Genau jetzt

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Aufatmende
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Do Jun 06, 2019 7:04 pm

Bei mir nimmt den Körper spüren bestimmt ein Drittel der Therapiesitzung ein. Sonst wäre es gar nicht möglich, das Alte, Zersplitterte mit der Gegenwart zu verbinden.
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Imagica
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Imagica » Do Jun 06, 2019 9:25 pm

Hi SH,

in Anwesenheit von anderen bewege ich mich auch lieber nicht. Der Schulsport war mir immer ein absolutes Gräuel, weil ich das da mußte. Genauso wie ich in Anwesenheit von anderen nicht singe, nicht tanze, nichtmal essen mag ich, wenn irgendwer dabei ist. Und sogar trinken ist ein Problem. Eigentlich mag ich wirklich überhaupt garnichts tun, wenn irgendwer anders dabei ist, und mich sehen könnte. Außer meine Kinder, da geht zumindest sowas wie essen und trinken. Bewegen (sportlich), singen oder tanzen wäre aber absolut unmöglich, auch vor meinen Kindern.

Als Teenie konnte ich in der Schule einen Teil eines Musicals zusammen mit anderen vortanzen, das ging komischerweise. Allerdings waren wir da auch alle so sehr geschminkt und kostümiert, daß uns eh keiner mehr hätte erkennen können, so war das ok und ich war sogar stolz wenn wir das aufgeführt haben. Da hatte ich sogar eine der auffälligeren Rollen, die aus der Masse rausstachen und es war völlig ok für mich. Da hatte ich ja eine Art Maske und keiner konnte mich erkennen. Aber alles ohne "Maskierung" geht nicht. Warum das so ist, kann ich auch garnicht so genau sagen. Ich weiß nur, daß ich immer Angst habe, es könnte sich irgendwer lustig über mich machen, aber woher diese Angst kommt, weiß ich wirklich nicht.

Eigentlich ist es ja ein gutes Zeichen, wenn Du nach der Arbeit müde bist, finde ich. Sollte man nicht danach eigentlich auch k.o. sein? Also ich war das jedenfalls immer. Und mit Deinem wenigen Schlaf, ist es ja auch gut, wenn Du dann mal tatsächlich schläfst.

Liebe Grüße,
Imagica

~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Jun 10, 2019 11:27 pm

Hallo Imagica,

interessant wie ähnlich das ist bei uns, so immer mal wieder.

Ich glaube ich war schon immer hin und hergerissen zwischen schüchtern/unsicher sein und auch mal forsch und vorlaut sein... bzw. deutlich mehr noch... sehr viel gegensätzliches.

Das wird schwierig werden, mit dem sich bewegen... aber komplett ablehnen mag ich es jetzt auch nicht.

Ja, dieses müde sein nach der Arbeit ist normal und tut mir auch mitunter gut. So habe ich Zeit an der Arbeit sinnvoll verbracht und verbringe dann Zeit , ohne Blödsinn zu machen.... nichts tun und sich dabei nicht schlecht fühlen, weil eben "berechtigt" müde... nur leider schaffe ich dann daheim nur wenig und vermeide auch gerne mal Kontakt zu anderen.... ein Seiltanz eben. Ohne Arbeit bin ich nix, mit Arbeit schaffe ich nur wenig was mit "ich sein" zu tun hat...


SH
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~SteinHart~
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mo Jun 10, 2019 11:43 pm

Besuch gehabt, das erste mal seit langem. Schön war es, anstrengend aber auch.

Die Ablenkung tat gut.

Jetzt schlage ich mich aber schon wieder seit Stunden damit herum dass ich trauere, oder so etwas in der Art. Dr.K. :(
Ich weiß dass ich ohne sie klar komme. Generell und eben auch was Therapie betrifft. Was mir aber nicht so ganz klar ist: will ich das überhaupt?

Dr.R. meinte ich wäre total ambivalent gewesen... ich weiß dass sie ganz oft nachhakte ob ich nicht doch zu Dr.D wollen würde... das war frustrierend, weil dem ja gar nicht so war. Ich hatte mich fest für sie entschieden(!)
Tja und jetzt? Jetzt frage ich mich, ob sie mit ihrer Wahrnehmung nicht doch richtig lag. nur eben dass es nicht um Dr.D ging. Vielleicht will ich ja doch lieber Dr.K ? Ehrlich gesagt ist das wahrscheinlich so. Nur halt eben nicht möglich.

Aber Dr.R will ich ja auch. Wollte ich von Anfang an. Also seit dem ersten Termin bei ihr. Finde ich, glaube ich, denke ich.

Ob das besser wird, wenn dieser Monat vorbei ist? Wenn es ohnehin "nur noch" sie gibt, wenn Dr.K weg ist?

Ob das etwas kaputt macht an der Therapie? Ob etwas schwerer ist dadurch? Oder ob es vielleicht doch ganz normal ist und gar nicht so bedeutend, oder dramatisch ist, wie ich das gerade sehe?


Ach was mache ich nur? Ich weiß nicht wie ich angemessen trauern kann, weiß nicht wann es auch einfach mal gut ist und ich weitergehen kann/soll/muss???

Mehr ablenken?


Mehr auf Dr.R einlassen?


Ich warte auf die Therapiestunde diese Woche. Ich warte schon seit Ende der letzten Stunde... Ich möchte ja zum einen genau wissen wie das mit dem Bewegen wäre... aber ich will auch nochmal klar machen dass ich fest bei ihr bin, überhaupt nicht vorhabe zu jemand anderem zu gehen (wie ich das aber rüber bringen soll, wo doch da so viel Trauer gerade ist wegen Dr.K weiß ich nicht) ja und meine Geschichte... was herrje mache ich damit? Wollte sie ihr ja auch geben. Habs aber nicht geschafft. hatte sie ja dabei letztes Mal. Es ist schwerer etwas direkt abzugeben. Das war in der Klinik ja so "leicht", ins Fach legen lassen und fertig. Gut es war dann emotional doch sehr schwer, als es abgegeben war... Ach man...

Warum soll sie das wissen?

Tja, ehrlich gesagt weil ich der Meinung bin manches wird dann klarer... wir hatten in der letzten Stunde kurz ein Tema das ja in der Klinik auch Thema war... und ja da hat sie ebenso wie die in der Klinik erstmal in die "falsche" Richtung gedacht.... die offensichtliche eben... aber meiner Meinung nach hat es eben einen ganz anderen Ursprung. Da ich DAS aber nicht einfach so erklären kann, weil ich es eben nicht sagen kann... nun deswegen wäre es deutlich leichter wenn die Info als solche bei ihr ist(?)

Reden geht nicht... sagte sie ja auch :( Das geht bei mir nicht :( (irgendwie frustrierend)

Vielleicht muss sie ja tatsächlich GAR NICHTS wissen, so rein objektiv und dieses Zittern alleine reicht? Irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen. So ohne irgendwie zu wissen worum es geht?


SH, ratlos, frustriert, trauernd
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Bambus 1 » Di Jun 11, 2019 10:07 am

Hi sh,

ich kann dir leider nichts wirklich hilfreiches dazu schreiben um deine zerrissenheit aufzulösen. Ich kann nachvollziehen dass diese Gefühle nicht gut tun. Ich habe dich gelesen und kann dir eigentlich nur sagen, versuche dich im Vorfeld nicht verrückt zu machen, lass es auf dich zukommen. Ist schwer, tut mir Leid.

Viele Grüße und hoffentlich heute etwas mehr Ruhe da drinnen.

Bambus

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Jun 12, 2019 5:59 pm

Danke Bambus :)
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Mi Jun 12, 2019 6:36 pm

Oh man. Therapie ist wie Achterbahnfahren, oder Sport und dazu dann noch der Kopf. Gedanken ohne Ende...

Eben nochmal kurz mit ihr telefoniert. Sie rief kurz nach dem ich hörte dass erst morgen wieder Sprechzeit ist zurück.
Ich soll das nicht allein hier daheim machen. Lieber mit in die nächste Stunde nehmen. Sie möchte das mit mir gemeinsam machen. Das wäre schön, sagte sie.

Ja und sie hat Recht denke ich. Ambulant eben, nicht mehr Klinik. Nicht mehr der total schützende Konkon (alles meine Worte jetzt) Es muss jetzt warten bis es wieder an der Reihe ist. Das Leben geht weiter, der Alltag mit den Katern und morgen wieder Arbeit... das Leben geht weiter.

Also wegpacken, in einen Bottich, ein Gefäß. Ebenso eines wie wovon wir heute sprachen. Ich mache aber noch Klammern an den Deckel. Damit es da auch sicher drin bleibt bis nächste Woche.

Vielleicht nutze ich den Thread hier nun mehr als Bottich, denn als Aufarbeitungsfläche. Mal schauen. Denn irgendwo soll es hin.

Alles rast noch dezent wild durcheinander. Viele Themen gab es und schwierige und ich redete und blieb da...
Ich mag ihre Art, das war so wie in der Klinik (Kunststück ist ja irgendwie "ihre" Klinik, da war so viel von ihr in allen Kontakten) mich loben lassen war nach wie vor schwierig, aber auch wohltuend. Etwas gut gemacht zu haben, das positive herausstreichen. und das mich vehement begleiten wollen. MIT mir da durch gehen. Einen Teil MITtragen.
Durch das Gefühl durch gehen, gemeinsam. Das Gefühl benennen, ihm Raum und Zeit geben. Es aushalten und sogar fördern.

ungewohnt gut. Aber auch anstrengend.

Die Themen sowieso.

Irgendwie ist mir die Fähigkeit abhanden gekommen die Stunde komplett und vor allem chronologisch wieder zu geben.
Das war aber auch so viel...

Die Trauer Dr.K gegenüber darf sein und sie hat das sehr unterstützt. Möchte aber auch sowas wie ein "Rumpelstilzchen" sehen.... nun das ist (noch?) nicht da. Ich trauere, gönne ihr aber den Ruhestand. Dr.R. hat aber ganz lustig vorgespielt was da auch sein darf. Rumpelstilzchen eben. Im Kreis herum stampfen und sagen "ich will, will, WILL, mehr, mehr und MEHR davon" dass es eben nicht aufhören soll, dass ich wütend bin über die Rente usw. Nun vielleicht kommt das ja tatsächlich noch. Ich soll es auch jeden Fall nicht unterdrücken, sondern das wäre ganz wichtig.

Der Besuch war Thema... und dann eben auch mögliche Beziehung... und wieder die Frage ob ich diese "Traumaverklebungen" überhaupt hinter mir lassen will? Schon wieder.

Und ja, ich finde das will ich.

Sie sagt aber, jedesmal wenn ich mir schade, oder ein wachsen unterbinde... ist das täterloyal(!) ähm.... er habe mich wie einen Bonsai klein gehalten, jedes sich regen und wachsen direkt abgeschnitten, aus Angst entdeckt zu werden.

Soweit so gut... aber dass ich das heute selbst tue... bzw. das dass was ich tue, oder nicht tue täterloyal sein soll??? Ich sehe das noch nicht wirklich.
Dennoch denke ich darüber nach, denn ja, ich habe das Studium nicht beendet, nach der gescheiterten Beziehung keine neue gesucht, mich immer mehr zurück gezogen, bis in den Dauernachtdienst... ja...

Nur, ich will tatsächlich keine Beziehung, habe sowas von kein Interesse mehr daran Sozialarbeiter zu sein und auch ein Examen strebe ich nicht an. Ich will einfach nur wieder im Alltag klar kommen.

Auf jeden Fall soll ich mir Gedanken machen, über die Zukunft. Ohne Ziele sei das ja sehr schwierig alles. Tja...


Er darf auch gut gewesen sein. Ja und das war eins der wirklich schweren Themen. Ich hätte ja schon von seinen positiven Seite erzählt. Sympathisch wirke er auf sie, in den Erzählungen.
Das darf er gewesen sein, ich darf ihn vermissen und mich nach ihm sehnen.... ähm... nee... tu ich nicht, finde ich. Oder fand ich vor Ort...

Eine Übung, Imagination, wie auch immer... mit eben zwei Beton-Bottichen. in den einen kommen die positiven Gefühle. In den anderen die unverzeihlichen. Sie dürfen da sein, sollen das. Nur vermischen dürfen sie sich nicht. Soweit so gut.

Es gehe ja viel mehr als vor der Klinik meinte sie. Ja, das ist wohl so... sie konnte Dinge ansprechen (auch Dinge bezüglich Lust und das manches sich, ganz selbstverständlich, gut angefühlt haben wird und das sei eben so und nicht schlimm...) und ich blieb und konnte mir das anhören und auch ein klitzeklein wenig zulassen dass es ins Gefühl kommt...

Mir fällt gerade erst auf dass vor Ort nahezu kein Gedankenchaos herrschte.

Meine Mutter war auch Thema... ein weiteres Gespräch schlug sie vor. Bei sich. Und dass man das vielleicht besser nicht auf die lange Bank schiebt... äh nein... da bin ich mir jetzt ziemlich sicher... lieber gaaaaaaanz lange Bank.

Zum Schluss die Frage wie es mir geht... ich sagte ehrlich gesagt fühle ich mich schlecht. Da war ein schlechtes Gefühl, aber ich wusste nicht woher das kam, wozu es gehört. Durch nachfragen kam ich dann auf Ekel. Aber eben ohne zu wissen wo das hingehört... es kam zeitverzögert...
Sie sortierte ein, bzw. sagte wo sie glaubt dass es dazu gehört. Bei welchem Thema sie damit bereits gerechnet hätte...
Dann eine schöne Imaginationsübung um den Ekel los zu werden.
Es half....

nur war dann Traurigkeit da. Sie sieht das... und dann sollte die Platz haben und raus kommen und sie sie mit mir tragen... aber das war sehr, sehr schwer. Ich wollte das erst weg drücken... aber sie war soooo da und lieb.... und so war sie dann auch mehr da... die Traurigkeit...

Ich fragte ob ich meine Geschichte da lassen soll... dass ich sie da lassen will....
nein lieber wenn ich dabei bin... denn sie würde sie ja kopieren... (oh man, das hatte ich nicht bedacht) und letztendlich... nun sie möchte lieber die kleinen Bröckchen die ich sagen kann, wenn ich sie sagen kann. Das reicht.
Das nahm tatsächlich auch Druck raus. Denn ich sage ja immer mal was... und sie lässt dem auch Raum...


Hier daheim dann, kam ganz viel... die Trauer um Dr.K aber eben auch ganz viel mein Vater.... und Bröckchen... ganz viele... Teile von großen Felsbrocken... und der Gedanke es ihr zu sagen und da durch zu gehen... so dass es dann besser ist hinterher...

Aber viel war es und durcheinander. Es vermischte sich auch mit der Abschiedstrauer zu Dr.K
Ich versuchte in die Bottiche aufzuteilen...

Kopfschmerzen und Schwindel... geschlafen habe ich eingewickelt in die Decke aber auch...

Und irgendwann rief ich bei ihr an. Weil eben so viel vermischt war und überhaupt alles so viel...


Das sei ach gut und ich soll anrufen wenn noch was ist. Aber wir arbeite jetzt eben Ambulant und da braucht der Alltag Platz. Alles verpacken und nächste Woche mitbringen. Wir machen das gemeinsam.


So und damit lege ich dann jetzt den Deckel drauf und schließe die Klammern.

SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Do Jun 13, 2019 7:15 am

Wow. Welch ein gewaltiger Fortschritt! Ich wünsche dir ganz viel Mut für deine Gefühle und erfolgreiches Wegpacken und einen möglichst stabilen Alltag!
Wie kann man denn Ekel weg imaginieren ?
Bei mir klappt das am besten mit Essen und das funktioniert imaginativ leider nicht.
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Jun 13, 2019 3:17 pm

So richtig sehe/spüre ich den Unterschied zu vorher nicht. Ich bin nicht so schweigsam, sacke nicht so schnell weg... da genau das (also wegdissoziieren) in der Klinik aber oft vorkam weiß ich nicht so recht ob das jetzt nicht Zufall ist, oder sowas?
Naja, sie ist auf jeden Fall begeistert.
Ich gehe gern hin und es hat sich gestern zum Beispiel soooo viel gelöst, ohne dass dann aber ein Erdrutsch folgte... also es hilft.

Der Alltag hatte mich heute schnell wieder und mir tut gerade einiges weh. Da ich ja noch auf Sparflamme "abreite" muss ich mir für nächste Woche (da geht's wieder regulär an die Arbeit) etwas überlegen. Ich achte da zu wenig auf meinen Körper glaube ich. Ich laufe und stehe "falsch".... habe heute mal versucht darauf zu achten.

Mhm, also wie genau die Übung hieß habe ich vergessen. und ich war so schnell drin in dem Bild dass da nur wenig von dem was Dr.R sagte bewusst noch erinnerbar ist. Aber sie half... die Stimme habe ich schon noch im Ohr...

Irgendwas mit "Meer" hieß es.
Sie fragte ob ich Wasser mag (ja)

Ich sollte mir vorstellen in einem großen, sauberen Meer zu schwimmen... da war ich noch nicht ganz drin und flapste ein wenig frech, dass es also keines auf der Erde ist. Sie meinte, nein, ein imaginiertes.... nun ich sollte mir nun also vorstellen wie ich in dem kühlen Meer schwimme und tief eintauche... alles was sich eklig anfühlt, jedes Körperteil.... wird quasi rein gewaschen.... der Ekel verfliegt im Meer....

Ich hörte da nicht mehr so viel bewusst von dem was sie sagte.... nahm nur wahr dass sie da irgendwie mit geht.... also Verbindung war da...

Mir half das sehr... als wäre ich wirklich in einem riesigen Ozean für mich ganz allein. Klares Wasser und mich darin bewegen..... dann kam tatsächlich ein Gefühl von Sauberkeit... erst auf der haut, dann tiefer... als würde aller Ekel nach außen transportiert und direkt von der haut weg gewaschen....


Irgendwann war es zwar gut... aber eben still... und sie meinte ich wirke traurig....

Dem war so, aber warum weiß ich genau so wenig wie warum der Ekel so stark da war.

Es waren meine Gefühle, aber so aus dem nichts irgendwie...ein wenig fremd, ohne dass es sich so angefühlt hätte...

Kein Gedankenwirrwarr. Das finde ich fast schon komisch... bei so starken Gefühlen kommt sehr oft "altes".... vielleicht kam dieses mal einfach "nur" das Gefühl, ohne alte Gedanken...

Nun durch die Trauer hindurch war schwerer als weg vom Ekel.

Warm eingewickelt in ein Handtuch (sagte sie) da sitzen, in der Sonne und mich wärmen... die Traurigkeit raus lassen...

Sobald ich das aber deutlich als traurig sein erkannte, ging nicht mehr so viel... ich hätte es gern weggedrückt, was aber nicht ging. Ihre Worte waren wehsüß… zulassen, sie mittragen lassen.... das mit mir tragen wollen, da sein wollen....

Ich ließ zu was ging...


Dieses, sich so offensiv anbieten ist irritierend. Es fällt mir schwer das anzunehmen. Ob da nun mein Autonomiebedürfnis im Weg steht?
Dass das hilft, habe ich in der Klinik gemerkt. Irgendwann ging es ja dann und tat so unglaublich gut.

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Do Jun 13, 2019 3:39 pm

Wobei ich gern auch unangenehmes sagen will... Vielleicht ein paar Bröckchen... und vielleicht mithilfe des geschriebenen... es muss ja nicht alles sein.

Denn neben allem im Bottich ist da noch so viel mehr...

Sie sucht immer nach Wut und Ärger... oder nach dem "Rumpelstilzchen" sie kann wohl auch damit umgehen... lehnt das nicht ab, mich nicht ab... vielleicht auch durch Betonbottiche, wer weiß?


Zwei Dinge würde ich wirklich gern sagen, oder von mir aus "rüber bringen" Rede klappt ja nicht wirklich gut :(

Zum einen nervt es mich dass ich das eine nicht mehr sagen kann, seit bei der Anhörung letztes Jahr der Mann dort meinte es wäre "Folter" gewesen. Es kotzt mich auch an, dass ich nicht mal das Wort einfach so schreiben kann. zweimal aufstehen, weg vom Tablet. Mehrere Anläufe... für ein Wort, schriftlich, anonym....

Dieses nicht essen wollen was jemand anderer mir aussucht würde ich auch gern zum Thema machen...

Das sollte doch jeweils nicht so schwer sein, finde ich. Da ist ja nicht mal MB dabei.

Tja und ich würde mir tatsächlich gern mal genauer anschauen was da an meinem Geburtstag passiert und in auch wenn etwas aussichtslos erscheint. Die Suizidalität. Da blicke ich nicht alle Zusammenhänge.
Die Thera in der Klinik meinte, diese Anteile(?) seien am verzweifelsten, bräuchten am meisten... oder so ähnlich... ich blockte da sehr ab. Wollte mich nicht näher, oder tiefer damit beschäftigen, sondern die Zeit gut hinter mich bringen... schnell weg davon...


Vielleicht schaffe ich es ja mal ein Thema durchzuziehen...

SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Do Jun 13, 2019 4:56 pm

Ich habe da viele nahe liegende Theorien zu, weil ich das klein geschriebene Wort nur zu gut kenne. Aber das bringt dich ja nicht weiter.
Würde es momentan nicht reichen, dass du bei deinen Gefühlen bleiben kannst, ohne zu dissoziieren? Dass du dir das Wasser wiederholen kannst, wenn der nächste Ekel kommt? Das ist doch schon ein großer Erfolg.
Ich hatte eher Übelkeit, Würgereiz im Sinn. Da hilft Wasser eher nicht.
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Silberfee » Do Jun 13, 2019 5:13 pm

Hallo SH,
das hört sich alles nach einer richtig guten Therapeutin an.
Dieses Mitgehen, Mitfühlen und Mittragen ist erstmal sehr irritierend, das kann ich gut nachvollziehen. Du kennst es ja vermutlich auch nicht von früher. Meine Therapeutin ist auch so und es tut so gut, aber manchmal auch weh, weil ich jetzt erst merke, was ich früher NICHT hatte.

Du schriebst: Das kann ja nicht so schwer sein, da ist ja nicht mal MB dabei.
Puh, ich weiß gar nicht genau, wie ich dir das jetzt schreiben soll... F**t*r bedeutet furchtbare Schmerzen und Todesangst. Und bei dem zweiten, das Nicht-Essen-wollen, was jemand anderes dir vorsetzt, könnte im weitesten Sinne auch damit zu tun haben. Ich mag grade nicht deutlicher werden, weil meine Gedanken vielleicht auch in die falsche Richtung gehen.
Mich wundert es deshalb überhaupt nicht, dass es schwer ist, es anzusprechen.

"Vielleicht schaffe ich es ja mal, ein Thema durchzuziehen..." Viele Themen kommen immer wieder und es dauert, bis mein damit"fertig" ist. Meine Therapeutin meinte, dass sei wie eine Spirale. Die gleichen Themen kommen wieder und wieder, aber jedes Mal kommt man ein Stückchen weiter...

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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Fr Jun 14, 2019 4:24 pm

Aufatmende hat geschrieben:
Do Jun 13, 2019 4:56 pm
Ich habe da viele nahe liegende Theorien zu, weil ich das klein geschriebene Wort nur zu gut kenne. Aber das bringt dich ja nicht weiter.
Würde es momentan nicht reichen, dass du bei deinen Gefühlen bleiben kannst, ohne zu dissoziieren? Dass du dir das Wasser wiederholen kannst, wenn der nächste Ekel kommt? Das ist doch schon ein großer Erfolg.
Ich hatte eher Übelkeit, Würgereiz im Sinn. Da hilft Wasser eher nicht.
Mhm, das macht mich jetzt halt doch neugierig :oops:

Ja das mit den Gefühlen ist wohl tatsächlich ausreichend. War ja in der letzten Stunde schon fordernd genug und hinterher erst recht. Vielleicht muss ich da wirklich meinen (Leistungs-(Druck) etwas runter fahren. Der Vorteil an der Thera ist, dass sie ein sehr feines Gespür für so etwas hat Sie bremst, wenn ich zu viel will...
Drei Stunden ohne dissoziieren und das mit doch immer wieder schweren Themen und Infos in Bröckchenform. Mhm, das ist ein persönlicher Rekord, wenn ich so darüber nachdenke.

Schade dass die Übung nicht passt. Wobei ich genau durch die von dir genannten Empfindungen, mit Hilfe der Thera überhaupt zu der Bezeichnung "Ekel" kam. Während der Übung löste sich das dann auf.

SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von ~SteinHart~ » Fr Jun 14, 2019 4:32 pm

Silberfee hat geschrieben:
Do Jun 13, 2019 5:13 pm
Hallo SH,
das hört sich alles nach einer richtig guten Therapeutin an.
Dieses Mitgehen, Mitfühlen und Mittragen ist erstmal sehr irritierend, das kann ich gut nachvollziehen. Du kennst es ja vermutlich auch nicht von früher. Meine Therapeutin ist auch so und es tut so gut, aber manchmal auch weh, weil ich jetzt erst merke, was ich früher NICHT hatte.

Du schriebst: Das kann ja nicht so schwer sein, da ist ja nicht mal MB dabei.
Puh, ich weiß gar nicht genau, wie ich dir das jetzt schreiben soll... F**t*r bedeutet furchtbare Schmerzen und Todesangst. Und bei dem zweiten, das Nicht-Essen-wollen, was jemand anderes dir vorsetzt, könnte im weitesten Sinne auch damit zu tun haben. Ich mag grade nicht deutlicher werden, weil meine Gedanken vielleicht auch in die falsche Richtung gehen.
Mich wundert es deshalb überhaupt nicht, dass es schwer ist, es anzusprechen.

"Vielleicht schaffe ich es ja mal, ein Thema durchzuziehen..." Viele Themen kommen immer wieder und es dauert, bis mein damit"fertig" ist. Meine Therapeutin meinte, dass sei wie eine Spirale. Die gleichen Themen kommen wieder und wieder, aber jedes Mal kommt man ein Stückchen weiter...
Oh ja, es tut weh-gut und ist ungewohnt.
Dr.K war auch "liebevoll" aber nicht so aufdringlich. Weiß nicht wie ich das umschreiben kann.
Dr.R hingegen verhält sich so und sagt Dinge wie ich sie aus den Kindergartenpraktika von daaaaaaaammmmmaaaaaaaals kenne. Ich fühle mich da als würde sie mich an sich binden... das ist ja nicht negativ, aber eben ungewohnt.

Nun, ich glaube ja zu wissen womit das zusammen hängt. Hatte die Erinnerung dazu hier auch mal geschrieben (aber mittlerweile glaube ich wieder gelöscht) es gibt eine einzelne "große" Erinnerung und eben so Alltagsgrausamkeiten (wie ich sie nenne) das alles ist (meiner Meinung nach) von Folter nun wirklich sehr weit entfernt. Vielleicht bin ich da einfach zu sensibel was die Außenwirkung betrifft. Ich konnte es erzählen bei der Anhörung. Seit DIESE Bezeichnung von dem Mann kam, nicht mehr....

Sehr ähnlich ist es bei dem Essen. Wobei ich da tatsächlich nur diese eine Erinnerung habe die grundsätzlich hochkommt wenn irgendwas in der Art passiert. Bis auf diese eine und vielleicht noch eine handvoll unangenehmer (aber normaler!) Erinnerungen durfte ich immer essen was ich wollte.


Mhm, das Bild von der Spirale gefällt mir. Es passt sehr gut. Bei mir sind es ja auch ein paar wenige Erinnerungen in einem Meer von Erinnerungen die immer wieder auftauchen.

Danke dafür SH
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Re: Genau jetzt

Beitrag von Aufatmende » Fr Jun 14, 2019 4:43 pm

Auf deine Frage hin schreibe ich jetzt, was ICH erlebt habe. Lesen TRIGGERT!
Mein Vater hat mich meine eigene Scheiße fressen lassen.
Er hat mich gezwungen, hochprozentigem Alkohol zu trinken. Der verursacht auch körperlichen Schwindel.
Er hat sein Sperma auf meiner Brust verteilt.
Ich musste sein Sperma schlucken.
Ich kann das jetzt schreiben, ohne dass mir übel wird. Es ist abgeschlossene Vergangenheit. Hat aber viele, viele Jahre gedauert. Ich kann das sogar imaginativ alles mit ihm machen, wenn ich will!
In der Folge fand ich mich selber widerlich.
Das ist auch vorbei. Schwierigkeiten beim Duschen oder Eincremen oder beim Zähne putzen mit der elektrischen Zahnbürste habe ich noch gelegentlich.
Ich gehe davon aus, dass die meisten hier Ähnliches schreiben könnten.
Wenn das hier nicht her gehört oder dich belastet, lass es einfach löschen.
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