Mein ewiges Wutproblem...

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » So Jun 28, 2020 10:33 pm

Es ist so anstrengend. Ich fühle mich einfach unglücklich. Zu tiefst unglücklich. Und ich verstehe nicht, wieso. Ich verstehe es einfach nicht.

Ich hab bald Urlaub und ich habe jetzt schon Angst davor. Ich freu mich sooo 3 Wochen frei zu haben und was zu unternehmen. Machen, worauf ich so Lust habe. Da hüpft etwas in mir vor Freude! Ich fange auch schon an ein bisschen zu planen, damit ich dann nicht in der Luft hänge und am Ende doch wieder nichts mache, außer in meiner Wohnung zu hocken.
Aber ich hab auch so Angst vor diesen drei Wochen. Ich fühle mich gerade wieder so, als könnte ich sie nicht genießen. Als werden alle meine Vorhaben mit Angst verbunden sein und somit nicht genießbar. Ich hab solche Angst, diese Zeit wieder zu verpassen. Ich mach mir dadurch selber Druck, ich merks...aber was soll ich denn gegen diese Angst tun?
Ach verdammt, manchmal kommt man einfach nicht runter von diesem verdammten Schlauch, auf dem man steht... Selbst wenn man weiß, dass man da runter gehen sollte. Das ist das Verrückte!

Ich hab innerlich so einen Druck mein Leben zu genießen. Immer, wenn die Sonne untergeht und ich wieder den ganzen Tag so unglücklich war, bekommt etwas in mir Panik. Als wäre mein Leben nun zu Ende und ich hab alles verpasst. Und ich bin gefühlt auch noch selbst Schuld daran, weil mir ja den ganzen Tag bewusst war, dass ich unglücklich bin. Ich mache mir so einen unglaublichen Druck! "Ich muss die Lösung finden" geht mir den ganzen Tag durch den Kopf. Wenn ich sie nicht finde, ist wieder ein Tag vergangen und ich habe mich wieder nur elendig gefühlt. Ich will mich nicht immer so fühlen müssen! Verdammt, ich will auch ein bisschen leben! Menno...

Ich will nicht in Selbstmitleid baden. Ich habe nur das Gefühl, dass es jemandem gut tut, wenn sie gesehen wird. Diejenige, die sich immer um alles kümmert oder es zumindest versucht, aber so oft auch scheitert. Für sie ist es sehr sehr anstrengend. Keine Pause. Keinen Urlaub. Keine "Belohnung" für das, was sie leistet. So war das früher irgendwie immer...zumindest sehe ich "früher" so, ich hab keine Ahnung... Ich hab auch keine Ahnung was seitdem passiert ist. Ach Mensch...son Kack hier!

In der Theorie ist mir glaube ich so einiges klar, was da innen vielleicht helfen könnte aus diesem Zustand rauszukommen. Aber warum setze ich es denn dann nicht um? Auch da wieder, selbst Schuld! Du weißt doch, was zu tun wäre. Wieso tust du es nicht?? Druck, Druck, Druck...Maaaaann! Leck mich! Immer muss ich alles wissen und umsetzen. Immer muss ich aufpassen, ganz Ohr sein, bereit sein. Immer zu!! Menno, ich will Urlaub! Hallo!!! Einfach mal wieder ne geile, entspannte Zeit, in der ich mich entfalten kann!
Bla bla, ja ich weiß... Das geht nur, wenn wir uns alle an den Händen fassen und uns einig sind. Bäääh. Manchmal will ich davon einfach nix hören. Fasst euch doch selbst an den Händen! Wieso muss ich das immer initiieren? Immer muss ich dabei stehen und es anleiten. Alter...Mann!!!


...tut mir leid. Menno. Jetzt guckt ihr ganz verdattert. Tut mir leid. Manchmal ist das alles einfach so viel... Tut mir wirklich leid. Aber ich merke, ihr versteht das auch irgendwie und wisst, dass es nicht böse gemeint ist. Danke dafür.



Hach...murmel murmel schlurf...

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » So Jun 28, 2020 10:36 pm

Anscheinend verstehe ich ja doch, warum ich unglücklich bin...immerhin ein kleiner Erfolg.

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Mi Jul 01, 2020 9:24 pm

Ich weiß es nicht. Aber ich hab da so ein Gefühl, eine Ahnung. Und mein Gefühl hat sich bis jetzt immer irgendwie bestätigt.

Wenn ich die Zeichen auf eine bestimmte Art und Weise zusammen puzzle, dann müsste es mein Vater gewesen sein. Aber noch weiß ich es nicht.

Aber es gibt da Zeichen und Gefühle, die könnten so endlich Sinn ergeben. Dieser Schmerz, die zerreißende Enttäuschung. Die kann nur von jemandem kommen, der mir sehr sehr nah stand. Und ich kenne sonst niemanden, auf den das zutrifft.
Vielleicht habe ich ihn aber auch einfach aus guten Gründen vergessen... Ich weiß es nicht.

Mir wird schlecht.

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Mi Jul 01, 2020 9:28 pm

Das wäre die Erklärung für diese schrecklichen Gefühle, ja. Das wäre das schlimmste, was es sein könnte.

Ich muss abwarten. Mich beruhigen.

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Mi Jul 01, 2020 10:31 pm

Ok, also: Stabilisierung!

Ich weiß es nicht. Aber ich hab anscheinend eine Ahnung. Ok. Ich nehme sie so wahr. Ich merke, sie macht mir sehr starke Angst. Ok. Mir ist schwindelig, mein Körper kribbelt und ich sehe nicht richtig klar. Ok.
Mehr passiert jetzt aber erstmal nicht.

Ich bleibe ich. Meine Wohnung bleibt meine Wohnung. Mein Therapeut bleibt mein Therapeut. Meine Arbeit bleibt meine Arbeit. Meine Freunde bleiben meine Freunde. Mein Netz, das mich im Hier und Jetzt festhält, geht nicht kaputt. Geht gar nicht. Immerhin sind da noch andere mit dran beteiligt und die werden mich ganz sicher nicht plötzlich fallen lassen. Das weiß ich. Auch, wenn ich es gerade nicht fühle. Aber es gehören immer zwei dazu. Fühle ich die Verbindung nicht, dann muss der Andere sie noch kappen, bevor sie wirklich verloren geht. Und das macht niemand. Nicht meine beiden besten Freunde und auch nicht mein Therapeut. Ich bleib hier schön verwurzelt. Die halten mich mit fest.

Angst ist ok. Ich fühle dich. Du bist da. Ich nehme dich wahr. Wir machen das gemeinsam. Keiner geht hier verloren. Die Erwachsene in mir ist da schon ziemlich gut drin. Die kriegt das hin. Die kümmert sich. Weißt du noch? Du bist nämlich nicht allein. Nein nein. Nie wieder. Die Erwachsene ist immer da. Du musst nicht aufpassen, dass dir nichts passiert. Das war alles damals. Heute ist alles ok. Hier passiert dir gerade gar nichts. Du sitzt auf dem Balkon, frische Luft tut dir gut, du hörst deine Nachbarn, die entspannt reden. Die sind genau so alt wie du normalerweise. Weißt du noch? Da war doch was! Verrückt Vorstellung, oder? Ja... Du kleine Maus bist jetzt sicher. Ich halt dich fest, merkst du das? Das Erlebte ist vorbei. Endgültig. Wir haben es geschafft. Hinter uns gebracht. Und jetzt sind wir hier. Und hier bist du sicher. Bei mir. Ich helfe dir.

Sehr gut. Dann gucken wir jetzt noch einen schönen unverfänglichen Film!


So, Kiste zu!

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Di Jul 14, 2020 4:37 pm

Die letzten Tage hab ich meine Gefühle und Anteile ziemlich hängen lassen bzw. sie einfach weggesteckt. Manchmal mach ich das einfach, wenn ich überfordert bin oder (wie irgendwo oben schon mal beschrieben) einfach nur ein Fragezeichen vor mir steht und ich keine Ahnung hab, was ich jetzt machen soll.
So langsam find ichs aber blöd...was ich irgendwie auch gut finde. Denn anscheinend fühle ich mich ohne mein plapperndes Innen-Chaos auch ganz schön alleine. Bei der Vorstellung, ich hätte das alles nicht, wird irgendwas in mir traurig.

Gerade weiß ich nicht so richtig, was ich schreibe. Es ploppen verschiedene Ideen auf, das ist verwirrend...aber ich versuch es trotzdem mal aufzuschreiben, um wieder ein bisschen in Kontakt zu kommen.

Also das ertse, was ich merke, ist eine Wand, die alles zurückhält. Eine kalte Wand aus Glas in meinem Bauch. Und weil die da ist, spüre ich auch nicht, was meine Bedürfnisse sind. "Hey, freier Tag! Und jetzt...? Keine Ahnung." Das nervt mich total. Ich will nicht so viele Tage vergehen lassen. Ich hab doch eigentlich viele To-do-Sachen, "vernünftige" aber auch schöne.

Ok, dann geh ichs mal an!
Lass uns die Wohnung aufräumen, yay!
...nee, das geht gar nicht. Oh, ich leg mich lieber hin. Irgendwie gehts mir nicht so gut. Puh, das überfordert mich.
Hm...hinlegen? Echt jetzt? Och Mann...und dann? Och nö, ich will lieber was machen!! Wir könnten ja auch meinen Urlaub planen, das macht doch voll Spaß!! ...hat so ein bisschen geklappt, aber dann konnte ich mich nicht mehr konzentrieren und war wieder in der "Und jetzt?"-Stimmung.

Jetzt, beim Aufschreiben, merk ich ein bisschen besser, was der "bremsende" Anteil fühlt. Ihm ist irgendwie schlecht. Hat Bauchschmerzen. Keine Kraft. Will liegen und einschlafen und nie wieder aufwachen.
Puh...fühlt sich heftig an. Was mach ich denn jetzt damit? Mich drum kümmern scheint gerade unmöglich.

Aha, da ist auch Wut! Ich schreib einfach mal mit, dann verliere ich den Faden wenigstens nicht.

Kein Bock mich drum zu kümmern, Mann! Heul doch, aber leise. Nerv mich nicht. Fick dich.
Wonach ist dir denn?
Ach, leck mich, Mann. Lass mich in Ruhe. Verpiss dich.
Ich würd gern wissen, warum du so ablehnend bist. Kann ich mich wenigstens dazu setzen, ohne dass wir reden müssen?
Mach doch was du willst, Mann. Aber lass mich in Ruhe!!
Ok, dann lass ich dich in Ruhe. Ist das wirklich das, was du möchtest? Dann gehe ich natürlich.
Ach komm Alter, fick dich.
Kannst du mir noch meine Frage beantworten?
Ja, geh doch, wenn du willst, Mann! Ist doch eh scheiß egal, was ich sage, Mann!
Nein, egal ist das nicht. Wenn du sagst, du möchtest, dass ich gehe, dann gehe ich. Wenn du sagst, du fändest es auch schön, wenn ich noch bleibe, dann bleib ich. Du darfst das entscheiden.
Ja, dann bleib halt...
Gut, ich setz mich hier drüben hin. Du kannst gern erzählen, wenn du willst. Aber musst auch nicht. Ich mal hier was aus und bin einfach da.
Hm...ok. (...) Ich hab solche Wut in mir!!! Das tut mir total weh!
Ok...das tut mir leid. Im Bauch?
Ja... Ich weiß manchmal einfach nicht wohin damit. Dann bin ich übelst geladen und hasse alle und stoße alle von mir weg. Und am liebsten würd ich irgendwo reinschlagen. Mich kotzt es gerade auch schon wieder an, dass ich überhaupt mit dir rede. Mann, da könnt ich echt kotzen!!
Hättest du denn Lust, mal irgendwo reinzuschlagen? Ich meine...das ist ja nicht verboten? :)
(...)
Es fühlt sich gerade an, als wärst du traurig?
Ja...keine Ahnung. Ach Mann ja, manchmal macht mich auch einfach alles traurig.
Was genau meinst du mit alles?
Na wie halt alles so ist. Keiner guckt nach mir. Es geht immer nur um "wichtigere Dinge". Das macht mich wütend. Und traurig.
Ja, verstehe... Also wenn du willst, könnte ich-
Nein, lass es einfach!!
Ok.

Jetzt ist Stille. Und ich sehe nur noch ein Mädchen, was sich den Bauch hält und sich übergeben möchte. Und ich spüre ihre Schmerzen.
Ich mach ihr mal nen Tee...

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Do Jul 16, 2020 10:39 pm

Kleines Mädchen in mir drin, ich nehm dich wahr. Ich merke, ich möchte mit dir weinen, wie in der letzten Therapiestunde. Das war so schön. Da war ich bei dir, du in meinen Armen und ich hab dich ganz fest an mich gedrückt. Du hast nach Luft gerungen, hattest den Mund weit offen, standest unter Schock. Und wir haben geweint. Ich weiß nicht worum wir geweint haben, aber es war etwas furchtbares.
Es war schön mit dir zu weinen. Ich fand es schön, bei dir zu sein, zu erfahren, was du fühlst.

Gerade ist da so eine Mauer in mir, die mich nicht oder wenn, dann nur ganz kurz und oberflächlich an dich heranlässt. Ich merke, wie ich mir wünsche, diese Mauer zum Einsturz zu bringen, um bei dir sein zu können. Aber wahrscheinlich ist sie gerade auch ganz nützlich und sinnvoll...das ist ja meistens der Fall. Deswegen möchte ich dich wissen lassen, dass ich mich auf dich freue, wenn die Mauer mal wieder kleiner ist. Du bist hier herzlich willkommen. Ich fühle mich so wohl, wenn du bei mir bist. Ich spüre ganz viel Liebe für dich. Und ich wäre traurig, wenn es dich nicht gäbe.

Nur, damit du das weißt... <3

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Do Jul 16, 2020 10:58 pm

Meinem pubertären Anteil vom letzten Mal ist es totaaal peinlich sich mit zu uns in den Kreis zu setzen. Also zu mir und den Kleinen. Wir würden uns immer so scheiße umeinander kümmern und alles wäre so blumig und liebevoll und bäääh. Kann ich verstehen...mit so viel Ärger und Wut im Bauch, hätte ich auch keinen Bock auf umhätschelndes Verhalten. Er will ja einfach nur schreien und platzen vor Wut...deswegen sitzt er etwas abseits auf nem Hocker und spielt mit seinem Handy. Guckt ab und zu genervt zu uns rüber.
Aber ich hatte noch ein gutes Gespräch mit ihm. Ich fand es eigentlich sehr rücksichtsvoll, dass er sich etwas fernhält. Immerhin würde die Aggressivität die Kleinen völlig verschrecken und am Ende jemanden treffen, zu dem es nicht gehört. Das fand er nett, hatte er so noch gar nicht gesehen...
Ich hab ihn eingeladen, dass er jederzeit dazukommen darf, wenn ihm danach sein sollte. Aber dass es auch voll ok ist, wenn er seine Ruhe haben will. Immerhin ist er ein Teenager und genervt von so ziemlich allem. Ich wollte mit ihm noch ein Zeichen ausmachen, wie er sich bemerkbar machen kann, wenn er etwas braucht. Ich hab leider vergessen was das war... Ich weiß nur noch, dass er auf einmal wieder sehr wütend wurde und mich beschimpft hat. Plötzlich lag er dann in einer Kuschelecke (die man so aber vor ihm nicht nennen darf, ist peinlich) und hat wild um sich geschlagen. Und im nächsten Moment hat er mit dem Kopf auf den Knien und die Arme um sich geschlungen ein bisschen geweint. Oder zumindest war er traurig. Ich saß einfach still daneben und war dabei. Das fand er gut. Ihm ging es dann besser und er wollte wieder seine Ruhe. Ich bin dann gegangen, wir haben aber noch ein kleines Lächeln ausgetauscht. (das findet er jetzt auch schon wieder scheiße...na was soll's.)

Ich mag ihn irgendwie. Er hat etwas liebevolles an sich.
Erinnert mich an ein Gefühl, das ich einem alten Schulfreund gegenüber habe...an den er mich seeeehr sehr stark erinnert. :wink:

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Sa Jul 18, 2020 5:52 pm

Schmerzen im Bauch, wieder. Verbindung zu meinem Inneren aufbauen funktioniert gerade wieder so schlecht...

Gerade kam gerade ein schmollendes Kind hoch, als ich eine Waffel bestellt habe. (raus gehen will ich nicht...aber was Süßes sollte es sein)
Plötzlich ist da das schmollende Kind, das sich auf die Waffel freut. Irgendwie möchte es Trost, glaube ich. Es spricht nicht, reagiert nicht auf meine Fragen. Vielleicht ist es noch zu jung? Fühlt sich sehr klein an... Es liegt gerne in meinem Arm und liegt da einfach nur. Guckt durch die Gegend, schmollend. Mehr macht es nicht. Mehr will es, glaube ich, nicht. Ist gerade schwierig für mich damit umzugehen... Ich möchte eigentlich nicht die nächsten Stunde nur rumliegen und schmollen und traurig sein. Aber wegstoßen ist auch blöd... Was mach ich denn jetzt?!

Da warte auch das Kind, dem so übel ist und das Bauchschmerzen hat. Oder vielleicht ist es auch dasselbe? Hui, verwirrend...

Und die Wut ist auch noch da. Schießt hoch, wenn ich mich kümmern will. Puh...schwer.

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » So Jul 19, 2020 10:47 pm

Das schmollende Kind wurde ungerecht behandelt. Es weint, weil sich zum ersten Mal jemand auf seine Seite stellt. Es kann es kaum fassen. Den Gedanken zuzulassen, dass es nicht schuld sei, nicht schlecht sei, das tut fast zu doll weh. Was wäre es für eine unglaubliche Erleichterung! Diese Bürde, diese Gewissheit, dass man alles selbst verschuldet hat, dass man andere zu tiefst traurig macht, dass es anderen wegen einem selbst so schlecht geht, dass man sie reinreitet…die lastet so tief in unserem Herzen und auf unseren Schultern. Scham. Schuld. Warum sind wir nur so böse? Und doch gibt es einen kleinen Funken in mir, der sagt: „Nein, die tun dir unrecht!“. Aber das dürfen wir nicht zulassen! Es würde furchtbar weh tun, diese Erkenntnis. Warum ist das so?

Aber gerade habe ich es zugelassen und jetzt weint das Kind in mir. So eine Erleichterung, das kann sich niemand vorstellen. Aber eine Erleichterung, die irgendwie weh tut. Richtig schlimm. Wahrscheinlich, weil so das Ausmaß der Ungerechtigkeit spürbar wird. So lässt man ein weiteres Mal zu, dass die Gefühle, die da warten, richtig sind und sein dürfen. Und da kommen sie in einem riesigen Schwall! Wut, Verletztheit, Angst, Verlorenheit, Ohnmacht, Trauer, SCHMERZ!

Du kleines Mädchen…du armes kleines Mädchen. Wie hast du das nur ausgehalten? Komm her, ich lass dich nie wieder los. Du bist richtig und gut und das reinste Wesen auf der Erde. Es wurde DIR angetan, du wurdest beschmutzt. Aber tief in dir bist du rein, weil du herzensgut bist.
Schreie, lass alles raus. Befrei dich davon. Der Schmerz im Bauch, da kommt er her. Ich lass dich nie wieder los. <3

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Mi Jul 22, 2020 3:30 pm

Da ist es mal wieder. Hallo! <3

Das Gefühl, vollkommen zu sein. Das Gefühl, dass da endlich alle zusammen sind.
Ich heule grad wie ein Schlosshund. Das ist so ein unglaublich wunderschönes Gefühl und gleichzeitig so unendlich traurig.

Ich hab das Gefühl, in diesen Momenten finden wir nach Ewigkeiten mal wieder zusammen. Nachdem wir uns irgendwann mal unter den größten Schmerzen trennen mussten. Das war so schrecklich. Wir wollten nicht gehen, wir wollten zusammen bleiben. Als hätte sich ein Kind von seiner Mama trennen müssen und es wusste nicht, ob es sie je wiedersehen würde. Der Schmerz und der Verlust waren so unglaublich riesig und nicht zu ertragen. Aber aus irgendeinem Grund war es besser so und ich musste es durchziehen. Auch wenn es mir solche Schmerzen verursacht hat. Und dann ist das Kind in mir davon geschwebt, wie einen Ballon, den man loslässt. Und es hat zurückgeblickt und wusste auch, dass es erstmal besser so ist, aber war auch so unendlich traurig darüber. Und seitdem so allein. Und ich auch.
Und in Momenten wie heute, da merke ich das. Weil wir uns langsam wiederfinden. Und wir weinen und weinen und weinen um diesen Verlust damals, aber auch um das Glück, dass wir uns wiederhaben. Es war so ungewiss, ob das jemals passieren würde. Und jetzt haben wir uns wieder bzw. sehen uns schon von ganz weit weg und winken uns und freuen uns, dass der Abstand kleiner wird. So viel Freude, so viel Erleichterung, so viel Glück. Nicht nur das Kind ist erleichtert, dass es nicht mehr allein sein muss. Auch ich freue mich so unglaublich, dass ich es wieder bei mir haben darf.

Und das Kind ist so glücklich, dass es jetzt wieder Dinge mit mir erleben kann. Es war so abgeschottet und kannte nur diese Dunkelheit, den Schmerz, das Furchtbare und Schlimme. Hat so lange nichts Schönes mehr erlebt. Und jetzt kann es sein Glück kaum fassen, dass es mit mir wieder schöne Dinge erleben darf, sich freuen darf, sich entspannen kann, ruhig sein darf, das Leben genießen kann und darf. Die pure Lebensfreude. Als hätte ich es aus einem Kerker befreit und es kann einfach nicht fassen, dass es jetzt nicht mehr für immer da sein muss. Dass es überhaupt noch mehr Dinge auf dieser Welt gibt. Dinge, die schön sind. Dinge, für die man morgens aufsteht und auf die man sich freuen kann. Das ist unfassbar...

Und ich weine auch, weil ich so unendlich stolz auf uns alle bin. Wir haben dieses Leid der Trennung auf uns genommen, damit wir die schlimmsten Dinge in unserem Leben überstehen. Und der Plan ist aufgegangen. Wir habens geschafft, wir haben es hinter uns gebracht. Und durch diese ganze harte Arbeit, die wir seit Jahren auf uns nehmen, durch jeden Rückschlag, den wir hingenommen habe, haben wir es tatsächlich geschafft, uns zu vereinen, damit wir nach dem Dunkel wieder zusammen weiter machen können. So lange war das nicht in Sicht. Aber wir haben überlebt und gearbeitet und wir schaffen es! Der Plan geht verdammt nochmal auf!! Verdammt!! Wie verdammt nochmal genial ist das denn????? Wir haben alles richtig gemacht!! Ich bin so stolz auf uns! Ich kann es nicht fassen, dass wir so schlau und genial waren, uns so zu organisieren. Das ist echt der Wahnsinn.


An alle, die das hier lesen und den gleichen Kampf kämpfen, wie wir alle hier. Haltet durch! Gebt nicht auf! Ihr schafft das, denn das Schlimmste habt ihr schon erlebt und ihr habt es überlebt! Das bedeutet, ihr seid unglaublich stark! Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr weiterkämpft und euch nicht unterkriegen lasst. Fühlt euch gesehen und ermutigt!! <3



So, und jetzt hab ich Urlaub! Ha! Alle die gesagt haben, ich bin nichts, die haben ja sowas von keine Ahnung! Hahaaa!!
Hallo Welt, ich komme!! Stell den Sekt kalt, es kann losgehen!!!!



"Wir, die wir für unseren Traum kämpfen, leiden weit mehr als andere..." Paulo Coelho

Laraaa
Beiträge: 185
Registriert: Do Jan 30, 2020 6:45 pm

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von Laraaa » Mi Jul 22, 2020 6:12 pm

Hallo Erbse,

ich wollte dir das schon länger mal da lassen, aber heute passt es wieder besonders: Deine Beiträge hier berühren mich sehr. Es ist ergreifend zu lesen, wie du mit deinem Innnen umgehen kannst. Wo du neulich vom weinen in der Therapiestunde mit dem kleinen Mädchen geschrieben hast und dein Text von heute, echt stark..

Ich weiß leider nichts weiter sinnvolles zu sagen, habe aber den Eindruck dass du ohnehin gut unterstützt wirst und das gut managest. Deshalb nur: Danke, dass du das hier teilst!

Liebe Grüße und alles Gute
Laraaa

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Do Jul 23, 2020 9:36 am

Danke für deine Nachricht, Laraaa. Ich freue mich, dass du mitliest und dass dich meine Texte so berühren. Für mich ist so eine Rückmeldung auch sehr unterstützend, weil es das "ich bin nicht allein damit" stärkt und mir in schlechteren Zeiten hilft, nicht an meinem Innenleben zu zweifeln.
Also auch danke und alles Liebe! (:

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Mi Aug 05, 2020 6:35 pm

Das absolute Chaos in mir. Ich kriegs nicht gebacken. Ich weiß nicht was ich tun soll, deswegen schreib ich. Ich weiß gar nicht was.
Ich glaube es ist Abschied, Verlust, was mich so völlig fertig macht. Aber es ist immer wieder ein großes Räsel es wirklich herauszufinden.
So völlig am Ende...ich fühl mich so schrecklich.
Zu Ende gehen heißt kompletter Verlust. Unwiederbringliches Ende. Endgültig. Nie wieder Gutes. Endlose grauenhafte Schwärze, die mich einhüllt und nie wieder hergeben wird. Alles ist vorbei. Alles. Nichts wird wieder existieren. Alles ist für immer vergangen. Alles was ich kannte und hatte, alles Gute in meinem Leben für immer verloren. Nur noch Dunkelheit. Nur noch Schmerzen. Nur noch Verlassenheit. Nur noch Folter. Nur noch Angst. Angst ist so ein alltägliches Wort, doch die meisten wissen gar nicht, wie sich tiefe Angst anfühlt. Wenn ich von Angst rede, dann ist das keine Nervosität oder Aufgeregtheit. Dann ist das das nackte Gefühl nicht überleben zu können.
Alles für immer fort. Für immer weg. Ich will’s zurück. Ich will nicht alleine sein. Bitte. Lass mich nicht alleine. Ich hab solche Angst. Bitte geh nicht. Bitte lass mich nicht alleine. Ich werde hier sterben. Bitte bleib hier. Ich will da nicht hin. Ich will da nicht hin. Bitte bitte nicht. Bitte nicht. Ich will nicht. Bitte. Hör mir bitte bitte zu. Das ist so wichtig. Sonst bin ich tot.
Ich bin völlig überfordert. Das ist auch Wut und Enttäuschung. Diese Gefühle sind alle so heftig und prasseln auf mich ein. Ich kann mich kaum halten. Ich bin völlig raus und hab gar keine Chance zu intervenieren. Weiß gar nicht was ich tun soll mit diesem Chaos. Bei sowas hilft wahrscheinlich nur abwarten bis irgendwann ein roter Faden sichtbar wird.

Verdammt nochmal. An solchen Tagen merke ich, dass ich ein psychisches Problem habe und nicht gesund bin. Völlig raus. Mein schöner Urlaub. Ach, ich mach mir nur Druck...

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Di Aug 11, 2020 9:27 am

evtl. Trigger

Ich spüre wieder das Mädchen in mir. Es ist ganz stark da. Vereinnahmt mich. Irgendwo in mir prasselt etwas auf mich/sie nieder. Ich bekomm eine Hand ins Gesicht geschlagen. Das Bild, dass mein Gesicht auf den Boden gedrückt wird, schießt in den Kopf. Würgen. Zumindest ein Gefühl am Hals. Bewegungsunfähig sein. Und immer wieder Sätze, die ich nicht richtig verstehen kann. Aber in mir bleibt das Gefühl zurück, dass ich nichts wert bin. Ich bin der letzte Dreck. Widerlich. Ekelhaft. Vollkommen elendig und dämlich. Keiner will mich. Keiner will mich haben. Ich glaube, das wurde mir gesagt. Es schreit jemand. Mein Ohr tut weh. Ich bin das Allerletzte. Ich bin Abschaum. Man kann mit mir machen, was man will. Egal was. Es ist ok, da ich nichts wert bin. Ich bin nur ein Stück. Darum schert sich niemand. Deswegen ist es in Ordnung mich auch so zu behandeln. Ich bin Dreck.
Ich merke, dass auch der Drang mich zu schneiden wieder stärker wird. Ich würde mich sooo gern schneiden. Nichts anderes habe ich verdient. Das wäre so gut. Ich widerliches Ding. Schneiden, das ist das, was ich darf. Das darf ich mir zufügen. Das ist gut genug für mich. Aber ich muss dabei auch leiden. Es würde etwas in mir so gut tun.
Deswegen hasse ich alle, die nett zu mir sind. Was soll das denn? Haut ab! Was wollt ihr von mir? Lasst mich in Ruhe! Ich hasse euch! Puh, so viel Hass und Wut!!
Es ist schon schwierig für das Mädchen da zu sein, wenn es so leidet und Schmerzen hat und sich verkriechen will und die Stacheln ausfährt, damit es nicht mehr verletzt werden kann. Aber wenn dann auch noch das Gefühl da ist, dass es gut ist, wenn es leidet und dass es nichts anderes verdient hat...dann muss man sich erstmal von diesem Denken befreien, bevor hier irgendwas vorwärts geht.

Wo kommt das denn her? Ist das auch das Mädchen oder jemand anderes?
WUT!!!
Ok...vielleicht ist es hilfreich für den Anfang es mal aus dem Außen zu betrachten. Mir ist ja klar, was hier gerade abläuft. Aber Aussprechen ist immer noch mal hilfreich, um da Abstand reinzubekommen. Also...

Die abwertende Stimme in mir kommt vom Täter. Die Körpergefühle, die ich spüre, habe ich mal erlebt. Das Erlebte ist gespeichert bei diesem kleinen Mädchen. Das hat es eingefroren, das kennt nichts anderes. Es ist gut, dass es mir mitteilt, was es erlebt hat. Ich bin die Erwachsene und kann mich heute endlich darum kümmern. Ich kann die Aufgabe übernehmen, die früher von anderen versäumt wurde. Ich, als Erwachsene, bin auch anwesend. Das Hier und Jetzt ist immer da. Und da ist auch immer die Erwachsene. Das, was die Erwachsene geschickt bekommt, kommt aus der Vergangenheit.
Gut...das ist schon mal gut. Das Dunkel wird schon heller. Wahnsinn, wie das funktioniert...

Worum sollte ich mich gerade kümmern? Ich habe das Mädchen, das diese schlimmen Dinge erlebt hat. Ich habe die abwertende Stimme. Ich habe Wut. Ich habe den Drang mich zu bestrafen. Was gehört denn wo hin?

Ich denke, das Bestrafen habe ich im Griff. Wird nicht passieren. Es könnte sein, dass sich die Vorstellung mich zu schneiden, so sehr nach Erlösung anfühlt, weil ich dann vom viel schlimmeren Problem und Schmerz abgelenkt werde. Gefühlt würde es alle meine Probleme lösen. Es würde gut tun, mich vom Schlechten wegholen und ablenken. Ein neuer Fokus. Ein krasser Fokus. Alles andere wird unwichtig.
Die Komponente der Bestrafung kommt da noch oben drauf, denke ich. Wo genau das herkommt muss ich gerade aber nicht wissen.

Ich glaube die Wut ist gerade wieder am wichtigsten. Die wirft mir auch die meisten Fragezeichen zu. Hm, jetzt hab ich plötzlich Kopfschmerzen.
Zuwendung findet sie scheiße. Sie würde am liebsten still vor sich hinbrodeln und Unheil anrichten. Auf sie zugehen und ins Gespräch kommen, ist nicht so wirklich ihr Weg.

Jetzt komm ich grad nicht weiter, ich mach mal kurz Pause.

Antworten