An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
Imagica
Beiträge: 1360
Registriert: Fr Apr 20, 2018 10:57 pm

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Di Feb 11, 2020 11:25 am

Liebe Destiny,

Du hast Recht, denn ich wollte jetzt gerade schon wieder eine Ausrede finden, warum das nichts besonderes sein kann. Fällt mir schwer, aber ich lasse das jetzt und schreibe stattdessen: Danke!

Das kenne ich auch, das Gefühl, wenn es mal gut ist, daß es dann "zu gut" ist und ja früher oder später wieder schiefgehen muß. Aber mittlerweile fange ich an zu glauben, daß es völlig egal ist, obs danach einen Dämpfer und vielleicht auch ein paar Schritte rückwärts gibt, denn es ist doch toll so ein gutes Gefühl zu haben und es zu genießen. Solange es das gibt, sollte man es lieber nutzen, anstatt es wieder schlecht zu reden. So hat man nämlich auch wirklich Positives im Leben, wenn es vielleicht auch noch nicht viel ist. Besser als nichts ist es allemal! Hat nur 41 Jahre gedauert bis mir das klar wurde, wo mein Opa mir das von klein auf immer gesagt hat :lol:

Es ist völlig ok, wenn Du garnicht weißt, ob Du mit einem Kind was auf diese Art gezeugt wurde, hättest leben können. Das ginge mir ganz sicher genauso! Das Gefühl ist genauso ok und angemessen wie das Gefühl es zu lieben und schützen zu wollen. Beides darf da sein und beides könntest Du auch innerlich mitteilen beim Abschied, oder auch schreiben. Je nachdem wie es sich besser für Dich anfühlt.

Und Briefe schreiben, die sie niemals sehen finde ich super! Das habe ich selbst im Auftrag meiner Thera schon gemacht. Eigentlich hätten wir mit diesen Briefen dann EMDR machen wollen, kamen aber nie dazu, weil immer was anderes aktuelles dazwischenkam. Und irgendwann habe ich festgestellt, das es nun gut ist und das EMDR garnicht mehr nötig ist. Diese Briefe zu schreiben hat vollkommen ausgereicht um die Themen für mich zu lösen. Das kann also durchaus sehr viel bringen wenn man solche Briefe schreibt. Also absolut keine blöde Idee, sondern eine sehr gute!

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Fr Feb 14, 2020 1:10 pm

Liebi Imagica,

Du hesch rächt ech söttis gnüsse ond ned jetz scho weder so skeptisch si. Aber wenn du 41 johr brucht hesch zom das z begriefe hani jo no gueti 20 johr, das sötti hoffentlech schaffe. :lol: :wink:

Ech han mer jetz en Name för mies stärnechend usgsuecht. Maël. Fende aber noni die rechtige wort zom mech verabschede. Aber je länger ech dröber noche dänke, desto bewosster werd mer dasi alles för das chend gmacht hätti.

Phu kei blödi idee, sondern en gueti. Dass das ih mim läbe au mol vorchond. Ned ewartet. :oops:
Ech han jetz afigs ei brief gschrebe. Ah mini muetter. Han lang öberleid wieni das mache. Do ergendwo verstecke esch mer zmüehsam. Wells amene sechere ort wösse, wos en berächtigong hed zstoh. Wonis aber au emmer weder chan cho läse wenns mer denoch esch. Das heisst ech werds do ihne stelle. Ben au gärn offe för es feedback. Vellecht helfts mer jo no wieter. S schriebe hed ufjedefall scho mol rechtig guet do.

Liebi Grüess,
;
;

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Fr Feb 14, 2020 1:11 pm

....,

Han der das nie verzellt. Aber jetz eschs glaubs langsam ziet das dus erfahrsch.

Ech ben Vergwaltigt ond gfolteret worde. 7 verdammti Johr lang. Onder dine Auge, Tag för Tag. Fo mim Brüeder. Dim Sohn.

Ech han zwoi alti erinnerige ah dech wo sech ih mies gedächtnis ihbrönnt hend.
Die älter esch en schöni. Ech gseh dech am bögelbrätt stoh. Näbebie lauft de färnseh. Ech protestiere weder emol dasi mues go bade. Eigentlech nüt speziells, aber es löst sone wärmi, en geborgeheit ih mer us.

Die zwoit erinnerig hed mech deför damals zemlech erschötteret. Mer hend dech de ganz tag ned döffe gseh. Du besch im schlofzimmer gsi. Weiss no wieni dech chorz dor de törspalt gseh han. Du besch im Bett gläge, bitterlech brüelend. Es hed mer weh gmacht dech so zgseh. Du besch rechtig fertig gsi. So im nochhinein esch mer bewosst dass dete de Grond för d scheidig use cho esch. Ech weiss bes höt no ned was de grond gsi esch ond ehlrechgseid wellis au gar ned wösse. Es god mech nüt ah. Au wenn du dänksch ech weiss es.
Glaube das esch de Tag gsi wo mini katastrophe de ahfang gfonde hed.

Weisch no wo du mer for ned alt zu langer ziet gseid hesch das es mer noch de scheidig ned so guet gange esch. Das ech wäge dem metem flöteonterrecht han döffe ufhöre. Magsch di erennere das gseid hesch es esch en schwäri ziet för mech gsi. Säg mer bitte öppis. Wieso hesch du mer ned gholfe. Du hesch ned chönne wösse das öppis anders de hauptgrond för mini verfassig gsi esch, aber vellecht wär das jo gnau denne use cho. Es hätti alles vellecht ned so wiet müesse cho. Vellecht hättisch eifach nor met mer chönne rede.

Ech han mi no nie so rechtig wohl ih üsere familie gfühlt. Ech ben emmer eifach omi gsi, aber nie wichtig. Be mer esch jo alles gloffe. Guet ih de schuel, frönde, sälbstständig... Mim brüeder wörsch hingäge am liebschte jetz no s arsch abbotze. Er esch emmer de mittelponkt gsi. Er hed nüt müesse mache zom dini anerkennig zbecho währenddesse ech im abseits alles probiert han, obwohl ech gwösst ha das es doch ned gnueg guet werd si. Es redet jetz die pur ihversocht us mer use, ech weiss. Ech chan aber ned anderscht. Han doch fo der eifach au welle gseh wärde. Woni min sport gmacht han beni sogar ufeme podestplatz ih de schwizermeisterschaft gsi, aber du besch nie cho zueluege. Seisch jetz no ech ben ned guet gnueg gsi. Hesch gfonde de sport passt ned. Well er eifach ned zo der passt. Well alles was ned so esch wie dus wetsch oder dänksch ned guet esch. De esch halt en tochter wo en eigete chopf hed es dorn im aug. Du hesch mer scho fo chlie uf sache vorgäh wo ech nie sälber entschede ha. Ond besch jetze erstuunt wenn mer seid das es ned so esch. Oder esch mini lieblingsfarb blau. Nei eschs no nie gsi. Nor dini. Aber du hesch mer jo ned zueglost.
Ech glaub das esch au en grond gsi wieso ech mini verletzige emmer so guet abdeckt han. Han jo ned welle uffalle. Vorallem ned negativ. Vorallem ned wenn ech de ih dim arsch steckende sohn wörd bescholdige. Du hättisch mer släbe zor höll gmacht.
Weisch was esch s diffuse ah dem ganze. Ech weiss du wördisch s letschte hömmli för dini familie gäh. Wördsch alles deför stoh loh. Du hesch jo sit dem mer uf de wält send au alles ufgäh ond gesch gschold deför inzwösche üs das du nüt meh hesch.

Wo die schlemm ziet ahgfange hed. Du hesch weder müesse schaffe. Logisch. Ech han mech aber emmer gfrogt öb du werklech nüt gseh hesch. Ergendöppis metbecho. Ned welle gseh?Weiss för dech esch die ziet au sträng gsi. Ech hans der jo au ned welle zeige. Hättisch mer eh ned glaubt. Aber ech glaub au ned dasi werklech alles han chönne verstecke. Es macht mech eifach so onändlech truurig dasi mi wäge dem vor der han welle verstecke. Vor scham. Du hesch emmer weder fo vetraue gredet. Das vertraue hani nie gha. Eher angscht. Du hesch mer vorwörf gmacht obwohli nor probiert han wieter zfonktioniere. Ech han dverbindig zo der damals komplett verlore. Bin eifach allei gsi. Wien echs mer eigentlech gwohnt gsi ben, nor hani doch ergendwo en hoffnig gha das es das mol vellecht ned so werd sie. Du heschs halt pubertät gnennt.

Chorz bevor ech de ändlech sälber han chönne us dem omfäld flöchte, s alter gha han das du mer nüt meh hättisch chönne verbiete, hesch du depressione becho. Ech han der ned chönne hälfe. Hans lang ned gseh. Vellecht au ned welle gseh. Min wonsch ändlech wäg zgo esch so gross gsi. Trotzdem beni no es johr dehei blobe. Ech mach mer emmerno es extrem schlächts gwösse dasi das alles ned gseh han. Der ned han chönne hälfe. Eifach well ech ned gwösst han wie. Well ech eifach au uf mech fokussiert gsi ben. Es zerriesst mi jedes mol wenni dra dänke. Du hesch usgseh wie damals ih dim bett. Es macht so weh der ned gholfe zha. Aber verstohsch mech dasi eifach nor han wäg welle? Dasi s verständnis för en depression det eifach ned han chönne ha. Du hesch mi ahgfleht zbliebe, aso hanis gmacht. Ech han doch emmerno dini anerkennig welle. Öppis welle wärt si för dech. Chan mini träne nömme zrog halte.

Jetz semmer ah dem ponkt ahglangt woni so wiet wäg fo der ond dere ziet ben. Ech mer die erinnerige grösste teils au wäg schiebe, dassi nedemol meh fähig ben der mami zsäge. Es fallt mer emmer weder uf wenni met anderne öber die eiget muetter rede, das die mami säged, aber be mer schaffts das wort eifach ned über dlippe. Du besch nor no mini muetter. Ned mies mami. Lieber sägi der kei name wenni di ahsprech als mami. Die ziet hemmer beidi leider verpasst.

Ech han kei wuet ih mer wenni ah dech dänke, met der ztue ha, be der ben. Es esch halt dini art. Ben eifach nor entüüscht. Aber ned nor fo der sondern au fo mer. Das ech dech glich im stich gloh han wi du mech. Das duet mer fo härze leid. Ech hoffe du chasch mer verzeihe.
Es esch allgemein ned dini schold. Ech han sehr vell dezue bietreit. Es esch halt eifach einiges flasch gloffe.

Ech mag mi zwar ned erinnere je es, ech han dech lieb, fo der ghört zha oder en omarmig becho zha. Aber ech glaub das wäri das was mis chliene ech eifach einisch fo der müesst ghöre. Ech ben dini tochter ond strebe doch emmerno nach dinere liebi ond ufmerksamkeit. Hoffe du verstohsch mech es betzli.

Ech han dech lieb
;

Imagica
Beiträge: 1360
Registriert: Fr Apr 20, 2018 10:57 pm

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Fr Feb 14, 2020 8:49 pm

Liebe Destiny,

och, ich wette Du schaffst das sogar schneller als ich und brauchst keine 20 Jahre mehr ;-)

Oh, das ist ein interessanter Name! Den habe ich tatsächlich noch nie gehört, also was ganz besonderes. Außer er ist in der Schweiz verbreitet? Laß Dir Zeit für die richtigen Worte.. Ist aber doch schonmal gut, daß Dir schon beim drüber nachdenken wieder was bewußt geworden ist, was Dir vorher nicht so ganz klar war. Das ist schon wieder ein Schritt weiter!

Puh, ich habe Deinen Brief gelesen und finde ihn echt traurig. Also ich find ihn gut geschrieben, aber die Umstände sind halt schon sehr traurig. Da stellt man sich wirklich die Frage, wenn sie doch gemerkt hat, da stimmt was nicht, warum hat sie dann nie nachgefragt? Also wenn ich merke daß meine Tochter sich irgendwie anders benimmt, dann frage ich sie direkt was los ist. Ob sie Streit hatte, ob sie irgendwas ärgert, ob sie über irgendwas traurig ist.. was auch immer halt gerade anliegen könnte. Ich sage ihr zwar auch jedesmal dazu, daß sie aber nicht drüber reden muß wenn sie nicht mag. Aber wenn sie mag, dann hör ich ihr jederzeit gerne zu. Und normalerweise sagt sie mir auch alles.
Bei meinem Sohn kommt es selten vor, daß ihn mal irgendwas stört und wenn das so ist, brauch ich ihn auch nicht zu fragen, er kommt direkt zu mir und sagt mir was los ist, noch eh ich auch nur die Chance hätte zu fragen.
Aber ja, so mache ich das.. weil ich es nämlich ähnlich wie Du erlebt habe. Es war egal ob ich irgendwas hatte, das hat nie einen interessiert. Und ich will auf keinen Fall daß es meinen Kindern auch mal so mies damit geht wie mir.

Ich weiß ja nicht ob es dann Zoff geben würde, aber ich finde den Brief so gut, daß ich ihn ihr sogar geben würde an Deiner Stelle. Ich habe mal einen ähnlichen Brief an meine Mutter geschrieben. Und sie hat ihn bekommen. Danach hat sie mir zurückgeschrieben und erklärt daß sie weiß das ihr Verhalten keineswegs zu entschuldigen ist, aber sie könnte die Zeit ja leider nicht zurückdrehen und deswegen bliebe ihr nichts weiter als mich um Verzeihung zu bitten, denn sie hätte mich eben doch sehr lieb und das wäre auch die ganze Zeit so gewesen. Ihr wäre das alles garnicht bewußt gewesen, wie es mir gegangen war mit dem allem (vom mb stand da nix, denn das war mir erst danach so richtig vollumfänglich klar geworden, nach einem weiteren Brief mit einer Frage an sie).
Danach haben wir uns noch sehr viel unterhalten (meist aber auch per Mail, das geht leichter und sie wohnt ja auch weit weg). Und heutzutage ist es immernoch manchmal schwer, weil sie immernoch eine ziemlich schwierige Art an sich hat. Aber mittlerweile kann ich das verstehen und nachvollziehen und dadurch auch viel besser damit umgehen. Jetzt weiß ich, daß das nichts gegen mich persönlich ist, sondern sie einfach nicht aus ihrer Haut kann.

Meine Lage mit meiner Mutter ist aber laut meiner Thera auch was ganz Besonderes, was leider sehr selten vorkommt. Die meisten Mütter sind und bleiben wohl völlig uneinsichtig. Also weiß ich halt nicht, ob das bei Dir nun auch sinnvoll wäre oder eben doch lieber nicht weil es nur zu noch mehr Enttäuschung und Frust führen würde.

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Sa Feb 15, 2020 12:03 am

Hoi Imagica,

Chond druf ah wenni so vortschrett mache wie bes jetze werds no meh als 20 johr bruche. :lol:

De name ghört mer do au ned oft. Es heisst der prinz. Das verbindi met de gschicht fom le petit prince. Mer gseht nor metem härz rechtig. Das esch öppis woni dem chliene gschöpf well metgäh... Ergendwie schwerig, aber werd mer emmer meh bewosst das esch guet. Vortschrett.

Danke das de brief gläse hesch, esch doch zemlech lang worde. Hed mer au meh weh gmacht zschriebe alsi dänkt ha.
Ergendwie hani sgfühl ech öbertriebe ond beneme mech wie es chlieses täubelnds chend. Total doof. Aber die frog wieso das sie nüt gmacht hed god mer au ned usem chopf. Wörd das au niemols so för min sohn welle. Aber mer well jo oft das för s chend wo mer sälber ned gha hed. Hoffe er werd mol wie din sohn wo so vell vertraue hed das er fo sälber chond.
Tuet mer leid das du au so dor dini chindheit hesch müesse go. Das wönscht mer niemertem.

Ech glaub sie wörds ned ihgseh well sie so en extreme familiemönsch esch. Halt nor be mer ergendwie ned so... Glaube au ned das sies onbedengt bös meint aber es wörd warschiendlech rechtig vell ufwerble, das wördi ned schaffe uszhalte. Au ned wenni de mb ned dri schriebe. Es esch aber guet zwösse dass weni mech mol bereit deför wörd fühle ech de brief done „versteckt“ han.

Min nöchscht Brief god ah min Vater. Luege wenni ziet han de zschriebe. Esch grad weder vell los.

Danke no einisch. Liebi Grüess
Destiny
;

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » So Feb 16, 2020 10:01 am

...,

Üses Verhältnis hed sech ih de johre so veränderet. Aber du besch nömme min vater. Ech han kei vater. Scho lang nömme. Du besch för mech inzwösche en kolleg wenn ned eher en bekannte wo mer paar mol im johr gseht onds eigentlech ganz guet metenand hed. Aber halt au ned meh.

Früehner hani so angst gha vor der. Jedesmol angst wenn du wedermol hei cho besch zwösche de lange ziete wo du dech ned hesch loh blecke. Du besch es arbetstier ond hesch üs dor das vell ermöglecht. Ah gäld heds bes zor scheidig nie gmangelt. Ond deför dank ech der.
Liebi kenni fo der leider ned werklech. Du besch en rechtige militär maa gsi. Hesch üs au so behandelt. Hesch üs chlie gmacht. Ahgschreit well du ufenes spielzüg gstande besch. Gschlage wenn du dbeherrschig verlore hesch.
Jetz besch anderst. Ech weiss zwar ned wie du das gmacht hesch. Aber du besch mönschlecher.

Esch der bewosst dass ech ih dere ziet noch de scheidig fo dim sohn vergwaltigt worde be. Er fo der au es betzli d gwalt ond smacht verlange abgluegt hed. Mech gfolteret hed? Esch der bewosst das du ehm es bild wiene maa mues sie ihprägt hesch. S erschte mol wos passiert esch hed er mer gseid er esch jetz de maa im huus...
Eis chani der aber ned vorwärfe. Es esch nie passiert womer be der gsi send. Well du jo denn weder de chef gsi besch.

Du besch halt ned ome gsi. Das esch ned dini schold. Das esch halt eifach so wies esch. Ond es esch vellecht au besser so. Mini muetter hed mer mol verzellt gha du beschs satt gsi chender zha. Du hättisch eus lieber ned becho. Es esch ned en info woni han welle wösse. Sie heds mer onder dnase grebe. Ond ganz ehrlech, eigentlech macht mer die ussag nedemol so weh. Ech weiss ned ah was das es lied. Eigentlech hani das au nie welle wösse.
S tragische ah dem ganze esch nor das ech es papi chend ben. Ohni papi. Mer send ähnlecher als ech das well. Das macht mer angst.

Ech glaube mer werdet nie weder en familie chönne sie. Das esch au ok so. Mer läbed beidi euses läbe ond lönd eus in rueh. Ech han der nor en ihbleck welle gäh, wies mer ergange esch ond wieso ech so ben wieni ben.

Machs guet.
;

Imagica
Beiträge: 1360
Registriert: Fr Apr 20, 2018 10:57 pm

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » So Feb 16, 2020 9:00 pm

Liebe Destiny,

oh, das ist eine schöne Bedeutung für den Namen :-)

Tut mir echt Leid wie Dein Vater sich verhalten hat. Da versteht man dann auch irgendwie, wie Dein Bruder dazu kam, sich so zu verhalten. Nicht daß ich sein Verhalten nun entschuldigen wollen würde, ganz und garnicht! Aber meine Thera sagt immer, jeder Täter war vorher auch mal auf die ein oder andere Art ein Opfer. Ob das immer so stimmt, weiß ich nicht, denn bei einigen meiner Täter weiß ich zumindest nichts davon, daß sie in irgendeiner Form ein schlechtes Leben gehabt hätten. Aber zumindest kann ich sagen daß es wirklich oft stimmt, denn bei vielen ist es tatsächlich so. Trotzdem hätten sie die Wahl gehabt, nicht selbst Täter zu werden und haben sich falsch entschieden.

Ich spüre in dem Brief an Deinen Vater eine große Distanz, die ich in dem Brief an Deine Mutter nicht so gespürt habe. Mit ihm scheinst Du schon lange innerlich abgeschlossen zu haben, oder kommt mir das nur so vor? Wenn ich das lese kann ich mir garnicht vorstellen, daß Du eigentlich ein Papakind wärest.. Woher weißt Du das, wenn Du ja nie einen richtigen Papa hattest? Das ist jetzt nur eine neugierige Frage, nicht daß Du das jetzt als Vorwurf oder Unglauben siehst, so ist es nicht!

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mo Feb 17, 2020 9:26 pm

Liebi Imagica

Ech glaub es hed scho öppis das täter vorhär opfer gsi send. Vellecht chan ech au wäge dem ned bös si uf min brüeder... Send jo Opfer vom glieche gsi was es gmeinschaftsgfühl uslöst. :oops: Er hed halt eifach das fo mim vater no uf d spitze triebe.

Das hesch du rechtig gspört. Ech han met ehm scho abgschlosse bevor das met de scheidig ond so passiert esch. Hed au fo de ahwäseheit kei ontersched gmacht fo vorhär zo nochhär. :roll:

Das esch werklech en gueti frog fo wo ech das weiss dasi es papichind ben. So uf d schnelli hätti gseid ech gspörs eifach. Han mer aber die ganz nacht de chopf zerbroche ah was ech das denn öberhaupt gspöre. Glaube es lied dra dass mer eus ähnlecher send. Er mer eher zueglos hed wenn er de mol ome gsi esch ond mini ahsichte besser verstande hed. Er hed mech au gloh wien ech ben. Ned so wie mini muetter. Mer chan fascht säge das ech mech zo ehm verbondener gfühlt han wenn er mol „normal“ gsi esch. Weiss ned öb das verständlech esch. Öb das öberhaupt definiton us macht vomene papichind...

Hesch mech ächt is gröble brocht. Das esch super, danke der. :)

Liebi Grüess
;

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mi Feb 19, 2020 1:52 pm

J, S, S, Y, N

Wössed ehr no damals. Mer send beschti fröndinne gsi. En rechtigi Meitligroppe. Nie hed mer müesse ahlei sie. Mer esch förenand do gsi. Ehr send mini ersatz familie gsi. Ech han euch vertraut ond mech uf en art geborge gfühlt woni vorhär ned kennt ha. Es esch werklech en schöni ziet met euch gsi.

Das hed sech leider schneller gänderet als ech dänkt han...
Mer esch droht worde das euch öppis passiert, wenn öppis use chond. Das han ech ned welle. Logisch ned. Ehr send s wichtigste gsi woni gha han. Han euch welle beschötze.
Er hed ganz gnau gwösst das er mech ih de hand hed met dem. Vellecht hed ers au scho metem hintergedanke gmacht dass ech mech fo euch zrog zieh, mech emmer meh fo de ossewält isoliere. Weiss ned. S ziel hätt er erreicht...

Ehr hend gmerkt dass ech emmer weniger met euch abgmacht han. Ehr hend gmerkt das ech mech veränderet han. Ehr hend ahgfange euch s muul öber mech z zerriesse. Jo verdammt ech hans metbecho. Wieso duet die so komisch, die leid nor no langi sache ah, was för en freak. Die redet met niemertem meh, die esch doch blöd im hern. Ond das send no die harmlosere sache.

Ech han euch welle beschötze! Ehr hätted mech doch eifach mol chönne froge was los esch. Ehr send mer so wechtig gsi. Ech han doch nor euch gha. Jo ech han euch nüt gseid. Ech han angst gha. Riesigi angst. Ond zwar ned om mech sondern om euch. Trotzdem hani emmer weder versuecht öppis loh döre zblecke loh. Han mini wonde loh före blitze loh, han ahdütige gmacht. Alles vergäbe. Hani au ned chönne erwarte, ech weiss. Au höt dafi das no fo niemertem erwarte. Es hed eifach so weh gmacht. Ech han euch doch nüt böses gmacht.

Ehr hend mech afo abstosse. Ben alleige gsi. Ech ben niemert meh gsi. Ehr hend mi eifach links loh legge. Ond ech ben sogar sälber gschold.
Siet dem hani kei rechtigi fröndschaft meh gha. Niemertem meh so vertraut wie üch.

Es verchrampft sech emmerno alles ih mer wenni ah die ziet dänke. Es esch en bitterleche schmärz zwösse dass ech för euch gliech ned gnueg wärt gsi ben zom deför zkämpfe. Han mi sälte so alleige gfühlt...

Trotz allem muesi säge dasis warschiendli emmerno gliech wörd mache. Es esch mini pflicht gsi euch zbeschötze. Ehr hend jo nüt demet ztue gha aso hätted ehr deför au ned döffe liede. Es tuet mer leid han ech euch wäg gstosse fo mer. Es tuet mer leid das ech euch nüt gseid han. Es tuet mer leid dasi so gsi ben.

Die Ziet hed mech vell glehrt. Au wenn sone Pubertät zemlech schwerig esch so ganz alleige, beni fo dem warschiendli nor stärker worde. Also danke.

Hoffe ehr hend no wahri fröndschafte gfonde...
;

Imagica
Beiträge: 1360
Registriert: Fr Apr 20, 2018 10:57 pm

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Mi Feb 19, 2020 8:45 pm

Liebe Destiny,

über die Sache mit dem Papakind denke ich jetzt selber noch nach. Nachdem ich Dir die Frage gestellt habe, ist mir nämlich bewußt geworden, daß ich eigentlich garnicht weiß, was genau das ausmacht. Ich war auch ein Papakind, aber mein Vater hat mir auch eingeredet daß meine Mutter böse ist, weil eigentlich sowieso alle Frauen böse sind. Und meine Mutter hat nie Gefühle gezeigt, das tat nur mein Vater. Leider hat er das natürlich auch alles schamlos ausgenutzt, was noch eine milde Umschreibung ist.
Mein erster Sohn ist auch ein Papakind, aber da war ich es, die keine Gefühle zeigen konnte. Also wandte er sich mehr seinem Vater zu, der das eben konnte. War dann auch logisch. Bei meinem zweiten Sohn konnte ich es schon besser und sein Vater wiederum konnte das nicht so gut, also wurde mein zweiter Sohn ein Mamakind. Meine Tochter ist ebenfalls Mamakind, und von ihrem Vater hat sie ja auch nicht wirklich viel positives. Aber das war alles von den Umständen beeinflußt. Gibt es überhaupt Mama- oder Papakinder, die nicht von den äußeren Umständen dazu gebracht werden? Ist irgendwie eine interessante Frage.

Oh, das mit Deinen Freunden finde ich total traurig! Ich finde aber nicht, daß Du in irgendeiner Form selber Schuld daran warst! Ich meine, echte wirklich gute Freunde, die hätten doch nachgefragt was los ist. Die hätten sich Sorgen gemacht und wären nicht ins Lästern verfallen. Ich kann jetzt garnicht nachvollziehen, warum Du danach noch so unglaublich nett bist, und ihnen auch noch wünscht, daß sie gute Freundschaften danach gefunden haben. Ich würd ihnen sonstwas wünschen, aber ich glaube, viel positives wäre da nicht dabei.

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mi Feb 19, 2020 10:06 pm

Hm glaube scho das es au ohni össeri omständ mami- ond papichender ged. Es ged jo au no heili familiene. :roll: :wink:

Frog mech de aber gliech wieso mine vater. Warschiendli well ech mini muetter emmer om mech gha han ond das voll abbecho han ond min vater halt eher sälte ond er hed jo au mol gueti momänt gha... Glaube do spelt so extrem vell met. Werklech spannend.

Ech han jo ned vell dezue bietreit dass sie mech chönd verstoh. Han mech au sälber fo ehne abgwändet. Also fendi scho dasi au es guets stöck sälber gschold ben. :oops:
Es esch halt au eher es schwerigs alter, met so 10ni, zom verständnis zha ond werklech för öpper ihzstoh. Sie wäred eh öberforderet gsi ond förs bild vonere coole meitligroppe hätts ned vell bietreit.

Uf die eint siete machts werklech onglaublech weh ond uf die ander hani eifach au metleid. Darom beni warschiendli emmerno so „nätt“ . Es esch doch werklech truurig ned zwösse was en fröndschaft esch. Was es us macht. Ond wenn sie emmerno sgfühl hend dass das früehner en wahri fröndschaft gsi esch duets mer för sie leid. Well de send sie ned wieter als ech ond hend nor „Statusfröndschafte“.
Brengt jo au nüt ehne s glieche verschessene gfühl wie ech gha han/ han zwönsche...

Das ganze Thema esch för mech inzwösche au glaubs ganz ok.

Liebi Grüess
;

Imagica
Beiträge: 1360
Registriert: Fr Apr 20, 2018 10:57 pm

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Fr Feb 21, 2020 8:50 pm

Liebe Destiny,

also ich finde nicht, daß Du selber Schuld bist. Denn Du hast Dich ja von ihnen abewandt, um sie zu schützen. Also kann da nicht von Schuld die Rede sein. Wenn schon, dann hätte eher derjenige Schuld, der das ganze verursacht hat und das war ja wohl Dein Bruder. Da kann man jetzt natürlich auch noch weitergehen und sagen, daß er aber ja auch "nur" das weitergeführt hat, was Euer Vater angefangen hat. Dann wäre der Schuld. Aber wer weiß wiederum was dem früher passiert ist.. also evtl. könnte man diese Kette endlos weiterführen. Letzten Endes ist es aber auch egal wie weit man das nun führt. Fakt ist und bleibt aber: Du wolltest sie schützen, und jemanden schützen wollen ist doch was gutes. Das hat mit Schuld absolut nicht das geringste zu tun!

Hab jetzt mal ein bißchen gegoogelt nach Mamakind und Papakind. Angeblich wechselt das von Alter zu Alter. Bei mir hat es aber nicht gewechselt. Bei meinen Kindern auch nicht. Das blieb immer gleich. Vielleicht ist es dann einfach so, daß in Familien in denen eben irgenwas nicht stimmt, die Kinder sich fest und für immer auf einen Elternteil fixieren und in Familien wo es alles so läuft wie es sollte, die Kinder je nach Alter die Vorliebe wechseln.

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Sa Feb 22, 2020 11:50 pm

Han grad s starche verlange alli kontäkt abzbräche ond eifach zverschwende. Well grad met (fascht) niemertem meh öppis ztue ha...
;

Imagica
Beiträge: 1360
Registriert: Fr Apr 20, 2018 10:57 pm

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Mo Feb 24, 2020 8:28 pm

Liebe Destiny,

meinst Du mit alle Kontakte jetzt Deine Familie oder wirklich alle? Also in Bezug auf Deine Familie wäre das vermutlich tatsächlich keine so schlechte Idee, wenns auch sicher sehr hart für Dich wäre.
Wenn Du wirklich alle meinst, ist es "einfach" das Verlangen nicht mehr da zu sein, für nichts und niemanden mehr da sein oder irgendwas tun zu müssen? Weil das kenne ich auch sehr gut. Das geht mir immer mal wieder so, wenn mir einfach alles zu viel wird. In solchen Momenten versuche ich dann soviel Ruhe und Zeit für mich wie möglich zu kriegen und mal ausnahmsweise mehr an mich als an andere zu denken. Meist geht es dann nach ein paar Tagen wieder besser.

Ich wünsch Dir viel Kraft!

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
Beiträge: 119
Registriert: Do Jun 21, 2018 11:17 am

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Di Feb 25, 2020 8:05 am

Hmm, es esch eher de Kontakt zo werklech allne. Osser minere chlie familie. Eigentlech hani sgfühl gha es lauft grad zemlech guet. D Brief bes jetze hend guet do. Hoffe han jetz de au weder ziet zom die nöchschte zmache.
Han de wonsch de kontakt abzbräche au emmer weder, aber vorallem noch dem ech met enere andere person zäme gsi ben. Das esch för mech momentan so extrem ahsträngend. Obwohl gar kei grond dezue bestod. Ond wenns de no am dämmere esch ond ech die chalt loft ihschnuufe chond mer der wonsch eifach z laufe, emmer wieter. Nömme omtreie ond alles hender mer loh.

Ben vellecht gliech chlie erschöpft ond sött mer ziet för mech näh. Nor mues das no warte. Min chlie hed morn gebortstag ond ech han kei ahnig was ech ehm ah dem bsondrige tag chan biete...

Met minere Familie de kontakt abbräche schwebt mer au emmer weder im chopf ome. Schaff das aber grad ned. Die velle froge wieso.

Danke der Imagica
;

Antworten