Ein Hauch von Nichts und Nahtod * triggert*

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Aufatmende
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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Aufatmende » So Sep 09, 2018 5:20 pm

Die Zärtliche und die Befreite verschmelzen nicht zu einer Person. Aber ich fürchte, mit geteilter Kraft kann ich meiner Mutter (Die schon gestorben ist) nicht gegenübertreten. Ich als Erwachsene mit den beiden Anteilen als Zuschauerinnen. Ach je , was ist das kompliziert :? und dauert so elend lange :( ! Wenigstens habe ich mich am Wochenende konsequent ausgeruht.
Habt ihr eine Idee, was ich noch tun kann?
Rückfälle sind Vorfälle!

Gast

Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Gast » So Sep 09, 2018 5:27 pm

Hallo du,

mir fällt spontan der Begriff "Dreieinigkeit" ein. Die Zahl drei ist spirituell gesehen eine heilige kraftvolle Zahl. Wenn ihr drei euch bewusst verbindet (nicht verschmelzen), dann kann das kraftvoller sein, als wenn du alleine als Erwachsene mit nur einem Anteil deiner Mutter gegenüber trittst.

Liebe Grüße
Sayeda

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Dorie
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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Dorie » So Sep 09, 2018 6:04 pm

Die Idee von Sayeda find ich richtig gut. Das mach ich in meiner Therapie auch. Ich verbinde mich mit der kleinen und das ist stärker, als wenn sie oder ich das allein machen.
Träume nicht dein Leben,sondern lebe deinen Traum


Gib mir die Gelassenheit,Dinge hinzunehmen,die ich nicht ändern kann.
Gib mir den Mut,Dinge zu ändern,die ich ändern kann.
Gib mir die Weisheit,das eine vom anderen zu unterscheiden.

Aufatmende
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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Aufatmende » Mo Sep 10, 2018 9:55 am

"Christus in mir" ohne diese Vorstellung, dass Jesus gelitten hat wie ich, ohne die Vorstellung, dass in allem Schrecken Gottes Engel da waren, hätte ich niemals die Zuversicht und den Mut aufgebracht, soweit zu gehen. Zu dritt ist man stark, das stimmt. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es praktisch nicht möglich ist, sich parallel um zwei verschiedene Anteile zu kümmern.
Heute morgen habe ich bewusst die Zärtliche und die Befreite mit zum Duschen genommen. Und mich hinterher langsam und achtsam eingecremt. Es fühlt sich an, als würde sich meine Wahrnehmung herunter regeln, auch wenn ich das Gefühl hatte, die beiden sind dabei.
Rückfälle sind Vorfälle!

lara64unl

Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von lara64unl » Mo Sep 10, 2018 3:55 pm

Hallo Aufatmende,

Johannes 15,3

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, in dem bleibe ich. Damit ihr gute Frucht tragt.

Dieses: Du in mir und ich in dir. Als Gebet oft meine Lebensversicherung.
Nicht nur ER ist in mir, auch WIR sind in ihm aufgehoben.

Er trägt auch dich gerade sehr.

Shalom- lara64

Gast

Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Gast » Mo Sep 10, 2018 8:05 pm

Hallo Aufatmende,

ich befürchte, dann gibt es keine Abkürzung und jeder Anteil braucht alleine diese Konfrontation. Vielleicht kannst du den anderen das in sicherer Entfernung beobachten lassen. Mit so einer Art "Fernsehübertragung"? Vielleicht reicht das dann auch aus bzw. geht dann auch für dich.

LG, sayeda

Gast

Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Gast » Di Sep 11, 2018 7:57 pm

Hallo Aufatmende,

wie war es heute?

LG, sayeda

Aufatmende
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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Aufatmende » Di Sep 11, 2018 7:59 pm

Durchgekommen. Der Mutter in die Augen gesehen und sie konfrontiert. Die Innenkinder in Sicherheit und verbunden. sie heißt jetzt: die Heile.
Das Haus angezündet und die Mutter mit. Und als ich allein war, strebte ihre Seele, ihr guten Seiten auf einem weißen Einhorn in den Himmel.
Vielleicht morgen mehr.
Rückfälle sind Vorfälle!

Aufatmende
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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Aufatmende » Mi Sep 12, 2018 5:33 pm

Das Innenkind, das Seife essen musste, hat seine Hand in meine gelegt und blickt zu mir auf. Ich glaube, es wird noch einiges auftauchen, das ich integriert hatte, so gut es ging. Jetzt kann ich dorthin noch einmal zurück gehen, wo es nötig ist, meiner Mutter in die Augen sehen, ihr Einhalt gebieten und sie zur Verantwortung ziehen. Ich selber, vielleicht mit anderen Helfern als Begleitung. Aber in Ruhe und wenn ich wieder Kraft habe!
Gestern Nachmittag habe ich zwei Stunden am Stück geschlafen.

Die Hexe ist tot. Wir haben sie verbrannt. Das Haus verbrannt. Mama war auch geteilt. Sie war total unberechenbar. Sie war nur lebendig, wenn sie Klavier gespielt hat. Ihre Musik ist in meinen Ohren. Ihre Seele reitet auf einem weißen Einhorn gen Himmel. So körperlos durchscheinend und lichtvoll wie mein eigener schwebender Teil.
Ich will das gar nicht, dass etwas von ihr übrig bleibt. Es passiert einfach. Der Teil von ihr, der bei Gott ankommt. Sie wird sich vor Gott verantworten müssen.
Du bist Eine. Einfach so. Mit einem weißen Sommerkleid, weil dir jetzt warm ist und du jetzt weißt, dass du unschuldig bist. Ich kann den Wintermantel, die Stiefel, die Handschuhe, den Schal und den Fahrradhelm ausziehen und dalassen. Auch mein Sommerkleid anziehen. Du hüpfst auf einem Kreidefeld. In der Imagination kann ich sogar mit dir hüpfen. Aber ich möchte nicht auf dieser Straße vor meinem Elternhaus hüpfen, selbst wenn da nur noch ein Aschenhaufen und Steine liegen. Ich möchte am sicheren inneren Ort hüpfen.

Zusammengehörig, verbunden, das ist alles viel zu sperrig. ich habe einen ganz einfachen Namen: ich heiße „die Heile“. Du bist noch mehr, du bist gleichzeitig „die Heilende“, weil du schon längst da bleibst, wo viele andere gehen. Da, wo Schmerzen sind, Trauer und Krankheit. Du kannst längst trösten. Nur dich selber am schlechtesten.
Was wir uns mit Frau S. ausgedacht haben, war nur in meinem Kopf, wie ein Märchen. In meinen Gefühlen. In meinen Tränen. So, dass bei euch, bei dir ankommt: es ist vorbei. Ich kann mich wehren. Es ist heute dennoch sicher, auch wenn es schwer ist, mein Verhalten zu ändern.
Es fühlt sich an, als würden meine Rippen auseinander streben. Als müsste ich mich nicht mehr zusammenreißen.


Mama hat zuerst nur auf ihre Füße geguckt. Und du konntest sie ebenfalls nicht ansehen. Es war gut, dass wir zuerst nur vor dem Fernseher am sicheren inneren Ort gesessen haben. Bis du auf dem Podest gestanden hast und die Helfer Mama eingehakt hatten. Bis du gewachsen bist und Mama geschrumpft ist.

Ich konnte mich meiner Therapeutin anvertrauen, selbst da, wo es praktisch ausgeschlossen war, weiterzugehen: über die Resignation hinaus in die Konfrontation. Dabei war die simple Frage: „Wie sieht das Gesicht Ihrer Mutter aus?“, fast unmöglich zu beantworten.
Aber du hast es geschafft! Wir sind total stolz auf dich!
Ihr wechselt: mal seid ihr zwei und mal eine.
Wir folgen nur der Chronologie. Jetzt bin ich Eine, eine Heile und bleibe es auch!
Es wäre ein kleines Wunder, wenn es mit meinem Körpertonus ebenso bliebe. Ich habe mich heute Morgen auf meine Gymnastikmatte gelegt und konnte meine Beine fast schmerzfrei ausstrecken. Das geht sonst frühestens Mittags und braucht 5 bis 25 Minuten Gymnastik, bis es überhaupt funktioniert. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so „flach“ gelegen habe. Selbst nach Feldenkrais-Einzeltherapie! Das ist doch total krass, dass der Körper die Spannung abspeichert und mit Zeit und vielen verschiedenen Übungen nur bedingt loslässt und nach der Sitzung, die mich mehrfach absolut an meine Grenze gebracht hat, ist ein gehöriger Teil der Spannung wie weggeblasen!

Ist das wichtig für euch, dass ich aufschreibe, was ich Mama gesagt habe?
Nein, du hast es ja vorher schon oft genug gedacht. Aber jetzt bist du ihr als erwachsene Frau gegenüber getreten, bist für uns eingetreten. Hast für uns gesorgt.
Du hattest ihr sogar vorher vergeben.
Ich weiß. Das war Blödsinn. Das war der Versuch, einen Abschluss herzustellen, etwas denkend zu lösen, dem ich fühlend nicht gewachsen war.
Ich nehme die Vergebung zurück! Ich will nicht verstehen, warum es so war, es schon gar nicht entschuldigen. Ich bleibe Zeugin der Anklage vor dem Himmel, vor dem Gericht, auf dem ich bestehe! Wenn es einen liebenden Gott gibt, dann muss er zwingend auch gerecht sein!
Ich lasse trotzdem los, was passiert ist! Ich muss nicht vergeben, um mit meiner Mutter abzuschließen.
Das hat gestern gefehlt:

DU HAST MIR MEIN KIND GESTOHLEN! DABEI GEHOLFEN, DASS ER ES AUS MIR RAUSPRÜGELT!
Das hat gefehlt, weil es nicht zu uns gehört.

Ich war heute extremst zerstreut bei der Arbeit. Eigentlich hätte ich zu Hause bleiben sollen, aber ich wollte den anderen keinen Stress machen. Stattdessen habe ich mich schon wieder mit meiner Kollegin gestritten. Das geht so nicht mehr weiter. Aber bevor ich dort etwas kläre, muss ich erstmal wieder auf sicheren Alltagsfüßen stehen. Einstweilen ist mir ausschließlich nach Schlafen.
Rückfälle sind Vorfälle!

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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Aufatmende » Do Sep 13, 2018 5:23 pm

Heute schon wieder Zoff mit der Kollegin und Überstunden. Wenn sich das nicht drastisch ändert, werde ich gehen. Dummerweise gibt es keine Alternative.
Rückfälle sind Vorfälle!

Aufatmende
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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Aufatmende » Do Sep 13, 2018 7:53 pm

Danke wildi
D.
Lara64
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Glitza
uarf-st
Wildwuchs
sayeda
Anna und Dorie
für's Lesen und Mitdenken und Teilen und Empören und Mitweinen.
Ihr habt mich alle ein wenig mit durchgetragen.
Jetzt möchte ich mich nur noch ausruhen.
Und freue mich natürlich weiter über euer Lesen und Schreiben.
Rückfälle sind Vorfälle!

D. unlog

Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von D. unlog » Do Sep 13, 2018 10:07 pm

Ich bin Dorie. Nicht das du denkst, sind 2. ;)

Ich finde es stark wie du deinen Weg gehst. Du schaffst sehr viel und wirst immer stärker, obwohl es sehr schwere Arbeit ist. Ich finde das macht sehr viel mut, gibt Hoffnung und ich hab dich im Glaubensthread gelesen und so konnte ich auch vieles verarbeiten.

Danke fürs teil nehmen dürfen und gönn dir deine Pause und erhol dich gut

Gast

Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Gast » Fr Sep 14, 2018 9:11 am

Hallo Aufatmende,

es liest sich alles so heilsam, geheilt ... gleichzeitig habe ich das Gefühl, es ist noch viel Trauer da, kann das sein?
Es fühlt sich an, als würden meine Rippen auseinander streben. Als müsste ich mich nicht mehr zusammenreißen.
Hier musste ich gleich an deinen Nick denken. Du kannst immer mehr aufatmen. Immer mehr Sauerstoff, Lebenskraft, in dich aufnehmen. Du kannst aufatmen, denn es ist vorbei! Du bist stark!

Zu deiner Kollegin: Ich weiß selbst, wie belastend solch eine Kollegin sein kann. Als ich solch eine Kollegin hatte, sah ich es als Übungsfeld für mich an, um Grenzen setzen zu lernen, um mich zu schützen. Denn das ist wichtig. Für dich!

LG, sayeda

lara64unl

Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von lara64unl » Fr Sep 14, 2018 10:52 pm

Hallo Aufatmende,

du hast vieles geleistet in den vergangenen Wochen das hat viel Kraft gekostet. Auszeit, Oasenorte und Pausen.
Musste heute sehr an dich denken. Habe die vergangenen Tage das Buch Tobit gelesen.
" Sei guteb Mutes, bei Gott ist die Zeit schon nahe dich zu heilen1 Nur Mut!! (Tobit 5,10)

Wünsche dir solche Erfahrungen, des immer heiler werdens und Orte an denen du nun Ruhen kannst.

Shalom - lara64

Aufatmende
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Re: Nahtod *triggert*

Beitrag von Aufatmende » Sa Sep 15, 2018 4:12 pm

@Dorie: schön, wenn ich dir Hoffnung gebe!
@sayeda: ja, ich bin sehr traurig und sehr müde. Dazu unten mehr.
@lara: gerade brauche ich gar keinen anderen Ort, sondern genieße die Zeit zu Hause. Das ist genug.

Es ist wieder einmal so, als wäre ein Schleier gelüftet worden. Ich rieche weiterhin mehr, das hat wohl auch etwas mit der Atmung zu tun, spüre meinen ganzen Rumpf viel intensiver, egal ob ich in Ruhe oder in Bewegung bin, war wieder ohne „Schutzmaßnahmen“ im Fitnessstudio und kann mich Welten besser lang auf dem Rücken ausstrecken, damit verbunden ist, dass ich mir meine Strümpfe und Schuhe besser anziehen kann.

Insgesamt war es grenzwertig, zu arbeiten. Ich konnte mich punktuell problemlos konzentrieren, aber Doku, Termine, der ganze Kleinkram hat mich extrem angestrengt, weil mein Arbeitsgedächtnis überlastet war. Ich bin, auch noch mit ca. 1 Überstunde pro Tag, jeweils nach Hause gekommen, habe etwas gegessen und habe danach 2 Stunden geschlafen.

Momentan ist es noch so, wie ein krankes, trauriges dreijähriges Kind zu tragen.
Du brauchst mich nicht zu tragen, ich bin in dir. Und ich bin dreizehn. Ich kenne nur so vieles in dir drin und um dich rum nicht. Ich brauche Zeit zum Fühlen. Zeit zum Traurig Sein.
Ja, ich spüre das: glücklich über das, was plötzlich erheblich anders ist und traurig darüber, was damals Schlimmes war und WIE kalt und erstarrt das gemacht hat. Wie der Körper diese Erstarrung eingefroren hat.
Der Körper ist mir egal. Die Kälte von Mama, die macht traurig. Und dass wir sie verbrennen mussten, um uns von ihr zu befreien.
Ich weiß, was hilft: der Trauerhund ist bei dir, der ist momentan so groß, dass man auf ihm reiten könnte und der heult schauerlich.
Klavier Spielen hilft. Uns an den gepflückten Äpfeln und dem Pfannkuchen freuen.

Ich hab dich lieb! Du sorgst gut für uns!
Leider noch zu viel mit Essen. Das geht noch immer nicht anders. Wird sich hoffentlich auch wieder einpendeln.
Das, was du über Nähe schreibst, so viel verschiedenes, ist das Gegenteil von dem, was wir mit Mama erlebt haben. Ich muss erstmal ausprobieren, ob ich so viel Nähe überhaupt aushalten kann!
Aber gegen zu viel Nähe, gegen Distanzlosigkeit und Grenzüberschreitung hilft kein Übergewicht, sondern freundliche Abgrenzung, wenn es denn nicht anders gelingt, eben auch unfreundliche. Das hat sogar am Donnerstag schon funktioniert. Da habe ich in der Teamsitzung ruhig drei Beispiele angeführt, wo jemand sich absolut danebenbenommen hat. Und da ich es vorher schon durchgegangen war, weil ich nicht wusste, wie klar ich denken und reagieren würde, ist es, hoffe ich, auch ohne Angriff rübergekommen.
Kein Wunder, dass ich so furchtbar müde bin. Diese Alltagsreibereien hatte ich schon nicht mehr auf dem Schirm.
Rückfälle sind Vorfälle!

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