Mein ewiges Wutproblem...

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Do Apr 11, 2019 3:38 pm

Hallo ihr Lieben,

meine Therapie ist nun ausgelaufen und ich versuche alleine zurecht zu kommen. An sich geht es mir eigentlich auch ganz gut, aber es gibt Phasen, die sind eigentlich nicht auszuhalten. Vielleicht kann ich hier neue Ideen finden, mir selbst zu helfen.

Im Moment quält mich wieder die Wut. Ich spüre davon so viel in mir und ich habe es sogar schon einmal geschafft sie wirklich so rauszulassen, dass es mir danach richtig gut ging. Das war so schön!! Aber leider ist es bis jetzt bei dem einem Mal geblieben und ansonsten ein so großer Kampf in mir. Es fällt mir schwer, das richtige für den Augenblick zu finden. Ich habe einen Boxsack, der öfter mal herhalten muss, ich schlage manchmal mit einem Handtuch auf mein Bett ein oder schreie in mein Kissen. Aber das bringt meistens nicht die "Erlösung", die ich kennengelernt habe, wenn ich mich um andere Anteile kümmere und ihnen das gebe, was sie gerade brauchen. Ich spüre nach so einem Wutanfall immer noch diese unglaubliche Wut in meinem Bauch brodeln, verbunden mit einem Schmerz an der gleichen Stelle. Und es geht einfach nicht weg...das macht mich manchmal wahnsinnig und lässt mich verzweifeln...
Ich hab im Moment das Gefühl ich komme nicht weiter, obwohl ich doch so gerne möchte. Ich weiß, dass, wenn ich das Richtige für meine Wut finde, dann geht es mir danach gut und ich fühle mich erleichtert. Aber ich hab mich jetzt schon so lange nicht mehr so gefühlt und ich habe Angst, dass es nie wieder anders werden wird. Ich hab auch das Gefühl, ich gebe mir nicht genug Mühe, und deswegen bleibt alles so schlimm.

Hattet ihr sowas auch schon mal? Konntet ihr solche Phasen überwinden?

lg erbse

Auch gast

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von Auch gast » Fr Apr 12, 2019 8:02 am

Hallo erbse

Ich hab Grad nur wenig Zeit, aber möchte dir paar Zeilen hier lassen. Kenne solche Phasen sehr gut. Wut war jahrelang mein Thema, selbst in 2 Therapien. Ich wüsste was ich dagegen tun kann, aber in dem Moment der Wut ging gar nichts. Hatte Angst wie du, das es evtl nicht besser wird.

Heute geht es mir damit wesentlich besser, weil ich vieles verändern konnte. Das ist harte Arbeit und es immer mal wieder Thema.

Hast du in deiner Therapie schon reflektieren können oder seit ihr eher dabei gewesen was du machen kannst, wenn was hoch kommt an Wut?
Weißt du woher die Wut kommt? Woran es liegt?
Kennst du zb aktuell warum da jetzt Wut ist?

Gastacht

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von Gastacht » Fr Apr 12, 2019 3:30 pm

Hab einen tread zum Thema...
Ewiges thema.
Weiss auch keinen rat.
Nur du bist nicht allein damit.
Viel kraft
Gastacht

ruby

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von ruby » Fr Apr 12, 2019 6:03 pm

Hattet ihr sowas auch schon mal? Konntet ihr solche Phasen überwinden?
2x "Ja" als Antwort - . bIsher habe ich jedes Mal den Ausgang gefunden, den Knoten irgendwann gelöst :wink:

Ich habe mich beim Lesen gefragt auf was du (oder Anteile von dir) so wütend bist / sind.
Was ist der Auslöser für die Wut?

(Nur wenn es dir nicht zu viel ist - und musst du auch nicht hier sagen.)

Spontaner Gedanke beim Lesen bei mir:
wenn deine Therapie noch nicht so lange beendet ist - kann das sein, dass Anteile in dir stinksauer auf die Therapeutin sind, sich verlassen fühlen?
Manchmal ist man im Erwachsenenmodus recht verständig, weiß, dass Therapien enden und auf Kind-Ebene, ist viel Verletzung, Wut, Angst - wie auch immer. Alte Gefühle?

Isoliertes Kissenhauen, oder Ähnliches um Wut loszuwerden hilft mir auch nicht. Kann mir unter bestimmten Bedingungen schon vorstellen, dass es helfen kann, in Kombination mit innerer Arbeit -
Aber momentan hilft mir wie bei dir, sich dem zuwenden, was da in Not ist in mir - dem etwas geben, wie du sagst oder wenn möglich annehmen (wenn nicht möglich auch oft erstmal radikale Akzeptanz).
Rausfinden, woher die Wut kommt und Grenzen setzen, mich fern halten, falls jemand mir auf die Füße trampelt und ich dadurch Wut habe.
Oder rausfinden - gehört die Wut zu was Altem.

Man kann auch Wut symbolisieren - ein Kissen nehmen und dann mit "der Wut" sprechen - schauen, was sie braucht.

Aber: guck gut für dich - weil alleine es schaffen wollen, klar kommen - in allen Ehren - wenn du merkst, du kommst da gar nicht weiter: es gibt ja nicht nur Therapie, sondern man kann vielleicht auch mal einmal in Beratung gehen und das schildern oder so etwas.

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Di Apr 30, 2019 6:51 pm

Hallo :)

Ich hab gerade erst mitbekommen, dass ihr auf meinen Text geantwortet habt! Ich dachte ich bekomme per Mail eine Benachrichtigung, deswegen hab ich gar nicht weiter reingeschaut.
Etwas spät, aber danke an euch, für eure Worte! Es ist schön zu wissen, dass man nicht ganz allein mit diesem Problem ist. Und auch schön zu lesen, dass man es anscheinend schaffen kann, es mehr oder weniger zu überwinden. Danke!

Gerade kann ich leider gar nicht auf eure Fragen reagieren, weil schon wieder alles weg/anders ist. Aber ich komme darauf zurück, wenn es wieder soweit ist ;)

Radikale Akzeptanz ist auf jeden Fall eine gute Idee! Das macht es ja manchmal echt einfacher, um die Gesamtsituation besser annehmen zu können. Das versuche ich mal :)

lg erbse

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Mo Jun 17, 2019 6:39 pm

Das enttäuschte Kind in mir
(evtl. Trigger)

Das enttäuschte Kind in mir ist wütend. Immer wieder hat es vertraut, immer wieder hat es sich gefreut auf etwas, immer wieder war es ganz kurz ganz doll glücklich und immer wieder wurde alles in ihm zerstört. Das enttäuschte Kind will nie wieder irgendjemanden sehen oder an sich ranlassen. "Die sollen alle weggehen, haut einfach alle ab! Keiner interessiert sich wirklich für mich, alle labern nur und heucheln. Alle sind falsch und keinem ist es wichtig, wie es mir bei all dem geht." Das enttäuschte Kind strampelt vor Wut, schmeißt Dinge um sich, will alles zerstören. Es soll scheppern und knallen und wenn jemand nicht schnell genug weg ist, dann darf es denjenigen auch gerne treffen und so richtig verletzen. Das enttäuschte Kind schreit aus voller Kehle, weil es solche Schmerzen empfindet und weil es immer wieder so verletzt wird. Das enttäuschte Kind hasst die gesamte Welt. Das enttäuschte Kind will einfach nur weg, will alles hinter sich lassen und neuanfangen, will irgendwo hin, wo es niemanden kennt und wo niemand es kennt. Das enttäuschte Kind stößt alles von sich weg, das gut zu ihm sein möchte. Niemals wieder traut es irgendjemandem über den Weg!! "Keiner meint es jemals ernst mit mir! Alle, ALLE wollen mir nur wehtun!"

Das enttäuschte Kind ist so unendlich einsam. Es hat so große Angst vor erneuten Verletzungen, dass es niemanden an sich ran lässt. Dadurch bleibt es einsam und allein. Das enttäuschte Kind wünscht sich so sehr jemanden, dem es vertrauen kann, der ehrlich ist und der ihm Schutz und Geborgenheit bietet. Das enttäuschte Kind ist so einsam und traurig.

Wir wissen, dass wir so jemanden niemals im Außen finden können. Wir versuchen es immer wieder mit unserer besten Freundin, aber auch die beste Freundin kann dem enttäuschten Kind nicht geben, was es braucht. Das ist zu viel verlangt. Das enttäuschte Kind ist jedes Mal so verletzt, wenn unsere beste Freundin ihm nicht das gibt, was es braucht. Jedes Mal eine Bestätigung für all die schmerzenden Gefühle. Aber die Erwachsene weiß ja eigentlich, dass die beste Freundin unsere beste Freundin im Hier und Jetzt ist und dass wir auf sie zählen können. Nur für das enttäuschte Kind kann sie nicht verantwortlich sein.
Wer möchte sich um das enttäuschte Kind in mir kümmern? Ich versuche schon so lange diejenige zu sein. Aber es will einfach nicht klappen. So oft hab ich mit ihm geredet, es im Arm gehalten, es weinen lassen, mitgeweint, die Wut gespürt und ihm meinen Körper geliehen, damit das enttäuschte Kind sie rauslassen kann. Aber es ist einfach nicht genug. Wir finden nicht den richtigen Draht zueinander und es bringt mich zur Verzweiflung.
Jeden Tag diesen Schmerz in mir spüren, jeden Tag die Schläge im Bauch und das Übergeben, jeden Tag meine Freunde hassen, weil keiner mir gibt, was das enttäuschte Kind braucht. Dabei weiß ich es doch schon längst besser. Warum will es nicht klappen? Was braucht mein Kind, damit es mich als seine Bezugsperson annehmen kann? Was übersehe ich?

Mein liebes Kind, ich hab dich lieb. Ich versuche immer weiter für dich da zu sein. Du hast allen Grund so unendlich wütend und enttäuscht zu sein. Damit wirst du niemals aufhören müssen. Du darfst so sein, wie du bist.
Doch einen Wunsch habe ich an dich: Bitte sprich zu mir. Gib mir ein Zeichen. Ich bin hier und möchte dich auffangen. Dir endlich geben, was dir immer verwehrt geblieben ist.

Aufatmende
Beiträge: 971
Registriert: Mi Jul 17, 2013 10:26 pm
Wohnort: hinter den Bergen bei den sieben Zwergen

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von Aufatmende » Mo Jun 17, 2019 7:44 pm

Ich habe von dem enttäuschten Kind gelesen. Ich kann mich dazu setzen, so nah, wie das Kind es mag. Vielleicht braucht das Kind ein Tier?
Oder einen konkreten Schutzraum? So etwas wie ein Holzhaus auf einem Spielplatz, aber mit Fenstern, aus denen man von innen rausgucken, aber von außen nicht reingucken kann? Mit einer verriegelten Tür?
Vielleicht will das Kind auch spielen?
Oder nur, dass jemand da bleibt, ohne dass etwas passiert?
Was du beschreibst, liest sich wie von einem Grundschulkind. Was du redest, für einen Teenager. Vielleicht liegt es daran?
Oder es braucht nicht dich, sondern einen idealen guten Vater, Superman, Gott....?
Vielleicht musst du auch etwas zu Ende führen?
Für eine konkrete Situation, in der das Kind enttäuscht wurde, ein gutes Ende imaginieren und die Wut gegen den Täter richten?
Rückfälle sind Vorfälle!

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Mo Jun 17, 2019 8:30 pm

Danke, das war schön. Jemand der dabei sitzt und einfach nur da ist, findet das Kind gut. Nur da sein, ohne was zu wollen.
Und das Holzhaus mit dem Fenster findet es auch nicht schlecht. Und dann noch diese Tür, die man verriegeln kann... Dann können ja wirklich nur die rein, die das Kind dabei haben will. Das ist interessant!
Und das Häuschen ist so gemütlich und klein, da kann man sich gut verstecken und ist beschützt. Da fühlt es sich gleich sehr wohl und kann mal etwas spielen und sich von allem Schlimmen ausruhen...
Aufatmende hat geschrieben:
Mo Jun 17, 2019 7:44 pm
Was du beschreibst, liest sich wie von einem Grundschulkind. Was du redest, für einen Teenager. Vielleicht liegt es daran?
Wie meinst du das? Dass es vielleicht verschiedene enttäuschte Kinder sind?
Aufatmende hat geschrieben:
Mo Jun 17, 2019 7:44 pm
Vielleicht musst du auch etwas zu Ende führen?
Für eine konkrete Situation, in der das Kind enttäuscht wurde, ein gutes Ende imaginieren und die Wut gegen den Täter richten?
Wir wissen leider noch nicht, warum es so doll enttäuscht ist.

Aufatmende
Beiträge: 971
Registriert: Mi Jul 17, 2013 10:26 pm
Wohnort: hinter den Bergen bei den sieben Zwergen

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von Aufatmende » Mo Jun 17, 2019 10:04 pm

Nein, keine verschiedenen Kinder. Sondern dass du vielleicht zu erwachsen mit ihm redest.
Kannst du das Kind denn fragen, wovon es enttäuscht ist. Vielleicht (real) malen?
Rückfälle sind Vorfälle!

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Fr Jun 21, 2019 7:44 pm

Ich hab es versucht, aber bis jetzt kam noch keine Antwort.

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Sa Jun 29, 2019 4:16 pm

Vielleicht kann ich mich durch Schreiben ordnen. *T*

Ich bin gerade in einem komischen Zustand. Den kenne ich schon von letztem Jahr, da war ich immer wieder über mehrere Wochen da drin. Jetzt hatte ich das schon lange nicht mehr und plötzlich ist es wieder da. Ich kann das nicht richtig zuordnen und weiß nicht, was ich tun soll.
Ich bin in einer Art depressiven Phase. Sitze viel rum und starre, hab keine Kraft und keinen Sinn, um irgendwas zu tun. Meine Freunde fragen mich, wie es mir geht und ich kann nicht darauf antworten.
Bin wütend auf alle und auf mich. Aber so anders als sonst. Als würde ich den Anteil sonst betrachten und ihn ausleben, aber jetzt stecke ich komplett drin und er leitet mich. Eine völlig andere Perspektive. Ich kann es nicht richtig beschreiben...

Ich hab auch wieder den Wunsch mir wehzutun. Ein Jahr lang habe ich es nun schon ohne geschafft und hatte es unter Kontrolle. Jetzt ist es wieder richtig da. Auch kleine Gedankenblitze, die mir zeigen, dass ich ins Gesicht geschlagen werde, mit dem Gesicht zu Boden gedrückt werde. Und dabei auch der Wunsch danach. Es fühlt sich nach Bestrafung an und ich würde mich gern bestrafen. Ich spüre diese Wut in mir, die sich auf einmal wieder gegen mich richtet. Das ist alles so anders als sonst. Ich kann es normalerweise gut von mir weghalten und habe verstanden, dass das nicht das ist, was ich möchte. Habe immer einen Kontakt zu dem Teil gehabt, der mich beschützen möchte und sich um mich sorgt und deshalb nicht mehr zulässt, dass ich mir wehtue und meine falsch geleiteten Gedanken gerade rücken kann. Das hat sich jetzt immer richtig und gut angefühlt. Ich denk, ich schaffe es trotzdem, es nicht zu tun. Aber es ist alles so anders.

Auch der Wunsch zu sterben. Ich denke, ich bin nicht suizidgefährdet, also soweit ist alles ok. Ich male es mir nur gern aus und der Wunsch in mir ist sehr groß. Dann ist endlich alles vorbei und ich muss das nicht mehr ertragen. Und keiner muss mich weiter ertragen.

Ich versteh nicht...wo ist der Rest von mir? Plötzlich bin ich nur noch das. Hab keinen Zugang.
"Hasse sie alle, weil sie alle falsch sind. Wollen mich ausnutzen, sagen mir sie sind meine Freunde, aber warten nur auf die Chance mich zu demütigen und zu verletzen, interessieren sich nicht für mich, ich bin nichts für sie, und trotzdem fragen sie mich wie es mir geht, um mich nicht vom Haken zu lassen, um mich immer weiter fertig machen zu können."
Die Gedanken kenne ich schon. Aber jetzt bin ich sie.
Keiner mehr da in mir, der mir die Realität aufzeigt und Kontakt zur Außenwelt hält.

Gastacht

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von Gastacht » So Jun 30, 2019 10:19 am

Kenn das gerad auch... und mir fällt ein..was hat so getriggert dass du da rein gerutscht bin und nicht mehr raus kommst?
Was könnte dich mehr im hier und jetzt verorten?
Gastacht

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Di Jul 02, 2019 1:17 pm

Hallo Gastacht,
es tut schon mal ein kleines bisschen gut zu lesen, dass man nicht die/der Einzige ist, der/dem es so geht. Manchmal fragt man sich ja, ob man einfach zu blöd ist oder nicht genug will, dass sich etwas ändert. Aber wenn jemand anderes schreibt, er/sie hat dasselbe Problem, dann hab ich zumindest viel Mitgefühl und Verständnis für denjenigen/diejenige und komme dann zum Entschluss, dass ich das für mich ja eigentlich auch haben und mich nicht als zu dumm bezeichnen sollte. Also danke schon mal, auch wenn es mir leid tut, dass du gerade Ähnliches durchmachen musst.

Was hat mich getriggert...hm.
Den Teil, der sich verlassen und hintergangen fühlt, kenne ich nun schon ziemlich lang. Und ich merke, dass er praktisch ständig getriggert wird, wenn es um meine engen Freunde geht. Er lauert sozusagen immer in mir und wartet nur auf die nächste Situation, in der er sagen kann "Ha! Siehst du, hab ichs dir doch gesagt! Die wollen dich alle nicht!" Dagegen komme ich teilweise schon ganz gut an, indem ich einen Realitätscheck mache und mit ihm rede.
So richtig doll reingerutscht wie jetzt bin ich erst seit letzter Woche. Ich war zu Hause bei meinen Eltern, es war sehr anstrengend für mich, obwohl ich mich vorher sehr darauf gefreut hatte. Es ist auch so, dass meine Oma sehr krank ist und wieder einen dollen Krankheitsschub hatte. Seit einigen Jahren ist klar, dass sie eine Erbkrankheit hat und es kann sein, dass auch meine Mama und ich daran erkranken werden. Nun hab ich meine Oma in so einem schlechten Zustand gesehen und auch bei meiner Mama konnte ich am Wochenende die Symptome nicht mehr ignorieren. Das hat mich ganz schön umgehauen und ich hab zum ersten Mal gespürt, wie doll mich das alles mitnimmt. Im Zug zurück überkamen mich dann meine Gefühle und ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Auch als ich wieder bei mir zu Hause war, hörte es einfach nicht auf. Wie ein Fass ohne Boden weine ich ohne ein Ende zu finden. Deshalb habe ich meine beste Freundin gefragt, ob ich kurz zu ihr kann und hab das dann auch gemacht. Auch da hab ich geheult wie ein Schlosshund, aber irgendwann kam ich dann endlich zur Ruhe. Hab mich dann etwas besser und sortierter gefühlt.
Seitdem ist alles noch schwerer als sonst und ich komme noch weniger klar mit den sonstigen Problemen und Triggern klar und ich falle in eine depressive Stimmung. Vielleicht ist es gerade einfach ein bisschen zu viel, was auf mich niederprasselt...

Und mehr im Hier und Jetzt...
Ich hab mich trotzdem mit ein paar Freunden getroffen, das war zumindest eine gute Ablenkung und Abwechslung. Allerdings wird mir dabei immer sehr schwindlig und ich hab das Gefühl noch weniger Hier zu sein als sonst schon.
Ich geh spazieren, schreibe meine Gefühle auf um zu versuchen sie einzuordnen.
Mehr fällt mir gerade nicht ein.

Was machst du denn, wenn es dir so geht? Hast du irgendwelche Dinge, die dich gut zurückholen?

erbse

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » Fr Jul 12, 2019 1:44 pm

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich gern etwas Gutes teilen.

Es ist schon ein bisschen her, aber ich hatte Momente oder Tage (wenn ich Glück hatte sogar mehrere Tage hintereinander), in denen sich alles vollkommen richtig angefühlt hat. Dann habe ich den Schmerz und das Leid gesehen, durch das ich durch muss. Aber ich hatte glichzeitig das Gefühl, umso tiefer ich Schmerz und Leid und Angst fühlen kann, weil ich mich traue hinzusehen, desto tiefer kann ich auch Glück und Dankbarkeit fühlen. Und das hat in dem Moment alles aufgewogen, das war wie die absolute Belohnung für all die schlimmen Dinge. Ich hatte verstanden, dass sich das alles wirklich lohnt und irgendwie gut so ist, wie es ist. Ich weiß, es klingt verrückt...ich möchte damit auch auf keinen Fall sagen, dass es gut ist einen MB erfahren zu haben! Aber in dem Moment habe ich das Große und Ganze sehen können und war komplett zufrieden und einverstanden mit meinem Leben. Vielleicht, weil ich das Gefühl hatte, ich kann damit umgehen. Mir ist etwas unglaublich schreckliches passiert, aber ich habe es überlebt und damit die Chance bekommen, etwas daraus zu machen, daran zu wachsen.
Diesen Gefühlszustand hatte ich nun schon eine lange Zeit nicht mehr, was mich sehr traurig macht. Aber gerade merke ich, dass mich der Gedanke daran auch schon wieder etwas stärker macht. Ich will leben, ich will MEIN Leben leben und ich möchte mich nicht dem schrecklichen Schicksal ergeben und verkümmern. Ich hab das Gefühl der unendlichen Dankbarkeit und des Glücks schon mehrere Male erlebt und darauf arbeite ich seitdem hin. Auf den nächsten unglaublichen Glücksmoment, der alles andere überstrahlt und mir den absoluten Sinn für all das gibt.

Ich weiß gar nicht mehr richtig, warum ich das teilen wollte. Vielleicht, weil es gerade schwer ist und ich auf diesen Moment warte und er mich weiterkämpfen lässt. Dieses Gefühl kommt meistens, wenn ich ein inneres Problem lösen konnte, ein Knoten geplatzt ist, sich etwas in mir an die richtige Stelle gesetzt hat. Es fühlt sich an, als stände ich wieder kurz davor. Aber nun schon seit einigen Monaten... Ich hoffe, es kommt wieder. Dann kann ich mir wieder sicherer sein, dass es auch wirklich da ist und es auch wirklich wirklich einen Sinn für all das gibt, was ich hier mache.

Ich wünsch euch allen, dass ihr auch so einen Moment erleben könnt. Das ist die Belohnung für alles, wirklich. Das wünsch ich euch! Wir sind nicht allein!

erbse_24
Beiträge: 95
Registriert: Sa Jan 06, 2018 1:03 am

Re: Mein ewiges Wutproblem...

Beitrag von erbse_24 » So Aug 18, 2019 11:35 pm

trigger?

Ich bin am Ende. Ich weiß nicht weiter. Bitte. Ich brauche Hilfe. Ich komme nicht weiter. Und nichts hört mal auf. Ich komme von einem Zustand in den nächsten. Nie fühlt es sich mal besser an. Wenn dann nur kurz und sofort sind die nächsten schwierigen Gefühle da, die ich händeln muss. Ich schaffe das nicht länger so. Ich brauche Hilfe. Bitte. Ich habe so viele verschiedene Gefühle und Zustände offen, die gefühlt in mir Schlange stehen. Und habe ich eins mal etwas gerade gerückt, stellt es sich wieder hinten an. Und das nächste kommt. Und danach das nächste und das nächste. Es hört nie auf. Ich kann nicht mehr. Ich schaffe es nicht etwas gänzlich zu lösen, damit es weniger wird. Warum schaffe ich es denn nicht? Was mache ich denn nur falsch? Ich werde durcheinander geworfen. Probiere aus. Bin wütend, gehe joggen, mache Kickboxen, schreie, stelle mir vor was der Anteil will und lasse ihn das tun. Zerschmettere alles, werfe es aus dem Fenster, schreie, bin völlig in Raserei, verprügelt meinen Bruder, mache mich frei von etwas, das auf mir sitzt, es klebt an mir als wäre es durch meine Vorderseite in mich hineingewachsen, schwarz, hart, ich schaffe es es von mir zu reißen, es tut weh, ich übergebe mich, ich schmeiße es weg, gehe so den ganzen Körper ab, überall wo ich es spüren kann, Schmerz, Wut, weinen, Verzweiflung über das Grauen bin mir. Ich bin traurig, ich weine, bin verzweifelt, schaue den Teil an, der mich am leben hindert. Er hat Angst, will sich verstecken. Ich betrachte ihn ohne zu bewerten, es fühlt sich besser an. Möchte in der Therapie darüber sprechen. Vielleicht ist das meine jetzige Aufgabe. Habe schlechte Laune, fühle mich aber leichter. Endlich. Zu Hause alles wieder weg, spüre Schmerz und Wut. Keiner will mich. Es fängt schon wieder an. Was jetzt? Was brauche ich nun? Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich will weg. Ich will hier weg. Ich will dass es aufhört. Ich will ein einfaches Leben. Frische Luft, Tiere und Arbeit. Mehr will ich jetzt nicht. Ich will hier weg. Bitte, was kann ich tun. Was soll ich tun? Brauche ich eine Pause? Soll ich aufhören irgendwas zu tun? Kann ich nicht, mir geht es doch so schlecht. Ich kann nicht nichts tun.
Mich tröstet der Gedanke, dass ich am Leben bin. Wenn ich mein Leben ohne Wertung betrachte und einfach nur sehe, dass ich hier bin, ist es kurz ok. Ohne die Erwartung, dass ich ein schönes Leben haben möchte. Ich lebe. Und ich leide. Aber irgendwann ist es auch vorbei. Irgendwann sterbe ich ja. Und bis dahin kann ich doch einfach ausprobieren. Irgendwann wird es ja aufhören. Und wenn ich mit 80 noch so leide wie jetzt, dann hört es immer noch irgendwann auf. Irgendwann bin ich weg und bis dahin kann ich experimentieren. Wenn ich mir vorstelle, mein Leben ist nicht wichtig, es ist nur ein Abschnitt und geht vorbei, dann ist es kurz erträglich. Dann kann ich wieder etwas weitermachen. Ich kann nichts so doll kaputt machen, dass ich nicht mehr sterben kann. Die Erlösung kommt so oder so irgendwann, also kann ich bis dahin einfach zuschauen und passieren lassen. Nichts ist wirklich für immer.

Wenn ich diese Phase heil überstehe, dann schaffe ich wohl alles. Ich bete. Ich will. Bitte. Es ist doch mein liebes Leben.

Antworten