Tagebuch

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NochkeinName

Tagebuch

Beitrag von NochkeinName » Mi Apr 10, 2019 5:21 pm

Hallo,
Ich weiss garnicht wo ich so recht anfangen soll. Ich würde mir ein Tagebuch wünschen, aber hier darf auch jeder andere Schreiben.
Ich weiss nicht mehr wo Vorne und wo Hinten ist. Dabei geht es mir verhältnismässig noch so gut. Ich habe eine perfekte Familie, einen perfekten Freund und Freunde. Aber bis auf meinen Freund und die Thera weiss keiner etwas. Diese Menschen sind alle so super, aber ich könnte nie ehrlich zu Ihnen sein. Ich weiss nichtmal wieso, ich habe darüber so oft nachgedacht, ich weiss absolut nicht wieso.
Im Moment sind wir an der Aufarbeitung. Ich bin das erste Mal stabilisiert und habe den Wunsch selbst geäussert. Es ist alles freiwillig und ich könnte es abbrechen. Die Gedanken drehen sich nur noch darum. Aber ich will es ja, und bin dann doch wieder zu Feige es umzusetzen, mich komplett drauf einzulassen. Es ist kein Wunder wenn Menschen an mir verzweifeln. Ich würde so gerne einmal alles los werden, erfahren, dass ich die Panik aushalten kann um sie abzubauen. Und vergeige es doch wieder.
Auf die nächste Stunde muss ich nun etwas warten. Und die Gedanken zerfressen mich.
Es müsste mir gut gehen, es geschieht im Moment alles wie ich es möchte. Und doch geht es mir nicht gut.
Tut mir leid wenn das alles wirr rüberkommt.

Lichtschein unl.

Re: Tagebuch

Beitrag von Lichtschein unl. » Mi Apr 10, 2019 7:47 pm

Hi Nochkeinname,

Das was Du willst - nämlich eine Aufarbeitung - ist ja auch nichts, was Dir kurzfristig hilft, sondern ein langfristiges unterfangen! Und dass es da im Moment nicht gut geht liegt ja schon in der Natur der Sache - ich glaube das ist eines der schwierigsten Dinge die man anpacken kann! Es tut mir sehr leid für Dich. Bitte sei milde zu Dir und hab Verständnis, dass es Dir da nicht gut geht! Das würde jedem so gehen!

Alles Liebe,
Lichtschein

NochkeinName

Re: Tagebuch

Beitrag von NochkeinName » Mi Apr 10, 2019 8:21 pm

Hallo, danke für deine Antwort!
An sich weiss ich wie dankbar ich sein sollte, überhaupt an diesen Punkt gekommen zu sein und langfristig etwas ändern zu können. Aber ich tue es ja nicht. Es war geplant für letzte Stunde und ich habs verweigert. Ich weiss nichtmal wieso. Ich habe mich selbstverletzt um mich selbst zu bestrafen.
Ich habe ausnahmsweise gehofft, dass es meinem Freund auffällt, dass er mich wachrüttelt und er es schafft mich zum reden zum bringen.
Ich würde mich einfach gerne selbst verstehen. Wieso will ich die Aufarbeitung so sehr und habe dann so riesige Panik davor ? Wieso fange ich jetzt mit dem selbstverletzen wieder an obwohl ich weiss wie gut es mir eigendlich geht?
Ich konnte nie Hilfe annehmen. Und gerade würde ich sie mir so sehr wünschen. Ich weiss ja nichtmal was ich erwarte, welche Art von Hilfe etc etc. Ich versteh mich selbst einfach nicht, wünschte aber dass alle anderen mich verstehen.

Lichtschein unl.

Re: Tagebuch

Beitrag von Lichtschein unl. » Mi Apr 10, 2019 8:43 pm

Wieso will ich die Aufarbeitung so sehr und habe dann so riesige Panik davor ?
Also ich glaube, dass das ganz normal ist.
Du willst es, weil Du spürst, daß da eben etwas nicht gut und nicht heil ist und dass es gesehen werden will.
Du hast Panik, weil Du auch weißt und spürst, dass es einen Grund gibt, warum das so abgespalten ist und dass es weh tun wird, dort hin zu gehen!

Und bitte gib Dir Zeit - das geht nicht von heute auf morgen. Ganz langsam muss man da hingehen - vielleicht nur ein ganz ganz klein bisschen und dann wieder weg. Wenn es zuviel ist, dann tut es nicht gut. Vielleicht kannst Du ja auch versuchen, dem Teil der Dich schützt dankbar sein, dass er es gut macht. Vielleicht brauchst Du mehr Zeit.
Wieso fange ich jetzt mit dem selbstverletzen wieder an obwohl ich weiss wie gut es mir eigendlich geht?
Meine Erfahrung dazu ist, dass es einem nicht gut geht, wenn man sich selbst verletzt.
Was heißt denn 'eigentlich gut gehen'? So lange das Trauma weit weg ist und man es nicht spürt, geht es einem gut. Aber im Moment ist das Tor geöffnet und Du hast eben gerade einen (z. T. unfreiwilligen) Zugang zu diesen Gefühlen, die ja auch zu Dir gehören.
Wie fühlt sich SVV bei Dir an? warum machst Du das? Da gibt es glaube ich verschiede Hintergründe. Bei mir kommt das, wenn sie Traumagefühle (mich missbraucht fühlen) mich überschwemmen - die kann ich eigentlich gar nicht ausdrücken, nur eben so... und dann hat das körperliche auch noch eine Ablenkungsfunktion (körperlicher Schmerz ist leichter auszuhalten)

Andere Leute machen das, um überhaupt etwas zu spüren. Vielleicht hilft es Dir ein bisschen nach zu fühlen, ob da wirklich alles gut ist, ob es Dir wirklich 'eigentlich gut geht'.

NochkeinName

Re: Tagebuch

Beitrag von NochkeinName » Do Apr 11, 2019 8:57 am

Guten Morgen,
Danke für deine Antwort!
Aber ich möchte nur kurz sagen dass du mir nicht antworten MUSST, ich freue mich sehr, möchte aber nicht, dass sich jemand verpflichtet fühlt. Ich bin schon froh einfach die im Kopf schwirrenden Sachen mal aufschreiben zu können.
Hm das klingt sehr nach den Worten meiner Thera. Ja ich bin eine Person die gerne mal Sachen übers Knie bricht, aber da bin ich froh sie zu haben, die das alles stark ausbremst. Ich kenne meine Grenzen kaum bzw. Ignoriere sie in form eines selbstverletzendes Verhalten, da bin ich froh, dass wenigstens einer im Raum meine Grenzen für mich einhält.

Das sind gute Fragen... ich sehe „eigentlich gut gehen“ nur im Vergleich zu anderen Menschen. Die vllt keinen Therapieplatz haben, instabil sind, viel schlimmeres erlebt haben, keine tolle Familie/Beziehung/Freunde haben.
Ich verletze mich aus mehreren unterschiedlichen Gründen selbst. Zur Bestrafung, aber auch um Kontrolle zu erlangen, wenn sich mal wieder das Gedankenkarusell dreht, ich durchdrehe, ich nicht mehr klar komme.
Ich muss dazu sagen es war nun lange gut, ich habe es lange nicht mehr getan.
Ich werde auf jedenfall noch etwas über das Tor nachdenken, dass nun eh schon geöffnet ist, danke :)

Lichtschein unl.

Re: Tagebuch

Beitrag von Lichtschein unl. » Do Apr 11, 2019 2:29 pm

Liebe Nochkeinname,

Das weiß ich doch, dass ich Dir nicht schreiben muss, ich will aber :D ; der letzte Post kam vielleicht ein bisschen ruppig rüber - war nicht so gemeint.

Sag ruhig auch, wenn Du lieber mehr für Dich schreiben willst - das mit dem Ordnen kenne ich ja auch.

Eines liegt mir noch am Herzen:
Vergleichen ist immer schlecht!! Das kennen viele hier - man glaubt immer, anderen geht es ja schlechter und deswegen hat man selbst ja kein 'Recht' darauf. Aber das stimmt eben nicht - ich glaube, dass es super wichtig ist sich zuzugestehen zu dürfen, dass es einem nicht gut geht (und damit hängt zusammen: Das es schlimm war, egal was für andere Sachen gut sind und waren). Und nicht gut gehen muss ja nicht gleich Klinik reif sein - - es ist natürlich Prima, wenn man auch Stabilität und gute Beziehungen hat und diese Ressourcen werden Dir bestimmt auch helfen!

Ich wünsche Dir alles Liebe!
Lichtschein

NochkeinName

Re: Tagebuch

Beitrag von NochkeinName » Do Apr 11, 2019 3:15 pm

Hallo!
Nein nein, dein Post fand ich nicht ruppig, und ich freue mich über Antworten, Denkanstösse und auch Kritik.
Aber ich hab bei sowas ziemlich schnell ein schlechtes Gewissen, jeder hier hat seinen Grund hier zu sein, dann soll man sich nicht auch noch um mich „kümmern“ müssen.

Nur das vergleichen zu beenden ist nicht so leicht. Ich sollte da mehr auf mich hören, aber wenn ich es vergleiche ist es für mich ein 1. ich bin nicht alleine und 2. ich kann dankbar sein.
Natürlich hats auch negative Aspekte, dass man sich selbst weniger ernst nimmt und runterspielt, aber ich sehe es nicht durchweg negativ.
Aber ich bin auch ein absoluter Kopfmensch, ich durchdenke alles tausendfach. Bis ich jedes Argument für oder wider zerpflückt habe.

Danke, das wünsche ich dir auch!

Lichtschein unl.

Re: Tagebuch

Beitrag von Lichtschein unl. » Sa Apr 13, 2019 1:05 pm

Hallo :D
Das mit dem schlechten Gewissen kenne ich - - bei mir ist das dann abwechselnd mit dem Gefühl, keiner mag mich. Also für mich ist das so: es gibt Phasen, da suche ich hilfe, aber helfe selbst wenig, da nutze ich diese Seite als Krücke. Dann gibt es Zeiten, da will ich weder Rat haben noch geben und lese manchmal nur mit. Und dann gibt es Momente und treads, bei denen ich mich angesprochen fühle und das Gefühl habe etwas beitragen zu wollen und evtl. auch zu können. Und da zu schreiben hat nichts mit Zwang zu tun, sondern ist für mich eine Art zurück-geben. Es kann auch gut tun, zu wissen, dass man Situationen bereits durchgangen ist und jetzt andere dabei unterstützen kann. Das zeigt einem, dass es nicht umsonst war. Und in solchen Dialogen lernt man immer auch über sich.
Ich kann mir vorstellen, dass es vielen hier so geht - - die Leute lernen hier ja auch sich wenn nötig abzugrenzen.

Das sich um andere kümmern gehört genauso hier her, wie die Möglichkeit aufgefangen zu werden - alles freiwillig. Niemand muss schreiben, jeder darf.

Ja, und das mit dem vergleichen aufhören ist schwer. Aber vielleicht hilft es, dass ausschließende 'oder' durch ein 'und' zu ersetzen: Man kann ja dankbar sein und wissen das man Menschen hat, die einem nahe sind UND trotzdem auch zulassen, dass es einem nicht gut geht gerade. Das hat nichts mit undankbarkeit zu tun!

Aber die Dankbarkeit für das Gute kann helfen das schwere besser zu tragen und zu durchleben.

Ich finde es spricht gar nichts gegen Rationalität im Gegenteil, sie ist ein gutes und machtvolles Instrument. Aber man muss sie auch gut (vernünftig) einsetzen und nicht völlig von der Gefühlswelt isolieren!

NochkeinName

Re: Tagebuch

Beitrag von NochkeinName » Mo Apr 15, 2019 9:36 pm

Hallo!
Das klingt gut, und nach einer guten Abgrenzung für sich selbst!
Ja ich bin auch froh über Kommunikation, ich habe hier alleine durch das mitlesen schon so viel für mich mitgenommen.
Hm das klingt tatsächlich nach eine gutem Plan. Ich sehe das vielleicht zu einseitig, ein „und“ klingt tatsächlich akzeptabel für mich in dem zusammenhang.

Aber ich habe mich auch wieder relativ gefangen... ich konnte mit meinem Freund reden, das hat schon viel gebracht. Negatives so wie positives. Aber so weiss er was los ist und das machts für mich einfacher weil ich ihm nichts vorspielen muss.
Mal sehen was die nächste Stunde hergibt...

Lichtschein unl.

Re: Tagebuch

Beitrag von Lichtschein unl. » Di Apr 16, 2019 12:24 am

Das freut mich, dass Du reden und vertrauen konntest und dass Du Dich etwas besser fühlst!

Alles Liebe! 😄

NochkeinName

Re: Tagebuch

Beitrag von NochkeinName » Do Mai 09, 2019 6:59 pm

Eine weitere Stunde geschafft...
vielleicht auch „überlebt“?
Eigentlich geht es mir gut, ich bin stabil. Und trotzdem hab ich Angst, dass es mich nun im Nachhinein aus den Socken haut. Eig bin ich ziemlich stabil wieder nach Hause, aber das meiste kommt oft erst wenn ich zur Ruhe komme. Die Angst vor der Angst.
Ich weiss nichts mit mir anzufangen, ich bin k.o.
Soviele Fragen im Kopf. Ich wollte ja, dass etwas bewegt wird, sich etwas ändern kann. Ich hoffe es wird kein Überfluten.
Ich bekomme es nichtmal hier aufgeschrieben.

*Trigger*
Es ging um ein Bild. Ein Bild was ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Vielleicht das schlimmste Bild von dem Tag? Ich hatte Angst wie noch nie. Er drohte mir. Er setzte die meisten Drohungen sofort um. Die letzte nicht. Er ließ mich am leben. Manchmal frage ich mich wieso, ob es gut so war. Wut oder Trauer ? Sind nicht vorhanden... es ist nur die Angst da. Ich hasse ihn nicht. Das ist alles nicht da. Nur diese verdammte Angst. Ich würde ihn so gerne hassen, nach all den Jahren sollte ich das tun. Aber ich weiss nicht wieso ich es nicht kann.

NochkeinName

Re: Tagebuch

Beitrag von NochkeinName » Mi Jun 05, 2019 2:24 pm

Nun ist der letzte Eintrag auch schon eine weile. So gerne hätte ich nun gesagt alles ist super. Aber ich glaube das ist es nicht. Nein ich weiss es. Ich weiss nur nicht das wieso... die letzte Therastunde lief super, ich war überrascht von mir selbst , im positiven sinne. Aber ein paar Tage danach fing alles an zu bröckeln. Am stärksten meine Beziehung. Sie ist für mich das wichtigste, mein Halt. Deswegen tut es umso mehr weh wenn die bröckelt. Es gab keinen Streit, ich finde einfach keinen Auslöser. Von jetzt auf gleich bin ich wieder tierisch eifersüchtig geworden, versuche meinem freund sachen zu verbieten etc. Hinter der eifersucht stehen viele gedanken, wie zB dass ich nicht normal bin, jede andere frei ihm mehr bieten könnte, ich bin anstrengend. All das hat er NIE zu mir gesagt, das kommt alleine von mir. Er hat mir bislang auch noch nie einen grund geliefert eifersüchtig zu sein. Am Anfang war es schlimm, nun gab es aber monate wo ich es im griff hatte. Und jetzt beginnt es wieder und ich weiss nicht wieso. Und wenn der Halt, der einen über wasser hält irgendwie zusammenbricht, so bricht auch alles andere langsam. Er ist meine vertrauensperson. Aber im Moment stehe ich ohne da. Ich wäre so gerne anders, aber ich weiss nicht wie.

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