.
Gastacht

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