Therapeutische Beziehung - wie nah?

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anderer gast

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von anderer gast » Sa Apr 27, 2019 3:33 pm

Gast von eben hat geschrieben:
Sa Apr 27, 2019 8:37 am
Und eine Thera hat nunmal (ob das hier
nun gut ankommt, oder nicht) die Verantwortung für die gesamte Therapie und ihre Klientin.
Eine Frage, wie alt bist du? Das erste was du geschrieben hast, da stimme ich dir voll zu. Bei eigenen Flecken ist es besser nicht jemand anderes zu therapieren, weil das schaden kann. Solche Sprüche wie du oben genannt hast, die gehören in dieser Art Therapie auch nicht.

ABER ab ein bestimmtes Alter, wo man seine Entscheidungen trifft, bist du genauso verantwortlich. Ab 18 Jahre ist man volljährig und da triffst du alle deine Entscheidungen selbst. Du bist für dich selbst verantwortlich. Niemand anderes. Sonst wären nämlich auch Täter nicht mehr verantwortlich, wenn die etwas nicht gelernt haben. Es ist nicht deine Schuld, wenn du etwas nicht gelernt hast, weil man das zerstört hat. Aber wenn du dann einen Fehler machst, Grenzen nicht setzen kannst oder in eine Abhängigkeit rutscht oder whatever, dann musst du das ändern. Die Gesellschaft nimmt da keine Rücksicht. Man lernt das in der Therapie, aber dazu muss jeder selbst seinen Beitrag leisten. Und für seinen Teil ist man selbst verantwortlich. Auch in einer Therapie. Gibt man der Thera die volle Verantwortung, dann kommt man gerade in die Abhängigkeit und man wäre immer in der Opferrolle, weil wie will man unabhängig sein, wenn andere die Verantwortung tragen?

Zu EVU
Klasse, ich finde das gut erklärt von dir. Jeder ist anders, jeder braucht was anderes und wir sind alle unterschiedlich


Und jetzt meins
Ich hatte 4 Theras. Die erste war sehr nah, da rutschte ich in die Abhängigkeit. Von ihr war ich sehr abhängig. Aber das war nicht ihre Schuld. Sie hat Grenzen gesetzt und auch wenn ich mich dran hielt, kam ich dran. Nach der Therapie hat sie mir privat ihre Nr gegeben, wenn was wäre melden. Und wir sind langsam aus der Abhängigkeit raus.
Die 2 und 3 Thera, da war null Abhängigkeit und null Nähe. Ich war nur ein Fall.
Meine 4. jetzt da hab ich privat Nr, weil sie es zuhause macht. Wir duzen uns und sind 2 Menschen auch in der Therapie. Augenhöhe, nicht Thera und Patient, weil das ihr zu viel Macht mir gegenüber gibt. Ich bin nicht irgendein Fall, sondern Mensch mit gewissen Macken, die jeder hat. Natürlich kann es auch passieren, das sie höher rutscht, aber es ist meine Pflicht das dann auch anzusprechen, kann ich es nicht muss ich andere Wege finden. Mach ich das nicht, ist und bleibt es meine Verantwortung.
Wenn das passiert, Guck ich mit ihr, warum das so geworden ist. Dann ist das meine Entscheidung ob ich in die Abhängigkeit rutsche oder es verändere. Ich habe selbst die Wahl um unabhängig zu werden. Will ich es nicht, ist meine Therapie beendet. Sie gibt mir zwar Zeit wenn ich es brauche, aber will ich es nicht, dann bleib ich von ihr abhängig. Das wollen wir beide nicht.

Wir treffen uns auch 1x im Jahr und machen mit mehreren Familien einen Wochenendkurs. Das ist dann komplett privat, das gibt dann auch schon umarmungen. Auch im Therapiegespräch kann Mal was privates kommen. Ich lerne auch durch Erfahrung. Ich kann sie auch Mal von Mutter zu Mutter was fragen.
Wenn das vor 10 Jahren so nah gewesen wäre, wäre ich auch in die Abhängigkeit gerutscht. Aber ich hab gelernt, wenn ich vertraue, das auch anzusprechen und dann meine Verantwortung zu übernehmen.

evu50unl

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von evu50unl » Sa Apr 27, 2019 5:19 pm

wir sind auch über diesen letzten Satz gestolpert und können da nur von uns ausgehen: Da ist das nicht so. Die thera ist verantwortlich, ihre berufsethischen Regeln einzuhalten und für die Art und Weise, wie sie arbeitet und für ihr Verhalten in der Therapie bzw. uns gegenüber. Aber sie hat nicht die "komplette Verantwortung für Therapie und Klientin". Wir legen fest, welche Ziele wir verfolgen, was wir brauchen, was uns gut tut und was nicht, was hilft und was nicht, oft gemeinsam mit ihr. Aber das ist und muss letztlich auch unsere Entscheidung und damit unsere Verantwortung sein. Wir entscheiden, was wir besprechen, was wir zeigen von uns und sie kann nur darauf reagieren. Sie ist überhaupt nicht in der Position, für uns die komplette Verantwortung zu übernehmen. Das kann sie nur für sich selbst und ihr Handeln und dieser Verantwortung muss sie natürlich auch gerecht werden. Sicher gehört es auch zu ihren Aufgaben, den Verlauf der Therapie im Blick zu haben und die Fortschritte ihrer Patienten/Klienten zu hinterfragen und gegebenfalls Schritte einzuleiten, wenn da was völlig schief läuft aus ihrer Sicht. ABer das ist weit entfernt von: kompletter Verantwortung für Therapie und Klientin.

Und mal abgesehen davon, würde es für uns auch bedeuten, sich komplett auszuliefern und sich auch selbst aufzugeben, wenn wir die Verantwortung so komplett an die Thera abgeben würden.

Zitrönchen

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von Zitrönchen » Sa Apr 27, 2019 5:31 pm

Abgesehen davon geben wir die komplette Verantwortung ab, wenn wir alles der Therapeutin abschieben. Und man macht es sich einfach, Therapeutin hat die gesammte Verantwortung und fertig. Ist man Abhängig geworden, ist natürlich die Therapeutin schuld. Ich denke auch, es gehören beide Seiten dazu. Das ist wie beim Manipulieren. Es braucht eine Seite die manipuliert und eine Seite, also der Patient, der das manipulieren zulässt. Man kann nicht immer sagen, wenn was schief läuft, der andere ist schuld. Auch mal aus sich schauen, welchen Anteil man dazu beigetragen hat. Wenn ich in dem einem Fall lese, 6 Jahre lang diese Therapie und keine Fortschritte usw. die Abhängigkeit. Dann frage ich mich schon, also nach 6 Jahren, wenn sich nichts ändert, wird die Theapie wohl nicht anschlagen. Beispielsweise, wenn ich eine körperliche Krankheit habe, und die nach 6 Jahren auch nicht weg ist, oder sich nicht gemildert hat, würde ich auch meinen Arzt wechseln.

Nicht angemeldet
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Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von Nicht angemeldet » Sa Apr 27, 2019 5:49 pm

Zitrönchen hat geschrieben:
Sa Apr 27, 2019 5:31 pm
Wenn ich in dem einem Fall lese, 6 Jahre lang diese Therapie und keine Fortschritte usw. die Abhängigkeit. Dann frage ich mich schon, also nach 6 Jahren, wenn sich nichts ändert, wird die Theapie wohl nicht anschlagen. Beispielsweise, wenn ich eine körperliche Krankheit habe, und die nach 6 Jahren auch nicht weg ist, oder sich nicht gemildert hat, würde ich auch meinen Arzt wechseln.
Ist vielleicht off topic, aber wieso kann eine Therapie 6 Jahre lang dauern? Meine Thera wird jetzt nochmal 12 Stunden nachbeantragen und dann wäre ich bei ca 1 Jahre Therapie. Danach 2 Jahre Pause wegen der Krankenkasse.

Was passiert, wenn die Depression chronisch ist und wiederkommt? Muss man dann echt 2 Jahre warten? (Wenn keine Verlängerung durch den GutachTee der KK beantragt wird?

Kann ich sowieso nicht verstehen. Wenn man zum Beispiel krebskrank ist, hört die Behandlung ja auch nicht nach zb 24 Terminen auf. Warum ist das bei einer Therapie so?

Auf die Verantwortung bezogen:

Beide sind der Verantwortung, Grenzen zu achten. Wobei mir gerade mein gestriges Gespräch in den Sinn kommt. Dort teilte mir meine Thera mit, dass sie aufgrund meiner suizidalen Gedanken, auch Verantwortung dafür übernimmt. Sich zb Gedanken macht, ob ich auch beim nächsten Termin erscheine.

Aber selbst da denke ich, dass wir beide trotz allem in der Verantwortung sind, nicht nur sie. Sie selber muss ja auch gucken, dass sie das nicht zu nah an sich ranlässt. Und ich will ja zb auch nicht, dass sie sich da zu emotional einbindet und deshalb nicht ihre Grenzen wahrt.

anderer gast

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von anderer gast » Sa Apr 27, 2019 6:07 pm

@ nicht angemeldet

6 Jahre kommen manchmal bei der analytischen Therapie vor. Da gibt's wenn ich richtig informiert bin bis zu 300/h genehmigt.

Jede Therapie ist da unterschiedlich. Ich hab Mal tiefenpsychologisch gemacht und bekam 80 Std genehmigt. Erst 50 und dann nochmal 30 Std. Danach hätte ich auch zum Gutachter gemusst.

Ich kenne paar Leute, die haben erst zb tiefenpsychologisch gemacht und dann danach Verhaltenstherapie bekommen. Das macht aber nicht jede KK mit. Meine besteht auch auf die Pause, es sei denn mein Psychiater schreibt, das ich noch was brauche. Er ist auch ein Gutachter.

Vielleicht Mal mit deiner reden? Ob sie ein Bericht an die KK schreibt, wenn's was bringt?
Ansonsten wenn gar nichts geht, geht Klinik. Zumindest bei meiner KK.

Nicht angemeldet
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Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von Nicht angemeldet » Sa Apr 27, 2019 6:14 pm

@ anderer Gast

d.h. wenn auch ein Psychiater mit an Bord ist, könnte er das auch noch befürworten? Vorausgesetzt meine Thera würde sich überhaupt die Arbeit für ne Verlängerung machen.

Reden werde ich mit ihr darüber, wenn das nächste Stundenkontingent genehmigt und angefangen hat. Jetzt ist es ja noch zu früh über ungelegte Eier zu reden.

Vielleicht geht es ja bis dahin schon besser. Aber ich denke halt immer viel darüber nach, was wenn nicht usw.

Klinik ist ja leider auch noch eine Option. Kannst Du mir sagen, wie das ablaufen würde? Würde meine Thera mit mir zusammen einen Antrag ausfüllen usw?

Gastacht

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von Gastacht » Sa Apr 27, 2019 6:48 pm

Manche bezahlen auch selbst in den 2 jahren. Oder machen erst 300h und dann noch stunden über den fonds etc. Da gibt es manche Optionen...
Ja so klingt es gut.
Beide haben Verantwortung. Beide für seinen Teil.
Und ja wenn man nie gelernt hat zu spüren ...weil das verboten war...wird es schwer...aber die thera kann und darf und sollte deswegen nicht für einen spüren wie thera für einen wirkt. Das wäre ja wieder emotionaler mb.
Puuh tut das weh. Echt zum schreien und weinen. Da kommt schnell auf...ich bin bzw war zu doof. Zu undifferenziert. Zu naiv.
Wann wäre der Moment gewesen stopp zu sagen und sich einzugestehen dass... je länger es geht umso weniger möglich. Weil so viel investiert.
Einfach so traurig. Weil Lebenszeit. Eine der besten und wichtigsten lebgenszeiten wo sich so vieles entscheidet.
Und das ist nie mehr änderbar.zurück holbar :cry:

gast2304

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von gast2304 » Sa Apr 27, 2019 7:11 pm

Vielen Dank für den interessanten Austausch!

Ich denke prinzipiell auch, dass wir selber mitverantwortlich sind für die Therapie.

Die jetzt laufende ist meine dritte längerdauernde Therapie. ich habe in der ersten schlimme Abhängigkeit erlebt, und hatte deshalb zu Beginn der zweiten Therapie (gleich in der zweiten Sitzung) die Abhängigkeit erwähnt. Wie schlimm ich die erlebt hatte und dass das so nicht nochmal sein soll usw. ich dachte damals, es ist gut wenn er das weiss.... hat aber nicht geholfen. Die Abhängigkeit wurde noch viel schlimmer als in der ersten Therapie.

Und nun..? - Dritte Therapie und ich habe das Gefühl, es geht alles von vorne wieder los. ICH WILL DAS NICHT.

Was genau kann ich denn tun??? - ich möchte sehr gerne eigenverantwortlich meinen Teil beitragen und micht NICHT in Abhängigkeit begeben. Ich weiss aber schlicht und einfach nicht, wie das geht.

Ich habe das Gefühl, sobald man sowas wie "Bindung" empfindet ist man dem ganzen sowieso ausgeliefert. Im Moment bin ich soweit, dass ich abbrechen will. Die Notbremse ziehen. - Dabei ist mir selber klar, dass das auch nicht der richtige Weg sein kann.

Kann mir jemand möglichst KONKRET sagen, was ich tun muss, um unabhängig zu bleiben? Es einfach nur zu sagen / zu besprechen reicht offenbar nicht. (Ausserdem weiss die jetztige Thera sehr genau Bescheid über die früheren Abhängigkeiten..) Ich versuche dauernd, irgendwie an meiner inneren Einstellung "zu schrauben"; klappt aber nicht. - Über welche Mechanismen/Handlungsweisen kann man sich vor diese Art von Abhängigkeit schützen?

Ich will diese entstehende Abhängigkeit NICHT. ich will die Therapie aber auch nicht abbrechen...

Es drängt sich - wie schon in der früheren Therapie - der verrückte Gedanke auf, man bräuchte eine Art zweiten "Parallel-Therapeuten" als Berater für die eigentlich laufende Therapie.... wie bescheuert.

evu50unl

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von evu50unl » Sa Apr 27, 2019 7:28 pm

auch wenn du das nicht so gern hören magst und dir wahrscheinlich eher ein "rezept" wünscht:
das Wichtigste und Hilfreichste ist sicher, wenn du mit deiner thera darüber redest über all diese Ängste. Es gibt keine Patentlösung und wenn du so schreckliche Angst davor hast, liegt halt der Verdacht nahe, dass da mehr dahinter steckt und das auch mit früher zusammen hängt und umso wichtiger ist das, es zum Thema in der Therapie zu machen.
Das ist ja was emotionales und da gibts keine Handlungsempfehlung und das lässt sich auch nicht so einfach nur über den Kopf bzw. das Wissen darum steuern. Um aber solche emotionale Sachen aufzuarbeiten, dafür ist die Therapie ja da! Sie kann ja auch helfen zu schauen, was du tun kannst, wenn du dich ausgeliefert oder abhängig fühlst und ihr könnt auch zusammen schauen, was genau diese Gefühle bei dir auslösen und ihr könnt zusammen schauen, was es braucht, damit deine Grenzen gewahrt bleiben und du dich nicht unangenehm abhängig fühlst.

anderer gast

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von anderer gast » Sa Apr 27, 2019 7:41 pm

@ gastacht
Mach dir keine selbst Vorwürfe. Es passiert jedem der es nicht gelernt hat. Man muss es halt lernen und das ist auch ein Prozess. Gut ist schon das du selbst die Erkenntnisse hast, erst dann kannst du es verändern. Ich rutsche ja auch immer wieder rein, aber Treff dann meine Entscheidung es zu ändern. Früher war es noch nicht die Zeit, aber in dem Moment wo du dir sagst, nicht nochmal, das ist die richtige Zeit. Jeder Mensch macht Fehler oder Fehlentscheidung, man muss nur sehen was der Fehler ist und woher er kommt.


@ nicht angemeldet

Hat meiner gesagt ja. Ich weiß aber nicht ob das nur geht weil er Gutachter ist. Da muss ich ihn Mal fragen in 2 Wochen. Meine KK hört auch auf ihn. Alles was er mir an Therapien gab bis jetzt, wurde genehmigt. Ein Psychiater ist ja auch noch eine andere Liga als Therapeut. Wenn mein Psychiater was vorschlägt bekommt er ja kein Geld dafür.

OK. Das kann ich dir nicht sagen ob sie es macht. Meine jetzige würde das, das weiss ich.
Würde ich auch nicht sofort machen. Ich wünsche dir viel Kraft das es besser wird bis dahin.

Meine Tochter ist gerade in der Tagesklinik. Empfehlung von ihrer Psychiaterin. Dann müsste sie dort anrufen und sich vorstellen erst per Telefon. Dann wurde sie zurück gerufen wegen Termin zur Vorstellung. Ihr wurden dann Fragen gestellt. Sie selbst musste erst was ausfüllen als sie da war und da hat man ihr geholfen. Da gibt's Sozialarbeiter. Ich denke bei stationären hätte man ihr auch geholfen.
Ansonsten fragen. Ihre Thera hätte ihr geholfen, wenn sie vorher was ausfüllen müsste. Meine Theras zb haben ja auch geholfen wenn man selbst einen Antrag stellen muss.

@ gast2304

Es beginnt damit, das du sagst, das du es so nicht willst. Der nächste Schritt wäre es noch Mal ganz deutlich zu sagen und wenn das nichts bringt, dann gehen. Mit deutlich sagen meine ich das was EVU schrieb. Dafür ist Therapie da.
Dann ist es ihre Verantwortung mit dirdran zu arbeiten. Deine ist es dann daran zu arbeiten.
Sollte sie daran nicht arbeiten wollen, das du aus der Abhängigkeit kommst, ist es ihre Verantwortung und deine dann leider zu gehen.

Dann brichst du den immer wieder kehrenden Kreis. Mit der KK reden und dann kannst du dir ne neue suchen. Ist hart, aber sonst kommst du immer wieder rein. Setze nicht den Theras die Grenze, sondern dir selbst. Damit bin ich gut gefahren und hab es dadurch gelernt. Niemand darf so mit mir umgehen und wenn ich das demjenigen sage und der hält sich nicht dran, dann gehe ich. Dann setz ich meine Grenze für mich indem ich auch danach handle.
Beispiel. Ich hatte eine gute Freundin, aber sie vertraute niemanden, nicht Mal mir. Da hab ich gesagt, was muss ich tun damit du mir vertraust, weil das macht für mich eine Freundschaft aus. Da meinte sie, ich könnte nix tun.
Meine Grenze war dann erreicht. Bringt es mich weiter wenn Freunde nicht vertrauen? Nein. Sie nannte mich egoistisch.
Ne, weil ich will gesund werden und wenn man mich hindert, dann hab ich das Recht zu gehen. Es ist ein Prozess, aber er lohnte sich. Ich kann viel besser für mich einstehen und bekomme was mir gut tut.
Heute Treff ich sie immer Mal wieder und reden auch. Sie sagt, das was ich tat, hat sie wach gerüttelt und auch wenn ich damals gegangen bin, haben wir wieder zueinander gefunden. Sie vertraut mir jetzt, dadurch das ich mich für mich eingesetzt hab. Und ich helfe ihr, wo sie sich einsetzen muss und selbst nicht kann. Ich brauche nur noch anwesend sein, um ihren Rücken zu stärken. So ist das Vertrauen gewachsen.

gastacht

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von gastacht » Sa Apr 27, 2019 11:53 pm

hallo
ich denke das problem ist, dass thera ohne bindung nicht geht. und bindung und abhängigkeit liegen so nah beieinander. so ein bisschen wie eine gesunde sexualität und mb... blöder vergleich aber kam mir gerad.
ich denke auch dass es gut ist es immer wieder zum thema zu machen.. wieso dir das passiert. und jemanden zu haben der auch selbst sehr reflektiert ist. quasi dass ihr beide auf einer metaebene gucken könnt was gerad in der thera passiert.
hast du eine idee woher die abhängigkeit kommt? ist es weil du sehr stark bindung vermisst?
immer wieder zu gehen ist evtl keine lösung... wichtig ist umgekert bei jemaden zu sein der eben auf ner metaebene darüber reden kann...wenn das nicht geht würd ich auch gehen.
oder du machst erstmal gruppentherapie oder verhaltensthera (kurrzeit). da wird glaub die abhänigigkeit auch weniger sein.
langfristig muss man glaube ich 1. erkennen, dass die kindheit rum ist und man sich selbst das meiste geben muss, dass das niemand von außen tun kann, das ist bei mir das problem und der trotzige wunsch. nur gefühlt bin ich 5 jahre alt und schrei eben nach dass es jemand von außen macht und 2. muss man dann auch lernen sich selbst zu kümmern um sich und seine wünsche. und man braucht 3. gute freunde/partner etc... wenn man das alles kann und hat, dann ist man nicht mehrso angewiesen auf die thera.. ergo weniger abhängigkeit.
ode rmeint abhängigkeit bei dir was anderes? eher so im sinne von unterwerfung? bei mir gehts um den wunsch der andere möge sich kümmern

ja ich versuch es mit den selbstvorwürfen. aber jeder macht fehler ist leicht gesagt.. wenn dir das bis ans ende deines lebens dein leben versaut (gerade so gefühlt), dann ist es schwer einem zu verzeihen. hier gehts ja nicht um einen falsch gekauften mantel. das sind 8 jahre die fürn aa.. waren.. nur weil man selbst... ach egal.und das was in dem zeitfenster läft kann ich wahrscheinlich nie mehr nachholen. puuh da werden die gedanken dunkel. sehr dunkel..
gute nacht
gastacht

Zitrönchen

Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von Zitrönchen » So Apr 28, 2019 9:54 am

Den Ansatz, eine Therapie braucht Bindung, finde ich gut. Bzw ist sicher der richtige Weg. Jedoch bedeutet Bindung nicht Abhängigkeit. In der Ehe zum Beispiel hat man eine tiefe Bindung. Aber ich bin nicht von meinem Mann abhängig und er nicht von mir. Und mein Leben geht weiter, auch wenn dem Mann etwas zustößt oder er mich verlässt. So grausam das auch wäre. Die Therapeutin kann auch weiterleben, wenn die Patientin die Therapie abbricht. Seitens der therapeutin ist keine Abhängigkeit gegeben. Wir machen uns selbst abhängig von einem Menschen. Seis Die therapeutin, Sei es der Partner usw. Eine Bindung ist sehr wichtig, schon allein wegen dem vertrauen. Aber die Abhängigkeit, ist meine eigene Verantwortung. Ich mache auch Therapie seit 9 Monaten. Es gibt mailkontakt und 1 mal die woche Sitzung. Wenn sie aber krank werden würde, oder sie geht in den Urlaub, oder sie müsste die Therapie abbrechen, dann würde ich damit zurechtkommen. Klar wäre das unendlich traurig und ich würde total viel weinen. Aber mein Leben geht auch ohne sie weiter.

chaoskopf
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Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von chaoskopf » So Apr 28, 2019 10:27 am

endlich mal wieder ein toller thread mit sehr gutem austausch, vielen dank dafür, ich lese hier von anfang an mit und hab bisher nichts dazu geschrieben, aber jetzt mag ich mich doch auch einbringen.
ich bin schon ganz viele jahre in therapie, immer bei der selben therapeutin. und auch ich hab mir diese frage schon ganz oft gestellt - wie nah soll diese beziehung sein. ich hatte immer wieder große angst und es gab zeiten, in denen ich dachte: wenn der thera jetzt was passiert oder wenn die therapie nicht verlängert wird, dan schaff ich das nicht. aber ist das schon abhängigkeit?
ich hatte teilweise sogar wöchentlich doppelstunden, teilweise nur vierzehntägig eine stunde, je nachdem, wie es mir halt geht. es war auch schon oft schwierig, wenn die therapeutin urlaub hatte. aber ich denke gerade diese zeiten sind sehr wichtig.
ich hab über viele jahre häufig e-mails an meine therapeutin geschrieben, die hat sie nicht immer, aber doch öfter mal, beantwortet. inzwischen geht das nicht mehr, sie nimmt das mit dem dsvg sehr ernst und ich denke, das ist auch gut so. zudem hat sie zweimal in der woche eine stunde eingeräumt, in der patienten sie anrufen können.
in all den jahren entstand eine relativ enge beziehung. das macht angst, aber zugleich ist es auch wahnsinnig hilfreich, weil ich inzwischen viel besser mit ihr reden kann. ich habe vertrauen gefasst und dadurch können wir ganz anders miteinander arbeiten als in den jahren zuvor. bei mir ist es so, dass ich nun unglaubliche fortschritte mache und es inzwischen tatsächlich vorstellbar wird, es irgendwann ohne sie zu schaffen, nämlich dann, wenn ich mich stabilisiert habe ud diese anteilsarbeit abgeschlossen ist. wird aber leider noch dauern.....
ich denke es ist kein wunder, dass sich viele abhängig von der thera fühlen, weil sie häufig der einzig beständige mensch im leben ist, auf den wir bauen, der einem weiterhilft. ich sehe es ähnlich wie eine GESUNDE mutter-kind-beziehung (wie gesagt ÄHNLICH von der struktur her), da ist es auch so, dass die mutter dem kind vieles beibringt, irgendwann jedoch wird das kind zunehmend selbständiger und löst sich langsam los. ähnlich finde ich läuft der prozess in der therapie ab.
daher glaube ich auch, bis zu einem gewissen grad fühlt man sich vielleicht immer wieder mal abhängig von der thera, speziell wenn man in einer depressiven phase feststeckt oder es einem sehr mies geht. ich frage mich: wo beginnt abhängigkeit wirklich?

Mucki
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Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von Mucki » So Apr 28, 2019 11:10 am

Liebe Chaoskopf, Du sprichst mir aus der Seele. Bei mir war es sehr ähnlich und die Vorstellung eines Tages ohne meine Thera sein zu müssen, war schrecklich. Oft habe ich sie gefragt wie sehr ich sie denn mögen darf und ob ich nicht abhängig bin und da hat sie das ähnlich wie Du in Deinem Beitrag erklärt. Sie war für mich der 1. Mensch in meinem Leben dem ich vertraut habe und es fand ganz sicher eine gewisse "Nachbeelterung" statt, die aber zu der Zeit wichtig und richtig war. Lange Urlaubszeiten waren für mich der Horror und in den ersten Jahren haben wir nach der Hälfte oft einen Telefontermin abgesprochen.
Im letzten Jahr hat sie aus Altersgründen ihren Kassensitz abgegeben, arbeitet allerdings noch 2 Tage in der Woche auf privater Basis. Dank des Fonds kann ich mir ca. 1x pro Monat eine Stunde leisten und das genügt mir. Ich bin quasi mit ihrer Hilfe vom hilflosen und bedürftigen Kind zu einer erwachsenen selbstständigen Frau geworden. Natürlich gibt es immer mal wieder Phasen, in denen ich wünschte bei ihr zu sein, in denen ich bedürftig bin oder stimmungsmäßig in ein tiefes Loch falle, aber die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich das auch alleine schaffe da raus zu kommen. Was hilft ist aber auch die Gewissheit, dass ich mich im absoluten Notfall bei ihr melden darf, was allerdings bislang nicht nötig war. Die Stunden, die ich heute nehme, nutze ich meistens zur Reflektion von best. Situationen, in denen ich gerne anders gehandelt hätte oder in denen ich mal wieder in alte Muster gefallen bin.
Ich wünsche einfach jeder/jedem, die Thera, die zu einem passt und die hilfreich ist.

Mucki

chaoskopf
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Re: Therapeutische Beziehung - wie nah?

Beitrag von chaoskopf » So Apr 28, 2019 12:10 pm

danke liebe mucki, schön, dass du diese thera gefunden hast!

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