An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

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Imagica
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Sa Feb 16, 2019 9:58 pm

Liebe Destiny,

schade daß Lesen nicht mehr funktioniert.

Deine Einstellung zum Häkeln und Malen find ich super! Ich kann das nicht so gut, wenn ich irgendwas mache, habe ich automatisch den Anspruch an mich, daß es perfekt sein muß. Und so perfekt wie ich etwas haben will, das ist eigentlich garnicht möglich. Ich arbeite da jetzt schon Schritt für Schritt an mir, das ich wenigstens versuche, nicht ganz so viele Kritikpunkte zu finden und mir dann doch auch mal erlaube, wenigstens mal kurz stolz zu sein auf mein Ergebnis. Am ehesten funktioniert das noch, wenn ich mir vorstelle, wer anders hätte das gemacht. Bei anderen bin ich nämlich lange nicht so perfektionistisch wie bei mir selbst.
Da bist Du als definitiv einen großen Schritt weiter als ich!

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mo Feb 18, 2019 10:54 pm

Liebe Imagica,

Tatsächlich habe ich auch unerreichbare Ansprüche an mich selber. Lange musste ich es allen recht machen um zb im Berufsleben weiter zu kommen (ist in einem gestalterischen Beruf eigentlich unmöglich, da es kein richtig oder flasch gibt) Das grösste Problem dran war am Schluss dann doch wieder ich, da man trotzdem immer perfekt sein will. Schon als Kind wollte ich immer perfekt für die anderen sein. Was schlussendlich nach hinten los ging, aber andere geschichte...Ich kam dann irgendwann an den Punkt wo ich umschalten konnte und sagen konnte das ich niemals perfekt sein kann. Nicht für mich und erst recht nicht für alle anderen auf dieser Welt. Schon aus dem einfachen Grund weil ich ein Mensch bin. Kein Mensch kann perfekt sein. Schlussendlich muss man nur für sich einstehen können und der Rest kann egal sein. Denn die, die Perfektion von einem erwarten sind genau so wenig perfekt wie man selbst. Darum versuche ich auch gar nicht über etwas Kritik auszuüben. Weder von mir noch von anderen. Einfach weil man immer etwas schlechtes findet und es doch eigentlich nur drauf an kommt ob es sich richtig anfühlt wenn man es am machen ist. Und wenn das der Fall ist, ist es doch eigentlich egal wie das Ergebnis aussieht. Logisch schaffe ich es auch nicht immer so zu denken... aber zum Glück kann ich es schon auf vieles übertragen.
Uiuiui jetzt habe ich mich ziemlich in dem ganzen verzettelt...

Liebe Grüsse
Destiny
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Do Feb 21, 2019 9:02 pm

Liebe Destiny,

find ich eine echt gute Erkenntnis, und ist mir auch alles logisch bewußt, nur klappts bei mir noch nicht so mit der Umsetzung. Aber ich bin immerhin schon so weit, daß ich ab und zu sagen kann: Ja, das hab ich ganz gut gemacht.
Und mir dann alles weitere verkneife, was da normalerweise hintendran noch kommen würde, wie: Ich hätte zwar dieses und jenes noch so und so machen können, und das da hätte besser ausgesehen wenn..
Aber naja, so hat halt jeder seine Themen wos entweder schon ganz gut klappt oder eben auch einfach garnicht klappen will oder einfach ewig dauert für jedes winzige Schrittchen.

Wie gehts Dir denn inzwischen? Hast Du noch andere Ablenkungsmöglichkeiten gefunden, die klappen?

Liebe Grüße,
Imagica

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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mo Feb 25, 2019 9:30 pm

Hi Imagica,

Bei mir klappt dafür der Rest überhaupt nicht, wobei ich dich wirklich nur zu tiefts bewundern kann!

Ich habe es aufgegeben mich ablenken zu wollen. Liege Stundenlang rum, warte und denke. Man sieht dementsprechend aus, aber es ist irgendwie das einzige was ich schaffe und auch das am wenig schlimmste...

Liebe Grüsse
Destiny
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Di Feb 26, 2019 10:11 pm

Hi Destiny,

oh, das tut mir Leid das garnix mehr zum Ablenken klappt! Wie weit bist Du denn jetzt? Wär ja schon gut, wenn Du Dich doch noch irgendwie mit was positivem beschäftigen könntest. Nur wenns nicht geht, ja dann gehts halt nicht.

Geht denn vielleicht ein klein bißchen Selbstfürsorge, also z.B. mal nen leckeren Tee trinken oder sowas? Irgendwas kleines, was nicht so schwer ist und nicht so viel Energie braucht.

Liebe Grüße,
Imagica

Destiny
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mo Mär 04, 2019 5:45 pm

Hi Imagica

Zum Glück habe ich nun genug ablenkung. Am 26. ist mein kleiner Knopf gekommen und hält mich seit dem auf trab. Ist momentan trotzdem nicht eine einfache Zeit aber eine von der man weiss das sie sich lohnt durchzustehen.

Liebe Grüsse
Destiny
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Mo Mär 04, 2019 9:07 pm

Liebe Destiny,

oh, herzlichen Glückwunsch! Ja der hält Dich nun sicher auf Trab, das kann ich mir gut vorstellen. Wenn mal irgendwas ist, Du Dich überfordert fühlst oder so (was so am Anfang völlig normal wäre, auch für jede Frau ohne traumatische Vergangenheit!), dann schreibs Dir ruhig hier von der Seele. Mir tats jedenfalls immer gut, wenn ich jemand fand, der mir sagen konnte, daß es ihm ganz genauso ging.

Liebe Grüße und ich hoffe, Du findest noch ein paar ruhige Stunden zum "langweilen" ;-)
Imagica

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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mi Mai 08, 2019 4:03 pm

Hallo

Ich muss wieder mal schreiben. Mir die Zeit einfach nehmen um ein paar Worte und Gedanken hier zu lassen.
Die Zeit ist so schnell vergangen. Gleichzeitig schwirrt noch so viel in meinem Kopf was ich noch nicht abarbeiten und abschliessen konnte.
Beginne mal mit der Geburt. Ich war gut drauf. Nahm es ziemlich locker. Sogar als mir gesagt wurde das meine Ärztin in den Ferien ist und der Belegsarzt mich übernimmt. Ein Mann. Es war für mich ok. Bis zur op. Es musste plötzlich alles so schnell gehen. War halb betäubt von der PDA. Spürte mich aber noch. Mein Wunsch. Konnte die Kontrolle nicht komplett abgeben. Die Anesthesistin rannte von links nach rechts und wieder zurück und zerstach meine Arme auf der suche nach einer Vene. Gleichzeitg fragte sie ob ich noch etwas spüre. Ja ich spürte noch etwas. Nein der Arzt konnte nicht mehr warten und begann mich aufzuschneiden. Schmerz. Panik. Plötzlich bekam ich keine Luft mehr. Versuchte etwas zu sagen. Mein Mann neben mir am verzweifeln. Vorher war ich die Starke gewesen. Versuchte ihn und die Stimmung aufzulockern. Trotz Wehen, trotz leichter trigger. Jetzt wurde es mir zu viel. Ein Schrei. Der Kleine war draussen. Sehe kurz zwei Füsse in der Luft. Er ist da, endlich. Ich bin erleichtert. Gleichzeitig ist überall so viel Blut. Schon wieder getriggert. Während dessen wurde eine Vene gefunden und mir Zeug eingeflösst das ich immer wieder einschlief. Ich hatte keine Kontrolle mehr. Konnte nicht dagegen ankämpfen. Sie nähten mich zu. Schoben mich in den nächsten Raum. War immernoch nackt. Sehe kurz einen Pfleger. Schlafe wieder ein. Kämpfte die Augen wieder auf. So viele Leute. Alle gratulieren. Sehe aber nur die Männer die mich von einem Bett auf das andere heben. Schon wieder weg. Mein Mann durfte nicht bleiben. Kein sicherer Hafen bei mir. Wachte erst wieder im Zimmer auf. Mein Mann neben mir mit dem Kleinen. Es war alles gut. Aber auch alles so verschwommen und verwirrend. Dann noch die Untersuchungen im Wochenbett...

Der kleine Knopf ist das beste was mir passieren konnte. Und trotzdem tut er mir leid, das er bei mir gelandet ist. Trotz all der liebe die ich ihm geben kann, kann ich ihm nie gerecht werden. Er hat mehr verdient. Trotzdem werde ich alles geben. So jetzt ist es genug für heute. Ein teil meiner Gedanken konnte ich los werden.

Etwas anderes noch kurz. Mein Grossvater ist verstorben und ich weiss nicht was ich fühlen soll. Der erste Todesfall. Trotzdem habe ich eine andere Beziehung zum Tod als es eigentlich normal wäre. Fühle einfach nichts. Ein kalter Klotz.

Liebe Grüsse
Destiny

P.s. Danke dir Imagica! Von Überforderung werde ich das nächste mal schreiben ;-)
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Fr Mai 10, 2019 9:53 pm

Liebe Destiny,

schön, mal wieder von Dir zu hören! Dein Geburtserlebnis klingt allerdings garnicht schön. Warum gabs denn einen Kaiserschnitt? Ist irgendwas passiert?
Hast Du schon mit Deiner Thera darüber geredet? Also da waren ja schon einige Trigger dabei und ich glaube, daß sich das durchaus als traumatisches Erlebnis einbrennen könnte. Und ich glaube, davon hast Du eigentlich schon mehr als genug, wär also sicher gut, wenn Du das direkt bearbeiten könntest, eh es schwieriger wird.

Und mit diesen Gedanken, daß er Dir Leid tut daß er bei Dir gelandet ist, solltest Du mal ganz schnell aufhören ;-) Das ist nämlich tatsächlich etwas, was ihm nicht guttut, weil er das spüren wird. Kinder können sowas sehr sehr gut. Auch wenn sie noch viel zu klein sind um die Gefühle zu verstehen die sie da spüren. Aber das bringt sie dann erst Recht durcheinander. Kein Mensch ist fehlerlos, keiner kann immer alles perfekt machen. Aber kleine Fehler können Kinder auch ganz gut wegstecken, vor allem wenn sie spüren, daß sie von Menschen begangen werden, die sie lieben und wenn sie spüren daß es keine böse Absicht war.

Was für ein Verhältnis hattest Du denn zu Deinem Großvater? Wenn Du ihn eh kaum gesehen hast oder er nicht sonderlich nett war, wäre das ja durchaus verständlich daß Du nichts fühlst. Und selbst wenn er nett war und Du ihn oft gesehen hast, kann es auch sein, daß er einfach überhaupt nicht auf Deiner Wellenlänge war und es Dir deswegen ziemlich egal ist. Man kann ja nicht jeden Menschen gleich viel mögen. Bei meiner Großmutter war ich kaum traurig, bei meinem Großvater konnte ich garnicht mehr aufhören zu heulen. Weil ich zu ihm einfach eine größere Bindung hatte als zu ihr. Ich habe sie zwar oft gesehen, und sie benahm sich auch eigentlich nett, aber trotzdem war das einfach keine Person, die mir sehr wichtig gewesen wäre. Es gab nie eine tiefere Bindung. Ich war eigentlich nur ein bißchen traurig, weil mein Großvater mir so leid tat, weil ich wußte, ihm geht es damit ganz schlecht.

Liebe Grüße,
Imagica

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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Do Mai 16, 2019 3:18 am

Liebe Imagica

Entschuldige die dpäte Antwort. Es ist ziemlich schwierig ein bisschen zeit zu finden. ;)

Es wurde ein Kaiserschnitt weil die Herztöne gefallen sind, der kleine zu viel stress hatte und er sich noch einmal drehte und zum sterngucker wurde...
Meine Thera hat nur gemeint ich solle das zuerst an mich ran kommen lassen. Das es schmerzen bereitet hat habe ich der natur wegen schon wieder vergessen. Jedoch ist genau dieses vergessen für mich ein problem... und die erinnerung als am nächsten tag die anästhesistin kam und sich entschuldigte das ich so schmerzen erleiden musste, sie habe bei der PDA generkt das ich eigentlich nicht so schmerzempfindlich bin. Diese erinnerung ist gestochen scharf und macht mir deutlich das ich wirklich gelitten haben muss.

Eu hast recht, solche Gedanken sind nicht gut. Probiere es zu vermeiden so zu denken. Aber der Gedanke kommt halt schnell wieder auf wenn ich ihn mal nicht so beruhigen kann wie es nötig wäre oder ich mal kurz wütend auf ihn werde... Inzwischen denke ich mir oft, dass er es ja auch nicht besser weiss wie alles funktionieren sollte und wenn er meine volle liebe bekommt schon das wichtigste hat.

Mein Grossvater und ich waren nicht wirklich auf der selben Wellenlänge. Er hat mich als Kind oft zum weinen gebracht. Das letzte Gefühl im gegenüber bevor er starb war wut. Irgendwie einfach komisch das ganze. Die beerdigung war vorgestern und kein schwein zeigte eine gefühlsregung. Naja ich muss das jetzt abschliessen und weiter leben. Beingt ja alles nichts.

Sorry für die rechtschreibung (während dem stillen echt schwierig :lol: :D )

Liebe Grüsse
Destiny
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Fr Mai 17, 2019 9:22 pm

Liebe Destiny,

daß Du überhaupt beim Stillen tippen kannst, erstaunt mich total! :shock: Also ich hätte das nicht hingekriegt :D

Also ich halte das mit dem Vergessen der Geburtsschmerzen ja für ein Gerücht. Ich habe sie jedenfalls nie vergessen. Ich finde es aber gut, daß Du scheinbar aber doch Menschen um Dich herum hattest, die einigermaßen fürsorglich waren. Bei mir war das leider immer total anders. Bei meinem ersten Sohn hätte wohl auch ein Kaiserschnitt gemacht werden müssen, wenn die es denn mal kapiert hätten was da los war. Hat nur leider keiner verstanden. Bei Babys sind ja die Knochen am Kopf noch einzelne Platten die erst später noch zusammenwachsen. Eben damit das Baby überhaupt geboren werden kann, weil der Kopf sonst nicht passen würde. Bei meinem Sohn waren diese Platten aber schon vor der Geburt zusammengewachsen, deswegen hatte er dann auch eine total komische Kopfform und mußte mit 3 Monaten operiert werden. Nur hat das vor der Geburt keiner gecheckt. So hatte ich Wehen und Wehen.. und immer wieder ist er in letzter Sekunde wieder hochgewandert. Und dann ging das ganze von vorne los. Ich hatte echt grauenhafte Schmerzen, habe ein Schmerzmittel nach dem anderen bekommen und wurde dauernd angeschnauzt ich solle mich mal nicht so anstellen. Naja, ich habe mich nicht angestellt, er hat nur eigentlich garnicht durchgepaßt mit diesem Kopf. Irgendwann gings dann irgendwie doch (wie sich das angefühlt hat, beschreibe ich nun lieber nicht), wie auch immer das möglich war. Eine Stunde danach war mein Blutdruck 260/160.. eigentlich unmöglich. War aber so. Haben sie mit drei Geräten getestet, drei unterschiedliche Schwestern. Hatten sie vorher nicht dran gedacht daß eine Überprüfung vielleicht mal schlau wär, weil ich wegen Gestose eh sehr hohen Blutdruck und Herzprobleme bekommen hatte. Also.. ich habe diese Schmerzen niemals vergessen, und wie ich da behandelt wurde auch nicht. Bei mir hat sich auch hinterher keiner entschuldigt oder so, dafür daß ich so angeschnauzt wurde dauernd. Von daher bin froh, daß es bei Dir dann zumindest in der Hinsicht doch deutlich besser gelaufen ist. Trotzdem leider nicht gerade ein schönes Geburtserlebnis.

Naja, also so wie Du Deinen Großvater beschreibst und auch wie Du die Reaktionen des Rests der Familie beschreibst, war das wohl verständlich daß Du nicht sonderlich traurig warst. Er war wohl nicht so der beliebteste, denn den anderen ging es ja offensichtlich genauso wie Dir. Also ist absolut nichts "komisch" an Dir ;-)

Liebe Grüße,
Imagica

Gast

Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Gast » Mi Mai 22, 2019 12:55 pm

Hi Imagica

Beim nachträglichen lesen hatte es aber doch ziemlich viele Tippfehler... :lol: man hat es ja verstanden.

Du arme. Das klingt ja schrecklich wie es bei dir war. Es gibt einfach zu viele Ärzte die doch keine Ahnung haben oder zumindest keine Empathie. Da hatte ich wirklich Glück bei „meinen“ Leuten. Vielleicht habe ich auch durch das ganze Zeug was sie in mich gepumpt haben, vergessen. Es fühlt sich jedenfalls so an wie wenn ich mich an den mb erinnern möchte. Alles so schwammig und immer wieder so Bruchstücke.

Naja jetzt liegt der kleine Mann hier bei mir und schläft, nachdem er meine Brust nach ein zwei mal nuckeln verweigert hat. Das geht jetzt schon ein paar Tage so und ich fühl mich einfach schlecht das ich meine einzige Aufgabe, ihn zu versorgen nicht hinbekomme. Es macht mir von Herzen weh ihn so zu sehen wie er mich ablehnt. Dazu kommt noch das momentan überall von mb zu lesen, hören, sehen ist. Kann dem nicht mehr ausweichen. Es macht mich zu einem Nervenbündel. Bin so am kämpfen dass ich meinem kleinem trotzdem 100% geben kann und das andere Thema verdränge.

Thera habe ich vorerst auch abgebrochen. Kann mich sonst einfach nicht aufs Mama sein konzentrieren...

Ha, komisch bin ich wohl trotzdem. Aber muss ja nicht immer schlecht sein :wink:

Grüsse
Destiny

Imagica
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Do Mai 23, 2019 9:02 pm

Liebe Destiny,

meine wollten nach kürzester Zeit schon nicht mehr gestillt werden und das hat mich auch total frustriert. Beim ersten Kind wollte ich nicht stillen, weil all meine Krankheiten in der Schwangerschaft total schlimm wurden und ich meine Medis aber nicht nehmen durfte und es kaum noch aushalten konnte. Das wollte ich echt nicht noch mehr verlängern indem ich stille. Dann wär ich vermutlich früher oder später sauer auf mein Kind geworden, daß ich wegen ihm leiden muß und das wollte ich natürlich nicht.
Beim zweiten war das KH so "nett", heimlich zuzufüttern von Anfang an und mir einzureden, ich wäre eh zu dumm dazu. So wurde das natürlich nix und war ganz schnell wieder vorbei. Ich hab damals krampfhaft alles versucht um das hinzukriegen und war einfach nur total gefrustet und hab ständig geheult weil die mir alles kaputt gemacht haben.
Beim dritten gab es keine Probleme, aber es hat ganz einfach nicht lange geklappt. Sie wurde nie richtig satt, hat dauernd geschrien, ist dann aber immer direkt eingeschlafen beim trinken weils wohl zu anstrengend war und war nach ner halben Stunde wieder hungrig wach. So haben wir glaub ich ungefähr zwei Wochen mit Hebammenunterstützung durchgehalten und dann haben die Hebamme und ich gemeinsam beschlossen, daß meine Tochter es einfach nicht mehr lernt oder zu faul ist oder vielleicht auch irgendwas bei mir nicht stimmt, aber das sie auf jeden Fall mehr Nahrung braucht (und ich auch, denn bei jeder halben Stunde stillen kam ich nie zum essen und hab wahnsinnig viel abgenommen) und es so nicht weitergehen kann. So war das dann auch vorbei. Aber da war es leichter zu ertragen, weil es da eine bewußte Entscheidung war, die für alle besser war.
Weißt Du, manchmal klappt es einfach nicht. Da kannst Du nichts für, und er kann nichts dafür. Es ist traurig wenn man sich vorgenommen hatte das hinzukriegen, aber das geht auch vorbei. Schlimm finde ich nur die Kinderärzte und Hebammen die da manchmal echt vorwurfsvoll sind und mit erhobenem Zeigefinger sagen, daß das aber ja viel gesünder wäre als Flaschennahrung.
Aber Fakt ist: Er lehnt nicht DICH damit ab, mit Dir persönlich hat das nicht das geringste zu tun! Irgendeinen Grund wird es für ihn geben, warum er nicht mehr mag, es ihm zu anstregend ist oder was auch immer. Aber trotzdem kannst Du sicher nix dafür.

Ich bin mir nicht so sicher, ob ich das jetzt für eine gute Idee halte die Thera abzubrechen. Ich meine, das ein Baby eine Menge Erinnerungen hochbringen kann, weil es so klein und verletzlich ist und das da Unterstützung und Begleitung besonders wichtig wäre. Aber das ist natürlich Deine Entscheidung.

Hihi, komisch bin ich auch. Da fällt mir ein: Sind wir nicht alle ein bißchen Bluna? ;-)

Liebe Grüße,
Imagica

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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Destiny » Mo Jun 24, 2019 2:08 pm

Hi Imagica

Sorry das ich nicht mehr geantwortet habe. Bin jeden Tag hier, schaffe es aber oft nur zu lesen.

Das Stillen hat sich wieder eingependelt. War so wie es aussieht nur eine schwierige Phase... Muss einfach mehr Geduld haben.
Ja weiss auch nicht ob es die richtige Entscheidung war die Thera abzubrechen. Aber die Zeit lässt es nicht zu.



Muss Gedanken ordnen.
So eine Zerrissenheit. Noch nie war jemand von mir abhängig. Brauchte mich so sehr. Es fühlt sich schön an. Diese bedingungslose ehrliche Liebe. Dieses Vertrauen welches man sich zwar erarbeiten musste aber jetzt um so fester ist.
Und dann ist da wieder meine Vergangenheit. Die die Abhängigkeit verabscheut. Vielleicht auch Angst hat es wieder zu sein. Und Angst hat ihn in dieser Abhängigkeit zu sehen. Diese nähe die er benötigt nicht immer aushält. Es innerlich brodelt und alle und alles von sich abstossen möchte. Ein kleiner Mensch dem ich diese schlechten Gefühle nicht entgegenbringen möchte. Die Angst das ich seiner Liebe und seinem Vertrauen nicht gerecht werde. Es holt mich alles immer wieder ein. Ich kann nicht 100% für ihn da sein habe aber auch keine Zeit es für mich alleine kurz zu überdenken. Alleine. Ich muss wiedermal alleine sein. Er nimmt mich komplett ein. Ich weiss ich wollte es so. Ich bereue es auch nicht. Ich bekomme so viel von ihm. Möchte ihm das auch zurück geben können. Aber ich muss mich wieder finden. Nie allein und doch schon länger nicht mehr so allein gewesen.

Etwas anderes, verwirrendes. Fühl mich manchmal unwohl ihn zu wickeln oder zu baden. Weiss nicht wieso. Bin ich ein Täter. Nur Täter denken tso weit. Einfach nur verwirrt... scheisse
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Re: An das Mädchen, das zu lange zu „stark“ war *t*

Beitrag von Imagica » Mo Jun 24, 2019 9:27 pm

Liebe Destiny,

ich verstehe Deine Gefühle sehr gut. Es ist schön wenn da jemand ist, der einen braucht, aber wenn man weiß, wie es ist wenn das ausgenutzt wird, dann möchte man natürlich lieber garnichts damit zu tun haben. Aber Du bist Du und Du bist kein Täter. Du wirst es nicht ausnutzen, sondern Du wirst es gut machen.
Und auch das mit dem wickeln/baden und dem unwohlen Gefühl verstehe ich sehr gut! Nein, nicht nur Täter denken so weit, sondern das ist genau dasselbe wie eben schon geschrieben: Du weißt wie es ist, wenn so eine Hilflosigkeit ausgenutzt wird und Du hast Angst weil Du es selbst mal erlebt hast, genauso zu werden. Aber ich bin mir da ganz sicher daß Du es nicht wirst, weil Du nämlich schon erschreckt darüber nachdenkst und Dich direkt selbst anklagst. Das zeigt schon sehr deutlich, daß Du ihm niemals etwas böses tun wolltest. Ich kenne das sehr gut. Mir ging es auch immer so, früher bei meinen Jungs wußte ich ja noch garnichts von meinem mb, aber unwohl gefühlt habe ich mich trotzdem und immer Angst gehabt, ich mache irgendwas falsch, tue ihnen weh oder so oder nutze ihre hilflose Lage aus, obwohl es mir ein absolut widerwärtiger Gedanke war, sowas auch nur in Betracht zu ziehen. Mittlerweile verstehe ich meine Gefühle von damals natürlich, nur damals wußte ich überhaupt nicht woher das kommen könnte.
Bei meiner Tochter habe ich jetzt natürlich auch Probleme. Sie sieht ja auch noch aus wie ich und dummerweise hat sie die Hygiene, die man auf fremden Toiletten einhalten sollte noch nicht verstanden, oder auch einfach keine Lust sich daran zu halten. So wischt sie oft mit dem Klopapier erst über die Toilette und dann sich selbst ab. Das führt häufiger zu Pilzinfektionen.. und dann muß ich sie eincremen weil sies noch nicht richtig hinkriegt. Ich versuche zwar ihr das beizubringen, aber es klappt noch nicht so richtig. Und das beibringen ist noch viel triggernder... Also das ist echt fürchterlich für mich, ich kämpfe jedesmal wieder diesen Kampf mit mir. Die Gedanken, ich könnte jetzt dasselbe tun was mit mir.. Und der Gedanke, igitt, wie eklig, wie kann ich nur darüber nachdenken, ich würde das doch nie tun! Und natürlich auch jedesmal noch Flashbacks dazu.. Aber ja nun.. es hilft alles nix. Wenn ich nix tun würde, müßte sie leiden. Also muß ich halt.
Also langer Rede kurzer Sinn: Ich verstehe das wirklich sehr sehr gut! Versuche Dir zu sagen, daß Du ihm hilfst, wenn Du ihn wickelst oder badest, und es ihm schlecht gehen würde, wenn Du das nicht tätest. Es ist nötig damit es ihm gut geht. Mir hilft das ein klein bißchen. Eine bessere Lösung habe ich leider auch noch nicht.

Und ansonsten: Versuch bitte, regelmäßig Pausen zu bekommen. Deinen Sohn irgendeinem fürsorglichen Menschen für ein paar Stunden regelmäßig geben, damit Du mal Pause hast. Denn die brauchen Mütter ganz ganz dringend! Erst Recht natürlich, wenn sie noch mb Erfahrungen machen mußten. Aber auch ohne das, ist Mutter-Sein eine wirklich anstrengende und auszehrende "Arbeit" und Pausen und Zeit für sich selbst sind geradezu überlebenswichtig!

Liebe Grüße,
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