Aktuelle Klinikliste

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Gastacht

Aktuelle Klinikliste

Beitrag von Gastacht » Sa Apr 06, 2019 3:57 pm

Hallo
Schreibt hier gern wenn ihr in den leltzten 2-3 Jahren in einer Klinik wart die ihr empfehlen könnt bzw. nicht gut findet.
Bitte auch begründen.
Streits über die Tauglichkeit bitte auslagern. :mrgreen:
Gastacht

Also ich fang mal an...
Auch wenn ich gern anderes schreiben würde...
Göttingen asklepios
Nicht mehr gut! War mal gut aber das ist länger her...
Finanziell ausgeblutet. Therapien fallen ständig aus. Sehr junge unqualifizierte wechselnde und überforderte pflegekräfte. Oberärztin gerne mal ein untier.

Vorteile: machen intensiv emdr und viel Erfahrung mit Dis.Einzelzimmer. nur frauen
Wartezeit 12-24 Monate bis zum ersten stabilisierungsintervall

~SteinHart~
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Re: Aktuelle Klinikliste

Beitrag von ~SteinHart~ » So Apr 07, 2019 12:11 am

Hach je dann mache ich mal weiter:


Hohe Mark (Aufenthalt ab Oktober´17 - 7 Wochen, Wartezeit wurde damals mit 8-12 Monaten angegeben, durch hartnäckig und flexibel sein, war ich nach zwei Monaten drin)

würde ich nicht wieder hingehen


Rahmenbedingungen:
verschiedene Gebäude auf einem wunderschönen Gelände
reine Frauenstation (18 Frauen, aber hauptsächlich Doppelzimmer, mit jeweils eigenem Duschbad)
Essen absolut in Ordnung
Waschen und Trocknen auf Station, kostet aber
Internet, mit Erlaubnis vom Thera darf man es nutzen, kostet aber (Schweineteuer)
kein TV
Irgendwie müssen die wohl sparen, denn der Kaffeeverbrauch (wir haben nach Vorschrift, morgens und Mittags Kaffee gekocht) war oft Thema wer außerhalb, oder nach "Kanne leer" Kaffee möchte muss diesen selbst kaufen
Selbstversorgung möglich, da Stationsküche
Man hat hauswirtschaftliche Aufgaben, die für meist 14 Tage verteilt werden, also Frühstücksdienst, Mittagsdienst, Abendessen Dienst, Blumen gießen, Wäscheversorgung, Stühle für Therapien aufstellen, Müll weg bringen...
man bezieht seine Betten selbst


Vorteile dort:
Musiktherapie!!! Die war super, es gibt aber für 18 Frauen, lediglich zwei Plätze, wenn also der Platz weg, ist hat man Pech

man hat eine in sich geschlossene Station, die einem recht viel "Schutz" bietet. Das abgekapselt sein (reine Frauenstation) hat bei mir aber ab der dritten Woche den Effekt gehabt dass ich unentspannt wurde wenn mal Männer auf Station kamen (fremdes Personal, Fensterputzer, Ehepartner am Anreisetag...) und auch außerhalb deutlich empfindlicher wurde

Man isst auf Station, zu festen Zeiten, an einem festen Platz (gab mir Sicherheit)

gesamte Medizinische Versorgung (Tabletten etc.) direkt auf Station

immer Personal auf Station

Wer es braucht und will hat dort enorm viele religiöse (evangelisch freikirchlich was weiß ich) Angebote. Nahezu jeden Tag Andacht, aber eben auch Musikangebote, oder so ne Art Vorträge. Außerdem die Möglichkeit Einzelgespräche bei den (ich glaube 4) Seelsorgern zu bekommen. Sonntags grundsätzlich Gottesdienste (mal so wie man es so kennt, manchmal für mich sehr exotisch modern.

der christliche Kram ist ein Angebot, keine Pflicht, es hängen auch keine Kreuze in der Gegend herum

schöner Aufenthaltsbereich auf Station und auch ein Gruppenraum, mit Puzzlen, Spielen etc

eine voll benutzbare Küche auf Station

Nur bei Freizeitangeboten und Frühsport z.B. kommt man mit Mitpatienten in gemischte Gruppen, sonst findet alles mit den Frauen von Station statt

Familiär, wobei das für mich auch schwierig war... während sich manche Bezugsschwestern mit ihren Patienten umarmten und es ganz super lief, hatte ich mit meiner Probleme und war ehrlich gesagt eifersüchtig

Nachtschwestern die Abends eine Geschichte vorlesen und Fr.P die sogar Kakao gekocht hat wenn man darum bat

Die Freitagskonzerte und Ausstellungen

ca. alle vierzehn Tage kommen "Frau Wolle und Herr Perle" aka die Kunstwerkstatt, ein Angebot von außen. Man kann sich Armbänder, Lesezeichen, ja alles mögliche basteln, oder dort kaufen. Auch Wolle und die wohl geduldigste Strick- und Häkel-Lehrerin die es gibt. Tiefgehende Gespräche inklusive :)


Nachteile:

ja, das mag jetzt subjektiv eingefärbt sein, weil mein Aufenthalt schwierig war, aber ich habe ja auch den Umgang mit anderen erlebt...

wenig und ich meine wirklich wenig Therapien

Anmeldetage für Therapien, was meiner Meinung echt eine Frechheit ist und lediglich verschleiert dass es zu wenig Plätze gibt. Es kann also sein man reist Mittwochs an, bekommt da auch seinen Therapieplan wo zum Beispiel malen drauf steht. Fürs Malen muss man sich aber an einem bestimmten Tag "anmelden" wenn der Tag Dienstag ist, vergeht die erste Woche schon mal ohne... wenn man an dem Anmeldetag einen anderen Termin hat zu der Zeit, hat man auch Pech...

Am Wochenanfang werden die Aufgaben verteilt und verabschiedet wer geht, das ist keine Gruppentherapie in meinen Augen, sondern reine Organisiation.

einmal pro Woche Einzelgespräch beim Thera (dieser schreibt am Anfang der Woche die möglichen Zeitpunkte auf einen Zettel, der an die Wand gehängt wird und dann beginnt das hauen und stechen, das schauen wann man überhaupt kann ohne Überschneidung usw.)

einmal pro Woche bei der Bezugspflegekraft (deutlich individueller organisiert als das Einzel beim Thera)

evtl. einmal bei Seelsorge (habe ich nicht genutzt)

wenn mehr benötigt wurde, gab es das zwar bei der Pflege, aber immer mit dem Hinweis dass man eigentlich allein klar kommen soll, die Zeit schon aufgebraucht ist (nicht bei jedem, aber in meiner Zeit dort war das Thema und eben generell Thema, nicht nur bei mir!)

DBT Gruppe (die schlecht war!)

eine andere Gruppe an der man nicht teilnehmen kann, wenn/weil man DBT Gruppe hat

einmal Kunst und Gestalten pro Woche (positiv, dass man ganz frei entscheiden kann was man da machen möchte)

einmal die Möglichkeit freiwillig daran teilzunehmen (begrenzte Plätze)

einmal Malen (wenn Indikativtherapie, hatte ich im übrigen zweimal in den sieben Wochen, obwohl es seit Tag eins im Therapieplan stand)

Psychoedukation ist einmal pro Woche (das meiste ist nix neues, aber die Medischulung bei der Oberärztin war klasse) ist aber in meinen Augen auch keine Gruppentherapie, sondern eine Art Vortragsreihe

Einmal pro Woche Visualisierungsgruppe da wurde eine Visualisierungsübung vorgelesen. Die meiste Zeit fand ich das echt schlecht gemacht. Zwar angenehme Stimme, aber eben einfach nur schauen ob alle anwesend sind, dann Übung (zum Beispiel Baumübung) vorgelesen und danach hat die Thera den Raum verlassen. Einmal kam es bei der Übung mit dem inneren Team oder wie das heißt dazu dass mehrere der Patienten dissoziierten. Die Thera verlies wie immer direkt den Raum und jemand von uns holte dann letztendlich das Pflegepersonal, das die dissoziierten, erstarrt da sitzenden, Reste von uns aufsammelte und zurück holte. Ich sagte, da kann man genau so gut einen CD-Player die Übung vorlesen lassen (kam nicht gut an die Krititk ;) )

alle zwei bis drei Wochen (ja, NICHT wöchentlich!) gab es tatsächlich sowas wie Gruppentherapie, da wurden dann Themen besprochen, wie Konflikte innerhalb der Gruppe zum Beispiel

einmal eine Bewegungstherapie

einmal pro Woche Musiktherapie, ODER Körperwahrnehmung (letzteres erst in der Gruppe, dann evtl. mal Einzel)

Dem Sport entzog ich mich dort, kann dazu also nichts sagen, weiß aber von Rudern, Morgensport usw.

Visiten nicht im Zimmer was an sich von Vorteil ist, aber man hat in der einen Woche Gruppenvisite, ist also mit 9 Frauen zusammen (kaum individuell) und in der Folgewoche dann Einzelvisite, die finde ich sehr einer mündlichen Prüfungssituation ähnelte

mangelnde Kommunikation im Team, vieles wurde nicht dokumentiert, oder übergeben

Das Pflegepersonal macht viel, was ja gut ist, aber mittlerweile finde ich es besser wenn Thera, Arzt und Oberarzt direkt involviert sind. Krisengespräche, auch wenn es um Suizidalität geht macht das Pflegepersonal, weitergegeben wurde es in meinem Fall nicht

Kaum Kontakt mit Oberärztin


EMDR wurde schlecht gemacht!!! Ja wirklich und ehrlich schlecht, jeder, JEDER dem ich erzählt habe wie es bei mir lief hat das bestätigt. Da diskutiere ich auch nicht, das war schlecht!


keine Freizeitangebote am Wochenende von der Klinik selbst

Viele Zusatzangebote, wie die Möglichkeit in eine Hängematte zu können, usw. bekamen nur langjährige Patienten. Die wurden bei Anmeldetagen auch bevorzugt behandelt (dazu gerne konkrete Beispiele, wenn gewünscht)
Zuletzt geändert von ~SteinHart~ am So Apr 07, 2019 12:48 am, insgesamt 2-mal geändert.
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

~SteinHart~
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Re: Aktuelle Klinikliste

Beitrag von ~SteinHart~ » So Apr 07, 2019 12:12 am

Zur aktuellen Klinik schreibe ich vielleicht noch was, muss da noch drüber nachdenken, weil ich ja noch da bin ;) Manches kann man bei mir nachlesen.
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

Gastacht

Re: Aktuelle Klinikliste

Beitrag von Gastacht » Mo Jun 03, 2019 12:17 am

Hochschieb

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Re: Aktuelle Klinikliste

Beitrag von EineVonUns50 » Mo Jun 03, 2019 11:00 pm

wir hatten auch mal angefangen mit einem Beitrag für hier... aber das ist so zwiespältig.. auf der einen seite lesen wir auch immer gern Erfahrungsberichte und hätten gern gute adressen von kliniken, die sich wirklich mit Trauma udn dissoziativen Strukturen auskennen und aber selbst was zu schreiben, ist irgendwie schwer - Empfehlungen geben geht sowieso nicht. Das sind ja immer nur persönliche Erfahrungen und die liegen nun schon Jahre zurück und heute kann alles anders sein. Das hängt ja auch sehr von den Theras (und Pfleger*innen) ab, die man da hat - mit denen steht und fällt das meiste und die eine hat Glück dabei und die andere nicht.
wir waren vor zwei jahren in der Parkland-Klinik und vor drei jahren in der Curtius. wir wollen in beide nicht wieder rein. Obwohl wir generell schon auch gerne eine Klinik hätten für Intervall-Behandlung. Die Parkland bietet das im jährlichen Turnus wohl schon auch an, die hatten auch ein gutes Gruppenkonzept, aber unsere (gute) Thera ist nicht mehr dort, andere gute haben wir dort nicht kennengelernt und die Klinik war uns zu groß und andere Gründe ... Wir hatten in beiden auch Mühe mit den kurzen Aufenthaltsdauer (6-8 Wochen), weil wir schon 3-4 Wochen brauchen, um überhaupt anzukommen und was arbeiten zu können und dann brauchts noch 1-2 Wochen, um sich auf die Abreise vorzubereiten - da bleibt nicht viel übrig.
Für uns ist halt allein das Setting in einer Klinik schon so strapazierend, weil wir mit Menschengruppen/Ansammlungen extreme probleme haben und wir dabei ungeheuer unter Stress kommen, allein schon im Tagesablauf ohne auch nur einen einzigen Termin absolviert zu haben und da haben beide Kliniken nicht drauf reagiert bzw. halt nur soweit, dass wir nur in die Gruppen musssten, in die wir reinwollten. Die Parkland legt auch viel Wert auf Eigenverantwortung und unterstützt da auch sehr, das war angenehm für uns. Trotzdem sind wir auch dort destabiler raus als wir reingekommen sind. Und das war gar nicht vorstellbar am Anfang. Ich mein, auch das ist ein Lerneffekt: Schlimmer geht immer und es geht trotzdem weiter irgendwie. :(
Wobei die Curtius da noch schwieriger war für uns. Aber dort gabs tolle Ergo-Theras, aber dafür waren die Ärzte und Theras, die wir kennen gelernt haben, fast alle kontraproduktiv, teils schädigend für uns. Aber mittlerweile hat die Leitung teilweise gewechselt und jetzt kann das natürlich auch alles anders sein. Der See, an dem die KLinik liegt, war toll! Das Schiff, das dort fährt, hat uns das Leben gerettet. Wirklich. Wir sind in der ersten Woche ungefähr 30 Stunden auf diesem Schiff gewesen, weil wir nirgends anders sein konnten.

EinGast

Re: Aktuelle Klinikliste

Beitrag von EinGast » Fr Jun 14, 2019 5:57 pm

Also ich war in Bielefeld in der Traumaklinik. Im Internet finden sich einige negative Berichte, aber ich persönlich habe mich dort sehr gut gefühlt und würde die Klinik weiterempfehlen.

Gründe:
-ich habe mich nicht bevormundet gefühlt bzw. konnte alles ansprechen, wenn mir etwas nicht gepasst hat. Zum Beispiel wurde mir aufgrund meiner schlanken Figur unterstellt, dass ich Probleme mit dem Essen hatte, ohne das mich ein Arzt/ Ärztn kontret gefragt hat, ob das stimmt. Ich habe dann gesagt, dass es mich verletzt, das aufgrund meiner Statur einfach so angenommen wird, dass ich eine Esstörung hab oder hatte und ich nicht gefragr werde. Denn tatsächlich bin ich von Natur aus so schlank. Es wurde verständnisvoll darauf reagiert und das Problem geklärt.

Man ist dort für sich selber verantwortlich. Es herrscht kein Zwang. Die Angebote dort sind Empfehlungen. Aber wenn man sich mal nicht so fühlt irgendwo hinzugehen, dann ist das völlig ok. Auch bei Therapiegruppen besteht Mitspracherecht. Ich sollte in die Kunsttherapie, die mir gar nicht zugesagt hat und hab mich eher in einer Gesprächsgruppe geäußert. Ich hab das mit meiner Therapeutin besprochen und konnte problemlos wechseln.

Man wird nich auf Teufel komm raus mit Medikamenten "bearbeitet". Davor hatte ich riesige Angst. Aber es wird alles abgesprochen und man kann wie gesagt über alles reden.

Abschließend muss uch sagen, dass ich eine super Einzeltherapeutin hatte, die natürlich viel ausgemacht hat. Ich weiß nicht wie es mit anderen Therapeuten dort aussieht. Außerdem gibt es das Manko, dass die Klinik nur Leute im Umkreis von 100km aufnimmt. Und zuguterletzt: natürlich kann diese klinik auch nicht hexen. Ich bin nicht als geheilt dort rausgekommen, aber die Zeit hat mir unglaublich gut getan. Man muss sich aber auch darauf einlassen und selber mitarbeiten und schauen was einem gut tut und auch Initiative zeigen.

Rick007
Beiträge: 3
Registriert: Fr Mär 08, 2019 4:15 pm

Re: Aktuelle Klinikliste

Beitrag von Rick007 » So Okt 20, 2019 5:17 pm

Ich war in 2009 der Heiligenfeld in Waldmünchen. Die letzte 9,5 Jahre habe ich die Klinik NICHT weiterempfohlen. Die Gründe: zu wenig Einzeltherapie nur 1 pro Woche z.b., zu viele Regeln, das Behandeln der Patienten spürbar von oben herab, Alleinlassen der Patienten trotz Trigger wegen Mittagspause etc.)

Vor wenigen Monaten wurde mir bewusst, dass ich zwar vieles dort nicht gut fand s.o. ich jedoch dank der Klinik folgende drei für mich mittlerweile als essetielle Punkte mitgenommen habe:
- das Thema mb kam hoch, seitdem arbeite ich dran
- das Thema Inneres Kind durfte ich kennenlernen, seitdem schätze ich es mehr und mehr
- mein damals süchtige abhängige Struktur (SLAA)

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