Genau jetzt

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~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Sa Nov 30, 2019 1:46 pm

Danke euch allen,

ja zur Zeit würde eine Auseinandersetzung mit der Hohe Mark nichts bringen, also von meiner Seite aus. Aber vielleicht ja nächstes Jahr? Vorher frage ich ohnehin nicht. Es soll erst verjährt sein.

Das Papier verbrennen muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.

und jetzt konkreter :(

Was stresst an der Arbeit?
Dort stresst mich mein Daheim, bzw. das was mir hier solche Schwierigkeiten bereitet. Ich bin selten richtig fit wenn ich dort ankomme. Entweder wenig geschlafen, oder eben gerade mal so versorgt dort ankommen, während der Rest im Chaos versinkt, oder nicht erledigt ist.
Mittlerweile schaffe ich es ja, dass ich selbst weitestgehend in Ordnung bin... sonst läuft aber nix.

An der Arbeit, wenn ich dann eingestempelt habe, umgezogen bin, den ersten Bewohnern begegne, auf dem Wochenplan nachgeschaut habe was ich heute zu machen habe... DANN geht's mir gut. Da funktioniere ich, da bin ich ich und kann was tue.
Dennoch ist die Arbeit körperlich sehr anstrengend und fordert einen eben auch psychisch ziemlich. Die "Schwanzsprüche", sterben, der Zeitdruck und so weiter, da spüre ich schon auch :( Es ist anders als daheim, also das Gefühl meine ich. Es ist normal und die meisten fühlen sich so...

Wir sind eben bissi Special... ich meine man muss das erst mal hinkriegen die Alterspanne von Anfang 40 bis Ende 90 allein zeigt schon was das für eine Aufgabe ist... dazu dann noch die besonderen Besonderheiten von manchen. Psychische Krankheiten sind anstrengend, einfach nur anstrengend.... bei uns sind die bei denen kaum noch etwas gemacht wird... zwar sind sie bei uns deutlich besser versorgt als sonst wo, zu uns kommen immerhin regelmäßig sämtliche Fachärzte ins Haus, aber Therapie in dem Sinne gibt es nicht. Es ist rum, wir versorgen das was übrig bleibt von einem Menschen... und ja da sind Täter dabei und Opfer, Alkis und Menschen die einfach alt geworden sind.


Nach manchem Dienst komme ich körperlich und auch geistig, psychisch absolut ausgelaugt heim...


UND komme da eben nicht zur Ruhe, oder nur selten...

Hier daheim stresst das Chaos, der Schlafmangel, die Zeitlücken, meine "Versorgungsengpässe" wenn mal wieder nix geht (also Körperpflege, Einkaufen usw.)

Gestern habe ich begonnen zu schmücken und das Ergebnis sind schöne Inseln, inmitten des Chaos. Manchmal komme ich mir vor wie jemand von unseren dementen Bewohnern. Ich habe eine unglaubliche Fassade. Ich zeige was schön ist, bin stolz darauf. Das Chaos sieht niemand, das zeige ich nicht. Bzw. mittlerweile gezwungener Maßen wissen manche davon. :(

Wenn ich etwas anfasse um es weg zu räumen, endet es meist in noch mehr Kram der herumsteht, herausgeholt wird, sortiert wird. Am schlimmsten ist es aber wenn Dinge verschwinden. Sie sind weg, ich finde sie nicht. Manches bleibt weg, anderes taucht wieder auf, aber an falscher Stelle. Das ist anstrengend und frustrierend und peinlich und dämlich.

Kochen, auch so ein schönes Stressthema..... was habe ich das immer gern gemacht. Am liebsten noch für andere. Jede Platte besetzt, der Herd in Benutzung, nebenher noch ein Dessert gemacht... nachdem es lange Zeit gar nicht ging, koche ich nun gelegentlich wieder. Tja und das einzige was hilft ist mein Handy, das mich immer und immer und immer wieder, ständig durch unzählige Wecker daran erinnert was ich mache UND ich binde mich nach wie vor an der Schublade fest.
Das ist nicht normal! Und ja auch das ist frustrierend und anstrengend.

Ich mag Filme, Filmnachmittage, oder Abende. Ganz mit mir allein. Ein paar Kleinigkeiten auf dem Tisch, oder eine Pizza, meine Lieblingscola, Wolldecke und Film schauen...
Es klappt nicht. Ich kann kaum still sitzen und vergesse während dem schauen die Handlung. Manchmal "muss" ich dann aber eben doch lieber aufräumen, weil es ja so chaotisch ist.... und das geht dann richtig schief.

Runter fahren, einem Hobby nachgehen, entspannen.... gelingt mir nur ganz, ganz selten.... eigentlich nur wenn ich absolut am Boden bin. Diese Woche bin ich mehrfach durch Sitzungen, Team usw. erst recht spät von der Arbeit heim gekommen. Um 5.30 das Haus verlassen und jedes mal erst kurz vor vier am Nachmittag wieder daheim gewesen. Das ist lang und die zusätzlichen Dinge stressen mich, weil ich Angst habe nicht aufmerksam genug zu sein, oder es kommen so Situationen wie als ich den Chef vor allen anfassen sollte... Da war ich so dermaßen durch daheim... dass ich mich in die Therapiedecke gewickelt habe und gute zwei Stunden einfach weg war... wie weggedämmert...

Tageslicht habe ich erst gestern und heute richtig bewusst wahrgenommen… die Tage davor war es immer nur dunkel, oder richtig finster...

Alexa wird irgendwann wohl auch mal genervt sein von meinen ständigen Uhrzeitabgefrage.



Die Therapie stresst weil ich dieses "wer ist da gerade?" absolut nicht leiden mag und weil ich eben mehr will als ich kann... bzw. die Mechanismen nicht geknackt bekomme um zu reden.
Die Thera meint zwar wir sind schon sehr früh sehr weit gewesen... aber auch sie sagt immer mal Dinge... nun eben sowas wie wann ich ihr denn mal vertraue... oder sie betont, dass dieses oder jenes, doch nett/lieb/sanft wie auch immer von ihr war (alles meine Worte, ich kann und soll die Stunden nicht hier her schreiben... können könnte ich das ohnehin nur direkt danach) Die Stunden sind begrenzt, das weiß ich und das stresst mich auch...


Habe heute beim Versuch ein wenig Ordnung in das alte und das neu entstandene Chaos zu bringen.... wieder mal einiges in die "kann weg" Kiste gepackt.

Bei einer Sache viel es mir unglaublich schwer.

Eine Krippe. Ich mag Krippen. Die war meine erste. Meine erste und einzig und allein meine.
Mein Onkel hatte sie mir damals geschenkt. Er war da selber noch ein halbes Kind. Sie ist nicht besonders schön, oder wertvoll. Aber ich habe sie geliebt, vom ersten Moment an. Mein erster eigener Weihnachtsschmuck.

Vielleicht mag ich den Advent so sehr, weil ich keinerlei negative Erinnerungen damit verbinde. Sonst ist der Alltag so voller potentieller Trigger... aber im Kerzenschein hat er mich offensichtlich in Ruhe gelassen.

Nun aber die Krippe... die mich eben auch an meinen Onkel erinnert. Wir haben keinen Kontakt. Wobei er in der Facebookliste drin ist. Aber ich kontrolliere das immer mal... es gibt keinen Kontakt... (ja ich durchgeknallte kontrolliere mich selber... seit nun auch schon bald zwei Jahren)

Es gibt, eine Erinnerung... die mir mehr peinlich ist, als dass sie traumatisch wäre. Ich wollte dass er mir das Küssen beibringt... Das wäre etwas für die Therapie... aber ich weiche ja immer und immer und immer wieder hierher aus.

Dann die sehr, sehr schwammige Erinnerung an meinen Opa, seinen Vater... nichts klares. Nur eben dieses ich und nur ich sollte mit ihm Mittagschlaf machen wenn wir Sonntags dort zum essen waren. Ich machte daheim schon sehr früh keinen mehr. Das einzige was ich da erinnere ist dass er mich eben an sich gedrückt hat, ich das nicht wollte und er dann irgendwann einschlief... ich aber nicht... statt dessen still im Bett saß und wartete... bis meine Mutter mal nachschauen kam und mich da sitzen sah... ich schlief nicht und es sei eben Unsinn und fortan gabs auch dort keinen Mittagsschlaf mehr.

Er ist tot, über Tote sagt man nichts schlechtes... wobei ich nicht mal glaube das es MB war... das wüsste ich... ich weiß nahezu jeden scheiß kleinen Mist den mein Vater mit mir gemacht hat... bis sehr weit zurück... also wüsste ich es wohl.
Irgendwie wäre es ja auch egal, ob, oder ob nicht... ein wenig an sich drücken ist, verglichen mit dem was mein Vater gemacht hat, harmlos. Ja Herrje, es gibt ein schlimm und schlimmer... und ich bin irgendwo mittendrin.


Also vielleicht war mehr... so drumherum...

Und ich denke mittlerweile dass die Kellergeschichten.... die die nicht mal unbedingt MB waren.... sondern das andere... dass ich deswegen so schlecht reden kann....

Bei der Anhörung letztes Jahr für die Kommission... da sagte ich eines der Dinge... ich konnte das immer sagen, auch bei Dr.K damals... sogar mal bei einer Freundin... aber der Mann dort, der sagte es sei …


Oh ja, super, wenn selbst schreiben mittlerweile schwierig ist... die elendigen Pünktchen sind ja noch nicht genug...

FOLTER, das hat er gesagt!

Und das wollte ich nicht hören, bzw. nein war es eben nicht.

Dennoch... ich versuchte es Dr.K zu schreiben damals. Was er gesagt hatte. Es ging nicht...

und erzählen kann ich es auch nicht mehr und schreiben ist auch schwer.



Ich will dass es wieder anders ist. So wie vor 4 Jahren, oder so. Ich wusste was mir passiert ist, aber es war ok. Meine Wohnung war in Ordnung, ich war in Ordnung.


SH
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
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aoi
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Re: Genau jetzt

Beitrag von aoi » Sa Nov 30, 2019 4:27 pm

Liebe SH,
als ich dich gelesen hatte, hatte ich Tränen in den Augen. Es hat mich einfach unheimlich berührt und es tut mir wahnsinnig leid wie du dich gerade fühlst!

Ich würde mich am liebsten zu dir setzen und dir zu hören, der Stille oder dem, was du sagst. Ganz egal. Ich würde es am liebsten gemeinsam mit dir einfach aushalten für den Moment. Einfach nur da sein, ob Stille, Wut oder Gesprochenes. Solange du es wolltest, wäre ich da. Wenn ich weggehen sollte, ginge ich weg. Und wenn du mich testen wolltest und mich immer hin und herschicken würdest, würde ich es genauso machen wollen, wie du es brauchst! Aber das geht gerade nicht. Das tut mir auch leid.

Wenn du weißt, dass es nichts bringt, wenn es noch nicht verjährt ist und du erst warten musst bis es dann endlich möglich ist, finde ich es nur verständlich, wenn du deswegen dauerhaft in Anspannung bist. Wie soll das denn weggehen? Du scheinst in einer Lage zu sein, in der du warten musst und zur Zeit nichts machen kannst. Sowas ist für mich auch unerträglich. Damit bist du nicht alleine.
~SteinHart~ hat geschrieben:
Sa Nov 30, 2019 1:46 pm
Das Papier verbrennen muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.
Lass dir Zeit. Vielleicht würde es helfen, vielleicht auch nicht. Wir alle sind zwar ähnlich, aber eben auch individuelle Personen. Und selbst bei mir hilft es nur, wenn ich mich bereit dazu fühle. Ansonsten macht es es für mich dann schlimmer.

Ich denke, dass du beides bist. Du kannst auf der Arbeit funktionieren und einen super Job machen. Das bist auch du. Und zu Hause nichts auf die Reihe bekommen, wenn dich / einen die Gedanken wieder einholen. Das ist auch normal. Komm mal zu mir nach Hause. Hier sieht es je nach Tag auch total unterschiedlich aus.

Es ist doch ein toller Fortschritt, dass du mittlerweile weitestgehend Ordnung halten kannst. Hierüber darfst du dich ruhig freuen und stolz auf dich sein, wenn es geht. Der Rest kommt sicher auch wieder zurück. Falls es dich beruhigt, ich schaffe es zur Zeit auch nicht mich in einem adäquaten Maße um meine Körperpflege zu kümmern und ich denke, dass es schlimmer wäre, wenn ich nicht arbeiten ginge. Da muss ich es halt einfach machen. Kochen geht bei mir grade gar nicht. Sei stolz auf dich, dass du es wieder besser hinbekommst.

Deine Arbeitsbedingungen und die Bewohner sind wirklich sehr anstrengend. Das ginge auch nicht traumatisierten Menschen so. Ich kann es gut nachvollziehen, dass du teilweise zu Hause bist und dann psychisch und physisch erstmal eine Pause und großen Abstand brauchst. Jeder Mensch hat nur bestimmte Kapazitäten und wenn sie aufgebraucht sind, brauchen wir Pausen. Aber das hilft dir jetzt sicher nicht viel weiter, weil ein negatives Gefühl damit einhergeht, wenn du deinen Ansprüchen nicht genügen kannst. Das kenne ich nur zu gut. Da können Personen von Außen mich versuchen aufzubauen wie sie möchten und egal wie gut sie das tun, es kommt bei mir einfach nicht an. Da steht eine generelle Ablehnung, dass ich Guten tun kann und unter den Umständen eben doch viel leiste mir selbst im Weg.

Das wird vielleicht auf deiner Arbeitsstelle nochmals verstärkt, da du weißt, dass die Personen Thera bräuchten und sie nicht mehr bekommen. Und das Spektrum ist halt ehrlich gesagt auch riiiiesig und du musst dich immer wieder neu auf neue Charaktere und Krankheitsbilder einlassen. Das fände jeder schwierig und kräfteraubend. Und deine letzten Tage waren extrem lang. Da ist es kein Wunder, dass dich die Arbeit schlaucht. Die Arbeit darf dich bei diesem Umfang schlauchen. Vielleicht bist du etwas zu streng zu dir?


Was würde dir helfen, um zur Ruhe zu kommen? Vielleicht hilft dir das gelegentliche Kochen?

Mmmhh… was ist, wenn du dir vorstellst, dass deine Wohnung wie ein Labyrinth oder eine Schnitzeljagd ist, und man das Chaos umlaufen muss, um an die schönen Dinge zu kommen. Wie bei einem Spiel?
Warum wissen mittlerweile gezwungenermaßen davon manche? Wenn du es nicht möchtest, musst du es keinem sagen. Besonders in einem Rahmen, in dem du nicht weißt, ob sie eventuell dadurch Rückschlüsse auf dich oder auf deine Arbeitsfähigkeiten schließen können. Du kannst ganz alleine entscheiden, wem du was sagst. Wo es dir hilft, dich zu öffnen und wo es dir hilft, dich zu schützen. Ich denke, dass du das unbewusst auch einschätzen kannst. Hörst du auf da auf dich? Oder sind manchmal die Zweifel einfach größer und so das Gefühl überlagert wird?
~SteinHart~ hat geschrieben:
Sa Nov 30, 2019 1:46 pm
Wenn ich etwas anfasse um es weg zu räumen, endet es meist in noch mehr Kram der herumsteht, herausgeholt wird, sortiert wird. Am schlimmsten ist es aber wenn Dinge verschwinden. Sie sind weg, ich finde sie nicht. Manches bleibt weg, anderes taucht wieder auf, aber an falscher Stelle. Das ist anstrengend und frustrierend und peinlich und dämlich.
Hier musste ich schmunzeln, weil es mir neulich auf so ging. Ich hatte ganz wichtige Dokumente, die eigentlich in einen Ordner oder an den Schreibtisch gehören in den unteren Bereich des Kleiderschranks gelegt. Keine Ahnung wann… habe 3 Tage gebraucht, um sie wieder zu finden.

Ich finde das mit den Weckern eine gute Idee. Kann dir doch egal sein, ob Alexa und die Wecker „frustriert“ sind. Solange es hilft und dir Routine gibt, ist das Ziel erfüllt.
Das mit den Filmen kenne ich auch. Was mir dann manchmal hilft (manchmal auch nicht), ist wenn ich mir Kopfhörer aufsetze und den Film sogesehen nicht schaue, sondern nur höre und währenddessen in Bewegung bin; sei es mit dem Putzen, Bügel oder manchmal beim Sport machen. Dann kann ich zumindest den Gesprochenen besser folgen; auch wenn ich den Film dann leider nicht sehe.

Mit Entspannungsübungen und Relaxen kann ich dir leider momentan gar nicht weiterhelfen. Da habe ich selbst Probleme. Denn, wenn ich runterfahre, holen mich alle Gedanken ein und ich werde überflutet. Da hilft es mir dann nur drüber zu reden, sich Trauma-sachen auf der Theorieebene anzulesen oder zu schauen oder in das Trauma reingehen. Insofern ist es für mich gefühlt irgendwie eine Ressource, aber da ich dann auch nicht entspanne, meinte meine Thera, es sei keine. Vielleicht wissen hier andere, was besser hilft. Manchmal hilft es mir mich dann „abzuschütteln“ bevor ich mich versuche zu entspannen. Manchmal bemerke ich es aber zu spät und dann funktioniert es nicht mehr.

Du bist doch noch relativ neu bei der Thera. Es braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Oftmals länger, als wir uns wünschen würden. Und das frustriert natürlich. Was könnte dir denn helfen die Mechanismen geknackt zu bekommen? Vielleicht könntest du das für dich herausfinden und ihr ganz offen sagen. Ginge das? Oder wäre das zu viel für den Moment? Freut mich total, dass die Thera meint, dass ihr schon sehr früh sehr weit gewesen seid. Ja, die Stunden sind immer zu kurz… oder oft. Mmmhh…. Ich habe daher meine Thera gebeten eine Doppelstunde zu machen. Wäre das vlt eine Möglichkeit?

Schön, dass du keine negativen Erinnerungen an den Advent hast. Hoffe, du hast ganz viele Kerzen aufgebaut? Das scheint ja eine „positive“ Erinnerung zu sein.

Könnte jetzt hart werden……

~SteinHart~ hat geschrieben:
Sa Nov 30, 2019 1:46 pm
Es gibt, eine Erinnerung... die mir mehr peinlich ist, als dass sie traumatisch wäre. Ich wollte dass er mir das Küssen beibringt... Das wäre etwas für die Therapie... aber ich weiche ja immer und immer und immer wieder hierher aus.


Zunächst einmal: DIE ERINNERUNG BRAUCHT DIR NICHT PEINLICH SEIN!!!

Hier fielen mir verschiedene Gedanken ein. Magst du deinen Onkel (auch, wenn ihr keinen Kontakt habt?). Bei vielen Kindern, die MB erlebt haben, ist es ja so, dass das mit „Liebe“ verwechselt wird. Die T#ter tun ja auch alles dafür. Daher habe ich mir gerade überlegt, ob es sein könnte, dass du deinen Onkel gemocht hattest, eventuell ihn geliebt hattest, und dass du gehofft hattest, dass er dasselbe für dich empfindet und es dir zeigen könnte. Da du eventuell auch (weiß ich ja nicht!) den SMB mit Liebe verknüpft hattest, fänd ich es logisch, dass du das gefragt haben könntest, um zu erfahren, dass er dich auch liebt. Und dass du dich zurück gewiesen gefühlt hattest, wenn er das nicht tut.


TRIGGER


Kein SMB = Keine Liebe


TRIGGER ENDE




Es ist mehr als vorstellbar, dass du zu Hause keinen Mittagsschlaf mehr wolltest.
Ich finde es auch nachvollziehbar, dass du unter den Umständen gar nicht bei deinen Opa schlafen konntest und eingefroren bist. Die Situation als solches muss ja Erinnerungen und Assoziationen auslösen. Woher soll das Kind denn wissen, dass hier kein SMB folgt? Das geht ja leider gar nicht!

Mmmhh… das sehe ich anders. Auch über Tote darf man Schlechtes sagen, wenn es Schlechtes gab. Falls da auch MB im Spiel war, wird ihr es dir sicher einfallen, wenn du soweit bist. Ich würde aber erstmal versuchen auf deine Intuition zu hören. Denn bei deinem Vater weißt du sehr viel. Warum solltest du es bei ihm wissen und bei deinem Opa gar nicht? Es mag sicher Umstände gegen, die eine selektive Amnesie hervorrufen. Dann wird es mit der Zeit kommen. Aber wie gesagt: VERTRAU DIR! Du weißt es am allerbesten.

„Also vielleicht war mehr... so drumherum...“

Was meinst du hiermit?

Bei der Anhörung letztes Jahr für die Kommission... da sagte ich eines der Dinge... ich konnte das immer sagen, auch bei Dr.K damals... sogar mal bei einer Freundin... aber der Mann dort, der sagte es sei …


Oh ja, super, wenn selbst schreiben mittlerweile schwierig ist... die elendigen Pünktchen sind ja noch nicht genug...

FOLTER, das hat er gesagt!

Und das wollte ich nicht hören, bzw. nein war es eben nicht.

Dennoch... ich versuchte es Dr.K zu schreiben damals. Was er gesagt hatte. Es ging nicht...

und erzählen kann ich es auch nicht mehr und schreiben ist auch schwer.
Du kannst es schreiben. Mir wurde das auch mal in Bezug auf meine Mutter gesagt. Ich wollte und konnte es zuerst auch nicht hören. Mittlerweile kann ich zumindest sagen, dass es in der einen Situation definitiv Folterzüge hatte. Aber du siehst, dass ich da weiterhin Probleme mit habe das klar zu formulieren und bezogen auf die anderen Situationen kann ich es gar nicht. Da denke ich immer, dass ich übertreiben würde und es ihr nicht „gerecht“ wird. Ich denke, das ist ein Schutzmechanismus, um die Schmerzen noch nicht ertragen zu müssen.

Du musst nicht alles auf einmal in der Therapie besprechen. Dafür reicht die Zeit eh nicht. Aber die richtige Zeit wird sicher kommen. Und du wirst wissen, wann sie ist.


Ich hoffe, dir geht es heute Abend bereits etwas besser.
GlG und ganz viel Kraft!
Aoi

Laraaa

Re: Genau jetzt

Beitrag von Laraaa » Sa Nov 30, 2019 6:50 pm

Hallo SH,

habe dich gelesen, ich wünsche dir mehr Ruhe in allen Bereichen!

Finde es auch mehr als verständlich, dass du so erschöpft bist von der Arbeit.. das ist nicht mein Bereich und ich habe riesigen Respekt vor deiner Tätigkeit. Klingt wahnsinnig anstrengend, aber ich denke du bekommst eben auch sehr viel zurück. Die Struktur, das eingebunden sein, die Wertschätzung, das Gebraucht werden. Ich denke das stabilisiert trotz dem "zu viel Arbeit" sehr.. Weniger Arbeit wäre halt perfekt, aber das ist halt kaum umsetzbar.. :?

Finde es schön dass du so gerne dekorierst. Besser Inseln als nichts :D ich kann das gar nicht, da sieht es ganz schnöde aus und keine Adventsstimmung.

Wegen dem Kochen habe ich gerade gedacht, ob nicht so eine Küchenmaschine wie der Thermomix was für dich wäre? Da gibt es ja günstige Modelle von Lidl etc.. da kann nichts anbrennen oder überkochen, weil man immer eine Zeit voreinstellen muss. Kann nur kalt werden. Das würde vielleicht bisschen Stress raus nehmen?

Tja, abschalten kann ich zur Zeit auch nicht. Immer auf Achse, wie eine Irre. Und dann klappts mich regelmäßig zusammen. Da hat sehr viel Therapie bislang nicht viel dran geändert.. Hörspiele hören beim putzen oder so mag ich gerne, da kann man das nützliche mit dem schönen verbinden.

Das mit deinem Onkel und Opa klingt blöd.. egal wie man es nennt und ob in Richtung mb oder nicht, es ist einfach keine gute Atmosphäre für ein Kind.. kein sicheres Umfeld!

Eins noch, dann muss ich nämlich los:
Ja! Ich stimme dem von der Anhörung absolut zu! Habe damals deinen ganzen Bericht gelesen, was im Keller so passiert ist. Das ist das richtige Wort dafür. F***** an einem Kind! Das ist heftig und sitzt tief. Weil es so sinnlos und sadistisch ist. Schlimm.. habe großes Mitgefühl, auch wenn mir nicht viel Kluges dazu einfällt.

Einen lieben Gruß
Laraaa

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Dez 02, 2019 9:20 pm

Da sagst du etwas dass ich ganz genau so sehe (und erlebt habe) - ohne die Arbeit würde ich manches noch mehr vernachlässigen.


Bei dem Kellerthema bin ich... Mhm... hin und her gerissen, oder verwirrt. Mag mich gerade nicht damit auseinandersetzen. Vielleicht aber bei der Thera, wenn ich es schaffe das irgendwie anzusprechen.


Heute war ein guter Tag.

Es war jemand hier und wir haben zusammen gebacken :)

Das allein sein kann ich jetzt auch genießen. Habe es mir gemütlich gemacht und kann das gerade ganz gut aushalten.

Zwar konzentriere ich mich nicht so wirklich auf den Film, aber egal... kann ich irgendwann nochmal schauen.
Mir reicht gerade die Ruhe und dass ich eingekuschelt hier liegen kann.


SH
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Gast

Re: Genau jetzt

Beitrag von Gast » Mo Dez 02, 2019 10:52 pm

Hi SH,

ja das wäre bestimmt ein Thema für die Thera.
Heute war ein guter Tag.

Es war jemand hier und wir haben zusammen gebacken :)

Das allein sein kann ich jetzt auch genießen. Habe es mir gemütlich gemacht und kann das gerade ganz gut aushalten.
Wie schön, das freut mich! :)

Lieben Gruß Laraaa

Silberfee
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Silberfee » Mi Dez 04, 2019 11:18 am

Hallo SH,

Das hört sich wirklich nach einem schönen und entspannten Tag an. Sowas braucht man unbedingt mal zum "Auftanken".
Backen ist eine gute Idee. Meine Tochter ist zwar gerade krank, aber wenn es ihr morgen oder übermorgen besser geht, könnten wir eigentlich mal Ausstechkekse backen.
Viele Grüße
Silberfee

~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Dez 04, 2019 11:19 am

aoi hat geschrieben:
Sa Nov 30, 2019 4:27 pm


„Also vielleicht war mehr... so drumherum...“

Was meinst du hiermit?


Nun, mit 2drumherum" meine ich das was sonst so war. Bisher bin ich davon ausgegangen dass das was ich in Bezug auf meinen Vater erinnere alles ist was tatsächlich traumatisch war. Das "Drumherum" ist sozusagen mein Leben damals drumherum. Also alles andere.

Mir ist zwar bewusst dass manches belastend, aber eben doch ziemlich gewöhnlich war. Wenn ich nun aber davon ausgehe dass evtl. der Mittagsschlaf mit meinem Opa etwas missbräuchliches hatte... ist das ja mehr als wovon ich bisher ausgegangen bin. Dazu mein Onkel (wobei ich da ganz eindeutig mich in der "Schuld" Verantwortung sehe...

Zur Zeit am brsiantesten fühlt sich aber der Keller an.
Bisher war das eher eine als "Normal" gespeicherte Erinnerung/en... also bis das F Wort letztes Jahr damit in Zusammenhang gebracht wurde....


Zu meinem Onkel evtl. später mehr...



Heute war Thera und ich bin eher vrunsicherter, als vorher...

SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Dez 04, 2019 11:24 am

Silberfee hat geschrieben:
Mi Dez 04, 2019 11:18 am
Hallo SH,

Das hört sich wirklich nach einem schönen und entspannten Tag an. Sowas braucht man unbedingt mal zum "Auftanken".
Backen ist eine gute Idee. Meine Tochter ist zwar gerade krank, aber wenn es ihr morgen oder übermorgen besser geht, könnten wir eigentlich mal Ausstechkekse backen.
Viele Grüße
Silberfee
Oh das hat sich gerade überschnitten.

Backen, also wenn man es vorher gut organisiert, oder sich generell nicht zu viel vornimmt ist, finde ich, total schön :)

Ausstecher sind soooo toll (habe ich aber noch gar nicht gemacht dieses Jahr) da kann man so richtig verrückte Deko drauf machen, bis alles glitzert und bunt ist Oder aber, also das möchte ich auf jeden Fall noch machen: Also ich habe Bärchenausstecher und da lege ich dann eine Mandel auf den Bauch und mache die Arme da drumherum. Mit Ei einpinseln und backen.
Kein klassisches Weihnachtsmotiv, aber es sieht sehr süß aus, wenn die Bärchen auf dem Teller liegen und jeder seine Mandel fest hält :)


Die letzten beiden Tage verliefen wirklich gut. Die freien Tage VOR dem Urlaub waren Gold wert. Da konnte ich "runter kommen" und jetzt versuche ich den Urlaub wirklich zu nutzen, sowohl für Dinge die mir wichtig sind, als auch für ENTSPANNUNG und eben auch für "gesundes" (wie Schwimmen gehen, Tagesstruktur, Menschen treffen usw)


Lieben Gruß,
SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Dez 04, 2019 11:40 am

So, Therastunde heute... und erst in 14 Tagen wieder... deshalb noch viel Zeit zum drüber nachdenken, grübeln, aber auch Verdrängen... vielleicht auch deshalb hier ein wenig dazu.

EIGENTLICH wollte ich ja ein wenig etwas ansprechen... hatte mir vorgenommen irgendwie in Richtung Keller zu kommen, auch wenn der Gedanke daran schon stresst. Mal sehen, ob es beim nächsten Termin klappt, denn dieser war... ganz anders...

Erst Formelles, also der Antrag auf Langzeittherapie... auch leichter Stress was das betrifft... was wenn das nicht genehmigt wird?

Dann sehr konkrete Fragen zu meiner Mail und da spüre ich durchaus eine Blockade :(

Es ging sehr, sehr, sehr in Richtung Dissoziationen... und ja auch wieder die Frage nach unterschiedlichen Handschriften... und nach den Lücken....

Letztendlich, also das was mich gerade gedanklich ziemlich durcheinander bringt... nun, sie geht davon aus dass ich Täterkontakt habe, bzw. sie stellte die Frage und die Gedanken dazu in den Raum.

Kontakt zu IHM

NEIN, meiner Meinung nach defintitiv nicht... aber ich weiß nicht mehr alles von der Stunde und sie meinte, ich sei weg gewesen :oops: und Worte dazu.

Nun, ich denke nach wie vor, NEIN! Denn, wann??? Schulterzucken von ihr dazu...

Ich sagte was ich so alles kontrolliere (und wie verrückt ich das finde) und dazu gehört eben, mein Internetzeugs, mein Festnetztelefon, mein Handy UND auch mein Tageskilometerstand. Obendrein schreibe ich ALLES in meinen Kalender, also Dienste an der Arbeit und private Termine, offizielle Termine, meinen Zyklus...

Also,
NEIN ich rufe da nicht an,
und nein, ich schreibe auch nicht
und nein, mein Auto wird nicht bewegt
und für anderes "dahin kommen" fehlt nun schlicht und ergreifend ZEIT. Ich habe kein zweites Auto, oder Zugang zu einem anderen Auto, ÖPNV gibt es hier nahezu nicht, bzw. es wäre für die über 300(!!!!) km sowohl teuer, als auch zeitintensiv.

ALSO NEIN!


In der Stunde selbst und so ganz leise im Hinterkopf auch gerade bleibt aber eine Art Zweifel (oder Angst?)

Sie meinte so lange Kontakt besteht kann sich der Therapeut im Kreis drehen, man arbeitet sich kaputt daran, der Patient leidet.... es öffnet sich nichts... und eben dass sie die Erfahrung gemacht hat dass ein wirklicher und vollständiger Kontaktabbruch dazu führt dass man voran kommt (meine Worte)

Ich meinte daraufhin ziemlich leise und kleinlaut, wie ich das (Täterkontakt) denn sicher ausschließen kann...


Wie???

Bzw. habe ich doch bereits (siehe oben)


Ein kurzer Versuch von mir zu sagen dass ich etwas anderes vermutet habe und eigentlich ansprechen wollte... aber ich habs dann nicht geschafft...


Ich würde es gern übernächste Woche nochmal versuchen, weiß aber auch da nicht wie.. nicht genau wie... Wie sagte man denn dass man Erinnerungen hat die erzählbar waren... aber es nicht mehr sind, weil jemand ihnen den Titel "Folter" gegeben hat?

Vielleicht genau so... also wie der Satz gerade? Aber bei dem Wort verschlucke ich schon gedanklich halb meine Zunge...


Ach ja und erneut die Frage, ob ich aus dem Grauen überhaupt heraus will.... wir brauchen einen Dissoziationsstopp… eine Art Abmachung wohl, darüber dass ich voran kommen will und somit daran arbeite nicht wegzudriften…..


Anstrengend ist das. Therapie ist anstrengend und es schleicht sich ein Gefühl von alarmiert sein ein....

SH
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gastacht

Re: Genau jetzt

Beitrag von gastacht » Mi Dez 04, 2019 4:16 pm

liebe sh
puuh das klingt echt übel und ist ja wirklich wirklich nochmal eine ganz neue dimension.
weiß gar nicht recht was ich dazu sagen soll, außer dass ich gut evrstehe dass dich das total in aufruhr versetzt.
mmh also wenn du das alles so gut kontrollierst dann wundert mich das erstmal. andererseits können emails etc auch gelöscht werden, der kilometerstand manipuliert werden etc.
die thera sagt so etwas sicher nicht mal eben so.
andererseits ist das aber ja auch eine hypothese wenn ich es recht verstanden habe oder? und ich finde nicht dass du nicht voran kommst, und ich könnte mir vorstellen dass es dir auch NOCH schlimmer ginge, wenn das stimmen würde, wenn ich das mal so blöd sagen darf. stichwort svv und suizidalität.
und meine neue thera hat so etwas auch in den raum gestellt... also das heisst nicht dass es nicht stimmt, aber vielleicht ist das eben was was die sehr gut abchecken so ähnlich wie suizidalität. mmh sorry hilft dir auch nicht weiter, fiel mir nur gerade ein. und ja ich hatte auch wirklich angst...

mmh schwierig.
auch wenn ich deinen wunsch es zu sagen verstehen kann, finde ich angesichts dieser neuen situation dass eher stabilisierung und ruhe dran ist bzw. ein weiteres prüfen was an dieser "idee" dran ist als dass du da jetzt in die heftigsten trigger situationen ever einsteigst.
ich verstehe nicht so ganz wieso du das GERADE so unbedingt möchtest. ist das ein test eurer beziehung? ein wunsch nach zusammenbruch?
und ja ich denke ohne dass die dissoziationen besser handelbar sind hat ein reden darüber eh nicht viel zweck im sinne von etwas verarbeiten. dann ist es eher svv finde ich. (kenn ich irgendwoher :roll: )

wünsch dir dass du schönes machst, dich ablenkst und nicht zu viel grübelst außer vielleicht über ideen für dissoziationsstopps..
gastacht

~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Dez 04, 2019 7:50 pm

Hallo gastacht :)

Die Dimension ist ja seit nun fast zwei Jahren gleich. Das war immer und immer wieder Thema für mich. Nur hier oft winzig klein ;)

Diese Zeitlücken sind also schon länger da und dass ich da überhaupt nicht weiß was ich gemacht habe, bzw. die Wohnung anders ist als vorher (wobei das besser geworden ist seit ich das was ich da besonders nachts immer wieder heraus gekramt habe weggeworfen habe)

Das jetzt s konkret mit ihr durchzugehen war gut, aber zugleich eben ach anstrengend und es macht mir Angst. Ich mag diesen Kontrollverlust nicht und wehre mich dagegen. Würde es am liebsten ignorieren, nur wurde es davon nicht besser, im Gegenteil.

Das mit dem, mich selbst kontrollieren fing an als ich mich eigentlich von S distanzierte.... ich aber da quasi einen parallelfilm gefahren bin (die Thera brachte heute das Wortspiel doppelte und dreifache Buchführung und ich finde das einen ganz passenden Vergleich) während ich mich nicht mehr umbringen wollte, fand ich aber bei öffnen meines Browsers, sehr eindeutige Seiten... hier daheim waren Medikamente "verschwunden" und ich fand sie dann in sehr eindeutiger Kombination zusammen gestellt...
Das bewussteste in dem Bereich, also das was ich direkt und live mitbekommen habe, war/ist dass ich manches nicht aufräumen/sortieren kann, entweder es gelingt nicht, oder ich "darf" es nicht, wie bei einem Zwangsgedanken...

Sich das nun genau ansehen ist finde ich wichtig, aber eben schwer, richtig, richtig schwer, weil es verrückt ist und Angst macht.


Wie auch immer das genau funktioniert hat, aber SVV haben Dr.K und ich damals wohl endgültig besiegt, gelöst, oder wie auch immer man das nennen mag. Nur alte Narben und es gibt auch keine Handlungen die keine hinterlassen ;)


Ich will, im Grunde schon die ganze zeit DARÜBER reden. Nur gelingt es nicht :( ich sehe das jetzt nicht als SVV (?)

Bisher weiß ich nicht sicher was mir das reden so schwer macht. Meine Vermutung ist mittlerweile dass es die Kellergeschichten vielleicht auch sind. Also neben der Tatsache dass ich mich wider besseren Wissen noch immer schäme und mir eben auch oft die Schuld noch gebe, oder die Verantwortung, oder was auch immer...

Die Kellerdinge, plus, oder vielleicht in Kombination mit der Drohung damals... das wäre eine Erklärung und genau darüber würde ich wirklich gern mit ihr reden. Denn da half/hilft mir das Forum offensichtlich nicht.
Vielleicht muss ich es mir professioneller anschauen sozusagen.


Die Hypothese, oder was auch immer kam heute dazwischen... so wie bisher jedes mal etwas dazwischen kam, wenn ich konkret etwas von früher ansprechen wollte...

Habe das auch schon mehrfach gesagt... dass ich eigentlich etwas anderes besprechen wollte... und dann bekomme ich die Gelegenheit dazu und sie ist da, will zuhören... aber ich kriege den Mund nicht auf, oder dissoziiere weg, oder meine körperliche Reaktion wird so stark dass wir uns damit beschäftigen (was dann auch schwer ist, aber hinterher geht's mir deutlich besser)


Wenn ich in dem Tempo weiter mache bin ich alt, garu und wegen der Therapie hoffnungslos verschuldet ;) bis ich mal beim Punkt ankomme ;)


SH
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

aoi
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Re: Genau jetzt

Beitrag von aoi » Mi Dez 04, 2019 8:09 pm

Hallo liebe SH,

ich habe dich gelesen, nur fehlen mir gerade etwas die Worte. Es tut mir leid, dass du dich gerade so fühlst.
Der „Parallelfilm“ begann, als du dich distanziertest? Vielleicht hattest du da die Kraft, dich unbewusst dem Thema mehr zu widmen und hast begonnen es zu verarbeiten. Klar ist es total schwer sich das anzusehen. Aber du bist dadurch auch ein ganz, ganz großes Stück weiter gekommen. Kannst du das im Moment sehen?

Ich kann verstehen, dass du es ansprechen möchtest, aber dich dein Körper dabei hemmt. Du überlegst, ob es SVV ist? mmhh... das könnte sein, aber ich denke, von dem was du schreibst, klingen die Drohungen und deine Gefühle dazu für mich als Außenstehende als Gründe sehr einleuchtend. Im Übrigen bist du mit den Gedanken nicht alleine. Ich kenne es auch.

Wäre das vielleicht eine Möglichkeit sich dem Thema zu nähern? Dass du mit den damit einhergehenden Ängsten beginnst und nicht direkt mit dem Kellerthema einsteigst?

Das Thema ist total heftig und ich finde es auch wie Gastacht wichtig, dass du dabei da bist.
Oder hilft es es aufzuschreiben und ihr den Brief zu geben? Wäre das eine Möglichkeit. Vielleicht einen für dich und für Sie einen anderen, in denen du Stück für Stück beschreibst, worüber du sprechen möchtest?
~SteinHart~ hat geschrieben:
Mi Dez 04, 2019 7:50 pm
Wenn ich in dem Tempo weiter mache bin ich alt, garu und wegen der Therapie hoffnungslos verschuldet ;) bis ich mal beim Punkt ankomme ;)
Ja, auch das kommt mir bekannt vor :? Ehrlich gesagt, kann ich mir das bei dir aber gerade im Moment echt nicht vorstellen. Du arbeitest hart an dir, du bist so viel weiter gekommen. Ja, es kann sein, dass es noch einen Moment dauert bis du dich öffnen kannst. Aber die Thera ist doch auch noch relativ neu. Leider braucht es manchmal mehr Zeit als man es selbst möchte. Ich weiß, dass dir das jetzt nicht hilft. Aber ich möchte dir sagen, dass ich ganz dolle davon überzeugt bin, dass du deinen Weg gehst und es schaffst, die Dinge anzusprechen!

GlG Aoí

PS: Kontrollverlust ist einfach sch….

Laraaa

Re: Genau jetzt

Beitrag von Laraaa » Mi Dez 04, 2019 9:00 pm

Hallo SH,

da ist ja viel passiert bei dir..
dazu mein Onkel (wobei ich da ganz eindeutig mich in der "Schuld" Verantwortung sehe...

Zur Zeit am brsiantesten fühlt sich aber der Keller an.
Bisher war das eher eine als "Normal" gespeicherte Erinnerung/en... also bis das F Wort letztes Jahr damit in Zusammenhang gebracht wurde....
Ich kenne das.. in meiner Vergangenheit gibt es da ein Kapitel (geht in Richtung pr**titu**on), das ich zu 100% mir selbst zugeschoben habe bzw. Wo ich mir die Schuld gegeben habe. Nach endlosem hin und her und wegen so starkem Leidensdruck im Sinne von S.-Gedanken, weil ich mich so eklig gefühlt habe, habe ich alles der Thera geschrieben. Sie hat so erklärend und verständnisvoll reagiert und gesagt, Ja das ist passiert und Ja, ich habe das in den Situationen selbst herbeigeführt.. aber Nein, es ist nicht meine Schuld oder Verantwortung sondern ist absolute Reinszinierug vom ursprünglichen mb. Ich bin nicht "im Kern" so, sondern es gibt Anteile (ich meine keine dis, sondern nur Anteilsarbeit), die nicht anders mit ihren Erfahrungen umgehen können. Und ich war damals unter 14 und die Männer etwa 40, daher war es NICHT meine Verantwortung.
Dieses Thema zu klären hat bei mir so viel gelöst, deshalb schreib ich das gerade. Und dass du denkst, die Keller-Sachen seien "normal" gewesen oder was auch immer mit deinem Onkel.. dann zeigt das mMn nur, WIE verdreht du aufgewachsen bist, das sind absolute Schutzmechanismen. Etwas, das normal ist, ist nämlich nicht schlimm und damit kann man besser leben als mit dem unfassbaren Schmerz, der dahinter steht.. aber auf lange Sicht, bleibt man dadurch gespalten, weil die Dinge, ohne sie anzuerkennen, eben nicht integrierbar sind.. falls das gerade gar nicht passt und ich da zu viel von mir reingebe, dann sorry..


Das mit dem T*terkontakt.. ich habe nicht ganz verstanden, warum deine Thera diese Idee hat? Hat sie dir das konkret gesagt? Weil das hier kann finde ich auch gut ohne T*terkontakt sein.. da spielen ja auch so viele andere Sachen mit rein..
Sie meinte so lange Kontakt besteht kann sich der Therapeut im Kreis drehen, man arbeitet sich kaputt daran, der Patient leidet.... es öffnet sich nichts... und eben dass sie die Erfahrung gemacht hat dass ein wirklicher und vollständiger Kontaktabbruch dazu führt dass man voran kommt (meine Worte)
Also wir hier im forum können das nicht wissen und ich verstehe, dass der Gedanke Angst macht.. aber ich sehe gerade keine wirklichen Hinweise darauf, von dem her würde ich ruhig bleiben.. dass du dich so kontrollierst ist komisch, ja.. aber muss nicht damit zu tun haben.. das mit den s.-gedanken leuchtet mir da voll als Auslöser ein..

Eins noch: meiner Erfahrung nach, ist Dissoziation kein Therapie- oder Verarbeitungskiller. Man muss es einfach gut im Blick haben.. aber ich sehe es für mich bis heute als "akzeptable" Strategie, wenn etwas zu viel wird.. da gibt es so viele destruktivere Möglichkeiten :? Aber ja es ist wichtig, darauf zu achten, und dann wieder etwas raus zu gehen aus dem Thema. Meine Thera sieht das wie ein Pendel.. wir pendeln ins Thema.. bisschen disso ist ok.. wenn es sehr deutlich wird (du beschreibst natürlich schon seeehr starke Sachen), dann gehen wir wieder einen Schritt zurück..

Mhm also mach dich nicht verrückt und versuche gut für dich zu sorgen.. ich finde du kommst in den letzten Wochen sehr viele Schritte weiter und leistet sehr viel in der thera! Das braucht halt einfach Zeit..

Lieben Gruß
Laraaa

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Re: Genau jetzt

Beitrag von Silberfee » Do Dez 05, 2019 1:53 pm

Hallo SH,
die Frage zu klären,ob es noch Täterkontakt gibt oder nicht, ist natürlich schon sehr wichtig. Davon hängt die Arbeitsweise in der Therapie ab. Allerdings finde ich es jetzt auch wichtig, keine Panik zu verbreiten.
Irgendetwas in dir ( Anteil oder was auch immer) scheint ja ein Wissen darüber zu haben, wenn der Therapeutin dazu etwas gesagt wurde.
Gut ist schon mal, dass du einiges so akribisch kontrollierst. Ich finde, du solltest da auf jeden Fall aufmerksam bleiben ( deine Therapeutin natürlich auch), aber, wie bereits geschrieben, nicht in Panik verfallen.

Silberfee

~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Dez 09, 2019 11:25 am

Danke euch,
also ich denke es gibt KEINEN Kontakt.

Vielleicht klopft sie nur die Möglichkeiten ab, die dazu führen könnten dass ich nich rede.
Täterkontakt war von ihrer Seite aus von Anfang an Thema. Meine Mutter, mein Bruder...
Sind aber eben KEINE Täter(!)

Naja... bisher habe ich auch kaum sachdienliche Hinweise gegeben.
Außer Scham- und Schuldgefühlen die ich bestätigt habe kommt immer wieder das Thema Loyalität ihm gegenüber als Thema. Ich sehe das ja nicht...

Kein Kontakt und außer dass ich es irgendwie interessant finde dass sein und mein Leben auseinandergefallen ist auch keine Sympathie für ihn.

Drechsack!

Aber die neuste Erklärung für die immer wieder aufkeimende Duizidalität (meiner Meinung nach nur mögliche Erklärung) sei sich lieber selbst umzubringen, als ihn zu verraten...


Vielleicht schaffe ich es ja nächste Woche eines meiner Themen asnzusprechen.


Ich habe ja Urlaub und der läuft bisher wirklich gut. Lediglich gestern wirkt heute negativ nach.
Sauna war gut, aber die Massage wirkt heute nach. Ich fühle mich wie zusammengetreten :(

Er hat geschlagen und getreten.... so richtig heftig aber erst gegen Ende... als sie ständig weg war und ich so ne Art Blitzableiter für seine Wut und den Frust war.

Gewalt gab's immer und reden durfte man auch über vieles nicht...

Was zu Hause geschah, blieb daheim, was am Tisch besprochen wurde blieb da, was im Keller geschah blieb im Keller....

Ich denke dass DA die Lösung zu finden ist.

Und sei es drum, dann eben mit "Anteilen" arbeiten um diesen Knoten endlich zu lösen.

SH
Die Zeit bewegt sich in eine Richtung, die Erinnerung in eine andere.
(William Gibson)

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