Kann ich sie "retten"?

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
justme
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Kann ich sie "retten"?

Beitrag von justme » Do Okt 11, 2018 1:05 pm

Hallo zusammen

Ich brauche dringend Hilfe/ Erfahrungen bezüglich einer sehr schwierigen Situation mit meiner Freundin.
Ich möchte euch die ganze Vorgeschichte ersparen, daher nur die wichtigsten Infos:

Wir kennen uns seit 6 Monaten, sie wurde als kleines Kind sexuell missbraucht und vor 2,5 Jahren von ihrem damaligen Freund vergewaltigt (sie wollte noch keinen Sex, er hat kein "Nein" akzeptiert und sie eben wortwörtlich vergewaltigt). Seitdem hat sie starke Vertrauensprobleme bezüglich Beziehungen und ist leicht depressiv veranlagt. Ihre Art ist es, Probleme stets mit sich selbst auszumachen und sie kann in solchen Phasen keine Hilfe oder Nähe zulassen. Auch Selbstmordgedanken äußert sie oft. Sie hat sich bereits geritzt und kommuniziert ganz offen, dass ihr ihr Leben nicht viel wert ist.

Ich war seit 2,5 Jahren der erste Mensch, der sie wieder geöffnet hat. Wir hatten eine ganz normale Beziehung mit Sex, Kuscheln und sehr viel Nähe. Leider gab es oft Streit, weil ich Schwierigkeiten hatte, ihr gemäßigtes Tempo und ihre Probleme, Liebe zu zeigen, zu verarbeiten.
Letzten Freitag haben wir uns stark gestrittenund uns Samstag Morgen darauf geeinigt, eine kleine Pause einzulegen, damit beide etwas nachdenken können. Am selben Abend hat ein Betrunkener versucht, sie auf dem Weg zum Bahnhof zu vergewaltigen. Es schritt jemand ein, der Typ konnte nur ihre Strumpfhose zerreißen und sie im Intimbereich berühren, Gottseidank ist nicht mehr passiert.
Dieser Vorfall hat alle alten Erinnerungen wieder wachgerüttelt und alles, was wir zusammen erarbeitet hatten, ist in ihr zusammengebrochen. Sie hat mir zwei Tage darauf davon erzählt und direkt die Beziehung beendet. Begründung: Sie will es mir nicht antun, wieder von vorne anzufangen. Sie braucht Zeit für sich und die Streits der Vergangenheit haben sie verunsichert.

Wir haben uns auf eine Woche komplette Funkstille geeinigt, danach will sie vielleicht Freundachaft versuchen. Ich konnte bei dem Treffen nicht einmal den Arm um sie legen, ohne das sie zusammengezuckt und weggegangen ist. Sie sagte mir, sie habe noch Gefühle, aber es gehe für sie momentan einfach nicht mehr - die Verarbeitung der letzten Vergewaltigung habe 2 Jahre gedauert und wenn es dieses Mal ebenso lang dauere, würde ich nur leiden und die Gefühle würden sowieso verfliegen. Außerdem könne sie sich jetzt garnicht mehr bemühen, mir Liebe zu zeigen, da sie nun komplett blockiert sei.

Eins muss ich klarstellen: Ich liebe dieses Mädchen und bin bereit, diesen Weg mit ihr zu gehen. Egal wie hart es für mich wird und egal wie klein die Schritte sind, die wir gehen müssen. Ich habe schon einmal eine Beziehung über 1,5 Jahre ohne Sex geführt, weil die Partnerin dazu nicht bereit war. Ich weiß, worauf ich mich einlasse.

Jetzt zur Frage: Ich möchte nach der Woche Funkstille versuchen, sie wieder zu treffen und mich auf freundschaftlicher Ebene herantasten. Mein Plan ist es, ihr zu zeigen, dass sie mich mit ihren Problemen nicht kaputtmachen kann. Das war schon immer eine ihrer großen Sorgen. Zitat: "Ich ziehe Scheiße magisch an. Ich habe bisher alles kaputt gemacht und ziehe jeden nur runter."
Ich möchte ihr ganz langsam und vorsichtig näher kommen und einfach alles akzeptieren, was sie braucht. Wegen nichts mehr Stress machen und einfach ein guter Freund sein.

Könnt ihr mir generelle Erfajrungen und Tipps geben, wie ich mich verhalten soll? Was soll ich tun, was tunlichst meiden?
Diesen Sonntag ist es exakt 6 Monate her, dass wir uns kennengelernt haben. Ich wollte ihr kommentarlos eine Karte vor die Türe legen, mit nur wenigen Sätzen wie "ich hoffe du bist nicht sauer, dass ich die Pause unterbreche. Aber heute vor genau 6 Monaten haben wir uns kennengelernt. Ich will nur dass du weißt, dass ich an dich denke."
Kann ich das machen oder wäre es für sie ein Vertrauensbruch, weil ich die Pause störe?
Ich bin wirklich ratlos und habe Angst, ein so tolles Mädchen zu verlieren.

Wildi
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von Wildi » Do Okt 11, 2018 1:40 pm

Hallo justme,

zu deiner Frage in der Überschrift: Nein, du kannst sie nicht retten. Helfen muss leider sie sich selbst, zusammen mit Fachleuten.

Du kannst natürlich für sie da sein.

Ich fürchte, ihr wird es im Augenblick eher egal sein, wenn du sie an das Datum des Kennenlernens erinnerst. Ich bin schon um einiges älter und wurde vor zwei Jahren retraumatisiert – da war mir der Alltag eher egal, um es vorsichtig zu formulieren. Auch mit den Gefühlen anderer Menschen konnte ich wenig anfangen, weil ich einfach von meinen eigenen dermaßen überfordert war.

Stell dir vielleicht vor, dass dein Haus zusammengestürzt ist und du warst drin. Überall Staub und Chaos, du wurdest durch herabfallende Trümmer verletzt. Du hast Schmerzen, kennst dich nicht aus, hast Angst. – So ungefähr geht es ihr jetzt vielleicht.
Dieser Zustand dauert erst mal. Und so langsam versuchst du, dich zu orientieren, deine Schmerzen zu lindern, dir dein Haus, dein Leben wieder aufzubauen.

Deine Freundin hat vermutlich jetzt große seelische Schmerzen – ihr Haus ist gerade wieder eingestürzt. Sie ist jetzt quasi im Überlebensmodus.

Klar kannst du ihr gemeinsame Unternehmungen vorschlagen, vielleicht etwas Ruhiges, einen Spaziergang oder so. Aber an deiner Stelle würde ich mich darauf einrichten, dass deine eigenen Bedürfnisse bei ihr erst mal keinen besonders hohen Stellenwert haben.

Alles Gute!
Wildi

Peach
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von Peach » Do Okt 11, 2018 2:52 pm

Es steht glaube ich nirgendwo, wie alt sie ist oder du. Aber mir kam es beim lesen auch so vor, als seid ihr noch recht jung?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es der richtige Ansatz ist, jemanden retten zu wollen. Man rettet jmd aus einer Notsituation, meist ist die Person in der Situation eben schwach und hilfsbedürftig. Damit hast du gleich wieder ein Gefälle in der Beziehung. Um jetzt mit ihr zusammen zu sein bist du scheinbar bereit, dich komplett zurückzunehmen, Rücksicht auf sie zu nehmen, usw. Das ist löblich, aber es sieht für mich nicht nach einer Beziehung auf Augenhöhe aus. Gar nicht. Überspitzt gesagt - sie muss heilen und du musst sie heilen. Sie das Opfer und du der Ritter auf dem weißen Pferd. Und wie viel Zeit hat sie für diese "Aufgabe"? Oder du? Meiner Meinung nach legt das eben halt dann noch mehr Fokus auf all das Geschehene und zwar nicht nur in ihr, sondern auch in dir. Dass der Fokus bei ihr selbst darauf liegen wird und vllt auch erstmal muss (ich hoffe sie hat oder sucht sich professionelle Unterstützung) ist klar, aber die Gefahr besteht, dass du sie und eure Beziehung reduzierst, nur noch auf diese "Aufgabe", heil zu werden.

Warum willst du denn mit ihr zusammen sein? Was ist denn so besonders an ihr? Was kann sie gut und was gibt sie dir, dass du sie nicht verlieren möchtest? Ich persönlich fände diesen Ansatz viel hilfreicher, als nur zu schauen wie du die "arme, schwache, angeschlagene Person in ihrer schlimmen Leidsituation" unterstützen kannst.
Ich schreibe das total überspitzt und es klingt vielleicht sogar schon böse, aber die Gefahr ist halt schon auch gegeben, dass man mit in den Überlebensmodus geht und die geliebte Person nur noch in ihrem Leid und ihrer Not sieht, nur noch schont, nicht belasten will und sie dadurch letztlich reduziert.
Ich würde das nicht wollen und dennoch würde ich bestimmt merken, dass ich momentan aber nicht viel zu geben habe und um dieses Gefälle nicht aushalten zu müssen, würde ich auch lieber auf Abstand gehen. Manchmal ist es eben auch wichtig, als Betroffene wieder an den Punkt zu kommen, dass man sich als mehr sehen kann als als Opfer, als benutzt, entwertet, usw. Aber das kann ein weiter Weg sein und es ist anstrengend, ihn zu gehen und wenn man dann noch das Gefühl hat, man müsste aber für den Partner dies und das sein oder tun, dann ist es zu viel, wenn man es aber nicht tut, wo ist dann die Augenhöhe?

justme
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von justme » Do Okt 11, 2018 11:16 pm

Vielen Dank für eure beiden Antworten!
Die erste hilft mir enorm, sie und ihre Situation zu verstehen... Das öffnet mir ein bisschen die Augen.

Zur zweiten: diese Befürchtung hatte ich auch schon, dass eine Beziehung so natürlich nicht funktionieren kann. Deshalb hatte ich mir überlegt, ihr so stark und positiv entgegenzutreten, wie sie mich kennengelernt hat. Einfach der sein, in den sie sich verliebt hat und für den sie sich damals entschieden hat, ihre Mauern fallen zu lassen. Sie hat mir immer gesagt, dass mein unfassbarer Optimismus sie fasziniert und sie bei mir keine Angst hat, mich kaputtzumachen.
Sollte ich einfach versuchen, ihr die Freude zurückzubringen, sie quasi ein bisschen abzulenken und nur auf das Positive zu fokussieren während wir uns sehen? Und ihr das Gefühl geben, wertvoll zu sein? Also ihr das zeigen, was ich in ihr sehe?
Hatte mir sogar überlegt, ihr von meinen eigenen Erfahrungen mit sexuellen Missbrauch zu erzählen, die ich als Kind gemacht habe. Sie wäre die erste die es erfährt und vielleicht würde das eine Bindung aufbauen. Könnte sie aber genauso gut vollkommen überfordern in ihrer aktuell schon schwierigen Situation...

Zu den Fragen:
Ich bin Mitte 20, sie 20.
Warum ich unbedingt sie will und was sie so besonders macht? Keine Ahnung, ehrlich. Aber ich würde die Welt auf den Kopf stellen für dieses Mädchen.

gassssttstststs

Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von gassssttstststs » Fr Okt 12, 2018 8:44 am

Hi,

nein, kannst du nicht. Momentan ist es sehr wahrscheinlich, dass das Thema Beziehung für sie bei weitem nicht den Stellenwert hat wie für dich. Das musst du akzeptieren. Ich würde dir raten ihr Freiraum zu geben z. B. wie "ich akzeptiere deine Entscheidung, du bist mir aber immer noch wichtig, meine Tür steht immer offen für dich, wenn du hilfe brauchst, oder einfachjemand zu abhängen kannst du dich immer bei mir melden."

Wie ich gelesen habe, bist doch ein Opfer smb. Vor ein paar Tage habe ich einen Flyer zu einer Fortbildung Jugendhilfe bei einer Freundin gelesen. Dort stand sinngemäss, dass eine Beziehung von zwei Betroffenenen nicht zu empfehlen ist. Jeder trägt ein Päckchen und zusammen ist es dann...Dort stand auch das ein männliches Opfer in so einer Beziehung oft in die Rolle rutscht wie du jetzt, also die Retterrolle. Und sie verbleibt dann oft in einer Opferrolle. Das muss jetzt nicht zwangsläufig bei euch auch so sein. Ich habe es aber so ähnlich in meinem Bekanntenkreis mitbekommen. Habe es im Hinterkopf und informiere dich zu den Problemen einer solchen Konstellation. Und das wichtigste jetzt, gib ihr Freiraum. Gib ihr die Möglichkeit, von sich aus zu dir zu kommen.

Peach
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von Peach » Fr Okt 12, 2018 9:19 am

Hallo justme,

ich habe so ein bisschen den Eindruck, du verhedderst dich da gerade ein bisschen. Ich oder andere User hier können dir keine "Bedienungsanleitung" für deine Freundin geben. Du klingst, als hättest du gerne einen Plan, aber so funktioniert Beziehung/Freundschaft eben auch nicht.

Wenn es mir schlecht ginge und jmd würde sich dann bewusst total auf das Positive im Leben fokussieren und mir das überstülpen wollen, ich würde ausrasten. Gleichzeitig ist es natürlich nicht schlecht, zu sehen, dass es auch noch etwas anderes gibt.
Ihr von deinen Erfahrungen zu berichten kann Bindung stiften, klar, aber ich persönlich fände es ungut, von eigenen Mb zu erzählen, mit der Agenda, dass ihr dadurch wieder näher zusammen kommt. Das fände ich fast schon manipulativ, wenn es nur darum geht. Andere Frage: Hast du denn aus dir selbst heraus das Bedürfnis, mit ihr darüber zu sprechen? Dann wäre das etwas anderes.
Was mir sehr aufgefallen ist (und das ist eigtl genau das, was ich in meinem vorigen Post schon meinte) - sie kann dir sagen, was sie an dir mag und du weißt das sehr genau. Du hingegen weißt nur, dass sie dir unendlich wichtig ist und du sie toll findest, kannst aber nicht eine Sache nennen warum. Mir wäre das zu schwach, ganz ehrlich. Du schreibst, du willst sie an das erinnern, was du in ihr siehst, aber du weißt es ja nichtmal :shock: . Ich würde doch einen Partner wollen, der in mir meine Stärken erkennt und demnach auch benennen kann. Bedingungslose Liebe ist super von Eltern zum Kind z.B.. Aber von meinem Partner möchte ich geliebt werden, weil... und für... Und dass du da nicht mal eine Sache nennen kannst, sondern es nicht weißt finde ich alarmierend. Meiner Meinung nach geht es nicht so sehr darum, aufzuzeigen, warum sie sich in dich verliebt hat (das weiß sie ohnehin und das wertet nur dich auf), sondern viel mehr darum, warum du dich in sie verliebt hast, denn da steckt dann Wertschätzung ihr ggb drin!

Aber wie gesagt, alles meine persönliche Sicht, bei ihr kann das anders sein. Vielleicht gehst du mal weg von der Agenda und hin zu deinen Empfindungen.
LG

justme
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von justme » Fr Okt 12, 2018 3:15 pm

Hi ihr beiden!
Zur ersten Antwort: ich habe meine Erfahrungen komplett verarbeitet - keine Ahnung ob mir das jemand glauben kann, aber ich liebe das Leben über alles und bin so gestrickt, dass mich nichts langfristig belasten oder runterziehen kann. Das haben mir schon etliche Erfahrung gezeigt. Daher mache ich mir ehrlich gesagt keine Sorgen, dass ein von dir geschildertes Verhältnis auftreten könnte. Deinen Tipp bezüglich "ich gebe dir Zeit und Raum/ meine Tür steht dir immer offen" habe ich bereits so umgesetzt. Sowohl kommunikativ, als auch aktiv. Das ist glaube ich das einzige, was ich bisher richtig gemacht habe... Danke dass du mich darin aus Erfahrung bestärkst, das gibt mir ein bisschen Mut!

@peach: ich würde ihr wenn dann nur aus einem Grund davon erzählen - nämlich damit sie mir glaubt, dass ich mich wenigstens ein bisschen in sie hineinversetzen kann und sich nicht komplett alleine fühlt. Denn sie hat niemandem jemals von ihren Problemen erzählt. Nur bei dem Fall bzgl des Ex Freundes. Und das hat ihre Mutter damals leider nicht ernst genommen und ihr nicht geglaubt, was mich sehr schockiert hat. Vielleicht war das für sie so schlimm, dass sie sich seither nie mehr jemandem anvertraut hat.

Dass ich nicht weiß, was ich an ihr liebe, stimmt so nicht ganz. Es ist ein Stück weit bedingungslose Liebe, aber dahinter stecken extrem viele einzelne Punkte. Dinge, die ich an ihrem Charakter mag, Dinge die sie hat, die ich bisher bei allen Freundinnen vermisst habe. Dinge, die mich einfach glücklich machen. Ich mache so oft Videos von ihr in Alltagssituationen, weil mich das jedes Mal wenn ich es anschaue zum Lächeln bringt und ich ihre Art so unfassbar gut finde. Das nur kurz als Erklärung zu diesem Punkt

Was ich aus deiner Antwort mitgenommen habe: nicht versuchen, ihr meine positive Einstellung überzustülpen. Das hätte ich vermutlich auch komplett falsch gemacht.
Außerdem ihr zeigen, was ich an ihr schätze und warum ich mich in sie verliebt habe.
vielen Dank für diese Hinweise! Ich bin wie gesagt komplett hilflos mit der Situation gerade und lerne Dank dir und euch extrem viel.
Wenn ihr weitere Tipps oder einfach nur Anmerkungen habt, bitte zögert nicht, sie zu schreiben. Es hat wirklich jede einzelne Antwort bisher sehr geholfen!

Lichtschein unl.

Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von Lichtschein unl. » Fr Okt 12, 2018 4:00 pm

justme hat geschrieben:
Fr Okt 12, 2018 3:15 pm
ich habe meine Erfahrungen komplett verarbeitet - keine Ahnung ob mir das jemand glauben kann, aber ich liebe das Leben über alles und bin so gestrickt, dass mich nichts langfristig belasten oder runterziehen kann. Das haben mir schon etliche Erfahrung gezeigt. Daher mache ich mir ehrlich gesagt keine Sorgen, dass ein von dir geschildertes Verhältnis auftreten könnte.
Lieber Justme,

Ich glaube Dir, dass Du das Leben liebst, aber diese Aussagen finde ich sehr alarmierend! Das sind mir eindeutig zu viele Allaussagen. Ich dachte sicherlich auch zu gewissen Zeiten genauso und habe sehr schmerzlich erfahren, dass das nicht stimmt.
Du bist 25 - da können noch viele Erfahrungen kommen.
Bitte sei vorsichtig mit Dir und Ihr. Schau genau hin, ob da vielleicht nicht doch auch bei Dir noch etwas ist. Das Leben ist nie nur positiv - und Verarbeitung ist schmerzhaft, sehr sogar.
Du solltest zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass so etwas auftreten kann, erst dann kannst Du für Dich ganz ernsthaft Deine Motive hinterfragen. Das meine ich nicht negativ, ich denke es eine Verantwortung die Du hier trägst, sobald es auch sie betrifft.

Alles Liebe,
Lichtschein

Maya
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von Maya » Sa Okt 13, 2018 3:00 am

Hi!

Ich sehe das ganze etwas anders. Du sagst du liebst sie und willst sie nicht verlieren. Dann wirst du alles tun müssen um bei ihr zu sein. Vergiss dich nicht. Das du wer bist. Seh nicht ihre Schwäche, sondern ihre Stärke.
Ich kann nicht sagen was du tun solltest. Ich meine nur es geht um liebe, also folge deinem Herz und frage nicht was vernünftig ist.

Ich hab meinen Mann früher oft weggeschickt. Ich hab ihn wirklich geliebt und wollte ihm nichts schlechtes. Nicht so eine Last. Er hat mich nie verhätschelt. Mich immer normal behandelt. Mit so viel Respekt auf Augenhöhe wie ich es nie vorher kannte. Das hat mir sehr geholfen und mir mit den Jahren viel Raum um zu wachsen gegeben.

Sei einfach da, solange du das so fühlst. Aber vergiss nicht deine Selbstachtung. Eine Karte wäre mir z.B. zuviel.
Viel hilfreiches kann ich jetzt doch gar nicht sagen.

justme
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von justme » So Okt 14, 2018 2:08 pm

Hallo Lichtschein und Maya,
Danke für eure Hilfe! Ich bin mir ganz sicher, dass ich stark genug bin und sie nicht zusätzlich belasten würde. Maya was du schreibst habe ich schon verinnerlicht und werde es beachten. Da du aus Erfahrung schreibst, hilft mir das enorm - auch wenn es für dich selbst vielleicht keine großen Tipps sein mögen : )

An alle, die sich bisher beteiligt haben (und es vllt noch tun werden):
Mein aktueller Plan sieht wie folgt aus: Die Karte zu unserem 6-monatigen heute bringe ich nicht hin.
Ich werde die vereinbarte Woche Funkstille komplett abwarten und ihr Dienstag Nachmittag schreiben. In etwa so: "hey xy, war ne verdammt lange Woche ohne dich. Wie geht's dir?"
Wenn sie antwortet werde ich um ein Treffen bitten, einfach eine halbe Stunde um bisschen zu reden und weil ich ihr etwas geben möchte (die Karte).
Dabei möchte ich ihr dann erklären, dass ich ihr die Karte eigentlich Sonntag schon hinlegen wollte. Dass ich aber gewartet habe, weil ich ihr zeigen wollte, dass ich ihr den Abstand und die Zeit gebe, die sie in der aktuellen Situation benötigt. Und dass ich unsere Abmachungen respektiere (die Woche ohne Kontakt).
Weiter weiß ich noch nicht, ich möchte da auch nicht zu viel planen, sondern mehr auf sie eingehen. Einfach ein bisschen laufen und reden, sie fragen, was sie zB mit den Freunden unternommen hat, die sie diese Woche zum ersten Mal von sehr weit weg besucht haben.
Das Thema "wir" und "zweite Chance" würde ich beim ersten Treffen glaube ich erstmal komplett weglassen. Auch meine Erfahrungen mit dem ihr Passierten werde ich nun doch nicht ansprechen, das wird ihr glaube ich nicht helfen. Allerdings möchte ich ihr gerne mit meinem Verhalten ihr gegenüber zeigen, dass ich sie als meine Freundin trotz des Schlussmachens noch nicht aufgegeben habe. Sie hat mir zB oft erzählt, dass ein Kuss auf die Stirn ihr unglaublich viel Zuneigung zeigt, viel mehr als normale Küsse oder Gesten. Daher würde ich ihr nach der Umarmung beim Abschied einfach einen leichten Kuss auf die Stirn geben mit einem "ich hab dich lieb".

Vielleicht möchte ich ihr auch sagen, wie ich mir unseren Umgang in nächster Zeit vorstelle... Dass sie sich nicht "um mich zu kümmern" braucht, sondern voll auf sich selbst konzentrieren kann. Und dass ich nicht versuchen werde, sie "zu retten". Dass wir einfach auf Augenhöhe weitermachen und schauen, was passiert.

Was sagt ihr dazu? Und eine wichtige Frage: sollte ich sie überhaupt nochmal auf das Geschehene und ihre Gefühle diesbezüglich ansprechen? Oder sie mit dem Thema einfach alleine lassen und einfach nur da sein, ihr Wertschätzung zeigen und Vertrauen schenken? Denn bisher hat sie nie freiwillig über Probleme geredet, keine Ahnung ob ihr das dann überhaupt helfen würde oder nur lästig wäre, es mit mir teilen zu müssen...

Ps.: Eine Info noch: mein bester Freund hat mir gestern etwas verraten, da er es nach einem kompletten Tag gemeinsam und sehr viel reden einfach nicht mehr für sich behalten konnte. Sie hat ihm kurz nach unserem letzten Treffen geschrieben, dass sie die Beziehung beendet hat. Dass sie noch Gefühle für mich habe, ich ihr immer noch unglaublich viel bedeute und es daran nicht liege, sondern einfach momentan nicht gehe. Sie hat ihn gebeten, sich um mich zu kümmern, da ich nach dem Treffen sehr fertig gewesen sei.

Maya
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von Maya » Mo Okt 15, 2018 1:35 am

Ich finde deinen Plan gut.
Ob du nochmal ansprechen solltest was passiert ist weiß ich nicht. So pauschal kann man das glaube ich nicht sagen. Meistens ist es gut wenn sowas nicht angesprochen wird. Aber ganz totschweigen und ignorieren verletzt auch. Es gibt kein richtig und falsch. Es ist Situationsabhängig.

Ich hoffe dir ist klar, das du hier auch über deine eigenen Erfahrungen schreiben kannst. Jederzeit wenn du das möchtest. Das wollte ich noch sagen.

Liebeskummer tut weh. Aber es geht auch weiter, egal wie deine Geschichte endet. Und ich wünsche euch alles gute und das ihr zueinander finden trotz der großen Schwierigkeiten.
Liebe Grüße!

justme
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von justme » Di Okt 16, 2018 11:14 pm

Habe ihr heute geschrieben...
Die erste Antwort "zu früh..."
An dem Punkt hätte ich schon aussteigen sollen, habe geschrieben sie soll sich Zeit nehmen... Es ging ein bisschen hin und her und schließlich meinte sie "ich glaube ich möchte keinen Kontakt. Ich weiß nicht ob nur jetzt oder generell."
Habe sie dann um ein Gespräch gebeten, dass ich nichts erwarte oder fordere, nur ein Gespräch und wenn es das letzte sein sollte, hätten wir es wenigstens im Guten gemacht.
Die Nachricht hat sie gelesen, ich habe sie dann aber gelöscht und mich entschuldigt "sorry, ich setze dich schon wieder unbeabsichtigt unter Druck. Ich muss das lernen." Darauf habe ich einfach geschrieben, dass ich für sie da bin wenn sie mich braucht und mich freuen würde, wenn wir bald reden könnten.
Keine Antwort mehr.
Werde ihr nochmal eine Woche geben und wenn echt nichts mehr geht, einfach hinfahren und mit ihr reden... Ich muss ihr die Dinge sagen die ich in den letzen Tagen für mich festgestellt habe, sonst wird sie glaube ich kein Vertrauen mehr fassen können und sich das mit uns selbst kaputt-denken

chaoskopf unl.

Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von chaoskopf unl. » Di Okt 16, 2018 11:34 pm

hallo justme....
ich war schon öfter hier in deinem thread. deine geschichte berührt mich....und erinnert mich.... ich würde gern so viel hier schreiben....aber ich weiß nicht ob das ok wäre.....meine geschichte hat kein 'happy end' in dem sinne....aber ich wünsche es euch beiden.

aber eine bitte: gib ihr freiraum und gib ihr zeit. wenn sie sagt, dass sie keinen kontakt will, dann geht das nicht für sie. akzeptiere das, das hat ja auch mit wertschätzung zu tun. ich lese und glaube, dass du sie wirklich liebst, aber leider ist es nicht immer so einfach. gib ihr zeit....

Wildi
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von Wildi » Mi Okt 17, 2018 9:18 am

Bitte, justme, fahr bloß nicht einfach so hin! Das ist wirklich übergriffig. Sie hat deutlich geäußert, dass sie keinen Kontakt will.

Du hast ihr bereits alles gesagt: dass du für sie da bist, dass du ihr Zeit gibst etc.

Wenn du das wirklich so meinst, dann solltest du das jetzt in die Tat umsetzen: Gib ihr Zeit, sei für sie da – indem du ihr die Ruhe gibst, die sie offensichtlich ganz dringend braucht.

Ich kann deine Gefühle gut verstehen, auch den Drang, bei ihr sein und mit ihr sprechen zu wollen. Aber ich kann dir fast garantieren, dass das voll nach hinten losgehen wird.

justme
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Re: Kann ich sie "retten"?

Beitrag von justme » Mi Okt 17, 2018 12:51 pm

Hi Chaoskopf und Wildi

Einfach hinzufahren und sie um 5 Minuten zu bitten war so meine Notlösung wenn echt nochmal eine Woche vergeht und sich nichts ändert. Sie ist der Typ Mensch, bei dem man in manchen Sachen hartnäckig sein muss... Mit ihrem letzten Freund hatte sie 6 Monate lang nichtmal einen Kuss und dann war es vorbei, weil sie keine richtigen Gefühle entwickelt hat - wie auch, wenn die Nähe fehlt und alles immer nur freundschaftlich ist.
Mir gegenüber hat sie sich innerhalb der 6 Monate komplett geöffnet. Wie konnten kuscheln, hatten Sex, sie hat mir sogar die berühmten drei Worte gesagt, die für sie die Welt bedeuten. Ich habe jetzt einfach Angst, das zuviel Zeit und Abstand alles endgültig kaputt machen. Nach unserem letzten Treffen muss sie aktuell denken, dass ich sie und vorallem die Beziehung mit allen Mitteln retten will und sie wird ganz sicher befürchten, dass ich sie wieder in diese Richtung pushen werde. Das möchte ich ihr einfach klarmachen, dass das nicht der Fall ist. Dass wir als Freunde weitermachen können und einfach schauen ob sich nochmal was entwickelt. Und dass ich ihr alle Zeit der Welt gebe und die Schritte noch so klein sein können, solange sie für sich selbst uns eine Chance gibt.
Aber das kann ich ihr nur persönlich sagen und vorallem zeigen, ansonsten wird es nicht ankommen denke ich... Versteht ihr mein Dilemma?
Die aktuelle Situation läuft darauf hinaus, dass sie im Moment noch Gefühle hat, wir uns aber entfremden. Und wenn sie dann irgendwann wieder bei sich selbst ist und das mit uns unwiederbringlich kaputt ist, werden wir es beide sehr bereuen...

Und kann mir jemand erklären, wie sie weiterhin mit Freunden feiern gehen, abhängen und Spaß haben kann, aber mit mir, der Person der sie am nächsten war, der sie Sachen anvertraut hat, die sonst niemand, nichtmal ihre Familie weiß, nichtmal reden kann? Das macht mir massiv Probleme, weil ich es einfach nicht verstehe

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