Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

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Gastacht

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Gastacht » Mi Apr 24, 2019 10:02 am

Hi
Ich sag dazu nicht viel da ich ja gerad eh so ziemlich alles an theras sch... finde
Nur was ich dir sagen will.
Das wichtigste um thera zu machen ist ein sicherer Rahmen. Den sie einhält. Ohne das keine gute thera
Die kasse zahlt 50min. Und nicht 30 oder 35min.
Auch dass sie mit Konflikten nichz umzugehen weiss find ich ungut. Dass sie immer recht hat klingt infantil und unreflektiert.
Finde ihr müsst einen klaren regelmäßigen Termin finden. Was evtl auch für dich dann Nachteile hat. Zb früh aufstehen. Aber ohne das geht es nicht. So meine Erfahrung.
Ob du gehen solltest kannst nur du wissen. Ich würd auf jeden Fall therapie weiter machen aber mir parallel jemand neuen suchen evtl.
Es ist gut und ok dass du schreibst. Niemand muss das lesen wenn er nicht will.
Gastacht

Maya
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Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Maya » Mi Apr 24, 2019 10:22 am

Ja, du hast ja recht und ich glaube so wird es auch laufen. Ich werde mich nach einer neuen Therapeutin umsehen und solange bei ihr bleiben. Einmal im Monat eben.

Ich hab ehrlich sehr viel auf mich genommen um zur Therapie zu können. Zb bin ich oft nach der Nachtschicht gegangenen. Dazu habe ich dann bei arscheskälte mit Wärmflasche und schlafsack 2-3 h im Auto geschlafen. Aber an diesem einem Tag da war ich einfach fertig von der vielen Arbeit und ich hab mal einen Tag ausschlafen gebraucht. Ich hab ja auch nicht jede Woche Wochenende. Ich arbeite mal nur drei Tage am Stück aber auch mal zehn. Und jetzt werde ich Vollzeit arbeiten, für dieses Jahr voll.

Heute wird alles sehr viel besser.
Danke Gastacht!

Maya
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Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Maya » Mi Apr 24, 2019 11:37 am

Ich hab tatsächlich eine Mail an eine Therapeutin geschrieben! Ich bin mal wieder extrem wagemutig.
Danke für diesen Anstoß!

Wobei es mich unruhig macht das ich rein geschrieben habe die Diagnosen. Ich weiß jetzt nicht ob das falsch war. Und ob das dumm kommt.
Ich hab jetzt bisschen im Garten gedöst, in der Sonne. Und mach mich jetzt mal fertig und meine Arbeit.

gennixx

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von gennixx » Mi Apr 24, 2019 8:53 pm

Liebe Maya,

ein großer und m.E. richtiger und wichtiger Schritt!

Ich finde es wichtig, dass sie die Diagnosen kennt - und dann entscheiden kann und muss, dass sie auch was tun muss.

Gleichzeitig fände ich es jedoch in der Tat gut, jemanden anders zu suchen - denn es hört sich extrem anstrengend an, wie Du das bisher mit der Therapie gehändelt hast. Weiß die Therapeutin, was Du alles auf Dich nimmst, um überhaupt die Termine bei ihr wahrnehmen zu können?

Pass gut auf Dich auf, ja?!?

GLG; Gennix

PS: Ich war ja gerade zwei Wochen in einem "normalen" Krankenhaus, wegen Diagnostik in der Neurologie, wo ich dann in ein Schmerztherapieprogramm reingerutscht bin. Und ja z.B. nur meine diss. Krampfanfälle und eine PTBS genannt - und nicht, dass bei mir eigentlich eine "schwere dissoziative Störung" in der Traumaklinik diagnostiziert wurde, die dann im Klinikbericht genauer erläutert wurde (keine DIS, aber ein Vorläufer)... letztlich habe ich es mir damit schwerer gemacht als es vielleicht sonst gewesen wäre. Das wurde mir heute bei einem Gespräch über den Arztbericht mit meinem Hausarzt klar. Ich wollte nicht stigmatisiert werden o.ä. - musste dafür aber auch mit einigem eigenen Leid zahlen. Das nächste Mal wäre ich offener, das habe ich mir vorgenommen.

Maya
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Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Maya » Do Apr 25, 2019 1:55 am

Hallo gennix

Meine Therapeutin weiß das es für mich viel Aufwand ist zu ihr zu kommen. Aber solche Dinge weiß sie nicht.
Ich war vor ihr bei so einer superlieben Therapeutin. Manchmal war sie schon wie eine Mama, aber nicht von mir aus. Ich habe immer versucht mehr Distanz zu bekommen. Ich brauche Distanz. Mit Beziehung habe ich ein Problem. Und die jetzige Therapeutin ist das ganze Gegenteil. Die erste Stunde war wie eine Erlösung. Ich war gleich mal weg dissoziiert wie dauernd und sie war der erste Mensch der mich da raus geholt hat! Das war für mich ein Wunder. Ich wusste nicht das das eine Dissoziation ist, aber ich wusste das passiert mir und vorher konnte niemand damit umgehen. Und wenn ich so jetzt nachdenke, es lief eigentlich gut die ersten Wochen. Bis sie recht schnell den Verdacht geäußert hat ich hätte eine Dis. Und dann fing alles an zu spinnen und ich habe so viel gezweifelt. Sie sagt oft wieviel Erfahrung sie mit dem Thema hat und das sie sich sicher sei und eben die Expertin darin ist und ich ihr Vertrauen soll. Und ich hab Angst sie hat mich vielleicht nur in ihr Schema gepresst.
Und wenn ich jetzt sowas schreibe, höre ich echt ihre Stimme wie sie sagt „aber sie haben mir doch diese Dinge erzählt, oder soll ich die aufschriebe holen? Ich erfinde doch ihre Symptome nicht“. Sie erlaubt das Thema zweifeln nicht. Nicht mehr. Das blockt sie sofort ab.
Und wir haben schon ein paar mal richtig gestritten. Und egal was ich bisher versucht habe an zu sprechen, sie sagt immer „dann bin ich nicht die richtige Therapeutin für sie, dann müssen sie überlegen ob sie wo anders hingehen“ und das löst so viel in mir aus, weil ich mich eh immer nervig und unerwünscht fühle und Angst habe alleine da zu stehen und ich ja nicht so leicht jemand anderes finden kann.
Aber und das muss man ihr echt lassen, was sie sagt über das wie sich alles verhält innen das ist echt so. Sie hat wirklich oft recht. Und mir ging es in all den Jahren seit 2007 nie so lange so gut. Ich war nie so stabil! Wer heilt hat recht, oder!?
Aber ich glaube ich mag sie nicht besonders. Und ich weiß immer nicht ob da mit meiner Wahrnehmung nicht stimmt. Daran zweifle ich immer zuerst. Und das sagt sie auch immer wieder. Das ich nicht alles mitbekomme und sie ganz andere Sachen gehört hat und so weiter. Sie belegt das dann auch, aber sowas bekomme ich nicht gerne unter die Nase gerieben.
Ein therapeutenwechsel ist ein Risiko. Aber ich glaube das wäre gut. Auch um weiter zu kommen.
Ich brauchte sie vielleicht um zu begreifen. Aber jetzt bräuchte ich mehr jemand den ich auch mal als nett empfinde.

Die Therapeutin die ich angeschrieben habe hat schon geantwortet. Und sie hat keine Kassenzulassung. Aber die hört sich schon gut an.
Ich bin noch im Gespräch mit ihr.


(...)

Jetzt geh ich mal schlafen. Morgen habe ich Kindergeburtstag und hab noch viel zu tun.
Liebe Grüße!
Zuletzt geändert von Maya am Do Apr 25, 2019 10:43 pm, insgesamt 1-mal geändert.

gennixx

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von gennixx » Do Apr 25, 2019 9:56 pm

Liebe Maya,

danke erst einmal für Deine Hinweise!! Wirklich!

Ich weiß, dass es grundsätzlich schwierig ist - und deswegen habe ich ja gerade beim letzten Mal nicht alles gesagt.
Eben nur, dass ich diss. Krampfanfälle und eine PTBS habe.

Was akzeptiert wurde - und eben eher nicht ernst genommen wurde (hatte öfter das Gefühl, dass der eine oder andere die Augen verdreht).
Gleichzeitig muss ich zugeben, dass die Nachtpflege unheimlich rührend war, wenn was war (wobei ich oft nicht klingelte, wenn einer kam - einerseits, weil ich es nicht konnte, andererseits, weil ich es mit mir allein ausmachen wollte).

TRIGGER

*
*
*
*

Bei der OP im Januar wussten die Bescheid wegen der Krampfanfälle. Sie haben jedoch nicht gemerkt, dass ich nach dem Aufwachen dissoziiert war, dachten eher, ich hatte das Shivering-Syndrom (was ich wahrscheinlich auch hatte, denn auch nach einer Darmspiegelung vor einigen Jahren war ich nach dem Aufwachen völlig unterkühlt). D.h. da bin ich gut durchgerutscht...

Aber eine Frage: Wie hast Du denn gemerkt, dass Du festgeschnallt wurdest? Hast Du keine Narkose erhalten?

Ich frage, weil Festschnallen für mich der absolute Horror wäre - und mein Hausarzt das auch weiß. Wir hatten bei einem Anlass genau darüber gesprochen - auch kenne ich einen guten Freund, der - ohne traumatisiert zu sein - davon heute noch Albträume hat, als er nach einem Herzinfarkt festgeschnallt wurde.

Sollte ich jedoch das nächste Mal in dem Schmerztherapie-Programm sein, würde ich zumindest dem Psychologen, den ich nun ja jetzt auch kenne, mehr sagen. Der war ok und könnte so was ab. Einem "normalen" Arzt würde ich es nicht erzählen. Und einem mir völlig unbekannten Psychologen in einem normalen Krankenhaus wahrscheinlich auch nicht... das wäre mir zu heikel. Danke Dir - ich passe auf mich auf!

GLG; Gennixx

gennixx

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von gennixx » Do Apr 25, 2019 10:06 pm

Liebe Maya,

noch was:

Kann es sein, dass Du an eine Expertin geraten bist, die gleichzeitig wenig Empathie spüren lässt?

Sie scheint zu wissen, was los ist - Dir aber gleichzeitig wenig Raum für Deine Entwicklung zu lassen?!? Oder sehe ich das anders?

Ich hatte bei einer ähnlichen Therapeutin vor einem Dreivierteljahr mal zwei Vorgespräche - sie wusste viel, wurde mir auch empfohlen.
Sie akzeptierte jedoch absolut nicht, dass ich kein EMDR machen wollte (bisher hatte ich nur Fachleute - auch in den Kliniken - die diese Methode für mich viel zu riskant sahen - was ich auch akzeptierte und mir irgendwann sagte, dass ich keine Aufarbeitung um der Aufarbeitung willen mache, sondern nur, wenn es wirklich ansteht und dann mit den Methoden, die schonender sind) - und erklärte mir dann, dass ich nur vermeiden würde.
Das hat mich unendlich getroffen, nachdem ich wirklich mehr als zehn Jahre in einer ambulanten und parallel auch über ein halbes Jahr (zwei Aufenthalte) in einer stationären Traumatherapie extrem an mir gearbeitet habe.

Es wurde dann auch nichts.

In der Traumaklinik, in der ich war, würde man mit entsprechenden Diagnosen sehr vorsichtig sein - und ohne Tests etc. das auch nicht behaupten. Und man würde auch vorsichtiger und achtsamer mit Dir darüber sprechen als das, was Du schilderst. Ich würde sogar soweit gehen, dass die Diagnostik dann besser stationär durchgeführt werden sollte.

Wie erlebst Du es denn bei ihr?

GLG, Gennixx

Maya
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Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Maya » Do Apr 25, 2019 11:21 pm

(...)
Zuletzt geändert von Maya am Fr Apr 26, 2019 9:54 am, insgesamt 1-mal geändert.

Maya
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Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Maya » Do Apr 25, 2019 11:43 pm

Als ich damals in den Op kam war ich noch wach. Ich weiß nicht mehr genau wo es dann übergeschwappt ist und zu viel wurde. Aber Narkose kommt erst nach der Positionierung auf dem Tisch. Man versucht heute die Narkose so kurz wie möglich zu halten.


Ich weiß auch nicht wie du das meinst mit wenig oder keiner Empathie bei meiner Psychologin. Sie macht nicht so auf arme Patientin. Das kann ich aber auch nicht so leiden. Aber ich denke die Empathie zu beurteilen ist ja auch wieder Wahrnehmung.
Sie hat schon viel gut gemacht, das muss ich ihr lassen.
Aber ich glaube die Chemie stimmt einfach nicht.

Ich fand auch sie war sehr schnell mit ihrer Diagnose. Wobei das ja nur ihr Verdacht war. Darüber habe ich mit ihr geredet und sie meinte es sei recht deutlich gewesen. Ich hatte sowas überhaupt nicht gedacht. Ich kannte das ja auch aus dem Forum.
Aber sie hat mich zur Diagnostik in eine Klinik geschickt. Da war ich 2016 sechs Wochen. Da gab es Tests und Fragebögen und das ganze Zeug.
Mit der Therapeutin dort bin ich gut zurecht gekommen. Das war ganz anders. Aber so viel Auswahl habe ich eben auch nicht.
Ich weiß nicht welcher Raum angemessen ist. Also an Zeit. Sie hat ja schon recht das ich andere Strategien Jahre lang erfolglos versucht habe.

Liebe Grüße!

gennixx

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von gennixx » Fr Apr 26, 2019 9:23 am

Liebe Maya,

wegen Empathie:

Das ist die Kunst, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und mitzufühlen, warum diese sich aktuell so verhalten wie sie es tun. Und sie dort abzuholen, wo sie stehen und mit Ihnen weiterzugehen. Das hat nichts mit "Du armes Hascherl" zu tun.

Es ist eher das, was Du tust, wenn Du z.B. merkst, dass ein Patient Angst hat etc.

...

Besser verständlich?

Wegen Narkose und Co: Da habe ich in der Tat und Gott sei Dank bei der letzten OP andere Erfahrungen gemacht, eventuell auch, weil dort das mit der PTBS und den diss. Krampfanfälle bekannt war (kenne jedoch auch ein Krankenhaus, das in anderen Fällen da anders reagiert... deswegen hat mein Hausarzt da nun jedoch andere, kleinere Krankenhäuser im Blick).

GLG Gennix

gennixx

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von gennixx » Fr Apr 26, 2019 9:27 am

Liebe Maya,

noch eine Frage:
Wie lange bist Du denn schon bei der aktuellen Therapeutin?

Und hattest Du in der Klinik nicht ein Gespräch nach der Diagnostik?

LG

Maya
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Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Maya » Fr Apr 26, 2019 10:45 am

Und jetzt, musst du dann in nächster Zeit noch operiert werden?
Hast du dann jemand der dich begleitet? Das kann ja schon sehr stabilisierend sein und ist auch üblich und sorgt nicht für Aufsehen.
Chronische Schmerzen und wenn dann noch eine psychosomatische Komponente dabei ist sind einfach sehr schwer zu behandeln. Weil die Wege auch sehr individuell sind. Was bei dem einem geholfen hat muss es beim nächsten nicht tun.
Ich wünsche dir das sich dein gesundheitlicher Zustand bald bessert. Ich kann mir nur vorstellen wie schwer es sein muss unter ständigen Schmerzen und in der Angst davor leben zu müssen.

Ich kann trotzdem nicht genau sagen ob meine Therapeutin emphatisch ist. Aber ich tendiere eher zu nicht. Sie ist wie gesagt auch mal nett und macht mir Komplimente, so wie „sie sind intelligent, souverän...“ oder ähnliches. Oder das sie mich mag und gerne mit mir arbeitet. Allerdings oft schwer zu glauben.
Ich denke entweder läuft die Therapie ganz aus innerhalb der nächsten Monate oder ich suche mir eine Neue. Denn immer da hinfahren wird dann nicht mehr gehen wenn ich woanders arbeite. Ich Wechsel gerade meine Arbeitsstelle. Darum ist diese Diskussion aufgekommen.
Ich bin jetzt seit gut 2,5 Jahren bei dieser Therapeutin.

Natürlich gab es einige Gespräche in der Klinik, auch nach der Diagnostik. Worauf sollte die Frage hinaus? Weil ich trotzdem manchmal Zweifel habe?
Ich hatte immer Angst alle manipuliert und belogen zu haben. Weil es da immer jemand anderes gab der lügt und Dinge erzählt... das habe ich ja schon mein Leben lang. Auch wenn das ausbügeln der anderen Seiten oft aber nicht immer durch Amnesie und „wegsehen“ nicht so wahrgenommen wurde, irgendwie gab es da auch immer arrangements wo zusammen leben geregelt war. Sonst wäre ich glaube ich nicht fähig gewesen eine Ausbildung zu machen zb.
Es hat ziemlich lange gedauert bis ich begriff das es aber eigentlich keine anderen Seiten gibt. Das das ansich schon falsch ist.
Ich weiß nicht ob das verständlich ist.
Und ich bin oft am zweifeln, weil gerade jetzt wo es mir so gut geht, merke ich nichts von irgendwem anderes. Ich kann auch nicht bewusst bzw willkürlich Kontakt herstellen. Und dann denke ich oft ich hab vielleicht nur vorübergehend mir etwas eingeredet. Oder mich eben von allen in eine falsche Schublade drücken lassen.
Diese Gedanken sind auch immer noch da. Aber ich bin mir mittlerweile auch darüber klar das ich das nicht mehr abstreiten kann.

Mit jedem Stück, das ich mühsam Begriffen habe, hat sich mein Blickfeld erweitert. Früher war es mir absolut nicht möglich etwas von den anderen Seiten zu sehen.
Jetzt ist mir bewusster geworden zb das ich mit manchen Dingen kein Problem habe aber andere teile schon.
An Verständnis dafür fehlt es mir noch oft.

Das Bild meiner Therapeutin dazu hilft immer ganz gut das zu verstehen. „Wenn ein Diabetes gut eingestellt ist und man Konstante Blutzuckerwerte hat, bedeutet das nicht das man kein Diabetiker mehr ist“.

gennixx

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von gennixx » Fr Apr 26, 2019 11:58 am

Liebe Maya,

zu Deiner Frage wegen OP:
Nein, zumindest ist nichts geplant.
Wegen der Schmerzen ist es etwas schwieriger, weil teilweise Nerven wahrscheinlich verletzt wurden. Das muss noch geklärt werden.
Aber ansonsten habe ich halt ständig Schmerzen, was nicht soo schlimm ist - bin schon mit anderen Schmerzerkrankungen unterwegs. Das Schlimme aktuell ist leider, dass ich deswegen nicht mehr gehen oder laufen gehen kann... und nur noch auf Gehstützen unterwegs bin. Und das wiederum hält mich davon ab, das zu tun, was mich immer am meisten stabilisiert hat und mir einfach nur jahrzehntelang immer gut tat: Gehen, den Boden unter den Füßen spüren (was ich aus anderen Gründen aktuell mit einer Sohle kaum mehr tue, da teilweise taub). Das ist das Schlimme daran, nicht die Schmerzen selbst.

zu Deiner anderen Frage:
Vielleicht ist es nach der Zeit auch eimfach ganz gu6, die Therapeutin "loszulassen" - also mit allen guten und weniger guten Seiten - ohne Wertung - und dann weitergehen, um sich auch im Klaren darüber zu sein, was man sich bei der nächsten mehr wünscht. Die alte Therapeutin konnte Dir auch auch schrittweise weiterhelfen, Du bist gut weitergekommen. Vielleicht fehlt ihr inzwischen auch einfach die Geduld, ist menschlich. Gleichzeitig steht nun etwas anderes an. Hast Du denn den damaligen Bericht der Klinik vorliegen? Eventuell wäre es ja gut, den bei einer neuen Therapeutin zumindest abzugeben - und auf der Basis "Ich akzeptiere die Diagnose - auch wenn ich nach wie vor zwischendurch Zweifel habe... und bitte reden Sie Dich nicht weg. Mir wäre es lieber, wenn wir gemeinsam mit denen arbeiten könnten... konstruktiv oder, oder... was Dir einfällt." Was mir halt einfällt, alles, was kommt, ist wichtig. Und Deine Zweifel haben ja auch eine Funktion. Die Frage ist nur, welche. Was bewirken sie? Wem in Dir helfen sie? Wie helfen sie Dir? Und warum sind sie noch (oder zwischendurch) immer wieder da? Und wann wären sie weg? Was bräuchtest Du oder der Anteil, der noch zweifelt, damit die Zweifel weg sind?...

Das mit dem Diabetes ist auf jeden Fall ein gutes Beispiel...

Und letztlich stimmt es ja auch.

Bei mir gibt es da eine Parallele:
Nach wie vor gibt es bei mir die Diagnose: Atypische Anorexie Nervosa... .Lange Zeit wollte ich die weghaben, weil ich auch schon sehr lange - und auch immer zwischendurch - sehr stabil war - und mir das auch keiner ansehen würde. Gleichzeitig akzeptiere ich heute, dass ich - in Krisensituationen und Co. - wahrscheinlich nach wie vor dazu neige, auf das Muster zurückzugreifen und da einfach supervorsichtig und achtsam sein muss. Denn dafür war es zu lange und ist eben chronisch bzw. latent noch da, auch wenn es nun schon sehr lange gut geht - auch weil ich mit einem Antidepressiva, das da auch gut wirkt, gut eingestellt bin. Das würde ich ja nun auch nicht "nicht mehr nehmen", nur weil es mir besser geht. Absetversuche oder Niedriger Dosieren darf es geben, aber wenn deutlich wird, dass es dann wieder schlechter wird, muss es halt wieder hochgesetzt werden. Und dann ist das Medikament oder bei DIS ein anderer Umgang und ein achtsameres Leben etc. eben dazu da, mit der Erkrankung/ Störung/ Diagnose zu leben... und gleichzeitig ist es damit auch der Beweis.

Ähnlich wie mit dem aktuellen Medikament gegen Nervenschmerzen, das ich in der Schmerztherapie bekam und nun auch hochdosiert habe ambulant. Nur weil es nun langsam seine Wirkung zeigt und die Schmerzen sich etwas bessern, werde ich es ja nicht absetzen... und wenn es soweit ist, es wieder runterdosieren/ absetzen zu können, wird man schauen müssen, können, wie weit es möglich ist.

Bei meinen dissoziativen Krampfanfällen ist es ja ähnlich:
Ich weiß, wie ich leben muss, was mir möglich ist und was nicht, damit ich nicht die ganze Zeit krampfe. Und damit hatte ich wirklich innerhalb von 12 Monaten nur einen längeren Krampfanfall... ich dachte innerlich schon, sie sind vorbei - und ich habe die nicht mehr. in den 14 Krankenhaus wiederum waren es an einem Wochenende wiederum 5 Krampfanfälle, zwei sehr schlimme... D.h. also: Wenn ich "mein Biotop" habe (ist mein Begriff für mein achtsames, ruhigeres Leben), geht alles gut. Sobald die "Pflanze", also ich, rausmuss oder unter anderen Bedingungen leben/ existieren muss, wird es wieder kritisch...

Weißt Du, was ich meine?

LG, Gennixx

Maya
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Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von Maya » Fr Apr 26, 2019 12:59 pm

Besteht die Chance das du je wieder normal laufen können wirst?
Es ist immer schwer sich mit Gegebenheiten abzufinden wenn sie nicht veränderbar sind. Das ist ja eigentlich das Grundthema. Das Trauma lässt sich nicht ändern, nicht das man eben in manchen Situationen sensibler reagiert, Krankheit lässt sich nicht ändern, oder nur bedingt usw. Da ist die Arbeit daran die Unveränderlichkeit zu akzeptieren und zu lernen sich anzupassen. Trotz der Gegebenheiten gut zu leben, Spaß und Freude zu haben und eine Zukunft zu planen.
Das bedeutet ja nicht, das die Gegebenheit nicht schlimm oder sogar dramatisch ist, aber das bedeutet stark zu sein. Es braucht alles seinen Platz. Trauer, Ärger und Wut über das was einen behindert und nicht unter kriegen lassen und nach vorne schauen. Die Balance macht’s denke ich aus. Und ist gleichzeitig ganz schön schwer zu halten.

Ich verstehe das mit deinem Biotop sehr gut. Und so erlebe ich das auch. Allerdings habe ich mein Biotop auch stückchenweise erweitern können. Also auch wieder das Maß, die Balance ist wichtig. Zwischen Akzeptanz und fordern.

Gestern hatte ich einen Kindergeburtstag. Es gab Kindergeburtstage, das hat mich so überfordert das ich unkontrolliert war, wochenlang in einem tiefen Loch, mich selbst verletzt habe... und jetzt kann ich das! Ich war gestern echt Stolz auf mich. Ich bin vorsichtig. Achte genau darauf wann ich spüre wenn irgendwas nervös wird in mir. Ich zwinge immer meinen Mann dabei zu bleiben das er für mich einspringen kann wenn es mir zu viel wird. Ich ziehe mich gelegentlich mal zurück. Gestern war ich auch mal nervös und hab mich dann in Garten zum Unkraut zupfen verzogen. Nur so lange bis es wieder ruhig war. Und alles blieb stabil.
Also meine Biotopgrenzen sind ausweitbar. Aber überhaupt schon so ein Biotop zu haben ist sehr viel wert. Für mich ist das tatsächlich der örtliche Rahmen. Mein Haus und vor allem der Garten. Ich habe mich früher sehr oft überhaupt nicht raus aus der Wohnung getraut. Musste doch oft wegen der Kinder und hab mich regelmäßig überfordert. Jetzt habe ich einen Garten der sich für mich sicher anfühlt. Wenn ich nicht raus kann, was immer noch vorkommt, kann ich in den Garten und Grenzen verschwimmen. Oder meine Familie, das Gefühl nach sehr vielen Jahren das die bleibt und sicher ist.
Ich habe da von soher gesehen wirklich sehr guten Nährboden zum wachsen und stabil werden/bleiben.
Allerdings habe ich mir das auch durch viele Widrigkeiten hindurch erarbeitet.

Ich denke ja auch es wäre gut meine Therapeutin zu wechseln.
Die Frage wozu die Zweifel gut sind ist gerade ein sehr gute. Nicht das diese Frage noch nie gestellt worden wäre. Aber ich glaube jetzt kann ich das ganz anders begreifen.
Es geht ja immer eigentlich, auf jeden Fall bei mir, darum das Trauma nicht zu sehen und vor allem nicht zu spüren. Und das was ich mir aufgebaut habe zu erhalten.

Anregende Unterhaltung! Lässt mich wirklich nachdenken. Dankeschön dafür!
Aber jetzt muss ich mit meinen Kindern Lasertag spielen.

Wie läuft dein Tag heute?
Liebe Grüße!

gennixx

Re: Klitzekleines Trauma-riesige Folgen

Beitrag von gennixx » Fr Apr 26, 2019 3:17 pm

Liebe Maya,

wie gut das alles bei Dir klingt!!

Wegen des Biotops: So erlebe ich das genauso...

Es ist ausweitbar, gleichzeitig gibt es jedoch auch Grenzen. In den letzten Jahren habe ich die Grenzen sehr stark strapaziert aus arbeitstechnischen Gründen... und bin auch stark über die Grenzen gegangen. Das merkte ich im letzten Jahr und erkannte an, dass ich wieder zurückrudern muss. Die Schmerzen haben mich jetzt wieder sehr stark zurückgeworfen - aber da ich mein "Basislager-Biotop" habe, weiß ich, wo ich lande... ich lande nicht im freien Fall oder Nichts... sondern in einem Biotop, das ich 2007 aufbaute. Dahin muss ich erst einmal zurück, erst einmal aushalten, dass ich wieder auf der Basis stehe - und hoffentlich schrittweise wieder die Grenzen ausweiten zu können. Merken werde ich laut der Menschen, die mich gut kennen, das sowieso - denn ich bin zu ungeduldig als dass ich da nicht immer wieder alles austesten werde.

Wegen Gehen:
Mein Lieblingswort ist "Radikale Akzeptanz der Realitäten". Da bin ich gerade.
Akzeptiert habe ich in der Klinik, getrauert und sackenlassen habe ich es dort ganz bewusst.
Ich will jedoch wieder dorthin, wo mehr Gehen möglich ist - und werde auch daran arbeiten.
Wie lange es dauern wird, weiß niemand - auch nicht die Ärzte.
Es gibt auch leider so keinen richtigen Plan außer gut für mich sorgen,
mich im Gehen nicht mehr überfordern wie vor dem Krankenhausaufenthalt,
aktuell erst einmal akzeptieren, dass es so ist wie es ist.

Und
Psychotherapie, Ergotherapie
(beides machte ich erst wieder seit Ende letzten Jahres, hatte jahrelang Pause, merkte jedoch, dass ich den Absprung bei der Arbeit und zurück ins "Basis-Biotop" nur mit Therapie schaffe - was sich ja jetzt als sehr weise herausstellte - auch wenn ich da, wo ich jetzt stehe, mich nie hinwünschte)
eigene Physiotherapie-Übungen,
ganz viel Entspannungsübungen...
und für mich viel Innere Bühne-Arbeit, die ich jahrelang auch durch die Arbeit stark vernachlässigte.

Ein Schmerztherapie-Programm habe ich für mich selbst bestellt und arbeite mich da parallel entlang...

Parallel mmer wieder austesten, was gut tut und was hilft,
vom Schmerz ablenken...

Und wenn ich merke, es steht an, mehr Physiotherapie draußen.

Aber da bin ich noch nicht.

In zwei Wochen habe ich noch einen Termin bei einem speziellen Schmerztherapeuten für eine fiese Nervensache,
einen Termin bei einer gesamtheitlich arbeitenden ambulanten Schmerztherapeutin habe ich für September bekommen,
da es nun für alle gesamten Schmerztherapien ganz gut ist, parallel zum Hausarzt jemanden zu haben.
Bisher hatte ich das gut im Griff, durch die neu hinzugekommenen Schmerzen geriet nun jedoch alles ins Rutschen.
Es ist gut, da noch jemanden zu haben.

Und wenn alle Stricke reißen oder ich das Gefühl habe, nach ein paar Monate nochmals einen Zwischenstopp einlegen zu müssen,
kann ich grundsätzlich wieder in die stationäre Schmerztherapie zurück, dann jedoch kürzer...

Also eigentlich heißt es gerade: Nicht viel machen, sondern SEIN... aber das fällt umtriebigen Menschen meist ja sehr schwer.

Für mich ein Lebensthema...

Dir noch einen tollen Tag mit den Kindern! Viel Spaß!

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