Innerer Monolog

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Bugs
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Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » Fr Mär 15, 2019 9:45 pm

Ich glaube, dass ich mich überschätzt habe. Ich habe keine Kraft mehr. Ich bin erschöpft.
Wut hilft zwar noch über einige Wellen des Lebens hinweg, aber es hört keiner zu. Es würde auch keiner richtig auf meine Wut reagieren können. So bin ich wütend für mich alleine. In meinem Zimmer. Dafür kann ja sonst keiner etwas. Stille Wut.
Ein bisschen Vertrauen ist geblieben. Ein letzter Rest. Vertrauen genug um überhaupt noch zu reden. Etwas zu probieren und den Weg weiterzugehen. Vor die Tür gehen zu können. Ich habe Redebedarf doch finde den richtigen Gesprächspartner nicht. Ich habe Klärungsbedarf doch finde keine Person, die mir etwas sagen möchte geschweige denn will oder kann. Ich bin wieder in meinem Zimmer und wieder bin ich alleine. Diesmal grüble ich. Viele Fragen, wenig Antworten. Antworten, welche ich mir nur selber gebe. Ich bin erschöpft. Ich bin allein. Ich bin überfordert.

Ich bin jetzt dreißig. Hinter mir liegen Drogen und zu viel Alkohol, Nichtwissen und Komplexe. Viele schlechte Erfahrungen. Freundschaften. Stets unerwiderte Liebe. Immer nur kurz waren die schönen Momente. Flüchtig, als ob man sich an einem Strohhalm festhalten möchte um nicht abzustürzen. Geblieben bin ich. Geblieben sind die Panikattacken. Geblieben ist auch immer noch Hoffnung. Ob das gut oder schlecht ist weiß ich nicht. Wer hofft, der kann enttäuscht werden. Ich bin vorsichtiger geworden. Ruhiger. Aber auch angespannter.

Ich kann meine letzte Liebe immer noch nicht loslassen. Ich möchte es auch nicht. Es ist zu sehr verknüpft mit damals. Als ob ich mein Trauma nicht mit jeder Frau wiederholen würde...
Sicher. Sie sah ähnlich aus wie die Täterin und das andere blonde Mädchen. Das war auch der Grund warum die Erinnerungen langsam wiederkehrten. Warum ich verrückt geworden bin. Schizophren. Verrückt sein ist im übrigen nicht sooo schlimm. Ich musste nur aufpassen nicht draufzugehen oder im Gefängnis zu landen. Nach einiger Zeit lernte ich den Umgang. Klinikaufenthalte. Medikamente. Gewichtszunahme. Ich fand mich früher recht hübsch. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher. Was steht mir jetzt bevor? Wieder Klinik. Diesmal Trauma.Ptbs. Es ist an der Zeit. Fünf Jahre hat mich die Schizophrenie gekostet. Fünf Jahre in denen auf dem Papier faktisch nichts passiert ist. Und es können nun gut noch einmal fünf Jahre werden, denn zum Trauma kommen noch die Panikattacken. Und wenn die Klinik vorbei ist? Nichts tun? Arbeiten? Zweiter Arbeitsmarkt? Weiter an den Krankheiten basteln? Ich finde mit 30 ist man nicht mehr jung.

Ich wurde vor einiger Zeit gefragt, ob ich Sorgen hätte. Ich verneinte. Dann hatte ich neulich diesen einen Traum. Ich bin einen Weg entlang gegangen. Er war zwar sehr verschlungen, es passierte aber nichts, außer, dass ich ihn ging. Am Ende lagen zwei Sicherheitshandschuhe und ein paar Geldmünzen auf dem Boden.
Heute sage ich, dass dieser Traum mir Sorgen macht.

Warum schreibe ich? Ich hatte schon einmal einen Versuch gestartet eine Art öffentliches Tagebuch zu führen, nur war ich zu emotionsgeladen. Ich schäme mich dafür. Vielleicht wird es dieses mal anders und es kann mir eine Stütze sein, meine Gedanken zu ordnen und mich gleichzeitig mitzuteilen. Ich bin im übrigen männlich. Ich weiß nicht ob das für manche eine Rolle spielt, aber ich wollte es erwähnt haben.
Ich hätte gerne mehr Kontakt zu Frauen. Nicht unbedingt im Beziehungssinne. Eher als Gesprächspartnerin. Vielleicht treffe ich ja wen, wenn es in die Klinik geht. Ansonsten sind Kommentare hier erlaubt. Und wenn keine kommen, dann ist das auch gut.
Ich wünsche eine ruhigen Abend und eine geruhsame Nacht

wayward affinity
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Re: Innerer Monolog

Beitrag von wayward affinity » Fr Mär 15, 2019 10:19 pm

(editiert; fühl mich fast gezwungen hier was zu sagen, da ich mich meist als einziger Kerl hier empfinde und mich langsam frage obs normal ist soviel sentimentale Monologe von mir zu geben.)

Hm ich zähl mal paar ungefähre Gemeinsamkeiten auf; bin 31, lebe zurückgezogen und red meist monatelang mit keinem Menschen, lebenslang meist unerwiderte Liebe (weil ich strange bin), alkoholabhängig (nicht süchtig, wohlgemerkt) und vermutlich bald Klinikaufenthalt wegen kptbs.

Achja, männlich bin ich, aber das ist hier wohl bekannt.

Monologe niederschreiben hilft tatsächlich manchmal. Und wenns einem selber nicht hilft, dann evt jemand anderem.

Bugs
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Re: Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » Fr Mär 15, 2019 10:22 pm

Ich hab dich gelesen in deinem Thread wayward. Ich wusste nur oft einfach nicht, was ich sagen sollte.
Ich spüre und kenne deinen Zorn. Genau wie die andere ruhige und sanfte Seite. Es ist so ein Outlaw Leben...

aoi
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Re: Innerer Monolog

Beitrag von aoi » Sa Mär 16, 2019 12:14 pm

Lieber Bugs,

es ist schön, dass du schreibst. Und du bist herzlich eingeladen ebenfalls emotionsgeladene Beiträge zu formulieren. Die gehören dazu und auch dazu kann das Forum dienen! Wenn du magst, kannst du also ordnende oder auch emotionsgeladene Beiträge schreiben :)

Es tut mir leid zu hören, dass du das Gefühl hast mit keinem reden zu können. Das ist ja generell seeehr schwierig bei dem Thema. Aber ich kann mir vorstellen, dass SMB bei Jungen/Männern noch stärker tabuisiert ist, so dass es noch schwerer ist oder schwerer scheint. Dennoch: auch bei mir (weiblich) sind Freundschaften daran kaputt gegangen. Ich war nicht bereit das Thema ständig auszuklammern und so zu tun als wäre alles in Ordnung, wollte es auch nicht. Für manche ist es zum Glück in Ordnung. Andere sind/waren überfodert und sind gegangen. Das ist leider auch bei meiner ehemals besten Freundin der Fall. Wir haben nun keinen Kontakt mehr und ich denke nicht, dass sich das regeln wird. Dennn schließlich versucht sie zum einen immer noch, dass ich die Problematik mit meiner Familie klären soll (äähhmmm ja, sie sind immer noch in Verleugnung... der Mann, der mich hätte großziehen sollen, ist der Täter), zum anderen hatte sie Angst vor Gericht gg ihn auszusagen, und sie wäre meine einzige Zeugin (außer meiner Mutter, auf die ich nicht bauen kann - zumindest nicht im positiven) gewesen. Sie beschimpfte mich, weil sie überfordert war und sagte dann noch, dass ich spinne, dass ich weiterhin Kontakt zu meinem Ex halten möchte. Er ist meine einzige Stütze gewesen oder der Mensch, der mich liebte, wie ich bin. Daher fällt mir das schwer und ich will es auch nicht. Und da es eigentlich (mit ups and downs) freundschaftlich gut zwischen uns läuft, sehe ich keinen Sinn darin, darauf zu verzichten. Zumindest dachte ich das bisher, mal sehen, was die nächsten zwei Wochen bringen. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich möchte dir damit sagen, dass ich es nachvollziehen kann, warum du zu Frauen mehr Kontakt möchtest. Vielleicht denkst du, sie könnten dich besser verstehen. Vlt kannst du dich (trotz Täterin) ihnen gegenüber anders öffnen. Ich drücke dir die Daumen, dass du in der Klinik jemanden triffst (egal welchen Geschlechts) dem du dich öffnen kannst.

Hast du eine Ahnung, was der Traum bedeuten könnte? Hast du daran irgendwelche Erinnerungen?

Na klar. 5 Jahre sind lang. Du bist 30. Ok. Aber es ist doch gut, wenn du in die Klinik gehst und weiterhin an dir arbeitest. Das zeigt, dass du einen starken Charakter hast und einen starken Lebenswillen. Klar mag der schwankend sein. Aber er ist da. BTW: Ich bin 34 und arbeite auch noch daran. Daher denke ich, dass ich deine Sorgen nachvollziehen kann.

Wenn ich ehrlich sein darf, habe ich ambivalente Gefühle, wenn ich dein Geschriebenes zu deiner Ex-Freundin lese. Ich kann es nachvollziehen, wenn du an einer Person hängst, die du noch immer liebst und dir dir gut tut! Die Frage, die bei mir aufgekommen ist, war aber, ob du mit der Person dein Trauma reinszenierst? Das wäre nicht gut für dein Wohlbefinden. Und dann weiß ich auch nicht, ob es tatsächlich Liebe oder die damalige Ahängigkeit und Liebe mit der Koppelung von Gewalt triggert. Vielleicht ist es auch beides oder du kannst es zu diesem Zeitpunkt selbst schlecht unterscheiden. Alles wäre ok und gehört auf dem Heilungsprozess leider oftmals dazu. Ich wollte dir nur den Gedanken hierlassen, weil du nach Gesprächen suchst. Wenn es dich zu sehr belastet oder du nichts damit anfangen kannst, überlies es gerne oder sag mir Bescheid und dann lösche ich den Teil!

Ich wäre und war auch wütend, wenn mir keiner zuhört oder mir seine konstruierte Wahrheit versucht einzureden. Aber du bist nicht alleine. Es geht vielen so; unabhängig vom Geschlecht. Ich kann leider auch noch keine Wut auf meinen Täter empfinden; aber da möchte ich hin. Falls du einen Tip hast, kannst du mir den gerne sagen. Wenn mir was einfällt, sag ich es dir, wenn du magst :) Ich wünsche mir für dich, dass du die Wut loswerden kannst und sie an die Personen richten kannst, die es treffen sollte. Stille Wut empfinde ich nämlich als ganz schlimm. Insofern ist es für mich nicht verwunderlich, dass du dich ruhiger und angespannter zur selben Zeit fühlst. Es scheinen einfach zuviele Emotionen blockiert zu sein.

Ein paar Fragen:
- Bist du gerade in Therapie?
- Hast du schonmal mit einem Freund/In drüber gesprochen? Wie haben sie reagiert?
- Was hat dir geholfen?
- Was würdest du dir momentan wünschen?
- Was kannst du genau heute und morgen für eine Kleinigkeit tun, dass dich zufriedener macht, um den Strohhalm bunt zu färben und ihn nach Lust und Laune in die Hand zu nehmen, damit du mehr Kraft hast?

GLG Aoí

aoi
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Re: Innerer Monolog

Beitrag von aoi » Sa Mär 16, 2019 12:15 pm

Lieber wayward affinity,
wayward affinity hat geschrieben:
Fr Mär 15, 2019 10:19 pm
(editiert; fühl mich fast gezwungen hier was zu sagen, da ich mich meist als einziger Kerl hier empfinde und mich langsam frage obs normal ist soviel sentimentale Monologe von mir zu geben.)

Monologe niederschreiben hilft tatsächlich manchmal. Und wenns einem selber nicht hilft, dann evt jemand anderem.
klar ist das normal. Und klar hilft uns das auch! :) Freu mich auf deinen nächsten Kommentar.
LG und mach dir keine unbegründeten Gedanken.

Aoí

Lichtschein unl.

Re: Innerer Monolog

Beitrag von Lichtschein unl. » Sa Mär 16, 2019 12:48 pm

Lieber Bugs,
Ich kann gerade nicht viel schreiben, wollt nur sagen, dass ich Dich gelesen habe.
Wie würdest Du den Traum deuten, den Du beschreibst. Münzen stehen doch auch für Lohn und Erfolg, oder?
LG Lichtschein

Bugs
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Re: Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » Sa Mär 16, 2019 1:37 pm

Guten Morgen :)


Liebe aoi,
aoi hat geschrieben:
Sa Mär 16, 2019 12:14 pm
Es tut mir leid zu hören, dass du das Gefühl hast mit keinem reden zu können. Das ist ja generell seeehr schwierig bei dem Thema. Aber ich kann mir vorstellen, dass SMB bei Jungen/Männern noch stärker tabuisiert ist, so dass es noch schwerer ist oder schwerer scheint.
Ich persönlich empfinde das nicht als stärkeres Tabu. Zumindest habe ich es so nicht von der Gesellschaft gespürt. Das Tabu Missbrauch an Kindern ist bereits groß genug. Da wird dann Kastration und Todesstrafe gefordert und gesagt schlimm, schlimm, aber die Differenzierungen und weitergehende Auseinandersetzung mit dem Thema findet nicht statt. Das waren meine Erfahrungen.
Was ich als schwierig empfinde ist, dass Frauen (oder zumindest meine Täterin) anders missbrauchen als Männer. Meiner Täterin ging es nicht nur um Befriedigung der Triebe und Macht. Sie wollte vielmehr eine Beziehung zu mir aufbauen. Sie hat mich (und das macht es für mich so schwierig) wie einen Beziehungspartner behandelt. Mit Fürsorge, Witzen, Zärtlichkeit... (Wir haben sogar eine Heirat nachgespielt).
Zudem war sie Erzieherin und kannte die Bedürfnisse von Kindern sehr gut. Sie hat mich sozusagen über Jahre vorbereitet.
Darum ist das Thema Partnerin bei mir so verseucht.
aoi hat geschrieben:
Sa Mär 16, 2019 12:14 pm
Wenn ich ehrlich sein darf, habe ich ambivalente Gefühle, wenn ich dein Geschriebenes zu deiner Ex-Freundin lese. Ich kann es nachvollziehen, wenn du an einer Person hängst, die du noch immer liebst und dir dir gut tut! Die Frage, die bei mir aufgekommen ist, war aber, ob du mit der Person dein Trauma reinszenierst? Das wäre nicht gut für dein Wohlbefinden. Und dann weiß ich auch nicht, ob es tatsächlich Liebe oder die damalige Ahängigkeit und Liebe mit der Koppelung von Gewalt triggert. Vielleicht ist es auch beides oder du kannst es zu diesem Zeitpunkt selbst schlecht unterscheiden. Alles wäre ok und gehört auf dem Heilungsprozess leider oftmals dazu. Ich wollte dir nur den Gedanken hierlassen, weil du nach Gesprächen suchst. Wenn es dich zu sehr belastet oder du nichts damit anfangen kannst, überlies es gerne oder sag mir Bescheid und dann lösche ich den Teil!
Wenn es denn meine Ex-Freundin gewesen wäre. So weit ist es ja nicht gekommen. Noch nie. Ich habe bisher in meinem Leben noch keine Beziehung geführt. Geschweige denn ein Date gehabt. Dabei würde ich sagen, dass eine Frau mit mir als Partner sich, glaube ich, sehr glücklich und erfüllt fühlen würde.
Heute weiß ich warum ich so oft gescheitert bin oder sich die Frauen gegen mich entschieden haben. Ich weiß auch, was für eine Partnerin ich mir wünschen würde und welche mir gut tut. Ich sehe mich (mit Unterstützung) schon in der Lage eine reife und vom Trauma befreite, gesunde Beziehung zu führen.
aoi hat geschrieben:
Sa Mär 16, 2019 12:14 pm
Hast du eine Ahnung, was der Traum bedeuten könnte? Hast du daran irgendwelche Erinnerungen?
Ich erinnere mich dabei eher an ein Gefühl welches ich während des Traumes hatte. Es fühlte sich leer und einsam an. Ereignislos. Obwohl ich voran komme, erlange ich am Ende kein Gefühl von Liebe, Geborgenheit oder Glück.
aoi hat geschrieben:
Sa Mär 16, 2019 12:14 pm
Ich wäre und war auch wütend, wenn mir keiner zuhört oder mir seine konstruierte Wahrheit versucht einzureden. Aber du bist nicht alleine. Es geht vielen so; unabhängig vom Geschlecht. Ich kann leider auch noch keine Wut auf meinen Täter empfinden; aber da möchte ich hin. Falls du einen Tip hast, kannst du mir den gerne sagen. Wenn mir was einfällt, sag ich es dir, wenn du magst :) Ich wünsche mir für dich, dass du die Wut loswerden kannst und sie an die Personen richten kannst, die es treffen sollte. Stille Wut empfinde ich nämlich als ganz schlimm. Insofern ist es für mich nicht verwunderlich, dass du dich ruhiger und angespannter zur selben Zeit fühlst. Es scheinen einfach zuviele Emotionen blockiert zu sein.
Als erste Maßnahme habe ich mir einen Heimtrainer/Ergometer bestellt. Vielleicht kann ich so etwas ausgeglichener werden. Meine unverarbeiteten Emotionen erst einmal in den Sport legen.
Ansonsten stelle ich mir mein Gegenüber einfach als Täter vor, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle und lasse dann meine Wut los. Das hat ganz gut funktioniert als ich letztens mit meiner Assistenz geredet habe. Sie hat nicht so reagiert wie ich es mir gewünscht hatte. Dann habe ich mir vorgestellt wie sie eine Täterin wäre, von meinen mb erzählt und vom Gefängnis, Unmenschlichkeit oder verkorkstem Leben. Ich weiß nicht ob sie das gemerkt hat oder ich sie vorgeführt habe, aber es hat irgendwie gut getan.

aoi hat geschrieben:
Sa Mär 16, 2019 12:14 pm
Ein paar Fragen:
- Bist du gerade in Therapie?
- Hast du schonmal mit einem Freund/In drüber gesprochen? Wie haben sie reagiert?
- Was hat dir geholfen?
- Was würdest du dir momentan wünschen?
- Was kannst du genau heute und morgen für eine Kleinigkeit tun, dass dich zufriedener macht, um den Strohhalm bunt zu färben und ihn nach Lust und Laune in die Hand zu nehmen, damit du mehr Kraft hast?
Ich bin auf der Warteliste.
Ja, habe ich. Sie reagierten kurz und angebunden. Ich habe gespürt, dass sie nicht darüber reden wollen.
Mir hilft Musik, Phantasie, Sport, gute Gespräche, leckeres Essen, ein gesunder Schlafrhythmus, hin und wieder tanzen zu gehen (in der Menge untertauchen), anderen zu helfen oder nette kleine Gesten im Alltag, eine geregelte Tagesstruktur, Humor, das Schreiben und noch so manches andere.
Ich würde mir Gewissheit in meinem Fall wünschen. Und eine zweite Chance bei der netten Frau, welche ich auf der Arbeit kennengelernt habe :wink:
Ich imaginiere viel. Bleibe optimistisch. Bringe mich selbst oder versuche andere zum Lachen zu bringen. Und ich denke trotzdem mehr an die schönen als an die schlechten Sachen.
Vielen Dank für deine Antwort!
Lichtschein unl. hat geschrieben:
Sa Mär 16, 2019 12:48 pm
Lieber Bugs,
Ich kann gerade nicht viel schreiben, wollt nur sagen, dass ich Dich gelesen habe.
Wie würdest Du den Traum deuten, den Du beschreibst. Münzen stehen doch auch für Lohn und Erfolg, oder?
LG Lichtschein
Hallo Lichtschein,
Das stimmt. So habe ich das noch nicht gesehen. Danke für deinen Input.

Ich wünsche weiterhin allen viel Kraft und ein sonniges Gemüt. Der Frühling naht :)

Bugs
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Re: Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » Sa Mär 16, 2019 3:11 pm

Mir ist langweilig. Was soll man auch machen. Hartz IV und warten. Samstagnachmittag und draußen geht die Welt unter... äh, seinen Gang. Schreibe ich eben noch ein bisschen aus meinen Leben... Gute Idee, sage ich mir. Das ist mein Raum. Und wenn ich hier zehn Posts am Tag reinstelle... Fühlt sich nach Freiheit an.

Kaffee und Zigaretten. Ein bisschen Musik nebenbei. Stöbern im Internet. Aufpassen im Internet. Nicht Zuviel Input. So laufen bei mir die meisten Tage morgens nach dem aufstehen. Nach dem aufstehen. Das ist momentan so bei Zwölf rum. Ich denke ich habe eine leichte Schlafstörung entwickelt.
Ich kann nachts im Bett nicht aufhören zu denken. Erlebtes erneut zu durchleben. Ich sollte eigentlich der Zukunft zugewandt sein, lebe aber in der Vergangenheit und denke an alles mögliche. Die Zeit spielt keine Rolle mehr. Ich bemühe mich um Normalität. Vielleicht hilft ein Buch vor dem einschlafen?! Ich hab hier noch 'Ein Mann namens Ove' rumliegen. Von meiner Schwester. Und dazu der gute Schlaf und Nerventee.

Ich bin noch leicht erkältet. Sonst hätte es mich vielleicht nach draußen getrieben heute Nacht. Ach, es wär auch am Geld gescheitert. Vielleicht meine lügende Mutter anrufen. Um Geld bitten. Kurz das Befinden austauschen. Aber sie belügt mich... :( Vielleicht doch nicht anrufen.
Aber ich bin doch ihr Kind. Ich schätze meine Mutter eigentlich so ein, dass sie mich schon lieb hat und nur mein Bestes möchte. Diese Ambivalenz macht mich fertig.

Mein Mitbewohner hat sich Whiskey Cola gekauft. Er wird heute trinken. Und er wird wieder laut werden. Ich verfluche ihn.

Ich habe gestern noch mein Zimmer umgestellt. Die Couch ist jetzt nicht mehr zum Computer ausgerichtet. Das nimmt den Fokus. Gefällt mir ganz gut. Ich habe nur gemerkt wie schnell ich erschöpft danach war. Das gibt mir zu denken. Schaffe ich eine Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt? Acht Stunden täglich..puh. Jedoch hat mir Arbeit immer viel gegeben. Es ist eine große Stufe. Aber nun gut. Dieses Jahr wird es sowieso nicht passieren. Dieses Jahr ist Therapie und Hartz angesagt. Und Sport. Seeehr viel Sport. Ich will wieder einen fitten Körper haben!

Ja.. Was kann ich denn so schönes machen mit meinen Leben. So viel Zeit. So wenig Lust und Antrieb. Angst ist auch da. Ach, es ist zum Mäusemelken. Vielleicht schreibe ich nachher eine Kurzgeschichte und stelle sie hier rein. Weiß nicht. Meine Schizophrenie will mir manchmal noch einflüstern, dass die Chinesen oder sonstwer meinen Computer ausspionieren. Das nimmt die Lust. Ich darf nicht so eine Scheiße denken.

Noch eine rauchen. Herrgott. Wenn ich weiter so rauche werde ich nicht alt. Fix die Medikamente genommen. Ja, ich bin ein braver Patient. Fein gemacht. Die Scheiß Dickmacherpillen. Verflucht sei auch der Psychiater welcher meinen Hinweis auf den Missbrauch einfach ignoriert hat.

Gleich erstmal duschen. Rasieren. Und dann raus mein letztes Geld für Tabak ausgeben. Vorher noch frühstücken. Zwei Brötchen, eine Banane, ein Ei und ein großes Glas Wasser. Danach vielleicht noch ein bisschen Schach trainieren. Ich werde es wohl nie können. Aber es beschäftigt mich und irgendwie macht es mir Spaß.

Okay. Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Ich starre schon wieder stumpf vor mich hin. Ich setz mir jetzt noch einen Kaffee auf, lüfte ein bisschen durch und dann … werde ich vermutlich weiter vor mich hin starren. Wie so eine unbeschäftigte Wohnungskatze. *miau*

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Re: Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » Sa Mär 16, 2019 5:15 pm

*Lobeshymne auf mich selbst*

Ich mag mich. Ich finde, dass ich ein ziemlich gut geratener Mensch geworden bin. Trotz der widrigen Umstände.
Ich verstehe gar nicht warum ich so alleine bin. Eigentlich sollten die die mich kennen meine Nähe suchen. Sie wissen gar nicht was sie verpassen.
Ja, das wird es sein. Sie kennen mich nicht gut genug. Solange habe ich eben mit mir selber Spaß. Ich bin mir selbst ein guter Freund.
Ich kann anpacken. Für andere da sein. Zuhören. Gute Laune verbreiten. Trauer zulassen. Allgemein bin ich eine sehr gefühlvolle Person.
Ich denke... früher konnte ich andere nicht so an mich ranlassen. Heute schon. Komm her, sag ich. Oder bleib auf Distanz. Das geht beides.
Bei mir darf jeder ganz sie oder er selbst sein. Vielleicht kommt sie ja doch noch. Die bessere Zeit. Und ich bin dann irgendwie einfach dabei.
Es muss doch eine Lösung geben. Das kann ich auch gut. Probleme lösen. Da muss es doch einen Weg geben.
Ich sage mir einfach selbst: Bleib so wie du bist. Du bist gut! Die Introjekte sind merkwürdig, aber du weißt es besser :)
Ich bin in Ordnung. :arrow: :D

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Re: Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » So Mär 17, 2019 5:26 pm

Gestern Nacht. Ich lege mich hin und es geht wieder los. Es ist zum verzweifeln. Körpererinnerungen, dann die Bilder... und schließlich Verwirrung. Spinn ich oder ist das Realität gewesen. Grübeln. Nicht schlafen können. Es wird langsam wieder hell draußen. Vielleicht hilft ein wenig Alkohol. Ich wache auf, es ist 16 Uhr.

In einer Doku über die Operation Zersetzung der Stasi heißt es: ,,Du sollst hoffen. Hoffen, enttäuscht werden und daran zerbrechen."
https://www.youtube.com/watch?v=2C54m-81JC0&t=1990s <-- Wen es interessiert.

Ich hoffe noch. Mache mir aber nichts vor und bereite mich auf die Leere vor. So kann ich nicht enttäuscht werden. Ich bereite mich vor auf die Zeit nach der Verzweiflung, dem Hass, der Angst. Das wird schließlich die Leere sein. Die Zeit geht jetzt schon in Lichtgeschwindigkeit an mir vorüber ohne, dass ich voran komme. Ich muss aufhören, mir etwas vorzumachen. Es wird nichts passieren. Nichts! Ich kann an meinen Symptomen, an meiner Krankheit und an der Vergangenheit arbeiten. Jahre. Ich werde in dieser Mistwohnung noch eine ganze Weile zurande kommen müssen.
So habe ich noch diesem Raum hier im Forum. In dem alle versuchen zurechtzukommen. In diesem Sumpf. Ich frage mich, ob es welche daraus geschafft haben. Ob sie noch glücklich wurden oder einfach nur noch akzeptiert und integriert haben.
Das und jenes habe ich mir mit 20 vorgestellt. Dann kam es anders. Dieses und jenes für 30. Es kam wieder anders. Das für 40. Leider nichts. Dann bin ich irgendwann 50 und es wird so sein wie es eben ist. Immerhin kann ich dann vielleicht um 7 Uhr aufstehen und mich an einem Spaziergang im Park und für das Glück der anderen freuen.

Hm.

Wieder rauchen. Wieder Medikamente. Wieder Kaffee.
Wieder vor mich hinstarren und unbeschäftigte Wohnungskatze sein.

Ich glaube für heute Nacht lasse ich es einfach gut sein und lege mich nicht um 22 Uhr ins Bett. Ich werde nicht schlafen können. Ich zock einfach irgendwas bis 4 Uhr Nachts und richte mich dann eben in diesem beknackten Rhythmus ein. Ich müsste eigentlich durchgehend in irgendeiner Anstalt oder Klinik mit getakteter Struktur sein. Aber das geht ja nicht. Immer nur ein paar Wochen oder Monate und dann wieder in ein Loch fallen. Dann am Rande des Nervenzusammenbruchs kommen und wieder in die Klinik. Tadaaaa, der Drehtürpatient ist fertig. Ich komme mir vor wie ein lebendiges Mahnmal.

Das wars. Der Sonntag wird auch nichts mehr bringen außer Scheiße.

Glühwürmchen

Re: Innerer Monolog

Beitrag von Glühwürmchen » So Mär 17, 2019 5:55 pm

Bugs, bei mir ging das "Öffnen" folgendermaßen, eine Freundin d´sagte plötzlich, ihr Opa sei gestorben, sie ist an sein Tdenbett im Krankenhaus, wenige Stunden bevor er starb und sie sagte ihm ....er soll all die Schmerzen spüren, die er ihr angetan hat, wenn er "geht". Für sie war es eine Art Ventil, ihm in seinen letzten Stunden noch den Teufel mit auf die Reise zu schicken. Das klang so gut, so gut nach "gerechter Rache". Ich habe nicht nachgedacht einfach nur gesagt, "ich wurde auch missbraucht". So hab ich es das erste Mal ausgesprochen. Da war ich schon ü 30 und passiert war es mit9/10...

Ich hatte auch mal einen Freund und wusste das er missbraucht worden war. Ich dachte erst WOW das passt, der versteht mich...ich musste aber lernen, das sich zwei verletzte Seelen nicht unbedingt ggs heilen können. Das geht meiner Meinung nach nur, wenn beide ganz offen über jedes Detail sprechen.
Da ich den Mut fand ihm alles zu erzählen, fand ich es ungerecht, das er sich jedes Wort aus der Nase ziehen ließ. War zwar sein gutes Recht, aber es half mir nicht, denn ich wollte ihm ja auch beistehen, ihn trösten. Aber er gab mir keine Chance. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass er zuviel weis, und ich zu wenig. Ich fühlte mich betrogen. Ich hab ihn unter Druck gesetzt (was falsch ist) ich war einfach so enttäuscht das ich mich geöffnet hatte und er nicht. Ich wusste nur die groben Umrisse der Ereignisse was ihm passiert war, aber ich hatte das Gefühl ich kann damit nicht leben, wenn er mir was verschweigt. So trennte ich mich von ihm. Ich hab ihn noch immer sehr lieb, aber Vertrauen konnte ich so nicht aufbauen. Ich hab alles versucht mich selbst voll geöffnet ihm ggü, weil ich dachte es würde ihm helfen sich auch komplett zu öffnen.

Doch es blieb dabei...zwei verletzte Seelen...man möchte sooo gern glauben, das gerade zwei Menschen die gleich verletzt wurden sich verstehen müssten, besser als jem. der nie Missbrauch erleben musste, aber es ging nicht. Ich denke oft an ihn. Er hat immer einen Platz in meinem Herzen, nur war er eben nicht der Richtige für mich. Ich will und muss drüber reden, seit ich für mich beschlossen habe, es anzugehen, das alles zu begreifen und zu beginnen es zu verarbeiten.

Aus meiner bescheidenen Sicht, kann ich dir nur sagen, ich würde dich sofort lieb haben und ganz viel mit dir reden und dich jede Sekunde umarmen um dir zu sagen wie liebenswürdig du bist. Ich kann nur mit dem Schweigen eines Partners nicht umgehen. Deshalb...REDE (schreibe) es dir von der Seele, es tut nicht nur dir gut, sondern auch einem Partner. Nur wenn dein Partner/Partnerin weiß was dich belastet, kann man daran arbeiten und einen gemeinsamen Weg finden. Es ist gut, das du schreibst...der nächste Schritt kommt von ganz allein...auch wenn man dazu ne Flasche Schnaps braucht ;) (hat mir auch geholfen um locker zu werden).
Das ist ok, den Alkohol brauchst du spätestens dann nicht mehr, wenn dich jemand liebt und du denjeneigen auch.
Das wünsche ich dir von Herzen.
GGLG
Glühwürmchen

Bugs
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Re: Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » So Mär 17, 2019 6:07 pm

Hallo Glühwürmchen

Vielen Dank für deine lieben Worte.

Glühwürmchen

Re: Innerer Monolog

Beitrag von Glühwürmchen » So Mär 17, 2019 6:14 pm

Gerne Bugs. Fühl dich gedrückt. Schreib mir einfach wenn du "reden" willst.

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Re: Innerer Monolog

Beitrag von Bugs » So Mär 17, 2019 7:18 pm

Mir wurde einmal empfohlen, alle meine Flashbacks aufzuschreiben und für den Fall der Fälle zu sortieren, mit Datum und eventuellen Auslöser zu versehen. Ich bin jetzt bei 131 einzelnen Szenen... :?

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Ich kann mich erinnern, dass ich von den Tätern zu einem Urlaub eingeladen worden bin.

Wie lange ging die Scheiße bitte... Ein Wochenende... Eine Woche? Zwei?!?

So eine riesen Scheiße. Da hab ich doch noch Ewigkeiten was von. Wo soll das bitte hinführen?
Ich nehme es ja schon möglichst nüchtern und sachlich.. aber irgendwie..

Glühwürmchen

Re: Innerer Monolog

Beitrag von Glühwürmchen » So Mär 17, 2019 7:31 pm

Alles was du tust ist RICHTIG. Aufschreiben ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Ich hab das auch gemacht. Allerdings in der Form eines Buches. Darin ging es einem Protagonisten (Mann) so wie mir (Frau). Also verkehrte Welt aber es half...es wurde immer mehr Erinnerungen die ich aus meinen Schubladen im Kopf kramen konnte, es hat so sehr geholfen.
Am Ende hatte die Figur meines Buches ein trauriges Ende....so will ich selbst nicht enden, auch wenn ich es so geschrieben hab...ich habe beschlossen zu kämpfen, koste es was es wolle.

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